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Julius Andrews - Auf seinem Weg in die Zaubererwelt von Thorsten Oberbossel

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Die nächsten Ferientage waren geprägt von Hausaufgaben und Körpertraining. Millie und Julius legten jeden Tag unter der Aufsicht von Béatrice Latierre Übungsrunden in Vorgeburtsgymnastik ein. Zudem hatte Julius es sich wieder angewöhnt, jeden Morgen mindestens einen Kilometer Dauerlauf zu machen. Dabei traf er immer wieder auf Aurora Dawn, die ebenfalls daran arbeitete, überschüssiges Gewicht abzustrampeln. Um Atem zu sparen ließen es die beiden dann immer bei kurzen Begrüßungen und einfachen kurzen Mitteilungen. Aurora fragte ihn nur einmal, ob er keine Angst habe, nach der Geburt seines Kindes zwar ohne dicken Bauch, aber dafür mit überquellenden Muskelpaketen zurechtkommen zu müssen. Er erwiderte, daß er ja auch Schnellkraftübungen machte und ja vor allem auf Ausdauer ging. Aurora nickte ihm zu und preschte weiter durch den morgentlichen Musikpark. Julius konnte sie nicht so leicht abhängen wie Mitschüler aus Beauxbatons, von den Mädchen aus der Latierre-Familie abgesehen. Sie schnaufte zwar mehr als er, kämpfte aber eisern gegen die zu vielen Pfunde an. Woher sie die hatte hatte Julius einmal gefragt. Sie hatte darauf geantwortet, daß das eben der Preis für ihr zusätzliches Wissen gewesen sei, aber sie jetzt zusehe, die Kilos wieder loszuwerden, genau wie er.

Am Donnerstag gingen Millie und Julius durch die Einkaufsstraßen von Millemerveilles, um für Pina ein Geburtstagsgeschenk zu besorgen. Denn diese würde am zweiten Mai achtzehn Jahre alt. In der Muggelwelt der meisten Europäischen Länder war die Achtzehn ja der Eintritt in die Volljährigkeit. Millie fand in dem Laden, in dem um Weihnachten herum magischer Weihnachtsbaumschmuck verkauft wurde, eine kirschblütenförmige Silberbrosche, die die Trägerin vor sengender Hitze, klirrender Kälte und Durchnässung schützte. Es war eine Weiterentwicklung der Parapluvius-Haarspange, die Millie mal von Julius geschenkt bekommen hatte. Julius, der sich eher auf die geistigen Bedürfnisse und Interessen seiner ehemaligen Mitschülerin konzentrierte, konnte im Laden für magische Werkzeuge und Instrumente ein an einem blauen umhänge Riemen tragbares Teleskop erstehen. Dieses war im eingeschobenen Zustand so kurz, daß es bequem in jede unbezauberte Damenhandtasche paßte, sich jedoch bis auf doppelte Armlänge auseinanderziehen ließ. Die Linsen waren so bezaubert, daß sie das Gleitlichtpatent von Florymont Dusoleil enthielten, was ermöglichte, die Sonne ohne Gefahr für die Augen zu beobachten, aber auch den leuchtschwächsten Stern oder nicht selbst leuchtende Himmelskörper erkennen zu können. Zum anderen konnte das nicht nur für Amateurastronomen praktische Gerät auf ein Stativ gepflanzt werden, das mit über zweitausend Namen von Sternen, Sternbildern, Planeten und Monden vorgeprägt war und das Teleskop auf Zuruf auf den entsprechenden Himmelskörper ausrichtete und sogar selbsttätig nachgeführt werden konnte. Millie besorgte dazu noch die passende Tragetasche und das Buch über die Navigation nach den Sternen.

Am Fraitag besuchten Julius und Millie die Delamontagnes. Virginie war mit ihrem Sohn Roger zu Besuch gekommen und hatte sich die kleine Schwester angesehen. Julius erkannte dabei aber, daß Virginie sich sehr anstrengte, sich nicht zu ärgern. Offenbar gefiel es ihr nicht, daß ihre Mutter noch einmal ein Kind großziehen wollte. Sicher, sie hatte jahrelang als Einzelkind gelebt, bis ihr Bruder Baudouin auf die Welt kam. Aber weil sie ja jetzt selbst Ehefrau und Mutter war, konnte sie sich aus den Angelegenheiten ihrer Eltern noch besser zurückziehen.

"Meine Mutter spielt sehr ernsthaft mit dem Gedanken, auf Madame Madeleine L'eauvites wohl eher nicht so ernsten Vorschlag einzugehen und mit Camille Dusoleil, Ursuline Latierre und besagter Madame L'eauvite einen Club noch einmal Mutter gewordener Großmütter zu gründen", erwähnte Virginie noch, während ihr Erstgeborener Roger mit seinem Onkel Baudouin zusammen im Schachgarten spielte.

"Echt, deine Mutter will mit meiner Schwiegeroma einen gemeinsamen Club gründen?" wunderte sich Julius. Virginie nickte verhalten.

"Wohl eher aus gesellschaftsrelevanten Gründen als aus freien Stücken, weil die anderen Hexen sich wohl schon einig sind und sie nicht als Außenstehende dastehen will, die früher Wasser gepredigt hat und dann doch in aller Öffentlichkeit wein getrunken hat", grummelte Virginie. Julius nickte. Er verstand, was die ehemalige Saalsprecherin der Grünen und Kapitänin der Quidditchmannschaft meinte. Früher hatte sich Eleonore Delamontagne immer über den Eifer Ursulines beschwert, auch im mittleren Hexenalter unbedingt noch Mutter werden zu müssen. Jetzt hatte sie selbst im Alter über fünfzig noch zwei Kinder geboren und damit ihrer eigenen Ansicht ins Gesicht geschlagen.

"Na ja, solange unser Kind nicht schon eigene Kinder mit auf die Welt bringt muß Millie da ja nicht eintreten", sagte Julius.

"Das wäre der absolute Hammer", erwiderte Millie darauf. "Die kleine Tür geht auf, Aurore krabbelt klein aber schon fix und fertig entwickelt heraus und setzt sich nach mir auf diesen Gebärstuhl drauf, weil sie auch schon was Kleines im Bäuchlein hat. Gab es da nicht irgendso eine Puppe aus Rußland, die immer kleinere Puppenbabys in sich drin hat?"

"Stimmt, die Matrioschka", bestätigte Julius. "Geht aber nur, wenn die kleiner und kleiner werdenden Puppen alles Mädchen sind." Virginie sagte dann noch:

"Ich will auch nicht zu sehr über Maman meckern. Immerhin denke ich doch, daß Roger noch ein Geschwisterchen haben wird." Dem wollten Millie und Julius nicht widersprechen.

Am Ostersamstag trafen sich die Latierres mit den jungen Eheleuten Dusoleil bei den älteren Eheleuten Dusoleil. Camille hatte in ihrer freundlichen, aber doch verbindlichen Art darauf bestanden, ein volles Haus zu haben. Womöglich erfreute es sie, als junge Großmutter selbst noch eine Tochter im Kleinkindalter zu haben. Millie sah die über die Wiesen tobenden Kinder Chloé, Viviane und den leicht rauflustigen Philemon an. Julius fühlte, wie sie immer wieder zwischen begeistert und besorgt, vergnügt bis verunsichert schwankte. Das, was Julius mal als Hormonachterbahn bezeichnet hatte, lief bei Millie wohl wieder stärker ab, jetzt, wo es in die letzten Wochen vor Aurores Geburt ging.

"Hallo, Phil, nicht an den Haaren ziehen!" rief Camille ihren neffen zur Ordnung, weil er seiner Cousine Chloé an den langen schwarzen Haaren zerrte, weil sie ihm ihren rosaroten Flauscheball nicht geben wollte.

"Uranie hat sich genial aus der Affäre gezogen", grummelte Florymont Dusoleil. "jetzt, wo sie den Kleinen nicht mehr überall mit herumtragen muß und er auch schon den Topf benutzen kann - wenn er will - sagt der wohl bald Papa zu mir und Maman zu Camille."

"Dieses Astronomietreffen in Chile hätte ich sicher auch gerne besucht. Aber das geht über drei Wochen", seufzte Julius.

"Eh, lass das!" Flaumte Melanie ihren jüngeren Cousin an, weil der sich an ihrem Rock festklammerte.

"Der kommt zu den Roten oder zu den Blauen", grummelte Florymont. Er wirkte nicht besonders begeistert. Julius fragte ihn, was er habe.

"mein werter Schwager, das ist los. er hat Camille und mir gesagt, daß er das alleinige Sorgerecht für Melanie haben will, jetzt wo klar ist, daß sie doch von ihm ist. Camille und ich haben uns mit ihm darüber unterhalten, daß es für sie sicher besser ist, wenn sie in einer intakten Familie zu ende lernt und auch mal einen weiblichen Ansprechpartner brauchen könnte. Da hat er dann gemeint, daß er ja seiner bald Ex-Frau nicht dazu geraten habe, sich nochmal Kinder zuzulegen und er will, daß Melanie nicht ähnlich wird wie sie. Ui, da hättest du meine sonst so frhöliche Angetraute aber mal erleben sollen. Stimmt schon, daß zehn Drachen nicht so heftig sein können wie eine wütende Hexe. Nur der Umstand, daß Emil ihr Bruder ist hat sie davon abgehalten, ihn zum Duell zu fordern."

"Oha, ob sie das gewonnen hätte. Nur mit Wut draufzuhauen macht einen nicht gleich zum Duellgewinner", seufzte Julius.

"Wissen wir zwei, was Camille von ihrer Mutter vor und nach unserer Hochzeit gelernt hat? Na ja, ging auf jeden Fall damit zu Ende, daß Camille ihm empfohlen hat, diesen unsäglichen Streit in den Zeitungen zu beenden, weil ein alleinerziehender Vater, der sich öffentlich über ganz private Dinge streitet, kein gutes Vorbild sei. Sicher ist das verkehrt und auch verlogen gewesen, was Cassiopeia sich geleistet hat. Aber die eigenen Kinder darunter leiden zu lassen ist ebenso verkehrt. Er überlegt sich das noch, ob er uns vor der familienstandsabteilung belangen will, wegen Kindesentziehung. Nur wenn der die Flasche aufmacht, wird Cassiopeia eine ähnliche Beschwerde einreichen, und dann steht es wieder in den Zeitungen."

"Nur im Miroir, Florymont. Gilbert hat sich da bisher gut rausgehalten, zumal es ja echt wichtigere Sachen gibt", verteidigte Julius seinen verschwägerten Verwandten.

"Ich wünsche dir und Mildrid auf jeden Fall, daß ihr zwei ein abwechslungsreiches, aber partnerschaftliches Leben habt." Julius bedankte sich für diesen Wunsch.

"Wenn du mir noch mal am Rock reißt gibt's Heiße ohren, Phil!" Schnaubte Melanie Odin, weil ihr ihr kleiner Cousin fast wieder den knielangen grünen Rock heruntergezogen hätte.

"Phil, laß Mel in Ruhe, die möchte jetzt nicht mit dir spielen!" rief Florymont seinem Neffen zu. Der kleine Dusoleil sah seinen Onkel mit großen Augen an. Er trollte sich, weil er offenbar keinen Spaß mit den Mädchen haben durfte. Melanie zog sich in das Haus zurück. "Aber wenn ich zum Kaffeetisch rufe kommst du doch wieder zu uns raus, oder, Melanie?" verkleidete Camille eine Anweisung als Frage.

"Nur, wenn Tante Uranies Braten aufhört, mir die Sachen runterzureißen. Nachher stehe ich noch puddelnackt da, und das sieht dann wer und blökt das rum, wie die Mutter, so die Tochter, Tante Camille."

"Das wird hier in Millemerveilles keiner über dich sagen, Melanie. Deshalb wohnst du ja bei uns", sagte Camille. Melanie nickte verhalten und ging. Julius sah Philemon an und winkte ihm.

"Na, Phil, will Melanie nicht mit dir spielen. Dann spielen wir zwei." Philemon sah Julius an und strahlte. Julius sah Florymont an. Der nickte ihm aufmunternd zu.

Julius zeigte Phil, wieviel spaß es machen konnte, über die Wiesen zu rennen, sich im Gras zu wälzen und sonst noch dieses oder jenes, was ein erwachsener Mann einem kleinen Jungen im Rahmen der Anstandsregeln beibringen konnte.

"Du hättest dir grünes Zeug anziehen sollen, wie Tante Camille", lachte Millie, während Jeanne fragte, ob er in einem Jahr auch ihren Sohn Belenus so über die Wiesen jagen wollte. Julius, der den laut jauchzenden Philemon gerade auf den Schultern truglachte zurück:

"Ich muß trainieren, um den Speck wieder runterzukriegen, Jeanne." Philemon winkte mit seinen kurzen Armen seinen Verwandten zu. Millie grinste mit ihrem mittlerweile runden Mondgesicht und winkte zurück. Aurore schien von Philemons Gejauchze aufgemuntert worden zu sein. Julius konnte deutlich eine Bewegung im üppig gerundeten Unterleib seiner Frau erkennen.

"Wenn der kleine da unsere Tochter auf die Welt ruft duellieren sich Tante Trice und Hera Matine noch, wer mich am besten hier in Millemerveilles ans Bett bindet."

"Du wolltest doch, daß unsere Tochter mit dir gemeinsam Geburtstag feiert", erwiderte Julius schlagfertig.

"Nur, wenn sie meint, ich sei ihr jetzt langsam zu klein oder zu langweilig oder was immer", grummelte Millie verdrossen. Dann strahlte sie jedoch wieder und sagte: "Du weißt ja zumindest, daß wir ein Mädchen haben werden. Ist aber schön, daß du schon übst, wie du mit unserem ersten Sohn klarkommst."

"Eh, Julius, paß auf, der kleine pullert gerne ohne Vorwarnung", feixte Bruno. "Ich hatte den auch mal auf den Schultern. Da hat der mir doch voll in den Umhang reingemacht."

"Weil du meintest, ihm gleich zwei große Krüge Apfelsaft auf ex vorzutrinken und er meinte, das nachmachen zu müssen", flötete Jeanne, die ihre beiden Jüngsten unter einer eleganten blauen Schürze angelegt hatte.

"Da", sagte Philemon und deutete irgendwo hin. Julius mußte nach oben sehen, um zu erkennen, daß ein Besen angeflogen kam, auf dem César Rocher mit seinen beiden Schwestern Sylvie und Celestine saß. Sylvie machte in diesem Jahr die ZAGs und war anders als ihr großer Bruder und ihre kleine Schwester hochgewachsen und schlank.

"Familienbesen", sagte Julius.

"Onkel César!" Rief Philemon.

"Och joh, ist das dein Onkel?" Fragte Julius vergnügt grinsend und winkte César.

"Tag zusammen. Stine fragt, ob sie Mel besuchen darf und Sylvie will zu Millie."

"Ach, und du hast deine kleinen Schwestern hergeflogen, wo du eigentlich bis morgen früh auf keinen Besen mehr wolltest?" fragte Bruno zurück.

"Oma Laura ist bei uns und hat wieder ihre badewannengroße Kuchenform mitgebracht. Da ich da lieber nicht so zulangen will, bevor wir die Drachen nicht in Ketten gelegt haben, habe ich die zwei mal eben auf Mas und Pas Familienstecken rübergeschaukelt, Bruno. Wo sind deine Kleinen denn. Hast du sie zurückgehen lassen, weil sie zu laut wurden?"

"Neidhammel!" blaffte Bruno. Jeanne lachte nur und sagte:

"Die sind wie du, César, immer hungrig."

"Ich glaube, ich lade meine zwei Nachmieterinnen mal hier ab, damit ich der hier lauernden Versuchung entgehen kann", sagte César und deutete auf das Küchenfenster, aus dem es verheißungsvoll nach gerade backendem Kuchen duftete. Bruno verstand es aber anders und sah Jeanne an. Die schüttelte den Kopf und sagte:

"Wenn ich den auch noch mitfütter verhungern erst unsere zwei und dann ich."

"Eh, so viel esse ich nicht mehr. Eigentlich viel zu wenig für das, was ich unter der Woche und bei den Ligaspielen verheize", maulte César und landete den Familienbesen. Camille ging zu Celestine, die schwungvoll absaß. Daß sie eher einem Quaffel mit Kopf, Armen und Beinen glich tat ihrer Gelenkigkeit überhaupt keinen Abbruch. Das beruhigte Julius und Millie sehr, daß Übergewicht nicht gleich Unbeweglichkeit heißen mußte. Philemon strampelte, weil er zu César hinüberwollte. Julius setzte ihn ab. Er prüfte, ob Uranies kleiner ihm vielleicht vor lauter Vergnügen in den Kragen uriniert hatte. doch der in wenigen Tagen zwei Jahre alt werdende Junge hatte sich gut beherrscht.

"Mel, ich bins, Stine, darf ich zu dir rauf?!" rief Celestine, nachdem sie einige Worte mit Camille Dusoleil gewechselt hatte.

"Joh, kannst du!" rief Melanie erfreut zurück.

"Genau aus dem Grund wohnt Melanie bei uns", mentiloquierte Camille an Julius Adresse. Er gedankenfragte zurück, warum sie ihm das jetzt mitteilte. "Weil ich mitbekommen habe, wie du und Florymont euch drüber hattet, was aus ihr wird", erfolgte die prompte und unüberhörbar laute Gedankenantwort.

Julius begrüßte Celestine kurz. Die beiden hatten sich in Beaux einmal den Jux erlaubt, ihrer beiden Bäuche aneinanderzustoßen. Celestine hatte das offenbar gefallen, während ihre männlichen Klassenkameraden ihm manchmal dumm nachglotzten.

"Wollte Mel keine Kleinkinderspielstunde haben?" fragte Celestine, Als Julius sie vor aller Augen kurz anhob und kräftig umarmte.

"Melanie hat nur einen großen Bruder, genau wie du. Ist für sie anstrengend, mit zwei kleinen Kindern im Haus zu wohnen."

"Wird die nicht dran vorbeikommen, wenn deren Eltern sich wieder klarkriegen, daß die von denen beiden ist", grinste Celestine über ihr Apfelbäckchengesicht. Julius stellte sie wieder auf ihre Füße. Sie klopfte ihm kurz vor den Bauch und meinte, daß der aber so leer klänge wie ein leeres Weinfaß.

"Ui, wenn ich ein ganzes Faß austrinken könnte müßte ich meine Haare rot umfärben und zu Zöpfen drehen", grinste Julius. Celestine fragte nicht warum, sondern antwortete: "Tja, und so'ne komische blau-weiße Streifenhose anziehen. Aber von der Kraft her wär' das bei dir voll in ordnung."

"Sagt meine Frau auch", erwiderte Julius. Dann ließ er Celestine zu ihrer Klassenkameradin Melanie ins Haus gehen.

Julius sah Aurora Dawn, die ungewohnt trübselig am Gartentisch saß. Offenbar freute es sie nicht, dem lebhaften Treiben zwischen Kindern und Erwachsenen zusehen und zuhören zu müssen. Julius fiel wieder auf, daß Aurora offenbar auch ein oder zwei Pfund zugenommen hatte. Er kannte das Wort Frustfressen, wenn jemand irgendwelche Sorgen damit vertreiben wollte, indem er oder sie mehr aß, als wirklich benötigt wurde. Er überlegte, ob er sie mal ansprechen sollte. Denn außer der Begrüßung bei seiner Ankunft in den Ferien und der Begrüßung heute nachmittag hatte er noch nicht lange mit ihr gesprochen. Er sah sie fragend an. Fast hätte er mentiloquiert, ob er zu ihr gehen dürfte. Millie saß gerade mit Sylvie zusammen, während César und Bruno mit dem kleinen Philemon über die Wiese tobten. Aurora sah Julius an und winkte ihm zu. Er ging zu ihr hinüber.

"Hallo, Aurora, ich habe gesehen, daß du nicht so richtig glücklich aussiehst. Ist irgendwas passiert?"

"Direkt zur Sache", erwiderte Aurora Dawn erst etwas verstimmt, mußte dann aber lächeln "Wäre ja auch wohl merkwürdig gewesen, wenn dir das nicht auffiel, wo wir zwei uns ja schon fast sieben Jahre kennen."

"vom Kalender her, aber nicht von der echt verstrichenen Zeit", korrigierte Julius. Aurora mußte darüber grinsen. Dann seufzte sie: "Camille meinte es gut, als sie mich einlud, hier meinen Urlaub zu verbringen. Sie konnte ja nicht wissen, daß ich im Moment wohl eher traurig als fröhlich bin, wenn ich kleine Kinder sehe oder werdende Mütter. An dem, warum das so ist hat sie ja auch keine Schuld."

"Gut, wenn es was ganz privates von dir ist, mußt du mir das nicht erzählen", baute Julius vor, daß er sie nicht aushorchen wollte.

"Sagen wir es so, ich stelle fest, daß mir doch was wichtiges entgangen ist. Ich habe bisher gedacht, meine Arbeit und die Forschungsreisen füllen mein Leben voll und ganz aus. Aber bei meiner Fortbildung ist mir aufgegangen, daß es da doch vielleicht mehr geben könnte, was ich vom Leben haben wollen könnte. du hast bestimmt auch gesehen, daß ich fünf Kilo mehr auf den Hüften habe. Das hängt mit dem zusammen, was ich in den letzten Monaten dazugelernt habe. Über detaillierte Einzelheiten darf ich nichts verraten, weil das zu den Vereinbarungen gehört, denen ich zustimmen mußte. Nur so viel: Etwas in der Ausbildung zu lernen und es zu erleben sind zwei verschiedene Welten. Zumindest habe ich einen anderen Blick auf das bekommen, was ich beruflich mache."

"Und das mit der Rasselbande hier zieht dich gerade so runter?"

"Das, und daß ich das mitkriege, wie Kinder vor, kurz nach und weit nach der Geburt einem immer noch was neues abverlangen. Wie du gerade mit Camilles kleinem Neffen getobt hast ist das ja auch nicht so alltäglich bei dir. Du hast mal einfach was gemacht, ohne fragen zu müssen, was es dir oder sonst wem bringt. Und das ist das, was ich mich in den letzten wochen wieder frage, was bringt wem was, was ich mache. Gut, ich habe die Antwort, daß das was ich mache wichtig und geachtet ist und viel mehr Leute sich freuen, wenn ich komme, als sich drüber zu ärgern, wenn ich ihnen bei diesem oder jenem Anweisungen erteilen muß. Ich denke aber, wenn ich die letzten fünf Kilogramm Übergewicht losgeworden bin, bin ich auch wieder im Einklang mit mir und dem, was ich tue."

"Ohne dir abzuverlangen, was zu erzählen, was du nicht darfst", setzte Julius an, "war diese Weiterbildung verpflichtend oder wolltest du sie machen?"

