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Julius Andrews - Auf seinem Weg in die Zaubererwelt von Thorsten Oberbossel

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Am Dienstagmorgen bekam Julius einen Brief seiner Mutter, den sie von New York aus losgeschickt hatte. Sie schrieb, daß Zachary Marchand die Party nicht habe feiern können, weil jemand ihm übel mitgespielt habe. Wie genau habe er ihr jedoch nicht erzählt. Jedenfalls habe er vorerst jeden direkten Kontakt mit Leuten, die ihm wichtig seien beendet, um sie nicht in Gefahr zu bringen. Das stimmte Julius etwas nachdenklich. Er schrieb seiner Mutter zurück, daß sie gut aufpassen solle, weil er nicht wisse, ob das, was Zachary passiert sei nicht auch ihr passieren könne. Dann holte ihn der übliche Trott des Schultages wieder ein.

Als die Teilnehmer des Zauberwesenseminars den kleinen Illusionsraum betraten meinten sie, in ein pechschwarzes Loch hineinzustolpern. Totale Finsternis umgab die Schülerinnen und Schüler. Der Boden fühlte sich weich wie ein dicker Teppich an und schluckte ihre Schrittgeräusche. Die Wände schinen unendlich weit entfernt zu sein. Zumindest hörte es sich an, als stünden sie auf einer weiten Ebene im Freien.

"Hui, wie im Leerraum zwischen den Galaxien", bibberte Jean Gaspard, der neben Julius herging. Der Saalsprecher der Grünen hörte die Angst aus der Stimme des Jungen heraus. So verzichtete er darauf, ihn darauf hinzuweisen, daß sie dann ja die Leuchtflecken der fernen Sternenansammlungen sehen müßten. So fragte er nur, ob Jean Angst vor der Dunkelheit habe. Jean erwiderte aggressiv: "Wie komms'n dadrauf, ey? Wollte nur sagen, daß das so aussieht wie ganz draußen aus der Milchstraße." Julius genügte die Antwort, um zu verstehen, daß er auf Jean aufzupassen hatte, wenn Delamontagne diese Vollverdunkelung den ganzen Abend durchhalten wollte.

"Soll das heute eine Übung sein, sich blind die Schuhe zuzubinden?" Scherzte einer der im blauen Saal wohnenden Sechstklässler.

"Nein, die Herrschaften, diese absolute Verdunkelung verfolgt einen anderen Zweck", erwiderte Professeur Delamontagne, der gerade durch die Tür hereinkam. Doch niemand sah den Korridor. Die Illusionsmagie war so ausgefeilt, daß selbst bei offener Tür die Rundumdarstellung anderer Ortschaften vorhanden blieb.

"Was soll dann das dann hier?" Fragte Jean mit aus Angst erwachsener Verärgerung.

"Das ich Ihnen heute die Sehweise der Vampire demonstriere und Ihnen zeige, wie sie den natürlichen Nachteil bei völliger Dunkelheit aufheben können, Monsieur Gaspard. Ich bitte mir mehr Selbstbeherrschung aus!"

"Selbstbeherrschung?! Sie lassen uns voll unangesagt in einen Raum so dunkel wie im Hintern eines Drachens reinstolpern."

"Waren Sie schon einmal im Enddarm eines Drachens, Monsieur Gaspard?" Fragte der Seminarleiter mit einer Mischung aus Tadel und Belustigung.

"Nö, zum Glück nicht. Und muß ich auch nicht haben."

"Dann hätten Sie lieber sagen sollen, es sähe für Sie so aus wie im Warmen Leib Ihrer Frau Mutter während ihrer Nachtruhe. Diese Erfahrung dürften Sie wie ich und alle anderen hier gemacht haben", berichtigte der Lehrer den offenbar mit der totalen Finsternis schwer kämpfenden Jungen. Jean rief "Lumos!" Ein helles, in das Dunkel hineinbrennendes Licht glomm auf. Doch es erzeugte keinen Widerschein. Julius dachte an das Verdunkelungspulver, mit dem Professeur Faucon damals die Dementorenaura simuliert hatte. Doch das schluckte jede Form von magischem und nichtmagischem Licht.

"Fühlen Sie sich jetzt wohler, Monsieur Gaspard?" Fragte Delamontagne leicht verdrossen. Jean grummelte darauf nur. "Das werte ich mal als nein. Dann löschen Sie das Zauberstablicht bitte wieder aus. Ich habe die Illusionsmagie dieses Raumes dahingehend ausgerichtet, daß sie jeden Widerschein in mehr als zehn Zentimetern Abstand schluckt. Abgesehen davon müssen Sie und alle anderen meine Erlaubnis oder Aufforderung zum Zaubern abwarten. Ich sehe von der Zuteilung von Strafpunkten ab, weil Sie uns allen vorgeführt haben, wie vollkommen die Illusion wirkt." Jean argelte einen Moment, dann löschte er mit "Nox" das Zauberstablicht wieder. Nun war die Dunkelheit wieder vollkommen. Jean wollte noch was sagen, aber da stand Professeur Delamontagne neben ihm und sagte leise:

"Falls Ihnen die Dunkelheit unangenehm ist dürfen Sie als erster das hier ausprobieren." Jean gab einen Laut der Verwunderung von sich. Dann rief er entzückt: "Huch, ist ja stark. 'ne Nacht- und Nebelbrille!" Julius fragte sich, ob Delamontagne dies nicht als Überraschung für alle rumreichen wollte. Tatsächlich setzte ihm der Lehrer keine vier Sekunden später selbst die Nachtsichtbrille aus Florymont Dusoleils reichhaltigem Angebot von Zaubergegenständen auf die Nase. Sofort konnte er die anderen Mitschüler um sich sehen. Sie wirkten wie aus dunkelrotem Licht, wobei die freien Hautpartien heller leuchteten und um ihre Köpfe ein wabernder roter Strahlenkranz wie eine Krone aus Luft lag. Die Brillen konnten bei unzureichendem Licht oder höherem Wärmestrahlungsanteil alle Wärmequellen wie Lichtquellen sichtbar machen. Delamontagne hatte wohl für jeden Schüler eine solche Nachtsichtbrille besorgt und setzte sie den Schülern auf. "Wir sehen uns jetzt alle so, weil wir die von uns ausgehende Wärme wie Licht erkennen. Richtige Vampire können bei völliger Lichtlosigkeit winzige Unterschiede in der für uns schwarzen Umgebung erkennen, und wenn sie nur ein Tausendstel vom Hintergrund abweichen. Die höhere Fachliteeratur nennt das Melanopsie oder Scotopsie." Ein erkennendes "Huch" und "aha" wogte durch die Reihen der Schüler. Womöglich kannten viele das Nachtsichtelixier Scotopsin. Das erkannte der Lehrer und bestätigte, daß ein wirksames Mittel zur Herstellung von Nachtsicht dieser Eigenschaft nach benannt worden sei. "Das gehört aber dann in den Zuständigkeitsbereich meiner Kollegin Fixus, sofern hier nicht patentgeschützte Rezepturen betroffen sind, die nicht an jeden weitergegeben werden dürfen. Jedenfalls gleicht die Brille, die Ihnen ähnliche Möglichkeiten bietet wie das Nachtsichtelixier einen Nachteilsausgleich. Ich habe jetzt eine Illusion einer völlig finsteren, weiten Ebene erschaffen. Normalerweise können Sie Gegenstände im Dunkeln erkennen." Er warf etwas in den Raum. Sie sahen wie bei Neumond und klarem Himmel, daß es sich um einen leeren Trinkkelch handelte.

"Ja, und wenn wir in der totalen Dunkelheit auf einen Vampir treffen und haben so'ne Brille nicht auf?" Fragte Gerome Chaudchamp.

"Das ist ja gerade das, worum es heute gehen soll", erwiderte Delamontagne. "Kann jemand von Ihnen Ihrem Jungen Kameraden diese Frage beantworten?" Gab er die Frage weiter. Julius hob die Hand. Aus dem Vampirreferat der Montferres wußte er, was zu tun war.

"Einmal haben Vampire eine halb so große Wärmeausstrahlung wie Menschen. Muggel behaupten sogar in allen Vampirgeschichten, sie fühlten sich eiskalt an. Aber wenn ich keine Nacht- und Wärmesichtbrille aufhabe und kein Scotopsin benutzt habe kann ich zum einen mit "Alberilumos mit den zusatzworten amplifico oder maxima" ein helleres Licht machen als das übliche Zauberstablicht. Das geht aber auf die eigene Ausdauer und schwächt andere zeitgleich damit auszuführende Zauber. Ich kann mir aber auch hitzelos brennende Flammen auf die Hand Zaubern, die zehnmal so hell sind wie das Zauberstablicht. Die durchdringen sogar die Verfinsterung von Dementoren, habe ich schon vor meiner allerersten Schulstunde in Hogwarts mitbekommen. Darf ich den vorführen, oder blendet der bei den Nachtsichtbrillen?"

"Stimmt, mit den Brillen auf würden Sie sich und alle in ein Licht wie zehn Sonnen blicken lassen. Nicht empfehlenswert. Aber das hält Vampire auch gut von einem fern, weil das Zauberfeuer eben magisches Licht erzeugt, das die lichtempfindlichen Vampire besser abwehrt", erwähnte Delamontagne. "Und dann kann man sich auch mit entsprechenden Vampirabschreckzaubern belegen, wenn man davon ausgeht, in der gerade betretenen Dunkelheit lauere mindestens ein Vampir. Das ist Stoff der vierten Klasse. Aber eben wegen Nocturnia werden wir heute diese Zauber einüben und lernen, die Dunkelheit auszunutzen, auch wenn sie eigentlich eher die Vampire begünstigt. Denn es ist auch ein Nachteil, sich mit Licht auszustatten, weil dieses auch von anderen Gegnern gesehen werden kann. Die höheren Sinneszauber können die jüngeren Damen und Herren unter Ihnen vielleicht noch nicht heute einstudieren. Aber die Vampirschutzzauber und den von Hesperos Blautopf erfundenen Resonobstaculum-Zauber können wir heute einüben. Außerdem sollten Sie alle, egal ob Sie später einmal in der Erforschung oder Beaufsichtigung von magischen Wesen und/oder der Eindämmung bösartiger magischer Wesen tätig werden wollen lernen, sich auch auf Ihre vier weiteren Sinne und da vor allem auf das Gehör und den Tastsinn zu verlassen. In der Desumbrateur-Ausbildung gehört die freie Bewegung bei völliger Dunkelheit ebenso zum Lehrstoff wie in der Liga gegen die dunklen Künste."

"Blautopf? Das war doch ein Zauberer, der magische und nichtmagische Tiere erforscht hat", erkannte Belisama. Delamontagne nickte. "Genau von Tieren, die sich über Echoortung zurechtfinden hat er seine Idee für den Hinderniserspürungszauber. Ein Muggelstämmiger, der vor vierzig Jahren bei uns in die Liga eintrat bezeichnete den Zauber als magisches Radar, weil hier Zauberkraft mit in der Ausrichtung vorhandenen festen Körpern wechselwirkt und dem Anwender durch vibrationen Entfernung und Härte des Hindernisses vermittelt."

"Interessant, den hat uns Professeur Bellart nicht beigebracht", bemerkte Patrice Duisenberg.

"Weil der allgemeine Lehrplan Wert auf alltagstaugliche und universell einsetzbare Zauber legt und es in der Zauberkunst so viele alltagsbezogene Zaubereien gibt, daß einige Zauber entweder weiterführenden Ausbildungsgängen oder privaten Studien überlassen bleiben müssen. Ich habe aber in Rücksprache mit Madame Faucon und Professeur Bellart beschlossen, daß ich mir die Ehre anrechnen darf, ihn mit Ihnen einzuüben und dabei auch die Vampirabwehrzauber mit den Schülern der Klasse drei vorzugreifen, zumal ich ja auch im Fachunterricht Protektion gegen destruktive Formen der Magie darauf zu sprechen komme." Er führte den Schülern den nützlichen Zauber vor und erwähnte, daß viele Zauberer, die im Alter trotz magischer Heilkunst nachlassender Sehkraft nicht mehr auf ihre Augen zählen konnten diesen Zauber zur Vermeidung von Stößen benutzten. Denn ähnlich wie bei dem mit Funkwellen arbeitenden Radar könne man auch sich bewegende Hindernisse erkennen, wenn man den Zauber gut genug beherrsche und die Schwingungsmuster des Zauberstabs richtig einzuordnen gelernt habe. Allerdings reiche die Wirkung gerade einhundert Meter weit. Nach einer Viertelstunde hatten alle raus, den Zauber anzuwenden und damit ihre Nachbarn als feste Körper wahrzunehmen, wenngleich sie kein Bild von ihnen damit erfassen konnten. Der Vorteil gegenüber von Lichtzaubern war, daß während der Wirkung auch auf Lichtstrahlen basierende Zauber ausgeführt werden konnten. Wer den Zauberstab losließ hob den Resonobstaculum-Zauber jedoch auf, anders als bei den Lichtzaubern, die noch eine geraume Weile weiterwirken konnten. "Accio Nachtsichtbrillen!" Rief der Lehrer, als er sich sicher war, daß die Schüler alle den Hinderniserspürer erlernt hatten. "Jetzt sollten Sie sich ganz auf ihre Ohren und Empfindungen verlassen. Sie können Wärmeausstrahlung spüren. Wärme ist nicht nur eine in einer Menge Fester, flüssiger oder Gasförmiger Stoffe speicherbare Eigenschaft der Naturkraft Feuer, sondern strahlt auch wie Licht aus, allerdings für unbehandelte oder unbewaffnete Augen völlig unsichtbar. Aber mit Ihrer Haut können Sie Wärme erspüren."

"Ey, jetzt ist das wieder zu dunkel", knurrte Jean Gaspard. Doch Delamontagne überhörte es. Julius wirkte den Resonobstaculum-Zauber und erkannte, daß dieser mit gleichartigen Spürzaubern auch wechselwirkte. Er meinte, einen dumpfen Ton im rechten Ohr zu hören, weil die Vibrationen durch die Zauberstabhand, die Armknochen über die Schulter in die Wirbelsäule und damit den Schädel übertragen wurden. Jean hielt jedoch nur fünf Minuten durch. Dann blaffte er, daß es jetzt wohl alle raushätten und Delamontagne wieder Licht machen könne. Doch der Seminarleiter wies ihn zurecht, daß er diese nützliche Erfahrung, sich bei völliger Dunkelheit nicht vollkommen hilflos fühlen zu müssen, nicht gerade dann vorenthalten dürfe, wo alle anderen damit zurechtkamen. Da zündete Jean wieder das Zauberstablicht an. Da sie alle jetzt an die Dunkelheit gewöhnt waren war der Lichtstrahl jedoch blendendhell, was einige der Blauen zu Unmutsäußerungen antrieb. "Omnoctes!" Rief Delamontagne. Alle fühlten, wie etwas wie ein Windstoß über sie hinweghuschte. Mit einem Knacklaut erlosch Jeans Zauberstablicht. Julius war sich sicher, daß der Drittklässler aus dem violetten Saal gleich aus purer Furcht vor der Dunkelheit die Beherrschung verlieren und in Panik oder Raserei verfallen mochte. "Zwei Strafpunkte für Sie, Monsieur Gaspard, weil Sie unerlaubte und unangewiesene Zauber ausgeführt haben. Ich erkenne an, daß Sie nicht mutwillig gezaubert haben, sondern aus einer inneren Furcht heraus. Daher nur zwei Strafpunkte. Aber lernen Sie gütigst, sich dieser Furcht nicht hinzugeben, sondern die Ihnen nun bekannten Möglichkeiten zu nutzen. Dann überwinden Sie Ihre Furcht auch."

"Ich habe keine Angst im Dunkeln. Ich finde das nur total bescheuert, daß wir wie blinde Maulwürfe bei Mondfinsternis umeinander herumlaufen sollen", schnarrte Jean. Doch die meisten Kameraden lachten. "Neh is' klar, Jean", mußte einer der Blauen dazu loslassen.

"Gut, wenn Sie keine Furcht vor der Dunkelheit empfinden können Sie ja ganz gelassen an die von mir vorgegebenen Übungen herangehen", erwiderte Delamontagne. Julius hörte das Keuchen von Jean. Er versuchte wohl mit zusammengebissenen Zähnen jeden Wut- oder Angstlaut zurückzuhalten. Er konnte ihm nachfühlen, was in ihm vorging. Hätte Delamontagne sie alle in ein risiges Wespennest hineingeschickt hätte er auch arge Probleme, sich auf was anderes zu konzentrieren als auf die Angst, umschwirrt und gestochen zu werden. Er fühlte einen Luftzug. Instinktiv tauchte er nach links weg. Offenbar begann Jean gerade, nach irgendwas zu grabschen, um einen Halt im Dunkeln zu finden. Julius suchte mit dem noch wirkenden Resonobstaculum-Zauber nach dem größten beweglichen Festkörper. Als er feststellte, daß das wohl dann eher seine Frau Mildrid sein würde kam ihm die Idee, den Eulenaugenzauber zu benutzen, der ebenfalls die vollkommene Nachtsicht auch bei völlig bewölktem Himmel bei Mondfinsternis ermöglichte. "Sentio Strigoculos!" Dachte er, wobei er eine fliegende Eule vor dem geistigen Auge hatte. Dabei hielt er den Zauberstab gegen seine Stirn. Er fühlte einen Wärmeschauer in den Augen und ein leichtes Ruckeln. Dann zwinkerte er und sah nun deutlich die von der Dunkelheit abgehobenen Gestalten seiner Mitschüler und konnte sogar das nun mittelgrau wirkende Gesicht des Seminarleiters erkennen. Der trug aber noch die Nachtsichtbrille. Tatsächlich konnte Julius mit den auf Nachtsicht eingestimmten Augen sehen, wie Jean mit herumwirbelndem Zauberstab zielte. Gerade hatte er Millie im Visier, die dabei war, ihre Umgebung mit dem Resonobstaculum-Zauber abzutasten. Woher auch immer, Julius fürchtete, daß der Junge gleich was losschicken würde, um den ihm am größten erscheinenden Festkörper anzugreifen. Doch auch Delamontagne hatte das wohl gemerkt und rief: "Wenn Sie mich angreifen wollen, Monsieur Gaspard, müssen Sie weiter nach rechts zielen!" Jean zuckte nur für Delamontagne und Julius sichtbar zusammen. Er ließ den Zauberstab sinken. Gut, daß der Bursche noch keinen ungesagten Zauber ausführen konnte. Julius hob die Hand und sah den Lehrer an. Dieser nickte ihm zu und winkte ihm.

"Ich habe schon mitbekommen, daß Sie den Nachtsichtzauber auf sich angewendet haben, Monsieur Latierre", flüsterte er, während er Jean Gaspard im Auge und in der Zauberstabausrichtung behielt. "An und für sich müßte ich Ihnen wegen unangewisener Zauberei Strafpunkte geben. Aber ich vermute, Sie wollten in Ihrer Eigenschaft als Pflegehelfer sicherstellen, daß Monsieur Gaspard weder sich noch andere verletzt. Richtig?"

"Da vermuten Sie richtig", wisperte Julius erleichtert über die Vorlage. Dann flüsterte er noch, daß er Jean den Nachtsichtzauber gerne beibringen würde, da er nicht einordnen konnte, wie lange Jean noch durchhalte.

"Ihnen ist klar, warum dieser Zauber erst nach den ZAGs im Unterricht vorkommt?" Fragte der Lehrer. Julius nickte. "Moment", zischte Delamontagne. Julius fühlte, wie etwas kribbelndes knapp an ihm vorbeisauste und sah Jean, der gerade Anstalten machte, jemanden anzuspringen. Der erstarrte mitten in der Bewegung und schlug der Länge nach auf den Boden. Jetzt ahnte Julius, daß die Bodenbezauberung nicht nur zur Dämpfung von Geräuschen, sondern auch zum Abfangen von Stürzen geschehen war. "In Ordnung, begleiten Sie Monsieur Gaspard in den Krankenflügel und bitten Sie Madame Rossignol darum, mit ihm über seine Scotophobie zu sprechen, da diese offenbar noch nicht erkannt worden ist."

"Hmm, Sie denken, er hat eine unüberwindliche Furcht vor der Dunkelheit?" Hakte Julius nach. Er wollte sichergehen, daß er nicht seinem eigenen Eindruck aufgesessen war.

"Das bezeichnet der Fachausdruck, Monsieur Latierre. Ich stelle Sie für die nächsten zehn Minuten frei und gewähre Monsieur Gaspard das vorzeitige Verlassen des Seminarraumes unter der Bedingung, daß er sich mit dieser Furcht auseinanderzusetzen lernt und sie nicht verleugnet. Ich verstehe das sehr gut, daß eine Furcht oder Schwäche vor gleichaltrigen zuzugeben für junge Herren wie Sie und ihn wie eine Zumutung oder gar Selbstauslieferung erscheint. Aber wenn er nicht lernt, seine Furcht zu meistern wird sie ihn in jeder Lebenslage beherrschen und zu für ihn ungünstigen Handlungen treiben", wisperte Delamontagne und rief dann Patrice zu, vorsichtig zu sein, weil sie gerade dabei war, über den am Boden liegenden Jean zu stolpern. "Am Besten halten Sie den Zauberstab ein paar Grad weiter nach unten, um auch niedrige Hindernisse zu erfassen, Mademoiselle Duisenberg", schlug er ihr noch vor. Dann schickte er Julius zu Jean Gaspard.

Julius nahm den durch den Bewegungsbann handlungsunfähigen Jungen vorsorglich den Zauberstab aus der Hand. Dann hob er ihn auf und stellte mit "Recanto Natoculos" seine angeborenen Sehfähigkeiten wieder her. Das war auch für ihn wie ein Schock, plötzlich wieder in totaler Dunkelheit zu stehen. Delamontagne sagte nun für alle vernehmlich: "Monsieur Latierre, in Ihrer Eigenschaft als Pflegehelfer bringen Sie MOnsieur Gaspard bitte schnellstmöglich zu Madame Rossignol und richten Ihr aus, worum ich Sie bat! Monsieur Gaspard ist für den Rest dieser Seminarstunde entschuldigt."

Julius bejahte es für alle hörbar und nahm dann den Bewegungsbann von Jean. Er merkte, daß Delamontagne wahrhaftig mehr Zauberkraft aufbieten konnte als er, weil Jean nicht unverzüglich seine volle Beweglichkeit zurückbekam. Julius ergriff den Jungen, der gerade ansetzte, um sich zu schlagen und bugsierte ihn nach Anweisung des Seminarleiters zur Tür. "Schließen Sie die Augen und öffnen Sie diese ganz behutsam, um Ihre Pupillen an die im Korridor vorherrschende Helligkeit zu gewöhnen!" Riet er dem Saalsprecher und dem Drittklässler. Julius nickte. Dann ging die Tür auf.

Nach dreißig Sekunden, wo beide glaubten, in einen festlich erhellten Korridor zu treten, konnten beide wieder so sehen wie vorher. Nur wenige an der Decke hängende Lampen warfen ihr warmes Licht in den Gang.

"Was soll der Drachemist mit der Rossignol. Denkt der ich sei krank oder was?!" Brüllte Gaspard, der merkte, daß er sich aus dem Griff des Saalsprechers nicht freimachen konnte.

"Junge, du warst dabei, meine Frau mit einem Zauber anzugreifen und hättest dich am liebsten an allem und jedem festgekrallt, was dir in Reichweite geraten wäre. Ich hatte Professeur Delamontagne gefragt, ob ich dir den Nachtsichtzauber zeigen darf. Aber der meinte, daß der für dich noch zu gefährlich sei."

"Zu gefährlich? Wieso'n das, ey?"

"Weil du dadurch deine Augen verhunzen kannst, wenn du dich nicht voll darauf konzentrieren kannst. Bestenfalls hättest du nur noch in völliger Dunkelheit sehen können. Schlimmstenfalls hättest du dir die Augen zerbröselt. Deshalb kommt der Zauber erst dann dran, wenn wir auch lernen, ungesagt zu zaubern. Dann ist die eigene Zauberkraft groß genug, die nötige Kraft auf den Zauber zu bringen. Aber das kann dir Madame Rossignol noch besser erklären als ich. Du hättest nur sagen sollen, daß du eine nicht zu unterdrückende Angst vor Dunkelheit hast. Das hätte gereicht, Professeur Delamontagne das zu sagen. Der hätte dir das nicht als Verweigerung oder sowas ausgelegt. Jetzt darf sich Madame Rossignol damit befassen. Innere Ängste sind wie Krankheiten. Sie können behandelt werden. Ich habe das auch schon erleben müssen, daß ich vor was Angst hatte und lernen mußte, wie ich damit klarkomme."

"Toll, wovor denn?" Blaffte Jean Gaspard. Julius wußte, daß er sich dem Jungen da genauso ausliefern würde wie dieser sich ihm ausgeliefert fühlen mußte. Doch um der Fairness willen mußte er zumindest etwas verraten: "Vor aufgescheuchten Insekten in einem Kellerloch", erwiderte er, zumal er durch Radikaltherapien wie den Besuch bei Madame L'ordoux und ihren Riesenbienen gelernt hatte, mit dieser Angst im Alltag klarzukommen. Jean wunderte sich, daß Julius das frei aussprach. Die in Millemerveilles lebenden wußten das ja auch zum teil. Er beruhigte sich etwas. Julius sagte dann noch: "Manchmal ist es mutiger, wegen Ekel oder Angst was als unannehmbar zu erklären als sich dazu zu zwingen, es über sich ergehen zu lassen und dann dabei die Beherrschung zu verlieren."

"Sagt wer?" Wollte Jean wissen.

"Sagt meine Mutter, sagt Madame Rossignol", erwiderte Julius. Dann brachte er Jean durch das Wandschlüpfsystem zu Madame Rossignol und schilderte ihr den Vorfall. Jean tat so, als sei er ungerecht beschuldigt worden. Doch als Madame Rossignol sich eine Nachtsichtbrille aufsetzte und unvermittelt totale Finsternis im Krankenflügel entstehen ließ erschrak Jean hörbar. "Gut, vom üblichen Schrecken, den eine plötzliche Verfinsterung nach sich zieht abgesehen schon eine sehr deutliche Furchtreaktion", sprach die Heilerin. Julius hörte nur, wo sie war und vernahm bei einem behutsamen Schritt das leise Echo von den Bürowänden. Das hatte Delamontagne gemeint, sich auch auf die Ohren und den Tastsinn zu verlassen. Die Verfinsterung wurde wieder aufgehoben.

"Sollst du hierbleiben und die Besprechung mitverfolgen?" Fragte Madame Rossignol. Julius schüttelte den Kopf. "Gut, dann laß mich jetzt bitte mit Jean alleine!" Erwiderte die Heilerin. Jean hockte auf dem Besucherstuhl und funkelte sie und Julius finster an. Julius nickte und verließ den Krankenflügel durch das Wandschlüpfsystem.

Wieder zurück in völliger Dunkelheit verbrachte er die restliche Zeit des Seminars mit Auslotung des Objektspürzaubers und der Vampirabwehrzauber. In der letzten Viertelstunde stellte Delamontagne durch eine illusionäre Dämmerung langsam wieder eine Art von Licht her, das jedoch auf einem Schlechtwettergrau verhielt. Dann bat er die älteren Schüler darum, den Zauber der tragbaren, hitzelosen Flammen vorzuführen. "Flammas luminosas!" Riefen einige. Julius und die UTZ-Kandidaten konnten den Zauber jedoch auch ungesagt ausführen. Danach sagte der Seminarleiter: "Ich vergebe an jeden, der diese Stunden mit ganzem Einsatz und Disziplin durchgestanden hat fünfzig Bonuspunkte, weil es ja, wie wir an Ihrem Mitschüler Gaspard erleben durften, keine Selbstverständlichkeit ist, bei absoluter Dunkelheit klaren Kopf zu behalten. Ob es sich bei der Aversion gegen die Dunkelheit um eine innere Furcht oder nur eine tagesformbedingte Verstimmung handelt klärt Madame Rossignol. Ich werde mit ihr und dem Kollegen Paralax darüber sprechen, wenn Madame Rossignol diese Frage geklärt hat. Auf jeden Fall wissen Sie jetzt, wie Sie sich auch bei völliger Dunkelheit gegen dort lauernde Vampire und andere Nachtgeschöpfe behaupten können, ohne gleich weithin sichtbares Licht zu machen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Bis nächstes Mal!" Die Schülerinnen und Schüler verabschiedeten sich. Julius ging davon aus, daß Delamontagne noch was zu ihm sagen wollte. Doch der Lehrer winkte ab, als Julius ihn fragend ansah.

Julius betreute zusammen mit Gérard die Schüler des grünen Saales bis halb zwölf. Dann zogen sie sich in ihre gesonderten Schlafräume zurück.

"Schon merkwürdig. Wir alle kommen aus der Dunkelheit des Mutterleibs heraus. Tante Trice sagt, daß Ungeborene einige Wochen vor der Geburt schon Licht wahrnehmen können. Deshalb müßten sie doch die Dunkelheit als ganz normal sehen", griff Millie das Thema Jean Gaspard noch einmal auf, als sie neben Julius im Bett lag.

"Hm, ist wohl noch aus der Zeit, wo du nicht an jeder Ecke Licht machen konntest und Angst vor nachts jagenden Raubtieren hattest, Millie. Abgesehen davon lernen wir, die wir gesunde Augen haben ja, daß Licht uns mehr Vorteile bringt. Fehlt es, sind wir hilflos. Das macht dann Angst. Aurore und Sandrines Kinder werden, wenn sie ihre Augen zum ersten Mal aufmachen zwar Dunkelheit sehen, wenn ihr euch nicht mit dem Bauch in die Sonne dreht. Aber sie fühlen dann die sie umschließende Gebärmutter und hören euch Atmen und das Herz schlagen. Das ist der Unterschied zu dem, was Delamontagne heute gemacht hat. Wenn er das Geräusch eines schlagenden Herzens in den Raum eingespielt hätte - ich weiß, ist ein Muggelwort - hätte Jean sich darauf konzentriert und hätte keine Angst gehabt. Aber das war es ja, was Delamontagne wollte, uns diese Hilflosigkeit empfinden und dagegen ankämpfen lassen, genau wie Madame Faucon, wo sie uns das mit den Dementoren beigebracht hat."

"Hm, wird wohl sein, Julius. Im vorletzten Schuljahr haben uns die UTZ-Ler ja alle zu Cythie in Connies warme Stube gelegt. Da hat Jean nicht so heftig reagiert."

"Ja, aber auch deshalb, weil es nicht komplett dunkel war und ja gleich nach dem Anfang der Simulation was zu sehen war."

"Werden wir dann wohl in der Pflegehelferkonferenz noch einmal drüber sprechen, weil ja alle Pflegehelfer im Zauberwesenseminar sind", erwiderte Millie.

"Ziemlich wahrscheinlich", erwiderte Julius darauf nur. Millie kuschelte sich noch einmal an ihn, damit sie einander wärmten. Dann schliefen sie dem nächsten Tag entgegen.

 

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"Sagen Sie das mal nicht, Monsieur Arbrenoir", setzte Professeur Fourmier an, den baumlangen Saalsprecher der Roten zu korrigieren. Der hatte gerade behauptet, dass Occamys nicht herausbekämen, wer ihnen die Eier stiebitzt hatte. "Es hat tatsächlich schon fälle gegeben, wo ein Occamyweibchen hinter dem Dieb ihres Geleges hergejagt hat und ihn auch in tausenden von Meilen Entfernung aufgespürt hat. Die aus reinem, weichem Silber bestehenden Eierschalen stellen bei Berührung eine Verbindung zwischen Muttertier und Fremdwesen her, zumal sie eine Art Maternalempathie zu ihren ungeschlüpften Jungen entwickeln, also fühlen, wie es ihren Jungen geht und wo sie sich gerade aufhalten. Das haben schon viele Zauberer und auch habgierige Zwerge zu spüren bekommen. Denn wer den Fehler macht, mehr als ein Ei aus dem Gelege zu stehlen, zieht sich die lebenslang vorhaltende Vergeltungswut des um ihren Nachwuchs gebrachten Weibchens zu, sofern er den Versuch des Eierdiebstahls überhaupt überlebt. Genau aus dem Grund nehmen wir diese Wesen auch jetzt erst durch, obgleich sie noch auf der Stufe XXXX angesiedelt sind. Wenn wir also das Occamy-Reservat in Gangaraiat besuchen sollten Sie alle der Versuchung widerstehen, sich an den Nestern der Occamys zu vergreifen. Insbesondere weise ich Madame Latierre darauf hin, sich bei dem Besuch weiter hinten aufzuhalten, da angreifende Occamys keine Rücksicht auf werdende Mütter nehmen, wenn sie gerade selbst Gelege zu beaufsichtigen haben. Wer kann mir in kurzen Sätzen darlegen, wieso die Eierschalen aus Silber bestehen und wie der Prozeß genannt wird, der zur Schalenbildung führt?" Belisama, Millie, Leonie und Julius hoben die Hände. Belisama sollte antworten.

"Die Eier entstehen, weil das Occamy bei Nacht, vor allem während des zunehmenden und vollen Mondes, silberhaltige Minieralien mit der erwähnten Nahrung aus Kleinsäugern zu sich nimmt. In den Hinterleibern der Occamys findet dann eine Loslösung des Silbers statt, das dann in halbflüssiger Form ohne Hitzeentwicklung zur Eierschalenbildung beiträgt. Die Schalen werden deshalb aus weichem Silber gebildet, weil das Occamy dadurch eine Verbindung zwischen dem Mond, sich, den in den Eiern heranwachsenden Jungen und der Erde herstellt. Der Prozeß wird als organische Argyrogenese bezeichnet."

"Vollkommen richtig, Mademoiselle Lagrange. Zwanzig Bonuspunkte. Abgesehen davon, daß der Raub von Occamyeiern diese als solche schon wertvoll macht, wozu wird das Occamy-Silber verwendet?" Fragte sie und deutete auf Millie. Die dachte eine Sekunde nach und antwortete:

"Es ist eigentlich zu weich für Gegenstände, die stark belastet werden. Es wird aber in Kleidung, Schmuck und dekorativen Gegenständen verwendet, die eine besondere magische Beziehung zum Mond erhalten sollen. Mit Bergbausilber gemischt kann es dessen Aufnahme für Zauber verdreifachen, wenn es im Verhältnis eins zu zwei gemischt wird. Die Zaubertierexpertin Gudrun Rauhfels bezeichnet diese Eigenschaft als materielle Reziproganomalie, weil hier die Menge magisch entstandener Materie die Wirksamkeit damit behandelter Gegenstände im Kehrwert zu ihrer Menge verstärkt, also dreifach bei einem Drittel Anteil an der Gesamtmenge. Daher verwenden vor allem Zwerge und Kobolde Occamysilber, wenn sie welches bekommen können, um es in ihre Rüstungen und Waffen einzuarbeiten, natürlich mit Bergbausilber. Kobolde können die von Magistra Rauhfels erwähnte Anomalie sogar beliebig ausreizen, also bei einem Zehntel Anteil Occamysilber auf neun Zehntel Bergbausilber die magischen Eigenschaften des damit hergestellten Gegenstandes verzehnfachen. Hm, warum das so ist konnte Magistra Rauhfels in ihrem Buch "Wirkstoffe und Werkstoffe im Zusammenspiel mit der von Magie ddurchdrungenen belebten Natur und magischer Bearbeitung" nicht genau erklären. Sie verweist auf noch laufende Untersuchungen und bedauert, daß Kobolde wohl das Geheimnis kennen, es jedoch aus Gründen der eigenen Wirtschaftsinteressen nicht weiterverraten, schon gar nicht an Zauberer und Hexen."

"Ui", machte Apollo auf Grund der von Millie fast wie beiläufig heruntergebeteten Erklärung.

"Wollten Sie das auch so sagen, Monsieur Arbrenoir?" Erkundigte sich Professeur Fourmier mit einem unüberhörbar warnenden Unterton. Apollo schüttelte behutsam den Kopf. "Gut, Madame Latierre, dann dürfen Sie vierzig Bonuspunkte für diese in der Fachliteratur ausgewiesene Erklärung und die korrekte Quellenangabe entgegennehmen. Zu Ihrer aller Information: Die Eigenschaft des Occamysilbers und anderer aus magischen Tieren und Pflanzen gewinnbaren Wirk- und Werkstoffe ist bereits ein Tagesordnungspunkt der im Jahre 2000 anberaumten Magizoologenkonferenz. Unter Umständen sind die Forscher in Indien und China dann auch bereit, uns an Ihren Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Soviel zu den grundlegenden Eigenschaften des Occamy. Verbleibt dann nur noch die Reise am kommenden Samstag in das betreffende Reservat. Da es bedauerlicherweise keinen Anschluß an das Reisesphärennetz besitzt, werden wir am Freitag Abend vom Mittelmeerhafen Port D'Orient bei Marseille aus mit dem Fliegenden Holländer aufbrechen und am Sonntagmorgen unserer Zeit wieder hier eintreffen. Bitte packen Sie für diese Reise tropentaugliche Kleidung ein und holen sich bei Madame Rossignol die nötigen Medikamente unter Vorlage dieser Reiseanforderungsbescheinigung ab!" Beendete die Lehrerin die Stunde und gab jedem einen Zettel. "In Ihrem gesonderten Fall möchten Sie bei der Heilerin anfragen, welche bei tropischen Erkrankungen verträgliche Heilmittel Sie mitnehmen müssen, Madame Latierre. Des weiteren werden Sie für die Hin- und Rückreise eine Kabine mit Mademoiselle Poissonier und Mademoiselle Renard teilen. Wir sehen uns dann am Freitag abend um zehn Uhr an den Ausgangskreisen."

"Die ist lustig", grummelte Céline Dornier. "Eine Reise nach Indien, mal eben so."

"Tja, warum nicht", erwiderte Julius. Seine Frau unterhielt sich derweil mit Caro und Leonie, ob die beiden auf etwas zu achten hätten.

"Ihr habt doch mit der Dame geredet, mit Magistra Rauhfels, meine ich", meinte Céline. Julius nickte und erwähnte die Reise nach Greifennest. Céline fragte dann noch, wie die denn so aufgelegt sei. Julius erwähnte, daß es eine Mischung aus Professeur Faucon, Professeur Bellart und Professeur Pallas sei, streng, gründlich aber dabei auch bemüht, das Interesse an ihren beiden Fächern wachzuhalten.

"Sonnenkrauttinktur, Malariaauflösungstrank und den Trank gegen überhitzung und Austrocknen müßt ihr mitnehmen. Millie, der Antiaustrocknungstrank kann im Frühstadium einer Schwangerschaft zu übersteigerter Fruchtwasserbildung führen. Deshalb nur dann davon trinken, wenn nicht genug sauberes Wasser verfügbar war, um das natürliche Flüssigkeitsbedürfnis zu stillen. Ich empfehle jedoch auch, die Oberbekleidung gleichwarm zu bezaubern, damit ihr euch keinen Hitzschlag holen könnt. Das gilt dann auch für die Kopfbedeckungen."

"Und ich habe noch genug von dem Antidot 999, wenn wir Probleme mit Giftschlangen kriegen sollten", sagte Julius. Millie nickte. Sie hatte von Aurora Dawn ja auch eine große Flasche mit dem nützlichen Breitbandgegengift erhalten. Das beruhigte Madame Rossignol. "Wir Heiler haben zwar bei der Quidditch-Weltmeisterschaft vereinbart, die Rezeptur unter aprobierten Heilern weiterzugeben, aber ich muß dafür in den nächsten Sommerferien nach Australien, um wie meine Südamerikanischen und afrikanischen Kollegen den Fortbildungskurs zu belegen. Schon sehr beruhigend zu wissen, daß der Trank im Zweifelsfall bei euch verfügbar ist."

 

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Julius war noch nie mit dem berühmten magischen Schnellsegler gereist, der entweder dem Geisterschiff der Seefahrer den Namen verliehen hatte oder von diesem seinen Namen erhalten hatte. Er teilte sich eine Kabine mit Gérard und André. Doch außer vier Stunden Schlaf, die er sich nur deshalb gönnte, weil es eben die entsprechende Tageszeit war, hielt er sich nicht in der Kabine auf. Etwas enttäuscht war er, weil er den Sternenhimmel nur wenige Zeit genießen konnte. Denn das Schiff brauste mit dem Tempo eines Düsenfliegers über das rote Meer in den indischen Ozean hinein. An einer großen runden Uhr konnte er, so das Hinweisschild, ablesen, wie nahe sie über oder unter dem Äquator waren. Als die geographisch so bedeutsame Linie überquert wurde, erscholl eine Schiffsglocke. "Jetzt müßten wir an für sich alle getauft werden", meinte Julius zu Gérard.

"Wieso?" Wollte der wissen.

"Bei den Muggeln ist das so, wenn sie den Äquaator zum ersten Mal mit einem Schiff überqueren."

"Ja, aber heute eher nur auf Wunsch von Touristen oder auf Schiffen der verschiedenen Kriegsmarinen", wußte Professeur Fourmier die Antwort. "Reisen über den Äquator sind ja doch auch in der magielosen Zivilisation zur Alltäglichkeit geworden. Bedenken Sie, wie viele Menschen in den großen Flugmaschinen tagtäglich den Breitengrad null von Nord nach Süd und umgekehrt überqueren!" Dem konnte Julius nicht widersprechen.

Der heimliche Hafen in Indien stammte noch aus der britischen Kolonialzeit. Daher gab es dort nur englischsprachige Hinweisschilder und die in der Schrift der hier lebenden Volksgruppe verfaßten Angaben für Anschlußverbindungen oder magische Reisemöglichkeiten ins Landesinnere. Millie und Julius waren gespannt auf die Weiterreise. Denn nach Gangaraiat sollte es auf drei geflügelten Elefanten gehen, mit denen die Latierre-Kühe verwandt waren.

"Elephas Gigapteros domesticus gilt schon seit siebenhundert Jahren als magisches Nutztier in Indien und seinen direkten Nachbarländern. Das Tierwesen kann sogar die menschenfeindlichen Höhenlagen des Himalaya-Gebirges ertragen, sofern es dort nur eine Stunde unterwegs ist. Wie Vögel kann es Luft in den Hohlknochen speichern, wodurch es nicht nur eine erhebliche Körpergewichtserleichterung im Bezug zu den nichtmagischen Artverwandten besitzt, sondern auch einen ausreichenden Luftvorrat zur Überquerung großer Höhenzüge speichern kann", hielt Professeur Fourmier einen Kurzvortrag über die gerade landenden silbergrauen Ungetüme mit kurzen Ohren. Julius erkannte, daß auch hier wie bei den unmagischen Arbeitselefanten die Kühe als vorrangige Nutztiere ausgewählt wurden. Viele, die noch nie auf einer Latierre-Kuh gereist waren empfanden das Aufsteigen über seidene Strickleitern mit ausgehöhlten Bambussprossen zu großen, bunt bemalten Kästen als Abenteuerlich. Julius wollte Millie helfen. Doch diese wies seine helfende Hand zurück. "Noch ist da unten nicht so viel Extragepäck drin, daß ich auf kein großes Zaubertier mehr klettern kann, Julius." So sah er ihr mit gewisser Besorgnis zu, wie sie die Leiter hinaufturnte und atmete auf. Er fragte sich, warum sie keinen fliegenden Teppich benutzten. Denn Indien gehörte wie die arabischen Länder, der Iran und Südchina zu den Ländern, in denen Flugteppiche als komfortable Fluggeräte verwendet wurden. Er nahm zwischen Millie und Leonie Platz, während der Elefantenhüter, der Mahud, in seiner blau-grün-weißen Uniform vor ihnen auf einer Art Hocker stieg und seinem Tier, das Aknirani hieß den Befehl zum losfliegen gab.

"Wau, schon schnell so'n großer Elefant", meinte Leonie, während das mächtige Reittier seine silbergrauen Schwingen durch die Luft sausen ließ.

"Wetten Professeur Fourmier verlangt von uns einen Aufsatz über den indischen Flugelefanten?" Grummelte Gérard, der mit Céline und André hinter den Latierres und Leonie saß.

"Wahrscheinlich hat sie genau deshalb auf Elefanten bestanden und nicht auf Teppiche", stöhnte Céline. Da die Reisekabine nicht verschlossen war sondern eher ein mit Teppichen ausgelegter Gitterkäfig war und zu alledem nicht innertralisiert war empfand sie die Bewegungen des Elefanten als sehr belastend. Auch Millie fühlte, wie das Frühstück, daß sie noch auf dem Schiff eingenommen hatten nach draußen drängte. Sie machte von der vorsorglich mitgenommenen Müllschluckspucktüte gebrauch. "Dann kriegt das kleine schon mal das richtige Gefühl für das Fliegen auf anständigen Transporttieren", grummelte Millie, als sie alles, was ihr aufgewühlter Magen nicht behalten wollte losgeworden war. Céline fühlte wohl ebenfalls den Drang, unverdautes Essen loszuwerden und bat Millie um eine Reservespucktüte.

"Na, hat Robert doch gemeint, dich schon näher kennenzulernen", feixte Leonie an Célines Adresse.

"Kannst du auch ohne Besen fliegen?" Fragte Céline sichtlich genervt.

"Im Moment noch nicht", erwiderte Leonie. "Dann halt bitte den Mund!" Grummelte Céline. Sie hatte "bitte" gesagt. Wohl weil Leonie ihr gleichgestellt war.

"Die Tüte kannst du auch für die Rückreise nehmen, Céline. Die löst das was reingewürgt wird in reine Luft auf, hat meine Tante Béatrice mir geschrieben."

"Danke, Millie", erwiderte Céline.

"Häh, und du spielst Quidditch", feixte André, der weit genug von Céline fortsaß.

"Daran liegt's wohl. Ich bin aus der Übung", stöhnte Céline und würgte noch einmal in die Spucktüte. Dann schnüffelte sie. "Ist ja voll genial. Du riechst echt nichts von dem Zeug, was du da reinspeist. Sage deiner Tante, wenn die raushat, ob's auch Windeln mit der Eigenschaft gibt möchte sie mir das bitte schreiben!"

"Was meinst du, wie viele Hexenmütter da hinterher sind, Céline. Aber mehr als die Reisewindeln ist im Moment nicht drin", erwiderte Millie. "Aber im Moment brauchst du doch keine, oder?"

"Ich wohl nicht, aber Meine Tante Mylene hat es noch mal ddrauf ankommen lassen und meinen Onkel Bauduin dazu bekommen, noch ein Kind mit ihr großzufüttern. Das kommt aber erst im Juni zur Welt."

"Dann halt dich mal ran, damit du mit Robert auch schnell nachlegst, falls Connie nicht auch noch mal den kleinen, bunten Vogel ruft", spöttelte André.

"Ähm, Professeur Fourmier hat gesagt, daß Bonus- Und Strafpunkte erst bei der Rückkehr vergeben werden können. Deshalb hast du jetzt die einmalige Gelegenheit, dich bei mir zu entschuldigen, André. Sonst kriegst du von mir nach der Rückkehr einen großen Sack voll Strafpunkte ab", fauchte Céline. André stieß aus: "Klar, gut schon gut. Ich nehme das zurück, was ich gerade gesagt habe."

"Ja, und laß sowas wie das gerade nicht noch mal ab, sonst wird's doppelt finster", schickte Céline noch eine Warnung nach. Leonie kuschelte sich derweil an Julius. Millie bemerkte das und fragte die Hauskameradin, ob ihr kalt sei.