"Zweites, Julius. Aber wie und bei und mit wem genau darf ich nicht erzählen. Eben nur, daß ich dabei wieder daran habe denken müssen, daß Arbeit alleine nicht das Leben ist. Du kannst überaus froh sein, daß du die Chance hast, alle Facetten des Lebens schon so früh kennenlernen zu dürfen und dich nicht dazu verleiten lassen kannst, nur für die Arbeit und das Lernen zu leben. Das wissen wir ja beide, daß dies durchaus hätte passieren können, daß du nur hinter Büchern gesessen hättest. Dann wärest du womöglich schon mit den UTZs durch und stecktest voll im Ausbildungs- oder Berufsalltag. Na ja, ich bin ja nicht die einzige aus meinem Jahrgang, die sich voll in die Arbeit hineingeworfen hat. Aber, als ich Bill Huxley kennengelernt habe und mit ihm sehr kurzweilige Monate verbrachte und wenn ich junge Eltern erlebe, denen ich bei Geburt und Pflege ihrer Kinder helfen kann kommt mir immer die Frage in den Sinn, ob ich irgendwann auch ohne Kinder und Enkelkinder aus dem Beruf austrete wie meine Vorgängerin Melissa Thornapple. Aber der Heilerkodex macht das nicht einfach."

"Hmm, ich habe mittlerweile gehört, daß bei einer mehr als zwei Jahre betriebenen Niederlassung die Überprüfung möglicher Ehepartner bei Heilern nicht mehr so strickt gehandhabt wird", sagte Julius darauf.

"Stimmt, haben mir meine älteren Kolleginnen auch erzählt. Aber im Endeffekt läuft das darauf hinaus, wie weit du deinen Partner oder deine Partnerin zum Gegenstand einer halböffentlichen Untersuchung werden lassen möchtest. Abgesehen davon könnte was meine künftigen Kinder angeht der Ausflug in das Dorf Resting Rock mir das verdorben haben. Mein Körper ist zwar fähig, gesunde Kinder auszutragen und zu gebären, sagen die letzten Untersuchungen, denen ich mich unterzogen habe. Aber ob meine Eizellen gesunde Kinder entstehen lassen ist fraglich. bisher habe ich mich nicht getraut, daß eindeutig untersuchen zu lassen, zumal die Forschung auf dem Gebiet an die Grenzen des Heilerkodex stoßen dürfte. Denn dann müßte ich eine meiner Eizellen außerhalb meines Uterus' befruchten und aufkeimen lassen. Und soweit ich weiß ist das auch in der Muggelwelt ein sehr kontrovers diskutiertes Gebiet."

"Will sagen, du müßtest in Kauf nehmen, das so gezeugte Kind zu kriegen und großzuziehen, auch wenn schon weit vor der Geburt klar wäre, daß es schwere Erbschäden hätte?" Fragte Julius.

"Gut, in der Medimagie und vor allem in der Magigynäkologie können einige für das Kind schädliche Auswirkungen bereits vor der Geburt auskuriert werden oder nach der Geburt durch Magichirurgische Eingriffe behoben werden. Aber diese Strahlung da in Resting Rock, die meine Mentorin und ich als Radiointoxikation benannt haben, kann so viel passieren. Meine Mentorin sagt zwar, daß ich nicht so lange der Strahlung in Resting Rock ausgesetzt war wie sie. Aber wo die Grenze liegt, bis wohin etwas unschädlich ist und dann übergangslos schädigend wird wissen wir noch nicht. Anders als die Heilkundler der Muggelwelt dürfen wir das auch nicht so einfach erforschen. Wir dürfen keine Embryonen außerhalb einer Gebärmutter ausreifen lassen. Aber sobald ein befruchtetes Ei in der Gebärmutter einer Frau mit und ohne Magie eingenistet ist gilt es als vollwertiger Mensch mit allen Rechten auf sein Leben, aber eben auch mit dem Recht an einem unversehrten Körper. Und künstlich und wissentlich kranke Menschen zu erzeugen verstößt ebenso gegen die Heilerdirektiven. Oh, ich wollte dich nicht mit zu viel Regelwerk überladen", sagte sie, als sie Julius leicht betrübtes Gesicht sah.

"Ja, das ist auch in der Muggelwelt ein sehr heiß umstrittenes Thema. Seitdem es möglich ist, daß auch die Paare Kinder haben können, bei denen das nicht auf natürlichem Weg geht, wird immer wieder gefürchtet, daß wir in Zukunft nur noch die Kinder großwerden lassen, die von oben verordnete Normen oder von den Eltern erwünschte Voraussetzungen erfüllen. In China würden die Paare lieber Jungen als Mädchen haben, weil die da nur ein Kind pro Ehepaar haben dürfen und deren Traditionen ohne unseren Gleichberechtigungsgedanken auskommen. Seitdemich in Bokanowskis Monsterburg war denke ich auch sehr kritisch über das, was geht und das, was richtig ist nach."

"Genau aus dem Grund sind unsere Heilerstatuten so streng, weil es in der Magie viel früher möglich wurde, am Leben von Tieren und Menschen herumzupfuschen. Sicher sind manche Erkenntnisse aus ähnlichen Experimenten erschlossen worden. Aber die grundsätzliche Frage ist doch immer: Wie hoch schätzen wir das reine Leben und seine natürliche Entfaltung ein? Die Muggelärzte haben die Tür zur künstlichen Befruchtung aufgemacht und sind in den dahinterliegenden Raum hineingegangen, ohne sich darüber klarzuwerden, welche große Verantwortung sie damit übernommen und als Erbe für künftige Generationen angehäuft haben. Aber bevor wir zwei in eine ethische Grundsatzdiskussion ausufern und ich dir meine Trübsal auflade nur noch so viel: Ich freue mich jedenfalls, daß du deinen Weg in unsere Welt gefunden hast und daß ich dir dabei zusehen darf, wie du mit dem, was du bisher gelernt hast vernünftig aber auch freudig umgehst."

"Ich habe ja wissen wollen, was dich gerade umtreibt, ohne in deine Berufs- oder Privatgeheimnisse eindringen zu wollen", sagte Julius. "Deshalb mußt du dir keinen Vorwurf machen, du hättest mich irgendwie runtergezogen oder sowas."

"Das war und ist auf jeden Fall nicht meine Absicht, dich seelisch runterzuziehen", erwiderte Aurora nun doch wieder etwas fröhlicher. Julius nickte ihr zu. Sie fragte ihn dann noch, wie er mit der Doppelherausforderung lebte, die UTZs zu schaffen und gleichzeitig Millie zu helfen, die Schwangerschaft gefühlsmäßig zu bestehen. Er erzählte ihr dann, daß es für ihn schon anstrengend sei, aber er sich in den Monaten, die Millie und er jetzt auf das kleine Mädchen warteten, darüber klargeworden sei, daß es ja um etwas ging, das von ihm sei und das ihm Leute wie Umbridge, Tom Riddle und Bokanowski ja nicht gegönnt hatten.

"Auf jeden Fall lebt ihr beide hier sicherer als die Leute in den Staaten, die Probleme mit dieser Entomanthropenkönigin hatten oder die bei uns, die immer damit rechnen müssen, daß ein unnsicheres Uranbergwerk diese Strahlung in die Umwelt abgibt."

"Sag das besser nicht zu Madame Eauvive oder meiner Schwwiegerverwandtschaft, wo die an der Loire in Nachbarschaft zu Atomkraftwerken leben. Abgesehen davon haben die damals bei dem Unglück von Tschernobyl auch einiges an Strahlung abbekommen, auch wenn britische und französische Muggel immer gerne behaupten, die Wolke wäre an der Landesgrenze gestoppt worden, was absoluter Quatsch ist, weil so eine Aschewolke sich nicht an Grenzverläufe hält und zudem keine Schilder lesen kann. Meine Schwiegergroßmutter hat gerade vier gesunde Kinder bekommen. Eleonore Delamontagne hat auch ihre zweite Tochter. Ich habe eine Schwägerin, die diesen Mai drei Jahre alt wird. Die sind alle soweit ich das von außen her beurteilen kann gesund. Ja, und das Camille mit vierzig Jahren auch noch eine gesunde Tochter bekommen hat kriegen wir alle hier ja mit."

"Das ist wohl wahr", lachte Aurora Dawn. Julius freute sich. Dann überkam ihn eine gewisse Verärgerung, die nicht in ihm selbst entstand. Er entschuldigte sich sofort, weil er wohl sehr verknirscht dreingeschaut haben mochte. "Das ist mein größter Parcours in diesem Jahr, klarzukriegen, wie ich mit Milies Gefühlsschwankungen klarkomme. Aber sie hat mir ja geholfen, als das mit den Schlangenmenschen passiert ist. Da ist das nur anständig, wenn ich ihr jetzt helfe."

"Wenn du und sie in hundert Jahren noch so füreinander fühlt und eintretet steht dir eine sehr aussichtsreiche Zukunft bevor", hoffte Aurora Dawn. Dann trug sie ihm auf, sich noch mal bei Millie zu bedanken, weil sie ihrer Tochter die französische Abwandlung ihres Vornamens geben wollte, was ja wohl eher eine Dankbarkeitsbekundung an ihn und die australische Heilerin sei. Julius versprach es.

"Millie winkt dir zu. Aber sie ist zumindest so rücksichtsvoll, dich nicht einfach von mir wegzurufen. Ich denke, du hast jetzt auch genug von meinen düsteren Gedanken abbekommen." Julius sagte dazu nur, daß er es ja wissen wollte und jetzt wisse. Dann ging er zu Millie hinüber.

"Ich hab's gemerkt, daß du wohl von meiner Wut was abbekommen hast, Julius. Aber ich wollte das jetzt nicht unterdrücken", setzte Millie an.

"Hat Sylvie dich irgendwie wütend gemacht?" fragte Julius.

"Nö, die hat mich nur gefragt, wie sie mit muggelstämmigen reden muß, die von ihren Eltern gesagt bekamen, nichts mit einer Hexe anzufangen. Sie wollte mir aber nicht sagen, wen sie konkret meint. Also habe ich ihr gesagt, daß ich im Moment keine Saalsprecherbrosche trage und ich mit dir kein Problem gehabt hätte, als du gemerkt hast, wie viel mehr du vom leben hast, wenn du deinen eigenen Weg findest und der von ihr heimlich oder unheimlich angebetete das auch lernen müsse, wenn er Spaß am leben haben sollte. Richtig wütend geworden bin ich wegen Mels Vater. Jeanne hat mir gesagt, daß der jetzt meint, sie für sich alleine haben zu wollen und der behauptet hat, sie würde sonst keinen anständigen Umgang haben. Na ja, wenn Aurore erst mal aus mir rausgekrabbelt ist kriege ich das wohl wieder rein, mich nicht über so Typen aufzuregen, die meinen, einem vorquatschen zu müssen, wie jemand zu leben hat und dann selbst danebenhauen."

"Hmm, ob das jetzt so gut von Jeanne war, dir das zu erzählen?" fragte Julius.

"gut nicht, aber richtig, Julius. Fang jetzt nicht kurz vor der Geburt von Aurore an, mich doch noch überzubehüten. Ich will das nicht, wie du ganz genau weißt." Julius nickte. Er fühlte wieder eine gewisse Verärgerung von ihr ausgehen. Zurückrudern wollte er aber nicht. Deshalb sagte er noch: "Ich meine das auch so, daß Melanie es schon schwer genug hat mit ihren beiden Eltern, die sich gerade selbst nicht richtig klarkriegen. Was das mit dem Anstand angeht, so gibt es leider zu viele Leute, die Wasser predigen und dann heimlich Wein trinken. An so Leute müssen wir uns wohl gewöhnen, auch wenn wir sie nicht mögen müssen."

"Deshalb sei froh, daß du bei uns Latierres in die Familie eingeheiratet hast, Julius und nicht bei der Familie von Cassiopeias Seite her."

"Du meinst, ich hätte Melanie heiraten können?" fragte Julius und erkannte, daß das Melanie gegenüber jetzt gerade unfair war.

"Nicht bei der dann zu kriegenden Schwiegermutter, Julius", ging Millie darauf ein. Da konnte Julius nur zustimmend nicken.

Bei Kaffee und Kuchen sprachen sie dann alle zusammen über die Sachen, die sie in Millemerveilles noch so erleben wollten. Morgen stand ja das große Duell zwischen Corinne und Janine an. Aurora wollte zusehen, einige Alraunen aus Millemerveilles zu kaufen, um sie in ihre Zuchtlinien einzukreuzen. Dann ging es noch um die ganzen neuen Kinder, die schon auf der Welt waren und darum, ob UTZs anstrengender vorzubereiten waren als ZAGs. Sylvie, die von Camille mit eingeladen worden war, fragte Julius keck, ob er nicht auch die UTZs später machen wolle, wie Millie.

"wenn ich schon so früh Papa werde, dann will ich auch wissen, ob ich schon was für das Kind zurücklegen kann, Sylvie."

"Hat Melanies Vater sicher auch mal so gesagt", feixte Sylvie. Ihre Schwester Celestine entgegnete darauf sofort: "Ey, Sylvie, kümmer dich bitte um deine eigenen Sachen und lass Mel in Ruhe!"

"Ui, wolltest du sie im Mai auf deinen Besen heben, Stine. Dann solltest du aber noch mal über die Hexenwerbung nachlesen", versetzte Sylvie.

"Steck's dir wohin, Sylvie", knurrte Celestine, während Camille die beiden Schwestern sehr ernst ansah. Dann sagte sie ruhig aber unmißverständlich:

"Mädchen, es ist schön, daß euch nicht egal ist, was die jeweils andere macht oder denkt! Das habe ich bei allen meinen Töchtern ja auch sehr gerne, daß sie sich aussprechen. Aber wenn ihr jetzt auch noch in diesem schon viel zu heftig brodelnden Kessel herumrührt, den Melanies Vater aufgesetzt hat, dann sage ich als Melanies Patin und momentan Fürsorgebeauftragte, daß ich das nicht haben möchte. Ihr könnt euch gerne herumkäbbeln, balgen oder anschreien, wie das unter Schwestern möglich ist. Aber was mit Melanie passiert oder nicht passiert überlaßt ihr bitte ihr, meinem Mann und mir! Danke für eure Aufmerksamkeit!"

"Sylvie ist doch nur so biestig, weil die sich nicht in die lange Reihe stellen will und nicht echt packt, daß Endora sich schon mehr ausgerechnet hat als sie."

"Ey, nicht den Drachen am Schwanz ziehen", knurrte Sylvie Melanie an. Julius wußte jetzt auf jeden Fall, wen Sylvie umgarnen wollte. Das konnte noch was geben! Camille sah ihre Nichte mit ihren dunkelbraunen Augen sehr streng an, sagte aber nichts. Das reichte bei Melanie offenbar, um nicht weiter über Sylvie Rocher herzuziehen.

Sie unterhielten sich auch über das trimagische Turnier und ob in der dritten Runde noch einmal ein Labyrinth vorkommen mochte.

Nach dem Kaffeettrinken durften die Kinder wieder spielen gehen, während sich die Erwachsenen, zu denen Millie und Julius ja auch schon gezählt wurden, über die Zaubererweltpolitik unterhielten. Julius hörte genau hin, inwieweit die Bedrohung durch das Vampirreich Nocturnia schlimmer oder erträglicher geworden sei.

Um sieben holte Laura Rocher, Sylvies und Celestines Großmutter, die beiden Mädchen wieder ab, da sie zusammen abendessen wollten. Celestine sagte Melanie, daß sie ihre Eltern fragen würde, ob sie am nächsten Tag zu ihr zu besuch kommen dürfe. Laura Rocher verabschiedete sich dann noch von allen und meinte zu Julius, daß er jetzt wohl die bestmögliche Figur für einen Hüter habe, nicht zu kurz und nicht zu schmal. Er meinte, daß er lieber weiter Jäger spielen würde, wenn er nach Beauxbatons im Freizeitbereich weiterspielen konnte. Sie lachte dann nur und winkte noch einmal.

Nach einem mehrgängigenAbendessen, bei dem Millie wieder ordentlich zulangte und Julius sich arg anstrengtte, ihren Appetit nicht zu kopieren, machten die Hausbewohner und ihre Gäste noch ein wenig Musik im Garten. Die ganz kleinen Kinder schliefen derweil im Wohnzimmer. Um zehn Uhr brachte Jeanne die Latierres auf ihrem fliegenden Teppich zurück zum Apfelhaus, bevor sie mit ihrer Familie in ihr eigenes Haus zurückkehrte.

"Was ist mit Aurora Dawn, daß dich so runtergezogen hat?" Wollte Millie von ihrem Mann wissen, als sie im Bett lagen. Er erzählte ihr, was Aurora ihm erzählt hatte. Millie meinte, daß sie offenbar langsam wissen wollte, ob es da noch mehr im Leben gebe. Julius hatte jedoch eine andere Vermutung.

"Sie hat es mir nicht bestätigt und wird das auch nicht tun, Millie. Aber so, wie sie zugelegt hat hat sie vielleicht für jemanden anderen mal mitgegessen, wenn du verstehst, was ich meine."

"Transgestatio-Zauber?" fragte Millie leise, obwohl die Schallschluckvorhänge zugezogen waren. Julius machte nur "Mmmhmm." "Oha, dann hätte sie echt mal für einen oder zwei Tage das Gefühl kriegen können, daß sie ein eigenes Kind haben möchte. Ich weiß ja nicht, wie lange die beim üben das Kind einer Kollegin tragen dürfen oder müssen. Tante Trice meinte dazu nur, daß die da sehr strickte Regeln hätten. Klar, daß sie das dann, wenn sie es gemacht haben sollte, keinem Außenstehenden was drüber erzählen darf, weil das ja dann auch die Privatangelegenheiten der entsprechenden Kollegin betrifft. Ich hätte da auch was gegen, wenn Tante Trice meint, ich dürfe noch nicht selbst gebären und würde unsere Aurore in sich rüberholen und dann rumtratschen, daß ihre Nichte zu klein für ein eigenes Kind ist."

"Da ist schon eine dieser Regeln, Mamille. Wenn eine Hexe ein Kind aus ihrem Leib heraus zur Welt bringt, dann ist sie die rechtliche Mutter, Mater de Jure, wie es im Zaubererweltrecht heißt."

"Stimmt, hat Tante Trice ja auch erzählt, als sie meinte, daß sie Oma Line damit gut in der Spur gehalten hat. Aber ich bin froh, daß unsere Kleine sich bei mir bisher so wohlgefühlt hat. Und wenn Constance ihre Kleine in Beaux kriegen durfte, dann darf ich, wo ich's ganz bewußt drauf angelegt habe, dein Baby zu haben das auch", sagte Millie und nahm Julius' Hand, um sie dorthin zu legen, wo ihre Tochter noch sicher und warm auf ihr eigenes Leben hinwuchs. Er wußte, daß Aurore wohl schon einiges von der Außenwelt mitbekam. Was mochte sie im Moment fühlen? Fühlte sie sich noch wohl oder empfand sie ihre schützende Aufbewahrung bereits als zu klein, wie er es in den Träumen von den Geburten Janines, Belenus', Blanche, Faunus, Linda und Adonis vermittelt bekommen hatte? Vielleicht träumte er ja noch einmal von ihr.

"Jeanne wird mir morgen ihren Lärmschluckumhang ausleihen, damit mir Aurore nicht beim Schnatzfang der Mercurios aus dem Unterbau herausspringt", sagte Millie noch, während sie es genoß, wie Julius ihren Bauch streichelte und sogar merkte, wo der Kopf der Kleinen gerade lag. Aurore hatte sich noch nicht in die Beckenendlage gedreht.

"Ist wohl besser, Mamille", wisperte Julius. Millie sagte dann noch, daß sie jetzt besser schlafen wolle. Julius wünschte ihr und der gemeinsamen Tochter eine gute Nacht. Sie bugsierte einige Kissen so, daß sie bequem und gut gepolstert liegen konnte. Julius drehte sich ebenfalls so, daß er schlafen konnte. Sein eigener überreichlich genährter Bauch störte ihn zwar beim Finden einer guten Einschlafhaltung, aber irgendwie mußte es gehen, wenn Millie das nun acht Monate durchgestanden hatte.

 

__________

 

Die Miniaturversion von Temmie muhte sie pünktlich um sieben wieder aus dem Schlaf. Sofort begannen die von Julius mitgenommenen gemalten Musikzwerge ein flottes Morgenlied anzustimmen. Vier lispelnde Stimmen riefen "Frohe Ostern!!" Julius stand zuerst auf. Erst berührte er das pralle Euter der Mini-Temmie, damit sie Ruhe gab. Dann sah er die vier lustigen Osterhasen auf dem von Claire gemalten Kalenderbild, wie sie sich viele bunte Eier zuwarfen und damit jonglierten, ohne daß ein Ei zu Boden Fiel. Er zog die Fenstervorhänge auf, um das Morgenlicht einzulassen und sah für einen Moment Dustys mondlichtfarbene Augen. Millies Knieselkater aus den vereinigten staaten suchte wohl gerade sein regendichtes Häuschen, das Florymont für ihn in einen der stehenden Bäume gehängt hatte. Im Sommer würde Goldschweif XXVI. mit Julius zusammen aus Beauxbatons abreisen. Eigentlich hätte er sie jetzt schon mitnehmen können. Doch er wollte, daß sie ihre drei jüngsten Kinder noch als selbständige Kniesel erlebte.

Julius machte für sich und Millie Frühstück und brachte es ans Bett, weil Millie offenbar nicht so recht aus den Federn wollte. Konnte es sein, daß Aurore noch einmal alles aus ihrer Mutter zog, was möglich war, bevor sie zur Welt kam.

Um Viertel nach neun rief Jeanne einen der Sätze, der die magische Türglocke zum läuten brachte.

"Bruno ist mit César und den anderen schon zum Feld hin. Ich bin deshalb früher hier, damit Millie den Umhang anprobieren kann. Kannst du solange die kleinen halten?" begrüßte Jeanne Julius.

"Halten geht", sagte Julius.

"Was sonst anfällt kommt erst später dran", sagte Jeanne. Damit gab sie Julius die beiden schon gut gewachsenen Zwillinge Janine und Belenus in die Arme. Dann flötete Jeanne: "Millie, ich bin da!"

Die beiden jungen Hexen zogen sich in die Wohnküche zurück, während Julius im großen runden Empfangsraum die kleinen Dusoleils in den Armen wiegte. Er sang ihnen leise ein paar Wiegenlieder aus seinem Geburtsland vor. Ja, es war schon erhaben, neues Leben zu umsorgen, erkannte er. Irgendwie beruhigte ihn das sogar auch innerlich. Vielleicht lag es auch daran, daß die beiden kleinen gerade satt und frisch gewickelt waren und eben jetzt nur schlafen wollten, nachdem es ja am letzten Nachmittag so lebhaft um sie herum zugegangen war.