"Ja, der Flugwind hier oben zieht heftig durch das dünne Zeug", meinte sie und knuddelte Julius. Dieser wußte nicht, ob Millie das nicht doch in den falschen Hals bekam und meinte: "Wir sind ja gleich da, wenn ich das Licht da vorne richtig deuten darf." Dann kuschelte er sich an Millie, die wohlig schnurrte. Dann sackte der Flugelefant durch. Er legte die Flügel fest an den Körper und sauste über die letzten weit ausladenden Urwaldbäume hinweg auf eine hohe Mauer aus Lehm und Bambusstäben zu. Alle bis auf Julius und Millie schrien wie bei einer bergab rasenden Achterbahn. "Rani, böses Mädchen", lachte der Mahud auf englisch. Die geflügelte Elefantenkuh trompetete laut und zog die Beine an. Die Mauer sauste unter ihnen durch. Dann breitete Aknirani ihre Flügel wieder aus und bremste Fall und Vorwärtsschwung so heftig, daß alle fast durch die vorderen Gitter geschleudert wurden.

"Was sollte das denn jetzt?" Prootestierte Gérard und bat Julius, den offenbar nur Englisch sprechenden Mahud zu fragen. Der lachte jedoch über Akniranis Bremsmanöver. Dann setzte das Flugtier auf und trabte ein paar Meter weiter.

"Womöglich muß die mal", vermutete Millie.

"Wie, können die nicht beim Fliegen?" Fragte Gérard.

"Kannst du im laufen pieseln?" Fragte André.

"Probiere ich mal aus, wenn du vor mir herläufst", grummelte Gérard. Dann staunte er wie die meisten anderen. Denn Professeur Fourmier, die mit den anderen Schülern auf der Elefantenkuh Raiata vorausgeflogen war stand einfach auf, klappte die Tür des Transportkastens auf, sprang aus knapp vier Metern Höhe ab und landete locker in den Knien federnd auf dem harten Boden. Der Mahud warf schnell die Strickleiter aus und winkte einem Mann mit buntem Turban zu. Julius erkannte an der Kopfbedeckung, dem Vollbart und einem langen Dolch im Gürtel des Mannes, daß er der Religionsgemeinschaft der Sikhs angehörte. Denn so hatte er sie auch in der Londoner U-Bahn schon gesehen und sich im Bezug auf den Star-Trek-Bösewicht Khan Noonien Sing auch über die echten Sikhs schlaugemacht.

Als alle die Strickleiter hinuntergeturnt waren begrüßte der Bärtige die Gruppe, wobei er Englisch sprach. Professeur Fourmier konnte die Sprache ebenfalls und ließ keinen Akzent hören. So bekamen nur Millie und Julius mit, was gesagt wurde. Sie übersetzten, daß der Mann Andur Sing hieß und der Hüter der indischen Zaubertiere in diesem Reservat war. Professeur Fourmier wies Julius und Millie höflich aber bestimmt darauf hin, daß sie bitte alle Fragen auf Französisch an sie zu stellen hatten, damit die anderen die Fragen ebenso mitbekamen wie die Antworten. Dann ging die Führung zu den Occamys.

Julius blieb mit seiner Frau hinten und übernahm die Nachhut, was Professeur Fourmier sehr genehm war. Der Sikh führte sie zu einem von großen Felsen umgrenzten Eingang, vor dem ein Schild auf Englisch und der hier gültigen Hochsprache vor ungeschütztem Betreten warnte, da brütende Occamys in der Einfriedung wohnten. Zur Zeit hatten sie hier zehn brütende Weibchen, deren Reviere durch einen halben Meter hohe Begrenzungsmauern abgesichert waren. Tatsächlich kamen sofort vier auf straußenbeinähnlichen Laufbeinen rennende Geschöpfe an, die wie fünf Meter langgezogene Vögel mit Stummelflügeln aussahen. Sie schrillten dabei wie aufgedrehte Kreissägen. In der Ferne konnten die Schüler es silbern im Sonnenlicht blinken sehen. Wie viele Eier ein Occamyweibchen pro Gelege ausbrüten konnte hatten sie ja im Unterricht besprochen. So ging es auch darum, wann und wie die Kreuzungen aus Straußenvogel und Riesenschlange gefüttert wurden und woher sie das zur Eierschalenbildung nötige Silbererz bekamen. Dabei kreischten die blau-grün-grau gefiederten Occamys immer wieder, weil sie dachten, Eierdiebe vor sich zu haben. So vergingen drei interessante Stunden, bei denen sich die Schüler alles notierten. Denn Professeur Fourmier würde in der nächsten Woche einen Erlebnisbericht mit allen bekanntgemachten Einzelheiten abverlangen. Damit waren die Elefanten wohl auch schon Thema des Aufsatzes, wie manche schon vermutet hatten. Wo sie schon einmal hier waren besichtigten sie nach den Occamys auch bunte Springspinnen, die jedoch hinter unzerbrechlichem Glas gehalten wurden und lernten die Goldaugenschlange kennen, die eine ständig die Farben wechselnde Haut besaß, die jedoch nicht wie bei einem Chamäleon die Hintergrundfarben nachbildeten, sondern die Stimmungslage des Tieres ausdrückten. Die Goldaugenschlange maß von Kopf bis Schwanzspitze vier Meter, galt aber nicht als Würgeschlange, weil sie zwei lange Giftzähne besaß. Julius fragte sich, ob das Antidot 999 gegen ihr Gift schützte. Als er erfuhr, daß ihr Biß einen großen Säuger innerhalb von zwei Minuten tötete und sogar vorverdaute nahm er sich vor, diesem Geschöpf schön weit aus dem Weg zu bleiben.

Nachdem sie dann noch gewöhnliche Urwaldbewohner bewundern durften und dem Hinweis Madame Rossignols dankten, ihre Kleidung gleichwarm zu bezaubern, ging es mit den beiden Elefanten zurück zum Hafen. Allerdings mußten sie auf den von Australien kommenden Segler warten. Während der Zeit aßen sie im für passagiere vorgesehenen Hafenrestaurant, wobei Julius sich eine große Portion Curry gönnte und seine Frau nach dem ausgewürgten Frühstück hungrig nicht nachstand. Dazu verschlang sie jedoch auch Honiggebäck mit Nüssen und mußte nach dem Essen gleich die Toilette aufsuchen. "Fliegenfort-Elixier hätten wir mitnehmen sollen", maulte Millie, als sie von ihrem Austritt zurückkehrte.

Als dann am Horizont der dreimastige Segler auftauchte waren alle doch irgendwie froh, das ferne Land wieder verlassen zu können.

"Wie erwähnt möchte ich zur nächsten Stunde einen vollständigen Erlebnisbericht über diese Reise mit der soweit Sie mitnotiert haben allen angetroffenen Tierwesen von Ihnen. Ich denke, vier Pergamentrollen ohne Fülltext sind nicht zu viel verlangt." Sagte die Lehrerin noch, als sie wieder in Beauxbatons angekommen waren.

"Also euer André lief heute sehr nahe an einer heftigen Ohrfeige lang, wenn ich Célines Tonlage und Gesicht richtig eingeschätzt habe", meinte Millie, als sie und Julius wieder in ihrem gemeinsamen Schlafzimmer waren.

"Das hätte Leonie vielleicht gepetzt", meinte Julius. Aber sie ist schon sehr angenervt", sagte Julius.

"Klar, weil sie jetzt, wo Sandrine und ich vormachen dürfen, ob Hexen hier auch mit Erlaubnis Kinder haben dürfen doch meint, sie hätte was verpaßt", meinte Millie.

"Vielleicht kriegen wir zwei nicht mehr alles mit, was in den Sälen Grün und Rot geredet wird, wenn wir durch die Wand sind. Millie schloß das nicht aus.

 

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In der ersten Oktoberwoche ging es im Unterricht Protektion wider destruktive Formen der Magie um das Dämonsfeuer. Hierzu führte Professeur Delamontagne seine Klasse per Reisesphäre nach Paris und von da in die Berge des französischen Teils des Baskenlandes. In einer Höhle bei Bayonne hatte er mehrere Gegenstände aus Holz, Metall und Stoffen zusammengetragen. Da er seinen Schülern nicht zeigen wollte, wie das Dämonsfeuer zu beschwören war hatten diese vor dem Höhleneingang zu warten. Millie und Sandrine bekamen von Delamontagne Flugbesen, um notfalls davonzufliegen.

"So, ich werde die Höhle gleich betreten, um Dämonsfeuer heraufzubeschwören. Sie alle kennen ja jetzt den Aura-Sanignis-Zauber. Führen Sie ihn mir bitte einzeln noch mal vor, nach Möglichkeit ungesagt, bitte!" Julius hob den Zauberstab und dachte an warmes Herdfeuer, das ihm Geborgenheit und Sicherheit vermittelte. Dann jagte er den unausgesprochenen Gedanken "Aura Sanignis!" durch seinen Kopf, den Zauberstabarm und den Zauberstab selbst hindurch. Krachend platzte ein goldener Feuerball aus dem Zauberstab. Die Glut floß um Julius' Körper zu einer durchsichtigen Sphäre aus goldenen Flammen, die lautlos züngelnd die Umgebung erhellten. Millie hielt ihren Zauberstab hoch genug und konzentrierte sich. Doch zunächst fuhr nur eine armlange Garbe goldener Flammen aus dem Stab und zerstob zu winzigen goldenen Funken. Dann krachte es, und auch Millie verschwand in einem entfesselten Feuerball aus goldenen Flammen, die sich zu einer sie umschließenden Kugelschale formten. Laurentine schaffte wie Julius im ersten Ansatz jene Flammensphäre. Sandrine benötigte drei Ansätze, Belisama vier, und Jacques kam über eine Fontäne goldener Funken nicht hinaus, bis er den Zauber laut ausrief. Dann hatte auch er sich mit goldenem Feuer umkleidet, das keinem Lebewesen etwas antat, sondern gegen andere Feuerzauber oder aus magischem Feuer bestehende Kreaturen schützte, solange die Ausdauer ihres Erschaffers vorhielt. Als Delamontagne sah, daß seine Schüler alle gesagt oder ungesagt die goldene Flammensphäre erschaffen hatten, zog er mit einer beiläufig wirkenden Zauberstabbewegung eine silberne Mauer hoch, hinter der er nun unangefochten in die Höhle hineinging.

"Hm, schon riskant, dieser Zauber", grummelte Gérard Dumas und sah zu seiner Frau hinüber, die von goldenen Flammen umkleidet bereitstand.

"Also, ich bin froh, wenn ich lerne, wie dieser Dämonsfeuerzauber aufgehoben wird, wo ich weiß, daß der in Hogwarts vor zwei Jahren unterrichtet wurde, daß selbst so ein Trollkopf wie Vincent Crabbe den bringen konnte", sagte Julius. Er fühlte von der um ihn fließenden Flammenaura nichts, auch keinen Schwindel. Delamontagne hatte auch erwähnt, daß der Zauber für schwangere Hexen ungefährlich sei, jedoch nicht so lange vorhalte, da die Ausdauer nicht so lange vorhalte. Aber ohne gegnerische Feuerzauber konnte Millie sicher vier Stunden damit herumlaufen. So lange mußten sie jedoch nicht warten. Denn bereits nach dreißig Sekunden zerfiel die silberne Sperre vor dem Eingang, was wohl hieß, daß sie alle die Höhle betreten konnten, die groß genug war, um jedem Schüler die nötige Bewegungsfreiheit zu geben.

In der Höhle züngelten mannshohe Flammen. Julius sah sofort den aus orangerotem Feuer bestehenden Greif, der mit seinem Schnabel in eine wurmstichige Truhe hackte, worauf diese laut prasselnd in Flammen aufging. Aus diesen Flammen formten sich weitere Ungeheuer. Eine lodernde Riesenschlange ringelte sich fauchend und zischend auf die scheinbar sichere Beute zu, die Sandrine abgab. Doch als der Kopf der Feuerschlange gegen das goldene Schutzfeuer prallte, zersprühte er fast. Wie ein Eimer Wasser in loderndes Feuer zischend schnellte die Schlange zurück. Sie war nur noch halb so lang wie gerade eben noch. Julius bot sich beinahe todesmutig dem flammenden Greif an. Dieser pickte nach ihm und verlor mit lautem Knall den Schnabel. Dabei fiel das Feuergeschöpf auf ein Drittel seiner Ausgangsgröße zusammen und suchte ein neues Ziel, Jacques Lumière, der gerade mit "Aguamenti Frigidissima" auf das lodernde Ungeheuer zielte. Doch der Eiswasserstrahl verpuffte laut fauchend in einer einzigen großen Dampfwolke. Dem Flammenwesen machte das jedoch nichts aus.

Julius sah, wie ein Adler mit grell flammenden Flügeln von oben auf Millie herabstieß und seine glühenden Fänge in ihren Kopf zu schlagen drohte. Doch die sie umlodernde Feueraura zersprühte die tödlichen Krallen des Feuervogels, der laut kreischend in die Höhe zurückgeworfen wurde und zu einem gerade falkengroßen Flammenbündel wurde. Eine laut fauchende Stichflamme kam aus einem Stapel Holzbretter heraus. Julius sah einen Drachen, der aus purem Feuer bestand. Da wo die Flamme traf schlüpften sogleich drei neue glühende Gegner aus den Flammen heraus.

"Gegen das Dämonsfeuer gibt es außer dem Defensivzauber nur einen wirksamen Gegenzauber, sofern Sie nicht der oder diejenige sind, der es heraufbeschworen hat und es noch im Rahmen der eigenen Zauberkraftbeherrschung verbleibt!" Rief Delamontagne, der seinerseits in der goldenen Flammensphäre herumlief. "Sie müssen mit ihrem Zauberstab einen Halbkreis schlagen, bei dem sie diesen senkrecht über ihrem Kopf ansetzen und dann mit ausgestrecktem Arm den Stab gerade nach unten schwingen, bis die Spitze parallel zu ihrem Körper nach unten deutet. Dabei müssen sie sich einen in die Tiefe stürzenden Feuerball vorstellen und " Mergentur Malardores!" rufen oder denken. Damit können Sie jedoch nur die Dämonsfeuerkreaturen auslöschen, die beim Zaubern maximal bis zum dreißigfachen Halbmesser dieses Halbkreises entfernt in ihrem Gesichtsfeld wüten. Breitet es sich weiter aus, ist es um so schwerer, es schnell genug einzudämmen. Monsieur Latierre und Mademoiselle Hellersdorf, versuchen Sie es zunächst verbal, um sich auf die mentale und manuelle Komponente konzentrieren zu können! Es sind bereits genug Dämonsfeuerausgeburten vorhanden." Jacques lachte verächtlich. Doch als ihm eine flammende Spinne ihre vier vorderen Beine um den Körper schlingen wollte und seine goldene Flammensphäre merklich flackerte verging ihm das Lachen. Julius hatte die Komponenten des Abwehrzaubers bereits mit Millie, Sandrine und Gérard vorgearbeitet und schlug den angewiesenen Halbkreis, wobei er gleich vier dieser Monster vor sich sah. Er dachte an einen Meteoriten, der beim Sturz auf die Erde verglühte. Dabei rief er: " Mergentur Malardores!" Als sein Zauberstab genau senkrecht nach unten deutete zischte es, und die vier gerade zu sehenden Feuermonster fielen in sich zusammen und erloschen. Julius hatte dabei jedoch den eindruck, daß sie im Boden versanken, von der Erde verschlungen wurden. Delamontagne sah dies und nickte ihm zu. Laurentine hatte ebenfalls die angewiesene Kombination aus Zauberstabführung und Zauberspruch ausgeführt. Vor ihr fielen gleich sechs der brennenden Bestien in sich zusammen. Auch Millie und Sandrine bekamen es bei ausgerufenem Zauber hin, die direkt in ihrem Sichtfeld lodernden Ungeheuer niederzukämpfen. Das führte jedoch dazu, daß einige der bereits geborenen Flammengeschöpfe nun vor den Zauberschülern flüchteten. Sie besaßen niedere Instinkte, die sich auf Fressen, Fortpflanzen und überleben beschränkten. Und der Überlebensinstinkt trieb die Dämonsfeuergeschöpfe nun an, vor den ihnen beikommenden Schülern Reißaus zu nehmen, wobei sie nebenbei in noch nicht in Ruß und Asche zerfallene Holzstapel und Stoffballen hineinstürmten und aus deren Entflammung neues Unheil gebaren. Jacques schaffte es gerade, nur einen der ihn bestürmenden Flammendämonen auszulöschen. Zwei weitere sprangen in dem Moment aus seinem Sichtfeld, als der Zauberstab auf die Erde deutete. "Mit diesem Schlingflutzauber kann man die auch schneller plattmachen, mann", fauchte Jacques und wirbelte herum, weil von hinten eine vierköpfige Schlange aus wilden Flammen über ihn herfiel. Julius vernichtete derweil mit einem weiteren gesagten Zauber fünf Flammenwesen in seinem Blickfeld.

"Die Schlingflut und sonstige dunklen Wasserzauber lernen Sie jedoch nicht bei mir, Monsieur Lumière. Aber ansonsten haben Sie leider recht, daß das ebenso tückische wie zerstörerische dunkle Wasser diesen Geschöpfen auch den Garaus machen kann. Aber wir treiben sie in den glühenden Leib der Erde zurück, aus dem sie abgespalten und belebt wurden", erwiderte Delamontagne und lobte Sandrine, die mit einer sehr entschlossenen Zauberstabbewegung und "Mergentur Malardores!" rufend sieben gerade erst aufgekeimte Feuerungeheuer auslöschte, bevor sie sich zu beweglichen und unheilvoll großen Geschöpfen auswachsen konnten. "Wo sie neues Feuer säen entstehen sofort Abkömmlinge von Ihnen. Metall, daß von ihnen berührt wird erleidet den zwanzigfachen Hitzeschaden wie bei gewöhnlichem Feuer und kann wegen der darin einfließenden Zerstörungskraft auch nicht mehr magisch wiederhergestellt werden!" Rief Delamontagne, als gerade aus einem entfernten Lager mit alten Holzbänken, Truhen und Schränken ein Pulk flammender Greife, Drachen und Raubvögel hervorbrach, um sich die Gruppe von Hexen und Zauberer zu holen. Julius peilte gleich acht Stück der Monster an und vollführte den Zauber gesagt, wobei er sich einen gleißenden Feuerball aus dem All vorstellte, der an ihm vorbei in die Erde schlug. Krachend fielen die acht Ungetüme innerhalb einer Zehntelsekunde in sich zusammen. Jetzt konnte Julius sehen, daß ihnen von unten her die Kraft entzogen wurde. Es stimmte. Die Biester wurden von der Erde verschlungen. Kein Wunder, daß Leute glaubten, die Hölle sei ein Ort tief unter der Erde, dachte Julius und wartete, bis zehn weitere Feuermonster in sein Blickfeld gerieten. Doch ehe er den Niederwerfungszauber ausführte fielen die Bestien auch schon laut krachend in sich zusammen und erloschen. Julius sah, wie Laurentine triumphierend ihren Zauberstab von unten nach oben zurückführte, um die nächste Gruppe Flammenwesen anzugreifen. Selbst das gierige Geschwader aus dem hinteren Holzstapel flüchtete nun, wobei die Dämonsfeuerkreaturen zur Decke hinaufstiegen und diese mit ihren reinen Feuerkörpern berührten, daß sie zu glühen begann. Julius wollte es jetzt wissen. Er nutzte die Sicht auf fünf der an der Decke entlangstiebenden Feuerdämonen, sich einen weiteren Glutball von oben vorzustellen und dachte dabei "Mergentur Malardores!" Dabei ließ er den Zauberstab mit gestrecktem Arm von senkrecht oben bis senkrecht nach unten schwingen. Mit lautem Fauchen sausten die an der Decke herumflatternden Geschöpfe nach unten und zerfielen mit lauten Knällen beim Aufschlag auf die Erde.

"Mergentur Malardores!" Rief Sandrine, die sich gleich mit zwanzig der Feuerwesen anlegte. Tatsächlich schaffte sie es, fünfzehn von denen auszulöschen. Die anderen fünf waren gerade eben noch aus dem Wirkungsradius entwischt. Die erledigte Millie, weil sie fünfundzwanzig Zentimeter länger als Sandrine war. Auch Gérard konnte einige in wilder Flucht davonstiebende Dämonsfeuerableger vernichten. Doch es schienen immer noch welche nachzuwachsen. Metall glühte gelb bis weiß, wo die Flammenbestien darübergegangen waren. Vier Monster versuchten die Flucht nach vorne und griffen Belisama an, die sie wohl als kleinste und damit schwächste Gegnerin einschätzten. Ihre goldenen Heilflammen flackerten sehr bedrohlich. Doch sie schaffte es mit einem entschlossenen "Mergentur Malardores!" drei der brennenden Biester auf einen Streich zu erledigen. Das Vierte war von ihrer Schutzaura zurückgeprallt und suchte nun sein Heil in der Flucht, wobei es in Célines Blickfeld geriet, die es mit einem raschen Auslöschzauber seinen glühenden Geschwistern ins Nichts hinterherschickte. Doch immer noch war der Feuerspuk nicht ausgestanden. Ein gewaltiger Drache wälzte sich aus einem der letzten noch nicht angekokelten Holzstapel heraus, verschlang einen Ballen Flachs und fauchte dann Flammen gegen alles und jeden. Jede auf brennbares treffende Flamme zeugte mindestens einen bis zu drei Dämonsfeuerwesen. Julius nahm das, was er die Urmutter der Feuerdämonen nannte aufs Korn und streckte den Zauberstab ganz nach oben. Dann ließ er ihn mit schwung im Halbkreis niedersausen und rief dabei "Mergentur Malardores!" Mit lautem Brüllen schrumpfte der Drache, um dann mit einem Knall zu implodieren. Seine Kinder wurden derweil von den Schulkameraden von Julius niedergekämpft. "Nicht vorbeilassen!" Rief Delamontagne Robert zu, über den gerade ein Greif aus Feuer hinwegfauchte, der keine Anstalten machte, sich mit den Leuten anzulegen, die seine Artgenossen vernichten konnten. Robert fuhr herum und peilte das feurige Flugwesen an, das versuchte, durch Hakenschlagen seinem Blickfeld zu entwischen. Dann brachte er es fertig, den Zauber zu rufen. Krachend stürzte der flammende Greif nieder und war nicht mehr.

Als endlich, nach insgesamt zehn Minuten, kein Dämonsfeuerwesen mehr existierte, prüfte Delamontagne mit einem ungesagten und sich durch keine Leuchterscheinung äußernden Zauber, ob in der Umgebung noch etwas schwarzmagisches herumschwirrte. Er nickte und beglückwünschte die Klasse: "Damit haben Sie einmal mehr etwas sehr wichtiges gelernt. Erstens, Sie können Dämonsfeuer ohne Zuhilfenahme anderer dunkler Magie bekämpfen. Zweitens haben Sie gelernt, wie schwierig es ist, möglichst viele dieser Flammenwesen zu erledigen. Drittens haben Sie erkennen müssen, daß bei einer ständig wachsenden Zahl die Gefahr einer unüberwindlichen Übermacht besteht. Alles in allem haben Sie alle heute das Tagesziel erreicht, wobei die Eheleute Dumas und Latierre, sowie Mademoiselle Hellersdorf am schnellsten und effektivsten in der Ausrottung der Dämonsfeuerkreaturen waren. Die verdienten Bonuspunkte erhalten Sie alle bei der Rückkehr nach Beauxbatons. Oder möchte noch jemand versuchen, gegen Dämonsfeuer anzukämpfen?" Robert wollte noch einmal gegen diese Wesen ankämpfen. Er begründete seinen Wunsch damit, daß Sandrine und Julius ihm einige der angezielten Geschöpfe vor Ausführung des Zaubers weggeräumt hätten. Daraufhin entschied Delamontagne, daß die Eheleute Dumas und Latierre, sowie Laurentine Hellersdorf, die wie Julius auch schon ungesagt gegen Dämonsfeuer vorgegangen war vor der Höhle verbleiben sollten und die, die sich dem verderblichen Feuerspuk noch einmal stellen wollten hereingebeten wurden, wenn Delamontagne neues Zündmaterial angehäuft habe.

So landeten die fünf besten Schüler dieser Stunde draußen vor der Höhle, während der Rest der UTZ-Klasse wieder reinging. Professeur Delamontagne empfahl, daß Millie und Sandrine mit "Recanto Sanignem", die goldenen Flammen um sich löschten, um keine weitere Ausdauer zu verbrauchen. Nur Laurentine, Gérard und Julius sollten ihre Schutzzauber aufrechterhalten und vor der Höhle Posten beziehen, um vielleicht doch noch entkommende Feuerwesen zu bekämpfen.

"Hoffentlich passiert Patrice und Belisama nichts", meinte Sandrine. "Sonst kriegen wir nämlich Krach mit Madame Rossignol."

"Stimmt, nachdem wir den verkehrten Eindruck vermittelt haben, es sei so einfach, könnten da drinnen einige Probleme kriegen", meinte Julius. "Ich habe auch echt nicht mehr dran gedacht, daß die anderen auch mal ihre Erfolge haben wollen. Ich war wie Obelix beim Erstürmen eines Römerlagers."

"Dann hätte Professeur Delamontagne dich sicher schnell zur Ordnung gerufen, daß du den anderen noch ein paar Römer, ähm, Feuerdämonen übriglassen solltest", meinte Laurentine.

"Hätte der nicht, weil der ja wissen wollte, wie gründlich du und Julius diese Flammenviecher plattmacht", widersprach Gérard. Dann wandte er sich an Sandrine, die gerade einen Gegenstand wie ein zusammengefaltetes Stück Pergament aus ihrer Umhangtasche zog und es zu einem zerbrechlich aussehenden Sessel entfaltete. Doch als der Sessel seine Endform bekommen hatte wurde aus dem pergamentartigen Stoff solides Material. Sandrine setzte sich in den Sessel. "Schon besser für die Beine. Die Zauberei hat mich doch gut ausgepumpt. Ich fürchte, ich muß nachher die doppelte Portion vom Mittagessen in meinen langsam kleiner wirkenden Magen zwengen."

"Ich habe von Tante Trice ein paar Sättigungskekse mit, Sandrine", meinte Millie, die ebenfalls einen papierartigen Faltsessel aufbaute. Sandrine strahlte ihre Zustandsgenossin an und winkte auffordernd. Millie zog einen in buntes Papier gewickelten Riegel aus der Tasche und gab ihn Sandrine. Die wickelte den Keks aus und schob ihn sich so gierig in den mund, als sei sie selbst zu einer Dämonsfeuerkreatur geworden. Millie fühlte auch Hunger. Das spürte Julius, und prompt knurrte auch sein Magen. Millie hörte das und schnippte ihm auch einen Keks zu, bevor sie sich ebenfalls bediente.

"jamm, die schmecken sogar nach was", meinte Julius, als er seinen Keks einwarf.

"Kannst du glauben, wo Tante Trice eine gute Beziehung zu der Bäckerei hat und auch an guten Honig drankommt."

"Ähm, machen die echt so satt, daß du einen Tag lang nichts anderes mehr essen mußt?" Fragte Laurentine.

"Mmmfjoa", mampfte Millie und fischte noch einen Keks aus ihrer Tasche. Laurentine fing ihn auf und las die Aufschrift. "Warnung, mehr als drei auf einmal am Tag können zur ungewollten Gewichtszunahme führen", kicherte sie. "Wird Schwangeren Hexen empfohlen, die durch ausgiebige Bewegungen, Zauber oder geistige Anstrengung erschöpft sind und unbedingt Nahrungsmittel brauchen. Ein Keks enthält ..." Sie las die nicht geheimen Zutaten und nickte "Ist genau das, was die im Fernsehen sagen, was werdende Mütter während der Schwangerschaft und Stillzeit an Vitaminen und Mineralien zu sich nehmen müssen." Dann wickelte sie den Keks aus und biß davon ab. Das machte ihr Hunger auf mehr, und so war auch ihr Keks nach nur einer Minute ganz in ihrem nicht mehr ganz so runden Bauch verschwunden.

"Achtung, da kommt was!" Rief Gérard und sprang vor, weil gerade ein pfeilförmiger Zwergdrache aus Feuer durch den Höhlenausgang schwirrte. Doch ehe er den Vernichtungszauber brachte schlug etwas den Feuerdämon zu boden und ließ ihn gnadenlos schnell in sich zusammenstürzen und verlöschen. Julius sah Céline, die mit schweißnassem Gesicht im Höhleneingang auftauchte. "Fast wäre mir das Biest ausgebüchst. Irgendwie kriegen die raus, daß groß nicht immer überlegen ist." Ich gehe wieder rein. Wir haben mindestens noch zwei Tonnen Holz und Zunder da drinnen."

"Wo zieht der denn das ganze Zeug ab?" Fragte Gérard. "Beschworenes Holz hält Dämonsfeuer keinen Sekundenbruchteil aus, ohne in reiner Magie zu zerfließen."

"Tja, vielleicht hat der irgendwo in irgendwelchen Altholzlagern Apportationshilfen abgelegt, um Nachschub in die Höhle zu beamen", meinte Laurentine. Gérard wollte wissen, was das Wort Beamen bedeutete. Julius erklärte es ihm. "Interessant, daß Muggel meinen, in dreihundert Jahren könnten deren Maschinen sowas", grinste er.

"Ja, aber nur wenn sie es hinkriegen sollten, die Einstein'sche Physik und die Heisenberg'sche Unschärferelation auszutricksen", meinte Laurentine. "Oder haben euch Monsieur Montferre und Mademoiselle Latierre verraten, daß es doch sowas wie einen Hyperraum gibt, der unsere ganze Zauberei überhaupt möglich macht, Julius?"

"Monsieur Montferre hat das nicht ganz ausgeschlossen, aber gemeint, daß Magie in einer Art Zwischenzone zwischen dem mikrokosmos und unserer Existenzform abläuft. und in "Schlupfwinkel der unbelebten Natur" steht was, daß Zeit keine reine Gefällstrecke ist, sondern mit jeder Raumdimension für sich wechselwirkt, wodurch es parallel zu jeder Bewegungsrichtung im Raum auch eine Bewegungsrichtung in der Zeit gebe, das aber nur durch mehrere nicht mit den Sinnen erfaßbare Verknüpfungen von übernatürlichen Kräften möglich sei, damit den uns betreffenden Zusammenhang zwischen Raum und Zeit zu beeinflussen. Das könnte das sein, was mittlerweile unter den Begriffen dunkle Materie und dunkle Energie diskutiert wird. Meine Mutter ist da immer hinterher, ob es neue naturwissenschaftliche Ideen gibt, die unser Universum neu erklären."

"Dunkle Energie?" Fragte Gérard. "Das ist doch böse Magie."

"Mit dunkle meinen die Muggel, daß sie es nicht mit irgendwelchen Meßgeräten erfassen und ausmessen können", sagte Laurentine. "Sie wollen wohl damit rauskriegen, warum sich das ganze Weltall immer noch weiter ausdehnt und ob es irgendwann wie ein zu voller Luftballon zerplatzt oder irgendwann doch wieder zusammenschrumpft oder so."

"Neh, das ist jetzt zu hoch für mich", grummelte Gérard. Laurentine grinste und sagte, daß auch die Muggel damit Probleme hätten, das zu erklären, und das ja genau das sei, was denen so zusetze. Dann meinte sie zu Julius, daß die Erklärung mit den raumparallelen Zeitrichtungen ja dann doch eine Art Hyperraum sei, sie aber nicht erst darin eintreten müßten, sondern das ganze ein Gefühge aus ineinanderfließenden Wirklichkeiten sei, so wie die Quantenphysiker sich das vorstellten, das jede Handlung unendlich viele Möglichkeiten ergab, von denen jede in einem Paralleluniversum wirklichkeit werden könnte.

"Leute, das könnt ihr mit Professeur Bellart gerne mal durchkauen, die steht auf sowas", grummelte Gérard. "Oder meinetwegen auch mit meiner Mutter, weil die ja die Arithmantik ja ähnlich ansieht, von wegen der vorausberechenbaren Ereignisabfolgen und sowas." Sandrine, die in ihrem aufgebauten Ruhesessel genug Erholung fand meinte dazu, daß die Wahrsager ja auch von Vorauswellen zukünftiger Ereignisse ausgingen, die nur durch die richtigen Techniken dargestellt und gedeutet werden könnten und es auch stimmen solle, daß jede gegenwärtige Handlung neue möglichkeiten für die Zukunft biete und je nachdem, ob einer den linken Weg oder den rechten nehme eine Kette neuer Möglichkeiten abgewickelt würde, aber es eben möglich sei, bestimmte Zukunftsereignisse vorherzusehen und daraus den richtigen Weg zu wählen, um sie entweder herbeizuführen oder abzuwenden und daß Intuition ja schon von Heilmagiern eindeutig nachgewiesen und in ein Maßsystem eingeteilt worden sei."

"Leute, wir sind hier nicht zum Theoretisieren", grummelte Gérard, der sich gerade ziemlich ungebildet vorkam. Millie saß in ihrem Sessel und meinte dazu:

"Julius macht das gerne, daß er hinter die Sachen gucken will, anstatt sie einfach mal zu nehmen wie sie sind. Das haben seine Eltern ihm beigebracht."

"Millie meint, ich sollte einfach mal den Quaffel fliegen lassen oder fangen, ohne gleich auszurechnen, wie weit er fliegen kann oder wie viel Kraft ich genau brauche, um ihn abspielen zu können", revanchierte sich Julius. Millie grinste und nickte. Dann sagte sie:

"Als wir unser Kind auf den Weg gebracht haben hast du sicher nicht genau gezählt, wie viele deiner Samenzellen du mir übergeben mußt, um sicher zu sein, daß eine davon auch wirklich da ankommt, wo eine fruchtbare Eizelle wartet, oder?" Julius nickte und erwähnte, daß es eben Sachen gebe, die einfach nur abliefen, ohne das jemand genau wisse, warum. Vögel hätten ja auch keinen Dunst von Strömungsgesetzen und könnten doch fliegen. Und Hummeln, die überhaupt nicht stromlinienförmig gebaut seien und ohne dies zu kleine Flügel für großen Auftrieb hätten könnten ja auch fliegen, obwohl die Strömungsgesetze das eigentlich ausschlössen." Damit konnte Gérard wunderbar leben.

"Achtung!" Rief Jacques aus der Höhle. Sofort waren Laurentine und ihre männlichen Klassenkameraden wieder auf der Höhe der Ereignisse und sahen die vier Feuerwesen, die im Hui aus der Höhle entfleuchten. Julius und Laurentine schlugen ihre Halbkreise mit den Zauberstäben. Laurentine erledigte eines der geflügelten Feuerwesen, Julius die drei anderen. Er rief dann noch rein: "Haben wir erwischt!"

"Wir müssen die echt wegdezimiert haben wie die Weltmeister", meinte Gérard. Denn vorhin hatten sie keine Ausreißer jagen müssen.

"Liegt nur dran, daß wir den Zauber auf Anraten Madame Rossignols trocken vorgeübt haben", meinte Millie, die schon auf der Hut war, nicht von einem der Ausreißer im Vorbeiflug angezündet zu werden.

"Mergentur Malardores!" Hörten sie Jacques keuchen. Doch der übliche Knall einer vernichteten Feuerkreatur blieb aus. "Kommt gleich wohl wieder einer durch", grummelte Julius und hob schon mal den Zauberstab. Es waren aber nicht eine, sondern gleich fünf Feuerwesen, die auskamen. Zwei erwischte Céline im Hinauslaufen noch. Drei konnte Julius gerade noch erwischen, bevor sie über Millies ungeschützten Körper herfallen konnten.

"Millie, Sandrine, zieht euch besser mal noch so hundert Meter zurück. Das war mir doch ein wenig zu nahe, wie die Biester bei euch waren", meinte Julius. Sandrine nickte. Millie grummelte zwar, verließ jedoch ihren Ruhesessel und faltete ihn zusammen. Sandrine tat es auch. Dann liefen die beiden im schnellen Schritt davon.

"Gut, daß wir dieses Feuerviehzeug jetzt haben und nicht in vier Monaten oder so", meinte Gérard, während sich Jacques von Delamontagne eine Maßregelung anzuhören hatte. Währenddessen krachte es noch mehrmals, weil die anderen Schüler ihre Zauber gegen das Dämonsfeuer anbrachten.

"Ob die in Hogwarts sowas machen?" Fragte Julius Laurentine.

"Da mußt du wen fragen, der da gerade lernt", meinte Laurentine und ging in Kampfstellung, weil es wieder so verdächtig aus der Höhle flackerte. Doch der flüchtende Feuerdämon kam gerade bis zum Eingang, bevor Belisamas Zauber ihn wörtlich in die Erde rammte.

"Also die da drinnen lernen es, wie schwer das ist, die plattzumachen", meinte Gérard.

"Ich denke eher, Professeur Delamontagne hat denen extraviel von diesem Gezücht hingezaubert, damit die es kapieren, daß das vorhin kein Videospiel war", meinte Laurentine. Gérard wollte wissen, was denn das schon wieder sein sollte. Julius sagte: "Ein Spiel, bei dem du auf einem Computerbildschirm Sachen mit den Tasten oder einem Steuerknüppel verändern kannst und dabei Spielpunkte sammelst. In der Zaubererwelt wäre es das Bilderbiegen, also das Einwirken auf schon bestehende Illusionszauber mit gewissem Eigenleben."

"Du meinst Schattenduelle, wie sie in China, Japan und Indien möglich sind?" Fragte Gérard.

"Das kann ich jetzt nicht genau sagen ob ja oder nein. Ui, da ist wieder was!" Das Etwas war ein großer Drache, der mit seinem Flammenschweif genauso verheerend fuhrwerkte wie mit seinem Feueratem. Julius fuhr zusammen, weil eine Stichflamme genau da einschlug, wo Millie vorhin noch gesessen hatte. Dann rammte etwas den Drachen zu boden, wo er mit lautem Knall implodierte und nur einen glutroten Fleck hinterließ. Gérard hatte diesmal ungesagt gezaubert. "Jau, geht also doch", frohlockte er.

"Wie entstehen so Kaventsmänner?" Knurrte Laurentine. "Ohne die Schutzaura und den Auslöschzauber könnten diese Biester locker eine ganze Stadt zerbrutzeln."

"Hängt wohl von der Zusammensetzung des Brennmaterials ab, was das Dämonsfeuer für Abkömmlinge erzeugt", seufzte Julius.

"Den hätten Sie echt zurückhalten können und müssen, Monsieur Deloire!" Schimpfte der Lehrer. "So schnell flog der ja nun doch nicht."

"Oha, Robert, das wird wohl Punktabzüge geben", feixte Gérard leise.

"Hätten Harry Potter und seine Freunde den Zauber gekonnt wären die da besser weggekommen", sagte Julius. Dann dachte er daran, warum Hermine Granger diesen Zauber nicht konnte, wo die doch gleich drei Jahre Theorie im Voraus gepaukt hatte?

"So, alle erledigt!" Rief Belisama überglücklich, als nach fünf weiteren Minuten keine Zaubersprüche und Implosionsgeräusche mehr zu hören waren. Delamontagne rief dann auch, daß er im Umkreis eines halben Kilometers keinen Ausreißer mehr orten konnte.

"Gut, daß die Biester nicht aparieren können. Dann wäre die halbe Erde schon in Flammen aufgegangen", meinte Laurentine.

Die restlichen Schüler verließen die Höhle. Julius winkte Millie und Sandrine, ebenfalls zurückzukommen.

"Ihre Kameradinnen und Kameraden durften jetzt wohl ausgiebig erfahren, daß der beste Umgang mit Dämonsfeuer darin besteht, es erst gar nicht hervorzubringen oder gleich beim ersten entstandenen Ableger rücksichtslos drauf einzuwirken, daß es wieder erlischt", sagte Professeur Delamontagne. "Ich hatte zwar vor, Ihnen auch die Schlingflut vorzuführen. Aber bei der an den Tag getretenen Unaufmerksamkeit mancher Damen und Herren belassen wir es besser bei der theoretischen Abhandlung dieser dunklen Ellementarzauberei."

 

"ich konnte nichts dafür, daß mir dieser Drache entwischt ist. Monsieur Lumière stand genau da, wo mein Zauberstab entlanggeführt werden mußte. Der hätte ihn auch erledigen können."

"Du hast gesagt, das du den plätten willst, Robert. Ich will mir doch keine Strafpunkte dafür einfangen, dir eine wichtige Lernübung vermasselt zu haben", entgegnete Jacques Lumière.

"Genau das meine ich auch damit, wenn ich von Unaufmerksamkeiten spreche", blaffte der Lehrer. "Aber mehr dazu im Kursraum. Die praktische Übung ist beendet, und ich sehe jetzt keinen Grund mehr, noch eine Runde einzuläuten, zumal die Schutzflammen von Mademoiselle Lagrange und Duisenberg bereits bedenklich geflackert haben. Also dann, die Herrschaften! Zurück zum Ausgangskreis!"

Mit den ausgeliehenen Flugbesen ging es zwischen den Bergen und Felsen hindurch zum Ausgangskreis. Delamontagne beschwor eine Reisesphäre, die sie erst in Paris absetzte. Von da kehrten sie mit einer zweiten sonnenuntergangsroten Reisesphäre nach Beauxbatons zurück.

Im Kursraum verteilte der Lehrer Bonus- und Strafpunkte. Dabei vergab er für jeden Dämonsfeuerableger, der von einem Schüler erledigt worden war fünf Bonuspunkte, mußte jedoch für jede bis zum Höhlenausgang gelangte Kreatur zehn Strafpunkte an die ihr nächsten Schüler vergeben und für jede, die die Höhle sogar verlassen hatte zwanzig. Julius, Gérard, Laurentine, Millie und Sandrine erhielten pauschal für die draußen niedergekämpften Kreaturen je zwei Bonuspunkte, weil der Lehrer nicht hatte mitverfolgen können, wer genau die Ausreißer nun erledigt hatte. Robert bekam zudem noch dreißig Unaufmerksamkeitsstrafpunkte und zwanzig wegen Anfechtung der Maßregelung. Jacques, der darüber grinste, fing sich fünfzig Strafpunkte wegen mutwilliger Gefährdung der Mitschüler ein, weil er den Drachen nicht erledigt hatte, obwohl er nahe genug an ihm drangestanden hatte. Das trieb dem Blauen jedoch nicht das Grinsen aus. Allerdings durfte er dafür bis zur Ankunft der beiden trimagischen Abordnungen magielosen Putzdienst verrichten. Robert kam damit weg, daß er die Reisekutsche von Beauxbatons putzen durfte, natürlich auch ohne Zauberkraft. Als er unvorsichtig einwarf, daß die Reisekutsche nicht gebraucht werde, da die anderen ja nach Beauxbatons kämen bekam er zum einen noch einmal zwanzig Strafpunkte und einen Termin bei Madame Faucon, die befinden sollte, was er außer dem Putzen der Reisekutsche noch auszuführen hatte. Julius dachte schon, daß das vielleicht übertrieben war. Doch der Gedanke daran, daß der Drache aus schwarzmagischem Feuer ohne die eingeübte Abwehr der vor der Höhle wartenden locker einen ganzen Landstrich hätte einäschern und hunderte von Nachkommen in die Welt setzen können zeigte ihm, daß Delamontagne schon einen großen Schrecken bekommen hatte. Er bat ums Wort und fragte, ob es eine Gesetzmäßigkeit gebe, welche Kreaturen aus Dämonsfeuer entstünden.

"Gutes Stichwort, Monsieur Latierre. Hierzu lesen Sie alle sich bis zur nächsten Woche das Kapitel über die Dämonsfeuerbekämpfung aus dem Buch "Dunkle Auswirkungen der Elementarzauber" durch und fügen Sie die dabei gewonnenen Erkenntnisse in den Aufsatz über die heutige Unterrichtsstunde ein! Das ist Ihre Hausaufgabe, Mesdames, Messieurs et Mesdemoiselles!" Ein leicht verdrossenes Stöhnen ging durch die Klasse. Nur die fünf erfolgreichsten Dämonsfeuerwehrleute, Sandrine und Gérard, Millie und Julius, sowie Laurentine stöhnten nicht.

"Super, diese blaue Protzkarrosse putzen und das noch von innen und von außen", meckerte Robert. "Unser Saalvorsteher hat wohl was gegen mich."

"Dann hätte er dir gesagt, daß du die Goldflammenaura ausmachen kannst, weil die Feuerwesen ja nicht gefährlich sind", bemerkte Jacques, der auf dem Weg zum Speisesaal noch mitbekommen hatte, was Robert sagte.

"Sei du mal besser still, Putzmann vom Dienst! Nachher schickt dir deine große Schwester noch alle vollgekackten Windeln ihrer Tochter zum durchwaschen rüber."

"Trollarsch mit Eselsohren", knurrte Jacques. Julius konnte das nicht überhören und fragte Jacques, wie gut sein Bonuspunktekonto noch sei, bevor man ihn vor den UTZs nach Hause schicken würde?

"Wenn du das bringst zieh dich warm an, wenn du und die von dir aufgefülte Latierre wieder bei uns in Millemerveilles sind", knurrte Jacques.

"Ach, ob deine Mutter dich da dann noch haben will?" Fragte Julius. "Leg's besser nicht drauf an und entschuldige dich bei Robert. Dann kann die Sache ohne Strafpunkte ausgehen und keiner muß vorzeitig nach Hause."

"Der hat angefangen", bockte Jacques. Da trat Patrice neben ihn und sagte: "Ich habe keine Probleme damit, deiner großen Schwester zu schreiben, daß sie, wo Berenice gerade aus den Windeln rauswächst, du gerne von ihr neu großgezogen werden möchtest, wenn Madame Faucon dich auch so nach Hause schickt wie Gaston."

"Du auch noch? Hältst du mit dem und dem da?"

"Ich habe dir und einigen anderen aus unserem Saal schon geniale Möglichkeiten zum Abreagieren verschafft. Mir fallen sicher noch ein paar interessante Sachen ein, beispielsweise was mit vier Beinen im Laufrad oder so. Also du entschuldigst dich bei Robert oder kassierst zwanzig Strafpunkte mehr als dein Bonuskonto noch an Punkten hat!"

"Wem willse'n damit beeindrucken, Patrice?" Fragte Jacques immer noch aufsässig.

 

"Mésange vielleicht?" Fragte Patrice. "Ich könnte durchkriegen, daß ihr zwei euch bis zur Abreise der trimagischen Abordnungen nicht mehr näher als einen Meter annähern dürft oder sie dich vor der Ankunft der Abordnungen noch auf ihren Besen hebt, damit ihr in den Weihnachtsferien heiratet. Außerdem hat Professeur Pallas was angedeutet, daß Madame Faucon sich überlegt, daß für die Teilnahme am trimagischen Turnier ein DQ von mindestens zehn nötig ist. Deiner liegt gerade bei drei, wenn ich das gerade durchgerechnet habe."

"Echt?! Drachenmist! Gut, verstanden! Robert, der Trollarsch war wohl doch zu heftig", grummelte Jacques und schob ab.

"Jetzt frage ich doch mal, wem du damit imponieren wolltest?" Grummelte Robert.

"Ihm und den anderen, die meinen, sie könnten mit vermurksten DQs am Turnier teilnehmen. Denkt ihr, Madame Faucon läßt das durchgehen, daß Leute, die jeden dumm anquatschen gegen Drachen und andere Monster kämpfen dürfen? Ich will mich zumindest da in die Teilnahmeinteressierten eintragen. Sollte ich dann die einzige aus dem blauen Saal sein, dann ist das eben so. Noch einen guten Appetit, Jungs!"

"Man sieht sich dannNachher in Verwandlung wieder", sagte Julius.

Tatsächlich kündigte Madame Faucon am selben Abend noch an, daß sie in Übereinkunft mit den anderen Saalvorstehern beschlossen habe, daß die Interessenten ab heute jede Woche einen Disziplinarquotienten von zwölf einzuhalten hatten. Das hieß, daß die Zahl der Bonuspunkte durch die Zahl der Strafpunkte pro Woche nicht kleiner als zwölf sein durfte. "Ich werde mir weder von meiner Kollegin Professor McGonagall, noch von der Schulleiterin von Burg Greifennest nachsagen lassen, undisziplinierte, aufsässige Schüler gegen Ihre sorgfältig ausgewählten Kandidaten antreten zu lassen. Madame Maxime hat damals für die Auswahl der Teilnehmer sogar einen Disziplinarquotienten von mindestens zwanzig festgelegt. Also schätzen Sie sich noch einmal glücklich, daß ich in der Hinsicht etwas nachsichtiger bin. Aber da Sie mich kennen sollten Sie wissen, daß meine Nachsicht sehr enge Grenzen hat. Sie sind hiermit belehrt und gewarnt, Mesdames, Messieurs et Mesdemoiselles."

"Hui, zwölf. Da müssen wir uns aber ziemlich ducken, um den zu halten", stöhnte Robert, der gerade seinen dieswöchigen DQ ausrechnete und dabei gerade so auf fünf kam, womit er noch an den Schulstrand durfte.

"Ist auch heftig mit einem DQ von mindestens zwanzig. Da darfst du ja auf hundert Bonuspunkte gerade fünf Strafpunkte kommen lassen", seufzte Julius. Ihm war klar, daß er sich in den nächsten Wochen leicht zur unbeliebtesten Person machen konnte, wenn er gleichaltrigen Mitschülern zu viele Strafpunkte aufbrummte. Selber mußte er zusehen, daß er auf 120 Bonuspunkte nur 10 Strafpunkte einhandelte. Da Millie und er immer noch in ehelicher Punktegütergemeinschaft lebten hing das nicht nur von ihm ab.

 

__________

 

Der hohe DQ für die Teilnahmeinteressenten war auch Thema bei der Saalsprecherkonferenz. Madame Faucon bemerkte dazu, daß es möglich sei, daß jeder Schüler in jeder Unterrichtsstunde fünf Bonuspunkte erringen konnte und somit, wenn er oder sie keine Strafpunkte einhandelte, kein Problem sei, den von ihr festgelegten Mindestquotienten zu erreichen. Dann ging es um die Vorbereitungen für den Empfang der Turnierdelegationen.

"Professor McGonagall schrieb mir, daß sie ihre Teilnehmerliste am fünfundzwanzigsten verbindlich einreichen könne, da sie aus vierzig Kandidaten mit geringen bis exzellenten Sprachkenntnissen auszuwählen habe und es gerne einrichten würde, daß aus jedem der Häuser von Hogwarts drei gleichwertig ausfallende Teilnehmer anreisen dürften. Die Kollegin Gräfin Greifennest hat sich der Idee angeschlossen, aus jedem ihrer vier Häuser drei Teilnahmeinteressenten mitzubringen. Meine hochrespektable Vorgängerin hat damals wohl ein sehr guten Anklang findendes Prinzip etabliert. Insofern ist die Lösung mit dem hohen Disziplinarquotienten mein Auswahlkriterium."

"Wie wollen Sie ausschließen, daß Schüler unterhalb dieses DQs nicht ihren Namen einwerfen?" Fragte Patrice Duisenberg.

"Das werde ich hier und jetzt nicht preisgeben, Mademoiselle Duisenberg. Nur so viel, daß ich das Auswahlartefakt auf einer Unterlage platzieren werde, die mit allen Namen der altersmäßig in Frage kommenden Beauxbatons-Schüler vertraut gemacht wurde. Wie ich diese Unterlage dazu bekomme, den zu den Namen gehörenden Disziplinarquotienten zu ermitteln und unterhalb der Mindesthöhe liegende Schülerinnen und Schüler zurückzuweisen halte ich geheim, um mögliche Gegenaktionsversuche von vorne herein zu unterbinden", sagte die Lehrerin. "Da ich davon ausgehe, daß Sie, Madame Latierre und Sie, Madame Dumas ja schon aus Ihnen bekannten Vernunftsregeln auf die Teilnahmebekundung verzichten hege ich keine Sorgen, daß Sie durch meine vorkehrung unsanft zurückgewiesen werden können."

"Monsieur Deloire fragte an, wozu die Reisekutsche sauber zu halten sei, wo sie nicht gebraucht werde", Wandte nun Céline ein.

"Das trifft zwar zu, daß wir unsere Reisekutsche vorerst nicht benötigen. Heißt aber nicht, daß sie dann, wenn sie benötigt wird, im ungepflegten Zustand herumfliegen soll. Daher teilt Schuldiener Bertillon die durch Strafarbeit in seine Obhut empfohlenen Schüler alle vier Wochen zum Putzen der Kutsche ein. Da Sie bisher seltenst eine Hausputzstrafe zu verbüßen hatten wissen Sie dies natürlich nicht. Aber Sie dürfen es Monsieur Deloire gerne so und nicht anders ausrichten", erwiderte die Schulleiterin. Dann erkundigte sie sich bei Sandrine und Millie nach ihren dieswöchigen Eindrücken, wie sie mit ihren anderen Umständen dem Unterricht folgen konnten. Sandrine meinte, daß das mit dem Dämonsfeuer am Vortag schon ziemlich brenzlig gewesen sei und sie froh sei, daß Professeur Delamontagne diese Einheit bereits jetzt abgehandelt habe.

"Sie werden wohl noch bis zur Ankunft der Teilnehmer die dunklen Wasser- und Luftelementarzauber durchnehmen, bevor Sie über hochgefährliche stoffliche und nichtstoffliche Geschöpfe sprechen. Da kann und wird es Ihnen widerfahren, daß Sie da von manchen Stunden befreit werden und nur die theoretischen Grundlagen erarbeiten dürfen, Madame Dumas. Denn es gibt Kreaturen, die zielen besonders auf durch Krankheit oder Schwangerschaft eingeschränkte Personen ab. Da ich jedoch den Fachunterricht an den höchstkompetenten Kollegen Professeur Delamontagne übergeben habe steht es nur ihm zu, Sie über die Einzelheiten zu informieren, wenn dies erforderlich ist." Julius nickte. Er hatte sich in dem Buch, das auf der Ausrüstungsliste gestanden hatte, auch schon einige Kapitel weitergelesen und wußte daher, daß Nachtschatten, Harpyien und die vor allem in der archaischen Magie des Morgenlandes existierenden Geisterwesen seelisch unausgeglichene Personen für ihre Zwecke einspannten und sogar auf wahrhaft dämonische Weise die Körper von Erwachsenen oder sogar Ungeborenen in Besitz nahmen, um sie zu ihren Werkzeugen zu machen. Von gewissen Frauenzimmern, die mit einer gewissen Hallitti verwandt waren wußte er auch so, daß sie gerne junges Leben raubten, wenn sie besonders schnell viel unverbrauchte Lebenskraft und unbelastete Seelenenergie benötigten. Das mußten sie nun wirklich nicht haben.

"Die Zeit für die Vorbereitungen läuft ab jetzt. Die Leiter und Leiterinnen der Kunst-AGs werden mit denen, die dort mitmachen ein Begrüßungsprogramm einstudieren. Vor fünf Jahren trafen die Abordnungen von uns und Durmstrang am Tag des Halloweenfestes ein. Da wir dieses hier nicht feiern gibt uns das genug Freiraum, uns von unserer vielfältig künstlerischen Seite zu präsentieren. Allerdings gilt, daß dürfen Sie sich selbst merken und weitergeben, daß die in den Kunst-AGs tätigen Schülerinnen und Schüler nicht in ihren sonstigen Verpflichtungen nachlassen dürfen. Auch deshalb gilt der von mir angesetzte Mindestquotient. Damit sind wir dann für heute fertig." Mit diesen Worten entließ die Schulleiterin die Saalsprecher und ihre Stellvertreter.

"An und für sich könnten wir für die Schülergruppen aus Hogwarts und Greifennest was kochen", meinte Sandrine, als sie mit Professeur Dirkson den Kurs magische Haushaltsführung besuchten.

"Ganz sicher stelle ich mich für diesen Motzkopf Kevin Malone in die Küche", grummelte Laurentine."Aber für die Greifennestler mal wieder anständigen Grünkohl machen wie meine Oma Frida in Elmshorn hätte ich echt Lust. Leider liegt das genaue Rezept bei meiner Tante Maren im Keller, und das mal eben herapportieren wäre magischer Diebstahl."

"Aus was für Fleisch macht man das?" Fragte Julius.

"Ähm, Grünkohl ist ein Gemüse so wie Blumenkohl oder Weißkohl, aus dem dann auch Sauerkraut gemacht wird", erwiderte Laurentine. "Aber zum Grünkohl gibt's im Norden meistens Mettwurst und Speck. Vielleicht bekomme ich das doch mal hin. Ist ja jetzt Saison im Oktober."

"Sauerkraut habe ich bei der Weltmeisterschaft im deutschen Zelt gegessen", meinte Sandrine. Da kann man auch pürierte Kartoffeln mit Zwiebeln zu machen."

"Aber hallo", erwiderte Laurentine. Dann fragte sie Professeur Dirkson, ob sie auch Weißkohl hätten, der müßte dann aber wohl lange gekocht und im Falle von Sauerkraut eingelegt werden.

"Kriegst du ein gescheites Sauerkrautgericht hin, Laurentine. Wäre schön für das Begrüßungsessen."

"Hmm, was deutsche Sachen angeht würde ich da eher Thüringer Rostbratwurst empfehlen. War auch lecker", sagte Julius.

"Hauptsache was, das vorhält", meinte Sandrine. "Kann ja nicht immer von Millie die leckeren Sättigungskekse schnorren."

"Ein Brief an meine Tante Béatrice und die schickt dir eine ganze Truhe damit, Sandrine", sagte Millie darauf. Dann sprachen sie noch über verschiedene Gerichte, die sie in den Ferien gekostet hatten. Julius und Professeur Dirkson stellten sich zusammen an den Herd und kochuspokusten Steaks und Kartoffelecken zusammen. Millie und Sandrine probierten die Ergebnisse. Deshalb waren von den zehn Steaks nur noch vier übrig.

"Wenn ich nicht wüßte, daß bei euch beiden wer mitißt würde ich fragen, wo ihr das laßt", versetzte Laurentine.

"Bis zur Gymnastik muß das alles soweit durch sein, daß ich mich wieder gut bewegen kann", mampfte Sandrine und peilte bereits das viertletzte Steak an.

"Willst du Mittags nichts mehr essen?" Fragte Céline schnippisch.

"Sicher. Aber wir hatten gerade hunger", sagte Sandrine und strich sich über den gerade vom Essen gerundeten Bauch. Millie grinste darüber nur.

"Connie hat mit Cythera unter dem Umhang auch so reingehauen", erinnerte sich Céline. "Könnte sein, daß Bernie jetzt schon so rund wie ein Quaffel mit Armen und Beinen ist."

"Céline, du willst mir echt den Appetit verderben?" Maulte Millie, die wie Sandrine noch darüber sinnierte, ob noch ein Steak in ihren langsam nach oben rückenden Magen hineinpaßte.

"Stimmt, hast recht. Ich habe der nicht gesagt, mit dem Jungen rumzumachen", erwiderte Céline.

Trotz der guten Grundlage langten Sandrine und Millie beim Mittagessen auch noch einmal gut zu. Natürlich mußten sie dann für eine längere Sitzung ins Badezimmer, was Gérard nicht sonderlich gefiel, weil ihn die vier Gläser Kürbissaft drängten, die er getrunken hatte. Julius brachte ihn in den grünen Saal und suchte ebenfalls den so wichtigen Bereich für gut essende und trinkende Schüler auf.

Die Gymnastikübung verlief für Sandrine und Gérard anstrengend. Sandrine merkte doch, daß sich ihr Körper umstellte, und Gérard war die Belastung nicht mehr gewohnt, während Julius und Millie Madame Rossignols Kommandos anstandslos und eifrig befolgten.

"Am besten legst du unten rum auch noch mehr zu", meinte Gérard zu Julius. "Das sah bei deiner Frau richtig rund aus, wie die ihre Hüften hat kreisen lassen."

"Ich habe heute auch schon wieder für zwei mitgegessen. Bin froh, daß ich das abtrainieren kann", erwiderte Julius.

"Gérard, was soll Sandrine von dir denken, wenn du dich so durchhängen läßt", trieb die Heilerin Sandrines Mann an. "Vierzig Kniebeugen ohne beim Hochkommen abzustützen."

"Hallo, ich bin der Vater, ich muß nicht in Superform sein", erwiderte Gérard.

"Ach, dann möchtest du eure Kinder nicht auf den Armen oder Schultern tragen?" Fragte Madame Rossignol.

"Jetzt doch noch nicht", grummelte Gérard. Doch die Heilerin war unerbittlich. "Mitmachen heißt mitmachen, Monsieur Dumas. Also los. Und eins und zwei!"

"Die Frau schafft mich noch, bevor die Kleinen ihren ersten Schrei von sich gegeben haben", stöhnte Gérard, als die Übungsstunde vorbei war. Julius wirkte noch ganz munter. Millie hatte schon gemerkt, daß ihre Superkondition gerade wegen dringenderer Sachen abgesunken war, und Sandrine keuchte wie eine berganfahrende Dampflokomotive.

"So, und der MOnsieur Dumas bekommt jetzt von mir die Aufgabe, zwei vier Kilogramm schwere Säcke zwei Stunden lang auf seinen Schultern zu tragen", sagte die Heilerin und hängte ihm mal eben zwei Säcke an die Schultern. Gérard beschwerte sich zwar und versuchte, die Last loszuwerden. Doch es gelang nicht. Julius bekam ebenfalls einen Sack mit vier Kilogramm Gewicht umgehängt. "habe ich meinen herrenSöhnen auch verordnet, als die meinten, daß sie sich hübsch ausruhen könnten, wo ihre Frauen gerade Nachwuchs zu versorgen hatten. Das haltet ihr jetzt bis zum Abendessen durch. Und nicht nur einfach rumsitzen. Sonst stelle ich dich hier gleich auf das Mitlaufband drauf, Gérard."

"Worauf habe ich mich da bloß eingelassen. Verdammter Regenbogentanz!" Fluchte Gérard. Sandrine hörte das und sagte:

"Wärest lieber bei der auf junges Fleisch glotzenden Lerouge im Bett gelandet wie?"

"Hallo, Sandrine, so habe ich das jetzt echt nicht rübergebracht", knurrte Gérard. "Ich meine nur, daß es für derartige Kraftübungen noch ein bißchen früh ist und Madame Rossignol mir nicht mehr aufladen muß als du schon rumträgst."

"Hätte ja sein können, dann wärest du wohl von dem ganzen, was da dranhängt verschont worden", maulte Sandrine. Madame Rossignol sagte dazu:

"So sicher ist das nicht. Ich kenne die Dame zwar nicht, die du meinst, Sandrine. Aber ich denke schon, daß eine Hexe, die ungewollt Mutter wird sich mit der Familie des Kindsvaters abstimmt, inwieweit er bei der Pflege und Erziehung des Kindes oder der Kinder Mitsprache und Mitarbeit erhält."

"Dame? Die ganz sicher nicht. Der konnte jede anständige Hexe ansehen, daß die wen abräumen wollte. Ungewollt schwanger? Wenn es die doch irgendwie geschafft hat, einen von diesem Getränk benebelten Zauberer näher als zehn Zentimeter an sich heranzuwinken wollte die das sicher auch, daß die von dem ein Kind kriegt", fauchte Sandrine.

"Gut, wenn das so sein soll, dann sei froh, daß du und Gérard deine Kinder hinbekommen habt", erwiderte Madame Rossignol sehr ungehalten. Danach gab sie den beiden künftigen Vätern auf, mit ihrer zusätzlichen Last im Park herumzulaufen. Julius wandte ein, daß Gérard dann vielleicht verraten müsse, daß er zwei Kinder mitzuversorgen haben würde. Deshalb hängte ihm Madame Rossignol noch einen Sack von vier Kilo um. Das machte ihm jedoch nichts aus.

Gérard war froh, als er vor dem Abendessen die beiden Lasten wieder loswerden konnte. Die Jungen hatten Julius und ihn dumm angequatscht, weil sie schon Kindertragen üben mußten. Julius hatte gemeint, daß Sandrine und Millie nicht mehr üben könnten, sondern das schon machen müßten.

Abends im Schlafzimmer meinte Millie zu Julius: "Gérard hat es echt heftig getroffen mit Sandrine. Der lernt mit seinen Kindern zusammen noch mal laufen."

"Und ich nicht?" Stellte Julius eine provokante Frage.

"Du kannst schon laufen", schnurrte seine Frau. Dann strich sie ihm über den Körper. "Hups, du legst auch zu?" Fragte sie, als ihre Hand auf Höhe seines Bauchnabels lag. Er streckte sich und holte tief Luft. "Hmm, stimmt, da ist ein bißchen mehr Umfang. Aber mit der Körpergröße fällt das nicht auf", meinte Julius. Millie grinste.

"Komm bloß nicht auf den Gedanken, dir mit mir einen Anschwellwettbewerb zu liefern, Monju. Dann fällt Gérard kompllett vom Besen."

"Stimmt, weil Sandrine ihn dann füttert, damit er mit ihr zusammen rund wird", gab Julius einen nicht ganz taktvollen Kommentar von sich.

"Na ja, liegt wohl dran, daß du meinen Hunger mitnimmst. Dann hau ich nicht zu heftig rein, wenn du für mich mitißt. Aber dann wunder dich nicht, wenn das Kleine gerade mal handgroß beim Unterricht aus mir rausfällt."

"Ich denke, das kleine morst dir über die Nabelschnur schon früh genug, wann es Hunger hat."

"Das Kleine, wie das klingt. Ich werde froh sein, wenn Madame Rossignol sehen kann, wer da bei mir unten drin wohnt."

"Es gibt Eltern, die wollen das erst wissen, wenn das Kind auf der Welt ist."

"Klar, und dann die ganzen Säuglingskleidungssachen für Mädchen umtauschen, weil sie doch einen Jungen bekommen haben und natürlich auch andersrum." Julius wollte dazu noch was sagen. Doch etwas vor seiner Brust vibrierte sacht aber spürbar. Er griff in den praktischen Tragebeutel und zog den mit Gloria verbundenen Zweiwegespiegel hervor.

"So, die Schreib- und Sprechtests sind durch. Von vierzig sind nur noch vierundzwanzig übrig. Professor McGonagall will jetzt noch andere Sachen prüfen, um die zwölf auszusieben, die sie mitnehmen will", erwiderte Gloria.

"Bei uns hat Madame Faucon gestern angesagt, daß nur die von uns beim Turnier mitmachen dürfen, die ab heute einen DQ von zwölf oder höher bis zum Ende der Auswahl durchhalten."

"Ui, was sagen die Blauen dazu?"

"Sie maulen", erwiderte Millie. "Aber die Jungs aus meinem Saal sind auch nicht so begeistert davon. Wir Saalsprecher müssen aufpassen, nicht als Spaßbremsen vom Dienst anzuecken, aber auch nicht für jede gröbere Unfeinheit auf Strafpunkte zu verzichten."

"Ähnliches hat Professor McGonagall auch gesagt. "Wer innerhalb der nächsten Wochen fünfmal Punktabzüge für sein oder ihr Haus verschuldet bleibt in Hogwarts", hat sie ganz klar gesagt. Schon sehr interessant, das jetzt mal aus der Warte der Interessenten mitzukriegen, wo wir damals nur Zuschauer sein konnten."

"Ich muß auch noch dran denken, ob ich da mitmache oder nicht, Gloria", erwähnte Julius. Millie meinte, daß er nicht zu viel Rücksicht auf sie nehmen solle, nur weil sie sowieso nicht mitmachen dürfe.

"Bis wir da sind sind ja noch drei Wochen", erwiderte Gloria darauf.

"Ähm, bis wir da sind, Gloria?" Fragte Julius herausfordernd.

"Na ja, sicher ist es erst, wenn Professor McGonagall sagt, daß ich mitfliegen darf. Aber Pina und ich gehörten im Sprachtest zu den obersten dreien. Lea war da auch noch mit bei. Kevin hat es zumindest im Sprachtest auf den fünften Platz geschafft. Ob er mitdarf ist aber auch davon abhängig, wie er sich im Unterricht und außerhalb davon benimmt. Professor McGonagall hat ihm erzählt, daß er sehr vorsichtig sein muß, sie ihm nur deshalb noch eine Mitfahrmöglichkeit einräumen könnte, weil er das Jahr in Thorntails gemacht habe und sich mit seinen Sprachstudien als doch sehr disziplinierter Schüler erweise. Aber das alles reiche noch nicht aus. Er müsse sich jetzt in den nächsten Wochen ranhalten. Womöglich ist das so ähnlich wie bei euch mit dem DQ über elf."

"Dabei wollte der niemals nach Beauxbatons", erinnerte Julius Gloria noch einmal an ihr längst bekannte Sprüche des gemeinsamen Freundes.

"Auch wenn Bradley und einige andere durchgeknallte Leute weggekommen sind ist das in Hogwarts für ihn immer noch schwer. Der packt das nicht so locker weg, daß einige meinen, der hätte sich mit mir und den Hollingsworths abgesetzt, ohne den anderen einen Tipp zu geben, wie er das hinbekommen wollte. Ich habe diesen Schwätzern dann mal gesagt, daß wir bis zur Abreise nicht gewußt hätten, wie das gehen sollte und sie ja wohl auch aus Hogwarts geholt worden wären, wenn ihnen jemand den Kuß des Dementors angedroht hätte. Danach war endlich mal Ruhe. Ich fürchte nur, sollten Pina und ich in die Hogwarts-Abordnung reinkommen und Kevin in Hogwarts bleiben, daß die Dummschwätzer ihn dann wieder beharken, daß er trotz der so tollen Beziehungen nach Frankreich und trotz seines tollen Jahres in Thorntails nicht für gut genug gehalten wurde, Hogwarts beim trimagischen Turnier zu vertreten."

"Ähm, ihr müßt mit, wenn Professor McGonagall die Liste rumgibt? Oder könnt ihr für wen anderen auf die Teilnahme verzichten?" Fragte Julius. Er war sich sicher, daß die Frage bei Gloria heftig einschlagen mochte.

"Originalton Professor McGonagall: "Wenn Sie sich die Mühe machen, eine für Sie fremde Sprache zu erlernen, um damit in einer diese Sprache pflegenden Schule ein Austauschjahr zu verbringen, und in dieser Schule soll das trimagische Turnier stattfinden, würden Sie sich selbst sehr schaden, wenn Sie die Gelegenheit nicht nutzen würden, in der Gruppe der Kandidaten mitzureisen, sofern meine Bewertungskriterien Ihre Mitreise zulassen, Ms. Porter." Und Professor Craft hat mir nach der letzten Verwandlungsstunde noch gesagt, daß sie hofft, daß ich ja mit in die Gruppe komme, weil sie davon ausgeht, daß die ganze Ausbildung, die ich mir freiwillig und angefordert zugemutet habe, einen Sinn haben soll und die Teilnahme am trimagischen Turnier eine gute Gelegenheit sei, diesen Sinn genauer auszuloten. Mit anderen Worten, wenn ich aus einem mir selbst gerade nicht klaren Grund auf die Mitreise verzichten sollte, bekäme ich von mehreren Leuten Ärger. Und wie erwähnt will ich mitbekommen, was Professeur Dirkson so im Unterricht macht."

"Die ersten fangen jetzt mit Autonebulation an", sagte Millie. "Ich darf ja nur Fremdverwandlungen und Materialisationsübungen machen."

"Du armes Mädchen", bemerkte Gloria darauf. Dann fragte sie, was gerade in Verteidigung gegen dunkle Künste dran sei. Julius erzählte ihr von den Elementarzaubern und von dem Ausflug gestern, wo sie das Dämonsfeuer zu löschen gelernt hatten.

"Kommt bei uns kurz vor dem Abreisetermin dran. Professor Barley hat gemeint, daß außer mir und Lea bisher keiner hinbekommen habe, länger als zehn Sekunden hinter einem großen Schild zu stehen. Wer das nicht könne sollte sich besser nur aus Büchern über dunkle Elementarzauber schlaulesen. Da hat dann Cobbley, einer von den verbliebenen Slytherins gemault. Das brockte ihm fünf Minuten hartes Duellieren mit Madam Megan ein und danach drei Stunden Krankenflügel, weil zu viele Flüche bei ihm durchgekommen sind."

"Wenn das Turnier losgeht will Professeur Delamontagne die dunklen Wesen der oberen Stufen durchnehmen, Golems, Rachehexen, Dibbukim und höhere Nachtschatten."

"Keine Wertiger?" Fragte Gloria.

"Dann könnten wir gleich Hallittis Schwestern fragen, ob sie sich als Boxbälle für uns anbieten wollen", grummelte Julius.

"Hähm, stimmt", erkannte Gloria an. Dann wollte sie noch über das Zauberwesenseminar was wissen. In der nächsten Woche würden sie eine echte Dryade kennenlernen, eine Baumnymphe, die sich selbst in einen Baum verwandeln konnte.

"Spannend. Ist das jetzt amtlich, daß die Gastschüler auch an den Freizeitkursen teilnehmen dürfen?"

"Klar, wie daß die inerhalb von Beauxbatons dem Regelwerk entsprechend geführt werden. Ich weiß nicht, wie Professor McGonagall das mit den Punkten macht. Vielleicht überläßt sie es Madame Faucon, sowie Madame Maxime sich das Hogwarts-Punktesystem ausgeborgt hat."

"Soll ich Kevin fragen, ob er wirklich mit will?" Fragte Gloria. Julius überließ ihr die Entscheidung. "Aber am Zauberwesenseminar könnte ich dann teilnehmen, auch wenn ich keinen Zaubertierunterricht mehr habe?"

"Der ist davon entkoppelt. Nur der Freizeitkurs Tierwesen darf nur von Leuten besucht werden, die auch Magizoologie genommen und nach den ZAGs behalten haben."

"Und was macht ihr im Zaubertierkurs gerade?"

"Letzte Woche waren wir bei den Occamys in Indien und die kommende Schulwoche geht's in den Senegal zu einem Feuerlöwenreservat."

"Ui, die sind heftig. Meine Oma Grace, zu der ich im Moment Professor Craft sagen muß, hat die Biester auch schon in Natur gesehen. Zieht euch bloß reiß- und feuerfeste Sachen an und nehmt keine brennbaren Sachen mit! Vor allem die trächtigen Weibchen können mindestens zehn Meter lange Stichflammen speien und können mal eben befinden, für ihre ungeborenen Jungen Mittag- und Abendessen vorzukochen. Die fressen dann sogar Nashörner. Und im Rudel erledigen die sogar ausgewachsene Elefantenbullen."

"Wir hatten die Biester hier auch schon mal. Ein übereifriger Lehrer meinte, uns mit Jungtieren von denen beehren zu können. Die Mutter wollte die beiden aber da noch nicht an die Luft drücken", sagte Millie.

"Stimmt, Pivert war das. Der soll lieber bei seinen australischen Wollmilchmenschen bleiben. Apropos Wolle und Milch: War da nicht irgendwann noch ein junges Latierre-Kalb fällig?"

"In den nächsten Tagen soll das kommen", hat meine Schwiegertante angekündigt. Wir kriegen das wahrscheinlich dann per Familienpostnetz mit", erwiderte Julius.

"Im Tagespropheten stand was über eine Party auf Martinique. Eine Hexe aus Belfast, die dabei war, hat sich da mit sechzig Jahren noch ein Kind eingehandelt. Die ist jetzt natürlich das Gesprächsthema in Irland, weil die halbmuggelstämmig und streng katholisch ist. Wer der Vater von dem Baby ist wollte sie nicht sagen. Sie gab nur bekannt, daß der Vater absolut nicht die Absicht gehabt habe, mit ihr intim zu werden. Ist das nicht so wie bei Sandrine und Gérard?"

"Wie, das steht in der Zeitung, daß eine Touristin aus Belfast Mutter wird. Oha, dann könnte das auch hier bald wer rauslassen, der oder die bei dieser Party dabei war", meinte Millie und prüfte, ob die Bettvorhänge gut zugezogen waren.

"Ja, wäre möglich", sagte Gloria. "Aber den Rekord von Sarah Redwood knackt die damit auch nicht. Wie geht's Madame Ursuline Latierre?"

"Es kullert, war die letzte von ihr an mich geschickte Botschaft", erwiderte Millie. "Sie merkt jetzt was von den Kleinen und ist froh, daß sie den FMT getrunken hat. Denn das mit vier Kindern zieht sie doch gut runter. Meine Tante Béatrice hat ihr Hausarrest verordnet. Keine Besenflüge, kein Flohpulvern und kein Apparieren mehr. Sie hat damit gedroht, sie mit Walpurgisnachtringen an sich anzuketten, wenn sie nicht hören wolle."

"Und das würde deine Oma sich bieten lassen, Millie?" Fragte Gloria schnippisch.

"Tante Trice hat ihr auch angeboten, daß meine Mutter und meine Tante Barbara je eines der Kinder übernehmen und fertigtragen, damit Oma Line nur mit zweien zu tun hat. Dann könne sie das machen, was sie bei Esperance und Félicité noch gedurft hat."

"Ui ui, da hat es aber sicher gefunkt", grinste Gloria.

"Na ja, mehr als daß Oma Line gerade nicht mehr aus dem Haus darf muß ich jetzt im Moment nicht erzählen, Gloria. Ich gebe im Grunde nur wieder, was in der Temps de Liberté drinsteht." Gloria nickte.

"Bestell deiner Oma noch mal schöne Grüße. Vielleicht spielen die vier ja jetzt in ihrem Bauch Schach."

"Das sage ich besser nicht, weil Oma Line dann glatt nachsehen läßt, wie die Partie steht", erwiderte Millie. "Aber ich grüße meine Tante Trice, daß du vielleicht in der Hogwarts-Gruppe mitreist."

"Die hat echt damals gedacht, ich hätte auch wen neues unter dem Umhang, was mich dann wohl am meisten überrascht hätte", grummelte Gloria. "Aber grüßen darfst du die, Millie."

"Joh, Mädels, ich glaube, wir sollten besser langsam aufhören zu quatschen. Nachher brütet Millie noch eine Nachteule aus."

"Quatschkopf!" Fauchte Millie. Gloria ging dann aber darauf ein und meinte: "Dann kannst du die gleich mit ihrer Geburtsanzeige rüberschicken."

"Deine Kinder rufen auch schon nach dem Mann, der sie dir in den Bauch let", blaffte Millie darauf. Gloria verzog kurz ihr Gesicht. Dann blickten ihre graugrünen Augen trotzig aus dem Spiegel hervor.

"solange ich die nicht höre sollen die rufen, wie auch immer das gehen soll."

"Es gibt religionen, die gehen davon aus, daß die Seelen der Menschen im Himmel oder einer Vorhalle aussuchen, als wessen Kinder sie geboren werden wollen. Damit sie nicht gleich was vom Himmel oder Limbus oder Paradiesgarten oder Storchenteich erzählen bekommen sie vor dem Einzug in den Mutterleib eine Erinnerungsspritze, damit sie auch wirklich als Baby schreien und als Kind aufwachsen können und nicht mit all dem Krempel herumlaufen müssen, den sie in einem früheren Leben vielleicht mal abbekommen haben", meinte Julius und erschauerte, weil ihm aufging, daß etwas ähnliches ja auch in der Zaubererwelt ging.

"Ja klar, und die Kinder, die dann von ihren Eltern vernachlässigt oder mißhandelt werden haben die sich dann ausgesucht?" Fragte Gloria. Millie nickte heftig.

"Das ist der Grund, warum ich derartige Sachen nicht glaube. Ich wollte halt nur erwähnen, daß es Leute gibt, die die ungezeugten Kinder durchaus rufen hören könnten, endlich auf die Welt zu kommen."

"Oder dagegen zu protestieren, überhaupt zur Welt kommen zu müssen", entgegnete Gloria darauf. Millie lachte. Dann sagte sie:

"Also ich habe das Kleine in Millies kleinem warmen Wartehäuschen schon rufen hören, daß ich doch langsam mal zusehen soll, daß es ans Licht darf. Und wenn das eine raus ist, wollen da sicher noch ein paar mehr raus. Julius weiß das und hat das auch anerkannt."

"Ich höre noch keine Kinder von mir. Aber deine Oma Line und meine Oma Grace könnten sich echt mal treffen und egal wie unterschiedlich sie solche Themen sehen über ihre gemeinsamen Vorstellungen von Familienerhalt sprechen. Aber ich denke, ihr hattet heute noch genug um die Ohren. Ich melde mich dann, wenn ich sicher weiß, wer in der Gruppe ist, sofern Professor McGonagall mir den Spiegel nicht wegnimmt. Falls ja kriegst du es dann vielleicht von Aurora Dawns Bild mit."

"Würde mich sehr freuen, wenn ich das von dir persönlich hören würde", sagte Julius und wünschte seiner früheren Schulkameradin eine gute Nacht.

"Ich habe sie erwischt, Monju. Die hat bestimmt schon davon geträumt, ein eigenes Kind auf den Armen zu haben. Die hat sich zu gefühlsmäßig mit Connies Kleiner befaßt, auch wenn die da gerade traurig wegen Ihrer Oma war."

"Manche Mädchen mögen es nicht, wenn man sie auf ihren Unterleib reduziert. Das weißt du, das weiß Oma Line auch", erwiderte Julius.

"Ja, und trotzdem ist Gloria kein wandelndes Gehirn. Bernie Lavalette hat bewiesen, daß es sowas nicht gibt. Das einzig gute an der miesen Nummer, die sie mit Cyril abgezogen hat."

"Nachdem er sie ablegen wollte, Mamille", erwiderte Julius darauf.

"Hören wir davon auf. Sonst träume ich nachher noch, daß ich Bernies Baby zur Welt bringen müßte. Wir zwei wünschen dir auf jeden Fall eine gute Nacht." Julius streichelte Millie über die Wangen und noch über den warmen, sanft gerundeten Bauch und wünschte ihr und seinem Kind auch eine gute Nacht.

 

__________

 

Julius merkte schon eine gewisse Anspannung, weil seine Schulkameraden davon ausgingen, er wisse schon, wer von Hogwarts herüberkommen würde und wie die Gruppe anreisen wollte. Doch er konnte es noch gut damit abwettern, daß er sagte, daß Professor McGonagall die Liste der Hogwarts-Kandidaten erst eine Woche vor dem Abreisetermin in Hogwarts bekanntgeben würde. Céline meinte einmal dazu, daß das für die Ausgewählten dann noch einmal richtig stressig werden mochte, von denen, die in Hogwarts bleiben müßten, dumm angequatscht zu werden. Julius fragte sie darauf, wie das damals war, als Jeanne und Barbara aus dem grünen Saal für die Beauxbatons-Abordnung ausgewählt worden waren. "Eloise und Yves haben tatsächlich dumme Sprüche abgesondert, daß Jeanne und Barbara ja nur deshalb mitfahren durften, weil Jeanne bei ihrer Mutter Nachhilfe in Kräuterkunde und bei Professeur Faucon eine Aufbesserung ihrer Zauberfertigkeiten in Verwandlung und Abwehr böser Zauber bekommen habe. Das ging aber für Yves nach hinten los, weil Barbara dann fragte, wieso er, der ja auch in Millemerveilles wohne, deshalb nicht mitfahren konnte. War auf jeden Fall eine frostige Stimmung zwischen Barbara und Eloise, zumal Barbara da schon die Goldbrosche getragen hat und Eloise wegen solcher Neidsprüche Strafpunkte aufgeladen hat. Deshalb lauert Irene ja drauf, daß ich ähnlich drauf bin wie Barbara damals noch Lumière."

"Das habe ich schon kapiert, daß es für Laurentine und dich, Gérard und mich und die anderen Saalsprecher jetzt echt fies wird, weil wir zum einen von den anderen blöd angequatscht werden, wenn wir denen wegen Strafpunkten den DQ 12 versauen könnten, und von den Lehrern belauert werden, daß wir ja die nötigen Maßnahmen betreiben." Céline nickte schwerfällig. Julius flüsterte ihr zu: "Millie und ich haben für unsere Leute beschlossen, daß wir nur da mit Strafpunkten draufhalten, wo es um Handgreiflichkeiten oder die Tagesform runterziehenden Beleidigungen direkt von uns beobachtet werden kann. Ich hoffe mal, die Leute aus unserer Altersgruppe haben es aber auch so drauf, mal etwas weniger Terz zu machen."

"Dafür wohnst du in einem der drei einzig richtigen Säle, Julius. Die Violetten, Gelben und Grünen kriegen das wenn sie wollen und müssen problemlos hin. Bei den Weißen ist das Problem, daß die ja wegen ihrer Sonderinteressen für ein Schulfach in den anderen Fächern runtergemacht werden. Und die Blauen und Roten sind ja altbekannt dafür, daß die lieber ihren Gefühlen nachgeben als sich an Regeln zu halten. Auch wenn Millie so eine von denen ist."

"Das weiß Millie und muß selbst ja langsam damit klarkommen, daß sie nicht immer selbstbeherrscht ist. Ich kriege das doch von ihr mit, wie die für manchen dummen Spruch gleich richtig wütend wird."

"Dann lernt die endlich mal, wie fies das ist, von anderen dumm angequatscht zu werden. Kannst du der ruhig so weitergeben", erwiderte Céline schnippisch. Julius grinste und erwiderte, daß Millie nichts anderes von ihr zu hören erwartete als das. Céline funkelte ihn dafür mit ihren smaragdgrünen Augen an, sagte jedoch kein weiteres Wort darüber. Stattdessen wollte sie von ihm wissen, wie das noch einmal mit den Feuerlöwen war, wo sie diese Tiere ja in der nächsten Stunde besuchen würden. Er erzählte ihr, was er von den imposanten wie gefährlichen Tieren mitbekommen hatte, ließ jedoch aus, daß er die beiden Feuerlöwen, die Pivert mal nach Beauxbatons hatte bringen lassen, nur mit einem der vier Zauber aus Altaxarroi angrifssunfähig gemacht hatte, so daß er und Millie sie in ruhe mit dem Einschläferzauber belegen konnten. Ihm war klar, daß er den Tötungswunschabwehrzauber nicht vor allen Mitschülern wiederholen durfte. Doch jetzt wußte er ja auch, wie nahe er die Löwen an sich herankommen lassen konnte. Außerdem ging er davon aus, daß Professeur Fourmier bessere Vorsichtsmaßnahmen ergriff als nur eine Mauerlinie zu ziehen und mit einem Rückhaltezauber zu belegen.

Bevor die UTZ-Klasse von Professeur Fourmier in den Ausgangskreis trat, um erst nach Paris und von da in die ehemalige französische Kolonie Senegal zu reisen, teilte die spindeldünne Lehrerin mit den magischen Gliedmaßen ziegelrote Kapuzenumhänge und Gesichtsmasken aus dreilagiger Drachenhaut aus, die innen sogar mit Daunen gefüttert waren. "Das non plus ultra der mit Feuerquellen und Feuerwesen beschäftigten Hexen und Zauberer, werte UTZ-Kandidaten. Wer von Ihnen in der Runenkunde vorgebildet ist erkennt sicher die Runen für Feuer, Ruhe, Kühle und Schlaf an den Säumen und Halspartien der Umhänge." Julius nickte. Er war in der Gruppe der einzige, der alte Runen im Unterricht hatte. Er hob die Hand und durfte nach Erhalt der Sprecherlaubnis sogar bestätigen, daß es einige der Machtrunen gab, die für Absenken, Erhalten und zurücktreiben, die mit den umgedreht eingenähten Feuerrunen verbunden waren. "Sehr richtig. Damit erhalten sie eine unsichtbare Unfeueraura, die sich bei Tragen des Umhanges auch um die von dem Umhang nicht bedeckten Partien legt. Die verarbeiteten Materialien sind außer der Haut von drei weiblichen Drachen verschiedenen Alters auch die bei einer Mauser abgeworfenen Federn von Phönixen, die ja, wie Sie ja alle sicher schon ausgiebig gelernt haben, der Elementarkraft Feuer in ihrer Eigenschaft als neuschöpfende, Wärme und Licht gebende Naturform verbunden sind. Daher sind die Umhänge an sich schon feuerunempfindlich. Werden sie jedoch mit alle magielosen Feuer erstickenden Zaubern belegt, schützen sie nicht nur vor den Flammen, sondern auch vor Rauch und den Körper überfordernder Hitze. Soviel nur dazu, weil Sie sicher fragen, was dicke gefütterte Umhänge in einem afrikanischen Land bringen, wo es dort noch wärmer ist als hier. Zudem sind diese Umhänge reißfest und schrecken durch erwähnte unsichtbare Aura die meisten magisch mit dem Feuer verbundene Lebewesen zurück. Zumindest gilt dies für Salamander, Wüstenteufel, Phönixe, deren Hybride, die sogenannten Feuerraben und womöglich alle nicht gerade im Paarungsrausch oder anstehender Mutterschaft befindliche Feuerlöwen. Gegen Drachen helfen diese Umhänge nur im Bezug auf die Feuerunempfindlichkeit. Sie wurden erst vor drei Jahren patentiert, nachdem es möglich wurde, das in jedem warmblütigen Wesen langsam brennende Feuer des Stoffwechsels von den Feuerhemmnissen auszuschließen. Außerdem ist die Herstellung dieser Umhänge sehr teuer, wegen der in ihnen verarbeiteten Materialien. Daher tragen Sie diese Bekleidung lediglich, wenn wir uns wie heute die Feuerlöwen ansehen und im November einen Ausflug zum Drachenreservat in die Pyrenäen machen. Eine Warnung an jeden, der oder die meint, den Umhang unterwegs zu verlieren oder ihn nicht nach der Rückkehr ohne Aufforderung wieder abzugeben: Ich habe keine Hemmung, jedem, der den geliehenen Umhang verbummelt oder dessen Rückgabe unterläßt ein Zehntel der Strafpunkte zuzuteilen, die so ein Umhang kostet. Jeder Umhang besitzt einen Verkaufswert von fünftausend Galleonen, nur damit wir uns ganz klar verstehen." Die Schülerinnen und Schüler, die bereits in die Feuerschutzumhänge geschlüpft waren gaben Laute des Erstaunens und der Überwältigung von sich. Julius war klar, daß Professeur Fourmier keine Sekunde mit der Zuteilung der Strafpunkte warten würde. Sie war schulweit dafür bekannt, großzügiger mit Straf- als mit Bonuspunkten umzuspringen. Darin unterschied sie sich total von ihrer Kollegin Pallas, die für geäußertes Interesse eher Bonuspunkte rausließ, als für Nachlässigkeiten oder bewußte Unaufmerksamkeit Strafpunkte auszuteilen. Da würde Kevin, falls er mit nach Beauxbatons durfte, noch einiges zu knabbern kriegen.

Gut in die feuerfesten Umhänge eingemummelt, die sich tatsächlich nicht zu warm anfühlten, versammelten sich die UTZ-Schüler praktische Magizoologie im roten Vollkreis, aus dem heraus die Reisesphären beschworen werden konnten. Professeur Fourmier rief zunächst eine sonnenuntergangsrote Lichtkugel auf, die sie nach Paris trug. Einige Sekunden nach ihrer Ankunft im grünen Ausgangskreis der Rue de Camouflage rief sie eine weitere Sphäre auf, die sie in einem ockergelben Kreis absetzte. Sofort nach Auflösung der magischen Lichtsphäre schlug ihnen allen tropischwarme Luft entgegen. Doch unverzüglich umfloß sie alle etwas, daß den heißen Wind herunterkühlte. Die Umhänge glichen die Hitze aus. Sie waren jedoch nicht gleichwarm bezaubert, sondern eben nur gegen übergroße Hitze.

"Da die Umhänge und Masken Ihre Körper konturgenau feuersicher machen sollten Sie bei Einsatz Ihrer Zauberstäbe niemals mehr als eine Viertel Armlänge von ihren Körpern entfernt den Zauberstab ausrichten", wies die Lehrerin die Klasse noch auf etwas sehr wichtiges hin, bevor sie die ockergelbe Kreisfläche verließen. Professeur Fourmier führte ihre Schüler über einen ausgewalzten Lehmpfad zu einer kreisrunden Hütte aus Lehmziegeln und Holzbalken, vor der ein ebenholzfarbener Hüne mit dunkelbrauner Naturkrause wartete. Er trug auch einen roten Feuerschutzumhang, hatte die Kapuze jedoch zurückgeschlagen. Er stellte sich als Alain Mbeki vor und verwies auf die Kette mit der goldenen Kralle um seinen Hals. Im astreinen Französisch erwähnte er, daß er der oberste Wildhüter des Wüsten- und Tropentierreservates war und daß dieses sich über 900 Quadratkilometer erstrecke und von insgesamt vierhundert Wildhütern überwacht werde. Um die hier zusammengefaßten Zaubertiere nicht ausbrechen zu lassen wurden bereits die Jungtiere mit mitwachsenden Rückhaltehalsringen versehen, die dazu auch eine Kennzeichnung zeigten, die den Überwachern und Züchtern ermöglichte, die Wege und Verhaltensmuster der hier betreuten Tierwesen nachzuvollziehen.

"Sie sind heute hier wegen Feuerlöwen?" Fragte Mbeki überflüssigerweise. Professeur Foumier und ihre Klasse nickten vereint. "gut, dann wird es Sie natürlich interessieren, daß wir derzeit vier große Rudel haben, bei denen ein großer Löwe mit fünf Löwinnen und deren Nachwuchs zusammenlebt. Um Streitigkeiten zwischen den Rudeln zu vermeiden gibt es innerhalb des gesamten Gebietes Revierabsperrungen, so daß die Rudelführer nicht ständig mit anderen Männchen aneinandergeraten. Denn wenn Feuerlöwen miteinander kämpfen, kann es vorkommen, daß beide sterben. Dabei können die Weibchen noch rücksichtsloser miteinander kämpfen als die Männchen, sofern sie nicht demselben Rudel angehören. Junge Männchen werden, sobald bei Ihnen die Geschlechtsreife einsetzt, von den Rudelführern verstoßen. Wir finden dann die Einzelgänger und bringen sie mit jungen Weibchen zusammen, die dann in einem der vier anderen afrikanischen Zaubertierreservate neue Rudel bilden dürfen."

"Gibt es auch unüberwachte Reviere von Feuerlöwen?" Fragte Leonie Poissonier, nachdem sie um Sprecherlaubnis gebeten hatte.

"Nun, womöglich hat Ihre Lehrerin Ihnen vor der Reise hierher erzählt, daß die Feuerlöwen von nubischen und ägyptischen Zauberern gezüchtet worden sind, um die großen Magier und die von ihnen beschützten Leute und Schätze zu bewachen. Wo andere Könige sich Leoparden oder gewöhnliche Löwen oder Tiger als Symbole ihrer Macht halten, wurden Feuerlöwen den größten Zauberern oder Zauberpriestern vorbehalten. Wildformen gibt es eigentlich keine. Und wenn doch mal ein ausgewachsener Feuerlöwe entwischt, haben wir die Erlaubnis, ihn entweder einzufangen und zurückzubringen oder zu erlegen, da das Tier sonst die ganze restliche Natur vernichten kann. Der letzte Fall, wo ein wildes Feuerlöwenmännchen es schaffte, aus einem der Reservate zu entwischen passierte vor einhundert Jahren. Damals sind die Menschen aus zwanzig Dörfern gestorben, vier Elefantenherden ausgelöscht worden und mindestens zehntausend Quadratmeilen Buschland abgebrannt. Seitdem müssen unsere Tiere die Rückhalteringe tragen."