"Juhu, der paßt mir", hörte Julius seine Frau aus der Wohnküche. Dann kamen Jeanne und sie die Treppe herunter. Jeanne setzte den beiden noch flauschige Mützen auf, auf denen Julius Runen für Schutz und Hören erkannte.

Auf dem persischen Flugteppich, den Jeannes Großmutter Aurélie Regenbogenprinz genannt hatte, ging es im sanften, nicht zu eiligen Flug zum Quidditchstadion von Millemerveilles, das als einziges von der Weltmeisterschaft übriggeblieben war. Jeanne hatte über Bruno Karten für die Ehrenloge für ihre Familie, Aurora Dawn und die Latierres erhalten.

Es waren bereits über tausend Zuschauer im Stadion, die mit Tröten, Trompeten, Pauken, Trommeln, rasseln oder Picoloflöten einen ordentlichen Lärm veranstalteten.

Die Sitze der Ehrenloge waren immer noch so exzellent gepolstert, daß Julius meinte, auf einer Federwolke zu sitzen. Jeanne legte sich ihre beiden jüngsten Kinder so zurecht, daß sie sie jederzeit unter ihrer blauen Stillschürze verschwinden lassen konnte. Camille setzte sich mit ihrem Mann links von Julius. Denise und Melanie durften sich zu Véronique Dumas setzen, die mit ihrer Familie und ihrem Schwager Gérard ebenfalls in der Ehrenloge sitzen durfte. Sandrine hatte von ihren Eltern ebenfalls einen Lärmschutzumhang bekommen. Hera Matine war mit ihrer hier lebenden Verwandtschaft auch zugegen. Eleonore Delamontagne ließ sich jedoch nicht blicken. Nur ihr Mann war mit dem kleinenBaudouin hergekommen. Dann sah Julius noch die Eltern von Corinne Duisenberg zusammen mit den Eltern von Patrice die Ehrenloge betreten. Patrice hatte ja unbedingt in Beauxbatons bleiben wollen. Julius dachte sich da seinen Teil, hütete sich jedoch, vor den Duisenbergs was dazu zu sagen.

Viele weitere Zuschauer strömten durch die vier Zugänge ins Stadion. Julius dachte daran, wie er im letzten Sommer mitgeholfen hatte, Gäste aus der ganzen Welt betreuen zu können. Er dachte an die großen Spiele, die er in diesem Stadion gesehen hatte und erinnerte sich auch daran, wie er an seinem ersten Tag in Millemerveilles selbst über dem ovalen Feld seine Quidditchkünste gezeigt hatte. War das echt schon so lange her?

Monsieur Antoine Castello, ein ehemaliger Quidditchprofi, dessen Markenzeichen ein zum Zopf geflochtener Bart war, postierte sich, nachdem alle Ehrenlogenbesucher ihre Plätze gefunden hatten, an der Brüstung des Logenhäuschens. Mit "Sonorus" bezauberte er seine Stimme so, daß sie nun lautstark und überall vernehmbar erklang. "Ich begrüße euch und Sie alle an diesem herrlichen Ostersonntag zu einer wahrhaft wegweisenden Begegnung der Quidditchliga."

Die über zwanzigtausend Zuschauer johlten und klatschten. Die Fans in roten Umhängen mit goldenen Drachenköpfen darauf riefen rhythmisch "Dijon Drachen! Dijon Drachen!" Fans, die Kleidung und Fahnen in Gelb mit demAufdruck eines goldenen geflügelten Stifels trugen riefen "Mercurios! Mercurios!" Obwohl sie für die Heimmannschaft waren, bildeten sie den kleineren Fanblock. Die Dijon-Anhänger stellten fast die Hälfte der Zuschauer. Der Rest trug neutrale Kleidung und wollte wohl nur ein spannendes Spiel sehen.

"Ich begrüße die Anhänger der Dijon Drachen." Die erwähnten johlten noch lauter. "Ebenso freue ich mich, die Freunde und Unterstützer der Millemerveilles Mercurios in so großer Zahl begrüßen zu dürfen." Jetzt johlten die in den gelben Umhängen. "wie es sich gehört möchte ich zunächst die Mitglieder der Auswärtsmannschaft begrüßen: Clavier, Monier, Dubois,Fontchamp, Pontier, Morelle uuuuund Duisenberg!!" Die Drachen-Fans schwenkten ihre Fahnen, die unvermittelt zu weißblauen Feuerwolken wurden. Blasinstrumente, die das laute Brüllen wie von wilden Raubtieren imitierten, rüttelten an den Ohren aller Zuschauer. Julius sah die Spieler in den feuerroten Umhängen, die goldenen Drachenköpfe auf Brust und Rückenteil. Er las die Namen der Aufgerufenen. Ganz zum Schluß fegte Corinne Duisenberg aus der Luke im Spielfeld. Sie winkte mit ihren kurzen Armen in den roten Fan-Block. Die zu Feuerwolken mutierten Fahnen glühten noch einmal richtig auf. Aus einer Sechsergruppe löste sich ein rotgoldener, jedoch geisterhaft durchsichtiger Drache mit mächtigen Zacken auf dem Rücken und speergleichen Stacheln an der Schwanzspitze. Das geisterhafte Abbild eines Drachens wuchs auf wohl zehn Meter Größe an und flog über alle Köpfe hinweg mit den Spielern eine Runde. Dann stieß es adlergleich auf die sechs Fans, drei Hexen und drei Zauberer, hinunter und flog dabei in einer Wolke aus rotgoldenen Flammen auseinander. Diese hüllten die sechs Abbildbeschwörer ein und erloschen dann.

"Das Hexdragon", erklärte Millie. "Habe die seit fünf Jahren nicht mehr in Aktion erlebt." Julius erinnerte sich, daß es von der Mannschaft her eine Sechsergruppe gab, die bei der Begrüßung ihrer Mannschaft und erzielten Toren diesen rotgoldenen Drachen projizierten, der eine Mischung verschiedener reiner Drachenrassen nachbildete.

"Und nun, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, Freundinnen und Freunde des rasanten Besensports, begrüßen Sie mit mir die in dieser Saison unbesiegte Heimmannschaft: Dusoleil, Leblanc, Dimanche, Pommerouge, Laroux, Rocher uuuuuund Dupont!!!" Julius sah Dorian Dimanche, mit dem er einen Sommerferienkurs lang Verteidigung gegen dunkle Künste in Millemerveilles gelernt hatte. Julius fragte sich, warum Dorian nie bei den Spielen seiner Hausmannschaft aufgetreten war. Da war doch einiges, was ihm wohl entgangen war. Er suchte Elisa Lagrange in der Gruppe der Lagranges, bei denen auch Belisama war. Elisa winkte nach oben, wo Dorian gerade die zweite Ehrenrunde hinter Bruno Dusoleil flog. Janine Dupont, die Heldin der Weltmeisterschaft, winkte ebenfalls mit beiden Händen ins Publikum, während die Anhänger der Mercurios aus ihren Zauberstäben goldene Lichtfontänen in den Himmel schickten.

"Die Schiedsrichterin der heutigen Begegnung ist die langjährige Hüterin der Lyon Wölfe, Madame Urielle Montpelier!" rief Monsieur Castello die Schiedsrichterin auf das Feld. Julius sah eine bald zwei Meter hohe, ebenso breite Erscheinung im schwarzen Umhang, die ohne die eindeutig weiblichen Wölbungen unter dem Umhang auch als glattrasierter Mann hätte gelten können. Sie besaß weizenblondes Haar, das jedoch gerade so lang war, daß es ihr in den Nacken reichte. Vom Gesicht her wirkte sie wie die fünfzig Jahre ältere Ausgabe von Callisto Montpelier. Also war es wohl deren Großmutter oder Großtante.

die Schiedsrichterin stellte die mitgebrachte Kiste ab und wies die Kapitäne an, sich zu begrüßen. Bruno schüttelte dem bohnenstangengleichen Albert Clavier die Hand. Dann stellte er sich zu seinen Jägerkollegen an die flugbereiten Besen. Madame Montpelier ließ den Schnatz aus der Kiste. Auf den kleinen goldenen Ball mit vier Silberflügeln kam es an. Dann gab sie die beiden schwarzen Bälle frei, die die jeweiligen Gegner an Vorstößen hindern sollten und sie womöglich von den Besen zu werfen. Danach zählte sie das Spiel an. Als sie in ihre Trillerpfeife blies ließ sie den scharlachroten Quaffel nach oben schnellen. Sofort waren alle sechs Jäger auf dem Weg, sich den Spielball zu holen.

Die ersten zwei Minuten verliefen mit schnellem Formationsspiel. Die Jäger schafften es nie so recht, den roten Ball durch einen der Torringe zu bringen. Entweder blockierten die Jäger der Dijon Drachen den Vorstoß Brunos und seiner Jägerkollegen, oder César Rocher prellte die Torwürfe von Clavier und Kollegen ins Spielfeld zurück. Erst als die dritte Minute verstrichen war gelang Dorian Dimanche das erste Tor der Partie. Die Fans der Mercurios jubelten lautstark.

Mit dem Rückstand erwachte bei den Gästen aus Dijon der Hunger nach Ausgleich und Führung. Sie schalteten förmlich zwei Gänge höher und beließen es nicht bei reinem Zupassen, sondern stießen immer gleich bis zum gegnerischen Tor vor. Doch ganz hinten war César auf seinem Posten, die sichere Bank der Mercurios. Dorian Dimanche blieb jetzt vor César, während Bruno mit seiner Jägerkameradin Cécilie Leblanc die Angriffe flogen, abgeschirmt vom Treiberduo Nadine Pommerouge und Auguste Laroux. Dann flog der Quaffel wieder durch einen von Titus Fontchamp zu bewachenden Ring hindurch. Jetzt führten die Gastgeber mit zwanzig zu null Punkten.

Wieder und wieder rannten die Drachen-Spieler gegen die drei Ringe der Mercurios an. Dorian war ein glänzender Abfangjäger geworden, mußte Julius feststellen. Wenn César einen Quaffel nicht gleich in die gegnerische Hälfte zurückschlug bekam Dorian den Ball zugepaßt und rückte weit genug nach vorne, um Bruno oder Cécilie zu bedienen. Wenn ein Gegenstoß auf den Mercurio-Torraum kam warf sich Dorian immer wieder wie lebensmüde in die Flugbahn. Das wollten die Treiber der Drachen einmal gnadenlos ausnutzen und schlugen beide Klatscher gegen Dorian. Einen konnte er durch eine Seitwärtsrolle ins Leere fliegen lassen. Der zweite erwischte ihn aber an der linken Schulter. Er flog aus der Idealbahn und trudelte. In der Sekunde warf Clavier den Quaffel auf das Tor ab. Doch der Quaffel war zu ungenau gezielt und flog über den mittleren Ring hinweg. César hätte ihn nicht erfliegen können, weil der fehlgegangene Klatscher ihn als neues Ziel aufgefaßt hatte.

Nach einer kurzen Auszeit, in der Dorian mit Zauberstab und einem Trank gegen die Auswirkungen der heftigen Schulterprellung kuriert wurde, holten sich die Mercurios die nächsten zehn Punkte. Dann änderten die Jäger der Drachen ihre Taktik und flogen in enger Formation zusammen zum Torraum. Die Treiber flankierten ihre Kameraden und schafften es, die in das Pulk der Jäger geschlagenen Klatscher abzustoppen, bevor einer der drei getroffen werden konnte. als dann Bruno fast einen Klatscher an den Kopf bekam setzte Auguste Monier zum Torwurf an. Sein Treiberkollege hieb einen Klatscher in Césars Richtung. Dieser warf sich dem Quaffel entgegen und bekam den eisernen Ball voll in den Bauch. Doch er schaffte es noch, den Quaffel mit der linken Faust in Brunos Richtung umzuleiten. Dann erbleichte er und lief sogar grün an. Der Besen sank durch, fiel aber nicht wie ein Stein zu boden, sondern landete gerade so hart, daß César keine weiteren Verletzungen erlitt. Sofort rief Bruno nach einer Auszeit und bekam diese. Monsieur Delourdes und zwei weitere Heiler untersuchten César, der mal eben sein Frühstück ausspuckte. Julius sah mit gewissem Unbehagen, daß der Hüter dabei auch Blut spuckte. In den Reihen der Mercurio-Fans klang Verärgerung auf, während die Drachen-Anhänger erst einmal schwiegen.

"Lebt der nicht mehr gerne?" fragte Laura Rocher erbost. "Mein gutes Frühstück und sein Leben zu riskieren."

Ein Heiler untersuchte César mit einem Einblickspiegel und wiegte den Kopf. Dann sprach er mit den Kollegen, die dann in abgestimmter Weise ihre Zauberstäbe führten. Es dauerte zwei Minuten, bis Césars Verdauungssystem wieder in Ordnung gebracht war und er einen Erholungstrank schlucken konnte. Die Heiler reinigten das Spielfeld vom Erbrochenen. Eine Minute dauerte es noch, bis Monsieur Delourdes der Schiedsrichterin signalisierte, daß der Hüter der Mercurios wieder spielfähig war.

Nadine und ihr Kollege Laroux kämpften nun verbissen um die Hoheit über die Klatscher, damit die Jäger wieder frei spielen konnten. César warf sich nun noch verbissener gegen jeden seine drei Torstangen anfliegendenQuaffel. Doch einmal konnte er nicht verhindern, wie quasi aus dem Anstoßkreis heraus ein weiter Wurf den rechten Torring durchflog, weil der Ball so gedrallt wurde, daß er regelrecht hin und herflatterte. jetzt fuhr der rotgoldene Drache aus der Gruppe der Sechs Dijon-Fans empor und stieß sogar ein röhrendes Gelächter aus. Er spuckte einen scharlachroten, aber völlig hitzelosen Feuerball aus, der weit über dem Spielfeld in rotgoldene Funken zerplatzte und mit dem projizierten Drachen zu den Hexdragonisten zurückstürzte. Wieder winkten die Dijon-Fans mit den Fahnen, die erneut scheinbar in weißblauem Feuer verbrannten, bis die Partie fortgesetzt wurde.

Die Taktik mit dem Flatterball verhalf den Drachen innerhalb der nächsten fünf Minuten noch zweimal zum Torerfolg. Doch die Mercurios bauten trotzdem ihren Vorsprung weiter aus. Jetzt, wo die Treiber der Mercurios die Klatscher nicht mehr auskommen lassen wollten gelang es Bruno und seiner Jägerkameradin Cécilie immer wieder, links oder rechts durch einen der Ringe zu werfen. Fontchamp, der zwar ähnlich breit gebaut war wie César, aber offenbar nicht dieselbe Wendigkeit besaß, warf den Quaffel einmal so wütend ins Feld zurück, daß Dorian Dimanche ihn mit voller Wucht an die Nase bekam. Blut spritzte aus beiden Nasenlöchern. die Schiedsrichterin pfiff von sich aus eine Auszeit. Mit einem kurzen Zauberstabstubser wurde die Blutung wieder gestoppt und die Nase gerichtet. Allerdings mußte Dorian den Umhang wechseln, weil die Regeln es verboten, in blutigen Umhängen zu spielen.

"Zehn Zentimeter weiter oben hätte Dorian denen eine geniale Kopfballabwehr geboten", kommentierte Julius diesen Zwischenfall. Millie stimmte ihm wortlos zu.

Weitere Minuten vergingen, in denen die Jäger der Drachen drei weitere Tore machten, weil sie es nun heraus hatten, weil sie zu dritt vorrückten und dann wie per Zufall einer von ihnen den Quaffel bekam und abwarf, wobei bis zum Wurf selbst unklar blieb, durch welchen Ring der rote Ball fliegen sollte. Julius wollte gerade was dazu sagen, als er plötzliches Unbehagen und ein Gefühl von Bedrängnis fühlte, das über die Herzanhängerverbindung in sein Bewußtsein einströmte. Er sah sofort nach seiner Frau, die sich beide Hände auf den vorgetriebenen Bauch legte. Ihr Gesicht war von Schmerz verzerrt und blaß. Julius gingen alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Ging es jetzt schon los? War das schon eine heftige Wehe? Oder war es nur ein heftiger Tritt des Kindes. Millie keuchte. Sie sah ihren Mann an, dem das Geschehen auf dem Quidditchfeld gerade sowas von egal war. Er fühlte, daß Angst gefolgt von Entschlossenheit durch die gemeinsame Verbindung auf ihn überfloß.

"Möchtest du dich untersuchen lassen, Millie?" fragte Julius besorgt. Seine Frau erwiderte erst nichts. Eine Minute lang tat sie nichts als Luft holen. Dann schüttelte sie wieder eine Schmerzwelle, die Bei Julius große Unbehagen und eine kurze Woge Selbstzweifel auslöste. Doch sofort hielt seine Frau mit Entschlossenheit dagegen. Sie atmete wieder ein und aus. Ein lautes Johlen verriet Julius, daß die Mercurios ein weiteres Tor erzielt hatten. Dann sagte Millie zu ihm:

"Können Vorwehen sein. Aber so heftig das war will ich das doch lieber von Tante Trice oder Hera nachgucken lassen." Julius wußte, daß Millie nicht so gern mit Hera zu tun hatte. Die erfahrene, aber auch sehr strenge Heilerin und Hebamme behagte ihr nicht so wie ihre Tante Béatrice, wenngleich Julius diese auch schon in einem sehr strengen Einsatzton hatte sprechen hören dürfen. Außerdem war Hera für Sandrine zuständig. Millie bat darum, mit Julius das Stadion verlassen zu dürfen. Hera Matine, die es wohl roch, daß sie vielleicht gebraucht würde, erkundigte sich, ob Millie große Schmerzen verspürte. Diese erwähnte, daß sie bisher nur dumpfen Druck im Bauchraum verspürt habe aber jetzt zwei starke Krämpfe oder Kontraktionen mitbekommen hatte.

"Wir bringen dich in euer Haus", sagte Madame Matine, nachdem sie mit dem Einblickspiegel nach Millies Baby gesehen hatte. "Ich gehe zwar auch von etwas stärkeren Vorwehen aus, möchte aber sicherstellen, daß du in einer angenehmeren Haltung und Umgebung bist, sollte es doch schon losgehen. Euer Kind liegt noch nicht in der günstigen Beckenendlage."

"Ich komme mit", sagte Julius und wandte sich an Camille. "Bitte erzählt mir nachher, wie das Spiel ausging!" bat er.

"Nur wenn du uns erzählst, ob euer Kleines ein Ostersonntagskind werden wollte", erwiderte Camille. Doch sie lächelte dabei.

Um Millie nicht zu heftigen Bewegungskräften auszusetzen wurde sie wie damals in einer innerttralisatus-Vorrichtung vom Stadionverwaltungsgebäude aus mit Flohpulver ins Apfelhaus gebracht. Dort rief Julius über Kontaktfeuer nach Béatrice. Eine Minute später fuhr Millies heilkundige Tante aus dem Kamin in der Wohnküche heraus und fand Millie auf einem breiten Stuhl. Hera Matine hatte sie noch einmal untersucht.

"Meiner Erfahrung nach gehe ich von Vorwehen aus. Es könnte jedoch durch die Aufregung beim Spiel zu vorzeitigen Senkwehen gekommen sein", sagte Hera ihrer Kollegin. Diese nickte und untersuchte ihre Nichte und Patientin, während Julius sich aus dem Weg hielt.

"Ui, wenn du jetzt schon so eine heftige Kontraktion zeigst, fliegt euch die Kleine bei der Geburt durch den Raum", scherzte Béatrice, als Millie eine erneute Kontraktion mit einhergehenden Gefühlswogen überstehen mußte. Hera Matine nahm Julius' Hand und geleitete ihn hinaus.

"Ich denke, sie wird euer Kind drehen, bevor es unter einer solchen Kontraktion mit einem Fuß in den Geburtskanal gerät und den verfrühten Blasensprung verursacht", wisperte die Heilerin. Julius verstand.

"Was würde passieren, wenn Millie heute oder in den Ferien unser Baby kriegt?" fragte Julius leise.

"Dann müßte sie die Wochenbettzeit hier oder in der Delourdesklinik oder im Château Tournesol verbringen. Nach Beauxbatons wird sie dann nicht vor Ende Mai zurückgelassen, da sind Béatrice und ich uns mit Madame Rossignol einig. Julius verstand. Millie mußte eh die UTZs später machen. Doch wenn sie vor Ferienende anderswo als in Beauxbatons niederkam mußte sie wohl das ganze Halbjahr wiederholen, weil die Regeln besagten, daß bei Krankheitsfällen, die nicht in Beauxbatons auftraten und durch unbedingte Bettruhe und Heilbehandlungen zu behandeln waren, wichtige Unterrichtseinheiten versäumt werden mochten. Da in den meisten Fällen die magische Heilkunst innerhalb von Sekunden, Stunden oder einem Tag eine magielose Erkrankung beheben konnte, war es eben gravierend, wenn jemand länger als eine oder zwei Wochen nicht in die Schule zurückkehren konnte. Wer in der Schule selbst erkrankte und mehrere Tage oder Wochen im Krankenflügel behandelt werden mußte, konnte im Rahmen seiner Möglichkeiten zumindest die Hausaufgaben machen und den theoretischen Teil des Unterrichts nachvollziehen.

Fünf Minuten später verkündete Béatrice den draußen wartenden, daß Millie nur Vorwehen erlebt hätte und das Kind noch sicher und von genug Fruchtwasser umgeben ruhte. Hera fragte, ob Béatrice das Ungeborene in die günstige Lage gedreht hatte. ""Ich habe Mildrid einen Entspannungstrank gegeben. Das Kind war schon dabei, sich zu drehen, wurde aber durch die Kontraktionen in die Steißlage zurückgedreht. Ich denke, es wird sich in den nächsten zwei Tagen drehen. Ansonsten besorge ich das vor Ferienende mit dem Fetoversus-Zauber, Hera."

"Ich habe schon Fälle erlebt, wo ein Ungeborenes durch Vorwehen mit dem Fuß in den Gebärmutterhals geriet und damit die Senkwehen auslöste und einen verfrühten Blasensprung herbeiführte", grummelte Hera Matine. Béatrice ließ das kalt. Sie sagte, daß ihre vier jüngsten Halbgeschwister einen Monat vor ihrer Geburt andauernd mit Füßen oder Händen in den Gebärmutterhals Ursulines geraten seien, weshalb Béatrice ja ständig in Bereitschaft geblieben sei. Am Ende hätten sie sich aber alle von alleine in die richtige Lage gedreht. Dagegen konnte Hera Matine nichts sagen. Vierlinge hatte sie bisher nicht auf die Welt geholt. Deshalb meinte sie noch:

"Ich gehe doch sehr davon aus, daß Sie bei der diesjährigen Heilerzusammenkunft in Hogsmeade über diese Erfahrung referieren werden."

"Im Rahmen dessen, was ich als Heilerin darüber Kollegen mitteilen darf auf jeden Fall", sagte Béatrice. Julius bekam große Ohren, als er von einer Zusammenkunft in Hogsmeade hörte. Doch die war dann eh nur für aprobierte Heilerinnen und Heiler.