"Kamen die Feuerlöwen, die damals in Beauxbatons waren von hier?" Fragte Apollo die Lehrerin. Diese überlegte kurz und nickte. Mbeki verzog das Gesicht und entschuldigte sich noch einmal für das, was damals passiert war. Sein Vorgänger konnte nicht genug Französisch um die genaue Anforderung zu verstehen, daß nur junge Tiere vorgestellt werden sollten, sondern daß eine Löwin mit zwei Jungen vorgestellt werden sollte. Julius fragte sich zwar, wie man das so gründlich mißverstehen konnte, behielt seine Bedenken jedoch für sich. Sie erfuhren dann noch, daß die beiden Löwen mit den beiden damals noch ungeborenen Jungen in einem neuen Rudel zusammenwohnten, bei dem der damals nach Beauxbatons gebrachte Löwe den Rudelführer stellte. Dann winkte Mbeki der Lehrerin und ihren Schülern, ihm in die Hütte zu folgen.

Das einfache Gebäude besaß nur einen Einrichtungsgegenstand, ein Podest. Über diesem baute Mbeki ein magisches Tor aus durchsichtigem Licht auf, durch das sie nebelhaft eine typisch afrikanische Savannenlandschaft erkennen konnten. Der Wildhüter durchschritt das Tor als erster. Dann folgten auf Professeur Fourmiers Anordnung Millie, Apollo, Julius und Céline. Dann erst kamen die anderen nach. Die Lehrerin bildete die Nachhut. Als sie auf der anderen Seite des Tores herauskam schloß Mbeki es wieder. Dann winkte er alle zu einem Stapel golden glänzender Flugbesen. Julius staunte. Solche glänzenden Flugbesen hatte er bis heute nicht zu sehen bekommen. Als er auf Anweisung des Wildhüters einen davon entgegennahm fühlte er, daß der Besen selbst aus Holz bestand, das aber wohl mit einer hauchdünnen Goldschicht überstrichen worden war. Wie sowas ging, ohne daß das flüssige Gold das Besenholz verkohlte war wohl ein Betriebsgeheimnis der Besenbauer. Jedenfalls sagte Mbeki, daß die Besen durch Bündelung der Sonnenkraft völlig Feuerunempfindlich seien und die Afrikaner vor einem Jahr hundert Stück davon in die Drachenreservate weltweit verkauft hatten.

Auf den glitzernden Besen ging es nun über weite, mit niedrigen Pflanzen bewachsene Landstrichen über glitzernde Wasserlöcher, an denen auch gewöhnliche Savannentiere tranken. Julius konnte Zebras, Büffel, sogar eine Elefantenherde sehen. Er kam sich wie in einem Safaripark vor. Doch als er ein graues Ungetüm mit langem, spiralförmig gedrehtem Horn und seildünnem Schwanz sah, daß gerade in eine Herde panisch flüchtender Zebras hineinstampfte wußte er, daß hier auch magische Tiere gehalten wurden. Denn das Erumpent kannten sie zumindest schon aus dem Unterricht. Professeur Fourmier bat jedoch um eine Kurskorrektur, um dem grauen Ungetüm zu folgen und begann eine rege Unterhaltung über das Erumpent. Sie fragte, ob jemand das Geschlecht des Tieres ohne zu niedrig fliegen zu können erraten konnte. Millie und Leonie konnten von ihrem Blickwinkel aus erkennen, daß es ein Weibchen war, das nun immer schneller zu einer kaktusartigen Pflanze hinlief. Apollo wisperte, daß er es gerne sehen würde, wie heftig das Horn explodierte. Doch als wenn Professeur Fourmier nicht nur magische Arme und Beine, sondern auch ebenso überragende Kunstohren besäße hörte sie das und herrschte den Saalsprecher der Roten an, sowas nicht noch einmal zu sagen."

Nachdem sie zusahen, wie das nashornartige Ungetüm die äußeren Blätter des Kaktusgewächses ohne Angst vor den Stacheln abgerupft und gefressen hatte, ging der Flug weiter, bis sie auf eine Reihe Steine zusteuerten, die im Abstand von zweihundert Metern angeordnet waren. Hier begann eines der vier Feuerlöwenreviere. Sie brauchten nur einen Kilometer weit hineinzufliegen, als sie in der Ferne schon das laute Brüllen hörten. "Bloß nicht landen. Wer landet wird Futter!" Stieß Mbeki aus, weil Belisama Anstalten machte, ihren Leihbesen nach unten zu bringen. Julius verstand zu gut. Auf den feuerfesten Besen in den schützenden Umhängen waren sie beweglicher. Wer landete war zu langsam und konnte wie das Kaninchen vom Adler aus der Luft heraus angegriffen werden. Jetzt erst schien Professeur Fourmier zu erkennen, daß Millie in ihrem Zustand wohl keine überhastigen Flugmanöver ausfliegen sollte. "Unter diesen Umständen sollten Sie besser zum Ausgangspunkt des Teleportals zurückfliegen, Madame Latierre", sagte sie der Saalsprecherin der roten.

"Würde es nicht reichen, an der Rückhaltegrenze zu warten?" Fragte Millie leicht angenervt. Professeur Fourmier überlegte. Doch bevor sie was antworten konnte wischten drei rotbraune Flugwesen mit wild wirbelnden goldenen Flügeln von hinten heran. Der Rückweg wurde von diesen Wesen blockiert. Julius erkannte drei ausgewachsene Feuerlöwenweibchen, die mit nach hinten gereckten Schwänzen und ausgestreckten Körpern eine sehr stabile Fluglage einnahmen. Mbeki erbleichte, was bei seiner dunklen Haut schon eine Menge bedeutete. Offenbar hatte er übersehen, daß die drei Löwinnen sich irgendwo versteckt hatten um die Gruppe Besenflieger passieren zu lassen. Womöglich hatten die Tiere die schwirrenden Besen und Professeur Fourmiers Kommentare über das Erumpentweibchen gehört und sich aufgeteilt, um die Gruppe zu jagen. Julius peilte nach vorne. Richtig, weiter voraus konnte er zwei weitere Punkte im Sonnenlicht erkennen. Da waren offenbar das vierte Weibchen und der Rudelführer. Die drei anderen fächerten aus, um die fliegenden Schüler von der Seite anzufliegen, zumindest aber zusammenzutreiben.

"Sind die Besen schnell genug?" Fragte Professeur Fourmier, die sich auch nicht sonderlich wohlfühlte.

"Schnell genug für die Flucht. Besser, wir ziehen uns zur Reviergrenze zurück!" Rief Mbeki. Da kam eine der Löwinnen von rechts. Julius erkannte jedoch, daß sie es nicht einfach haben würde, die ausgewählte Beute anzugreifen, solange die Schüler höher flogen als die Löwin. Deshalb stieg er im Rosselini-Raketenaufstieg nach oben. Apollo folgte dem Manöver. Millie nahm den Besen ebenfalls so, daß sie nach oben schwirrte. Professeur Fourmier kam nicht dazu, das unabgestimmte Verhalten zu rügen. Denn da spie die Feuerlöwin eine meterlange Stichflamme aus wie ein lebender Flammenwerfer. Ihr vorderes Besenende wurde getroffen. Doch es glühte nicht einmal auf. Nur die durch den Feuerstoß verdrängte Luft beutelte die Lehrerin auf ihrem Leihbesen. Jetzt trieben alle ihre Besen nach oben. Denn ihnen wurde klar, daß die Löwinnen nicht wie Haie oder Schwertwale von unten zustoßen konnten. Deshalb hatte Mbeki gesagt, nicht zu landen. Doch die drei gerade unter ihnen hindurchwischenden Feuerlöwinnen bliesen lange Flammenstrahlen gegen die in der Zielausrichtung fliegenden. Doch das Feuer konnte den Besen und den Schülern nichts anhaben. Julius fühlte nur, wie sein geliehener Umhang kurz zitterte, weil die in ihn eingewirkten Zauber die Feuergarbe unwirksam machen mußten. Er blickte wieder nach vorne. Die beiden noch fehlenden Rudelmitglieder schraubten sich hoch. Offenbar fand zwischen den Rudelmitgliedern eine für ihn unbemerkbare Abstimmung statt. Millie flog nun längsseits ihres Mannes. Fauchend stieß eine Feuerfontäne aus dem Maul einer fliegenden Löwin zwischen ihrem und seinem Besen hindurch.

"Die Besen können nur fünftausend Meter hoch fliegen, Julius. Kapitale Feuerlöwenmännchen konnten bereits bis zum Gipfel des Kilimandscharo hinauffliegen. Da konnten die ihm nachjagenden Zauberer nur durch Apparition hingelangen."

"Mit anderen worten, die können uns soweit nach oben treiben, bis die Besen schlappmachen?" Fragte Julius. Wie zur Bestätigung fegte ein weiterer Feuerstoß von unten gegen seinen Besenschweif. Er mußte sich gut festhalten, um den von der Lohe erzeugten Aufwind und den ihm folgenden Sog auszugleichen.

"Da vorne ist der Chef!" Rief Mbeki und deutete auf den nun hoch über den Besenfliegern fliegenden Feuerlöwen. Seine Gefährtin flog auf derselben Höhe und hielt sich knapp vor seinem Maul. Julius wußte, daß im Rudel die Weibchen die meiste Arbeit beim Jagen übernahmen und die langmähnigen Paschas dafür den meisten Anteil an der Jagdbeute abbekamen. Da dies bei Feuerlöwen auch so war würde nicht der große Boss, sondern seine Flügelkameradin den Sturzflug auf die Schulklasse durchführen.

"Kleingruppen bilden! Ausschwärmen in alle Richtungen, möglichst über den weiblichen Tieren bleiben!" Befahl die Lehrerin. "im großen Bogen zurück zur Reviergrenze!"

"Alles klar!" Rief Apollo und winkte Caroline und Leonie noch näher zu sich. Belisama flog zusammen mit Plato und Estelle in einer Gruppe davon. Professeur Fourmier und der Wildhüter flogen wie lebensmüde auf die beiden von vorne kommenden Feuerlöwen zu.

"Sollen wir den Feuermädels mal die Ohren klingeln lassen?" Fragte Millie, als eine der Löwinnen fast so schnell nach oben stieg wie die im relativ kleinem Winkel aufsteigenden Schüler.

"Dann werden die nachher noch rammdösiger", erwiderte Julius. Er fühlte die Anspannung, die Seine Frau ergriff. Hoffentlich wurde daraus keine Angst oder gar Verzweiflung.

"Gérard, André, schneller nach oben!" Stieß Julius aus. Dann löste er sich aus der Zweierformation mit seiner frau und stieß wie lebensmüde nach unten, weil Gérard und André ihre Besen nicht richtig in die Höhe bekamen. Die sie bedrängende Feuerlöwin hatte sich André ausgeguckt, der auf dem Besen nicht so fit war wie die im Quidditchtraining stehenden Latierres oder Gérard.

"Na, krieg mich!" Zischte Julius leise und stieß genau zwischen André und der ihn aufs Korn nehmenden Feuerlöwin nach unten. Die geflügelte Raubkatze wurde davon irritiert und blies Julius eine breitfächernde Feuerlohe hinterher. Genau das hatte Julius erwartet. Er doppelachserte nach links und nach oben und entging der zuschlagenden Vorderpranke. Die Löwin, die ihren Sturzflug nicht so schnell abfangen konnte wie Julius nach oben stieg, fiel in einer Sekunde um zwanzig Meter zurück. Céline hatte derweil die zweite Löwin ins Visier genommen, die auf Plato Cousteau zuflog, der ebenso wie André kein besensicherer Flieger war.

"Da war das Biest nicht drauf gefaßt", frohlockte Gérard, der André bei der Hand nahm und mit sich und seinem Besen nach oben zog.

"Vielleicht kann man die in Angst versetzen und damit wegjagen", vermutete Plato.

"Hättest das Kapitel über die Biester besser durchlesen sollen", schnarrte Gérard. "Feuerlöwen, Drachen und Nundus sind die einzigbekannten Zaubertiere, die absolut keine Angst empfinden können."

"Hat jemand schon mal den Horritimorfluch gegen die versucht?" Fragte André.

"Ist nicht bekannt", knurrte Gérard. Julius zielte auf die nun wieder aufsteigende Feuerlöwin. Er stellte sich zu der klammen Furcht in sich noch einen wütenden Wespenschwarm vor, der ihn umsurrte und rief "Horritimor!" Er fühlte, wie sein Zauber die angreifende Löwin traf. Für einen Moment sah er den sich nur vorgestellten Insektenschwarm ihren Kopf umfliegen. Dann brüllte das Feuerlöwenweibchen wütend los und beschleunigte ihren Aufstieg.

"Damit ist die Frage geklärt", grummelte Julius. Er fühlte, daß seine Angstvision auch Millie beeinträchtigte. Denn wie er ihre konnte sie ja auch seine Gefühle mitempfinden. Deshalb stieg er schnell zu ihr nach oben und zischte ihr zu: "Die Selbstbeherrschungsformel denken, Millie. Ich halt dir und dem Kleinen das Biest vom Hals!"

"Sofort zurück zur Revierabgrenzung!" Rief Professeur Fourmier magisch verstärkt. Julius konnte sehen, wie sie und Mbeki von den beiden größten Feuerlöwen des Rudels ddirekt angeflogen wurde. Die beiden Raubkatzen sprühten wortwörtlich Funken vor Wut. Offenbar hatte die Lehrerin versucht, den Rudelpascha mit einem Zauber zurückzutreiben und sich damit den Unmut des Weibchens zugezogen. Mbeki bewegte seinen Zauberstab nahe am Körper und feuerte einen blauen Lichtstrahl heraus, der das ihn gerade aufs Korn nehmende Männchen in einen Wirbel blauer Blitze hüllte.

"Stupor!" Rief Céline der Feuerlöwin zu, die gerade versuchte, ihre Gruppe anzugreifen. Der rote Schocker verfehlte den Kopf der Raubkatze um Haaresbreite. Dafür spie sie eine knapp zehn Meter lange Stichflamme zurück, die Céline und ihren Besen in orangerote Glut hüllte und zum schlingern brachte.

"Wieso sind die Biester gegen Horritimor immun?" Fragte André.

"Hast du doch gehört, daß die als Wächter eingesetzt werden", schnaubte Gérard. "Da gehen vielleicht nur heftige Schmerzen. Crucio!" Julius wäre fast in die Ausrichtung von Gérards Zauberstab geraten. Ob Gérard den Folterfluch wirklich aufrufen konnte wußte er nicht. Er sah und hörte es jedoch unmittelbar. Denn die Feuerlöwin brüllte los und stieß dabei eine Wolke aus blutrotem Feuer aus. Entsetzt sah Gérard auf seinen Zauberstab, der sich zu biegen begann, während die Feuerlöwin ihre Pein herausbrüllte. Gérards Arm wurde zurückgedrückt. Er riß den Stab aus der genauen Zielausrichtung. Laut schnappend streckte sich der Zauberstab wieder aus und erzitterte. "Das gibt's nicht! Die hat mir fast den Zauberstab zerlegt!" Stieß Gérard aus. Da sah er, wie die Feuerlöwin auf ihn zuraste, ein einziges rotbraun-goldenes Bündel Wut und Tötungstrieb.

"Schmerzzauber sind voll daneben!" rief Julius. "Aguamenti Frigidissima!" Rief er noch. Aus seinem Zauberstab brach laut rauschend ein gartenschlauchdicker Wasserstrahl, in dem sogar kleine Eisstückchen mitflogen. Die auf sie zurasende Feuerlöwin brüllte und fauchte. Dann blies sie ihr Feuer in die auf Kopf und Flügel einwirkende Fontäne. Laut fauchend vereinten Feuer und Wasser sich zu einer blütenweißen Dampfwolke, die nun zwischen geflügelter Raubkatze und den auf goldenen Besen fliegenden Schülern schwebte. Im dichten Dampf konnte Julius noch die schemenhafte Erscheinung der Feuerlöwin sehen, die mit wilden Flügelschlägen nach oben stieg. Er sah, wie sie sich in einer weit ausladenden Spirale höher und höher nach oben schraubte, dabei mit ihren apfelgroßen gelben Raubtieraugen auf Gérard sehend, der sie mit dem Cruciatus-Fluch attackiert hatte.

"Sie nimmt Höhe für einen Sturzflug!" Zischte Millie ihrem Mann zu. Dieser nickte und trieb seine Gruppenmitglieder zum schnellen Aufstieg an. Sie durften nicht zulassen, daß die Löwin genug Höhe gewann, um adlergleich auf sie niederzustoßen. Dann hörten sie noch ein lautes Brüllen. Julius warf den Kopf herum und sah den Rudelführer. Der hatte von Wildhüter Mbeki abgelassen und raste nun aus mehr als fünfhundert Metern über ihnen heran, wobei er klar sichtbar Gérard Dumas aufs Korn nahm.

"Julius, wir müssen das machen wie damals", zischte Millie ihrem Mann zu. Doch dieser schüttelte den Kopf. Er wußte nicht, ob Catashari einen fliegenden Gegner nicht so heftig beeinträchtigte, daß er abstürzte. Das käme einem tödlichen Zauber gleich und würde Julius vielleicht die Macht über diesen Zauber rauben. Doch ihm fiel ein, was Madame Faucon auf der Flucht vor japanischen Ministerialzauberern gemacht hatte. Mittlerweile kannte er auch die mentale Komponente des Zaubers. Er mußte sich einfach nur vermehrungsfreudige Tiere vorstellen. Das konnten welche sein, die er schon direkt angetroffen hatte oder von denen er bisher nur gehört hatte, daß sie sich sehr stark vermehrten. Welche Tiere kannte er, die das besser konnten als alle irdischen Tiere zusammen?

"Evoco Plurimagines!" Rief er, mit dem Zauberstab auf Gérard deutend, wobei er sich jene braunen, weißen und beigen Pelzwesen vorstellte, die Kirks Raumschiff besiedelt und ein halbes Getreidesilo leergefressen hatten. Als würde Gérard explodieren konnten alle sehen, wie große Stücke von ihm fortflogen, die innerhalb eines Sekundenbruchteils zu auf goldenen Besen sitzenden Abbildern seiner Selbst wurden. Erst waren es nur zehn, dann fünfzig, dann hundert Gérards, die nun in die verschiedendsten Richtungen davonstoben, nach oben, nach unten, links, rechts, vorne und hinten, alle Richtungen des freien Raumes ausnutzend. Dabei teilten sie sich explosionsartig weiter, so daß in nur zehn Sekunden dreihundert Abbilder von Sandrines Mann in der Luft herumflogen.

"Holla, wie geht der?!" Staunte André, während der Original-Gérard unter starken Erschütterungen zu stehen schien, während weitere Abbilder aus ihm hervorbrachen. Auf jeden Fall bewirkten die freigesetzten Abbilder was sie sollten. Die auf Gérard ausgerichteten Feuerlöwen verloren den Überblick. Offenbar konnten sie im freien Flug nicht auf Geruch zielen und griffen alles an, was so aussah und sogar so klang wie Gérard auf dem goldenen Besen. Das Original war nun auch nicht mehr von den Kopien zu unterscheiden. Immer noch flogen rein illusionäre Klone aus Gérards Körper heraus, der von dieser Aktion jedoch offenbar sichtlich mitgenommen wurde. Julius flog neben ihn und hielt seine Hand. Da hörte die ständige Vervielfältigung auf. Die bereits entstandenen Illusions-Klone, wie er diese Abbilder nannte, blieben jedoch und wirbelten, schwirrten und sprangen vor den nun total verwirrten Löwen herum, die mit Feuerstrahlen und Prankenschlägen versuchten, eines der Ebenbilder zu treffen.

"Okay, alle Mann zum Teleportal zurück!" Rief Professeur Fourmier magisch verstärkt. Julius sah noch, wie alle fünf fliegenden Löwen Jagd auf die in die Tausend gehenden Abbilder Gérard Dumas machten. Ihr Original konnte sich jedoch nur schwer auf dem Besen halten. Julius und Millie nahmen ihn bei den Händen und balancierten ihn aus, während die aufgerufenen Ebenbilder die fünf Löwen immer weiter von der Schülergruppe fortlockten.

"Was ist das für'n Zauber?" Keuchte Gérard. "Ich dachte, ich müßte in einer Tour kübeln und kacken, als wolle mein Magen durch den Bauchnabel raus und irgendwas heftiges sause mir vom Hintern bis zum Kopf hoch, um da rauszuspringen. Mach den bitte nicht noch mal mit mir, Julius!"

"Hat wohl heftiger gewirkt, als ich wollte", sagte Julius abbittend. "Hätte vielleicht doch nur an Kaninchen oder Mäuse denken sollen."

"Ach, das war dieser Selbstbildvermehrer, von dem ihr es vor unserem ZAG-Jahr in den Ferien hattet, Julius?" Fragte Millie.

"Genau der, mit dem Madame Faucon mal in Japan richtig Eindruck gemacht hat", erwiderte Julius.

"Voll genial der Zauber! Aber der zieht bestimmt eigene Kraft", meinte André, der Mühe hatte, zwischen den ganzen Pseudogérards an den Latierres und dem Original dranzubleiben. In der Ferne hörten sie das wütende Brüllen und Fauchen der gegen die Ebenbilder ankämpfenden Feuerlöwen. Hoffentlich waren die nicht intelligent genug, um das Ablenkungsmanöver zu durchschauen und dann doch nach Geruch zu fliegen, dachte Julius.

Durch die durchschlagende Ablenkungszauberei von Julius gelangten alle nun unangefochten über die Abgrenzungssteine hinweg und flogen zum Ausgangspunkt des Teleportals, weiträumig umschwirrt von Gérards nichtstofflichen Spiegelbildern. Als sie landeten, verschwanden die Abbilder übergangslos im Nichts, aus dem sie entstanden waren.

"Wer hat die Löwin mit einem Schmerzzauber bekämpft?!" Fauchte die Lehrerin nun und blickte sich um. Dann sah sie Gérard an. "Waren Sie das?!" Gérard erbleichte, was wohl auch von der Belastung durch den Ebenbildvervielfältigungszauber herrührte. "Klar, deshalb die Ablenkung, weil die Löwin Sie in dem Moment, wo Sie ihr mit heftigen Schmerzzaubern begegnet sind als Todfeind erschienen sind. Natürlich haben Sie damit auch die Todfeindschaft des ganzen Rudels auf sich gezogen und ..." In der Ferne erscholl ein wütendes Gebrüll. Offenbar versuchten die nun wieder frei fliegenden Feuerlöwen, die Begrenzung zu überqueren. Mbeki erbleichte erneut.

"Feuerlöwen dürfen nur mit Schlafzaubern oder schmerzlosen Fangzaubern überwältigt werden. Wer ihnen mit Schmerzzaubern wie Iovis oder gar dem Cruciatus kommt zieht sich ihre lebenslange Todfeindschaft zu und muß schleunigst aus ihrer Reichweite verschwinden", schnarrte die Lehrerin. Mbeki nickte heftig. Dann hörten sie das erneute Brüllen der Löwen. Es klang vollkommen Synchron. Dann hörten sie noch ein Prasseln wie stiebende Funken. Womöglich bliesen die Löwen wilde Lohen aus, um die für sie unsichtbare Mauer zu bearbeiten. Der afrikanische Wildhüter schüttelte den Kopf, als wolle er eine ungeliebte Erkenntnis daraus verjagen. "Sie müssen alle ganz schnell zurück. Sie versuchen vereint die Begrenzung zu durchbrechen. Wir haben das nur einmal erlebt, wo ein Besucher meinte, eine Feuerlöwin mit dem Todesqualfluch angegriffen hat, ein Rudel nach nur zehn gemeinsamen Anläufen die Rückhalteringe abgesprengt hat. Wir mußten die Tiere alle wieder einfangen. Ich mach das Tor auf. Bitte verschwinden Sie unverzüglich, wenn Sie durch es durch sind!" Professeur Fourmier sah Gérard so an, als habe der gerade die schlimmste Todsünde der Menschheitsgeschichte begangen. Der Wildhüter sprang vor und vollführte mit seinem Zauberstab die für das Tor nötigen Bewegungen. Als das Teleportal stabil war jagte die Lehrerin alle Schüler hindurch, wobei die hauptamtlichen Saalsprecher zuerst hindurchmußten. Natürlich mußten sie die goldenen Flugbesen liegenlassen. Zum Schluß sprang Professeur Fourmier durch das Tor. Keine fünf Sekunden später löste es sich in Luft auf.

"In Ordnung, alle unverzüglich zum Ausgangskreis. Keine Widerrede! Kein Trödeln!" Peitschte die Zaubertierkundelehrerin ihre Schüler voran. Innerhalb von nur dreißig Sekunden standen alle im ockergelben Ausgangskreis. In der einunddreißigsten Sekunde stülpte sich die obere Hälfte der Reisesphäre aus Professeur Fourmiers Zauberstab über sie und ihre Schüler. Die rote Lichtkugel umschloß sie und ließ sie schwerelos werden. Wenige Sekunden später gab die Reisesphäre die UTZ-Klasse wieder frei. Sie standen im grünen Ausgangskreis von Paris. Fünf Sekunden danach umschloß eine zweite Reisesphäre die Ausflügler und trug sie zurück nach Beauxbatons. Dort angekommen befand die Lehrerin, daß sie alle durchatmen konnten.

"Eigentlich war geplant, die Feuerlöwen aus sicherer Höhe bei der Jagd auf erdgebundene Beutetiere zu beobachten, um den Einsatz ihrer Flügel, Pranken und Flammenstöße zu studieren. Monsieur Mbeki und ich haben nicht damit gerechnet, daß das Rudel bereits auf fliegende Besucher lauerte. Wir kehren in den Kursraum zurück, um die trotz aller Gefahr erworbenen Erkenntnisse zu vergleichen. Bitte folgen Sie mir ohne Hast!"

"Ohne Hast, lustig! Wo die fast doppelt so schnell geht wie ich renne", knurrte André, als er sicher war, daß die Lehrerin ihn nicht hörte. Deshalb verzichtete Julius auch darauf, ihm Respektlosigkeit zu unterstellen. Er setzte sich mit Millie, Leonie und Apollo immer mehr von den von der Fliegerei und der Angst erschöpften Kameraden ab. Fourmier wartete jedoch ruhig vor dem verschlossenen Kursraum. Sie vergab keine Verzögerungsstrafpunkte, als Belisama und Plato als letzte eintrafen. Sie schloß die Tür auf und wartete, bis alle die roten Umhänge und Masken abstreiften und in den großen Korb zurücklegten, aus dem Professeur Fourmier die Sachen ausgeteilt hatte. Als dann alle saßen fragte die Zaubertierkundelehrerin reihum nach den gewonnenen Eindrücken. Dann wollte sie von Gérard wissen, mit welchem Zauber er die eine Feuerlöwin angegriffen hatte. Er verzog das Gesicht. Dann sagte er, daß er heute zum ersten Mal den Cruciatus-Fluch benutzt hatte und nur gewollt hatte, daß die Löwin gerade so viel Schmerzen abbekomme, daß sie flüchtete. "Zum einen sollten Sie sich besser noch einmal über die strafrechtlichen Folgen eines gegen Menschen verwendeten Cruciatus-Fluches informieren, Monsieur Dumas. Denn ich gehe davon aus, daß Sie alle, die Sie dem Unterricht meines Kollegen Delamontagne beiwohnen, erfahren haben, daß dieser Fluch zu den drei Unverzeihlichen gehört. Unverzeihlich ist auch im Bezug auf Feuerlöwen das Stichwort, Madame, Messieurs et Mesdemoiselles. Wer einen Feuerlöwen mit dem Cruciatus-Fluch angreift, und dieser Fluch wahrhaftig entfaltet wird, hat einen lebenslangen Todfeind. Wenn das Exemplar der Species Pteroleo pyrostomos noch in Hörweite seiner Rudelmitglieder ist, zieht sich der Angreifer sogar die Vergeltungswut des gesamten Rudels zu. Insofern schon eine sehr wichtige Erkenntnis. Haben Sie auch den Plurimagines-Zauber ausgeführt?" Gérard schüttelte den Kopf und deutete auf Julius. Dieser wartete, bis er gefragt wurde und bestätigte es. "Für alle die, die noch nichts von diesem Zauber gehört oder ihn gar erlernt haben: Es handelt sich dabei um einen wirkungsvollen Ablenkungszauber, bei dem der eigene Körper und alles zum Zeitpunkt körperlich mit ihm verbundene aus der körperlichen und magischen Kraft des Originals heraus in einer steigenden Zahl nichtstofflicher und sich in alle verfügbaren Richtungen bewegender Ebenbilder vervielfältigt. Hierzu muß der Anwender jedoch an eine ihm durch eigenen Augenschein oder theoretisches Studium bekannte Tierart denken, die sich sehr gut und/oder schnell zu vermehren pflegt. Kaninchen, Mäuse oder gar Läuse können diesem Zauber also als mentaler Auslöser dienen. Aber eine derartig explosive Vermehrung Ihres Abbildes, Monsieur Dumas habe ich bisher bei keinem Fall miterlebt oder davon Kenntnis erhalten. Was für ein Tier diente Ihnen als mentaler Auslöser, Monsieur Latierre?" Julius lief an den Ohren rot an. Dann fragte er jedoch mit fester Stimme: "Kennen Sie Tribbles, Professeur Fourmier?" Alle Mitschüler lachten. Denn was Tribbles waren hatten sie ja schon in der ersten Stunde bei Professeur Armadillus gehört, als sie die Knuddelmuffs drangenommen hatten. Professeur Fourmier fauchte alle an, was es da zu lachen gäbe und schüttelte dann Julius zugewandt den Kopf. Julius beschrieb nun die rein erfundenen, aber durch Abbildungen und Geräusche wie echte Tiere dargestellten Wesen, die durch großzügige Fütterung aus sich selbst heraus mehr als elf Junge pro Tag hervorbringen konnten. Professeur Fourmier reagierte darauf belustigt, was sonst nicht ihrem Wesen entsprach. "Ach so, und weil Sie diese Tribbles wie sich wahrhaftig bewegende und Laute äußernde Tiere in diesem Fernbildauffangkasten sehen konnten waren diese für Sie in dem Moment des Zaubers natürlich so präsent wie realexistierende Tiere, weil die mentale Komponente ja bereits dann wirkt, wenn sie sich das dafür herangezogene Tier gut genug vorstellen können. Das im Zusammenspiel mit der Ihnen eigenen Grundkraft hat dann eine derartig ausufernde Scheinvervielfältigung erzeugt. Allerdings sehe ich es Monsieur Dumas an, daß die Wirkung des Zaubers ihm sichtlich zugesetzt hat. Das ist die Kehrseite dieses sonst so nützlichen Ablenkungsmanövers, daß es im Verlauf seiner Anwendung Kraft zieht, je mehr Abbilder hervorgebracht werden. Das kann zur Erschöpfung führen, die mit einem sofortigen Verschwinden der aufgerufenen Abbilder einhergeht. Am besten führen Sie Monsieur Dumas nach der Stunde zu Madame Rossignol."

"Moment, wieso zog das mir die ganze Kraft ab und nicht Julius?" Fragte Gérard.

"Weil er wohl mit dem Zauberstab auf Sie zielte. Er diente sozusagen nur als Auslösender Faktor, während Sie den Zauber in Schwung hielten, und zwar in der Heftigkeit der auf sie einwirkenden Kraft, die sich aus der Grundkraft und der verwendeten mentalen Komponente ergibt. Eine weiterführende Diskussion über Initialkraft und progressive Zauber dürfen Sie dann mit meinen Kollegen Bellart, Dirkson und/oder Delamontagne führen. Jedenfalls entzieht der Zauber nur dem die Kraft, dessen gegenwärtige Erscheinung multidupliziert wird. Zumindest können Sie und alle auf diesen Zauber einmal angewiesene froh sein, daß es rein optisch-akustische Ebenbilder und keine materiell stabilen Duplikate sind. Aber dazu mehr bei den Kolleginnen Bellart oder Dirkson. Jedenfalls, damit wieder zu meinen Unterricht unmittelbar betreffenden Punkten, konnten wir durch dieses magische Ablenkungsmanöver die nötige Zeit und Bewegungsfreiheit erlangen, um den Feuerlöwen zu entkommen. Daraus lernen wir, daß Feuerlöwen im freien Flug nur auf Sicht und Gehör jagen können. Sie verfügen nicht über die Sinne, eine magische Präsenz wahrzunehmen oder gar über eine rein instinktive Form der Mentalerkennung, wie sie bei manchen Zaubertieren angelegt ist. Wären Sie alle am Boden gewesen hätten die Feuerlöwen auch Ihren Körper als Geruchsquelle wahrnehmen können. So verwehte Ihre Witterung durch den Flugwind und die bereits erreichte Flughöhe zu schnell, um die rein optisch und akustisch wirksamen Abbilder vom olfaktorisch existenten Ausgangskörper zu unterscheiden. Will sagen, die Feuerlöwen konnten nicht riechen, wer Original und wer immaterielle Fälschung war. Aber was sie können ist, einer schwachen Duftspur zu folgen, auch wenn sie sich verflüchtigt. Sie könnten also, sofern die Feuerlöwen sich mit vereinter Kraft gegen die Rückhaltezauber durchsetzen, der von Ihnen hinterlassenen Duftspur folgen, Monsieur Dumas. Nur die Flucht durch das Teleportal und damit der zeitlose Standortwechsel hat Ihre Spur abgeschnitten. Ich hoffe, Monsieur Mbeki konnte sich noch rechtzeitig mit seinen Kollegen verständigen, um einen möglichen Ausbruch des Rudels zu vereiteln oder dieses schnellstmöglich wieder einzufangen. Jedenfalls dürfen Sie sich alle einprägen, daß Feuerlöwen nicht mit Schmerzauslösezaubern angegriffen werden dürfen. Wasserstrahlen werden von Ihnen sofort mit heißem Feueratem bekämpft. Im Flug können keine Schlaf- oder Schockzauber ausgeführt werden, weil die Feuerlöwen zu viel Ausweichmöglichkeiten besitzen. Insofern haben Sie heute wichtige Erkenntnisse gewonnnen. Bis zur nächsten Stunde verfassen Sie bitte einen Aufsatz über die Lebensgewohnheiten von Feuerlöwen und bringen die heutigen Erfahrungen so flüssig und so sachlich formuliert wie möglich in diese Zusammenfassung mit ein! Außerdem können Sie dann gleich über das von uns beobachtete Erumpentweibchen schreiben und vor allem über die Sprengkraft von Erumpenthörnern berichten. Was die Zuteilung von Bonus- und Strafpunkten angeht so muß ich Monsieur Arbrenoir wegen seiner unbedachten Wunschäußerung, ein Erumpenthorn explodieren zu sehen zwanzig Strafpunkte zuteilen. Niemand bei Verstand wünscht sich die Explosion eines Erumpenthorns in unmittelbarer Nähe zu erleben. An Monsieur Dumas ergehen dreißig Strafpunkte wegen mutwilliger Verärgerung gefährlicher Zauberwesen und zehn Bonuspunkte wegen der für Sie alle lehrreichen Erfahrung, keine Feuerlöwen mit Schmerzauslösezaubern zu kommen. Daß sie auf den Cruciatus-Fluch zugriffen gewichte ich nicht, da Sie meinten, mit maximalen Mitteln gegen einen ggefährlichen Gegner vorzugehen. Monsieur Latierre erhält für die durchschlagende Zauberei zur Rettung der Klasse fünfzig Bonuspunkte. Ich muß Ihnen jedoch fünf Strafpunkte zuteilen, da Sie bei der Ausführung des Zaubers weit über das nötige Maß hinausgegangen sind. Das darf Ihnen als auf die UTZ-Prüfungen hinarbeitender volljähriger Zauberer nicht passieren, Monsieur Latierre. Normalerweise müßte ich derartige Übertreibungen mit mehr als zehn Strafpunkten ahnden, muß jedoch wie erwähnt die Gefahrenlage und die von Ihnen ermöglichte Errettung aus der gefährlichen Lage als strafmildernden Umstand werten. Ansonsten erhalten alle, die an diesem Ausflug teilgenommen haben zwanzig Bonuspunkte, weil Sie trotz bekannter Gefährdungsmöglichkeit größtenteils diszipliniert und lernbereit teilgenommen haben. Das war es dann für heute! Ich wünsche Ihnen allen noch einen guten Resttag!" Die Schüler bedankten sich bei der Lehrerin und verließen die Klasse.

"Du wackelst daher, als hättest du vier Krüge Feuerwhisky gekippt, Gérard", meinte André Deckers vor der Klasse. Gérard fühlte sich auch ziemlich schlapp. Julius brachte ihn zu Madame Rossignol. Millie folgte ihm, weil sie prüfen lassen wollte, ob durch die Besenfliegerei etwas mit ihrem Kreislauf oder dem Ungeborenen passiert war.

"So, dann hat die gute Professeur Fourmier euch auf Besen gesetzt, ohne mich vorher darüber zu informieren", knurrte die Heilerin verstimmt. "Abgesehen davon, daß Feuerlöwen schon so gesundheitsgefährdende Geschöpfe sind hätte sie mich fragen können, ob das für schwangere Hexen so verträglich ist. Hattest du wenigstens die flexible Unterkleidung an, Millie?" Millie nickte. Madame Rossignol nickte auch. "Die ist zu einem Großteil innertralisiert. Insofern ging es noch. Aber ich prüfe das noch mal. Gérard, du bekommst gleich noch einen Kraftauffrischungstrank, um die durch den Zauber entstandene Auszehrung zu verarbeiten."

"Julius hätte diesen Tribbel-Zauber auf sich selbst machen sollen", grummelte Gérard.

"Ja, aber hinter ihm war die von dir angepiekste Feuerlöwin nicht her", sprang Millie ihrem Mann bei. Gérard brummte nur verdrossen.

"Und du hast wirklich den Cruciatus-Fluch gegen dieses Feuerlöwenweibchen benutzt?" Wollte die Heilerin noch von Gérard wissen.

"Gegen angreifende Tiere darf der benutzt werden, ebenso wie Imperius und Avada Kedavra", fauchte Gérard gereizt.

"Es geht mir nicht darum, ob dieser Fluch gegen nichtmenschliche Wesen benutzt werden darf, sondern nur darum, daß du ihn offenbar erfolgreich ausgeführt hast", schnarrte die Heilerin. "Insofern bin ich froh, daß dir bekannt ist, daß er gegen menschliche Wesen eben nicht benutzt werden darf und hoffe auch, daß du es dir merkst, daß solche Zauber gegen magische Tiere nicht immer empfohlen sind. Einen Drachen solltest du damit auch nicht angreifen, abgesehen von der hohen Fluchresistenz seiner Schuppen. Soweit ich das verstanden habe wollt ihr ja im November noch zu den Drachen in die Nähe der französisch-spanischen Grenze."

"Da hoffe ich doch mal, daß wir da ein wenig besser auf die Stunde vorbereitet werden als heute", blaffte Gérard. Madame Rossignol horchte auf. Sie fragte, wie sie denn auf die Stunde vorbereitet worden seien und sagte abschließend, daß Tierwesen immer eine gewisse Unberechenbarkeit hätten, nur langsame oder auf dem Boden kriechende Zaubertiere könnten genauestens vorherberechnet werden. Das sei ja der Grund, warum sie sich immer sorge, wenn Schulklassen zu potentiell oder eindeutig gefährlichen Zaubertieren reisten.

"Warum hast du den Löwen nicht mit dem Todesfluch angegriffen?" Fragte Millie Gérard herausfordernd.

"Zum einen wußte ich nicht, ob ich den echt machen kann. Zum anderen weiß ich nicht, ob mir Mbeki und seine Kollegen den toten Feuerlöwen nicht dann in Rechnung gestellt hätten. Ich las, daß die schottischen Makfüsties für jeden von Menschen umgebrachten Drachen heftig hohe Ersatzzahlungen fordern dürfen. Ich muß ja nach Beaux gleich für meine Frau und zwei Kinder Geld haben." Millie nickte, Julius auch.

"Gut, das wäre dann das, was ich als Schulheilerin hier und jetzt zu erledigen hatte", sagte Madame Rossignol, nachdem sie Gérard den Aufpäppeltrank zu schlucken gegeben hatte. Dann entließ sie die drei in die restlichen zwei Minuten Pause.

 

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ICH FÜHLE, DAß ES JETZT PASSIERT. JA, ES GEHT LOS! DEMIE UND ZWEI VON IHREN SCHWESTERN KOMMEN ZU MIR. SIE HABEN DAS GEHÖRT, DAß ICH RUMKEUCHE. OUU, ORION KÄMPFT DAGEGEN AN. ER WILL NICHT RAUS! ABER JETZT MUß ER AUS MIR RAUS. DIE ANDEREN STELLEN SICH ZU MIR. SIE HALTEN MICH SICHER. JA, JETZT ZIEHT SICH ALLES ZUSAMMEN. EY, MACH DICH NICHT BREIT! AH, JETZT KOMMT ER: JETZT MUß ER RAUS.

 

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Millie hatte am dreizehnten Oktober sichtliche körperliche Probleme, dem Unterricht zu folgen. Allerdings hatte Madame Rossignol darauf verzichtet, ihr deswegen einen Trank zu geben. Gegen Nachmittag legte sich Millies Unwohlsein von selbst. Julius, der die Gefühle seiner Frau mitbekam, mußte sich sehr konzentrieren, nicht in ihre aufflackernden Angstzustände oder lodernden Wutschauer mit hineingezogen zu werden. Ihm halfen außer der bereits mehrfach bewährten Selbstbeherrschungsformel seine Erfahrungen mit Madame Maximes Blut in den Adern, um das, was er damals als Wutvulkan bezeichnet hatte, nicht offen ausbrechen zu lassen. Auf jeden Fall waren seine Frau und er froh, daß es zwischen ihnen oder Millie und anderen an diesem Tag nicht so heftig geknallt hatte wie zwischen Gérard und Sandrine. Diese hatte Gérard eine runtergehauen, weil er sie angeblafft hatte, weil sie am Morgen nicht rechtzeitig aus dem Bett gekommen war und ihm das halbe fast verdaute Abendessen ins Bett gespien hatte. Gérard empfand es langsam immer schlimmer, mit einer werdenden Mutter und ihren Launen zusammenzuleben, während Julius sich jedes Wort, daß er Millie sagte genau überlegte. Madame Rossignol hatte erwähnt, daß nach den ersten drei Monaten eine ruhigere Phase eintreten würde, wo lediglich die Gewichtszunahme und der Leibesumpfang belastend sein würden.

Als die beiden Ehepaare abends in ihren Schlafzimmern waren meinte Millie noch: "Sandrine hängt voll zwischen diesem Drang, ihre Kinder auf jeden Fall kriegen zu wollen und dem schlechten Gewissen, daß sie die jetzt schon kriegt fest, und Gérard ist total angenervt."

"Dabei hat der noch nicht mal einen Herzanhänger um", meinte Julius.

"Wie meinst du das jetzt, Monju?" Knurrte Millie. Er sagte ruhig, daß Gérard sicher noch mehr Probleme und Angst hätte, wenn er wirklich alles fühlen könnte, was Sandrine fühlte. Millie erwiderte darauf: "Wie hat Sandrine ihm gesagt, er hätte bei der Party ja mit einer anderen zusammengehen können, wenn er nicht wolle, daß sie seine Kinder bekäme. Da muß ich ihr sogar zustimmen, daß der es jetzt langsam begreifen soll, daß Sandrine seine Kinder trägt. Wenn der davon jetzt schon so angenervt ist, dann kriegt der später noch mehr Probleme, wenn die beiden auf der Welt sind."

Julius wollte darauf was erwidern, da trötete seine Ausgabe des Pappostillons. Er fand eine Nachricht von Barbara Latierre. Sie teilte ihm mit, daß Artemis vom grünen Rain an diesem dreizehnten Oktober ihr erstes Kalb Orion von neuem Glanz zur Welt gebracht habe. Der Geburtsvorgang habe insgesamt zwei Stunden gedauert. Barbara schrieb auch, daß sie acht Stunden danach auch die Nachgeburt hatte entfernen dürfen und dann das Neugeborene vermessen und wiegen durfte. Demnach war Orion bei seiner Geburt bereits stolze 60 Kilogramm schwer. Er könne aber schon mit seiner Mutter mitlaufen, tapsig zwar aber doch ausdauernd.

"Das wäre es doch für Sandrines und Gérards Kinder. Die kommen zur Welt und stehen sofort auf, um hinter Sandrine und ihm herzulaufen", meinte Millie.

"Für uns dann aber auch, Mamille", meinte Julius.

"Na, vielleicht entfährt mir das Kleine auch bereits auf dem Besen und fliegt ein paar Runden, weil es bei Madame Rossignol im Krankenflügel genug Platz dafür gibt."

"Dann melde ich dich aber zum Patent an, als einzige Hexe, die Kinderflugbesen ausscheiden kann", erwiderte Julius. Millie rammte ihm dafür die linke Faust in den Magen, um sich sofort danach bei ihm anzukuscheln.

"Temmie hat ihren Wonneproppen jetzt draußen, und wir zwei kriegen unseren auch gut auf die Welt", schnurrte sie.

 

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"Ich darf es euch sagen, hat Professor McGonagall mir erlaubt", begrüßte Gloria Julius am Abend des vierundzwanzigsten Oktobers. Ihr Gesicht im Zweiwegspiegel strahlte mit der bereits vor Stunden untergegangenen Sonne um die Wette. "Unsere Zwölf Mann sind zusammen. kevin hat es tatsächlich geschafft, mit in die Auswahl von Ravenclaw reinzukommen. Luna ist wegen schlechterer Sprachkenntnisse nicht auf die Liste gekommen. Aber dafür haben Pina und ich es echt geschafft, zumal Professor McGonagall und Professor Flitwick festgestellt haben wollen, daß wir beide die besseren Aussichten haben, wenn schon nicht als Champions, aber zumindest als Ravenclaw würdig vertretende Austauschschüler in Beauxbatons zu glänzen und sie ja durch mich und dich ja auch schon Leute da kenne. Ähnliches hat Flitwick wohl auch über Kevin gesagt, wenngleich er den noch einmal ermahnt hat, sich in Beauxbatons immer gut zu überlegen, zu wem er was sagt, weil es da durchaus vorkommen könne, daß er dann mal eben als Maus, Goldfisch oder Hamster eine Woche herumlaufen müßte."

"Dann hat es doch geklappt. Gratuliere!" Erwiderte Julius. "Sag Kevin und Pina bitte auch von mir alles Gute für die Zeit hier bei uns! Wer ist von den anderen Häusern mit dabei?"

"Aus Hufflepuff werden die euch zwei sehr unbekannten Zwillingsschwestern Betty und Jenna Hollingsworth anreisen, deren Teilnahme dadurch schon beschwert wird, weil ihre Mutter als Beobachterin des Turniers vom Tagespropheten herübergeschickt wird. Dann ist da noch Brandon McMerdow, ein sehr athletischer Bursche aus Glasgow, der mit mir in der UTZ-Klasse ist. Rommy Vane darf mit dem neuen Superjäger William Deering und dem Sprachentalent Keneth Halligan anreisen. die beiden sind mit Kevin in den meisten Fächern der sechsten Klasse zusammen. Tja, und weil wir ja seit Snapes merkwürdigem Verhalten ja doch ein paar Slytherins mitnehmen müssen kommen die beiden Muttersöhnchen Charon Blades und Elrick Cobbley mit. Cobbley kennt sich gut mit Zaubertieren und Quidditch aus, während Blades was in Verwandlung und Verteidigung gegen dunkle Künste draufhat. Der könnte dann also mit mir zusammen bei euch zweien mit im Kurs landen."

"Wieso sind das für dich Muttersöhnchen?" Fragte Julius.

"Weil die Mütter haben, die doppelt so alt sind wie meine oder eure beiden, Julius. Außerdem sind die alleinerziehend. Achso, daß Ms. Unsichtbar Lea Drake auch mitkommt hat sie dir noch nicht erzählt, nehme ich an. Ich hörte sowas, die hätte auch einen Spiegel, der mit einem von dir verbunden ist. Hat zumindest vor ein paar Tagen was behauptet, sie stehe seit der Sonnenlichtrittersache damals häufiger mit dir in Kontakt und hätte euch zweien und ein paar höheren Damen von Beauxbatons Voldemorts Niederlage als sogenannte Direktübertragung mitgeteilt. Sie meinte, ich dürfe das wissen, daß ich nicht die einzige sei, die mit dir in Kontakt stehe. Pina hat ihr dann gesagt, daß Lea ja nur deshalb mit dir reden dürfe, weil jemand aus ihrem Umfeld gemeint hat, ihr zwei hättet euch damals gut ergänzt. Das hat Lea offenbar gereicht."

"Und wie kommt ihr zu uns rüber? Ich habe in Hogwarts keine Reisekutsche gesehen."

"Das ist was, daß ich dir nicht sagen darf", meinte Gloria. "Ich weiß zwar nicht, wie Professor McGonagall das rauskriegen will, wo ich schon gut okklumentieren kann und selbst Professor Barley meinte, mit dieser Ausbildung könnte ich schlimmeres verhüten. Aber ich denke auch, daß ihr euch überraschen lassen sollt. Das mit der Teilnehmerliste rücke ich auch nur deshalb raus, weil sonst diese hochnäsige Lea Drake meinen könnte, dir das zu sagen. Dann lieber ich."

"Gut, dann seid ihr also zwischen sechs und sieben abends am Halloweentag bei uns", bemerkte Julius dazu. Gloria bestätigte das. Dann fragte sie, was in den letzten Wochen gelaufen sei. Julius berichtete ihr von dem Ausflug zu den Feuerlöwen, daß die Latierre-Kuh Artemis jetzt eine vollwertige Mutterkuh sei und daß sie im Verwandlungsunterricht alle außer Sandrine die Autonebulation hinbekommen hätten. "Ja, habe ich ziemlich dran zu knabbern gehabt, als rumging, wer nach Beauxbatons mitreisen darf", meinte Gloria dazu. ""Ich lasse Sie erst hier weg, wenn Sie den Zauber hin und zurück können, ohne mir was vorzustöhnen", hat Professor Craft mir eingeschärft. Falls ich also nicht in unserem Reisegefährt sitze, sondern in einem zugeknoteten Luftballon stecke, damit ich nicht zerfließe weißt du bescheid."

"Ich denke doch, daß deine Verwandlungslehrerin nicht will, daß du als weißer Nebelhauch bei uns durch die Gänge wehst", meinte Julius. "Aber die Selbstverflüssigung ist heftiger."

"Das darf dann Professor Dirkson von mir erwarten. Gut, daß wir Thorntails-Austauschler nach der Rückkehr weiter die Unittamo-Techniken benutzen durften. Da ist das schon mal keine Umstellung." Julius nickte.

"Was machen eure Babys?" Fragte Gloria.

"Die müssen sich noch entscheiden, ob sie Jungen oder Mädchen werden wollen", sagte Millie. So im November meint Madame Rossignol, daß es möglich ist, zu sehen, was Sandrine und ich unter unseren Herzen tragen, wie es so schön hochanständig heißt. Gérard will ja Jungen haben, während Sandrine mindestens ein Mädchen haben möchte. Julius kriegt das ja eher mit als ich, was Sandrine im Bauch hat."

"Ach, hat Madame Rossignol ihn nicht mit dir in diese Sonntagsgruppe eingeteilt?" Wollte Gloria wissen. Millie und Julius bestätigten das und erklärten noch mal, warum Madame Rossignol die Gruppeneinteilung so und nicht anders vorgenommen hatte.

"Bestimmt auch, weil ihr zwei Kratzbürsten damals ja noch meintet, euch wegen Julius zerfleischen zu müssen, wenn er sich nicht entschieden hätte", stichelte Gloria. Millie fragte, wen sie meine und erhielt zur Antwort, daß Belisama sich ja fast vor Liebeskummer verzehrt hätte.

"Kann sein, daß sie deshalb zu Sandrines Gruppe gesteckt wurde. Es ist aber eher so, daß sie ja schon mit Connies Kleiner genug Erfahrungen hat. Könnte also auch dir passieren, daß Madame Rossignol meint, dich einer der beiden Gruppen zuteilen zu können, wenn unsere kleinen Krähbündel ausgepackt sind."

"Nix da, ich habe sicher schon genug mit dem anstrengenden Unterricht und dem durchorganisierten Freizeitangebot zu tun, als mich von eurer Heilerin noch zur Säuglingspflege einteilen zu lassen. Ich habe damals bei Cythera mitgeholfen, weil sie ja im selben Saal gewohnt hat wie ich."

"Neh ist klar", erwiderte Millie verwegen grinsend. Julius meinte, daß Gloria nur als zertifizierte Ersthelferin in die Pflegetruppe hineingeholt würde oder eben wenn sie bis dahin auch für wen mitzuessen habe. Gloria entfuhr darauf ein verdrossenes Schnauben. Dann grummelte sie noch:

"Ich bin nicht so'n Muttertier wie die da neben dir. Ich habe für sowas noch genug Zeit nach der Schule."

"Stimmt, nach dem Unterricht ist immer genug Zeit für sowas", feixte Millie. Gloria fauchte sie an wie eine auf die Pfoten getretene Katze und zischte dann noch, daß sie jetzt besser aufhören solle, bevor sie den Spiegel noch bei Myrte in die Toilettenschüssel werfe. Dann könnte sich Millie mit der über Kinderwünsche unterhalten und hoffen, daß Zweiwegespiegel keine geheulten Geistertränen übermittelten. Da verschwand sie auch schon aus dem silbernen Rahmen. Millie streckte ihrem nun sichtbaren Spiegelbild die Zunge heraus.

"Mußte das jetzt wieder sein?" Fragte Julius vorsichtig.

"ja, das mußte sein. Die will alles wissen, interessiert sich auch ehrlich dafür und sagt dann von oben runter, daß das für sie noch zu früh ist, und sie für sowas keine Zeit hat und so weiter, als wenn Sandrine oder ich die Volltrollinnen wären, weil wir das jetzt schon erleben, was sie selbst schon sehr interessiert. Eigentlich müßte ich mir wünschen, daß Gloria mit einem kleinen Extrapack unter dem Umhang von hier wieder wegfährt. Aber nachher passiert das noch, und dann muß sich dieser kleine Wurm von seiner Mutter anhören, daß er zu früh bei ihr eingezogen ist. Aber ich sag's noch mal, die ist nur neidisch und will auch was kleines haben. Die ganzen überheblichen Ausreden von der glaubt die selbst nicht."

"Na ja, wenn sie in das Laveau-Institut reinwill sollte sie schon genau überlegen, ob sie da schon ein Kind einplanen kann oder nicht", sagte Julius. "Ihre Oma Jane hat ja ihre beiden Kinder in England großgezogen, obwohl sie ja gebürtige Amerikanerin ist."

"Dann könnte Glo das umgekehrt machen", meinte Millie verschmitzt lächelnd. "Apropos Oma Jane, wir haben Señora Araña lange nicht mehr gesprochen, obwohl Madame Rossignol weiß, daß es sie gibt."

"Wäre nur möglich, wenn wir dann zu dritt im Bett liegen könnten, und ich glaube, das will besagte Dame sich und uns nicht zumuten. Ihr Mann behauptete mal, sie schnarche."

"Das fehlte noch, ich mit Aurore oder Taurus unter dem Nachthemd und du zwischen mir und ihr. Am Ende bekäme sie dich noch dazu, ihr auch noch so'n nettes Bündel Leben zum tragen zu geben. Und jetzt komm mir bloß nicht damit, daß sie ja auch deine Oma sein könnte!"

"Da heißt es immer, Männer hätten die abgedrehtesten Phantasien", seufzte Julius. Das brachte seine Frau zum lachen. Offenbar hatte sie ihn verulken wollen.

 

__________

 

In der Nacht sah sich Julius neben Temmie stehen, die auf einem großen Haufen Stroh lag. Sie wirkte immer noch sehr rundlich von der überstandenen Trächtigkeit. Ihr erstes Kind, das Latierre-Kalb Orion, wirkte mit den kurzen Beinen, den fehlenden Hörnern und der verhältnismäßig kurzen Schnauze eher wie ein schokoladenbrauner Teddybär mit etwas längeren Ohren. Daß es ein "er" war konnte Julius jedoch sehen, weil das Kleine gerade auf der Seite lag. Trotz der Babyformen des Jungtieres mochte es im stehen mindestens so hoch aufragen wie Julius. Er sah die noch mit zartem Flaum befiderten Stummelflügel und dachte daran, daß die jungen Latierre-Kühe erst dann zu fliegen lernten, wenn sie von den Müttern entwöhnt waren. Das wurde bestimmt spannend, zuzusehen, wie ein junges Latierre-Rind fliegen lernte. Vögel brachten es ihren Jungen bei. Deshalb würden die Latierre-Kälber es wohl auch von ihren Müttern lernen.

"Gefällt er dir?" Hörte er die wie ein sanft angestrichenes Cello klingende Gedankenstimme Temmies. Er sah das neben ihr liegende Jungtier an und sagte: "Sieht jetzt noch recht niedlich aus. War es anstrengend, ihn zu kriegen?"

"Nicht so, wie die Kinder, die ich als Darxandria bekommen habe", erwiderte Temmies Gedankenstimme. "Die anderen haben neben mir gestanden und mich auf den Beinen gehalten, damit ich nicht umfalle und den Kleinen dabei totdrücke. Jetzt kann ich den anderen helfen, die ihre Kinder kriegen."

"Barbara, die auf euch alle aufpaßt hat mir seinen Namen geschrieben. Orion vom neuen Glanz. Weißt du das?"

"Ich habe es ihr vorgeschlagen, als ich wieder genug Kraft hatte, in eure Gedanken hineinzusprechen. Mit ihm, Orion, fange ich ja richtig das neue Leben an. Aber er wird dann wohl nur so mit euch umgehen können wie die ursprünglichen inneren Wesen dieser Körper das können. Ich muß auf ihn aufpassen. Aber wenn was ist, was euch gefährlich wird oder wenn ich euch mit dem, was ich von meinem früheren Sein noch weiß helfen kann werde ich nun wieder im Schlafleben zu dir sprechen können. Denn die Kinder der Nacht versuchen, euch Tageskinder zu beherrschen, weil der böse dunkle Stein Iaxathans eine von ihnen mit dem Gift der Machttrunkenheit verdorben hat und sie nicht aus dieser Welt treten lassen wolte, als ihr Körper in einer mächtigen Meeresströmung zerfloß. Ihr inneres Selbst konnte mit dem einer von ihr erwählten Tochter verschmelzen, beider Wissen zu einem zusammenfließen und beider Kräfte zu einer vereint werden. Sie will das Reich der Nachtkinder erweitern. Aber ihre Feinde sind ebenfalls erwacht. Die Wechselgestaltigen, aber auch die Kinder der Sonne. Seid also guten Mutes, daß das Reich der Nachtkinder dich und euer gemeinsames Kind nicht zu stark bedrängen kann. Doch seid wachsam und lernt, euch gegen die Nachtkinder zu wehren!"

"Die Sonnenkinder? Unser Lehrmeister, der uns beibringt, wie wir böse Zauber und böse Wesen von uns fernhalten hat erwähnt, sie seien die Todfeinde der Vampire, vor denen sie ähnlich viel Angst hätten wie die Spinnen vor der Schlange mit dem tödlichen Blick oder die Menschen vor dem Urgeist des Bösen, den sie Satan, Teufel oder Höllenfürst nennen", erwiderte Julius und wunderte sich nicht, wie kompliziert er sich ausdrückte.

"Diese Angst vor dem großen Bösen Geist mag aus meiner alten Heimat in eure Zeit bewahrt worden sein, und was Iaxathan angeht, so würde er sich sehr freuen, als Fürst des Schreckensreiches ewiger Qualen angesprochen zu werden. Er lauert noch darauf, seinem selbsterwählten Kerker zu entkommen und sucht wohl auch schon nach einem neuen Knecht unter den mit der Kraft begüterten Menschen deiner Zeit. Ein Pfeiler seiner Macht ist zerstört, das Zepter Skyllians und die davon beherrschten Geschöpfe. Der dunkle Stein der Mitternacht ruht zwar auf dem Grund des großen Meeres zwischen eurem Erdteil und dem in Abendrichtung. Doch seine Kraft reicht noch aus, den Geist der von ihm vergifteten in dieser Welt zu halten, solange es Körper gibt, die mit seiner Macht zu Kindern der Nacht gemacht wurden."

"Was ist mit Naaneavargia und der mit ihr verschmolzenen?" Fragte Julius.

"Sie kämpft gegen die vom Fluch des dunklen Steins in der Welt gehaltenen an und will wohl erst keinen Kampf mit den anderen Trägern der Kraft. Doch sie wird dich nicht vergessen. Du hast ihrer beider Körper aus Gefangenschaft befreit und damit geholfen, sie beide zu vereinen. Auch wenn ihr Streben nicht dem reinen Licht zuneigt muß sie nicht deine Feindin sein. Sie könnte jedoch finden, die alten Sitten meines ersten Lebens zu wahren, denen nach eine Frau den Gefährten wechseln kann, nachdem sie von diesem ein Kind von jedem Geschlecht bekommen hat. Das war damals ein erhabenes Recht der Frauen, aber auch der Männer, sich nach der Versorgung zweier Kinder einer neuen Gefährtin zu vertrauen. Deshalb habe ich sicher keine Schwierigkeit, von verschiedenen der Männchen hier Kinder zu bekommen. Aber Naaneavargia, die mit Anthelia vereint wurde, könnte warten, bis Mildrid dir einen Sohn und eine Tochter geschenkt hat und sie die beiden auch ohne deine Hilfe in das eigene Leben schicken kann. Sie hat Zeit. Ihr Leben währt länger als alle anderen."

"Ich denke nicht, daß ich Millie verlasse, nur weil sie von jedem Geschlecht ein Kind bekommen hat. Eure Sitten mögen euch damals wichtig und richtig gewesen sein. Aber in der Zeit heute versprechen wir uns einander für ein ganzes Leben."

"Ja, und kämpft immer damit, euch gegen die Langeweile und neue Zuneigungen zu behaupten. Womöglich wird die aus Naaneavargia und Anthelia vereinigte auch der in ihr lodernden Unersättlichkeit folgen und auf aus ihr entspringende Kinder verzichten, wenn das heißt, ihre Freiheiten einzuschränken. Ich wollte dich nur vorwarnen, daß sie weiterhin da ist und ihre Gelegenheit suchen wird, dich von dem zu überzeugen, was sie dir bieten kann."

"Da kann sie lange warten", grummelte Julius. Dann regte sich Orion. Artemis bekam seine weiche Schnauze gegen den Bauch und streckte sich. "Er will trinken", gedankensprach sie mit Stolz und Entschlossenheit. Julius hörte das wie eine Aufforderung, in sein eigenes Leben zurückzukehren. Er wachte auf. Millie lag neben ihm und schlief tief und fest. Im Takt ihres Herzens pulsierte Julius' Herzanhänger. Seine Frau träumte wohl im Moment nicht. Er sah auf seine Armbanduhr. In zwei Stunden mußte er wieder aufstehen und den Tag anfangen. Jetzt, wo er wußte, wer von Hogwarts herüberkam, fühlte er schon eine gewisse Überlegenheit, aber auch ein gewisses Unbehagen. Sollte er wirklich seinen Namen in den Feuerkelch werfen? Doch er hatte es mit Millie besprochen, daß er wohl niemals im Leben richtig zufrieden sein würde, wenn er diese für ihn nur einmal kommende Gelegenheit nicht nutzen würde, zumindest in die Auswahl zu kommen. Millie konnte nicht teilnehmen. Doch das hatte sie ja längst abgehakt. Ihr war das in ihrem Leib wachsende Kind wichtiger als der Ruhm einer trimagischen Turniergewinnerin. Aber das wiederum verpflichtete ihn, Julius, für sie und sein Kind anzutreten, auch wenn er am Ende vielleicht doch nicht ausgewählt wurde. Wie er es machte wäre es eh gleich. Die einen würden ihn für seine Entscheidung loben, die anderen würden ihn dumm anquatschen. Dann konnte er auch seinen Namen in den Feuerkelch werfen und darauf warten, was dieser damit anfing.

 

__________

 

"Langsam könnten die in Hogwarts doch mal rauslassen, wen die schicken", meinte Robert am Morgen des fünfundzwanzigsten Oktobers am Frühstückstisch. Julius nickte. Sollte er dem Klassenkameraden jetzt schon verraten, daß er die Teilnehmerliste hatte?

"Das Bild von Aurora Dawn sagt dir das sicher früh genug", meinte Gérard. "Sicher bringt die Schulleiterin Gloria mit, weil die ja schon mal hier bei uns war. Und die zierliche Blondine mit den wasserblauen Augen, Pina, könnte mit ihren Sprachkenntnissen auch mitgenommen werden, oder, Julius?"

"Ich bekam mit, daß Professor McGonagall eine umfangreiche Bewertungsgrundlage für die zwölf Hogwarts-Kandidaten zusammengestellt hat. Aber ihr habt recht, wenn ihr denkt, daß die mit den bis zur Abreise am besten gelernten Französischkenntnissen ziemlich weit oben auf der Liste stehen. Sie muß aber aus vier Schulhäusern die drei besten aussuchen, und nicht nur die zwölf Besten aus der ganzen Schule. Madame Maxime hat das ja damals hier auch so gemacht."

"Ja, vor allem mit dem hohen DQ, den die Leute Wochen vor der Abreise haben mußten, um von ihr mitgenommen zu werden", meinte Gérard dazu. "Aber wenn Gloria und Pina rüberkommen kriegst du das sicher als erster mit."

"Darauf kannst du dich verlassen", erwiderte Julius.

"Mitkriegen wird Julius das sicher. Aber ob er uns das auch sagt?" Warf Robert berechtigterweise ein. Julius beantwortete das mit einem Grinsen. Dann sagte er: "Ich gehe davon aus, daß wenn ich das vor der nächsten Saalsprecherkonferenz weiß, ich das Madame Faucon und den anderen Saalsprecherkolleginnen und -kollegen erzähle. Dann kriegt Robert das von Céline und Gérard es von Sandrine auch zu hören."

"Du grüner Wichtel, das kannst du Sandrine und mir dann auch gleich stecken, wenn wir uns beim Gutenachtsagen über den Weg laufen", grummelte Gérard. Robert brummte dann zur Antwort, daß die beiden es ihm dann aber wohl nicht sagten, wenn McGonagall beschließen sollte, daß die anderen Beauxbatons-Schüler das nicht mitbekommen sollten. Julius erwiderte darauf, daß er bisher nichts in der Richtung aus Hogwarts gehört habe.

Die Posteulen brachten wie üblich neue Briefe von Eltern, anderen Verwandten, Freunden und Bekannten aus der Zaubererwelt. Laurentine und Julius bekamen gleich von einem stattlichen Uhu einen Brief, der in einer Art angebundener Bauchtasche steckte. Erst landete der majestätische Eulenvogel bei Laurentine, dann bei Julius. Dieser nahm seinen Brief und las, daß er von Waltraud Eschenwurz kam.

Hallo Julius,

ich schreibe dir und Laurentine gleichzeitig, um euch von meinem ehemaligen Austauschsaal mitzuteilen, daß Gräfin Greifennest zusammen mit den anderen Lehrern die Teilnehmerliste für das Trimagische fertig hat. Dabei ging es um Sprachkenntnisse, schulische Leistungen, vorbildliches Verhalten und umfassende Grundausbildung. Die ZAGs wurden dabei auch mit einbezogen, hat sie uns Ultimanern vor zwei Tagen erzählt. Jedenfalls steht die Liste nun. Aus allen vier dir von der Sofi bekannten Schulhäusern drei. Ich denke, die aus Hogwarts machen das ähnlich. Die Gräfin hat allen, die mit Leuten aus Hogwarts oder Beauxbatons Briefkontakt haben erlaubt, die Liste weiterzugeben, auch an die, die die Vermittlerstellung haben, wie wir Ultimaner die in Greifennest haben und wie die Saalsprecher sie bei euch haben.

Also, die Teilnehmer sind folgende:

Haus Taubenflug: Astrid Kienspan, Joseph Maininger und Ingfried Glockenstuhl.
Haus Sonnengold: Bärbel Weizengold, Gunbrit Kieselbleich, Anton Besenbinder.
Haus Erzenklang: Hauke Meerschaum, Joseph Rosshufler, Kirsten Lauterbach.
Haus Mondenquell: Armin Kesselgrund, Waltraud Eschenwurz, Hubert Rauhfels.

"Ich war froh, daß sich das mit meinem Austauschjahr genial ergeben hat. Hubert Rauhfels ist der Großneffe von Magistra Rauhfels, der du und die junge Ms. Whitesand ja sehr imponiert haben. Er ist ein genialer Zaubertrankbrauer, der eure ehemalige Mitschülerin Bernie wohl voll in Verzweiflung gestürzt hätte, macht aber auch die Fächer, die seine Großtante gibt, Zauberkunst, Verteidigung gegen böses Zauberwerk und Verwandlung mit. Den wirst du dann zusammen mit mir in den Stunden treffen, die du von dieser Liste mitmachst. Bärbel kennst du ja und hast dich ja damals bei der Quidditch-WM gut unterhalten. Bepperl Rosshufler kommt sich schon wie der Gewinner vor, was ihm in seinem Haus nicht gerade Begeisterung entgegenbringt. Ich selbst bin gespannt, ob ich ausgewählt werde und wenn nicht zumindest noch ein interessantes Jahr verbringen kann. Willst du auch bei dem Turnier mitmachen? Ich meine, dann wäre das für Greifennest und Hogwarts schwieriger, zu gewinnen, weil sie dir ja schon früh alles mögliche beigebracht haben und du sicher schon längst mit den UTZ-Sachen arbeiten kannst. Aber das soll dich jetzt bloß nicht davon abhalten, deinen Namen zur Auswahl zu stellen. Wer die Möglichkeit hat, da mitzumachen sollte das ausnutzen.

Die Gräfin hat uns klargemacht, daß wir nicht in euren Wohnsälen schlafen, sondern in unserem Reisefahrzeug schlafen. Nur beim Essen sind wir dann im Speisesaal, wobei die Gräfin mir selbst gesagt hat, daß wir alle an einem der Tische sitzen und ich nicht noch mal bei euch an den grünen Tisch gesetzt werde, sofern die Gräfin das mit Professor McGonagall und Madame Faucon, wie sie sich ja jetzt anreden läßt, nicht so beschließt, daß wir Greifennestler alle am grünen Tisch sitzen. Vielleicht bauen die uns aber auch einen eigenen Tisch in den Saal rein, wo wir alle dran sitzen. Aber, so Magistra Rauhfels, das widerspräche dem Geist des Turniers, der ja wolle, daß die Gastschüler sich mit denen der Gastgeberschule anfreunden können und vielleicht wichtige Kontakte knüpfen. Ich habe Gräfin Greifennest erzählt, daß ihr nach Geschlechtern getrennt an den Saaltischen sitzt. Sie meinte darauf nur, daß sie sich dieser Gepflogenheit dann problemlos unterordnen könne, will sagen, uns nach Männlein und Weiblein aufteilt, wenn klar ist, an welchem Tisch wir sitzen.

Haben Millie und du das hingekriegt, von dem Laurentine meinte, ihr legtet es in diesem Jahr schon drauf an? Gut, ist vielleicht zu privat und würde ich eh nicht vor der Ankunft bei euch mitkriegen. Aber ich freue mich schon richtig auf das Turnier, egal, ob ich da mitmachen darf oder nicht. Die UTZs machen die, die nicht ausgewählt wurden ja auch bei euch. Steht dann sicher gut in meinem Lebenslauf, wenn ich die UTZs in einer fremdsprachigen Schule hinbekommen habe. Jetzt muß ich ja langsam dran denken, was ich nach der Schule mache. Du hast in der Hinsicht ja keine Probleme, wo du von der Verwandtschaft und den Zauberfertigkeiten her an jeder Hand fünf Leute hast, die dir irgendwelche Türen aufmachen wollen.

Wir sehen uns dann nach dem Willkommensritual irgendwann mal zum Plaudern.

Bis dann am einunddreißigsten!

 

Waltraud Eschenwurz

 

Julius grinste. Waltraud hatte sich nicht verändert. Sie schrieb frei heraus, was ihr durch den Kopf ging und hatte keine Probleme, auch private Fragen zu stellen. Zumindest waren die Karten jetzt auf dem Tisch, was die beiden Gruppen anging. Julius steckte den Brief fort. Die anderen blickten ihn und Laurentine an. Doch auch sie hatte den an sie adressierten Brief nur gelesen und wortlos weggepackt. Gérard fragte, wer einen Vogel für Laurentine und ihn losgeschickt hatte. Julius sagte dazu nur:

"Waltraud Eschenwurz. Die haben jetzt alle Teilnehmer zusammen."

"Hat sie dir auch geschrieben, wer von ihrer Schule zu uns rüberkommt?" Fragte Robert. Julius nickte nur. Als Robert dann fragte, wer denn alles, sagte er, daß er die Namensliste allen Saalsprechern vorlesen würde, sofern Laurentine das nicht tun wolle.

"Eh, das ist jetzt fies", knurrte André. Julius fragte, was daran fies sei, darauf zu verzichten, eine Liste mit Namen vorzulesen, von denen sie ja die allermeisten nicht kannten. Um schnell vorzubeugen, daß sie fragten, ob Waltraud mitkomme schickte er noch nach: "Auch wenn der eine oder die andere bei der Quidditch-Weltmeisterschaft mit Leuten aus Greifennest gesprochen haben mag, kennen die anderen die Leute ja dann nicht. Ich war damals ja auch überrascht, als Jeanne, Barbara und César in der Beauxbatons-Abordnung waren. Fleur habe ich da ja nur einmal vorher gesehen, und die anderen kannte ich ja noch gar nicht. Also laßt euch überraschen!"

"Aber wenn Waltraud nicht mitkäme hätte die dir das wohl geschrieben", vermutete Robert. Julius bestätigte es, daß sie ihm das sicher mitgeteilt hatte, ob sie käme oder nicht. Dann verwies er auf die letzte Saalsprecherkonferenz. Da würde er, falls Madame Faucon das wollte, die Namen verlesen und dann auch sagen, wer aus Hogwarts herüberkommen wollte. Das reichte den Jungen erst einmal. Dann meinte Gérard: "Lustig eigentlich. Die nächste SSK ist genau am einunddreißigsten. Haben die genial hinbekommen, die Liste erst dann rüberzuschicken, wo Madame Faucon wohl nicht wollen könnte, daß jeder schon vorher weiß, wer rüberkommt."

"Dann frag die oder unseren Saalvorsteher bitte mal, ob Julius die Namen der Greifennestlinge nicht vorher schon rauslassen darf und wenn dann auch die von Hogwarts. Von denen kennen wir ja doch schon einige", sagte Robert. André grummelte, daß er bei keinen Festen dabei war, wo er Leute aus Hogwarts hätte kennenlernen können. Außer Gloria hatte er ja keinen von da kennengelernt. Das stimmte soweit. Gérard erwiderte nur darauf, daß André ja auch nie groß darum gebeten oder dafür getrommelt hätte, eingeladen zu werden. Zumindest hätte er weder ihn, noch Robert je zu seinem Geburtstag im August eingeladen. Das würgte Andrés Gemaule ab.

Den restlichen Tag verbrachten die Schüler so, wie sie die meisten Sonntage verbrachten. Weil das Wetter noch gut genug war hielten sich viele am Strand auf. Julius hatte Aufsicht, während seine Frau in der Pflegehelferübungsgruppe zu tun hatte, die an diesem Sonntag dran war. Dabei unterhielt er sich mit Pierre und Gabrielle, die ja von vorn herein nicht beim Turnier mitmachen durften. Pierres Immer-noch-Freundin Gabrielle Delacour hatte Pierre die Sache mit dem schwarzen See erzählt, wo sie jedoch erst was von mitbekommen hatte, als Harry Potter sie an der Wasseroberfläche hatte.

"Echt, und deine Schwester kam nicht gegen eine Bande Grindelohs an?" Fragte Pierre einmal mit spöttischem Unterton.

"Die haben die von oben erwischt, nicht nur von unten gezogen. Die unter ihr hat sie wohl wegjagen können, aber viele von denen haben sich auf ihren Rücken gesetzt. Sie wäre unter dem Gewicht fast ohnmächtig geworden. Konnte gerade so noch an die Wasseroberfläche, wo die Biester sie losgelassen haben. Als sie wieder tauchen wollte hat dieser Typ Bagman ihr zugerufen, daß wer auftauche die Runde beendet habe. Was war die sauer. Und dann hat ihr Madame Faucon noch einen Heuler geschickt, daß die mit Grindelohs nicht fertiggeworden ist. Na ja, aber die war zumindest froh, daß ich von Harry da aus dem See gezogen worden bin."

"Gut, daß der schon vergeben ist", grummelte Pierre. Er hatte Harry Potter ja bei der Weltmeisterschaft sehen können, wenn auch aus großer Entfernung. Zumindest hatte er mitbekommen, daß er wohl mit der rothaarigen Junghexe Ginny Weasley befreundet oder schon verlobt war. Dann fragte er Julius, wie er eine Bande Grindelohs vom Rücken schütteln könne, falls Delamontagne ihn mal mit diesen Biestern kämpfen lassen wolle.

"Hm, wenn du nicht auftauchen darfst mußt du die Biester entweder mit schrillen Tönen, heißen Wasserstrahlen oder elektrischen Schlägen von dir runterjagen. Einen schrillen Ton kannst du mit dem Sirennitus-Zauber machen, mit dem ihr sicher auch die Wichtel beharkt habt." Pierre nickte. "Heißes Wasser oder einen Dampfstrahl kannst du unter Wasser mit einem Funkenstrahlzauber wie Relaschio machen, mit dem du an der Luft zudringliche Zaubertiere auf Abstand halten kannst. Und wie du einen Stromschlag machen kannst habt ihr bei Madame Faucon wohl auch schon mal gelernt, oder?"

"Iovis ist das doch, richtig?" Julius nickte Pierre zu. "Hat uns damals noch Professeur Faucon am Ende der ersten erklärt, daß damit schmerzhafte Stromstöße erzeugt werden können, deren Kraft mit zunehmender Zauberkraft bis zur Betäubung oder sogar bis zum Tod führen kann. Die meinte auf meine Frage, warum der Zauber nicht "Electricus" oder sowas heiße, daß der im alten Rom erfunden worden sei und die Leute da ja an den Wettermacher Jupiter als Chef aller Götter geglaubt haben und der Zauber früher "Arma Iovis", also Waffe von Jupiter geheißen habe, bis die Zauberer herausbekommen hatten, daß der im Genetikertiv oder wie der Fall heißt gerufene Name von Jupiter schon reichen würde, wenn man sich einen am Ziel einschlagenden Blitz vorstellen könnte."

"Für uns Muggelstämmige ist das sogar noch einfacher, weil wir ja wissen was ein Stromschlag ist und uns nur denken müssen, einem Gegner sowas zu verpassen. Zumindest mußte ich mir bisher keinen von oben niederkrachenden Blitz vorstellen, um den Zauber zu bringen", erwiderte Julius.

"Ach, mit dem Iovis-Zauber kann man Grindelohs fertigmachen? Dann hätte Fleur den doch auch bringen können", grummelte Gabrielle.

"Hat sie vielleicht versucht oder hatte Angst, sich im Wasser selbst eine zu brutzeln", feixte Pierre. "Vielleicht hat unsere Schulleiterin der deshalb den Heuler geschickt."

"Ey, wenn du mit meiner Schwester Streit haben willst sag ihr das selbst ins Gesicht. Aber jetzt, wo sie das Baby im Bauch hat könnte die dich dafür in tausend Einzelteile bis zu den Wolken rauf fluchen", fauchte Gabrielle.

"Genau deshalb werde ich mich mal besser nicht mit der anlegen", seufzte Pierre.

"Gabrielle hätte dir das mit den Grindelohs ja auch nicht erzählen müssen", bemerkte Julius. Die erwähnte verzog darüber nur das Gesicht. Pierre fragte dann, wie es Millie ginge, wo sie ja auch was Kleines zu tragen habe.

"Im Moment fühlt sie sich ruhig und sicher. Zwischendurch flipt sie nur aus, wenn was nicht so läuft wie sie will. Aber meistens freut sie sich auf das Baby."

"Habe ich Fleur geschrieben. Die meinte, daß ihr Kind wohl eine Walpurgisnachthexe wird."

"Echt, daß können die schon wissen?" Fragte Pierre.

"Sie meint, daß das Baby ja Ende April Anfang Mai kommen soll. Maman kann durch die Veela-Sachen von uns ja schon merken, ob es ein Mädchen wird oder ein Junge. Vielleicht kann sie mit dem Baby schon sprechen, ich meine, daß sie von dem was gesagt oder anderswie mitbekommt."

"Toll, nachher ist das so'n gescheites Kerlchen wie Ping Pong, der kleine Oberbonze von China oder Mandala, je nachdem, welche Auflage von dem Buch jemand liest", warf Pierre ein. Gabrielle wollte wissen, wen er denn jetzt schon wieder meine, und er erklärte ihr, was er als Siebenjähriger für Bücher gelesen habe und eben das nur handgroße Kind Ping Pong schon mit einem Jahr ganz gescheit reden und sich selbst versorgen konnte.

"Neh, soweit sind wir da noch nicht", erwiderte Gabrielle. "Sonst hätte ich ja mit sieben schon die UTZ-Sachen machen können." Das sah Pierre ein.

Am Nachmittag traf Julius seine Frau im Ostpark am Pavillon und ließ sich von ihr berichten, was die Pflegehelfergruppe morgends durchgenommen hatte. "Louis hat gesagt, daß das richtig spannend sei, dem Kleinen beim Wachsen zuzusehen und daß wir alle mal so klein gewesen sein sollen. Madame Rossignol meint, in zwei Wochen könnte sie vielleicht schon sehen, was es wird."

"Und, hat sie die anderen aus deiner Gruppe schon für die Geburt eingeteilt?"

"Bei einigen ist sie da noch nicht sicher, ob die sowas aushalten würden. Aysha erwähnte noch mal, daß ihr das nicht recht sei, wenn Jungs bei sowas zugucken dürften. Aber mit sieben jüngeren Geschwistern weiß die zumindest schon mal, was dabei so abläuft."

"Das Waltraud uns die Teilnehmerliste zugeschickt hat habe ich dir ja noch vor der Konferenz gesagt. Die Jungs wollen jetzt wissen, wer von denen, die bei der Weltmeisterschaft waren dabei ist."

"Entweder behältst du das bis zur Anreise für dich oder fragst Madame Faucon, ob du die sachen erzählen darfst", erwiderte Millie. Dann legte sie sich die Hand auf den Bauch. Julius fühlte in dem Moment auch eine gewisse Leere im Magen, als habe er nicht genug zu Mittag gegessen. Aber sie hatte ja noch Sättigungskekse von ihrer Tante mit. "Tante Trice meinte nur, ich dürfte nie mehr als einen in zwei Stunden essen, weil der Magen sonst das ganze Blut braucht, um die Kekse durchzuverdauen. Das wäre dann gefährlich für das Kleine", sagte Millie. Julius nahm auch einen der Kekse. Ungeniert mampften beide die nicht so groß aussehenden Zauberkekse, die jedoch Bestandteile enthielten, die einer mehrgängigen Mahlzeit gleichkamen. Das Essen der Zukunft, hatte Julius es genannt, weil er an Essen aus Tuben oder komplett entwässerte Speisen dachte, die dafür weniger Platz einnahmen, so wie es bei Astronautennahrung schon ausprobiert wurde. Zumindest fühlte er sich fürs erste satt.

"Du mampfst genauso wie ich", stellte Millie fest. "Wenn das auch bei unserem Kleinen ankommt brauche ich aber ein Becken so breit wie das von Temmie, um es ohne festzustecken rauszulassen."

"Dann müßtest du auch auf allen Vieren stehen wie Temmie", meinte Julius. Millie schnaubte nur verächtlich und deutete auf ihren Brustkorb. "Und die hier weiter unten haben. Ich merk auf jeden Fall schon, daß die sich umstellen. Mal sehen, ob ich bis zur Geburt Raphaelle Montferre eingeholt habe."

"Vor oder nach der Schwangerschaft mit Nestor und Norbert?" Fragte Julius keck.

"Such's dir aus, Süßer", knurrte Millie. Dann mußte sie jedoch laut loslachen. Julius empfand im selben Moment einen Umschwung von Verdrossenheit zur ans alberne grenzenden Erheiterung. Er konnte und wollte nicht widerstehen und lachte mit. Erst als sich beide wieder beruhigt hatten fragte er seine Frau, was sie jetzt so plötzlich amüsiert habe.

"Einfach nur, daß die anderen Mädels dann total neidisch auf mich glotzen. Gut, Sandrine legt sicher auch noch oben zu, und wenn nicht von selbst dann mit dem NLT. Aber Caro und Belisama dürften dann ziemlich bedröppelt aussehen. Das hat mich so lachen lassen." Julius nickte. Millies Gefühlswelt war im Moment leicht durcheinanderzubringen. Lachte sie jetzt, konnte sie im nächsten Moment wütend sein oder losweinen, weil ihr plötzlich einfiel, daß sie nach der Geburt vielleicht nicht mehr so athletisch aussehen mochte wie davor. Julius, der diese Umschwünge mitfühlen mußte, hatte dann immer seine Selbstbeherrschungsformel denken müssen, um nicht selbst loszuweinen, auch wenn es ihm schon in den Augen gebrannt hatte. Er war ja gewarnt worden. Er erwähnte dann noch, daß Waltraud wissen wolle, ob sie beide hinbekommen hätten, was sie sich vorgenommen hätten. Millie verzog das Gesicht.

"Sähe der ähnlich, das den Mädchen aus ihrer Schule unter die Nase zu reiben, daß wir in Beauxbatons das auch machen dürfen. Na ja, aber die haben ja Gitta." Julius nickte zustimmend. Gitta Winkels war ähnlich früh Mutter geworden wie Constance Dornier. Daher kannten die Greifennest-Mädchen die Situation ja schon, die sie bei Millie und Sandrine mitbekommen würden, soweit sie sie mitbekommen würden. Denn Waltraud war damals keine Pflegehelferin gewesen, und ob von den Leuten aus Greifennest welche eine Ersthelferausbildungsbescheinigung besaßen wußte Julius noch nicht.

Um nicht nur von ihrem gemeinsamen Kind und der bevorstehenden Auswahl zu sprechen redeten Millie und Julius noch über die Hausaufgaben, die Nachrichten, wie sie in den beiden Zaubererzeitungen veröffentlicht worden waren und über die gemeinsame Zeit bis hierher. Julius wagte nicht, es laut zu sagen. Doch Millie fühlte, daß er mal wieder daran dachte, daß Claire in diesen Tagen ihren dritten körperlichen Todestag hatte. Doch sie war ja nicht weg. Sie war immer in der Nähe, wußten die beiden unter zwanzig Jahre alten Ehepartner. So kamen sie, ohne es auszusprechen auch auf die beiden Kinder, die im Juli unter großem öffentlichen Interesse zur Welt gekommen waren. Hier wußten sie nicht, wer mithörte. So sprachen sie nur darüber, daß die Zeitungen die beiden alleinerziehenden Mütter wohl langsam in Ruhe ließen. Julius vermutete dazu nur, daß die Zeitungsschreiber sich gerade mit anderen, wichtigeren Sachen befaßten, wie diese Nocturnia-Vereinigung.

Abends nach dem Essen half Julius noch den jüngeren Schülern bei noch nicht ganz fertigen Hausaufgaben aus. Er hoffte, die kommende Woche würde nicht so angespannt verlaufen, wo alle über siebzehn Jahre alten sich auf die Auswahl des trimagischen Champions einstimmten.

Am Abend vibrierte der Zweiwegspiegel, der Julius mit Lea Drake verband.

"Ich weiß, daß die blondgelockte Prinzessin Porter dir das sicher ofenwarm rübergereicht hat, daß sie und ich auf der Hogwarts-Teilnehmerliste draufstehen, Julius. Ich wollte dir das aber auch selbst noch mal sagen, daß ich sehr gespannt bin, wie das bei euch in Beauxbatons ist. Professor McGonagall will uns alle am Freitag vom Nachmittagsunterricht freistellen, damit wir mit ihr drüber reden, worauf wir gefaßt sein müssen. Der Lautschwätzer Kevin, der ja angeblich nie zu euch hinwollte, hat sich heute fast mit Carol Ridges angelegt, weil die sauer ist, daß er besser in den Tests abgeschnitten hat als sie. Die Leute aus meinem Haus gucken mich jetzt so schräg an, weil die denken, ich dürfe nur mit, weil die da nur Leute haben wollten, die im Jahr von Voldys Brutaloherrschaft nicht in Slytherin gewesen sind oder ich wegen meinem Dad eine Art Entschuldigung habe, daß ich da mit darf. Cobbley und Blades, zwei aus der siebten, gucken mich zwar schief an, weil sie dachten, Slytherin würde nur von Reinblütern vertreten. Aber gerade Blades soll sich da nicht zu weit ans vordere Besenende pflanzen. Ich weiß aus sicherer Quelle, daß dem seine Ururoma einen Muggel geheiratet hat. Aber das tischt der natürlich keinem auf. Das war dann eben ein Squib. Dieser Gehirnfurz ist bei denen also immer noch drin, auch wenn die eigentlich gepeilt haben müssen, was Voldys Wahnsinn auch mit denen angestellt hätte. Die tönen immer noch, daß sie das Jahr nicht hätten wiederholen brauchen, wenn Harry Potter nicht ausgerechnet nach Hogwarts gekommen wäre, um sich mit dem Oberirren persönlich anzulegen und der deshalb seine Wasserträger gegen die Schule geschickt hätte. Jack Bradley, der dich bei der WM so blöd angemacht hat kam auch nicht mehr nach Hogwarts. Kann sein, daß der jetzt an den Dutteln einer Mummy-Hexe rumnuckeln darf und in elf Jahren mit der ihrem Nachnamen nach Hogwarts zurückkommt, ohne zu wissen, wer er mal gewesen ist. Das hat einige von den anderen Vollmuggelstämmigen ziemlich kleinlaut gemacht. Die dachten nämlich alle, der wäre wegen seiner Sprüche aus der Schule geflogen."

"Da geht es bei euch ja gerade toll zu", mußte Julius darüber Bemerken. Millie hielt sich schön außerhalb der Spiegelverbindung.

"Die, die nicht mitkönnen glubtschen die an, die mitreisen dürfen. Ich komm damit klar, wie vorher ja auch schon. Blades und Cobbley werden auch von den anderen Slytherins aufgezogen, daß deren Mummys ja dann so weit von denen weg wären, daß sie nicht mal eben vorbeihüpfen könnten wie damals, wo hier die große Schlacht gewesen ist. - Moment! - Neh, da bleibst du drin, Heulsuse!" Hörte Julius Lea nun mit Hall unterlegt zu wem sagen und dann noch eine Zauberformel, die eine Barriere gegen Geisterwesen war. "Myrte wollte mal wieder spannen. Macht die gerne im V-Träger-Badezimmer. Ich habe das Becken mit einem Geisterrückprellbann gefüllt. Die kommt da aus keinem Wasserhahn mehr raus. Kann sich gerne auf ihrem Klo ausheulen."

"Ich möchte nicht wissen, wie du drauf bist, wenn dich einer auf einem Klo umbringt und du als Geistermädchen da weiterspuken mußt", meinte Julius, Lea maßregeln zu müssen.

"Ich würde wohl sämtliche Klosprüche die mein Vater mal gesammelt hat an die Wände schreiben, um unseren neuen Hausmeister richtig rotieren zu lassen. Der kann zwar besser zaubern als Sackgesicht Filch, ist aber fast noch mehr am meckern als Filch. Und der hat sich einen Kniesel mit schwarzem Fell und rotbraunen Flecken mitgebracht, der Mrs. Norris voll ersetzt. Mr. Coal heißt der neugierige Flohsack. Apropos, ist das noch aktuell, daß eine von den Knieselkätzinnen hinter dir herlaufen soll. Kevin hat das mal rumgereicht, weil er selbst so'n Tier haben will."

"Wenn Kevin das sagt. Warum sollte der mit Sachen angeben, die andere gemacht haben", erwiderte Julius. Lea grinste.

"Dann kriege ich die auch mal zu sehen, denke ich. Und was geht zwischen dir und Millie Latierre? Dürft ihr zusammen in einem Bett schlafen oder nur, wenn eure Heilerin dabei zusehen darf?"

"Also, ich denke nicht, daß Millie und ich Sachen machen können, von denen unsere Heilerin noch nie was gehört oder gesehen hat. Es würde sie dann also nur langweilen", wetterte Julius diese Frage ab. Lea mußte lachen. Als Julius sie dann noch fragte, wie es ihren kleinen Schwestern gehe wurde Lea nachdenklich:

"Zum einen werde ich wohl gleich nach den UTZs, sollte ich nicht gegen dich antreten dürfen, zusehen, daß ich mir eine eigene Bude suche. Die Kleinen werden langsam nervig. Laufen schon rum, tatschen alles an, nehmen alles in den Mund, was nicht weglaufen kann und plärren, wenn sie nicht kriegen, was sie wollen. Das nervt auch meinen Vater an. Der hat die zwar erst gemocht, als die noch klein und süß waren. Aber jetzt geht ihm wieder auf, wieso die überhaupt da sind. Könnte sein, daß der doch noch den Abflug macht, wenn Mum den nicht mit einem Bindungszauber im Haus hält. Ich gebe aber sicher nicht die große Schwester, die auf die kleinen aufpaßt. Wenn Mum meinte, die sich zustecken zu lassen soll die eben sehen, wie sie gleich zwei Braten großkriegt." Millie grummelte. Julius sagte deshalb schnell, um sie zu übertönen:

"Ich muß dich ja nicht heiraten, um mit deiner Familie klarzukommen oder nicht. Wenn deine Mutter meint, sie hätte die beiden kriegen zu müssen kann dich keiner dazu zwingen, die liebzuhaben. Aber hassen mußt du die dafür dann auch nicht."