"Hast du ihr denn zumindest ein Wehenwarnband umgelegt?" Fragte Hera Matine.

"Das auf jeden Fall", erwiderte Béatrice unverzüglich. Hera Matine gab sich damit zufrieden und fragte, ob sie noch etwas tun könne. Weil dem nicht so war verabschiedete sie sich von Julius und der jüngeren Kollegin.

"Kann ich zu ihr rein oder schläft sie jetzt?" flüsterte Julius.

"Eure kleine ist noch sicher in ihrem Uterus, Julius. Deine Frau hat nur einen Entspannungstrank bekommen. Du darfst zu ihr hinein. Aber zum Quidditchspiel darf sie nicht zurück. Ich denke, die Aufregung war ein wenig viel für sie."

"Lag vielleicht auch an mir, weil ich so bei dem Spiel mitgefiebert habe", räumte Julius ein.

"Dann bleiben wir zwei auch hier. Im Moment geht es meiner Mutter und ihren vier jüngsten Nachkommen gut genug, daß ich nicht um sie rumspringen muß. Pattie ist nur verstimmt, weil jetzt alles nur noch danach geht, was die kleinen brauchen, wie es ihnen geht, was sie gerade machen und so weiter. Ich habe ihr erzählt, daß ich manchmal so ähnlich empfunden habe, als sie auf die Welt kam, aber es dann doch sehr schön gefunden habe, noch eine jüngere als ich in der Familie zu kennen."

"Oh, wenn Pattie gefrustet ist kann sie gerne rüberkommen und mit mir eine Partie Schach spielen."

"Das untersage ich", stieß Béatrice unerwartet heftig aus. "Wenn stimmen sollte, daß die Verbindung zwischen dir und Millie diese heftige Vorwehen ausgelöst hat, könnte es wieder passieren, wenn du dich zu sehr auf irgendwas anstrengendes konzentrierst. Außerdem will ich haben, daß Patricia lernt, mit Säuglingen im selben Haus zu leben, wo Madame Rossignol sie mit dir zusammen für Sandrines Zwillinge vorgebucht hat."

"Tja, was machen wir dann?" fragte Julius. Da ging die Tür auf, und Millie wankte aus der Wohnküche.

"Julius, Tante Trice, wenn ihr über mich reden wollt kommt besser rein, damit ich auch antworten kann, ohne Aurore die Ohren vom Kopf brüllen zu müssen", maulte sie. Ihre Tante blickte sie zwar ungehalten an, nickte dann aber.

Millie setzte sich in ihren bequemen Gewichtserleichterungssessel, den Julius ihr zum vorletzten Weihnachtsfest geschenkt hatte. "Hat die werte Hera Matine dich dumm angemacht, weil du sie nicht zurechtgedreht hast?" fragte Millie ihre Tante. Diese bejahte es. Sie erwähnte dann aber ganz lässig, daß sie ja mittlerweile genug neue Kinder ins Leben gehoben habe, um das einordnen zu können, wann welche Maßnahme angezeigt war. "Gut, wenn sie doch mit mir zusammen Geburtstag feiern möchte wäre es vielleicht günstiger gewesen, wenn du ihr geholfen hättest, mit dem Kopf nach unten zu liegen", sagte Millie.

"die fühlt sich da wo sie ist noch zu wohl, als daß sie schon in die große laute Welt hinaus möchte", bekräftigte Béatrice. "Oder möchtest du lieber bei uns im Château vier Wochen im Wochenbett liegen?"

"Vier? Zwei reichen doch aus, wenn die Geburt unkompliziert verläuft, hat Madame Rossignol gesagt."

"Verstehe, klar, habe offenbar zu viel mit Spätgebärenden zu tun gehabt."

"Paß auf, daß du nicht eines Tages dazugehörst", grummelte Millie. Ihre Tante sah sie dafür sehr streng an.

"Ich kann den Auftrag, dich während der Schwangerschaft zu betreuen auch gerne an meine Kollegin Hera Matine übertragen, wenn du mir respektlos kommst, werte Dame. Umstandsanwandlungen rechtfertigen nicht alles." Millie kapierte, hier eine Grenze überschritten zu haben, die besser nicht überschritten werden sollte. So entschuldigte sie sich für ihre Bemerkung.

Um alle miteinander wieder in ruhige Stimmung zu kriegen sprach Béatrice mit den beiden werdenden Eltern über die restliche Familie. Julius fragte nach, ob die ältere Barbara Latierre ihre neuen Enkelkinder schon besucht habe. Millie und er erfuhren, daß die Königin der Kirschbäume bereits eine halbe Stunde bei ihren vier jüngsten Enkeln zugebracht habe.

"Blanches Namensvetterin aus Beauxbatons war auch schon bei uns, man höre und staune", erwähnte Béatrice noch. "Maman hat sich den Scherz erlaubt, ihr die beiden Mädchen unbekleidet hinzulegen und zu fragen, welche die sei, die ihren Namen trät."

"Und?" wollte Julius wissen.

"Die hat es tatsächlich rausgekriegt, ohne lange nachzudenken. Könnte vielleicht doch was dran sein, daß durch den Ausdauertransfer nach dieser Festlichkeit, zu der sie dich hingetrieben hat, Julius, eine Verbindung zwischen ihr und meinen jüngsten Halbschwestern besteht."

"Ja, oder sie hat die beiden legilimentiert", erwiderte Julius. Millie sah ihn mit großen Augen an. Béatrice wiegte den Kopf und schüttelte diesen dann.

"Ich denke, sie würde dir eine derartige Unterstellung sehr übelnehmen, Julius. Denn so unbedingt wichtig wäre es nicht gewesen, sich gegen die Unantastbarkeitsgebote des Geistes anderer zu vergehen, nur um einem neugeborenen abzuringen, welchen Namen er oder sie trägt. Also sagen wir lieber, es liegt an dieser Konstellation zwischen ihr und meiner Mutter." Julius stimmte zu. Millie nickte auch.

Um die Mittagszeit erklang die Türglocke: Wie leuchtet mir der Apfelbaum. Julius sah nach und fand Jeanne vor der Tür. Sie wirkte etwas betrübt.

"Ups, haben wir verloren?" Fragte er. Jeanne nickte.

"Mit zehn Punkten rückstand, Julius. Corinne hat Janine voll in einen Klatscher von Nadine reingelockt, bevor sie den eigentlichen Weg zu dem Schnatz geflogen ist und den gefangen hat. Sandrine mußte übrigens auch früher raus, weil ihr speiübel geworden ist. Hera hat sie gleich bei ihren Eltern ins Bett gelegt und gemeint, daß sie da zwei Tage bleiben solle, damit sie die beiden nicht zu weit vor der Zeit bekommt. Muß wohl die Aufregung gewesen sein. Und was ist mit Millie?"

"Aurore ist noch da, wo sie am besten aufgehoben ist, bis sie mir zu groß wird!" rief Millie, die gerade mit Hilfe des Leviportgürtels die Wendeltreppe herunterkam.

Jeanne schnupperte und roch den Duft von Braten und würziger Suppe. "Oh, ihr habt selbst was gemacht. Dachte, ihr wolltet mit zu uns rüber, zumindest das gute Spiel der Jäger und Césars Paraden feiern."

"Danke für das Angebot, Jeanne. Aber meine Vertrauensheilerin hat angeordnet, daß ich mich in den nächsten vierundzwanzig Stunden nur soweit bewegen darf, daß mein Kreislauf in Ordnung bleibt", sagte Millie. "Außerdem wollte meine Tante es wissen, ob Julius mit ihr zusammen was gescheites hinkriegt."

"Gut, dann sage ich Maman und Bruno, daß ihr beiden schon gegessen habt und du dich wohl auf Heileranweisung ausruhen müßtest", sagte Jeanne.

"Bruno, du und eure drei können morgen bei uns zum Kaffee vorbeikommen, lud Julius Jeanne ein. Millie sah ihn kurz an, nickte dann aber zustimmend. Jeanne erwähnte, daß Barbara van Heldern auch gerade bei ihren Eltern sei, was Jacques wohl nicht so gefiel.

"Jacques gefällt im Moment so vieles nicht", grummelte Millie. Julius nickte beipflichtend.

"Na ja, ich bin dann mal wieder bei mir drüben, bevor Césars Oma Laura meint, meine kleinen anlegen zu müssen."

"Ach, du hast die ganzen Rochers bei dir im Haus?" fragte Julius.

"Joh, und die Dusoleils und Melanie aus dem Haus Jardin du Soleil. Aber ich frage meinen Mann, ob er Lust hat, morgen zum Kaffee rüberzukommen." Millie und Julius nickten.

Béatrice genoß das, was Julius mit ihr zusammen gekochuspokust hatte. Millie langte diesmal nicht so heftig zu wie gestern noch, wohl weil sie doch ein wenig Angst hatte, Aurore wegen Überfüllung des Magens vorzeitig auszutreiben.

Den Nachmittag verbrachten die Latierres mit ihrer Besucherin auf der großen Wiese. Sie lauschten leisen Liedern aus dem Musikfaß, daß Millie und Julius bekommen hatten. Da ploppte es vernehmlich, und Corinne Duisenberg stand mit ihrem Vater vor der Haustür. In ihren Haaren steckte der goldene Schnatz, den sie gefangen hatte. Julius winkte den beiden zu. Monsieur Duisenberg wirkte im Gegensatz zu seiner Tochter spindeldürr wie ein ast. Doch von den Augen her war er eindeutig Corinnes Vater. Er trug immer noch den roten Umhang mit dem goldenen Drachenkopf.

"Hallo, ihr vier!" trällerte Corinne höchsterfreut. "Habe es mitbekommen, daß ihr leider vor Spielende aus dem Stadion mußtet. Geht es euch beiden Gut, Millie?" Corinnes Vater räusperte sich erst ungehalten. Doch als Millie sagte, daß ihr Baby nur mal kucken wollte, ob es schon den Türgriff fand mußte er dann auch lachen.

"Hast du den Schnatz mit deinen Haaren eingewickelt, Corinne?" wollte Julius wissen.

"Den habe ich schon anständig gefangen, weil eure Sucherin ja meinte, genau dann hinter mir herfliegen zu müssen, als ihre Treiberkollegin gerade auf unseren Kapitän Albert Clavier angelegt hat. Hoh, war die wütend. Die hätte mir den kleinen Flitzeball sicher gerne quer in den Mund oder sonstwohin gestopft. Kannich was dafür, wenn die sich mit ihren Treiberkameraden nicht richtig abspricht?" fragte Corinne und machte dabei ein höchst zufriedenes Gesicht.

"Jeanne meinte, du hättest sie verladen", sagte Julius ganz gelassen.

"Klar, indem ich sie in einen Klatscher von der eigenen Treiberin reinfliegen lasse. Ist klar", erwiderte Corinne darauf. Julius wollte aber nicht ganz abstreiten, daß Corinne es mit ihrer besonderen Gabe gespürt hatte, daß Nadine gerade in dem Moment einen Klatscher schlagen wollte. Schnell verschloß er seine Gedanken. Doch das löste bei Corinne nur ein erheitertes Grinsen aus. Millie sagte dann noch:

"Na ja, wird Janine nicht freuen, auf eigenem Platz derartig vorgeführt worden zu sein."

"Wir haben nur zehn Punkte vorsprung vor euren Leuten rausgeholt. Die sollen sich nicht so haben", sagte Monsieur Duisenberg. Dann fragte er Millie und Julius, ob er sich das Apfelhaus mal von innen ansehen dürfe, zumindest die Räume, die für Besucher zugelassen waren. Millie und Julius erlaubten das.

Während Millie mit Corinne und Béatrice Latierre auf der großen Wiese blieb zeigte Julius Corinnes Vater sein Haus, zumindest die für Besucher zugänglichen Räume. "Meine Frau will auch gerne ein Varancahaus haben, aber kein fest verankertes", sagte Corinnes Vater. "wie haben Sie das Haus erworben?"

"Es wurde mir und meiner Frau von der Dorfgemeinschaft Millemerveilles geschenkt. Daher kann ich nicht sagen, wie teuer es ist, Monsieur Duisenberg. Corinnes Vater nickte und merkte dann an, daß die Bürger von Millemerveilles dann aber sehr große Stücke auf ihn und Millie halten mußten, wenn sie derartig großzügig waren.

"Sagen wir es so, Monsieur Duisenberg, der Dorfrat hat eine sich bietende Gelegenheit genutzt, uns als neue Bürger begrüßen zu dürfen. Ich denke, das hing vor allem damit zusammen, weil meine Mutter im dunklen Jahr die Kinder hier unterrichtet und mit dem damaligen Gegenminister Delamontagne und seiner Übergangsregierung wichtige Sachen hinbekommen hat. Dann sind da noch diverse hochrangige Bürgerinnen und Bürger, die mich am liebsten adoptiert hätten, wenn meine Mutter das zugelassen hätte. Insofern hat jeder seinen Willen bekommen. Millie und ich haben ein eigenes Zuhause, das genug Platz für mindestens drei Kinder und unsere Freizeittätigkeiten bietet. Wir leben in einer guten Nachbarschaft. Und die Nachbarn freuen sich, daß wir hier leben wollen, vor allem die Familie Dusoleil."

"Ja, und Hera Matine, die Großtante von Corinnes Mannschaftskapitän, weil sie deine Kinder auf die Welt holen darf."

"Das zu bestimmen liegt bei meiner Frau", wetterte Julius diese Bemerkung ab. Er mußte Corinnes Vater nicht aufs Brot schmieren, daß Millie lieber von ihrer Tante betreut wurde. "Aber wie Sie mitbekommen haben dürften wird meine Frau wohl in Beauxbatons unser Kind zur Welt bringen. Madame Rossignol wird dann für sie zuständig sein." Monsieur Duisenberg nickte nur. Dann verließen sie wieder den zwölf Meter großen orangeroten Apfel.

Draußen trafen sie Babette Brickston, die auf ihrem eigenen Ganymed 8 herbeigeflogen war, um Millie und Julius zu fragen, ob sie zu ihrer Oma Blanche zum Kaffeetrinken kommen wollten. Da Béatrice ihr aber schon erzählt hatte, daß Millie wegen heftiger Vorwehen erst einmal keine Besenflüge oder Apparitionen oder Flohnetzreisen machen dürfe, wollte sie nur noch Julius begrüßen. "Mein Vater ist ein wenig angenervt, weil ich jetzt von jeder der fünf ehemaligen Spice Girls die erste Solo-CD haben wollte. Aber ich habe die gekriegt, weil ich in Beauxbatons nichts angestellt habe, weswegen Madame Faucon mich oder ihn dumm anmachen mußte. Die von Mel C gefällt mir da am besten. papa sagt, daß "die fünf frechen Gören" besser hätten zusammenbleiben sollen, das wäre für die Fans oder ihre Taschengeldgeber nur ein Fünftel so teuer."

"Das sind Sorgen, hinter denen alles andere verblaßt", spottete Julius. Millie mußte lachen. Corinne und ihr Vater bedankten sich noch einmal, wobei Julius nicht wußte, wofür sich Corinne bedanken mochte. Sie bat ihn noch, ihre Tante Patrice zu grüßen, wenn er wieder in Beauxbatons sei. Dann disapparierte sie Seit an Seit mit ihrem Vater.

"Hat die mit deinem Baby telepathiert oder wie das Gedankenreden heißt?" Fragte Babette Millie.

"Sagen wir es so, sie hat mich gefragt, ob sie ausprobieren dürfe, ob sie die Gefühlsausstrahlung eines menschlichen Ungeborenen schon erfassen könne. Da ich denke, daß unsere Kleine keinen Grund hat, sauer auf mich zu sein, obwohl sie vielleicht einen Schrecken bekommen hat, habe ich das erlaubt. Sie meinte, daß sie klar mitbekäme, daß Aurore es im Moment sehr bequem hat und sich sehr wohl fühlt, anders als die beiden Kinder von der Sabberhexe, die mal bei uns im Zauberwesenseminar war. Kann ich so nicht überprüfen. Aber ich geh einfach mal davon aus", sagte Millie. Julius nickte.

"Kann man das lernen, mit ganz kleinen Babys in Gedanken zu reden?" wollte Babette wissen.

"Das geht wohl nicht, weil Babys ja erst mal sprechen lernen müssen, bevor sie das Gedankensprechen lernen können", sagte Julius. "Oder kannst du mir schon so antworten?" mentiloquierte er sie mal eben an. Sie zuckte mit dem kopf und schüttelte ihn, als müsse sie Wasser aus den Ohren herausbekommen. Dann sagte sie:

"So klingt das? Nöh, kann ich wohl noch nicht." Millie sagte dann zu Babette:

"Deshalb müssen Babys schreien, wenn sie was brauchen." Das sah Babette ein.

"Und deine Eltern sind jetzt bei deiner Oma Blanche. Bleibt ihr da über Nacht?" Babette schüttelte den Kopf und sagte, daß ihr Vater am liebsten gleich nach dem Kaffeetrinken wieder abreisen wolle. Aber weil Oma Blanche uns auch zum abendessen eingeladen hat, geht das nicht."

"Wer ist denn dann in Beaux, wenn deine Oma in Millemerveilles ist?" Fragte Julius.

"Professeur Fixus paßt auf Kevin und deine anderen Leute aus Hogwarts und die Greifennestlinge auf. Aber Oma Blanche wird morgen wieder nach Beaux zurückflohpulvern. Sie meinte, ich könnte ja mit, wenn Maman und Papa meinen, sie müßten unbedingt noch eine Woche nach Birmingham zu Oma Jenn und Opa James."

"Und?" wollte Julius wissen.

"Ich fliege morgen mit Maman und Papa nach England. Opa James will mir zeigen, wo die großen Busse stehen, die er fährt. Hmm, ich sollte besser wieder abschwirren, bevor Oma Blanche mich mit dem Ding hier zu sich zurückbeamt", sagte Babette noch und präsentierte das bunte Findmicharmband, das Julius auch schon gut kannte. Er überlegte, ob er ihr sagen solte, daß man damit nur gefunden werden könnte. Doch dann ließ er es bleiben. So verabschiedeten sie sich von Babette. Diese saß auf ihrem Flugbesen auf und brauste davon.

"Dann werde ich mich jetzt auch mal wieder dahin begeben, wo ich vielleicht doch noch gebraucht werde. Millie, den Wehenwarner läßt du bitte drum, bis Madame Rossignol mir über die Bilder mitteilt, daß ihr sicher angekommen seid! - Nicht so biestig gucken, sonst nehme ich dich mit ins Château, bis Pattie und Mayette wieder zum Ausgangskreis müssen!" sagte Béatrice und verabschiedete sich.

Weil jetzt kein anderer mehr im Haus war, der nicht in das Geheimnis der Latierres eingeweiht war konnte sie den orangeroten Verschwindeschrank in der Bibliothek benutzen.

"Wie machen wir das mit deinem Geburtstag? Groß feiern oder besser lassen?"

"So wie Hera und Tante Trice drauf sind weiß ich nicht, ob Aurore nicht doch als ganz besonderes Geburtstagsgeschenk ankommen möchte. Wäre ja fies, wenn ich gerade die Kerzen auspusten will und mir so eine überbehütsame Hebamme zuruft, ich müsse jetzt pressen statt pusten", grummelte Millie. "Wir machen das so, daß das nicht groß aufgezogen wird. Dafür feiern wir dann Aurores Willkommensparty mit so, daß sie in deinen Geburtstag reingeht. Da können wir dann alle zu einladen, die sonst zu meinem Geburtstag gekommen wären."

"Gut, dann feiern wir im kleinen Kreis", sagte Julius sehr beruhigt. Denn jetzt noch eine große Gästeschar einzuladen, die dann irgendwie beschäftigt werden mußte, falls Aurore doch eine Woche vor dem von Madame Rossignol errechneten Termin ankommen wollte, war auch nicht so berauschend.

Den Abend verbrachten Julius und Millie in der Wohnküche, wo sie der Musik aus dem Zauberradio lauschten. Julius wäre zwar gerne noch einmal in den Geräteschuppen gegangen, um seine E-Mails abzufragen. Doch Béatrice Latierre hatte nicht ganz zu unrecht vermutet, daß die verstärkte Herzanhängerverbindung vielleicht doch auf Muggelelektrogeräte einwirken könne. So genoß er den Abend des Ostersonntags. Anderswo wurde jetzt gefeiert, daß die Dijon Drachen die Siegesserie von Millemerveilles beendet hatten. Hier in Millemerveilles würden sie wohl nicht feiern. Aber das war eben Sport. Einer gewann nur dann, wenn der andere verlor.

 

Julius war froh, daß Millie jetzt außer dem Pflegehelferschlüssel einen Wehenwarner trug. Sollte er zu spät wach werden, kam Béatrice Latierre auch von selbst herüber.

 

__________

 

Am Vortag von Millies 18. Geburtstag überbrachte Julius von ihr geschriebene Einladungen an Caro Renard, die als einzige aus Millies Schlafsaal in Millemerveilles wohnte, zu den Dumas' und den Dusoleils. Er erwähnte jedoch, daß Millie nur im kleinen Kreis feiern wolle, weil es ja ab heute jeden Tag soweit sein könne. Sandrine meinte dazu: "Ja, und dann kommen meine zwei am selben Tag wie eure Kleine auf die Welt. Das wäre es doch. Aber Hera sagt, die liegen noch zu weit oben. Außerdem wäre das ja echt zu früh für die."

"Kommt deine Mutter auch?" Wollte Geneviève Dumas wissen.

"Nur, wenn sie freikriegt, Geneviève", schränkte Julius ein, daß er das nicht in der Hand hatte. "Falls ja, sollte sie eine andere Antwort parat haben, wenn ich sie frage, ob sie mit ihren wichtigen und erprobten Grundkenntnissen wirklich nur vor diesen seelenlosen Rechengeräten herumsitzen will, wo es genug junge Hexen und Zauberer gibt, die von ihr eine Menge wichtiges lernen können."

"Warst du in einem früheren Leben mal eine Katze, die Tage lang vor Mauselöchern hocken konnte?" wollte Julius wissen.

"Eine Katze weiß, daß die Mäuse irgendwann mal aus ihrem Loch herauskommen müssen. Insofern nehme ich das mal als kompliment, junger Mann", erwiderte die Direktrice der Grundschule von Millemerveilles.

"Also, wenn euer Kind und die zwei von Sandrine ausgerechnet an Millies eigenem Geburtstag rauskullern setze ich mich aber schnell wieder ab", erklärte Caroline, während sie ihre Eltern im Blick behielt, ob sie sie mal wieder für kleinere Handreichungen in der Schenke Chapeau du Magicien einsetzen wollten.

"Dann zieht sich Millie eh zurück, um nicht zu viele Leute um sich herumzuhaben", konterte Julius unbeeindruckt, weil Caro so verächtlich geklungen hatte.