"Das sagt mir einer, der keine Geschwister hat. Deine Mum ist noch nicht zu altt um dir auch noch so'n Halbgeschwister auszubrüten. Außerdem hat meine Mum rausgefunden, daß die Eauvive-Matriarchin deine Mutter adoptiert und bei der Gelegenheit irgendwie zu einer richtigen Hexe gemacht hat. Wäre was für Kröte Umbridge gewesen und für den Todesfluch-Junkie Yaxley", schnaubte Lea.

"Das, was Madame Eauvive mit meiner Mutter durchgeführt hat basiert auf gegenseitigem Vertrauen und Hingabe, Lea."

"Wenn du das sagst. Aber dann hat deine Mum jetzt auch das Leben einer Hexe zu führen. Also nix mehr mit Computern und Fernsehen und sowas."

"Sagt deine Mum?" Fragte Julius herausfordernd.

"Das ist eben so. Die, die sie entsprechend beschenkt haben werden die doch nicht mehr in der Muggelwelt leben lassen."

"Ui, gut zu wissen, daß sich jemand so gut auskennt", flüsterte Millie mit abfälliger Miene. Lea hörte es nicht. Julius gab es aber so wie gehört weiter.

"Ach ja? Dann wohnt die nicht bei der, die sie zu ihrer Tochter gemacht hat?"

"Wenn deine Mum so schlau ist oder wen kennt, der das alles weiß und dir nicht erzählt, was sie weiß, möchte ich dir deine Laune nicht mit Enttäuschungen verderben", erwiderte Julius.

"Stimt, was soll mich das betreffen, solange die nicht meine Vorgesetzte wird oder meine Mum noch einen Jungen ausliefert, der sie dann heiratet? Wir sehen uns sicher irgendwo in Beaux, wenn ich mit den anderen da bin. Wirf bloß deinen Namen ein, damit Blades und Cobbley sich dran gewöhnen können, daß Muggelstämmige mehr auf dem Kasten haben als verzogene Muttersöhnchen."

"Ich habe auch nur noch meine Mutter, Lea. Ich würde derartige Sprüche nicht weiterverbreiten, wie deine achso reinblütigen Hauskameraden. Gute Nacht!"

"Man sieht sich dann", erwiderte Lea.

"Was hat mich jetzt davon abgehalten, dir den Spiegel wegzunehmen und den mit voller Wucht an der Wand zu zerschmeißen?" Fragte Millie sichtlich verärgert.

"Wohl nur der Umstand, daß du weißt, von wem sie und ich diese beiden Spiegel haben. Aber was sie über meine Mutter erzählt hat ist schon peinlich für ihre Intelligenz."

"Die wollte dich nur provozieren, rauszulassen, wie das genau abgelaufen ist und wie du damit klarkamst, weil du der mitgegeben hast, daß sie ihre zwei Schwestern nicht zu hassen braucht, auch wenn die nur deshalb gemacht worden sind, damit sie, Lea, diesen Unsichtbarkeitstrank bekam, um ihre eigenen Kameraden auszuspionieren. Das soll die nie vergessen, daß sie an denen Schuld ist."

"Wohl eher ihre Mutter, weil die damals wohl wollte, daß wer für sie und ihre netten Mitschwestern spionieren geht. Du hast ja gehört, was Madame Rossignol ihr mitgab, als Lea meinte, sie könne ruhig bei der Schlacht von Hogwarts draufgehen." Millie nickte heftig. Dann meinte sie: "Am besten packst du den Spiegel mit dem Kelch woanders hin, damit die nicht meint, mir andauernd die Laune zu vermurksen!" Julius überlegte kurz, wie er darauf reagieren sollte. Er mußte erst den von Millie auf ihn überfließenden Ärger runterkühlen. Als ihm das gelang und auch Millie wieder ruhiger war sagte er, daß er den Spiegel ja eigentlich nicht mehr bräuche und ihn Madame Faucon geben könne. Wenn Lea dann Kontakt aufnehmen wolle würde sie sich wundern. Millie mußte darüber lachen.

 

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"Sie dürfen Ihren Klassenkameraden ruhig sagen, wer von Hogwarts und Greifennest zu uns kommen wird. Die meisten von denen kennen ja nur Sie", bemerkte Madame Faucon, als sie den Kollegen Delamontagne und den Saalsprecher Julius Latierre nach dem Zauberwesenseminar zu einer kurzen Unterredung einbestellt hatte. "Professor MCGonagall hat mich dahingehend informiert, daß die von ihr zur Mitreise ausgewählten vielleicht besser in den hier auf sie wartenden Alltag hineinfänden, wenn die zeitweiligen Mitschüler sich im Rahmen des nötigen auf sie vorbereiten könnten." Julius bedankte sich für diese Erlaubnis und kam dann auf den Spiegel, über den er mit Lea Drake verbunden gewesen war. "Meine Frau möchte nicht von zu vielen Leuten im Schlafzimmer gesehen werden. Daher möchte ich Ihnen den Spiegel mit dem Kelchsymbol geben", sagte er.

"Warum das, Monsieur Latierre? Ich erfuhr, daß Ms. Lea Drake, die ja zur Slytherin-Gruppe der Abordnung gehören wird, offenbar Streit mit ihrer Frau Mutter bekommen haben soll. Worum es ging wollte mir meine Kontaktpartnerin nach England nicht mitteilen, nur so viel, daß Mrs. Proserpina Drake die Rückgabe des an ihre Tochter ausgeliehenen Spiegels verlangt habe, zumal der Grund für die Leihgabe durch das Ende des Todesser-Regimes hinfällig geworden sei und sie den Spiegel nur bei ihr belassen habe, um Sie über die Folgen des dunklen Jahres informieren zu lassen. Nun, wo Ms. Lea Drake, die sich hier wohl mit der Anrede Mademoiselle vertraut machen muß, ohnehin in Ihre Nähe reisen würde und daher nicht als Kontakt nach Hogwarts zur Verfügung stehe, verfiele auch der letzte Grund, den mit Ihrem Spiegel in Verbindung stehenden Zweiwegespiegel zu behalten." Julius sah die Schulleiterin verdutzt an. Lea hatte es sich mit ihrer Mutter verscherzt? Dabei hatte er gedacht, ihre Mutter würde zusehen, sie auch bei den schweigsamen Schwestern unterzubringen. Er wollte jetzt nicht wissen, worüber die beiden sich gestritten hatten. Wenn Lea das wollte, daß er das wußte, würde sie ihm das noch früh genug unter die Nase reiben. Hoffentlich hatte das nichts mit ihm oder seiner Ehe mit Millie zu tun! Etwas anderes war jedoch gerade wichtiger. Er fragte: "Wenn Ms. Drake ihren Spiegel zurückgeben muß, wann muß ich den an mich ausgegebenen Spiegel zurückgeben und an wen genau?"

"Sollte die Person, der Sie die Spiegelverbindung verdanken und die uns damit ermöglicht hat, das Ende des geisteskranken Schwerverbrechers Tom Riddle mitzuerleben befinden, daß Sie den Spiegel mit dem Kelchsymbol zurückzugeben haben, wird diese Person Sie das früh genug wissen lassen, womöglich über eben diese Spiegelverbindung." Professeur Delamontagne sagte dazu:

"Ich würde die Verbindung nur dann trennen, wenn Sie ernsthafte Zweifel an den Motiven der das Gegenstück besitzenden Person haben, Monsieur Latierre. Es kann eher von Vorteil sein, genug Kontakte zu anderen magischen Menschen und Institutionen zu haben als Nachteile." Julius hörte aus diesem Ratschlag, daß der Fachlehrer zur Abwehr bösartiger Zauberei genau wußte, wer Julius den einen Zweiwegespiegel hatte zukommen lassen. So nickte er den beiden Lehrern zu und verließ mit Madame Faucons Erlaubnis ihr Sprechzimmer im Trakt der Schulleiter.

Mittwoch und Donnerstag vergingen. Die Anspannung wuchs langsam. Julius hatte seinen Kameraden erzählt, wer nach Beauxbatons kommen würde. Außer André kannten die Klassenkameraden von ihm ja die Hollingsworths, Pina, Gloria und Kevin. Céline meinte nur einmal, daß Kevin sich aber dann mit frechen Sprüchen zurückhalten müsse, wenn er nicht gleich wieder nach Hogwarts zurückgeschickt werden wollte, was dem dann sicher als totales Versagen ausgelegt würde. Julius konnte ihr da leider nicht widersprechen.

Von den immer wiederkehrenden Gefühlsschwankungen Millies abgesehen stieg in Julius auch die Spannung. Das trimagische Turnier stand dicht vor dem Beginn. Dieses Jahr konnte er sich darum bewerben, für seine Schule mitzumachen. Damals hatte er sich vorgestellt, in fünf Jahren selbst den trimagischen Weihnachtsball in Hogwarts zu eröffnen, als Champion. Aber das Leben hatte mit ihm herumjongliert und ihn in Beauxbatons untergebracht. Sowas wie Schicksal, Vorbestimmung oder göttliche Fügung wollte er nicht dazu sagen, wenn er auch Sachen erlebt hatte, die irgendwie vor Urzeiten angestoßen worden sein mochten. Alle Jungen aus den Klassen über der ZAG-Stufe hielten ihm vor, wenn er seinen Namen zur Auswahl stelle würden sie ja eh nicht mehr beachtet. Aber dann habe er dieses Turnier auch für Beauxbatons zu gewinnen und bloß nicht daran zu denken, für Hogwarts zu sein. Besonders dreist und vulgär formulierte es Jacques Lumière in der letzten gemeinsamen Freitagsstunde vor dem Anreisetag: "Entweder hältst du dich bei dem Turnier mit dem ganzen Superkram zurück, den du schon konntest oder schmeißt deinen Namen in die Auswahl. Dann muß das Etwas dich eben als Champion auswählen. Dann zieh die Nummer aber voll durch, bau bloß keinen Drachenmist und laß dich von der aufs Kindermachen festgeklopften Roten nicht runterziehen, sonst war die ganze Nummer mit deiner Umschulung hierher voll für den Arsch eines Trolls!" Julius kam nicht darum herum, Jacques wegen der derben Worte je zehn und wegen der Beleidigung von Millie gleich fünfzig Strafpunkte zu geben. "Ich wollte deinen DQ sicher nicht verderben, Jacques. Aber wenn das jetzt doch passiert ist bedank dich bei deinem vorlauten Mundwerk", gab er Jacques noch mit. Dieser grinste jedoch überlegen, während Apollo, der zugehört hatte meinte:

"Das wäre peinlicher für den, wenn er als Blauer bei der Auswahl mitmachen dürfte, weil ihn seine Kumpels dann nicht mal mehr mit ihrer Kehrseite angucken würden, Julius. So wie der grinst hast du dem die Peinlichkeit erspart, den Dutzendquotienten zu halten, den Madame Faucon von den Interessenten haben will."

"Howk, der große Häuptling hat gesprochen", zischte Jacques nur und wandte sich ab.

"Ich müßte dem zwar jetzt auch noch Strafpunkte überbraten, aber wenn der echt noch Streit sucht will ich nicht der Vollidiot sein, der seine Zeit mit ihm verschwendet. Aber in einem Punkt hat Barbara Van Helderns kleiner Bruder leider recht, Julius. Wenn du deinen Namen mit in die Auswahl wirfst, und die suchen dich aus, dann mußt du in allem das dir mögliche rausholen und am Ende die Kiste gewinnen, wenn die Leute dich hier nicht alle für einen Verräter ansehen wollen, obwohl das totaler Quatsch wäre, wo du jetzt schon länger hier bei uns warst als in Hogwarts. Aber ich kenne ein paar Typen aus meinem Saal, die echt laut drüber gedacht haben, was ist, wenn du ausgewählt wirst."

"Jacques war ja echt nicht der erste, der mich so angetextet hat, Apollo. Ich werfe meinen Namen in den Feuerkelch. Wenn der den dann bei der Auswahl wieder ausspuckt ziehe ich die Kiste schon aus ganz eigenen Interessen so gut ich kann durch, weil unser erstes Kind dann goldmäßig gut dasteht, wenn es nach Beauxbatons geht. Das haben Millie und ich schon geklärt, daß, sollte ich bei dem Turnier als Champion mitmachen und gewinnen, die Hälfte vom Preisgeld in die Wandelraumtruhe für unser erstes Kind geschüttet wird. Den Rest würden wir dann gleichmäßig aufteilen, um unser weiteres Leben ohne fremde Hilfe anzugehen. Nur für den Fall, daß die dir bekannten Maulhelden sich fragen, was ich mit so viel Gold machen will, wo die Latierres doch mehr als das zehnfache davon haben sollen."

"Ist angekommen", erwiderte Apollo. Dann ging er ebenfalls davon.

"Gloria und Aurora haben nicht rausgekriegt, was Lea mit ihrer Mutter hatte?" Fragte Millie Julius im Schutze der Schnarchfängervorhänge.

"Das ist sicher per Melo abgelaufen, Millie. So haben die das damals gemacht, als Lea als Gespenst aus Fleisch und Blut in Hogwarts herumgespukt hat. Dann kriegt das auch keiner mit und ..." Julius wollte noch sagen, daß Gloria wohl die letzte wäre, die das mitbekommen würde, als es in seinem Brustbeutel wieder vibrierte. Es war der mit Lea Kontakt haltende. Er grinste Millie an und zischte ihr "Wenn man vom Teufel spricht". Dann nahm er den Spiegel aus dem Practicus-Brustbeutel heraus und sah in das von weißblondem Haar umgebene Gesicht einer betagten Frau, die eine goldene Brille mit halbmondförmigen Gläsern trug, durch die sie ihn mit stahlblauen augen schelmisch anblickte, so wie ihr verstorbener Vetter es häufig getan hatte.

"Na, junger Sir, wundern Sie sich, daß ich mit Ihnen Kontakt aufnehme?" Fragte die Stimme von Sophia Whitesand aus dem Spiegel. Julius errötete an den Ohren und zischte schnell, daß er nicht alleine sei. "Das war mir bereits bekannt, wo ich ebenfalls Bildverbindungen nach Beauxbatons unterhalte. Außerdem verdanke ich deiner Angetrauten ja auch mein Leben, weil durch die über sie an dich weitergegebene Kraft der unheilvolle Haßdom vernichtet werden konnte. Stell mich deiner Angetrauten also bitte vor!"

"Madame Mildrid Ursuline Latierre, das ist Mrs. Sophia Whitesand, die ich damals auf der Party getroffen habe, bei der die ungebetenen Gäste aufgetaucht sind. Sie ist die Cousine von Professor Albus Dumbledore."

"Sie haben Julius bei sich versteckt, wo immer das war?" Fragte Millie das Gesicht im Spiegel.

"Das stimmt, ich habe ihn beherbergt, bis sicher war, daß er nicht gesucht wurde", erwiderte Sophia Whitesand. "Ich wollte Ihnen, Madame Latierre auch noch meinen Glückwunsch aussprechen, daß sie den Mut aufbringen, trotz des sehr Kraft und Aufmerksamkeit fordenden UTZ-Jahres bereits für ein neues Leben dasein zu wollen. In einem gemeinsamen Kind verstofflicht sich alle Kraft und Zuneigung, die zwei Menschen für einander aufbringen wollen, sofern es nicht das Ergebnis eines waghalsigen Spiels mit der Quelle allen menschlichen Lebens ist. Madame Faucon teilte es mir mit, mit der ich selbst ja auch in Verbindung stehe. Ich wollte euch beiden lediglich mitteilen, daß ich nun den Spiegel besitze, den zuvor Lea Drake in ihrer Obhut hatte. Ihre Mutter gab ihn an mich weiter, da Lea ja selbst zu euch nach Beauxbatons kommen wird und Hogwarts nun keinen Überwacher und Kundschafter mehr benötigt."

"Dann gehörten die Spiegel ursprünglich Ihnen. Wieso wollten sie den anderen Spiegel nicht auch wiederhaben?" Fragte Julius.

"Weil ich nicht einsehen kann, daß jemand, der uns allen so wertvolle Hilfe geleistet hat über langwierige Posteulenflüge oder das schwindelerregende Kontaktfeuer allein erreichbar sein soll. Da ich davon ausgehen muß, daß du das Bild von Aurora Dawn ja nach dem laufenden Schuljahr in eure gemeinsame Heimstatt mitnehmen wirst würde ich den über dieses bestehenden Kontakt zu den gemalten Würdenträgern in Hogwarts und Beauxbatons zu dir verlieren. Daher habe ich den Spiegel zurückerhalten. Die junge Dame, die kennenzulernen ich einmal das Vergnügen hatte, beharrte zwar darauf, den Spiegel zu behalten und geriet mit ihrer Mutter in Streit. Diese konnte sich jedoch durchsetzen, zumal es ja ein leichtes war, daß Madame Faucon das von dir gerade benutzte Gegenstück einfordern und unter Verschluß nehmen könne. Am besten sagst du der energischen, ihr Herz auf der Zunge tragenden Junghexe, daß Madame Faucon deinen Spiegel tatsächlich eingefordert habe, um ihn dem rechtmäßigen Eigentümer zurückzuerstatten. Sie muß nicht wissen, daß du nun mit mir in Verbindung stehst. Ähm, Mildrid, ich darf dich doch hoffentlich beim Vornamen nennen, bitte erzähle Lea nicht aus einer wie auch immer entstehenden Laune heraus, daß Julius diesen Spiegel immer noch hat. Geh davon aus, daß sein, dein und das Leben des gerade in dir ruhenden und aller künftigen Nachkommen davon abhängen könnte, daß er ohne Wissen von anderen diesen Kontakt mit mir hält."

"Sie werden es mir natürlich nie verraten, Madame, aber wenn Sie auch in dieser ganz exklusiven Hexenschwesternschaft drin sind wie Leas Mutter und ein paar andere, bei denen ich mir sicher bin, wissen Sie sicher auch, daß wir Latierres mit den Vorgängerinnen von Ihnen und den anderen so unsere Probleme hatten und ich daher nicht so glücklich bin, daß mein Mann mit Ihnen zu tun hat. Das sage ich deshalb ganz ehrlich, damit Sie wissen, woran Sie bei mir sind."

"Du hast recht, ich werde nicht behaupten, einer bestimmten Hexengruppe anzugehören und respektiere auch, daß deine Familie und du da gewisse historische Zerwürfnisse habt, die sehr schwer zu überwinden sein mögen. Allerdings wirst du sicher schon gelernt haben, daß zwei faule Eier in einem ansonsten frischen Gelege gesunder Hühner den Appetit auf schmackhafte Eierspeisen nicht verderben sollten. Es geht mir jedoch nur darum, daß der so konstruktive Kontakt mit deinem Ehemann aufrechterhalten bleibt, weil ich mich wie du um das sorge, was gewisse Leute so anstellen. Von Nocturnia habt ihr ja gehört. Auch wißt ihr beide wohl, daß die Hexengruppe um die, die sichSardonias Erbin genannt hat, eine neue Anführerin hat, von der wir nicht wissen, was sie tun wird, wenn die uns alle betreffende Bedrohung durch Nocturnia doch irgendwann ausgeräumt werden kann. Geht bitte beide davon aus, daß sie sich auf dem laufenden hält, wer in der Zaubererwelt durch Talent und Leistung auffällt und sich gut überlegt, ob und wie sie ihre Ziele mit solchen herausragenden Hexen oder Zauberern erreichen kann!"

"Wenn in der neuen Anführerin noch was von der alten steckt weiß die, daß die mich zweimal als Angelköder ausgeworfen hat und ich kein Interesse habe, noch mal wegen irgendwelcher Verbrecher von ihr gerettet werden zu müssen, die ihr selbst im Weg stehen", erwiderte Julius. Millie nickte.

"Sofern sie nicht der Meinung ist, daß Mildrid ihrer Schwesternschaft beitreten könnte oder du ihr trotz Ehegelöbnis nicht wie deiner Frau zu gesundem Nachwuchs verhelfen könntest, Julius. Wir wissen nichts über diese Person. Wir wissen nur, daß sie offenbar vorausschauender ist als ihre Vorgängerin und sich nicht mit aller Welt zugleich anlegen will. Aber genau diese Voraussicht macht sie gefährlich, weil sie genau darüber nachdenken wird, wie sie ihre Ziele erreichen kann und wer ihr dabei am besten helfen kann und wie sie den oder diejenigen für ihre Ziele gewinnen kann. Vielleicht wirft ihr Treiben Wellen, die alle die, die mit mir in Kontakt stehen früher wahrnehmen können als ihr beiden alleine. Das solltest du, Mildrid, nicht ausschlagen."

"Sagen Sie denen, die mit Ihnen Kontakt halten, daß ich nicht in ihren Club eintreten werde!" Grummelte Millie. "Ansonsten kann ich Julius nicht verbieten, den Spiegel zu behalten, solange ich nicht von irgendwo erfahre, daß diese Spiegel wie Teleportale verwendet werden können, falls Sie sowas kennen."

"Diese nützliche Abkürzung von weiten Strecken ist mir geläufig, wenngleich auch sehr schwer einzurichten", erwiderte Sophia Whitesand ganz gelassen. "Vorerst danke ich dir für das Vertrauen in deinen Mann Julius und wünsche euch beiden einen gelungenen Auftakt des trimagischen Turnieres! Gute Nacht euch dreien!" Mit diesen Worten verschwand das Gesicht der altehrwürdigen Hexe aus dem Spiegelglas.

"Irgendwie hat die echt recht, daß ich der dein Leben verdanke. Denn die hätte dich ja nicht mitnehmen müssen. Außerdem hast du ja was erzählt, daß die einige heftige Zauber gemacht hat, um die Todesser zurückzutreiben, bevor ihr durch den Haßdom mußtet. Aber wenn die echt zu diesen schweigsamen Schwestern gehört soll die sich nicht einbilden, daß ich oder Aurore, ob sie gerade in mir drinsteckt oder irgendwann noch zu leben anfängt bei ihrem Club mitmachen. Da müßte schon einiges passieren, was ich mir heute nicht vorstellen kann."

"Die Hölle zufrieren?" Fragte Julius herausfordernd.

"Ja, oder eine Invasion von blauen Riesenknuddelmuffs vom Mars, du Scherzbold", grummelte Millie. Dann mußte sie grinsen. "Das mit der zufrierenden Hölle hat doch Neville Lonbottom dem Chef der Todesser entgegengerufen, als der meinte, ihn bei seiner Mörderbande mitmachen lassen zu wollen. Abgesehen davon hörte ich von Gilbert mal, daß die am Nordpol lebenden Leute denken, daß die Hölle noch kälter ist als der Nordpol und sie da nichts zu essen hätten, weil sie kein Loch ins Eis schlagen könnten, um Fische oder Robben zu fangen. Und da soll es dann immer dunkel sein wie in der Nacht am Pol. Also, von welcher Hölle reden wir?"

"Stimmt, das würde die ganze Nacht dauern, wo jede Religion ihre eigene Hölle hat, ob sie Gehenna heißt, Tartaros, Gre'thor oder Helheim."

"Ist gut, Monju, ich glaube es dir", schnaubte Millie etwas angenervt, weil sie nun doch ziemlich müde war und die Erkenntnis, daß die schweigsamen Schwestern sich noch heftiger an ihren Mann hängten als bisher schon ihr nicht sonderlich gefiel. Aber leider mußte sie dieser Sophia Whitesand zustimmen, daß Julius ohne diese undurchsichtigen Hexen nicht mehr leben würde und womöglich auch die ganzen Muggelstämmigen, denen seine Mutter geholfen hatte. Außerdem hatten sie beide eine große Flasche Felix Felicis von einer zaubertrankkundigen Hexe bekommen, die sicher auch zu dieser Schwesternschaft gehörte. Damit stimmte auch, daß nur ein Faules Ei oder eine faule Frucht in einem Haufen frischer Sachen den Appetit auf die Früchte oder Eier an sich nicht verderben durfte. Sie ärgerte nur diese Selbstsicherheit Sophia Whitesands, daß sie sich ungebeten weiterhin in das Leben ihres Mannes einmischen durfte und das leider auch noch begründen konnte, warum. Doch was half es? Sie mußte es hinnehmen oder Julius aufgeben. Und genau das wollte sie ganz sicher nicht, schon gar nicht wegen der schweigsamen Schwestern.

 

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Die letzte Saalsprecherkonferenz vor dem Beginn des Turniers war eine Zusammenfassung der Ereignisse und an die Saalsprecher weitergegebenen Anfragen. Madame Faucon kündigte an, beim Mittagessen eine Liste auszuhängen, wer aus den Klassen sechs und sieben am Turnier teilnehmen dürfe. Wer nicht daraufstehe sei aus heilkundlichen oder disziplinarischen Gründen nicht als Teilnehmer erwünscht. "Diese Liste habe ich bereits mit einer Vorrichtung verbunden, die sicherstellen wird, daß auch nur jene Beauxbatons-Schüler das Auswahlartefakt mit ihren Namen betrauen können, die auf der Liste aufgeführt sind. Es wäre gut, wenn Sie das Ihren Mitschülern während oder nach dem Mittagessen noch einmal erklären würden, damit es keinerlei unliebsame Zwischenfälle gibt. Um die Teilnahme nur Schülerinnen und Schülern über siebzehn Jahren zu gestatten werde ich Nach Eröffnung des Turnieres eine Alterslinie um das Auswahlartefakt ziehen. Monsieur Latierre, der das letzte Turnier ja in Hogwarts mitverfolgen durfte, mag Ihnen gerne bestätigen, daß jeder Versuch, diese Linie zu überlisten, sehr peinliche Folgen für den Betrüger nach sich ziehen kann. Soviel zur Durchführung der Auswahl. Ich habe mit den Leitern der Kunst-AGs vereinbart, daß der von Ihnen vorbereitete bunte Abend ab neun Uhr im Beisein der Offiziellen des Turnieres beginnen darf. Madame und Monsieur Latierre, ich hoffe, Sie empfinden keinen zusätzlichen Druck, da Madame Hippolyte Latierre als amtierende Leiterin der Abteilung für magische Spiele und Sportarten des Französischen Zaubereiministeriums zu den trimagischen Offiziellen und damit auch den Richtern gehören wird." Millie nickte. Sie war ja eh wegen heilkundlicher Gründe vom Turnier ausgeschlossen. Auch Julius nickte. Da außer Hippolyte ja auch Madame Faucon und die Schulleiterinnen von Hogwarts und Greifennest die Wertungen bei den Aufgaben übernehmen würden konnte ihm im Falle seiner Teilnahme keiner Bevorzugung unterstellen.

Wie Madame Faucon angekündigt hatte prangte zur Mittagsstunde eine breite, lange Pergamentrolle über dem Lehrertisch an der Wand. Die jüngeren Schülerinnen und Schüler grinsten, als sie die ganzen Namen lasen. Denn sie dachten wohl, es handele sich um die Liste derer, die nicht am Turnier teilnehmen durften. Deshalb setzte auch hier und da erstauntes Murmeln ein, weil Schüler wie Apollo Arbrenoir, Belisama Lagrange und Julius Latierre auf der Liste standen. Aber auch Laurentines, Célines, Roberts und Gérards Name fand sich auf der Liste. André suchte seinen Namen vergeblich. Julius sah ihm an, daß er am liebsten ihm die Schuld dafür geben würde. Doch dann fiel ihm ein, daß er bei den Lehrern in den letzten beiden Wochen einige Strafpunkte zu viel und auch viel zu wenig Bonuspunkte erzielt hatte. Julius konnte auch Jacques' und Patrices Namen auf der Liste finden. Die Blauen johlten, weil offenbar wenige der Schüler, die zu Turnierbeginn volljährig waren auf der Liste standen.

"Ein inverser Pranger. Hier werden nicht die angezeigt, die was verbockt haben, sondern die weggelassen, die den DQ verpaßt haben", meinte Julius zu Gérard und Robert. André, der das fehlen seines Namens schon entsprechend gedeutet hatte, schnaubte nur, daß nur zehn Bonuspunkte gefehlt hätten, um den nötigen DQ zu schaffen. Dann meinte er zu Julius: "Millie steht aber nicht drauf."

"Sandrine auch nicht, du Komiker", erwiderte Gérard. Julius sagte nur, daß die beiden das ja schon längst wußten, daß sie nicht mitmachen durften.

Als Madame Faucon den Speisesaal betrat standen alle auf und hörten zu sprechen auf. "Nehmen Sie bitte wieder Platz!" Wies sie ruhig aber mit fester Stimme an. Die Beauxbatons-Schüler setzten sich. "Sofern Ihre Saalsprecher Sie alle nicht bereits vorhin darüber aufklärten möchte ich Ihnen allen mitteilen, welche Bewandnis es mit der Ihnen ins Auge fallenden Liste hat. Es handelt sich hierbei um jene Schülerinnen und Schüler, die zum einen bis zu diesem Tag mindestens siebzehn Jahre alt wurden, zum zweiten innerhalb der letzten Wochen den von mir für die Auswahlteilnahme nötigen Disziplinarquotienten erreicht haben und schließlich keinerlei heilmagische Einwände gegen ihre Teilnahme geltend machen mußten. Es stimmt mich hochzufrieden, eine so umfangreiche Liste von teilnahmeberechtigten Schülerinnen und Schülern vorweisen zu dürfen. Wessen Name nicht auf dieser Liste aufgeführt ist, darf nicht an der Auswahl teilnehmen. Dies nur vor allem für die Herrschaften am himmelblauen Tisch, die sich mit mir und den Kollegen vom Lehrkörper offenbar einen Spaß daraus machen wollten, wer die meisten Strafpunkte innerhalb von zwei Wochen auf sich zieht. Andererseits muß ich eingestehen, daß es mich eher und dann wohl erfreulich überrascht hätte, wenn die Damen und Herren vom blauen Tisch es wirklich mal mit vorbildlichem Benehmen und erhöhter Leistungsbereitschaft versucht hätten." Am Blauen Tisch lachten die jüngeren lauter als alle Schüler an den anderen Tischen. "Immerhin sind mit Mademoiselle Bernaud, Mademoiselle Duisenberg und Monsieur Lumière drei Vertreter des himmelblauen Saales teilnahmeberechtigt, wenngleich ich Monsieur Lumière noch einmal darauf hinweisen möchte, daß Ihr Disziplinarquotient beinahe durch die Verschuldung von siebzig Strafpunkten unter die von mir festgelegte Untergrenze abgefallen wäre. Soweit ich die verteilten Bonus- und Strafpunkte nach gründlichem Studium bewerten darf wurde niemand grundlos belohnt oder bestraft. Diejenigen die auf dieser Liste stehen", wobei sie eine weit ausladende Handbewegung diagonal über das ausgehängte Pergament vollführte, "sollten sich darüber im klaren sein, daß sie nicht nur für sich alleine ihre Teilnahme an der Auswahl erreicht haben. Wer es schafft, als Teilnehmer ausgewählt zu werden, vertritt auch Beauxbatons und die Werte, die diese Schule verkörpert. Jeder und jede, die gewillt ist, sich dem Auswahlartefakt zu stellen und sein oder ihr Interesse am trimagischen Turnier bekundet, übernimmt in dem Moment, wo er oder sie erwählt wird eine Vorbildfunktion, das heißt auch, große Verantwortung. Er oder sie wird Beauxbatons und die gesamte französische Zaubererwelt repräsentieren und im Falle eines Turniersieges nicht nur eigenen Ruhm und eine hohe Belohnung erwerben, sondern bis dahin eine Person von öffentlichem Interesse bis zum Ende des Turniers. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wie Madame Maxime am Tage der Auswahl der nach Hogwarts mitreisenden ähnliche Worte gebrauchte. Nun, wo wir die Gastgeber des trimagischen Turnieres sind und damit mehr als nur zwölf Vertreter von uns aufbieten, gilt diese Verantwortung noch mehr. Die Zeitungen der Teilnehmerländer werden Berichterstatter schicken, die Beginn, Verlauf und Abschluß des Turnieres begleiten werden. Wer an der Auswahl teilnimmt und somit Beauxbatons-Champion werden mag, sollte sich dieser großen Verantwortung bewußt sein. Daher hatte ich den Mindestdisziplinarquotienten höher bemessen als den, der zum Besuch des Schulstrandes und der Teilnahme an Freiluftveranstaltungen berechtigt. Daher hege ich die große Hoffnung, daß die auf dieser Liste aufgeführten Schülerinnen und Schüler diese meine Worte sehr wohl verinnerlichen und sich genau überlegen, ob sie teilnehmen wollen oder nicht. Diese Liste ist keine Verpflichtung, sondern eine Berechtigung. Alle darauf aufgeführten dürfen ihre Teilnahme erbitten, müssen dies jedoch nicht. So viel dazu, bevor wir alle uns stärken, um am Nachmittag die letzten Vorbereitungen für die Begrüßung treffen zu können. Die Teilnehmer der Theater-, Tanz- und Musikgruppen werden um fünfzehn Uhr zur Generalprobe in der für die Aufführung vorgesehenen Garderobe antreten. Die übrigen Schülerinnen und Schüler dürfen, um sich die einen oder anderen Bonuspunkte zu verdienen, Schuldiener Bertillon, Professeur Trifolio und Professeur Bellart bei der Herrichtung der für alle zugänglichen Wege und Räumlichkeiten innerhalb und außerhalb des Palastes helfen. Auch dies ist keine Verpflichtung, sondern das Angebot, daß jeder unterhalb der Volljährigkeitsgrenze und außerhalb der für den Festabend eingebundenen Schülerinnen und Schüler das Willkommen der zu uns reisenden Abordnungen mitzugestalten. Daher werden für die Teilnahme ausschließlich Bonuspunkte in Aussicht gestellt, sofern niemand mutwillig Schaden an Einrichtungen oder Bepflanzungen anrichtet. Nur in solchen Fällen werden die für die Herrichtungsarbeiten einspringenden Kollegen Strafpunkte im Verhältnis zum angerichteten Schaden verhängen. So viel für den Moment. Näheres erst dann, wenn die beiden Abordnungen aus Hogwarts und Greifennest in unserer Mitte weilen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche einen guten Appetit!"

"In unserer Mitte weilen", wiederholte Robert im Schutz allgemeinen Raunens und Besteckklapperns Madame Faucons Worte. "Die hätte doch einfach sagen können, wenn die Leute aus Hogwarts und Greifennest auch bei uns sind. Oder wollen die in den Mittelpunkt unseres bunten Tischsechsecks doch noch einen Extratisch hinstellen?"

"Nein, die Greifennestler kommen zu den Violetten an den Tisch, weil da genug Platz für zwölf ist und die von Hogwarts kommen an unseren Tisch, weil jeweils sechs Hexen und sechs Zauberer in der Abordnung sind. Die haben das deshalb so gemacht, wegen unserer Geschlechtertrennung an den Tischen", erklärte Julius, was bei der Saalsprecherkonferenz erwähnt worden war. Er dachte daran, wie damals Jeanne immer wieder zwischen ihm und Kevin oder ihm und Gloria gesessen hatte, um sicherzustellen, daß er ja genug aß. Hier in Beauxbatons ging sowas nicht.

"Kevin kennen wir ja. Aber wie sind die anderen fünf Jungs so?" Fragte Robert. Julius mußte einräumen, daß er außer Kevin auch keinen von denen kannte. McMerdow war zwar im Jahr nach ihm eingeschult worden. Er hatte ihn aber irgendwie nicht richtig beachtet, weil er sich zu sehr mit Henry Hardbrick beschäftigt hatte, der mit seinen Eltern versucht hatte, ins Ausland zu fliehen, jedoch ohne eine der Antisonden, die magische Ausstrahlung abschirmten. Die Slytherins Blades und Cobbley hätten schon letztes Jahr die UTZs machen sollen, aber durch das Wiederholungsjahr für alle jetzt erst die UTZ-Klasse erreicht. Deering und Halligan waren ein Jahr vor Julius, Gloria, den Hollingsworths und Kevin eingeschult worden. Sie hatten sich im letzten Jahr zu guten Quidditchspielern gemausert. Er war gespannt auf die Leute aus Greifennest, von denen er Waltraud, Bärbel und den Sohn des österreichischen Zaubereiministers Joseph kennengelernt hatte.

So sprachen sie beim Nicht so ganz umfangreichen Mittagessen über die anreisenden Kandidaten und ob die sich schnell an den Schulbetrieb gewöhnen würden oder nicht. Robert wollte Julius foppen und bot ihm eine Wette an, ob Kevin bis zum Turnierende durchhielt, falls er nicht zum Hogwarts-Champion ausgewählt wurde. Doch Julius lachte nur und meinte, daß er sich Roberts und seine Teilnahmeberechtigung sicher nicht mit einer vor Zeugen abgeschlossenen Wette über das Verhalten einer anderen Person verderben wolle. Robert grinste und meinte, er habe nur ausprobieren wollen, ob Julius die neuen Richtlinien noch gut im Kopf habe.

"Die und noch einiges mehr, Robert, vor allem, daß meine Frau mich vierteilen oder in die erste Windel unseres Kindes verwandeln könnte, wenn ich absichtlich die Teilnahmeberechtigung verspiele." Gérard sah Robert überlegen an und meinte: "So wie Céline in Verwandlung drauf ist könnte die das mit dir auch machen, um dich ihrer großen Schwester zu schenken."

"Deren Kind ist aus dem Windelalter raus, Monsieur Dumas. Aber nachher kommt Céline noch auf fiesere Ideen, was die mit mir anstellen könnte, wenn ich nicht wenigstens meinen Namen in diesen komischen Feuerkelch reinschmeiße."

"Dann ist das geklärt", erwiderte Julius, froh, mal ohne Strafpunktezuteilung auszukommen.

Millie sang mit im saalübergreifenden Schulchor, während Sandrine wegen ihrer Schwangerschaft nicht mehr in der Balletttruppe, sondern der Theatergruppe auftrat, die eine kurze Geschichte von Beauxbatons aufführen und von Ballett und Musik untermalen lassen würde. Julius war in der Holzbläsergruppe, während Laurentine bei den Streichern aus den Sälen grün und Gelb mitwirkte. Céline gehörte wie Louis Vignier zur Theatergruppe, während Gabrielle und Pierre in der Gruppe für zu zupfende Saiteninstrumente mitwirkte. Gabrielle spielte Harfe, Pierre konnte nach nicht all zu schwerer Umstellung von elektronischem Tasteninstrument auf einen Konzertflügel bereits einige Belobigungen verbuchen. Dann waren da noch die Blechbläser aus den Sälen Grün, Blau, Rot, Gelb und Violett und die umfangreiche Schlagwerkgruppe, die mit Vertretern aller sechs Säle aufwartete. Mademoiselle Bernstein, die Leiterin der Musikgruppen, betätigte sich als Dirigentin. Sie trug ein mitternachtsblaues Rüschenkleid mit silbernen Spitzen. Die Musiker und Chormitglieder trugen jene sechsfarbigen Umhänge, die die sechs Säle darstellten, wobei die Jungen noch weiße Fliegen und die Mädchen rosarote Schleifen umgebunden hatten. Die Generalprobe in der Aula verlief mit einigen Holperern in der Theateraufführung und der Abstimmung zwischen den Ballerinen und den Musikern. Doch nach kurzer Berichtigung lief der Rest wie geplant. Die Feier konnte also steigen.

"Es heißt, eine verunglückte Generalprobe sei ein Vorzeichen für eine erfolgreiche Vorstellung", sagte Mademoiselle Bernstein, als ihre Tanz- und Theaterkollegin Nurive die letzten Korrekturen an Einsätzen und Auftritten vorgenommen hatte. "In diesem Sinne werden wir unseren Gästen heute abend eine glänzende Willkommensveranstaltung geben. Ich sehe Sie dann nach dem Abendessen in dieser Aufmachung und der eingeübten Aufstellung für die Musiker wieder. Bis dann, Mesdames, Mesdemoiselles et Messieurs!"

"Es ist echt schade, daß meine Eltern so stur sind", grummelte Laurentine. "Ich könnte nach Beaux echt auch Musikerin werden, so wie das jetzt geflossen ist."

"Pierre und Gabie Delacour haben sich aber auch gut aufeinander eingehört", stellte Julius fest. Daß er mal freiwillig in einem klassischen Orchester mitspielen würde hätte er vor fünf Jahren auch sehr heftig abgestritten.

Die Flure und Räume waren blitzblank, auch die Säle waren geschrubbt worden. Dafür hatten die nicht zu den Herrichtungsarbeiten eingeteilten Saalvorsteher gesorgt, die fanden, daß bloß kein Schmutz von draußen in die Wohnsäle geschafft werden sollte.

"In Ordnung, Leute, so können wir denen aus Burg Greifennest und Hogwarts gegenübertreten", meinte Julius locker, als alle in der blaßblauen Sonntagskleidung an der Wand standen, die sich auf Passwortnennung vorübergehend auflösen konnte. Madame Rossignol hatte ihm und allen anderen Pflegehelfern eingeschärft, den Neuankömmlingen zwischen Abendessen und bunten Abend den Weg zu ihrem Reich zu zeigen.

Die erstklässler bitte nach vorne!" Befahl Madame Faucon, die in einem schweren Kleid aus rotgoldenem Stoff auf einem Podest stand, rechts flankiert von der kleinen Zaubertranklehrerin Fixus, die sich zur Feier des Abends einen smaragdgrünen Seidenumhang mit sonnengelben Spitzen angezogen hatte. Von dort aus konnten sie die Schüler überblicken, die sich auf den breiten Stufen vor dem Eingangsportal aufreihten. Das war zwar ein gewisses Gedränge, aber irgendwie ging es auch, weil die Erst- und Zweitklässler sich ganz unten ein wenig weiter nach vorne und die breite Orientierten. Wie damals in Hogwarts wurde nach Sälen gegliedert. Fixus überwachte die Schüler aus ihrem Saal vom Podest aus. Kurze Gesten zu Millie und Leonie oder Apollo und dem Sechstklässler Boris Lafayette reichten ihr aus, um die Ordnung in den Reihen ihrer Schüler herzustellen. Millie mit ihren ein Meter fünfundneunzig überragte die allermeisten aus Beauxbatons und hatte daher auch den optimalen Überblick. Julius stand mit den Jungen aus der siebten Klasse ganz oben vor dem Portal. Einmal mehr überkam ihn die Frage, was Claire jetzt sagen würde, wenn sie auch hier oben stehen dürfte. Doch sicher war Ammayamiria jetzt bei ihm, Millie, Laurentine, Céline, Sandrine und Belisama und wachte unsichtbar über das, was kam, weil jetzt alle ihr wichtigen an eine bestimmte Sache dachten.

Der Oktober verabschiedete sich mit einem herrlichen Sonnenuntergang. Keine Wolke zog am immer röter werdenden Himmel entlang. Die Außenlampen flammten auf, bevor das feurige Tagesgestirn endgültig unter dem Horizont verschwand. Julius wußte nicht, aus welcher Richtung die beiden Abordnungen anreisen würden. Er ging mal vom Norden aus, weil Hogwarts eindeutig dort zu finden war. Dabei sah er den im verlöschenden Sonnenlicht goldenrot glitzernden Flußlauf, der durch den grünen Forst führte, der als natürliche Begrenzung als Urwald gemäßigter Breiten einen Ring um das Gelände bildete. Einige hatten Omnigläser von der Weltmeisterschaft mit, um früher als alle anderen zu sehen, wenn die Gäste ankamen. Auch Julius hatte sein Fernglas dabei und setzte es immer wieder an und ab. Madame Faucon förderte ebenfalls ein Omniglas aus einer kleinen Umhängetasche und suchte den Himmel ab. Dann, eine Minute nach sechs Uhr Abends, konnte Julius etwas schneeweißes in nördlicher Richtung ausmachen. Er wählte die Nahbetrachtungseinstellung seines Superomniglases und zerlegte den schneeweißen Lichtpunkt in vier stattliche Vögel mit breiten Schwingen und langen, sich im Takt der Flügelschläge sanft wiegenden Hälsen. Die vier Riesenschwäne zogen etwas wie eine Mischung aus Flugzeug und Schiff, ein wasserblaues Fahrzeug mit breiten Tragflächen, an denen je links und rechts eine Haltekette mit dicken silbernen Gliedern festgemacht war. Auf den beiden Tragflächen flammten gerade große Lampen auf, die den Positionslampen von Schiffen und Flugzeugen entsprachen. Auch in der Zaubererwelt war es eingeführt worden, die Backbordseite rot und die Steuerbordseite grün zu markieren. Das Flugschiff war mindestens dreißig Meter lang und trug je einen Aufbau am schlanken, nach oben weisenden Bug und dem abgerundeten Heck. Dazwischen ragte ein Mast empor, an dessen Spitze eine Fahne wehte, die den goldenen Greif von Greifennest mit den um ihn gruppierten Symbolen für die vier Schulhäuser zeigte. Auf Höhe des Schnabels eine weiße Taube mit ausgebreiteten Flügeln, unter den Füßen eine zwanzigstrahlige goldene Sonnenscheibe, auf Höhe des zu einem großen G gewundenen Löwenschwanzes einen Ambos mit darauf liegendem Hammer und über den Schwingen des Mischwesens ein silberner Halbmond.

"Begrüßen wir die Abrordnung aus der deutschsprachigen Zauberschule Burg Greifennest mit herzlichem Applaus!" Rief Madame Faucon. Julius ließ das Omniglas an seinem Trageriemen vor die Brust sinken und hob die Hände zum Klatschen. Das wasserblaue Flugschiff, von den nun eher elefantengroßen Riesenschwänen gezogen, schwebte maejestätisch und lautlos nieder. Erst als es über die inneren Bäume des ringförmigen Waldes hinweg war hörten sie das rhythmische Rauschen der schlagenden Schwanenflügel. Mit einer eleganten Wende drehte das fliegende Zauberfahrzeug parallel zum Lauf des nun silbern schimmernden Flußlaufes und glitt weiter hinunter. Zuerst tauchten die Riesenschwäne ins dahineilende Wasser ein. Dann klatschte das fliegende Schiff auf die sich kräuselnde Wasseroberfläche. Die Schwäne falteten ihre mächtigen Flügel über dem Rücken zusammen und bogen ihre Hälse zur S-Form. Die langen, im Licht der Palastbeleuchtung feuerrot schimmernden Schnäbel klappten kurz auf und zu. Dann glitten die imposanten Vögel ans palastseitige Ufer. Laut klatschend fiel ein großer Anker ins Wasser. Dann ruckte es, und das fliegende Schiff lag sicher in der Flußmitte. Aus der Luke gleich neben dem Flaggenmast enterte eine Frau in langem, mittelhellen Kleid auf. Sie winkte mit einem Zauberstab, worauf weitere Laternen aufflammten. Jetzt konnte Julius die Gräfin Greifennest erkennen, die in einem marineblauen Kleid an Deck stand und irgendwem einen Befehl zurief. Darauf klappte ein Teil des Schanzkleides in zwei Teilen zur Seite und gab eine Art Ziehharmonika aus dicken Planken frei. Diese entfalteten sich nun und bildeten eine Verbindung zum Flußufer. Julius beobachtete das Anlegemanöver so sehr, daß erst Robert, der neben ihm stand ihn darauf aufmerksam machte, daß in Nordost ein bunter Lichtfleck zu sehen war. Julius setzte sofort sein Omniglas wieder an und sah den näherkommenden Lichtfleck nun als Ansammlung von roten, gelben, grünen und blauen Lampen, die ein großes, rundes Etwas umkränzten. Er dachte sofort an ein fliegendes Zirkuszelt und sah auch einen Fahnenmast im Scheitelpunkt des kuppelförmigen Gebildes. Vor dem Zelt wimmelte es von dunklen Schatten mit Flügeln. Erst bei stärkerer Nahbetrachtung erkannte er die skelettartigen Flugwesen mit den echsenartigen Köpfen mit den bleichen Augen. Das waren Thestrale. Jedes dieser unheimlichen pferdeartigen Wesen war mit einem Geschirr an einen Rahmen gebunden. Das Gespann bestand aus sechs Vierergruppen. Die auf dem Fluß dümpelnden Schwäne reckten ihre langen Hälse und stießen einen Ton wie das Trompeten eines erkälteten Elefanten aus. Rochen, sahen oder hörten die Riesenschwäne die Nähe der Thestrale?

"Und da erreicht uns auch schon die Abordnung aus der britischen Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei! Begrüßen wir auch diese mit herzlichem Applaus!" Rief Madame Faucon aus. Julius konnte schwer den Stolz und die Freude überhören, daß Madame Faucon die Gastgeberin dieses heute beginnenden Großereignisses war.

"Hallo, was sollen die ganzen Geschirre und die Deichseln vor diesem bunten Zelt?" Wunderte sich Robert.

"Da sind Thestrale vorgespannt, Robert. Die Tiere, mit denen wir damals Pivets letzte Unterrichtsstunde hatten", erklärte Julius. Robert grinste, weil er sich daran erinnerte, daß Gaston Perignon damals einen sehr peinlichen Abgang von diesen Tieren hingelegt haben sollte.

"Unsichtbare Flugtiere, stark", hörte Julius Pierre Marceau weiter vor ihm ausstoßen. Dann war das Gebilde, daß wie eine Verschmelzung aus einem Zirkuszelt und mehreren Kutschdeichseln mit Gespann aussah auf normale Sichtweite heran. Es schwenkte zur großen Walpurgisnachtwiese um, auf der in dem Moment ein goldenes Licht erstrahlte, das wie ein Landefeuer dem Gespann den richtigen Anflugkorridor zeigte.

"Soll man mal sagen, daß die nichts von der Muggelwelt wissen wollen, wenn die echte Landebahnbefeuerung verwenden", grinste Julius.

"Das Leitfeuer ist doch echt nichts neues", bemerkte Gérard dazu. Das mußte wohl so sein. Julius erkannte, wie genau die drei Schulleiterinnen die Anreise abgeklärt hatten. Denn in dem Moment, wo die vierundzwanzig Thestrale ihre schmalen Hufe auf den Boden brachten, hoppelte das fliegende Zelt auf einer Art silbernem Leuchtring. Dann stand es sicher auf langen, in den Boden hineindringenden Beinen. Julius zählte schnell und kam auf zwölf Landebeine außen und sechs nahe am Mittelpunkt. Eine Klappe rechts hinter dem Querbalken, an dem die Deichseln befestigt waren, schwang nach unten und wurde zu einer festen Treppe. Hinter der Klappe tat sich nun eine schwarze Flügeltür auf, durch die eine kleine Gestalt mit schwarzem Haar in einem smaragdgrünen Umhang die Treppe betrat. Julius gingen hunderte von Bildern durch den Kopf, wann, wo und warum er diese Hexe gesehen hatte, am deutlichsten die Bilder, wie sie seine Eltern und ihn besucht hatte und wie er ihr beim Beginn eines Tagesausfluges ihrer Schüler nach Paris gegenübergestanden hatte. Nun verließ auch die grauhaarige Gräfin von Greifennest das auf dem Fluß schaukelnde Flugschiff und schritt würdevoll über die fest ausgespannte Plankenbrücke an Land. Hinter ihr verließen sieben fast erwachsene Jungen und fünf Mädchen das Schiff. Er konnte sehen, daß drei der Mädchen in mittelblauen Blusen und dunkelbraunen Röcken gekleidet waren und zwei der Jungen in marineblauen Umhängen mit gleichfarbigen Hüten auftraten. Der Rest trug mitternachtsblaue Umhänge und schwarze Hüte, sofern Zauberer und dunkelblaue Blusen und schwarze Röcke, sofern Mädchen. Schnell blickte Julius zu Professor McGonagall auf der Treppe hinüber, hinter der sich zwei Reihen in schwarzen Umhängen und Zaubererhüten gekleidete Begleiter aus dem fliegenden Zelt herauswagten, sechs Mädchen und sechs Jungen.

Madame Faucon stieg von ihrem Podest. Julius kam es wie eine kunstvoll arrangierte Ballettübung vor, als die drei ranghöchsten Hexen der hier nun vertretenen Zauberschulen aufeinander zugingen und sich an einem Punkt trafen, der den gemeinsamen Schnittpunkt einer Linie von Beauxbatons zum Flugschiff der Greifennestler und dem gelandeten Riesenzelt der Hogwarts-Abordnung zu Beauxbatons bildete. Dann begrüßten sich die drei. Da alle mucksmäuschenstill zuhörten und nicht allzuweit fortstanden verstanden sie jedes Wort. Professor McGonagall sprach akzentfreies Französisch. Bei der Gräfin Greifennest kam ein etwas härterer Akzent durch.

"Ich freue mich sehr, daß Sie es einrichten konnten, uns mit Ihren Schülerinnen und Schülern zu beehren", begrüßte Madame Faucon die beiden Amtskolleginnen. Professor McGonagall bedankte sich und erwiderte im Namen von Hogwarts:

"Es freut mich überaus, daß unsere Zaubereiministerien die Mißverständnisse des letzten Turnieres restlos ausräumen konnten und wir heute bei Ihnen und Ihren Kollegen und Schülern anreisen durften, Madame Faucon."

"Mich persönlich freut es, an einem Ereignis mitwirken zu dürfen, das bereits durch sein Zustandekommen die Geschichte der akademischen Zauberei um ein wichtiges Kapitel bereichert hat und noch weitere wie ich hoffe großartige Kapitel hinzufügen wird."

"Ist das ein Schmus!" Zischte Robert leicht angenervt von dieser übertrieben scheinenden Begrüßungszeremonie. Julius hoffte, daß es keiner außer ihm gehört hatte. Gerade umarmten sich die drei höchsten Hexen von Hogwarts, Greifennest und Beauxbatons. Danach bat Madame Faucon die angereisten Gäste höflich und mit fester Stimme, ihr und den Schulleiterinnen zu folgen. Jetzt formierten sich die beiden Gruppen aus dreizehn Leuten hinter Madame Faucon und kamen zu den wartenden Schülern, die winkten und klatschten. Julius konnte nun die ihm bekannten Schüler aus Hogwarts erkennen. Sein Blick traf den von Gloria und Jenna. Dann sah er Kevin, der etwas befremdlich von zwei breitschultrigen Jungen vorangetrieben wurde, weil er denen zu langsam machte. Das rotblonde Haar kannte er fast so gut wie das seiner Frau. Allerdings war diese mit Kevin nicht verwandt. Er sah hinter Jenna ihre wenige Minuten jüngere Zwillingsschwester Betty und konnte auch Pinas strohblondes Haar erkennen. Lea sah er weiter hinten. Wie Kevin schien sie erst einmal die Umgebung überblicken zu müssen, bis eine schwarzhaarige Junghexe ihr kurz in die Seite stupste, um sie weiter nach vorne zu treiben. Julius grinste, weil er Romilda Vane sonst eher als zurückhaltend kennengelernt hatte. Doch fünf Jahre waren eine Zeit, in der sich viele veränderten, vor allem, wenn aus Kindern erwachsene Menschen wurden.

"Werte Kolleginnen und Kollegen, liebe Schülerinnen und Schüler, begeben wir uns mit unseren Gästen in den Speisesaal, um gemeinsam den Auftakt des trimagischen Turnieres zu feiern!" wies Madame Faucon die Schülerschaft an. Die Siebtklässler führten die Schüler aus den unteren Klassen durch den Palast zum Speisesaal. Julius sicherte nach hinten, daß die Gäste aus den beiden anderen Zauberschulen Anschluß hielten. Als sie sich alle im Speisesaal verteilten strahlte dieser im goldenen Glanz tausender frei schwebender Kerzen und Kristalleuchter an der Decke. Sie leuchteten den Saal so gründlich aus, daß nichts und niemand einen Schatten warf. Madame Faucon deutete auf Julius und Céline, die ihre Mitschüler um den grünen Tisch gruppierten und wies von ihnen auf die Hogwarts-Gruppe und zum grünen Tisch zurück. Julius hoffte, nicht gegen das bisher so strickt durchgezogene Begrüßungsprotokoll zu verstoßen und winkte behutsam. Professor McGonagall sah ihn durch ihre quadratischen Brillengläser an und lächelte. Mit einem Nicken bedeutete sie ihren Schülern, an den bezeichneten Tisch zu gehen. Derweil hatte Madame Faucon bereits die Saalsprecher des violetten Tisches mit der Greifennestabordnung bekannt gemacht, so daß auch diese wußte, wo sie platznehmen sollte. Julius scheute einen Moment davor, den schwarzgekleideten Jungen und Mädchen entgegenzugehen. Doch Céline stupste ihn sanft an, das er einen Schritt nach vorne tat. Dann ging er vorsichtig los, bis er sah, daß Madame Faucon die beiden Amtskolleginnen zum Lehrertisch führte.

"Steht dir ja toll, dieses goldene Teil", waren Kevins erste Worte, wobei er englisch sprach. Gloria, die neben ihm lief zischte ihm zu, daß er innerhalb der Schule mit den Schülern französisch zu sprechen habe, weil das zu den Schulregeln gehörte.

"Der wird mir nicht gleich diese ominösen Strafpunkte verpassen, weil ich den in seiner Muttersprache anrede, Gloria", erwiderte Kevin darauf. Julius strahlte ihn und Gloria an. Dann stellte er sich nicht all zu locker aber auch nicht militärisch stramm vor den Hogwartianern auf und begrüßte sie auf Französisch, wobei er sich rein formal vorstellte. Da kam auch Céline, die Gloria sofort mit einem wohlwollenden Blick willkommenhieß.

"Ich weiß, in Hogwarts sitzen Jungen und Mädchen wie sie wollen an den Haustischen", sagte Julius, konsequent die französische Sprache verwendend, weil Céline kein Englisch konnte. "Beauxbatons war früher mal in reine Jungen- und Mädchenwohnsäle aufgeteilt. Daher stammt noch die überlieferte Sitte, daß die Jungen und Mädchen geschlossene Reihen um den Tisch ihres Wohnsaales bilden. Mademoiselle Dornier möchte sicher die Mädchen von euch mit ihren bis zum Schuljahresende mitlernenden Schulkameradinnen zusammensetzen." Céline nickte. Dann sagte sie: "Okay, Julius ist ein Protokolltier, hat er von seinen Eltern und hier durch unser etwas strengeres Schulregelwerk noch ausgefeilt. Normalerweise duzen wir Schülerinnen und Schüler uns untereinander. Ich bin Céline. Gloria kenne ich ja noch von ihrem Austauschjahr her, und Pina habe ich ja auch schon ein paarmal in Millemerveilles getroffen, ebenso wie Betty und Jenna. Wer ist Lea Drake?" Lea glubschte Céline an. Julius überließ es der Kolegin, die Kennenlernrunde durchzuziehen. Romilda grinste Lea an. Dann sagte Lea: "Ich bin Lea Drake, Slytherin, sechstes Schuljahr."

"besser geht es nicht. Dann bist du Romilda Vane?" Fragte Céline das Mädchen, daß ebenso dunkles Haar besaß wie sie selbst. Romilda nickte und vervollständigte: "Richtig, Vane, Romilda, Haus Gryffindor, Klasse sieben."

"Dann kommt bitte mit. Ihr könnt normal laufen, Gänsemarsch ist nur bei uns wenn wir zum Frühstück in den Speisesaal gehen." Julius übernahm Célines lockere Art und blickte die Jungen an. Er erkannte neben Kevin auch Brandon McMerdow. Die beiden breitschultrigen Jungen mit dem hellblonden und dem dunkelbraunen Haar stellten sich als Charon Blades und Elrick Cobbley vor. Sie beäugten Julius ziemlich kritisch, als könnten sie sich nicht vorstellen, daß das jener Julius Latierre sei, der als rein muggelstämmiger Zauberer Julius Andrews bei Ihnen in Hogwarts eingeschult worden war. Vor allem imponierte den beiden wohl der Größen- und Breitenzuwachs. Sie waren damals nicht bei der Quidditch-Weltmeisterschaft dabei gewesen, erinnerte sich Julius. Den schlachsigen Blondschopf William Deering kannte er auch noch gut. Und Keneth Halligan war ein muskulöser Bursche mit feuerrotem Bürstenhaarschnitt und hellgrünen Augen.

Julius winkte sie an den Tisch, wo sie zwischen den Sechst- und Siebtklässlern platznahmen. Kevin durfte zwischen Robert und Julius sitzen.

"War irgendwie Stark mit diesem Reisezelt. Hat mindestens zwanzig Minuten gedauert, bis Hagrid alle Thestrale eingeschirrt hat. Zumindest denke ich das mal, daß der die eingeschirrt hat. Weil sehen kann ich die ja nicht", sagte Kevin. "Aber die weißen Riesenvögel von den Greifennestlern sehen ja stark aus. Asgardschwäne, richtig?"

"Ganz sicher. direkt gesehen habe ich noch keinen. Aber das werden die wohl sein", erwiderte Julius.

"Hätte ich echt nicht gedacht, daß wir uns hier mal wiedersehen, Julius. Als das vor fünf Jahren losging dachte ich echt, daß ich sicher nicht hierherkommen würde. Aber wenn Gloria, die Hollingsworths und sogar Lea unbedingt herkommen wolten warum nicht auch ich."

"Ich sag's dir besser gleich, daß für euch alle hier solange das Beauxbatons-Bewertungssystem gilt wie ihr hier seid. Wenn ihr nach Hogwarts zurückkehrt wird Professor McGonagall euch sicher Punkte für die Häuser geben. Aber hier gilt das, was Gloria und ich dir mal erzählt haben. Nur damit du nicht am ersten Schultag schon vom Stuhl fällst."

"Ich hab's damals mitbekommen, wie Madame Maxime die hier im Zug hält und kenne eure neue Schulleiterin ja jetzt auch ein wenig besser als ich eigentlich wollte. Deshalb ist das für mich nichts neues. Dachte nur, die hätten das anders eingeteilt. Aber sieh zu, daß du mich nicht mit diesen Strafpunkten zuballerst, sonst könnte Professor McGonagall meinen, mich noch vor der ersten Aufgabe zu meinen Eltern zu schicken. Aber dann wird's nix mehr mit den UTZs im nächsten Jahr."

"Dann sieh du zu, daß ich nie in der nähe bin, wenn du was machst, wofür ich dir strafpunkte geben müßte", erwiderte Julius. Robert lachte darüber.

"Was gibt's da zu kichern, ey. Ach, du bist doch Robert, der mit Céline zusammen ist. Wolltest du nicht dieses Jahr auch schon verheiratet sein?"

"Ich weiß, daß Julius dir das sicher nicht so erzählt hat, Kevin. Nur so viel, Céline und ich wollen erst mit der Schule fertig sein, bevor wir finden, ob wir heiraten oder nicht. Und du brauchst nicht so zu spotten, nur weil du aus Hogwarts kommst. Könnte dir nämlich passieren, daß sich eine von denen da", wobei er auf den roten und den blauen Tisch wies, "so heftig in dich verlieben könnte, daß die dich auf ihren Besen ruft. Ich weiß von Julius, daß du weißt, was damit gemeint ist. Also besser nicht auffallen!"

"Lustig. Ich will hier Champion werden wie die beiden Klötze aus Slytherin und der blonde Besentänzer von den Gryffindors", knurrte Kevin. Sein Französisch war tatsächlich sehr gut ausgebildet. Doch die irische Sprachmelodie hatte er noch nicht abgelegt.

"Oha, das würde dir superviele Walpurgisnachteinladungen bescheren, wenn du bis dahin keine hast, die dir die anderen Hexen vom Hals hält", feixte nun Gérard. Julius räusperte sich und sagte rasch:

"Champions werden wollen wir jungs in dieser Ecke vom Tisch alle. Und was Walpurgisnacht angeht, kann Kevin ja sagen, daß er das nicht kennt."

"Unter dem Namen jedenfalls nicht", fauchte Kevin. "Bei uns in Irland heißt das Fest immer noch Beltane, wie Halloween, das wir eigentlich heute feiern müßten, Samhain heißt. Aber das zu erklären würde ja zu lange dauern, und ihr habt sicher genauso Hunger wie ich."

"Hat uns niemand was erzählt, was Halloween ist, nicht wahr, Julius?" tat Robert ahnungslos. Gérard rief: "Streich oder Süßes!" Kevin grummelte, daß er sich offenbar geirrt hatte. Julius war ja auch wirklich schon lange genug hier, und Gloria hatte es auch schon ein Jahr hier ausgehalten. Da war er für einen Ravenclaw auch seltendämlich, zu denken, daß denen hier noch keiner was von Halloween erzählt hatte.

"Wann seid ihr denn losgeflogen, Kevin?" Fragte Julius den ehemaligen Haus- und Klassenkameraden.

"Ziemlich früh morgens, fünf uhr um genau zu sein. Antreten mußten wir aber schon um vier, um unsere Klamotten in das Reisezelt zu packen und uns die Zimmer auszusuchen. Ich bin mit William und Keneth in einem Dreierzimmer, der arme Brandon muß sich mit Charon Blades und Elrick Cobbley das Zimmer teilen. Lea kam bei Gloria und Pina unter, weil Rommy ganz entschieden nicht mit einer Slytherin in ein Zimmer wollte. Da haben die beiden Hollingsworths sich erbarmt und mit der das zweite Mädchenzimmer bezogen. Die ist seit Montag eh etwas angenervt drauf, hatte wohl einen heimlichen Heuler von ihrer Mutter, bloß aufzupassen, sich mit den ganzen Muggelstämmigen hier zu vertragen."

"Ey, Andrews oder Latierre oder wie auch immer, sag dieser feigen, irischen Großschnauze, wenn der dumm über uns ablästert gibt's heute noch Ärger", blaffte der blondschopfige Charon Blades. Julius mußte zweimal tief durchatmen. "Was mich stört verschwinde! Mein Geist herrscht über meine Gefühle!" Dachte er. Dann stand er ruhig auf und ging an Kevin und Gérard vorbei zu Charon Blades.

"Ich weiß, ihr habt immer noch Voldemorts Gehirnfurz im Kopf, daß wir Muggelstämmigen für euch Slytherins nichts in Zauberschulen verloren haben. Aber hier bin ich Saalsprecher, was einem Vertrauensschüler gleichkommt. bist du einer von euch in Slytherin? Falls ja, dann weißt du, daß jemand, der Vertrauensschüler dumm anquatscht, Punkte verliert. Hier wird aber nicht das Haus wo er wohnt, sondern jeder für Sich bewertet. Da Madame Faucon schon seit einer Woche weiß, daß du hier lernst, ob Champion oder nicht, könnte es dir also locker passieren, daß ich dir Strafpunkte für sowas wie eben verpasse. Also, sage bitte Julius zu mir oder wenn schon den Nachnamen Monsieur Latierre! Und ich habe Kevin schon gesagt, daß er sich hier anders benehmen muß als in Hogwarts. Er weiß das, er ist nicht dumm, denn er ist ja Ravenclaw. Den Slytherins wird Schlauheit zugestanden. Also sei schlau und guck dich erst mal um, wie es hier läuft! Danke für die Aufmerksamkeit!" Julius wartete noch einen Moment. Cobbley grinste, nicht verächtlich, sondern amüsiert, weil Blades bei Julius' Rede vor- und zurückschaukelte, als wisse er nicht, ob er sich vor ihm ducken oder sich ihm entgegenwerfen müsse. Doch sagen tat er nichts. Das wertete Julius als Zustimmung. Lea hatte die Szene beobachtet. Sie saß zwischen Jasmine und Irene, während Gloria und Pina Céline flankierten.

"Das war heftig. Blades ist kein V-Träger. Cobbley ist einer. Der hat auch schon mal wegen dem Punkte von Slytherin abgezogen. Die beiden mögen sich nicht", zischte Kevin.

"Ja, und in China fällt gerade wieder ein Sack Reis um", kommentierte Julius diesen Hinweis. Kevin verstand und grinste.

Als alle sich erst einmal ein wenig miteinander unterhalten hatten bat Madame Faucon noch einmal um die volle Aufmerksamkeit. In dem Moment tat sich die Speisesaaltür auf, und in einem meergrünen Umhang betrat Madame Hippolyte Latierre den festlich ausgeleuchteten Saal. Ihr folgte ein schon bald zwei köpfe kleinerer, dicker Mann mit schwarzem Scheitel und ebensolchem Schnurrbart mit silberner Brille in einem mitternachtsblauen Nadelstreifenumhang mit schwarzer Krawatte. Das war Monsieur Gustave Chaudchamp, der seit Didiers unrühmlichem Abgang neue Leiter der Abteilung für internationale magische Zusammenarbeit. Er trug eine pechschwarze Aktentasche unter dem linken Arm, während Madame Latierre eine locker über die linke Schulter gehängte braune Handtasche trug. Julius wußte, daß Verwandtschaftliche Begrüßungen hier und jetzt nicht angebracht waren. Kevin meinte jedoch: "Willst du deiner Schwiegermutter nicht einen guten Abend wünschen?"

"Was ich Mr. Blades gerade gesagt habe gilt auch für dich, Kevin", knurrte Julius. "Verwandtschaft ist hier nicht wichtig, weil ja viele hier mit irgendwem in der Zaubererwelt wichtigem verwandt sind. Sollte es mich möglicherweise treffen, daß ich für Beauxbatons am Turnier teilnehme, werde ich sie genau wie bei der Weltmeisterschaft förmlich anreden und mich auch von ihr so ansprechen lassen, genau wie meine Frau auch."

"Apropos, du wolltest mir doch erzählen, ob das mit dir und der jetzt was gebracht hat, was demnächst an die Luft will und ständig in die Hosen macht."

"Wenn du Milie das in dem Ton fragst würde sie nicht wissen, ob sie dich vor Wut in den Boden rammen oder auslachen soll. Aber da ihr das eh ja so oder so mitkriegt sage ich, daß es geklappt hat."

"Ey, dann mußt du ja einen ausgeben", meinte Kevin.

"Erstens muß ich nicht, und zweitens erst dann, wenn das Kind den ersten Schrei getan hat. Ich dachte, du hättest das Trinken nach der Sache mit Seamus drangegeben."

"Wieviele dieser komischen Strafpunkte kassiere ich, wenn ich Blödmann zu dir sage?" Fragte Kevin.

"Nur wenn ich mir sicher bin, daß du auch zurechnungsfähig bist. Das kann Madame Rossignol nachher noch rausfinden. Die will eh, daß wir euch allen zeigen, wo der Krankenflügel ist."

"Ist das die, die dir Madame Maximes Blut in den Leib gejagt hat?" Fragte Kevin leise. Julius nickte. Dann deutete er auf den Lehrertisch, an dem gerade alle aufstanden, was auch die Schüler zum Aufstehen brachte. "Ich erbitte Ihre Aufmerksamkeit!" Wiederholte Madame Faucon noch einmal ihre Bitte. Dann stellte sie die beiden hinzugekommenen namentlich vor. Julius entging nicht, daß Lea Drake Madame Latierre und Julius abwechselnd ansah und dann auch am roten Tisch die mit der ehemaligen Quidditchspielerin verwandten Mädchen erkannte. "Hiermit heiße ich Sie alle zur Neuauflage des trimagischen Turnieres willkommen. Ich hoffe auf eine Zeit voller spannender, fairer Wettkämpfe und eine für alle geistig belebende gemeinsame Zeit unter dem Dach der Beauxbatons-Akademie. Leider hat die Schulleitung des Durmstrang-Institutes eine neue Teilnahme verweigert. Darum erfreut es mich um so mehr, die aussichtsreichen Schülerinnen und Schüler der Zauberschule Burg Greifennest bei der Teilnahme des trimagischen Turnieres des ausgehenden Jahrhunderts begrüßen zu dürfen. Wie es die überlieferte Tradition gebietet, treffen sich die drei miteinander wettstreitenden Schulen am letzten Tag im Oktober unter dem Dach der Gastgebenden Schule, dem Tag, an dem zur Zeit der Druiden und ersten großen Hexen das Jahreswendfest Samhain gefeiert wurde, an dem die Welten der lebenden und der Toten näher zusammenrücken. Allerdings hoffe ich sehr darauf, daß wir alle bei diesem Turnier am Leben bleiben, was ja, wie auch das letzte Turnier gezeigt hat, keine Selbstverständlichkeit ist. Aber das letzte Turnier wurde von düsteren Machenschaften verdorben. Jener, der es zu seinen finsteren Zwecken mißbrauchte ist über seinen grenzenlosen Größenwahn und seine unstillbare Mordlust gestürzt. Daher bin ich sehr zuversichtlich, daß dieses Turnier nur im Sinne interessanter Wettkämpfe spannend und aufregend verläuft. wie es die Tradition gebietet möchte ich Sie alle zunächst dazu bitten, mit uns ein reichhaltiges Festessen zu genießen."

Das Essen war wahrhaft reichhaltig. Vor allem gab es unterschiedliche Gerichte auch aus den Ländern der Teilnehmerschulen. Julius konnte Plumpudding, gebackene Bohnen in Tomatensoße und irischen Eintopf erkennen. Dann sah er auch die Schüsseln voller Grünkohl mit Speck und Mettwurst, Kohlrouladen, Schnitzel in verschiedenen Soßen und Wurst in einer Soße, die ihn an indisches Curry erinnerte. Als er davon mal probierte erfuhr er von Gérard, daß das wohl die berühmte berliner Currywurst sei, die die Muggel in Schnellküchen verkauften. Julius nahm dazu die obligatorischen Pommes Frites, wobei es die in Belgien typischen waren und genoß dieses als Schnellimbißgericht verkannte Gericht. Allerdings gab es auch Bouillabaisse und andere französische Spezialitäten. Gefräßiges Schweigen herrschte über allen Tischen. Erst anderthalb Stunden später konnte Madame Faucon sich die volle Aufmerksamkeit sichern und erwähnte, daß noch heute die Auswahl für das trimagische Turnier beginnen würde. Dann bat sie Schuldiener Bertillon, die Truhe hereinzutragen. Als der oftmals überstreng auftretende, aber ansonsten auch sehr gründlich arbeitende Bedienstete eine große, alt wirkende Truhe hereintrug hefteten sich alle Blicke darauf. Madame Faucon klopfte mit ihrem Zauberstab mehrmals an die Truhe, bis diese von selbst aufsprang.

Für Julius war es so, als wären die letzten fünf Jahre nicht ins Land gezogen. Wenn um ihn herum nicht mehr blaßblau als Schwarz an sechs statt vier Tischen zu sehen gewesen wäre, hätte er sich dieser Illusion sehr gerne hingegeben. Dann fiel ihm ein, was er dann aber alles nicht erlebt hätte. So sah er den weißblaue Flammen aussendenden Holzkelch in der Truhe nicht als Hilfe zum vergessen, sondern als Erinnerung, wie weit er schon gekommen war. Er hatte die letzten fünf Jahre vieles überlebt und hatte sich entwickelt. Der Feuerkelch sagte ihm jetzt, daß er die Möglichkeit hatte, sein letztes Schuljahr noch etwas großes, etwas bleibendes zu schaffen. Madame Faucon stellte den Feuerkelch vor und erwähnte wie damals Dumbledore, daß sie um diesen eine Alterslinie zeichnen würde. Außerdem würde sie dafür sorgen, daß nur Schüler oder sie selbst an den Kelch herankämen, um Manipulationen wie beim letzten Turnier zu verhindern. "Diesmal werden es nur drei Kandidaten sein", erklärte sie sehr überzeugt. Dann hob sie den Feuerkelch aus der Truhe und stellte ihn auf den Lehrertisch. "Wer an diesem Turnier teilzunehmen wünscht schreibe seinen Namen und die Schule, für die er antritt auf ein Stück Pergament und werfe es in die Flammen des Kelches! Er oder sie möge sich jedoch vor diesem Schritt darüber im klaren sein, daß er einen bindenden magischen Vertrag schließt. Wird sein oder ihr Name ausgeworfen, so muß er oder sie das Turnier über alle drei Runden mitmachen. Einen Rücktritt von der Teilnahme gibt es in dem Moment nicht mehr, wo der Name und die Teilnehmerschule dem Kelch übergeben wurden. Für den Fall, daß immer noch welche glauben, der Kelch würde nicht recht entscheiden, wenn jemand den Schulnamen anders schreibt, so sei er oder sie auch versichert, daß der Kelch in langer Arbeit eingeprägt bekam, daß er nur zwischen Greifennest, Hogwarts und Beauxbatons zu entscheiden hat. Jede annähernd wie eine der drei Schulen geschriebene wird der am ähnlichsten geschriebenen Schule zugeordnet. Jeder vollkommen von den drei Namen abweichende Name wird als ungültige Teilnahme verbrannt, ohne bei der Auswahl berücksichtigt zu werden. Während Sie alle, die Sie unsere gastronomischen Künste genossen haben, sich auf den Weg machen, auch unsere musischen und schauspielerischen Künste zu genießen, werde ich als Leiterin der gastgebenden Schule den Feuerkelch dort platzieren, wo jeder und jede an ihn herankommt, der die gerade eben erläuterten Bedingungen erfüllt. Meine Kollegin Professeur Fixus wird Sie nun alle zur großen Aula unserer Schule führen. Die an der künstlerischen Gestaltung des Abends beteiligten bitte ich, sich unverzüglich zu den vorbereiteten Garderoben zu begeben, um sich dort vorzubereiten!"

Julius fing den saphirblauen Blick der Schulleiterin auf. Sie winkte ihm. Er entschuldigte sich bei Kevin und den anderen und vertraute Kevin Gérard und Robert an, während er an den Lehrertisch ging. Madame Faucon winkte ihm und Aysha Karim zu. "Bitte führen Sie die Gastschüler zunächst zu Madame Rossignol. Die Aufführung beginnt ja erst in dreißig Minuten. Das solte reichen." Julius nickte und ging an den grünen Tisch zurück. Dabei entblößte er demonstrativ sein silbernes Pflegehelferarmband und sprach erst zu den Mädchen und dann zu den Jungen aus Hogwarts. Blades fragte ihn, was das silberarmband sollte. Beinahe wäre ihm wohl ein böses Wort herausgerutscht. Doch der lauernde Blick von Cobbley warnte ihn, daß Julius vielleicht doch höher über ihm stand als er sich mit seiner Slytherin-Prägung eingestehen wollte. Julius dachte daran, wie sich Adolf Eichmann, der große Nazi, gefühlt haben mochte, als er in Israel, dem Staat der Juden, vor gericht gestellt worden war. Vielleicht fühlte sich Blades ähnlich. Doch es war nicht jene Verachtung, die er von Slytherins früher gekannt hatte, sondern eine aus Unsicherheit erwachsene Trotzhaltung. Auch damit kam er zurecht, wo er Jungen wie Hanno Dorfmann kennengelernt hatte und auch wußte, daß Kevins Frechheiten auch auf dem Boden von Unsicherheit gediehen.

Ohne Benutzung des Wandschlüpfsystems führte Julius die zwölf Hogwarts-Schüler in den Krankenflügel. Aysha kam mit den Greifennestlern einige Minuten später nach. Madame Rossignol strickte mal wieder. Doch als ihr sechsundzwanzig Jungen und Mädchen im Büro standen legte sie ihr Strickzeug bei Seite und erhob sich. Sie begrüßte alle ruhig aber unmißverständlich streng, damit sie gleich wußten, daß mit ihr nicht so locker umzuspringen war. Dann erzählte sie, daß sie für die Gesunderhaltung aller unter dem Dach von Beauxbatons lernenden verantwortlich war und erwähnte auch, daß Sie wie die Lehrer und die Broschen tragenden Saalsprecher Strafpunkte und/oder Strafarbeiten vergeben konnte. Darüber hinaus erwähnte sie auch, daß jeder körperliche oder verbale Angriff auf einen ihrer Pflegehelfer dreihundert Strafpunkte einbrockte, ebenso wie ein Angriff auf einen Saalsprecher. Dabei sah sie Julius an und sagte: "Also, wer sich außerhalb angewiesener Wettkampf- oder Duellübungen an ihm vergreift kassiert sechshundert Strafpunkte. Madame Faucon hat mit Ihren Schulleiterinnen ausgemacht, daß diese bei Ende des Turniers in die in Ihren Schulen üblichen Bewertungen umgerechnet werden. In Hogwarts heißt das dann wohl, daß dem Haus des Missetäters Punkte aberkannt werden könnten. Da ich mit Madame Pomfrey von Hogwarts und Fräulein Maiglock von der Greifennest-Schule im Sommer lange Gespräche über die Bewertungen geführt habe weiß ich sehr wohl, wie genau bei euch gewertet wird. Seht bitte zu, nicht mutwillig irgendwas abzukriegen und kommt so schnell es geht zu mir, wenn ihr euch krank fühlt. Aber wehe ihr simuliert. Ich kriege das raus und kann euch ziemlich deutlich beibringen, wie unangenehm das für euch ist. So, und jetzt gehen wir zusammen zur Willkommensfeier! Julius, du hast da ja was zu tun. Du darfst den schnellsten Weg nehmen!" Julius verstand und verschwand durch die Wand. Gloria kannte das ja schon. Die anderen staunten.

"Na, Löwenbändiger. Ich hab's mitbekommen, daß Kevin und der Blonde Kleiderschrank aus Slytherin dich gut angepiekt haben", meinte Millie, als Julius im für die Aufführung vorgesehenen Umhang aus dem Garderobentrakt für Jungen kam.

"Dieser Blondschopf hat ziemlich betreten geguckt, als Madame Rossignol dem und den anderen die Dreihunderterregel um die Ohren gehauen hat. Der hat wohl im Geist nachgezählt, was das böse Wort mit Schlamm am Anfang an Strafpunkten bringen würde, wenn der es mal gegen mich oder Laurentine rausrutschen läßt. Sei froh, daß du eine Brosche und das Armband umhast. Da die wissen, daß wir verheiratet sind wird der sich nicht wagen, dir was zu tun."

"Ich kann mich mittlerweile sehr gut wehren, wie du weißt", erwiderte Millie. Dann deutete sie auf den Seiteneingang zur Bühne. "Hals und Beinbruch, Monju", zischte sie ihm zu. Julius wünschte ihr dasselbe. Auch bei den Zauberern grassierte der Aberglaube, daß sich Schauspieler, Sänger und Tänzer nicht offen Glück wünschen durften. Für Julius war es aber eher eine Art Tradition, die er gerne pflegte, wenn er dafür was erhebendes mitgestalten durfte.

Die holperige Generalprobe hatte tatsächlich geholfen, daß nun alles reibungslos ablief. Die Episoden aus über tausend Jahren Beauxbatons, unterlegt mit der erwähnten Epoche entsprechender Musik, erregte große Begeisterung. Julius freute sich vor allem über den Applaus für die Holzbläser. Er gönnte Millie und den anderen aber auch ihren Applaus. Am Ende stellte sich Mademoiselle Bernstein vor die Zuschauer und bedankte sich im Namen aller, die an diesem Abend mitgewirkt hatten.

"Na, die Bettkontrolle heute mal verschoben?" Meinte Gérard zu Julius, als alle Bewohner des grünen Saales in ihrem Aufenthaltsraum waren. Die Greifennest- und Hogwarts-Schüler waren von ihren Schulleiterinnen zu den Reisefahrzeugen zurückgeführt worden.

"Ja, und dann selbst ins Bett. Der Tag war echt lang", erwiderte Julius.

"Wann gehen wir hin und werfen unsere Namen in den Kelch ein?" Fragte Robert wo André dabeistand.

"Morgen gleich nach dem Frühstück, schlage ich vor", erwiderte Julius.

"Falls der da morgen noch laufen kann", knurrte André Robert zugewandt. Julius räusperte sich nur kurz und bedachte André mit jenem Blick, mit dem er auch Robert schon wortlos niedergerungen hatte. Dann wandschlüpften Gérard und er im Tandem zu Madame Rossignol.

"Ich brauche keinen Herzanhänger um zu fühlen, daß dich das heute sehr unter Druck gesetzt hat, die früheren Schulkameraden hierzuhaben, Julius. Aber ich sage es dir gerne noch einmal, daß sie sich hier ordentlich benehmen sollen und du keine Hemmungen haben darfst, die geltenden Schulregeln durchzusetzen. Ich konnte diesem blondhaarigen Schüler, der erst dich und dann Kevin so komisch angesehen hat ansehen, daß er offenbar dachte, dich hier vor allen anderen lächerlich machen zu dürfen. Warum tat er das, weil er schon weiß, daß falls du ausgewählt werden solltest, er es sehr schwer haben wird, gegen dich zu bestehen, sofern er auch ausgewählt wird, was ich jedoch bezweifle."

"Wieso bezweifeln Sie das?" Fragte Julius die Heilerin.

"Weil er zu selbstherrlich ist, aber auch zu verunsichert, nicht das zu bekommen, was ihm seiner Meinung nach zusteht. Solche Leute erkennt der Feuerkelch wohl. Aber jetzt ab ins Bett, bevor du Millie noch aus dem Schlaf reißt!" Julius nickte und begab sich in den Schlaftrakt für die Ehepaarzimmer. Hier fiel der Druck zum ersten mal von ihm ab. Hier hatte er keine weitere Verantwortung, als dafür zu sorgen, daß Sandrine und Millie nicht wegen ihm ihre Kinder verloren. Darauf achtzugeben erschien ihm leichter, als sich mit Leuten wie Blades und Cobbley und mit Kevin Malone herumzuärgern.

 

__________

 

Der Sonntagmorgen begann wie jeder bisherige in diesem Schuljahr. Millie und Julius standen um halb sieben auf. Die gemalten Mariachis weckten sie erst, wenn sie durch alle anderen Bilder durch waren. Das hatte Millie denen mit einer unwiderstehlichen Klarheit eingeschärft. Außerdem hatte sie mit ihren Cousinen Callie und Pennie gesprochen, daß die gemalten Musiker sofort abzuhängen und wegzupacken seien, wenn diese vor viertel vor Sechs an Werktagen und viertel vor sieben an Sonntagen durch die Gemälde zogen.

Als Julius in die große Eingangshalle kam, von der aus es durch das offene Portal nach draußen ging sah er es. von einer goldenen Kreislinie umfaßt stand ein dreibeiniger Tisch mit weißer Decke da. Auf diesem stand er, der weißblau flammende Feuerkelch. Soweit ähnlich wie damals in Hogwarts. Was außer dem Tisch noch anders war erkannte Julius bei näherer Betrachtung. Um den Fuß des Kelches lag ein Ring aus silbern glänzendem Metall, in dem er winzige Runen sehen konnte, die er jedoch wohl nur lesen konnte, wenn er näher heranging. Die von der Alterslinie begrenzte Kreisfläche durchmaß acht Meter. Wer wollte könnte eigentlich einen Zettel zu dem Kelch werfen. Doch Julius wußte, daß eine Alterslinie auch als nichtstoffliche Mauer galt, die nur von lebenden Wesen unterhalb oder oberhalb eines vorbestimmten Alters durchdrungen werden konnte. Der silberne Ring war wohl Madame Faucons Zusatzvorkehrung, um die Leute, die sie nicht teilnehmen lassen wollte abzuhalten. Das nahm Julius zur Kenntnis. Dann verließ er den Palast.

Auch beim Frühsport merkte Julius, daß Beauxbatons neue Mitbewohner auf Zeit bekommen hatte. Denn um das Quidditchstadion herum liefen bereits Jungen aus Greifennest um die Wette. Aber auch Kevin, der sich von Gloria noch nach dem bunten Abend die außerhalb des Palastes liegenden Einrichtungen hatte zeigen lassen. Dann stießen noch die hochgewachsenen Greifennest-Mädchen Bärbel Weizengold und Waltraud Eschenwurz dazu. Kevin fragte Julius, ob er seinen Namen schon eingeworfen habe. Julius erwiderte, daß er erst einmal ein paar Laufrunden schaffen wollte. Aber gleich nach dem Frühstück seinen Namen in den Feuerkelch werfen wolle. Als Kevin darauf etwas erwidern wollte zitterte Julius' Armband. Er dachte, Millie wolle ihn sprechen. Doch es war die Schulheilerin.

"Julius, hol die Krankmeldung für André Deckers ab. Der meinte, Madame Faucons Warnung ignorieren zu können und ist gerade bei mir. Ich habe beschlossen, ihn für einen Tag bei mir zu behalten. Deshalb übergibst du Professeur Delamontagne seine Krankmeldung."

"Bin in zwei Minuten bei Ihnen, weil gerade am Stadion!" Erwiderte Julius. Kevin staunte über das räumlich und freischwebende Abbild der gestrengen Heilerin.

"Hat wer die Alterslinie getestet", grinste Kevin, noch während Madame Rossignol zuhörte.

"André ist in meiner Klasse und seit August sogar schon achtzehn. Aber nicht jeder von uns durfte an den Kelch. Näheres, falls ich das erzählen darf", erwiderte Julius.

 

"Ich weiß wo du bist, Julius. Dann sind deine Beine gerade warm genug, um im Geschwindlauf zu mir zu kommen. Bis gleich", erwiderte Madame Rossignols Stimme aus dem Armband. Das Abbild von ihr löste sich auf.

Einer der Greifennest-Jungen rief was auf Deutsch. Das konnte Julius nicht. Aber Den Begriff "Holo" hörte er heraus. Womöglich staunte der große, dunkelhaarige Bursche über die Bildprojektion. waltraud erklärte ihm das offenbar, während Julius schon die Laufrichtung änderte und auf den Palast zurannte. Kevin meinte wohl, mithalten zu können und keuchte ihm nach. Doch mit jedem Schritt fiel er um einen halben Meter weiter zurück. So konnte Kevin nur aus großer Ferne sehen, wie Julius scheinbar von der Wand verschlungen wurde.

"Was ist mit André passiert?" Fragte Julius die Heilerin.

"Er wollte nicht hören", erwiderte Madame Rossignol. Sie führte ihn in den Schlafsaal, wo André wild zitternd und Bebend auf einem der Betten lag. Am heftigsten fielen Julius jedoch die Ohren des Klassenkameraden auf. Diese waren erheblich in die Länge gewachsen. Sie hingen vom Bett herunter und lagen auf dem Boden.

"Eine Zweifachbestrafung, Julius. Das Zittern ist ein starker Permatremor-Fluch, und die Ohren das Produkt eines progressiven Asinaures-Fluches", erwiderte die Heilerin.

"Mann, habe echt gedacht, dieser blöde Silberreifen um den Kelch sei nur ein Scherz, um Leute abzuschrecken. Ich habe meinen Namen über dem Kelch runterfallen lassen. Da flogen silberne Flammen aus dem Ring heraus und warfen mich heftig weit zurück. Dann brannten mir die Ohren, und seitdem höre ich Madame Faucons Stimme: "Wer nicht hören will muß fühlen! Und diese verdammten Eselsohren werden immer noch länger", stieß André unter wildem Zittern aus. "Mann, machen Sie das endlich wieder weg!" Brüllte er. "Ich hab's kapiert, ey!"

"Grenzt schon an die Methoden der Carrows", wisperte Julius der Heilerin zu.

"Klären wir im Büro. André, ich muß noch die genaue Abfolge der Zauber ermitteln. Dann habe ich dich auch schnell davon befreit", sagte sie und winkte Julius.

"Alle Beauxbatons, die nicht auf der ausgehängten Liste stehen, wurden wohl in ein Rückprellartefakt einbezogen. Wer seinen Namen und die Schule auf einem Zettel in den Kelch wirft und keine Teilnahmeerlaubnis hat wird umgehend abgewiesen, ähnlich wie bei der Alterslinie und ..." Da klangen eilige Schritte vor der Tür. Zwei Fünftklässler der Blauen kamen herein. Julius fiel auf, daß sie wohl über nacht um stolze zwanzig Zentimeter in die Höhe gewachsen waren. Ihre Gesichter zierten lange, weiße Bärte. Offenbar hatten die die Alterslinie getestet, dachte Julius.

"Noch ein paar, die es wissen wollten. Aber das kriegen wir gleich weg", sagte sie ruhig. Dann maß sie die Länge der Bärte. "Oh, heftig! Einhundertzwanzig Zentimeter. Laut Übereinkunft mit Madame Faucon darf ich für jeden fünften Zentimeter einen Strafpunkt vergeben. Das sind dann mal eben vierundzwanzig", fügte sie hinzu und benannte die Missetäter, um die Strafpunkte in deren Wertungsbüchern festzuhalten.

"Super, habt euch mit Alterungstrank um zwei Jahre älter getrunken, wie?" Fragte Julius grinsend. Die beiden Alterslinientester funkelten ihn an. Die Heilerin schickte die beiden nach nebenan und baute noch einen Klangkerker auf. Dann sagte sie: "Ich kriege die drei Flüche in nur fünf Minuten aus André raus, weil Madame Faucon mir verraten hat, welche Strafe sie für Mißachtung der Liste vorgesehen hat. André wird keinen bleibenden Schaden davontragen. Abschrecken ja, aber nicht verstümmeln. Aber ich werde André wegen des Permatremor und das voranschreitende Ohrenwachstum den restlichen Tag hierbehalten, wegen körperlicher Erschöpfung. Der Permatremor verbraucht in einer Stunde zehn Stunden Tagesausdauer. Es gab nicht so ganz mit den Heilerstatuten übereingehende Hexen, die übergewichtigen Patienten diesen Fluch auferlegten, um sie innerhalb weniger Tage auf das von ihnen für richtig erachtete Gewicht herunterzittern zu lassen. Soweit lasse ich André natürlich nicht abmagern."

"Und die Bärte, wie kriegen Sie die weg?" Fragte Julius.

"Erkläre ich euch nachher bei der Übungseinheit. Dann wird André den Sanasomnius-Trank bekommen haben, um sich von dem Zittern zu erholen." So, hier die Krankmeldung!" Sie drückte Julius ein amtlich aussehendes Pergament in die Hand. Er verstand es als Aufforderung, sie nun mit den beiden Bartrekordhaltern allein zu lassen. Er wandschlüpfte in die Nähe von Professeur Delamontagnes Büro. Dieses war bereits besetzt. Der Saalvorsteher grinste Julius an.

"Hat es bei euch auch wen erwischt?" Fragte er. "Von den Blauen haben einige die Alterslinie auszutricksen versucht. Die sind wohl schon bei Madame Rossignol durch." Julius übergab dem Saalvorsteher die Krankmeldung. Er nickte und sagte ruhig: "Das stößt zwar hart an die Grenze des vertretbaren, was meine werte Vorgesetzte da ersonnen hat. Aber Leuten die nicht hören wollen müssen leider harte Denkzettel verpaßt werden. Ich ging jedoch davon aus, daß André klug genug ist, Madame Faucons Beschluß nicht auf seine Durchsetzung zu überprüfen. Die beiden Körperflüche sind ja spätestens ZAG-Standard. Aber die Progression und der Duraverba-Fluch sind eher UTZ-Angelegenheiten. Hier gilt eben die Reihenfolge der auferlegten Zauber. Ich bin mir aber sicher, daß Madame Faucon Madame Rossignol über die von ihr vorgenommene Abfolge unterrichtet hat."

"Wirkt der nur bei Beauxbatons-Schülern, die schon den Zettel in der Hand haben?" Fragte Julius.