Durch den Kamin in der Wohnküche flohpulverte er in das Château Florissant, dem Stammsitz der Eauvive-Familie. Antoinette Eauvive hatte die Intensivvorbereitungen von Julius' Mutter an ihre Tochter Chloé abgegeben, die mit Martha Eauvive gerade die höheren Elementarzauber durchnahm.

"Also, Antoinette sagt, ich bekäme morgen noch mal frei, sofern sie es hinbekommt, daß Madeleine an dem Tag nicht meinte, sie müßte mir diese fiese Selbstverwandlungsnummer wieder abverlangen."

"Ich dachte, du machst Zauberkunst, Zaubertränke und Abwehr dunkler Künste", wunderte sich Julius.

"Madeleine hat sich von ihrer kleinen Schwester beschwatzen lassen, meine neuen Talente umfassend zu fördern. Damit hat eure Schulleiterin natürlich ein weit offenes Scheunentor eingerannt", grummelte Martha Eauvive.

"Offiziell angemeldet ist deine Mutter für Kräuterkunde, Zauberkunst, Verteidigung gegen dunkle Künste und Zaubertränke, sowie Muggelstudien und Zaubereigeschichte", sagte Chloé, die unvermittelt zu einer Wassersäule zerfloß, was Martha erschrocken aufschreien ließ. Julius erstaunte es, daß Chloé Eauvive so geübt in diesem Zauber war. Er hörte ihre Stimme leicht schwingend und plätschernd lachen, bevor sich die Tochter der Hausherrin wieder in eine feststoffliche Hexe zurückverwandelte.

"Genau deshalb will ich diese Transfigurationssachen nicht lernen, weil ich da echt nicht weiß, ob ich mich bei so einer Übung nicht unrettbar auflöse", knurrte Martha Eauvive. Dann gab sie Julius noch ihren Dank für Millie mit, daß sie dann per Flohpulver in das Apfelhaus überwechseln würde.

"Ariane Mistral wird deine Mutter nach den UTZ-relevanten Ausbildungseinheiten noch im Apparieren ausbilden", erwähnte Chloé noch. Martha Eauvive nickte schwerfällig.

"Oh, ich dachte, du wolltest das nicht lernen", wunderte sich Julius.

"Das ist auf dem Mist deiner Schwägerin gewachsen. Die hat glatt behauptet, daß eine zertifizierte Hexe mit UTZ-Abschluß auch eine bestandene Apparierprüfung vorweisen soll, wenn sie im Zaubereiministerium arbeiten will. Sie wollte mich schon selbst darin ausbilden. Aber ich habe ihr gesagt, ich wolle erst alle relevanten Sachen lernen", erwiderte Martha Eauvive. Julius nickte. Dann verabschiedete er sich von den beiden Hexen und bat Chloé Eauvive darum, ihre Mutter zu grüßen.

Caro ist nur genervt, weil Leonie und die Mädels aus der sechsten Klasse schon alle einen festen Freund haben und Leonie Apollo mit Sicherheit auf den Besen rufen wird und Caroline noch keinen in Aussicht hat", erwähnte Millie, was ihre Klassenkameradin so umtrieb. Julius kannte Caros Getue jedoch schon. Er wußte auch, daß Millie wußte, daß Caro sich schon damals was bei ihm ausgerechnet hatte, als das mit Claire noch nicht offiziell war. Deshalb erwähnte er es auch nicht.

am Abend half er ihr, den unteren Empfangs- und Festraum so umzuräumen, daß alle geladenen Gäste gemütlich sitzen und sogar ein paar Schritte tanzen konnten. Gegen elf legten sie sich dann schlafen.

 

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Julius hörte die Kleinmädchenstimme wie durch eine Wand. Er meinte, schwerelos zu treiben und öffnete die Augen. Er schwebte über dem Ehebett, das immer größer wurde. Dann sank er auf der Seite, wo Mildrid schlief, wieder hinunter. Dabei geriet er ohne Widerstand erneut in jene Welt, in der neues Menschenleben auf sein eigenständiges Sein hinwuchs. "Eh du, Papa oder wie ich sagen soll! Sage der, zu der ich Maman sagen soll, ich will meinen eigenen Geburtstag haben. Was meinen die damit, ich soll umdrehen?" hörte er die Stimme eines wohl gerade zweijährigen Mädchens neben sich, als er in der sicheren Geborgenheit trieb, in der seine Tochter heranwuchs. Er dachte zurück:

"Das ist, damit du richtig und damit das dir und deiner Maman nicht zu lange dauert und zu sehr weh tut zu uns kommen kannst."

"Ich kann nicht. Wird dann alles eng hier. Macht Angst", erwiderte die geistige Stimme seiner ungeborenen Tochter. Julius sagte dann, daß sie das schon hinbekäme. "Sag mir, wie das geht!" bat sie dann. Er sagte ihr im Flüsterton, wie sie ihre Arme und Beine anziehen mußte, um ohne anzustoßen eine sanfte Rollbewegung zu machen, bis ihr Kopf am untersten Punkt der wassergefüllten Behausung zu liegen kam. "Eh, ist blöd so!" quängelte das ungeborene Mädchen. "Will wieder andersrum." Doch sie konnte sich nicht mehr drehen, weil ihr Kopf in dem Moment, wo er den untersten Punkt erreichte, bereits einige Zentimeter tief in Millies Becken einsank. Sie fing dann an zu strampeln. Doch Julius flüsterte ihr zu: "Gut, dann haben deine Maman und du eben an einem Tag geburtstag." Das genügte der noch wohl verwahrten Aurore, sich nicht weiter zu heftig abzustrampeln. Sie maulte und quängelte nur noch. Dabei wurde ihre Stimme noch um eine Spur höher. Ihre Worte gingen in ein unartikuliertes Brabbeln über, das in einem langen Schrei ausklang. Dieser Schrei trieb Julius' Bewußtsein aus Millies warmem Leib hinaus und warf es in den angestammten Körper zurück. In dem Moment, wo er sich selbst wieder als Mensch aus Fleisch und Blut empfand, brach der lange Schrei ab. Er würde ihn wohl erst wieder zu hören kriegen, wenn Aurore tatsächlich den Weg in die Welt geschafft hatte.

"mann, wollte die Kleine wohl doch schon zu uns", maulte Millie, als sie wohl von einer heftigen Bewegung ihrer Tochter geweckt wurde. Julius sagte leise:

"Kann sein, daß sie sich jetzt in die Beckenendlage gedreht hat und damit nicht klarkommt."

"Hast du wieder von ihr geträumt?" fragte Millie verschlafen. Julius erwähnte nur, daß er sie im Traum habe schreien hören. Sie meinte, daß er das bald auch in echt könne. Dann stand sie auf, weil sie die Gelegenheit nutzen wollte, unverdauliches loszuwerden. Julius fragte sich, während Millie ins Badezimmer schwankte, ob Aurore nicht doch schon ein eigenes Bewußtsein entwickelt habe. Doch dann erkannte er, daß dieses sich wohl nach dem Umdrehen endgültig auf den Stand eines unschuldigen Säuglings und darunter hinaus zurückgezogen hatte.

Als Millie sich nach ihrem Ausflug ins Bad etwas schwerfällig wieder auf das Bett niederließ meinte sie noch: "Also, wenn Aurore nachher schon raus will können sich Tante Trice und Hera Matine drum zanken, wer mir helfen soll, sie auszulifern. Noch 'ne gute Restnacht, Monju!" Julius erwiderte den Nachtgruß.

 

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Die Latierres aus dem Château Tournesol trafen als erste ein, allerdings war Ferdinand bei seiner Frau geblieben. Béatrice hatte ihr verboten, Flohpulver oder den Schrank zu benutzen. So war sie lediglich mit Patricia und Mayette eingetroffen.

Gegen halb zwölf fauchte Martha Eauvive aus dem Flohpulverkamin in der Empfangshalle. "Ich habe von Antoinette frei bekommen", sagte sie der Runde der schon anwesenden Gäste. "Aber bitte erzählt Blanches Schwester nichts davon!" Patricia sah Mayette an und deutete dann auf sich, wobei sie mädchenhaft vergnügt grinste. "Hier sind zwei von denen, Martha", kicherte sie dann.

"Junge Mademoiselle, du weißt garantiert, daß es mehr als nur eine Blanche auf der Welt gibt", lachte Martha Eauvive, die früher Andrews mit Nachnamen geheißen hatte. Patricia nickte. Mayette kicherte über den gelungenen Scherz ihrer ältesten Vollschwester.

Um ein Uhr landete der Flugteppich von Jeanne mit allen Dusoleils, Caroline Renard, Belisama Lagrange und den beiden Ehepaaren Dumas mit Sandrines Schwester Véronique auf der großen runden Wiese vor dem Apfelhaus. Millie gratulierte dem kleinen Philemon zum zweiten Geburtstag und überreichte ihm von ihr und Julius ein großes Bilderbuch mit magischen und nichtmagischen Tieren, die bei Auflegen eines Fingers auf ein kleines, rosarotes Ohr am rechten unteren Rand die für sie typischen Geräusche von sich geben konnten. Das hatte Julius sich noch aus dem Buchladen in Millemerveilles besorgt, um dem kleinen seinen eigenen Tag zu versüßen. Camille meinte dazu noch: "Schön, paßt gut mit dem Buch über die für Kinder unbedenklichen Zauberpflanzen zusammen, daß ich ihm besorgt habe."

Für Millie hatten alle kurzfristig besorgte Geburtstagsgeschenke dabei, die sie in die rote Wandelraumtruhe legten, auf der in goldener Schrift "Mildrid Ursuline Latierre, 04. 25. 1982" zu lesen stand. Florymont erklärte den Hauseigentümern von Pomme de la Vie, daß sie, wenn ihr Kind auf der Welt sein würde, sie beide die Hände des Neugeborenen und ihre freien Hände an die Truhe legen mußten und den vollständigen Namen und den Geburtstag zusammen aussprechen mußten, um die Truhe auf das neue Familienmitglied einzustimmen.

Béatrice, die zusammen mit Julius in der oberen Küche was vorbereitet hatte, mentiloquierte Julius zu: "Ich habe euer Kind noch mal durch den Spiegel angesehen. Es hat sich wirklich in die günstige Endlage gedreht."

Das mehrgängige Mittagessen wurde unter der bereits starken südfranzösischen Frühlingssonne im Garten genossen. Caroline sah dabei etwas angenervt aus, weil Belisama sich mit Sandrine und Millie über die Vorbereitungen auf die Geburt unterhielt. Sie wisperte Julius einmal zu: "Mit dem Ranzen läßt Madame Rossignol Millie aber nicht mehr bei Walpurgis mitfliegen. Mußt du dann im Palast rumhängen und mit ihr Händchen halten?" Julius blickte zu seiner Frau hinüber, die sich mit Aurora Dawn und Martine über die Vorzüge von Hausgeburten oder denen in einer Mutter-Kind-Station unterhielt und rief laut genug, daß jeder es hören mußte:

"Millie, Caro hat Angst, du läßt mich nicht an Walpurgis mit den anderen draußen feiern!"

"Wo so viele Hexen drauf warten, dich für die eine Nacht mal hinter sich sitzen zu haben? Da wäre ich ja ganz gemein, wenn ich das verbieten würde", sagte Millie. Er fühlte zwar, daß sie ein wenig verstimmt war. Aber dann überkam sie und damit ihn auch das Gefühl von Überlegenheit. "Caro, Pattie und alle anderen hier am Tisch, ihr könnt ruhig erzählen, daß Julius und ich das schon klargemacht haben, als wir das mit unserem Kind noch nicht wußten, daß mein Mann nicht von mir festgehalten wird. Wer ihn einladen will kann das machen. Der kann sich dann eine aussuchen, genug werden das ja dann wohl sein, wo wir in dem Jahr so viele Gastschülerinnen haben." Zong, dachte Julius. Das traf Caroline sicher heftiger als jede kategorische Ablehnung. So wunderte er sich auch kein bißchen, daß Caro noch verdrossener zurückstarrte, wobei sie sichtlich an Ohren und Wangen errötete. Jedenfalls sagte sie kein weiteres Wort mehr dazu. Sie wußte, daß Millie wußte, daß Caro sich bei Julius schon Chancen ausgerechnet hatte, als es zwischen ihm und Claire noch nicht offiziell war. Belisama strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Auch wenn sie wußte, daß Julius wohl eher einer seiner früheren Schulfreundinnen die Ehre geben würde schien es ihr Spaß zu machen, daß Caroline gerade so bedröppelt dreinschaute.

Nach dem Mittagessen spielten die Kinder der Dusoleils im Garten. Jeanne und ihre Mutter wechselten sich bei der Aufsicht ab. Philemon meinte einmal, hinter Dusty in einen Baum hinaufturnen zu müssen. Doch mit seinen viel zu kurzen Armen kam er nicht richtig an den Baum heran, um ihn erklettern zu können. Er begann wütend zu plärren und mit den Füßchen aufzustampfen, während Rubinia, das Feuerrabenweibchen, daß Jeanne von ihrer Großmutter geerbt hatte, laut krächzend über den Wipfeln der bereits ausgewachsenen Bäume herumflatterte.

Durch die vom fröhliche Lieder spielenden Musikfaß offengehaltene Haustür klang die Stimme von Madeleine L'eauvite, Madame Faucons großer Schwester: "Juhu, kann ich auch ganz durch?" Julius ging in das Haus und sah den Kopf von Babettes Großtante im gerade brennenden Kamin.

"Hallo Madeleine. Die Passage ist frei. Wir haben ja Gäste."

"Gut, dann fang mich mal auf!" entgegnete Madame L'eauvite. Der Kopf verschwand mit leisem Plopp im Kaminfeuer. Doch keine fünf Sekunden später fauchte die vollständige Hexe Madeleine aus einem smaragdgrünen Wirbel heraus und landete in Julius' auffangbereiten Armen. Sie trug jenes regenbogenfarbige Kleid mit den bunten Federn, in dem Julius sie schon einigemale gesehen hatte. "Hups, du ißt doch nicht das, was deine Tochter übrig läßt, oder?" fragte sie und klopfte Julius auf den sichtlich gewölbten Bauch. Er grinste und erwiderte:

"Ihr Kollege hat gemeint, er wolle uns nur ein Kind bringen, wenn er wüßte, daß wir auch genug zu essen für es da hätten und daß er das nur glaubt, wenn ich genausogut esse wie Millie."

"Mein Kollege? Ach ja, verstehe", erwiderte Madeleine L'eauvite und lachte über Julius' spontane Antwort. Dann geleitete sie den Hausherren hinaus und begrüßte die anderen Gäste.

"Hups, der Regenbogenvogel? Dann ist es doch heute schon soweit?" fragte Caroline Renard verächtlich, als sie die neue Besucherin sah. Dann fiel ihr die Ähnlichkeit mit Madame Faucon auf. Sie verzog das Gesicht. Madeleine L'eauvite sah Caroline vergnügt an und sagte:

"Du hast noch nicht genug gegessen, um das zu kriegen, wonach du rufst." Caroline schrak zusammen und lief vom Hals bis unter die Haarspitzen rot an. Das verursachte bei den jüngeren Mädchen und Gérard ein schadenfrohes Kichern. Caroline sah jetzt so aus, als wolle sie gleich im nächsten Erdloch verschwinden. Doch im Garten der Latierres gab es keine Erdlöcher. Madeleine L'eauvite lächelte sie freundlich an und sagte: "Du hast sicher noch genug geduld mit dem Regenbogenvogel, oder?" Caroline konnte darauf jedoch nicht antworten. Sie wirkte so, als sei sie gerade bei einer sehr schlimmen Sache ertappt worden. Catherine Brickstons Tante merkte sicher, wie heftig ihre scherzhafte Bemerkung bei Caroline eingeschlagen hatte. Aber sie tat so, als sei das nur nebensächlich. Sie wandte sich an Millie und fragte, wo sie das Geburtstagsgeschenk für sie hintun könne. Millie deutete auf die Truhe in der großen runden Halle.

Als Madame L'eauvite ein würfelförmiges Paket in die Truhe gelegt hatte bot ihr Julius noch was vom Mittagessen an. Sie nahm dankbar an. Martha Eauvive argwöhnte, daß die Hexe im bunten Kleid wohl auch ihretwegen eingetrudelt war. doch sie hielt sich gut zurück.

Erst als Madeleine mit Aurora Dawn, Jeanne und Camille Dusoleil und Hippolyte Latierre einige Worte gewechselt hatte wandte sie sich an Martha Eauvive. Sie tauschte wohl nur Gedanken mit ihr aus. Denn es fiel kein hörbares Wort. Dann sah Madeleine Geneviève Dumas an, die beim Mittagessen wieder versucht hatte, Martha Eauvive für ihre Schule anzuwerben.

"Stimmt es, daß Sie mit meiner Schwester darüber konkurrieren, wer Madame Eauvive bessere Arbeitsbedingungen bietet, falls Madame Eauvive ihr Interesse an der Arbeit im Zaubereiministerium verlieren sollte?"

"Ich glaube nicht, daß Madame Faucon, Ihre Schwester, Sie in derartige Einzelheiten einbeziehen würde und will es aus Höflichkeit als humorvolle Prüfung der Erfolgsaussichten meiner berechtigten Anfrage werten. Mir ist natürlich bekannt, daß Sie Madame Martha Eauvive so gründlich unterweisen wollen, wie es Ihre Fähigkeiten zulassen. Doch ich sehe die Befähigungen von Martha Eauvive auf anderen, im Lehrplan von Beauxbatons nicht unterzubringenden Bereichen, weshalb ich sehr zuversichtlich bin, daß wenn Madame Eauvive sich für einen Stellungswechsel entscheidet - was Ihrer Vernunft entspricht - sie hier in Millemerveilles sicherlich ideale und flexible einsatzmöglichkeiten vorfinden wird. Mehr kann und will ich zu diesem Punkt nicht erwähnen", erwiderte Sandrines Mutter. Martha Eauvive sah die beiden Hexen an und sagte für alle am Tisch sitzenden hörbar:

"Falls ihr beide meint, über mich wie über ein kleines Mädchen sprechen zu müssen, das nicht weiß, was gut für es ist, empfinde ich es als unlogisch, sich um mich zu bemühen, Geneviève, da kleine Mädchen für gewöhnlich erst eine umfassende Ausbildung erhalten müssen, bevor sie selbst in den Stand einer Ausbilderin erhoben werden können. Alles andere wäre unverantwortlich." Alle anderen am Tisch hielten den Atem an. Madeleine lachte jedoch und sagte:

"Da habe ich dich doch voll erwischt, Geneviève." Die Angesprochene verzog das Gesicht. Hatte diese ältere Hexe mit dem Gemüt eines strahlenden Sommermorgens sie tatsächlich kalt erwischt. Denn es stimmte ja, daß es nichts brachte, sich über jemanden zu unterhalten, der dabei war, wenn dieser Jemand für erwachsen genug angesehen wurde, einen wichtigen Beruf ausüben zu können. Deshalb blickte Geneviève Dumas Madeleine auch sehr verbittert an, während die anderen jetzt merkten, welchen seelischen Treffer Madeleine gelandet hatte. So wandte sich die Hexe im bunten Kostüm an Julius' Mutter:

"Ich persönlich halte dich nicht für ein kleines Mädchen. Der Grund dafür sitzt dort, und der zweite Grund ruht dort." Sie deutete erst auf Julius und dann auf Millies vorgetriebenen Bauch. "Mir geht es nur darum, daß du bei dem, was du machst, Freude hast. Und das ist eben die Frage, die die gute Geneviève dir nie wirklich stellt, ob dir die von ihr angebotene Arbeit Spaß machen würde."

"Kein Kommentar", knurrte Sandrines Mutter.

"Abgesehen davon, daß da einige Faktoren mehr bedacht werden müssen als nur, welche Sachen ich bereits kann und welche Sachen ich in Zukunft erlernen kann. mehr möchte ich, bei allem Respekt vor euch beiden, Madeleine und Geneviève, nicht auswalzen."

"Habt ihr es bald", knurrte Florymont Dusoleil. Millie nickte ihm dankbar zu. Die drei Hexen, die sich in den letzten Sekunden gewollt und ungewollt die ganze Aufmerksamkeit verschafft hatten, nickten.

Der Nachmittag verlief dann weiter wie bisher. Madeleine L'eauvite zauberte den Kindern einige Spielgeräte auf die Wiese, vor allem Rutschen und Klettergerüste. "Das müßt ihr euch auf jeden Fall noch zulegen, Millie und Julius", sagte Madame Faucons Schwester. Julius deutete auf Florymont und erwähnte, daß er mit diesem bereits entsprechende Pläne angedacht habe.

Nach dem Kaffeetrinken griff Millie in die schwarze Leere der roten Truhe hinein, um die darin versenkten Geschenke nacheinander hervorzuholen. So förderte sie mehrere Paar Schuhe, ein apfelgrünes Festkleid, einige Frisierutensilien und ein Buch über die Zaubererwelt der britischen Inseln zu Tage. Dann war noch Madeleine L'eauvites kleines Päckchen übrig. Millie öffnete es. Zum Vorschein kam eine Zaubererweltkamera, mehrere Objektive und zwei Dosen Zauberfilme, sowie ein in hellbraunes Leder gebundenes Buch mit leeren Seiten. Auf dem Rücken stand: MEINE ERSTEN LEBENSJAHRE

"Huch! Ein leeres Fotoalbum?" fragte Julius.

"Genau das, Julius. Deine Mutter hat erzählt, daß sie und dein Vater viele Bilder von dir gemacht haben, als du gerade auf der Welt warst bishin zur Einschulung. Von Millie hast du ja auch ein Album mit Bildern von ihr bekommen, richtig?" Julius nickte. Millie, die noch nie selbst mit einer magischen Kamera fotografiert hatte nahm den klobigen Apparat auf und wog ihn in der Hand. Dann betrachtete sie die verschiedenen aufschraubbaren Objektive.

"Aha, für ganz weit, für ganz nahe, für durch Nebel und für Nachtaufnahmen ohne den Blitz", stellte Millie fest und gab Julius den Apparat. Der sah gleich, wo er den Film einlegen mußte. Gérard fragte, ob das Gerät nicht eher für Jungs sei als für Mädchen.

"Sag das nicht. Nickie kann auch sehr gut mit einer Kamera umgehen, Gérard", sagte Madeleine.

Florymont fragte Millie, ob er die Kamera auch mal ansehen dürfe. Sie erlaubte es ihm. Er betrachtete sie genau und pfiff durch die Zähne:

"Oh, da hast du dich aber in Unkosten gestürzt, Madeleine. Die hat ja alles, was die aktuellen Aufzeichnungspatente gerade hergeben: Levipos-Funktion, daß sie ohne feste Unterlage auf ein Motiv gerichtet und in freier Luft schwebend gehalten werden kann. Dann der Verbactivus-Auslöser, der die Kamera nach dem ersten Zuruf des Auslösespruches jedesmal auslöst, wenn der oder die, der oder die den Auslöser gerufen hat es wieder ruft. Aber der heftigste Hammer ist der Vitalumina-Blitz, der lebende Wesen selbst durch dicksten Nebel oder eine nicht gegen Fernbeobachtung bezauberte Steinwand von der Dicke der Lebewesenlänge oder einer Metallwand von einem fünftel bis ein Zehntel der Dicke des zu fotografierenden Lebewesens sichtbar macht. Bei magisch unsichtbaren Wesen kommt zumindest ein Schemen durch. Die dabei aufzuwendende Magie ist aber so groß, daß nur zehn Bilder pro Stunde mit dem Vitalumina-blitz aufgenommen werden können. Da hat der Veterinärmedimagier und Experte für magische Aufzeichnungsverfahren Melampus Clearwater vor fünfzig Jahren ein Patent für erhalten. Normale Kameras haben die übliche Beilichtversion, die tausend Blitze pro Stunde auslösen kann."

"Moment, willst du sagen, daß Ding blitzt mit Röntgenstrahlen?" Fragte Julius. Er kannte zwar Durchblickapparaturen wie den Einblickspiegel oder den Durchblicktisch an den Flohnetz-Landesgrenzstationen, wollte aber sicher sein, daß der Fotoblitz nicht mit Röntgen'schen X-Strahlen arbeitete.

"also so, wie ich über die Natur dieser von Muggeln benutzten Durchdringungsbilder was gelernt habe nicht, Julius. Es ist eben ein Licht, das von lebenden Wesen zurückgeworfen wird, die eben nicht hinter einer entsprechenden Wand verborgen sind. Ansonsten hat die Kamera mit den Filmen, die dabei sind, die gleichen Eigenschaften wie jede andere Kamera, nämlich die aufgenommenen Sachen als lebende Abbilder aufzuzeichnen."

"Moment, das will ich jetzt wissen", stieß Millie aus. Julius fühlte Unbehagen aber auch Entschlossenheit. "Wie ist das Auslösewort?" fragte sie. Florymont flüsterte es ihr zu, damit die Kamera nicht bei ihm schon auslöste, auch wenn noch kein Film darin war. Er half Julius beim einlegen des Films und das Einsetzen der Zauberbildpatrone, die bei der Aufnahme die Lebendigkeit des Motivs mit in den Film einbrachte. Das war das, was immer als roter Rauch aus einer magischen Kamera quoll. Er zeigte Millie und Julius, wie sie die Kamera wie auf einem unsichtbaren Stativ in der Luft feststellen konnten. Dann stellten sich beide nebeneinander. Millie blickte lächelnd in die Kamera. Julius lächelte auch. Florymont und die anderen traten aus dem Erfassungsbereich des Apparates. Millie rief: "Carpe Momentum!" Die Kamera ruckelte einmal. Mehr passierte nicht. Florymont sagte: "Noch mal, Millie!" Diese wiederholte die beiden Auslöseworte. Diesmal klickte die Kamera, ein blauer Lichtblitz flammte auf. Gleichzeitig stieß eine rote Rauchwolke über dem Objektiv heraus. Es klackte, als der Film automatisch weitertransportiert wurde, um das nächste Bild aufnehmen zu können. Gérard, der interessiert neben Florymont hinter der frei schwebenden Kamera gestanden hatte, sagte: "Ich habe euer Baby gesehen, Millie und Julius. Als es geblitzt hat sah es so aus, als wäre dein Bauch durchsichtig wie Glas geworden, Millie. Ist ja heftig!"

"Echt?!" stieß Millie aus. "Dann will ich nocheins. Carpe Momentum!" Wieder löste die Kamera mit einem blauen Blitz aus. Dann stellte Julius an der Kamera auf normalen Blitz um, stellte sich noch einmal zu seiner Frau in Positur. Noch einmal rief Millie "Carpe Momentum!" Diesmal löste ein gewöhnlicher weißgelber Blitz zusammen mit dem roten Rauch aus. "Jetzt habe ich nur euch in euren gewöhnlichen Klamotten gesehen", sagte Gérard. "Vorhin sah ich Millies und dein Baby schon mit dem Kopf nach unten hängen, als wenn es heute schon kommen wollte."

"Sie hat auch was gemerkt, weil sie sich bewegt hat", sagte Millie.

"Das kann auch vom Rufen kommen, Millie", bot Julius eine andere Erklärung an.

"Ist irgendwie stark aber auch gruselig, daß man in schwangere Frauen reinfotografieren kann", meinte Gérard. Sandrine sagte, daß sie das auch wissen wolle. Sie bat Millie darum, zwei Bilder von sich mit den Zwillingen machen zu lassen. Julius stellte wieder auf Vitalumina-Blitz um und ließ Gérard und Sandrine in Positur rücken. Millie stellte sich neben ihren Mann hinter der immer noch auf einer unsichtbaren Säule aus Schwebezauberkraft liegenden Kamera. "Carpe Momentum!" rief Millie aus. Da konnten sie und Julius es sehen, wie Sandrines noch Prallerer Unterleib für einen winzigen Moment wie ein Goldfischglas durchsichtig wirkte und die darin schwimmenden Föten als helle, aber eindeutig lebende Wesen an ihren Nabelschnüren hängend aufleuchteten. Das passierte dann noch mal. Dann wollte Sandrine noch ein gewöhnliches Bild ohne Lebewesenerleuchterblitz.

"Ähm, ich habe nie gelernt, magische Fotos zu entwickeln. ist das schwer?" fragte Julius.

"Das können schon elfjährige", sagte Florymont. "Du brauchst dazu nur den Vier-Lösungen-Satz und einen bis auf dunkelrotes Licht abgedunkelten Raum. Die Kollegen von der Millemerveilleschronik, die bei den Bällen und anderen Veranstaltungen Bilder machen haben aber einen Laden für Freizeitfotografen, die die Filme zur Entwicklung hinbringen möchten", sagte Florymont. Julius nickte. Dann machte Millie mit Hilfe des Zurufauslösers noch ein Gruppenbild von allen Gästen mit dem Apfelhaus im Hintergrund, wobei sie wegen der Sonne keinen Blitz benötigten.

 

Millie bedankte sich bei Madeleine L'eauvite für das Geschenk und versprach, zu lernen, auch ohne den Zurufauslöser damit umzugehen.

Martha interviewte Florymont nun noch über die magischen Aufzeichnungsverfahren. Das hatte sie während ihres langen Aufenthaltes in Millemerveilles wohl noch nicht ausgiebig getan, vermutete Julius.

"Ich fürchte, Gérard hat recht, und ich werde das Gerät häufiger in der Hand haben, als Millie", sagte Julius, der noch auf die verschiedenen Objektive deutete, mit denen auch Aufnahmen von Himmelskörpern gemacht werden konnten und weil in dem kleinen Bedienungshandbuch auch was von eigenständiger Nachführung bei langsam vorbeiziehenden Objekten stand. Auch konnten damit Bilderserien per Zurufauslöser geknipst werden. Die Auslöseworte waren die gleichen, nachdem die Kamera auf Serienbetrieb mit Zeitabstand eingestellt war. Um die Serie zu beenden mußte nur das für viele Zauberspruchbeendigungen gebräuchliche Wort "Finite!" gerufen werden. Da Millie sich ja als Auslöseberechtigte eingeprägt hatte mußte sie das dann tun. "Dann könnte ich auch Aurores Geburt mit dieser Kamera in einzelnen Bildern einfangen?" Ffragte Millie.

"Würde ich nur machen, wenn du möchtest, daß verschiedene Leute die Bilder ansehen können. Die müssen ja schließlich entwickelt werden", sagte Julius darauf. Millie überlegte und schüttelte dann den Kopf. "Neh, dann lassen wir das besser", sagte sie klar und deutlich.

Nachdem alle Geschenke ausgepackt worden waren hielten sich die Gäste wieder draußen im Garten auf. Selbst beim Abendessen saßen die Gastgeber und Gäste vor dem Apfelhaus.

Gegen zehn Uhr apparierte Hera Matine vor dem Apfelhaus und sah Sandrine an: "Ich würde mal sagen", setzte die Heilerin an, "Das trotz der hier anwesenden Heilerinnen vielleicht doch langsam Bettruhe für dich ansteht, Sandrine. Du benötigst allen Schlaf, den du kriegen kannst, glaube es mir bitte." Sandrine murrte zwar. Doch ein ungehaltenes Räuspern der magischen Heilerin würgte jeden weiteren Widerspruch ab. So verabschiedeten sich die Dumas' von den Gastgebern. Jeanne lud ihre Familie ebenfalls wieder auf den Regenbogenprinzen. Caroline apparierte eigenständig zum Chapeau du Magicien zurück, wo sie womöglich noch aushelfen sollte, wo sie schon den halben Tag nicht im Lokal gewesen war. Belisama hauchte Julius zu: "Wenn die dich einladen darf schicke ich dir auch eine Eule. Aber wenn du meine Einladung nicht annehmen möchtest, schreibe mir das bitte in anständiger Form!" Dann disapparierte sie auch.

"Wenn das junge mädchen können lernst du das bis August auch", sprach Martine Martha Eauvive Mut zu. Diese nickte nur.

Um Elf zogen sich die Feiernden in das Haus zurück. Abräumen wollten sie dann morgen. Das war dann auch der Tag der Rückreise nach Beauxbatons.

Millie und Julius bedankten sich bei ihren Gästen für die doch noch große Feier, bei der sie aber nicht vil hatte machen müssen.

Als sie mit Julius wieder allein im Schlafzimmer war sagte sie: "Ich spüre schon, daß Aurore sich nicht mehr so wohl da unten drin fühlt. Aber offenbar gefällt es ihr noch, ohne eigenes Zutun mitgefüttert zu werden. Vielleicht wird sie ja doch eine Walpurgisnachthexe."

"Moment, heißen nicht so Hexen, die an Walpurgis gezeugt wurden?" Fragte Julius.

"Es gibt die Walpurgisnachttanzhexen und die Walpurgisnachtsängerinnen, Julius. Die ersten werden an Walpurgis ins Leben hineingetanzt und die zweiten begrüßen den Frühling an Walpurgis mit ihrem ersten Laut überhaupt." Julius verstand und nickte.

"Caro ist von meiner Erlaubnis, daß du auch ohne mich mit einer Hexe fliegst geknickter, als wenn ich dir das verboten hätte. Die weiß genau wie ich, daß du sicher mit Pina, Betty, Jenna oder Gloria fliegst, falls dich eine von denen einladen möchte."

"Wenn Caro das rumreicht habe ich bei der Ankunft in Beaux mindestens zehn Einladungen von den Kampfküken, Belisama, Caro und anderen, wenn Céline Laurentine wieder dazu kriegt, mich einzuladen."

"Da mußt du dann durch, Monju."

"Sofern Aurore nicht findet, an dem abend bei dir durch zu müssen", erwiderte Julius. Millie grinste. "Das kann auch passieren. Dann müßten Belisama, Pattie und Patrice aber auch auf den Flug verzichten, weil Madame Rossignol sie ja dabeihaben will." Dem konnte Julius nicht widersprechen.

 

__________

 

Um noch genug Zeit für die Vorbereitung auf Walpurgis zu haben waren vier Tage genug, dachte Julius. Am Morgen der Abreise kaufte er sich einen blau-roten, seine derzeitige Körperfülle gut umschmiegenden Umhang, der beim Flug blaue, rote, grüne und goldene Lichtfontänen in alle Richtungen erzeugen würde. Da er nicht wußte, mit wem er letzthin auf dem Besen sitzen würde, sofern die meisten in Frage kommenden Mädchen ihn nicht für zu dick hielten, brauchte er genug Farbauswahl.

Wieder zurück in Beauxbatons verkündete Madame Faucon, daß ab morgen die Einladungen der Hexen an ihre erwählten Besenpartner verschickt werden dürften. Diese Einladungen hätten dann bis zum Morgen des dreißigsten Mais beantwortet zu werden, ansonsten gelte die Einladung als ungültig. Viele junge Hexen betrachteten die jungen Zauberer. Julius konnte deutlich an den Blicken ablesen, daß die Jungen Hexen sehr ungehalten würden, wenn die Zauberer ihrer Wahl die Frist einfach aussitzen würden.

Am Abend fühlte Millie wieder eine leichte Vorwehe. Doch es war diesmal nicht so heftig wie am Ostersonntag im Quidditchstadion. Madame Rossignol erwähnte jedoch, daß sie bei stärkeren Kontraktionen wohl davon ausgehen müßte, daß Aurore dann innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden zur Welt käme.

 

__________

 

Der erste Morgen nach den Osterferien begrüßte die Schülerinnen und Schüler aus Beauxbatons, Hogwarts und Greifennest mit einem goldenen Sonnenaufgang. als alle im Speisesaal zusammensaßen tuschelten viele wohl schon, wer wann wem welche Einladung geschickt haben mochte. Julius und Robert ließen es ruhig angehen. Gérard war ein wenig beunruhigt, weil Sandrine ihn wie Millie Julius für andere Hexen freigegeben hatte, zumindest für Walpurgis. An und für sich wollte er dann gar nicht mitfliegen, gestand er Julius leise, während die anderen über die soeben eingetrudelten Zeitungen sprachen. Die Titelgeschichte handelte von einem Vampir, der im Verdacht gestanden hatte, für die nach Vorherrschaft strebende Vereinigung Nocturnia gearbeitet zu haben.

"Vielleicht hat Sandrine schon klargestellt, daß dich nur eine einläd", sagte Julius zu Gérard.

"Also, wenn die beiden gören, mit denen du über Millies Tante Barbara auch verwandt bist meinen, ich hätte gefälligst hinter einer von denen mitzufliegen ...", schnaubte Gérard. Da flogen auch schon die ersten Eulen in den Speisesaal.

Julius sah genau hin, wie viele Eulen zu den einzelnen Jungen flogen. Naturgemäß bekamen Jungen aus den ersten beiden Klassen keine Eule, weil sie erst eingeladen werden durften, wenn sie eine Soziusflugprüfung bestanden hatten. Die wurde aber erst in der dritten Klasse möglich. Jene Jungen und Mädchen, die dieses Jahr in der dritten Klasse waren rutschten hibbelig auf ihren Stühlen herum. Für sie galt es wohl als erste Stufe zum Erwachsensein, wenn sie bei der Walpurgisnachtfeier mitfliegen durften. Julius sah erst zu Louis Vignier, der so dasaß, als wisse er nicht, ob er einen Schwarm von Eulen vor seinem Teller landen sehen wollte oder lieber keine einzige Eule. Dann trudelten aber gleich zehn Eulen für ihn ein. Jetzt mußte er sich entscheiden. Julius sah zu Endora Bellart, die verkniffen dreinschaute, weil Louis wieder so viele Einladungen bekam. Jetzt aber mußte er sich auf seinen eigenen Platz konzentrieren. Denn da schwebten gerade sieben Eulen herunter. Also hatte es sich wirklich schnell herumgesprochen, daß Millie ihm erlaubte, mit anderen Hexen zu fliegen. Sicher, die Latierre-Zwillinge hatten es nicht nötig, um Erlaubnis zu fragen, und Belisama hatte auch schon bekundet, ihn einzuladen. Er sammelte die Briefe ein. Gérard atmete schon auf, als gleich drei Eulen zu ihm flogen. Robert bekam nur eine Eule, höchstwahrscheinlich von seiner festen Freundin Céline Dornier. Julius sah sich um, wer von den Hogwarts- und Greifennest-Schülern Einladungen bekam. William Deering erhielt tatsächlich neun Eulen, während Elrick Cobbley keine einzige Einladung erhielt. Brandon bekam zwei Einladungen. Kevin Malone blickte sich um, ob es eine wagen würde, ihn einzuladen. Als dann tatsächlich ein winziger Sperlingskauz angeschwirrt kam, der ihm einen Brief vor den Teller warf, seufzte er. Julius war sich sicher, daß Patrice Duisenberg Kevin eingeladen hatte.

Wie Julius erwartet hatte hatte Caroline ihn aus Trotz eingeladen. Sie schrieb, daß sie sich sehr freuen würde, den letzten Walpurgisnachtflug mit jemanden zu machen, der Ahnung vom Besenfliegen habe. Belisama erwähnte, daß sie wisse, daß sie nur eine Ausnahme darstellte, aber gerade im letzten Jahr nun einmal gerne noch einmal auf einem Besen mit einem ihr sehr genehmen Jungzauberer sitzen würde. Julius fragte sich, ob die ganze heimliche Häme, die er vor den Osterferien wegen seines Übergewichtes mitbekommen hatte, tatsächlich komplett vergessen war. Tatsächlich luden die Hollingsworth-Zwillinge ihn ein. Betty und Jenna erklärten, daß sie außer ihm ja keinen hier wirklich als guten Besenflieger kennengelernt hätten und daß es für sie doch interessant sei, einen Partner zu haben, der sich bereits mit dem Fest gut auskenne, aber auch mit Hogwarts und den da üblichen Festlichkeiten bescheid wisse. Julius wunderte sich nicht schlecht, als er auch eine Einladung von Charlotte colbert aus dem violetten Saal erhielt. Adrian Grandchapeaus jüngere Schwester schrieb in einem amtsmäßigen Stil, daß sie die letzte ihr auf dem Boden von Beauxbatons ermöglichte Walpurgisnachtfeier sehr gerne mit einem sowohl fliegerisch wie intelligenzmäßig beweglichen Partner verbringen wolle. Dann las er noch einen Brief von Pina Watermellon:

Hallo Julius,

ich weiß nicht, wie man hier diese Einladungen richtig formulieren muß. Ich hoffe aber, daß die Art, wie ich das gerade mache, zumindest nicht verkehrt ist.

Hiermit möchte ich dich sehr gerne für die Walpurgisnachtfeier einladen, mich als deine Festtagspartnerin anzunehmen, wenn du das magst. Ich habe in dem Jahr, wo er, dessen Name nicht genannt werden darf, da war, wo du auch eine Zeit warst, mit den anderen auch sowas wie das Fliegen in den Mai gemacht. Ich weiß zwar nicht, ob Millie nicht darüber böse ist, weil sie ja nicht mit dir fliegen darf, solange sie das Baby nicht zur Welt gebracht hat. Aber ich möchte auch nicht von den anderen Mädels dumm angequatscht werden, ich würde mich nicht trauen, wen von hier einzuladen. Also, wenn du mit bei diesem Partnerfliegen und den Spielen, von denen Gloria mir was erzählt hat, mitmachen darfst, frage ich hiermit, ob du mir das Vergnügen, die Freude und die Ehre gönnst, mich an Walpurgis zum Flug der Hexen zu geleiten, oder wie das heißt. Falls du jedoch lieber mit einer anderen zusammen fliegen möchtest ist das auch okay. Ich denke, wenn du eine andere Einladung krigst und sie annimmst, schreibst du mir das oder sagst mir das. Ich werde dir nicht böse sein, wenn du jemanden hier kennst, mit der du lieber als mit mir fliegen würdest.

Ich grüße dich sehr herzlich

 

Pina Watermellon

 

Als Julius den letzten Brief nahm und öffnete wußte er nicht, ob er staunen oder nur denken sollte, daß er damit hätte rechnen müssen.

Hallo Julius,

ich weiß, die legen hier viel Wert auf überkorrekte Schreibe. Aber ich sehe nicht ein, warum ich mir bei einem Brief an dich mehr abbrechen soll als beim Reden.

Ich habe das mit Walpurgis gehört, daß Hexen hier und im Rest von Europa für den Abend einen Zauberer einladen, mit dem sie durch zwei Ringe für den ganzen Abend zusammenhängen. Meine Mutter hat das auch mal mitgemacht, bevor sie meinen Vater geheiratet hat. Das fand sie irgendwie interessant, hat sie mir erzählt. Nun, das, was meine Mum bei dieser Feier erlebt hat läuft ja hier wohl nicht ab, wegen der ganzen Anstandsregeln und so. Aber zumindest auf einem Besen zu fliegen und einen tollen Abend feiern ist ja auch schön. Gut, andere Mädels würden mich wohl für vollbeschränkt halten, weil du im Moment eher wie ein Quaffel mit Armen und Beinen aussiehst. Aber zum einen habe ich mir das von einigen Leuten erklären lassen, warum das bei dir gerade so ist, als wenn du für euch zwei das Baby rumschleppst. Zum anderen sind mir die anderen Zicken schnurzpiepegal, weil die nur drauf glotzen, wie wer aussieht. Ich weiß aber, daß du supergut fliegen kannst, daß du was in Zaubersachen auf dem Kasten hast und genau weißt, was du willst. Das kann man nicht von jedem Jungen sagen, daß der das so genau weiß. Auf jeden Fall frage ich dich jetzt hier und heute: Willst du, Julius Latierre geborener Andrews, sofern deine Angetraute dich überhaupt läßt, mit mir auf dem Walpurgisnachtbesen fliegen und das Zeug machen, von dem Gloria uns allen erzählt hat? Wenn ja, dann schicke mir bitte deine oder eine andere Eule zurück! Falls deine Frau dir nicht erlaubt, noch mit anderen Spaß zu haben, weil sie meinte, sich jetzt schon von dir schwängern lassen zu müssen, dann schmeiß den Brief weg und vergiß meine Einladung!

Ich grüße auf jeden Fall mal

 

Lea Drake

 

Hatte Lea Drake ihn also tatsächlich eingeladen. Sicher, Krach hatte er weder in Hogwarts noch hier mit ihr gehabt. Allerdings fragte er, ob das nicht ein eiskaltes Vorgehen war, um den anderen Mädchen aus der Hogwarts-Abordnung zu zeigen: "Seht her, euren Freund fliege ich auf dem Besen!" Er wußte das nicht sicher, und fragen konnte er sie wohl schlecht. Entweder stimmte es nicht, dann hätte er sie beleidigt. Wenn es stimmte, würde sie es ihm aber nicht sagen. Die Zeit konnte er sich also sparen.

Eine weitere Eule flog an. Noch eine Einladung? Julius steckte erst die anderen Briefe weg und öffnete dann den gerade eingetroffenen Brief.