"Genau daß. Der Rückprellring erzeugt eine immaterielle Kuppel über der Wirkungszone des Kelches. Wenn jemand seinen Namen dort einwirft, wird dieser mit der Liste abgeglichen, die Zutritt haben. Ist der Name nicht darauf erfolgt die Zurückweisung und Bestrafung des Unbefugten. Damit hätte André rechnen müssen, wo Sie von den Grünen doch wissen, daß Madame Faucon eine Großmeisterin in der Bekämpfung dunkler Zauber ist."

"Eben, und wer was bekämpfen will muß auch wissen, wie man angreift", erwiderte Julius voreilig.

"Das habe ich jetzt mal überhört, Monsieur Latierre", erwiderte Delamontagne mit zur Vorsicht gemahnendem Blick. Dann deutete er auf die Tür. "Vielleicht müssen Sie noch weitere Krankmeldungen abholen, Monsieur Latierre. Sonst wird es wohl langsam Zeit zum Frühstücken." Julius nickte zustimmend und verließ das Büro des ehemaligen Gegenministers.

"Holla, immer längere Ohren und Dauerzittern", seufzte Robert. "Gut, daß ich diesen Fallenzauber nicht auslösen werde."

"Ja, und dann noch ein sogenannter Duraverba-Fluch. Ich denke von der lateinischen Wortherkunft, daß damit ein Fluch gemeint ist, der einen bestimmte Wörter immer wieder und wohl immer lauter im Kopf hören läßt, bis er sich nicht mehr auf andere Sachen konzentrieren kann."

"So wie die Spieluhr im Kopf von Deeana Troi?" Fragte Laurentine. Julius überlegte, was sie meinte und nickte dann. Ja, das war auch schon heftig und hatte auch nicht mehr viel mit wissenschaftlicher Dichtung zu tun, eher mit Überirdischen, Wesen zwischen Engeln und Dämonen, die das stoffliche Universum manipulieren konnten. Robert wollte dann natürlich mal wieder wissen, wovon die beiden Muggelstämmigen es hatten. Julius beschrieb ihm die bewußte Star-Trek-Folge.

"Auch fies. Gibt's sicher auch in der echten Zaubererwelt", stöhnte er.

"Gehen wir mal besser von aus", sagte Julius. Dann versammelten sie ihre Klassenkameraden und rückten zum Frühstücken aus.

Julius empfand Ehrfurcht und Unbehagen zugleich, als er zusammen mit den Klassenkameraden nach dem Frühstück in die große Eingangshalle ging. Hier bildeten sich mehrere Ringe aus Mitschülern um die Alterslinie. Einige Sechstklässler starrten verdrossen auf die goldene Linie. Es hatte sich herumgesprochen, daß von den Blauen und den Violetten einige jüngere Schüler versucht hatten, die goldene Bannlinie zu überlisten. Außerdem fehlten von den Blauen einige Siebtklässler, die nicht auf der Zulassungsliste gestanden hatten. Die laborierten wohl auch gerade mit dem heftigen Dreifachfluch. Offenbar war das für einen aus Jacques' Klasse aber noch keine ausreichende Abschreckung. Er ging mit erhobenem Zettel auf die Alterslinie zu. Sie ließ ihn unangefochten in den Absperrkreis hinein. Doch als er schon triumphierend den Zettel über dem Feuerkelch senkte, fauchten silberne Flammen aus dem um den Kelchfuß liegenden Ring, umhüllten ihn und warfen ihn innerhalb einer Viertelsekunde aus dem Sperrkreis hinaus. Dann erloschen sie mit leisem Knacken. Doch der abgestrafte Schüler zitterte wie bei einer aufkommenden Unterkühlung. Dann faßte er sich an die Ohren, die rot glühten und langsam aber unheilvoll in die Länge gezogen wurden. Er starrte mit bleichem Gesicht seine Mitschüler an, die erschrocken nach hinten gesprungen waren und dabei einige der jüngeren, die nur zuschauen wollten, fast zu Boden warfen.

"Ich bring dich mal eben zu Madame Rossignol!" Bot Julius dem gerade abgestraften an.

"Ey, was hat die alte mir angehext, verdammt. Dieser blöde Ring is 'ne Falle, verdammt!" Fluchte der wilder und wilder zitternde Schüler. Seine geröteten Ohren wuchsen dabei langsam weiter. "Ja, ich habs kapiert, wer nicht hören will muß fühlen", stieß er verängstigt aus. "Bitte aufhören! Ich hab's gehört!"

"Du standest nicht drauf", feixte Jacques Lumière dem verhexten Mitschüler zu.

"T-t-t-rrrroll-a-a-arsch!" Bibberte der verhexte Schüler.

"Der kann alleine zu der Heilerin hin", befand Patrice Duisenberg, die gerade um die Ecke kam und sah, was ihrem Mitschüler passiert war. "Die anderen haben das auch geschafft", fügte sie noch hinzu und deutete von ihrem abgestraften Mitschüler in die Richtung, in die er zu gehen hatte. Er trollte sich.

Jacques trat über die Alterslinie, aufrecht und überlegen grinsend. Er hob einen Zettel hoch, auf dem alle aus der kurzen Entfernung "Jacques Lumière, Beauxbatons" lesen konnten. Er ließ den Zettel über der lodernden Öffnung des Kelches fallen. Trudelnd verschwand das Pergament in den weißblauen Flammen. Diese schlugen zu einer roten Feuersäule um, in der sie alle noch einmal "Jacques Lumière, Beauxbatons" nachlesen konnten. Dann wechselte die Flammenfarbe wieder. Der Kelch war für den nächsten Namenszettel bereit.

Julius trat vor. Er hatte gestern abend noch seinen Namen und die Schule auf ein Stück Pergament geschrieben. Als er die Alterslinie überquerte fühlte er eine kurze Erwärmung seines Armbandes. Es wechselwirkte mit magischen Sperren und warnte vor dunklen Zaubern oder bösen Wesen. Die Schüler starrten ihn an. War außer dem Wärmeschauer etwas sichtbares um ihn passiert? Doch jetzt stand er erst einmal im abgesperrten Kreis um den Feuerkelch. Er ging nach vorne. Jacques Lumières verächtlicher Blick ruhte auf ihm. Auch andere sahen, wie er nun die letzten Meter bis zu dem Tisch überwand, den beschriebenen Zettel über die Kelchöffnung hielt und dann fallen ließ. Dabei fühlte er es in seinem Armband wild vibrieren und eine gewisse Kälte, die erst wich, als sein Zettel in die weißblauen Flammen geriet. Rote Flammen schrieben seinen Namen für alle sichtbar über den Kelch. Damit hatte er sich nun verpflichtet, am trimagischen Turnier teilzunehmen, wenn der Kelch seinen Zettel für Beauxbatons ausspeien würde.

"Tja, dann haben wir alle keine Chance mehr, wo Monsieur Supertalent jetzt im Kelch drin ist", feixte Jacques. Patrice Duisenberg, die das hörte meinte dazu:

"Dann hättest du deinen Namen nicht einwerfen müssen, Jacques, wenn du so pessimistisch bist." Wie um ihre Worte zu untermauern ging sie mit weit ausgreifenden Schritten über die Alterslinie und warf den Zettel mit ihrem Namen und der Schule in den Feuerkelch ein. Als dieser signalisierte, auch ihren Namen entgegengenommen zu haben grinste sie Julius an, der gerade über die goldene Linie trat. Dabei sah er nun, was die anderen offenbar irritiert hatte. In dem Moment, wo er die Linie überquerte, huschte ein goldenes Leuchten über seine Hand, seinen Fuß und wohl den restlichen Körper. Er ahnte, was passierte. Das Armband und die Alterslinie kitzelten die ihm aufgeprägte Siegelaura Darxandrias, die bei starken weißmagischen Kräften sichtbar wurde. Also war die Alterslinie ein rein gutartiger Zauber, eben ein Schutzzauber. Jetzt hatte er die Bestätigung dafür. Der Bartwuchs bei Betrügern entstammte der Vorstellung der Person, die die Linie zog.

Ganz gegen das übliche Klischee betrat die Greifennest-Abordnung die Halle nicht im Gleichschritt hintereinander marschierend, sondern jeder für sich ohne feste Ordnung. Julius beobachtete, wie Waltraud, Bärbel, Joseph und die Anderen ohne großes Zaudern ihre Namenszettel einwarfen. Einer war wohl ein Scherzbold. "Hauke Meerschaum, Griefennescht", konnten sie alle auf dem Zettel lesen. Tatsächlich erschien diese Schreibweise erst in der Roten Flamme, bevor der Schriftzug unvermittelt in "Hauke Meerschaum, Greifennest" umwechselte.

"Genial, tatsächlich ein Ähnlichkeitsausgleicher", grinste der pummelige Jungzauberer mit den goldblonden Locken und himmelblauen Augen. Waltraud grinste und erwiderte ebenfalls auf Französisch:

"Das Ding ist schon seit Jahrhunderten im Gebrauch, Hauke. Die haben den Zauber wohl nur von Durmstrang auf Greifennest umgestellt.

"Ein Programm, das funktioniert wurde nur noch nicht ausreichend genug getestet", tönte ein ebenfalls untersetzter, braunhaariger Junge, dessen Französisch Julius an die Sprachmelodie aus den Alpen erinnerte. Er zog aus der linken Tasche seines mitternachtsblauen Umhangs ein Pergamentstück und hielt es für alle lesbar hoch: "Franz-Joseph Strauß, Theresienwiese" Die Greifennestler grinsten, als der Junge den Zettel in den Feuerkelch fallen ließ. Doch statt rot zu werden schlugen die weißblauen Flammen einen Meter hoch und spuckten Eine Aschewolke aus, die wie bei einem winzigen Vulkan pinienförmig über dem Kelch auseinanderflog und rings um den Kelch niederrieselte.

"Tja, Seppl, jetzt hast du ein Problem", feixte Joseph Rosshufler.

"Ach ja?" Fragte der Junge vor dem Kelch herausfordernd. Er trat einige Schritte weiter nach hinten und wartete einige Sekunden, die zwei andere Schulkameraden von ihm nutzten, um ihre Namen mit richtiger Schule einzuwerfen. Dann ging der Kelchtester noch einmal auf den Feuerkelch zu. Julius bangte, ob er vielleicht gleich den Strafmechanismus Madame Faucons auslöste. Doch ihm geschah nichts, als er aus der rechten Tasche ein zweites Pergamentstück zog, auf dem "Joseph Alois Maininger, Greifennest" zu lesen stand. Er ließ den Zettel in den Kelch fallen. Die Flammen schlugen ins Rot um und zeigten den entgegengenommenen Namenszug und die Teilnehmerschule für alle sichtbar an.

"Okay, keine Bugs", meinte Joseph Maininger. Damit war für Julius glasklar, daß der Junge Muggelstämmiger sein mußte. Denn das Wort für fehlerhafte Anteile einesComputerprogramms kannten nur Leute, die mit den Dingern auch zu leben und zu arbeiten gewohnt waren.

"Ich mache da auch mit", hörte Julius Laurentine Hellersdorf sagen, die zusammen mit Irene Pontier und Céline Dornier herankam. Da betraten auch die Schüler von Hogwarts die große Halle. Laurentine wartete, bis alle zwölf ihre Namen in den Kelch geworfen und dies bestätigt bekommen hatten. Charon Blades sah den alle anderen überragenden Julius Latierre herausfordernd an und traute sich zu sagen: "Solltest du von dem Kelch ausgewählt werden zieh dich warm an, wenn der mich für Hogwarts wählt." Er vermied es noch, Schimpfwörter zu benutzen. Julius war sich jedoch sicher, daß nur die goldene Brosche und sein silbernes Armband den Slytherin davon abhielten, ihn zu beleidigen.

"Hier wird's im Winter nicht so kalt wie in Hogwarts, Charon", konterte Julius. "Und ob du oder wer anderes für Hogwarts ausgewählt wird oder ich für Beauxbatons entscheidet der Kelch heute abend. Ich habe keine Probleme damit, wenn ich nicht ausgewählt werde. Du auch?" Das wirkte auf Charon heftiger als jede Maßregelung. Laurentine Hellersdorf ging nun voran und überschritt die Linie. Blades blickte sie an, schien wohl zu überlegen, mit welcher Zaubererfamilie sie verwandt sein mochte. Als der Kelch in roten Flammen "Laurentine Hellersdorf, Beauxbatons" über dem Tisch leuchten ließ blickte Blades sie herausfordernd an:

"Vom Namen her könntest du zu den Sauerkrautfressern gehören. bist du reinblütig?"

"Jedenfalls bin ich stellvertretende Saalsprecherin", sagte Laurentine ruhig. "Das allein zählt doch wohl für Leute wie dich, oder?" Blades sah die silberne Brosche und schloß den Mund fest, bevor ihm doch noch eine strafwürdige Behauptung entschlüpfen konnte.

"Es wurde erwiesen, daß jeder Zauberer rotes Blut besitzt, Monsieur Blades", sagte Professor McGonagall, die hier geltende Sprache sprechend. "Ich habe Sie nicht mitgenommen, um längst überholte und für zerstörerisch befundene Ansichten zu verkünden, sondern weil Sie die für alle gültigen Auswahlkriterien erfüllen, ebenso wie die junge Dame eben."

Verstehe, Professor", erwiderte Blades nun auf Englisch und trollte sich. Seine Hauskameraden blickten ihm spöttisch nach.

"Tja, so ein Pech, daß seine Mutter den vor der Schlacht von Hogwarts wieder eingefangen hat", zischte Lea Drake auf Englisch, wobei sie Julius ansah. Dieser tat so, als habe er das überhört. Sonst mußte er ihr noch fünf Strafpunkte wegen Benutzung einer hier nicht gültigen Sprache zuteilen. Andererseits wußte er nicht, ob das mit der Sprachregelung nicht doch etwas lockerer gehandhabt werden sollte, solange vierundzwanzig Schüler aus anderen Ländern hier wohnten.

Nach der Teilnahmebekundung ging es zur Pflegehelferkonferenz. André schlief tatsächlich. Das wilde Zittern war aus ihm vertrieben worden, und seine Ohren waren auch auf die natürliche Größe zurückgeschrumpft. Auch war er nicht alleine. Mehrere von den Blauen lagen in den anderen Betten, zwar unversehrt aussehend, aber sicher in Folge der Strafaktion Madame Faucons hier gelandet.

"Also, Monsieur Blades hängt nach wie vor der Ansicht an, daß nur reinblütige Zaubererfamilien alle Rechte haben sollten", sagte Julius. "Könnte sein, daß er mit den Muggelstämmigen aus Hogwarts, Beauxbatons und Greifennest Ärger bekommt."

"Den wir dann nachzubehandeln haben?" Fragte die Schulheilerin. "Ich hoffe mal, daß dieser junge Zauberer Intelligent genug ist, zu erkennen, daß er hier nicht in Durmstrang ist, wo diese Ansicht noch geschätzt wird."

"Wie der Laurentine blöd angeglotzt hat war nicht so nett", erinnerte sich Carmen Deleste an die Szenen eben. Madame Rossignol nickte. Dann sagte sie: "Bitte merkt es euch und haltet euch dran, daß wir, also ihr Pflegehelfer und ich als Heilerin, jeden hier wohnenden und arbeitenden Menschen gleichbehandeln, egal, was wir von ihm privat oder aus anderen Gründen halten. Wird einer krank, müssen wir uns darum kümmern, ihn wieder gesund zu kriegen, auch wenn er uns nicht leiden mag. Das ist sozusagen der Generalbefehl, den ich euch mitgebe, damit ihr es auch in dieser Ausnahmesituation beherzigt, was seit eurem Eintritt in diese wichtige und angesehene Truppe gültig ist." Danach ging es um die Strafaktionen Madame Faucons gegen die, die nicht hatten hören wollen. Julius warf noch einmal ein, daß es schon sehr an der Grenze des Zulässigen entlangschrammte. Patrice warf dazu nur ein, daß die Leute aus ihrem Saal das aber nur so kapierten. Millie machte das auch für die Leute aus ihrem Saal geltend, obwohl die altersmäßig zugelassenen Roten den nötigen DQ nicht unterschritten hatten.

Nach der Konferenz ging es weiter um Ersthelfermaßnahmen und eine weitere Untersuchung von Sandrines ungeborenen Kindern. Julius sah durch den Einblickspiegel, daß die Zwillinge immer deutlicher als Lebewesen mit Kopf und Gliedmaßen zu erkennen waren und bemerkte, daß die kleinen Herzen schon das Blut pumpten. Millie war zwei Wochen weiter. Bei ihr sah man schon ein menschliches Wesen an der pulsierenden Nabelschnur. Die Pflegehelfer hatten sich darauf verständigt, daß es alleine bei Sandrine und Gérard liege, wann die anderen Schüler erfuhren, daß Sandrine Zwillinge erwartete. Bis jetzt war nichts über die schicksalhafte Cocktailparty ruchbar geworden, auch wenn es in Beauxbatons mehrere Schüler aus Fort-de-France auf Martinique gab, die mit denen aus Paris mit der Reisesphäre an- und abreisten.

"Nachmittags führten Julius und die anderen Saalsprecher die Gastschüler aus Greifennest und Hogwarts in der Schule herum. Professor McGonagall traf sich mit Madame Faucon und Gräfin Greifennest, um die letzten Vorbesprechungen zu führen, bevor die Auswahl stattfand. Pina lief in der Gruppe von Julius mit, zu der auch Waltraud Eschenwurz und der Computerkenner Joseph Maininger gehörte. Als er sie an den Gehegen der magischen Haus- und Nutztiere vorbeiführte fragte er, wer im Zaubertierunterricht mitmachte. Joseph und Waltraud nickten. Pina schüttelte den Kopf. Doch als sie die Kniesel sah hellte sich ihr Gesicht auf. Goldschweif kam heran. Ihre gerade jüngsten Kinder liefen hinter ihr her. Waltraud fragte, ob Julius Goldschweif immer noch gehöre. Er bestätigte das. Pina fragte, ob die ganz jungen Kniesel in Beauxbatons blieben. Julius erwähnte, daß die Kniesel von der Fachlehrerin Professeur Fourmier ausgesucht wurden, die hierblieben und die anderen in andere Zuchtlinien eingekreuzt wurden oder als Haus- und Gartenkniesel weitervermittelt wurden.

"Ui, die haben Volpertinger hier. Ist das wahr?" Erstaunte Joseph Maininger. "Meine Eltern glauben das immer noch nicht, daß es die Viecher gibt." Er deutete auf das kleine Tierwesen mit adlergleichen Flügeln, dem Eichhörnchenschwanz, den hasenartigen Ohren und dem der Körpergröße angepaßten Hirschgeweih auf dem Kopf.

"Hat gedacht, die geb's nur bei euch in Bayern, was Sepp?" Fragte Waltraud schnippisch. "Habe ich euch doch erzählt, daß die die hier auch haben, als ich hier war."

"Ist zu viel Wasser die Isar runtergeflossen seitdem", knurrte Joseph Maininger.

"Was habt ihr gerade an Zaubertieren durchgenommen?" Fragte Waltraud.

"Runespoors, Occamys, Graphörner und zuletzt Feuerlöwen und Erumpenten. Im November geht's nach Algerien zu den großen Felsenvögeln, die auch in den Märchen aus Tausendundeiner Nacht erwähnt werden."

"Die Riesenbrathähne. Dann müssen die ja größer als unsere Asgis sein."

"Wenn ihr damit die großen Schwäne meint, dann stimmt es. Der Felsenvogel ist noch einiges größer, aber nicht so groß wie in den Märchen", sagte Julius. Dann sah er Professeur Fourmier, die gerade vom Fluß her kam. Sie sah die Gruppe bei Julius und beschleunigte ihre Schritte. Als sie bei den Schülern war fragte sie auf Französisch, wer die Sprache gut genug könne. Natürlich galt das für alle. Dann sah sie Waltraud Eschenwurz. "Sie waren schon mal hier. Ich habe Ihr Bild auf den Jahrgangsfotos von 1996 bis 1997 gesehen. Nehmen Sie immer noch am Unterricht praktische Magizoologie teil?" Waltraud nickte. Joseph Maininger nickte auch. "Wir und unser Mitschüler Hubert Rauhfels", erwähnte Waltraud noch. Die Lehrerin nickte und deutete auf Julius. "Er kann Ihnen erklären, wo wir gerade im Unterricht angekommen sind. - Ach, hat er schon? - Um so besser. - Ich bin mit Ihrer Schulleiterin darüber eingekommen, Ihre imposanten Zugtiere in den laufenden Unterricht der Klassen fünf bis sieben einzubeziehen und auch im Freizeitkurs magische Tierwesen vorzustellen. Die Gräfin Greifennest erwähnte, daß Sie und Monsieur Rauhfels neben ihr mit der Versorgung dieser Tiere betraut sind. Daher möchte ich Sie und erwähnten Mitschüler von Ihnen bitten, mir morgen nachmittag zur Verfügung zu stehen, um mich in die pflegerischen Gegebenheiten für diese Tiere einzuarbeiten, da ich diese Tiere bisher nur von Besuchen in magischen Tierparks Nordeuropas kennenlernte."

"Hmm, Gräfin Greifennest wies uns darauf hin, daß wir aus dem hier gültigen Freizeitangebot mindestens vier Kurse aussuchen mögen. Hubert Rauhfels hat sich für den Deutschkurs für Fortgeschrittene eingetragen, der Montags abgehalten wird. Aber ich kann Ihnen mit den Asgardschwänen helfen, Professeur Fourmier", erwiderte Waltraud. Die Lehrerin bedankte sich und wünschte allen noch einen erfolgreichen Tag.

"Tja, nur wenn mich dieser Feuerkelch auswählt", grummelte Joseph. Die anderen stimmten ihm nickend zu.

Wie am Tag zuvor gab es ein vielfältiges Festessen mit allen möglichen Gerichten. Einmal hörte Julius Joseph Maininger einen Fluch in seiner Heimatsprache ausstoßen. Laurentine grinste. Da er aber zu weit von ihr fortsaß bekam er nicht mit, was sie Céline und Jasmine zuflüsterte. Charon Blades hatte wohl an dem Tag lernen müssen, daß er besser den Mund hielt, was seine Ansichten anging und auch niemanden dumm anglotzte. Julius erfuhr von Gérard, daß der Junge aus Slytherin sich gegenüber Louis Vignier im Ton vergriffen hatte, obwohl der ihm nur noch das Quidditchstadion zeigen wollte. Dabei mußte der sich wohl als Muggelstämmiger offenbart haben. Als Blades ihn dann herunterputzte, daß er nur froh sein könne, daß Leute wie er überhaupt noch zaubern lernen durften, hatte Louis ihm nur das silberne Armband gezeigt und gemeint, daß er nicht nur darüber froh sei, sondern wisse, daß er sich das auch verdient habe. Dann hatte er Madame Rossignol gefragt, ob er dem Jungen Strafpunkte geben dürfe, und die hatte Blades Bemerkung als unterschwellige Drohung gedeutet und hundertfünfzig Strafpunkte für Charon Blades rausgehauen. Offenbar wollte sie ein mahnendes Beispiel geben, was ihr hoffentlich auch gelungen war.

"Schreiten wir zur Auswahl der drei Champions!" Kündigte Madame Faucon nach dem Essen das wichtigste Ereignis dieser Schulwoche an. Sie verließ zusammen mit den beiden Schulleiterkolleginnen den Speisesaal und kehrte wenige Minuten später mit dem auf dem Tisch thronenden Feuerkelch zurück. Behutsam nahm sie den silbernen Ring fort, der bis dahin um den Fuß des Flammenden Gefäßes gelegen hatte. Dann stellte sie den Kelch auf den Lehrertisch. Die Kerzen erloschen bis auf die unmittelbar über den Mittelpunkten der Tische schwebenden. Alle Augen richteten sich auf die weißblauen Flammen, die aus dem offenbar unbrennbaren Holzkelch herauszüngelten. Dann färbten sich die Feuerzungen rot, schlugen als lange Stichflamme nach oben und spuckten dabei einen verkohlt wirkenden Zettel aus. Julius wußte, daß die Gastschulen zuerst ihre Champions zugelost bekamen. Daher fühlte er noch nicht die große Anspannung. Von denen aus Hogwarts gönnte er es bis auf den Slytherins allen. Und selbst wenn es Lea, Charon oder Elrick sein sollte, würde er damit leben können. Madame Faucon ergriff den Zettel und las laut: "Champion für Burg Greifennest ist - Hubert Rauhfels!" Julius blickte sofort zu den Greifennestschülern hinüber. Der Großneffe von Magistra Rauhfels sprang laut johlend in die Luft. Alle anderen ließen die Köpfe sinken. Waltraud schlug sich die Hände vor das Gesicht. Offenbar hatte sie sich wegen des Austauschjahres mehr ausgerechnet, erkannte Julius. Joseph Maininger sagte wohl was, aber es war erstens nicht Französisch und zweitens zu leise, um was heraushören zu können. Seine Schulkameraden lachten darüber verdrossen. Madame Faucon winkte Hubert Rauhfels und deutete auf die sich soeben öffnende Tür, die in den runden Raum führte, wo sonst die neuen Schüler auf die Zuteilung warteten. Hubert lief wie mit geflügelten Schuhen vom violetten Tisch in den zugewiesenen Warteraum.

Die Flammen im Kelch wurden wieder weißblau. Die Farbe behielten sie eine an den Nerven zerrende Zeit lang. Dann stach eine weitere rote Flammenfontäne empor und schleuderte einen verkohlt wirkenden Zettel von sich. Madame Faucon griff nach dem Pergamentstück und entfaltete es. Sie nahm sich drei Sekunden Zeit, bevor sie laut verlas: "Champion der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei ist - Gloria Porter!" Julius fühlte, wie es sich in ihm entlud. Freude, Begeisterung und Kameradschaft ließen ihn in den Jubel mit einstimmen. Gloria durfte mitmachen! Er sah sie an, wie sie dasaß, äußerlich gefaßt, ja ruhig, während alle anderen Hogwarts-Schüler betreten bis tieftraurig dreinschauten. Pina weinte sogar. Kevin, der zwischen Julius und Gérard saß, fuchtelte mit geballten Fäusten gegen den Feuerkelch. "Dafür bin ich extra mitgekommen, um nur zuzugucken", fauchte er auf Englisch. Julius ließ ihm das durchgehen, bis Madame Faucon sagte: "Ich verstehe, daß jeder und jede, der oder die von weit weg hergereist ist erhofft hat, der Feuerkelch möge ihn oder sie erwählen. Ich empfinde mit Ihnen, daß es schon eine Enttäuschung ist, nicht ausgewählt zu werden. Doch seien Sie sich bitte darüber im klaren, daß jeder und jede, die es auf die Liste der Teilnahmeberechtigten geschafft hat, für sich und die Heimatschule einen Gewinn erzielen konnte. Denn Sie dürfen vor Ort sein, um Ihren Champions beizustehen, sie während des Turniers anzufeuern und mit Ihnen die große Erhabenheit dieses alten Wettkampfes genießen."

"Worte, für die ich nich' mal 'nen Knut kriege!" Entglitt es Kevin nun laut. Auch Blades stieß einen Wutlaut aus. "Die darf nur, weil die schon ein Jahr in dieser Froschfresser-Anstalt abgehangen hat!" Vernahmen alle, die genug Englisch verstanden. Madame Faucon räusperte sich und blickte ihre Kollegin McGonagall an, die Blades mit einem unmißverständlich warnendem Blick bedachte. Das reichte erst einmal. Gloria wurde noch aufgefordert, sich zu Hubert Rauhfels zu begeben. Sie stand auf und schritt aufrecht und gefaßt auf die offene Tür zu. Dabei traf ihr Blick den von Julius. Sie schien ihm Glück für die Auswahl zu wünschen.

Jetzt wurde es richtig spannend. Dieser Gedanke ging wohl nicht nur durch Julius' Kopf. Er dachte noch einmal daran, ob er wirklich mitmachen wollte. Er hatte seinen Namen eingeworfen. Aber so richtig begeistert wie vor fünf Jahren noch war er jetzt nicht mehr. Doch wenn er jetzt wirklich erwählt wurde, dann würde er aufrecht wie Gloria in den Warteraum gehen, auch wenn Kevin, Jacques und andere Dummschwätzer ihm üble Sachen nachrufen mochten. Der Kelch flammte erst weißblau, dann entfuhr ihm zum dritten Mal an diesem Abend eine rote Flammenfontäne und blies einen weiteren verkohlten Zettel aus. Jetzt merkten auch alle anderen, daß Madame Faucon innerlich angespannt war. Gleich würde sie wissen, wer für ihre Schule antreten würde. So nahm sie sich noch etwas mehr Zeit als zuvor, den ausgeworfenen Zettel zu ergreifen. Sie entrollte das Pergamentstück und las den Namen erst leise. Dann nickte sie und las laut: "Und für die Beauxbatons-Akademie für französischsprachige Hexen und Zauberer tritt zum trimagischen Turnier an - Laurentine Hellersdorf!" Schlagartig verschwand die Anspannung. Nicht wenige Beauxbatons-Schüler gaben Laute des Erstaunens, der Enttäuschung und Bestürzung von sich. Julius fühlte keine Enttäuschung, keine Verwunderung und auch keine Wut, daß er nicht genommen worden war. Er empfand ein Gefühl der Befreiung. Jemand hatte ihm, so schien es, eine Zentnerlast von Herz und Seele genommen. Er fühlte jetzt eine gewisse Verwunderung, die aber nicht von ihm stammte. Er sah zum roten Tisch hinüber, wo seine Frau saß, die offenbar von ihren Kameradinnen was anhören mußte, was sie leicht in Wut versetzte. Julius dachte schnell seine Selbstbeherrschungsformel, während Laurentine von Céline angestupst wurde, ebenfalls in den Warteraum zu gehen. Julius dachte seine Selbstbeherrschungsformel. Dadurch überhörte er die Häme, die nun ihm und Millie entgegengebracht wurde. Er kämpfte gegen Millies Verärgerung an, brachte das Gefühl der Erleichterung in sein Bewußtsein zurück und fühlte, wie auch Millie davon ergriffen wurde. Sie bedachte Caro und Leonie mit einem kurzen spöttischen Blick. Was sie sagte bekam er nicht mit. Er sah nur, wie Laurentine in den Warteraum eintrat. "Damit, werte Kolleginnen und Kollegen, werte Madame Latierre und werter Monsieur Chaudchamp und Sie, Schülerinnen und Schüler der trimagischen Teilnehmerschulen, stehen die drei Kandidaten fest. Und es wird auch keinen vierten geben. Also sind wir mit der Auswahl fertig. Madame Latierre und Monsieur Chaudchamp werden nun mit den drei Champions besprechen, wann und wo die erste der drei Runden stattfinden wird. Ich bedanke mich bei allen, die sich zur Teilnahme an dem Turnier entschlossen haben und wünsche uns allen ein spannendes, abwechslungsreiches und vorbildliches Turnier."

"Klar, daß die hier mindestens ein Schlammblut in die Auswahl reingeschummelt haben! Wenn schon nicht den Mutanten, dann eine halbe Sauerkrautfresserin ohne Stammbaum!" Entglitt es Charon Blades auf Englisch. Cobbley sah ihn verdutzt an, Lea verächtlich, während die anderen Hogwartianer ihren mitgereisten Kameraden sehr bestürzt anblickten. Kevin öffnete den Mund. Doch Julius ergriff ihn rasch beim Arm und blockte damit was auch immer ab. "Laß dich nicht auf sein Getue ein!" Zischte er Kevin ins Ohr, während alle an den Tischen, die genug englisch konnten immer ungehaltener durcheinanderriefen. Julius fragte sich gerade, wie seltendämlich jemand sein mußte, trotz aller Warnungen so einen Spruch laut abzulassen. Was jetzt kam wunderte ihn daher nicht.

"Malone und Blades zu mir!" Bellte Professor McGonagall auf die beiden Hogwarts-Schüler deutend, die sich im Ton vergriffen hatten.

"Jetzt gibt's wohl einen drachenharten Anppfiff", feixte Gérard, der die Enttäuschung, nicht für sich und Sandrine am Turnier teilnehmen zu dürfen schnell überwunden hatte. Offenbar hatte er nie damit gerechnet, ausgewählt zu werden.

"Könnte sein, daß die beiden die gelbe Karte kriegen. Blades hat sich Louis gegenüber schon das Maul verbrannt. An und für sich sollte das reichen. Aber wer so einen miesen Spruch abläßt, Leute." Robert und Gérard wollten wissen, was der blonde Hogwarts-Schüler denn so böses gerufen hatte. Julius übersetzte es. Gérard zuckte zusammen. Robert verzog das Gesicht und meinte: "Ui, dich und Laurentine gleichzeitig mit dem Unwort beleidigt. Macht schon mal sechshundert Strafpunkte. Du als Pflegehelfer kannst dem deshalb noch mal dreihundert aufpacken, macht neunhundert. Und wenn der echt unsere Schule als Froschfresser-Anstalt bezeichnet hat kriegt der die Undankbarkeitsstrafpunkte, die Madame Faucon Gaston immer wieder unter die Nase gerieben hat auch noch. Ähm, was für'n Bonuspunktekonto bringt der mit?""

"Das in Grad Celsius dürfte Quecksilber zum erstarren bringen", vermutete Julius. Das Getuschel wurde immer lauter. An den Tischen gab es nicht wenige, die Englisch konnten. Bei den Blauen war es vor allem Mesange Bernaud, die ihren Leuten klarmachte, was Blades gerufen hatte.

"Vielleicht darf der seinen Koffer packen, wo der nicht ausgesucht wurde", vermutete Julius nicht ganz ohne Hoffnung auf Genugtuung.

"Dein irischer Heißspornfreund sah so aus, als wolle er den Kelch zerschlagen", meinte Robert.

"Vielleicht hätte der mir auch eine gedonnert, wenn der Kelch mich ausgewählt hätte", vermutete Julius.

"Aber du müßtest doch voll durch den Wind sein, wo die alle sagen, daß du hier supergut zaubern kannst und so", meinte Gérard.

"Enttäuscht, vielleicht ein wenig verwundert. Aber dann doch eher erleichtert. Sicher, ich hätte das Turnier wohl gerne mitgemacht, wenn es in Hogwarts gelaufen wäre. Aber irgendwie hat der Kelch das wohl mitbekommen, daß ich es lieber hätte, noch einmal zuzusehen. Daß Laurentine ja jetzt irgendwie an mich rangekommen ist, was das Zaubertalent angeht, ist ja in Beaux schon viermal rum. Der Kelch mag ihre Entschlossenheit gefühlt haben, für sich und Beauxbatons alles zu geben. Dann war sie natürlich eher zu wählen als ich, der deshalb mitgemacht hat, weil das alle von ihm verlangt und erwartet haben. Ich denke zumindest nicht, daß Madame Faucon mir deshalb Strafpunkte oder sowas verpaßt, wo alle sehen konnten, daß ich den Namen eingeworfen habe."

Wie zur bestätigung kam Madame Faucon an den grünen Tisch, vorgeblich um mit den Hogwarts-Schülern zu sprechen. Dann erreichte sie auch Julius und sagte ihm: "Sie haben von mir nichts zu befürchten, Monsieur Latierre, nur weil Ihre Mitschüler teils spöttisch teils hoffnungsvoll erwartet haben, daß Sie für Beauxbatons antreten. Der Kelch trifft seine Entscheidungen nicht ausschließlich nach befähigung, sondern vor allem danach, ob sich jemand wohl genug fühlt, das Turnier zu bestreiten. Vielleicht haben Sie beim Schreiben Ihres Namens einfließen lassen, daß Sie sich auf für Sie wichtigere Dinge konzentrieren möchten, während alle anderen nur den Gedanken hatten, ausgewählt werden zu wollen. Insofern nichts, was Ihnen zum Vorwurf gemacht werden darf. Allerdings muß ich mit der Kollegin McGonagall gleich noch abstimmen, wie wir mit Ihrem ehemaligen Schulkameraden Kevin Malone verfahren. Derartige Unbeherrschtheiten lasse ich ihm hier nicht durchgehen. Nur, damit Sie, die sie ihn ja besser kennen als ich, wissen, woran er ist." Nach diesen Worten ging sie zum violetten Tisch, wo die meisten enttäuschten Schüler saßen und weinten. Jacques warf Julius spöttische Blicke zu. Er strahlte ihn an, als sei er doch der Schulchampion geworden. Das verwirrte Jacques mehr als jede Verärgerung.

"Was war denn das jetzt?" Wollte Robert wissen, als Jacques sich abgewandt hatte.

"Ich habe dem nur die Zähne gezeigt, Robert. Beim Lächeln geht das am besten", erwiderte Julius darauf. Das brachte Robert und Gérard trotz der Enttäuschung, nicht mitmachen zu dürfen zum lachen.

Die Schüler blieben solange an den Tischen sitzen, bis die fünf trimagischen Richter und die drei Champions aus dem runden Warteraum zurückkehrten. Julius fing den Blick seiner Schwiegermutter auf und lächelte auch sie an. Sie nickte ihm aufmunternd zu und klopfte dann noch jedem der drei Champions auf die Schultern. Gloria und Laurentine kannte sie ja auch schon von Julius' Geburtstagsfeiern. Kevin und Charon waren offenbar zu Zeltarrest verdonnert worden, falls sie nicht schon mal ihre Koffer packen mußten.

Als die Schüler nach diesem ereignisreichen Abendessen den Speisesaal verließen blickte Julius die Hogwarts-Schulleiterin fragend an. Sie nickte und winkte ihm zu. Er eilte zu ihr hin und fragte, ob Kevin jetzt vile Strafpunkte erhalten hatte.

"Sie werden Mr. Malone morgen und bis zum Schuljahresende an Ihrem Tisch begrüßen dürfen. Aber Mr. Blades mußte ich leider vorzeitig die Heimkehr nach Hogwarts anempfehlen. Er hat mich sehr enttäuscht, daß er derartig unkameradschaftlich auftrat und sich gleich am ersten Tag entschieden mit den Mitschülern von Ihnen angelegt hat. Ich werde mit seinen Angehörigen Eulen austauschen, ob er unter Einbeziehung der hier erworbenen Strafpunkte den Rest des Schuljahres in Hogwarts lernen darf oder es nicht besser ist, ihn vorzeitig aus der Obhut der Schule zu entlassen."

"So heftig?" Fragte Julius, der andererseits erleichtert war, sich mit Blades nicht weiter abgeben zu müssen.

"Das liegt im Ermessen von Mr. Blades und seiner Frau Mutter, die ich vor Abreise noch eindringlich darauf hinwies, daß nicht ausgewählte Schüler bei zu hoher Anzahl von Bestrafungspunkten die Wahl zwischen Heimkehr nach Hogwarts oder vorzeitigem Schulzeitende zu erwarten haben. Wir können uns keinen neuerlichen Aufruhr erlauben, nachdem die Zaubererwelt argwöhnisch die Neuauflage dieses Turnieres begleitet. Aber Sie sehen nicht so aus, als hätte die Auswahl sie hart getroffen, ich meine, wo Sie wohl von vielen gehört haben, daß Sie Beauxbatons zu vertreten haben."

"Da kann vielleicht noch was nachkommen. Aber meine unmittelbaren Schulkameraden und Freunde gönnen es wie ich Mademoiselle Hellersdorf. Die hat sich in den letzten Jahren sehr abgestrampelt, gut mitzukommen. Da finde ich, daß sie das mit der Turnierteilnahme krönen darf, egal ob sie gewinnt oder nicht."

"Ich hoffe sehr, daß wir alle bei diesem Turnier mehr Sportsgeist zeigen, als Mr. Blades und Mr. Malone es getan haben."

"Ich bin weder Kevins Kindermädchen noch Rechtsbeistand, Professor McGonagall. Dennoch möchte ich als mildernden Umstand einbringen, daß Kevin beim letzten Turnier den Eindruck bekommen hat, daß es hier in Beauxbatons mit viel Druck und Strenge zugeht. Der Eindruck ist ja auch nicht so verkehrt. Die feste Vorstellung, das Turnier hier für Hogwarts mitmachen zu dürfen war wohl der einzige Grund, warum er überhaupt mitreisen wollte."

"So, dann würden Sie mir raten, Mr. Malone zu einer vorzeitigen Rückkehr nach Hogwarts zu raten, damit er diesem hier vorherrschenden Leistungs- und Verhaltensdruck nicht länger ausgesetzt bleibt?" Fragte Professor McGonagall. Ihre hiesige Amtskollegin sah Julius herausfordernd an. Hatte er jetzt in der Hand, ob Kevin blieb oder als Versager nach Hause geschickt wurde?

"Ich fürchte, ihn vorzeitig nach Hogwarts zu schicken würde seine Ansichten nicht verbessern und ihm zudem noch jede Menge Spott und Hohnn einbringen. Was aus Leuten wird, die nur rumgeschubst wurden und von allen erniedrigt werden sollte uns nach dem Ende der Todesserzeit als warnendes Beispiel dienen. Aber ich kann und darf Ihnen weder Vorschläge machen noch Anweisungen geben." Madame Faucon nickte ihm zu.

"Sofern er nicht die von meinen Kolleginnen und mir festgelegte Belastungsobergrenze an Strafpunkten auf sich zieht ist Monsieur Malone unter dem Dach von Beauxbatons weiterhin willkommen. Allerdings hat er sich dann auch entsprechend anerkennungswürdig zu betragen."

"Gut, dann bleibt es bei den zweihundert Strafpunkten ohne vorzeitige Rückführung nach Hogwarts", bestätigte Professor McGonagall. Sie nickte Julius dann noch zu. Dieser bat um die Erlaubnis, seinen Saalsprecherpflichten nachzukommen. Sie wurde ihm erteilt.

"Und, was macht ihr zuerst?" Begrüßte Julius Laurentine, die Julius erst abbittend ansah. Doch sein Schwung und seine Lockerheit zauberten das glückliche Lächeln auf ihr Gesicht zurück.

"Deine Schwiegermutter sagte uns, daß wir am vierundzwanzigsten November die erste Aufgabe zu erfüllen hätten. Nächsten Samstag ist erst mal die Eichung der Zauberstäbe, was immer das sein soll. Dabei müssen wir Champions auch für Interviews bereitstehen. Diese Kimmkorn kommt aber nicht rüber, oder?"

"Neh, die kommt nicht rüber. Als Turnierreporterin wurde Bettys und Jennas Mutter hergeschickt. Die wohnt wohl zusammen mit anderen Reportern in Paris, weil sie da auch schneller am Ministerium dran ist.

"Gloria war ziemlich sauer, weil dieser Kerl mit dem Blondschopf sie so blöd angemacht hat", meinte Laurentine. "Ich soll dich aber schön grüßen und dir sagen, daß sie gerne auch mit dir die Zauberstäbe gekreuzt hätte."

"Die weiß nicht, wie gut du mittlerweile zaubern kannst", meinte Julius. "Da werden die beiden sich noch umsehen. Der Typ ist übrigens schon beim Kofferpacken. Der wird wohl diese Nacht noch irgendwie nach Hogwarts oder gleich zu seiner Maman nach Hause geflogen. Also wenn's knallt, dann war das vielleicht die Reisesphäre nach Paris."

"Kevin sah ja auch so aus, als würde der explodieren. Bleibt der hier oder darf der auch vorher nach Hause?"

"Wenn er morgen früh noch am Tisch sitzt darf er bleiben", erwiderte Julius orakelhaft. Denn er wußte es im Moment selbst nicht. Wenn Kevin noch irgendwelche dummen Bemerkungen losließ mochte der sich doch noch den Heimflug verdienen. Julius hoffte es aber nicht.

"Irgendwie schon eine komische Kiste. Ich bin hergekommen und wollte möglichst schnell wieder weg, und jetzt darf ich für Beaux das trimagische Turnier mitmachen. Wer immer mir das vor fünf Jahren gesagt hätte, den hätte ich ausgelacht, egal ob Céline oder - na ja, oder Claire."

"Die freut sich ganz sicher, daß du beim trimagischen Turnier mitmachen darfst, Laurentine. Ich freue mich wenigstens für dich."

"Und für Gloria?" Fragte Laurentine.

"Ich gönne es euch allen dreien. Denn wer das Turnier durchsteht und gewinnt hat es verdient. Zumindest hoffe ich, daß nicht wieder wer meint, wen durch die Runden zu manipulieren, um ihn oder Sie jemandem auszuliefern."

"Wem denn", erwiderte Laurentine. Julius erkannte jetzt, was noch zu seiner großen Erleichterung beigetragen hatte. Er sagte: "Es gibt immer noch die Erbin Sardonias. Jetzt wo zwei Hexen im Turnier mitmachen könnte die interessiert sein, wer gewinnt. Aber dann hätte der Kelch Waltraud oder Bärbel auswählen müssen und nicht Hubert."

"Tolle Aussichten. Hoffe nur, daß die nicht zutreffen. Aber danke, daß du nicht aus falscher Rücksichtnahme geschwiegen hast, was diese Bedenken angeht. Ich sehe zu, so gut es geht durch die Aufgaben zu kommen. Weniger als Bronze geht ja bei dem Turnier nicht. Also lande ich auf jeden Fall auf dem Treppchen." Gérard, der zugehört hatte, fragte, was für ein Treppchen gemeint war. Laurentine bat die umstehenden darum, einen Raum von mehreren Metern freizumachen. Dann beschwor sie ungesagt ein klassisches, dreistufiges Siegerpodest in den Grünen Saal. Alle klatschten über diese Materialisationsübung.

"Der Kelch hat dich nicht umsonst ausgeworfen", sagte Julius und nahm damit jedem den Wind aus den Segeln, der meinte, enttäuscht zu sein, daß er nicht mitmachte.

"Tja, Leute, so schnell geht die Zeit um", meinte Céline. "Vor fünf Jahren durften wir Jeanne und Barbara nachwinken, wie sie losgeflogen sind. Jetzt dürfen wir Laurentine anfeuern und unterstützen."

"Ja, genau, Laurentine. Wenn du bei einer Aufgabenvorbereitung Probleme hast sind wir für dich da", pflichtete Julius bei. Laurentine vergoß Tränen der Rührung. Die ehemalige Verweigerin war nun die wichtigste Schülerin von Beauxbatons.

Nachdem Julius und Gérard ihre Saalsprecherpflichten zur Genüge erfüllt hatten brachte Julius Gérard in den Krankenflügel. André wurde gerade von Madame Rossignol entlassen.

"Wie, Bébé Hellersdorf ist Champion und nicht du, Julius. Wie kam denn das jetzt? Hast du 'nen kaputten Zauberstab oder was?" Feixte André.

"Kann ich ja mal ausprobieren. Wie ging der Eselsohrzauber noch mal, der Duraverba-Fluch?"

"Hämm-ämm, Julius, du bist Pflegehelfer und kein Flegel wie der hier", mahnte Madame Rossignol. Dann scheuchte sie André aus dem Krankenflügel.

 

"Dich hat das nicht so runtergezogen wie ich dachte", meinte Millie. "Ich habe sogar was gefühlt, als wolltest du abheben, als hätte der Kelch dich doch ausgesucht."

"Mir sind nur viele Sachen eingefallen, die wichtiger für mich sind als das Turnier, nachdem der Kelch Laurentine ausgewählt hat. Vielleicht hat irgendwas in dem Kelch das auch gemerkt, daß ich deshalb mitmachen wollte, weil es mal wieder von anderen von mir erwartet wurde."

"Laurentine muß dann aber die UTZs nachholen", bemerkte Sandrine, die gerade noch in das mit Gérard geteilte Bad gehen wollte.

"Weiß sie. Vielleicht könnt ihr euch ja absprechen, ob ihr zusammen antretet", nahm Julius den von Sandrine gespielten Ball an. Sie nickte und lächelte.

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