Sehr geehrter Monsieur Latierre,

in meiner Eigenschaft als Vorsteher des grünen Saales habe ich jedes jahr eine Aufgabe zu erfüllen, die zum einen höchst erfreulich, aber aus gleichem Grunde auch sehr traurig ist. Wie Sie ja seit nun schon bald vier Jahren wissen findet jedes Jahr zum Abschluß des laufenden Schuljahres ein großes Fest in Beauxbatons statt. Im Rahmen dieses Festes erweisen sich Mitglieder des jeweiligen Abschlußjahrganges gerne bereit, ihre kreativen Fähigkeiten in einer kurzen Theatervorstellung mit und ohne musikalische Begleitung zu beweisen. Schülerinnen und Schüler, die aus Ffreien Stücken an dieser Vorstellung teilnehmen, nutzen gerne die Gelegenheit, durch szenische Darstellung des Schulalltags in humorvoller bis satirischer Weise, den Alltag der vergangenen Jahre in neuem Licht zu betrachten und die Ereignisse ihrer dem Ende entgegengehenden Schulzeit in einer erheiternden bis ironischen Rückschau nachzuempfinden. Da sie Mitglied mindestens einer musischen Freizeitgruppe von Beauxbatons sind und zudem sowohl in der Freizeitgruppe Zauberkunst, sowie Verwandlungen für Fortgeschrittene über alle Jahre Ihrer hier verbrachten Schulzeit mitgewirkt haben, möchte ich Sie fragen, ob Sie Zeit und Lust haben, an der künstlerischen Gestaltung des Jahresabschlußfestes mitzuwirken. Ich betone, daß diese Anfrage keine Anweisung oder gar Vorausplanung darstellt. Vielmehr geht es mir darum, eine Gruppe vielseitig interessierter Schülerinnen und Schüler aus dem Abschlußjahrgang des grünen Saales zu finden, die diesen von Ihnen bewohnten Saal mit Einsatzbereitschaft, Ideen und künstlerischem Gestaltungswillen repräsentiert. Falls Sie wegen der anstehenden Prüfungen oder sonstiger schulischer oder außerschulischer Verpflichtungen kein Interesse an dieser Mitgestaltungsmöglichkeit haben, so erwächst Ihnen aus der Absage kein Nachteil. Sie müssen es auch niemandem gegenüber rechtfertigen, wenn Sie sich nicht an der künstlerischen Mitgestaltung beteiligen möchten. Ich verstehe sehr wohl, daß die Vorbereitungen auf die wichtigsten Prüfungen in Beauxbatons eine Menge Zeit und Energie fordern.

Falls Sie Zeit und Lust haben, mit Schülerinnen und Schülern aus Ihrem Wohnsaal und denen anderer Säle einen Beitrag zum Jahresabschlußfest leisten zu wollen, so schreiben Sie mir bitte bis zum 30. April eine entsprechende Nachricht. Falls Sie wegen was auch immer keinen Sinn oder keine Zeit in der Mitwirkung bei dem Jahresabschlußfest sehen, so genügt eine kurze Absage an mich. wie erwähnt müssen sie im Falle einer Absage keine Rechtfertigung vorbringen, warum Sie nicht mitmachen möchten. Denn diese Veranstaltung lebt und gedeiht von der eigenen, ungebundenen Einsatzfreude und unerzwungenen Ideen.

Mit freundlichen Grüßen

 

Prof. Phoebus Delamontagne

 

Julius nickte. Jetzt wußte er, wie das mit der Abschlußfeier angeleiert wurde. Er hatte sich schon immer gefragt, ab wann sich die Leute zusammentaten, die bis zur Abschlußfeier ein kurzes Programm auf die Beine stellten. Immerhin galt es wohl auch, den Ablauf des Abends zu planen. Dazu war es ja nötig, bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eine geplante Aufführung zu kennen und zu wissen, wie lange sie dauern würde. Wollte er da mitmachen? Sicher, es war keine Anweisung. Andererseits warteten sicher viele Leute darauf, daß er mithalf. Er konte das. Sicher hatte er gerade jetzt, wo die Geburt von Aurore unmittelbar bevorstand, andere Sorgen, als mit einigen Leuten einen bunten Abend hinzukriegen. Andererseits hatte er immer als einer der lautesten mitgelacht und geklatscht, wenn die vorhergehenden Abschlußjahrgänge ihre Zeit in Beauxbatons aufgearbeitet hatten. Er war auch häufiger dabei mit erwähnt worden. Insofern würde es auch dieses Jahr wieder passieren, daß ihn irgendwer erwähnte. Solte er zusehen, wer da wi über ihn herzog? Nein, da war es doch besser, er machte mit und nahm sich dabei selbst auf die Schippe. Das würde denen, die ihm immer noch nicht verziehen hatten, daß der Feuerkelch ihn nicht ausgeworfen hatte, den letzten Wind aus den Segeln nehmen. Außerdem konnte er dann das, was er aus beiden Welten mit nach Beauxbatons mitgebracht hatte einbringen. Die Frage war nur, wie die Zeiteinteilung dann war. Wurden die Mitglieder des bunten Abends dann aus allen anderen Freizeitgruppen freigestellt? Wer leitete die Proben und stimmte die einzelnen Elemente aufeinander ab? Weil ihn die Antworten auf diese Fragen interessierten und er eben zusehen wollte, alle ihn betreffenden Sachen innerhalb der Vorstellung selbst mitzugestalten, entschloß er sich dazu, mitzuwirken. Das würde dann sein Abschiedsgeschenk an die Beauxbatons-Akademie nach hoffentlich erfolgreichen Prüfungen sein. Er steckte den Brief wieder fort.

"du hast acht Einladungen gekriegt, obwohl du verheiratet bist?" fragte Kevin, der Julius in Ruhe hatte lesen lassen.

"Sieben Walpurgisnachteinladungen und eine Einladung von unserem Saalvorsteher, der wissen möchte, wer aus den Musik- und Theatergruppen beim Abschlußfest mithelfen möchte", faßte Julius die Briefe zusammen, ohne Namen zu nennen. Kevin deutete auf den einen Brief.

"Du und noch ein paar andere haben behauptet, wenn ein Junge zu dieser Umgebauten Beltane-Feier eingeladen wird, dann muß er eine der geschickten Einladungen annehmen, weil er sich sonst bei allen Mädels hier unbeliebt macht. Ähm, heißt das, wenn wer nur eine Einladung kriegt, dann muß er die Einladung annehmen?"

"Sagen wir es so, Kevin: Strafpunkte gibt es dafür nicht, wenn du die Einladung ablehnst. Aber das betreffende Mädchen wird sich dann beleidigt fühlen, vor allem, wenn seine Saalkameradinnen mitkriegen, daß sie dich eingeladen hat. Jungs, das weißt du leider aus Hogwarts, können zu anderen Jungs gemein sein. Mädchen können da noch fieser sein. Also solltest du zumindest für den einen Abend ein Gentleman sein, auch wenn dir der Begriff nicht paßt und du meinst, daß du sowas nicht sein willst. Abgesehen davon macht das richtig Spaß. Deshalb hat Millie mir ja gesagt, ich sollte bloß nicht im Palast hocken bleiben, nur weil sie nicht fliegen darf. Jetzt habe ich sieben einladungen und muß jetzt überlegen, welche ich annehme."

"Die hat es mir in den Ferien schon angedroht, daß sie mich auf jeden Fall einläd. Ich dachte aber, es kämen noch zwei mehr, damit ich da hätte drüber nachdenken müssen. Gut, was du gesagt hast kapiere ich. Wenn sie jetzt von mir 'ne Absage kriegt, würden die anderen Mädels sie wohl dumm anmachen, daß sie sich den falschen ausgesucht hat und wohl alleine herumfliegen muß und so. Dürfen da echt nur Hexen an dem Abend auf den Besen fliegen?" Julius nickte heftig. "Okay, dann werde ich das mitmachen. Ich will mit der ja nicht noch kurz vor den Prüfungen Zoff kriegen und mir damit mehr Stress aufladen, als nötig ist."

"Könnte es sein, daß ich die junge Dame jeden Samstag und Sonntag treffe?" Fragte Julius leise. Kevin überlegte und nickte. Der Name war nicht gefallen. Robert sah Kevin an und fragte: "Hat es doch eine drauf ankommen lassen, ob du nur ein großes Maul hast oder auch zu was stehen kannst? Wenn das nur eine Einladung ist, dann mußt du die annehmen."

"Hat mir euer Saalsprecher schon längst erzählt, Robert. Häng dich jetzt nicht noch da rein!" stieß Kevin aus. "Oder hat deine Freundin keine Lust, mit dir zu fliegen?"

"Das wirst du dann sehen, wenn der Besenflug steigt", grummelte Robert, der jetzt merkte, welches Eigentor er sich geleistet hatte.

Gérard zählte noch mal seine Einladungen und murmelte: "Eine von denen muß ich dann annehmen. Hat die sich gut ausgedacht, um mich bloß nicht im Palast rumsitzen zu haben. Na ja, wenn unsere Kleinen an dem Tag doch kommen bin ich ja fein raus."

"Hat Sandrine dir die Besenherrin ausgesucht?" feixte Robert.

"Kein Kommentar", grummelte Gérard. Dann las er eine ähnliche Anfrage, wie Julius sie bekommen hatte. "Machst du da mit, Julius?" fragte er. Julius nickte. "Na ja, ich bin ja bei den Zauberkünstlern und bei den Töpfern mit dabei. Bei dir geht ja mehr als Holzbläser, Zauberkünstler, Verwandlungskünstler und Duellierer."

"Wobei ich mich wohl nicht mit jemandem duellieren muß", erwiderte Julius.

"Wovon habt ihr's jetzt?" Fragte Kevin vorsichtig.

"Von unserem Abschlußfest hier, Kevin. Am Tag vor der Abreise gibt es immer einen Tanzabend und davor eine kurze Vorstellung von Schülern aus der Abschlußklasse, wo sie das, was sie hier für lustig, wichtig oder anstrengend gehalten haben in kurzen Szenen auf die Schippe nehmen. Ist immer was lustiges, vor allem, wenn die muggelstämmigen aus dem jeweiligen Abschlußjahrgang die Tücken der Muggeltechnik und die Komplikationen, die Zauberei bieten kann runtermachen. Ihr bleibt ja bis zum Sonntag der Abreise von uns hier, wenn ich das richtig mitbekommen habe. Dann kriegt ihr das ja mit."

"Oh, und du darfst oder mußt da mitmachen?" Fragte Kevin.

"Ich darf da mitmachen, Kevin. Ist nur die Frage, was genau ich dabei machen kann, will und werde. Aber das ist dann später zu klären.

"Das gilt nur für Beauxbatons-Leute?" fragte Kevin.

"Du warst ja keine sieben Jahre hier", bemerkte Robert dazu. Kevin sah Julius an und sagte, daß der aber auch keine vollen sieben Jahre hier war. Darauf erwiderte Gérard:

"Ja, aber die wichtigsten Jahre hat er hier schon mitgekriegt, wie Célines Nichte zur Welt kam, zweimal den Quidditchpokal gewonnen, das dunkle Jahr mit der Belagerung, dem Gegenminister und den Schlangenleuten und Madame Faucons erstes und zweites Jahr hier als Schulleiterin."

"Kapiere es", sagte Kevin. Was das sogenannte dunkle Jahr anging hatte er da auch seine ganz einprägsamen Erinnerungen. Doch die ließ er besser nicht vor den anderen hier raus.

"So, es ist gleich viertel vor acht. Bitte machen Sie sich nun fertig für den Unterricht!" gab Madame Faucon die übliche Werktagsanweisung um diese Zeit.

"Langsam sollten wir es wissen, wann die Stunden anfangen", grummelte Kevin. Julius fragte ihn, was ihn so ärgere.

"Das was mich hier immer schon geärgert hat, Julius. Auch wenn ich mir damit wohl wieder Strafpunkte einhandele: Alles, was hier läuft, wird irgendwie von da ganz oben angeleiert und in der Spur gehalten. Wie soll man denn eigene Sachen zu machen lernen, wenn hier alles irgendwie vorgeplant wird?"

"Indem du dir aussuchst, was von dem vorgeplanten für dich am interessantesten ist", erwiderte Gérard darauf. "Aber du hast jetzt Probleme damit, daß du nur eine Walpurgisnachteinladung hast und die wohl annehmen mußt. Na ja, wäre ja nicht das erste mal, daß er bei Walpurgis hinter einer Hexe auf dem Besen sitzt, zwei Wochen später auch vor dieser Hexe auf dem Besen sitzt."

"Erfahrung oder Wunschtraum?" konterte Kevin.

"Beides, Kevin", erwiderte Gérard. Dann stand er auf, um die gegebene Anweisung zu befolgen.

Julius kniete sich voll in die Unterrichtsstunden. Allerdings mußte er zwischendurch Millies Unbehagen niederringen. Offenbar wußte sie nicht, ob das alles so richtig war, was da demnächst mit ihr passierte. Zwar hatte sie das Kind gewollt. Doch auf der anderen Seite mochte ihr jetzt aufgehen, was dadurch alles schwerer wurde. Nur weil die Mondtöchter diese Frist gesetzt hatten hatten Julius und sie nicht bis zu den UTZ-Prüfungen gewartet. Millie würde die Prüfungen so oder so nachholen müssen, die nicht in reinen Theorieteilen abgehandelt werden konnten. Aber ansonsten war ja alles geklärt, bis auf die mögliche Berufswahl. Würde Millie sich mit einem Leben als Haushexe anfreunden? Oder würde Julius sich dazu bereiterklären, auf das erste und alle anderen noch ungezeugten Kinder aufzupassen, wo er in Haushaltszaubern auch gut vorgebildet war? Zumindest mußten sie sich nicht auf dem Wohnungsmarkt umsehen.

Am Nachmittag schrieb Julius die Antworten auf die Einladungen. Die Latierre-Zwillinge fertigte er damit ab, daß er bei Walpurgis nicht als Zankobjekt zwischen zwei Schwestern herumgereicht werden wollte. die Hollingsworths bedachte er in seiner Antwort schon etwas sanfter. Er schrieb, daß er ein schlechtes Gewissen habe, wenn er der einen zusagte, die andere automatisch dazu verdonnere, alleine zu fliegen. Belisama schrieb er, daß er sich sehr über die Einladung gefreut habe, allerdings gerne die Gunst nutzen wolle, mit einer seiner früheren Schulfreundinnen den Abend zu verbringen. Carolines Einladung sagte er mit ähnlicher Begründung ab, wobei er jedoch noch einstreute, daß sie sicher schon damit gerechnet habe und er deshalb damit leben könne, ihr absagen zu müssen. Bei Lea Drake schrieb er höflich aber unmißverständlich ablehnend, daß er sich zwar freue, mit einer ehemaligen Mitschülerin von Hogwarts mitzufliegen, es aber den fünf Freundinnen aus seiner Schulzeit nicht zumuten könne, sie außen vorzulassen und er auch nicht als jemand herhalten wolle, den man vorführe. Dann kam noch die Antwort auf Pinas Brief:

Sehr geehrte Mademoiselle Watermellon,

sicherlich haben Sie mitbekommen, daß mir an diesem Morgen mehrere Einladungen zugegangen sind. Deshalb mußte ich zunächst überlegen, aus welchem Grund ich die eine Einladung annehme oder absage. Hier ist die von Ihnen zu erwartende Antwort:

Hallo, Pina,

ich habe in meinen bald fünf vollen Jahren hier so viele verschiedene Einladungsbriefe gelesen, daß mir alle möglichen Schreibformen untergekommen sind. Wie du den Brief geschrieben hast ist also nicht verkehrt oder unzulässig. Ich habe mich sehr gefreut, daß du trotz meiner gewissen Gewichtszunahme in den letzten Monaten keine Angst hast, mich einzuladen. Denn du wirst ja den Besen fliegen müssen, auf dem ich hinten drauf sitze. Ich habe mich auch sehr gefreut, daß ihr Mädchen aus der früheren Sechserbande von Hogwarts gerne an der Walpurgisnacht teilnehmen wollt. Auch wenn ich fürchten muß, daß dir die anderen dumm nachreden, du seist ja nur zweite Wahl gewesen, weil meine Frau aus uns bekannten Gründen auf keinen Besen steigen darf, möchte ich sehr gerne mit dir zur Walpurgisnacht hingehen, mit dir auf einem Besen sitzen und nach dem Flug der Hexen an den Walpurgisnachtspielen teilnehmen. Laß dich von den anderen nicht dummreden, wie ausschweifend es hier zugeht! Die Spiele sind alle völlig harmlos, was Anstand und Ruf angeht. Jedenfalls möchte ich diesen Abend gerne mit dir verbringen. Und ich bin mir sicher, das Millie sich sehr freut, daß ihr aus Hogwarts mich nicht vergessen habt, auch wenn ich schon so lange von euch weg bin. Ich habe mir einen Umhang für diesen Abend zugelegt, der verschiedenfarbige Leuchtfontänen macht. Ich weiß nicht, ob ihr in den Ferien Walpurgisnachtkostüme besorgen konntet. Gloria hat dir das sicher mal erzählt, wie das abläuft, als sie bei uns das Austauschjahr gemacht hat.

Ich freue mich auf einen schönen, kurzweiligen Abend und wünsche dir bis dahin

Alles gute

 

Julius Latierre

 

Der ehemalige Hogwarts-Schüler steckte die Antwort, nachdem er sie auf Schreibfehler oder Tintenklekse geprüft hatte, in einen Umschlag und übergab diesen wie die anderen Antworten an freie Posteulen, wobei er natürlich höllisch aufpaßte, die richtigen Adressaten zu benennen. Er war nicht der einzige Junge, der die nötigen Briefe abschicken wollte. Pierre Marceau betrat die Eulerei des grünen Saales.

"Ich hatte drei Einladungen. Aber ich fliege natürlich mit Gabrielle. Die hat mir geschrieben, daß sie nur mich auf dem Besen oder keinen haben möchte. Ich bin echt gespannt, wie das wird mit den beiden Ringen."

"Das hast du ja schon zweimal gesehen", wußte Julius. Pierre nickte. Aber bei etwas zuzusehen und es selbst zu erleben waren doch verschiedene Dinge.

"Ich habe Einladungen von meinen früheren Schulkameradinnen bekommen. Mit einer von denen fliege ich dann", sagte Julius und schickte die letzte Eule mit einer Antwort los.

Am Abend bekamen die ersten auch schon ihre Antworten. Julius sah genau, wie Caro verdrossen dreinschaute, Belisama nickte, die Latierre-Zwillinge enttäuscht dreinschauten und Lea eine Miene zog, als hätte sie eine Wette verloren. Hoffentlich war das nicht auch so. Wußte er denn, ob Kevin und sie nicht was gewettet hatten, wo sie in ihrem fliegenden Zirkuszelt waren? Pina freute sich sichtlich über die ihr zugeflogene Antwort. Dabei fragte sich Julius, warum Gloria ihn nicht eingeladen hatte. War sie sich zu sicher, daß er eh nicht fliegen würde? Oder wollte sie nicht das sein, was er als zweite Wahl erwähnt hatte? Oder hatte sie grundsätzlich jemanden anderen für die Feier vorgemerkt? So oder so hoffte Julius darauf, einen kurzweiligen Abend zu haben, sofern aurore nicht beschloß, an diesem Abend nachzusehen, wie ihre Eltern aussahen, deren Leben sie ab da mitbestimmen würde.

Im grünen Saal nach zehn Uhr abends winkte Louis Julius heran. Der Saalsprecher war sich sicher, daß es nun wieder um die Einladungen ging. Er tat jedoch erst so, als wisse er nicht, was Louis Vignier von ihm wollen könne.

"wieder zehn Einladungen. Eine muß ich annehmen. Endora textet mich an, daß ich mich gefälligst zu dem bekennen sollte, was zwischen ihr und mir entstanden sei. Dabei habe ich der weder einen Heiratsantrag gemacht noch habe ich mit der ein Baby auf die Reise ins Leben geschickt. Deshalb kapiere ich das nicht, was die meint, daß da was zwischen der und mir entstanden sein soll. Andere Mädels wollen Endora eins auswischen. Das schreiben die mal mehr und mal weniger klar. also geht es denen nicht echt um mich. Aber drei Einladungen kann ich nicht so einfach in die Tonne klopfen. Da ist einmal Lucibelle aus der sechsten, die findet, ich sollte mich nicht von den kleinen Mädchen rumschubsen lassen und daß sie keine Probleme hat, daß ich gerade erst in der vierten sei und es mit ihr und mir sicher genial auf dem Besen aussehe. Die wohnt doch im violetten Saal. Die legen ja da Wert auf gute Beziehungen. Wenn die welche hat habe ich nachher Probs, wenn ich der 'nen Korb gebe. Dann ist da meine Klassenkameradin Jeannette aus dem gelben Saal, die schreibt, daß sie es bedauert, daß in diesem Jahr kein Quidditch gespielt wurde und sie sich sehr freuen würde, mit mir auf einem Besen gescheite Flugfiguren fliegen zu dürfen. Die schmachtet mich schon seit einem Jahr an. Die noch mal abzuservieren ist vielleicht fies, wo es nur um die Walpurgisnacht geht. Dann ist da noch Sylvie Rocher aus der ZAG-Klasse. die wohnt doch bei Millie im Haus. Die schreibt mir, daß ich ihr schon seit dem ich zum ersten Mal auf einem Besen gesessen habe sehr gefallen haben soll und sich freut, daß ich in der Quidditchmannschaft so gut reingekommen bin. Außerdem findet die es schade, daß ich in den Ferien nicht einmal in die Zaubererwelt fahren darf und ich deshalb ja nur die Schule mitbekommen kann. Deshalb, so meint sie, wollte sie mich einladen, zumindest einmal im Jahr nicht ans Büffeln und Üben zu denken und daß die und ich garantiert gut miteinander durch die Nacht kommen. So wie die das schreibt liest sich das, daß die meint, die und ich könnten es zusammen tun. Aber das wollen die in Beauxbatons doch nicht. Aber die schreibt dann noch, daß ich keine Angst vor älteren Mädchen haben soll. Klingt so, als wollte die echt was von mir. Aber da würden nicht nur die in Beaux voll am Rad drehen, sondern auch und ganz sicher meine Eltern. Die haben mir gesagt, ich sollte hier alles lernen, was die meinen, daß ich können muß, um die Prüfungen zu überstehen. Aber Wenn ich dann die ZAGs hätte wollten sie zusehen, daß ich anderswo unterkomme, um die ganzen Muggelsachen, die ich zu Hause nicht Muggelsachen nennen darf, zu lernen. Auf keinen Fall sollte ich was mit 'ner Hexe anfangen."

"Also, was deine Eltern wollen und was du machen kannst können zwei ganz verschiedene Schuhe sein. Da können Laurentine und ich dir ein Lied mit hundert Strophen von singen", setzte Julius an. "Was Endora angeht, Louis, hast du der irgendwas gesagt, was die so denken läßt, als wolltest du die irgendwann heiraten? Ich weiß, ich habe dich das schon mal gefragt. Aber wenn sie echt geschrieben hat, du solltest dich zu dem bekennen, was zwischen ihr und dir entstanden ist - und schwanger sieht sie wirklich nicht aus -, dann muß da was anderes gelaufen sein. Hast du sie vielleicht mal wo angefaßt?"

"Hast du mich auch schon mal gefragt", grummelte Louis. Nein, ich habe die nicht an Stellen angefaßt, wo die Schulregeln das nicht erlauben. Ich habe der nur gesagt, daß ich es sehr schön finde, mit ihr ganz ruhig reden zu können und habe mich mit der immer über so Sachen wie gut miteinander klarkommen unterhalten und ... Na ja, hat die wohl so geschluckt, als wollte ich die irgendwann heiraten. Dabei habe ich das echt nicht so gesagt. Sie hat mir aber viele Sachen erklärt, die ich bis dahin nicht kannte und hat mir viel bei den Hausaufgaben geholfen."

"Endora ist zwar wohl hormongeladen, wie wir alle in dem Alter waren oder bis jetzt noch sind", setzte Julius an. Aber da muß noch mehr abgelaufen sein, Louis. Okay, solange es nichts konkretes gibt muß ich das mal so hinnehmen, wie du es sagst. Aber was ist mit Sylvie Rocher?"

"Das ist die große Schwester von der kleinen, dicken Celestine, richtig? Ich finde das irgendwie interessant, daß die findet, zumindest bei Walpurgis gut mit der klarzukommen. Aber wenn sie dann meint, da ginge noch mehr, was mache ich dann, wenn's konkret wird?"

"Drei Sachen zur Auswahl: Weglaufen, draufhauen oder genießen", beantwortete Julius die Frage. "Ich würde in dem Fall lieber weglaufen nehmen, bevor rumgeht, daß du Mädchen schlägst, und wenn du genießt, dann mußt du wirklich dazu stehen, was dabei passieren kann, wenn du ein richtiger Mann werden willst."

"Super, jetzt bin ich genauso schlau wie vorher", grummelte Louis. Julius nickte und sagte, daß er sowieso nicht vorgehabt hätte, ihm zur Annahme der einen oder anderen Einladung zu raten. "Das war schon letztes Jahr nicht nötig, und ist es dieses Jahr auch nicht", fügte er noch hinzu. Louis trollte sich mit einem kurzen "Dann Danke und gute Nacht!"

"Da muß was gelaufen sein, Monju. Tine hat es Edmond nicht verziehen, daß er sich versteckt hat, als sie ihn auf den Besen rufen wollte", sagte Millie zu Julius, als sie im Bett lagen und den Tag noch mal zusammenfaßten. "Tja, und ich weiß, daß Tine dir erzählt hat, was zwischen den beiden gelaufen ist. Also, was hat euer Louis angestellt, daß so eine auf ihren Grips bezogene Hexe behauptet, zwischen der und ihm liefe was?"

"Also, wenn er sie nicht angefaßt hat könnte er sie geküßt haben, was sie vielleicht auf Grund ihrer Erziehung als Anlauf zu mehr gewertet hat, oder die beiden haben sich mal unbekleidet gesehen, was mich jetzt aber auch wundern würde, wo Louis das auch ... Moment! Er hat gesagt, daß sie ihm Sachen erklärt hat, die er bis dahin nicht gekannt hat. Das könnte diese hier geltende Anstandsregel sein."

"Also, wenn Endora kein unberührtes Hexenmädchen mehr wäre, dann hätte Madame Rossignol das an Madame Faucon weitergeben müssen, und wir hätten das wohl in der SSK oder der PHK mitgekriegt", erwiderte Millie und stieß einen kurzen Laut des Unwohlseins aus, weil ihr wohl jemand immer mehr zusetzte. "Seitdem sie in der Endlage ist tritt die mir andauernd alles mögliche. Aber Aurore ist jetzt nicht das Thema, sondern euer Louis. Sylvie himmelt den an. Das wußten wir ja schon seit Ostersonntag. Womöglich hofft sie darauf, daß sie ihm mit genug Ruhe zeigen kann, daß er sich mal freuen kann, wenn ein Mädchen was von ihm will, außer Bücher hinterhergetragen zu kriegen. Aber wieso Endora meint, den schon klarzuhaben sollten wir vielleicht noch rauskriegen." Sie stieß kräftig auf, weil wohl überschüssige Luft in ihrem Magen zusammengestaucht und wieder hinausbefördert worden war.

"Ich kläre das noch mal mit Madame Rossignol, ob sie bei der Untersuchungsrunde was gefunden hat."

"Endora ist im weißen Saal, das ist dann eher was für Belisama. Und jetzt will ich schlafen, damit die da drinnen auch Ruhe gibt", grummelte Millie. Sie drehte sich so, daß sie nicht zu sehr auf dem Bauch oder einer ihrer nun stark angeschwollenen Brüste drückte. Julius wünschte ihr noch eine gute Nacht. Dann drehte er sich auch in eine für ihn bequeme Einschlafstellung.

 

__________

 

Louis' Problem, wessen Einladung er jetzt annehmen sollte, war am nächsten Tag noch nicht gelöst. Millie nutzte ihre Rangstellung als Saalsprecherin aus und unterhielt sich noch einmal mit Sylvie, jetzt wo klar war, welchen Muggelstämmigen sie genau gemeint hatte. Julius hatte gesagt, sich nicht in Louis' Entscheidung einmischen zu wollen, solange dadurch nicht die übliche Aufmerksamkeit im Unterricht leide. Außerdem hatte er selbst mit Millie und sich genug zu tun. Er fühlte wieder stärkere Gefühlswogen von seiner Frau. Jetzt, wo ihr Körper sich auf den entscheidenden Augenblick vorbereitete, traten auch wieder starke Angstempfindungen auf, daß Aurore nicht ohne Schwierigkeiten zur Welt kommen mochte, daß sie Angst vor den möglichen Schmerzen hatte, von denen sie gerade erst einen Vorgeschmack bekommen hatte und daß Aurore vielleicht durch den Geburtsvorgang bleibende Schäden davontragen würde. Letztere Angst erschien Julius unbegründet, weil die magische Heilkunst verdrehte Beine oder zu sehr eingequetschte Köpfe besser beheben konnte als die Neugeborenenchirurgie der Muggel. Und die konnten mittlerweile schon Kinder operieren, während sie noch im Mutterleib heranwuchsen. Dann waren da noch überschwengliche Glücksgefühle, weil Millie wohl daran dachte, eines ihrer wichtigsten Ziele im Leben zu erreichen und weil sie ihrer großen Schwester erfahrungsmäßig voraussein und dies dann auch bleiben würde. Julius steuerte immer so weit mit der eigenen Selbstbeherrschungsformel dagegen, wie er seine eigenen Gefühle unter Kontrolle halten mußte. Was den Appetit anging, so war der von Millie immer noch ungezügelt und strahlte über die Herzanhängerverbindung auf Julius aus. Dieser war froh, die neue Mixtur von Barbara Hippolyte Latierre trinken zu können. Damit war die Gewichtszunahme doch bis auf Nullwert zurückgeführt worden. Was er jetzt noch auf den Hüften und um den Oberkörper trug konnte und würde er mit Hilfe der Mixtur aus Latierre-Kuhmilch und anderen Bestandteilen hoffentlich bis zum Sommerball von Millemerveilles abtrainieren können. Was ihm persönlich Sorgen bereitete war die Frage, ob Aurores Geburt ihn nicht selbst zu heftig beeinträchtigte und er danach eine Art Gefühlsreparatur benötigte. außerdem fragte er sich, ob die bis zu Millies Schwangerschaft so nützlichen, manchmal sogar lebensrettenden Herzanhänger nach Aurores Geburt wirklich wieder abgelegt werden konnten, oder ob die Gefühlsverbindung durch die Geburt an sich unaufhebbar wurde, ja er mit Millie zu einer Gefühlseinheit verschmolz. Das konnte dann in Identitätsstörungen ausarten, daß er meinte, er sei Aurores Mutter oder Millie empfinde ihren Körper als lästig und verkehrt für einen Mann. Doch er hatte gelernt, den eingeschlagenen Weg solange zu folgen, wie es ohne sein Leben oder das anderer zu gefährden möglich war und die Folgen seiner Handlungen ohne Murren und Klagen zu tragen.

Am 29. April, einen Tag vor Walpurgis, hielt es Julius aber doch für geboten, Louis anzusprechen, um ihn zu fragen, ob er sich jetzt entschieden habe. Louis sagte ihm:

"Ich habe das jetzt geklärt. Sylvie hat meine Zusage gekriegt. Die ist unkomplizierter als Endora und kapiert wohl, daß es eben nur um Walpurgis geht und nicht gleich in irgendeiner Beziehungskiste enden muß." Julius hätte fast Einspruch eingelegt, weil er sich nachdem, wie er die beiden Rocher-Schwestern in den Ferien mitbekommen hatte und was Millie ihm erzählt hatte dachte, daß Sylvie jetzt endgültig austesten wollte, ob Louis doch wer für sie war. Doch er hatte seine Erfahrungen machen müssen und hatte daher kein Recht, Mitschülern vorzuschreiben, wie sie ihre privaten Erfahrungen machen konnten.

Als wenn sie seine Gedanken gelesen hätte zitterte Belisama Lagrange Julius während des kurzen Gesprächs mit Louis an. Da er ja erst sehen mußte, wer ihn da sprechen wollte, zog er sich in eine ruhige Ecke zurück und legte den linken Zeigefinger auf den weißen Schmuckstein seines silbernen Pflegehelferarmbandes.

"Julius, kommst du mal bitte raus zum Südpark, falls du gerade Zeit hast. Es geht um das, was da zwischen Endora Bellart und Louis läuft oder nicht läuft." Julius nickte dem frei in der Luft vor ihm schwebenen vollständigen Abbild Belisamas zu. Louis, der sah, mit wem Julius Kontakt gehabt hatte lief zu ihm hin, als das Abbild verschwand und zischte ihm zu: "Wenn die für Endora peilen will, mit wem ich fliege, bitte kein Wort. Die soll das erst bei der Feier sehen."

"Noch einmal, Louis: Gab oder gibt es etwas, was ich darüber wissen muß, warum Endora meint, du hättest nur mit ihr zusammen zu sein?" versuchte Julius es zum letzten Mal, eine brauchbare Erklärung zu erhalten. Louis zuckte nur mit den Schultern und schüttelte den Kopf. Doch an den Ohren errötete er, als habe er etwas peinliches getan oder sei bei etwas verwerflichem Ertappt worden. Julius sagte deshalb:

"Okay, ich gehe jetzt zu Belisama und höre mir an, was sie mir zu sagen hat. Kriege ich dabei raus, daß Endora und du auf wessen Betreiben auch immer irgendwas angestellt habt, weshalb sie ein Recht an dir zu haben glaubt, beantrage ich für die Woche nach Walpurgis eine Unterredung zwischen uns beiden, Belisama und Endora und unseren Saalvorstehern Professeur Trifolio und Professeur Delamontagne. Wenn du mir schon nicht sagen willst, was dich gerade so peinlich berührt, dann schreibe es auf und gib es mir im verschlossenen Briefumschlag! Bis gleich!" Mit diesen Worten ließ Julius Louis im grünen Saal zurück und wandschlüpfte zur Südseite des Palastes hinaus. Er nutzte die Gelegenheit aus und spurtete zum Südpark hinüber, der hundert Meter entfernt war und aus zwanzig mal zwanzig Laubbäumen, fünf großen Wiesen und drei Pavillons bestand. Eine kleine Brücke führte über den zur Schule gehörenden Fluß, auf dem das geflügelte Schiff der Greifennest-Abordnung dümpelte.

Belisama wartete im südlichsten Pavillon, keine zehn Meter vom großen Rundweg entfernt, der nach außen vom ebenso ringförmigen grünen Forst begrenzt wurde.

"Hat dir Louis erklärt, was Endora ihm so alles erklärt hat?" kam Belisama gleich auf den Punkt. Julius schüttelte den Kopf und räumte ein:

"Ich habe ihn mindestens drei mal gefragt, und jetzt eben noch einmal, bevor ich was mitkriege, was er mir besser mal hätte erzählen sollen. Was hat Endora denn "erklärt"?"

"Ich habe mit ihr darüber geredet, warum sie meint, daß Louis sich mit ihr auf irgendwas einzulassen habe. Nachher sei ich genauso dumm dran wie Debbie, als das mit Constance rauskam. Endora sagte dann, daß sie sowas nicht nötig habe, um sich jemanden als festen Freund zu sichern. Es ist vielmehr so gewesen, daß er wohl gefrustet war, daß andauernd irgendwelche anderen Mädchen um ihn herumliefen, darunter auch welche aus dem blauen und roten Saal, die schon ziemlich direkte Anfragen gestellt haben, von wegen, ob er mit ihnen nicht mal ganz ohne alles ganz eng tanzen wolle oder ob er sich vorstellen könne, der Vater ihrer Kinder zu werden. Deshalb haben die beiden das ausgehandelt, daß sie als seine feste Freundin rumgereicht wird, zumindest bei denen aus ihrem Jahrgang. Das war mir auch neu, Julius. Weil die Blauen und Roten aus ihrem Jahrgang das nicht geglaubt haben, hätten die beiden sich immer mal wieder da geküßt, wo sie sicher sein konnten, daß keiner von uns Saalsprechern, aber zumindest eine aus den Sälen Blau oder Rot herumgelaufen ist, die das weitergetratscht hat."

"Interessant, hat Millie mir zumindest nichts erzählt, daß das bei ihren Mädchen rumgereicht worden wäre", unterbrach Julius Belisama.

"Wirklich? Ob sie dir alles erzählt, wenn ihr jemand sagt, das für sich zu behalten? - Gut, ihr habt ja doch viele Sachen zusammen erlebt, um zu wissen, wer wem was erzählt. Zurück zu Endora. Sie empfand die Art, wie sie Louis angeleitet hat offenbar genauso ganz nahe, als hätte sie bei ihm oder er bei ihr zu verdeckende Körperstellen gesehen. Jedenfall beschränkte sich dieses "Spiel" nicht mehr nur darauf, sich dort leidenschaftlich zu küssen, wo einige Leute das sehen mußten, sondern irgendwann auch da, wo es keiner zu sehen bekam. Ich habe sie dann gefragt, wo er sie oder sie ihm denn hingeküßt habe, um zu klären, ob das noch im Rahmen der Schulregeln ginge. Darauf wollte sie mir keine Antwort geben. DA ich leider kein Veritaserum benutzen darf und Madame Rossignol das ja auch nicht darf kann ich weder sie noch Louis zu ihr hinschleppen. Und Legilimentieren dürfen die Lehrer auch keine Schüler, nur um ein paar wohl über bestimmte Grenzen hinausgehende Schmusestunden herauszukriegen." Sie errötete leicht an den Ohren. Julius malte sich aus, daß Belisama gerade in ihrem Kopf die wildesten Schmuse- und Knutschmöglichkeiten durchging. Julius fragte sich, warum Millie ihm nicht erzählt hatte, daß die Mädchen aus dem roten Saal glaubten, Louis sei ganz fest verbandelt. Das wollte er gerne noch klären. Sylvie Rocher schien da nämlich auch nichts von zu wissen, und die ganzen anderen Mädchen, die ihn eingeladen hatten auch nicht. "Zumindest denkt sie jetzt, er hätte sie als Freundin haben wollen, weil er irgendwann nicht mehr nur zum Spiel mit ihr herumgeschmust hat. Dann kam das mit dem Weihnachtsball. Da hat er ihr nichts von dieser Schiffsreise mit seinen Eltern erzählt. Die hat bis kurz vor Ferienbeginn geglaubt, er würde ihretwegen dableiben und mit ihr zum Ball gehen. tja, und nach den Ferien habe er wohl keine Lust mehr gehabt, sich mit ihr zu treffen."

"Louis hat von zehn verschiedenen Hexen Einladungen gekriegt. Also, wenn das irgendwann mal rumgegangen sein soll, daß Endora mit ihm geht, dann haben du, meine Frau und ich da absolut nichts von mitgekriegt. Das will was heißen in diesem Dorf Beauxbatons", stellte Julius fest. Dann dachte er an Kevin, der ein ähnliches Spiel in Thorntails getrieben hatte, um sich vor irgendwelchen zudringlichen Mädchen zu schützen, weswegen Myrna Redlief ja glaubte, zwischen ihr und ihm sei was festes entstanden. Das erwähnte er auch ohne Namen zu nennen. Doch Belisama hatte es wohl irgendwie mitbekommen, um wen es da ging, vielleicht von Gloria. "Dann muß er sich aber mit ihr aussprechen, daß er das nicht gemacht hat, weil er sich mit ihr oder sonst wem zusammentun wollte", warf Belisama ein. Julius konnte ihr da nicht widersprechen. Sie fragte dann, ob Louis sich denn schon für eine Walpurgisnacht-Besenherrin entschieden habe. Julius nickte, baute jedoch sofort vor und sagte, daß Louis ihn gebeten habe, niemandem zu sagen, mit wem er die Walpurgisnachtfeier zusammen sein wolle, bevor die Feier nicht angefangen habe.

"Ich nehme das als Antwort hin", sagte Belisama. Julius hörte aus dieser Entgegnung, daß Belisama zumindest sich denken konnte, daß Endora nicht die glückliche sein würde. Dann sagte sie:

"Ich weiß nicht, wie das läuft, wenn wir beide durch die UTZs durch sind und von hier abgehen, Julius. Aber für Louis wäre es wesentlich stressfreier, wenn er sich mit Endora ausspricht, was Spiel und was ernst war und ob er überhaupt daran interessiert ist, eine Hexe zur Freundin zu haben, wo seine Eltern so gegen uns Hexen getönt haben. Mehr konnte ich dir nicht sagen. Nur, daß du weißt, was Endora mir gestanden hat." Julius nickte ihr bestätigend zu. Dann kehrte er in den Palast zurück.

Louis sah ihn voller Erwartung aber auch Unbehagen an, als er durch die Wand hereinschlüpfte. Julius wartete, bis Louis auf ihn zukam. Dann sagte er zu ihm:

"Belisama hat mir erzählt, Endora hätte ihr erzählt, ihr hättet vor ihren möglichen Konkurrentinnen so getan, als seid ihr fest zusammen und es wären da Sachen harscharf an einem Verstoß gegen die Schulregeln gelaufen. Louis errötete an den Ohren und hielt die Hände so, als müsse er sie sich gleich vor das Gesicht halten. Doch Julius beließ es bei dieser Aussage und setzte nur hinzu: "Wenn Endora findet, du würdest sie so sehr mögen, daß du keine andere mehr angucken wolltest, und das stimmt nicht, kläre das endlich mit ihr! Das gehört zum Erwachsenwerden dazu, Mißverständnisse zu klären, auch wenn sie peinlich sind oder jemand einen danach nicht mal mehr mit dem Hinterteil ansehen will. Da sie das noch nicht tut, bist du ihr zumindest nicht egal. Dann solltest du sie zumindest respektieren und mit ihr vernünftig drüber sprechen, was gelaufen ist und warum das so und nicht anders war! Mehr will ich dazu nicht sagen, solange nicht anderes behauptet oder vorgebracht wird. Noch einen schönen Abend!"

Louis stand ganz perplex da, als Julius sich zu Robert, Gérard, Céline und Laurentine begab.

"Na, hat er eine erhört, oder kriegen wir morgen noch mit, wie sich mehrere junge Hexen über ihn ärgern?" Fragte Céline Julius. Dieser sagte nur, daß er wohl eine erhört habe. Laurentine sagte dann, daß Keneth ihre Einladung angenommen habe. Nachdem sie mit dem im Haus Gryffindor lernenden Hogwarts-Schüler schon beim Weihnachtsball gut zurechtgekommen war, hatte er ihre Einladung zur Walpurgisnacht sehr gerne angenommen, zumal Kevin ja auch eine Einladung von einer Beauxbatons-Schülerin bekommen habe.

"Dann sind wir zumindest alle gut untergebracht", sagte Julius. Er hatte nur erwähnt, daß er mit einer der Mädchen aus Hogwarts den Flug machen würde, aber nicht mit welcher. Alles mußten die auf Klatsch und Tratsch ausgehenden Mitschüler ja auch nicht sofort wissen.

Abends im Bett sagte Millie:

"Das hätte ich aber mitgekriegt, wenn Mädels aus meinem Saal was hätten rumgehen lassen, daß Endora und Louis zusammen wären, weil die sich irgendwo mal geknutscht haben sollen. Sowas geht bei uns Roten und auch bei euch Grünen doch gleich durch alle Klassen und Säle. Kann es sein, daß Endora Belisama da was vom blauen Einhorn erzählt hat?"

"Wenn sie sonst nichts hatte, um zu zeigen, daß zwischen Louis und ihr schon mehr gelaufen ist, Millie. Louis hat mir zumindest nichts aufgeschrieben. Aber er sah so aus, als wenn er doch was zu verheimlichen hat."

"Weil er nicht weiß, was du damit machen würdest", sagte seine Frau. "Martine hätte das Brunhilde sicher auch nicht erzählt oder hingeschrieben, was sie mit Edmond so angestellt hat."

"Jungs sind in der Hinsicht eigentlich eher so gestrickt, daß sie mit dem angeben, was sie alles erreicht haben. Aber Louis ist das offenbar peinlich."

"Er steht auf jeden Fall nicht auf Jungs, weil es ihm sonst total egal wäre, ob Endora sich für ihn interessiert oder nicht", erwiderte Millie. "Na ja, vielleicht hat er Sachen gelernt, die er bei einer etwas unverklemmteren Hexe gut gebrauchen kann. Sylvie will den auf jeden Fall auf ihrem Walpurgisnachtbesen haben. Ob sie da noch mehr erwartet weiß ich ... nicht! Aurore, wenn du raus willst dann mach das jetzt!" grummelte Millie und strich sich über ihren Bauch. Offenbar hielt die kleine Aurore noch ein paar Turnstunden ab, bevor sie ihre sichere Behausung für immer verlassen mußte. Dann beruhigte sich das kleine Mädchen unter Millies Nachthemd wieder. "Was wollte ich noch sagen? Sie könnte ihm auch Sachen erzählt haben, für die er sich als Junge interessiert, die ihn aber eigentlich nichts angehen. Damit könnte sie ihn schon halb verpflichtet haben, sich weiter mit ihr zu befassen. Aber richtig offiziell wird das nur, wenn klar herauskommt, wenn jemand ohne heilerische Notwendigkeit oder weil er durch Betreten eines Wonnehauses zustimmt, auf alle Ansprüche auf eine der heißen Hexen zu verzichten, jemanden über fünf Jahren, der gerade unverheiratet ist, ganz nackig zu sehen kriegt."

"Er hat sie nicht angefaßt, hat Louis immer gesagt. Ob sie ihm was über ihre ganz privaten Stellen erzählt hat weiß ich nicht." Millie grummelte nur, daß sie da schon eindeutiger vorgegangen wäre. Das konnte er nur bestätigen. "Wäre ja auch seltsam, wenn du das vergessen hättest", erwiderte sie nur darauf. Dann wünschte sie Julius noch eine gute Nacht. Er wünschte ihr und Aurore auch noch eine gute nacht. Dabei fragte er sich, ob seine Tochter nicht ausgerechnet in dieser Nacht zur Welt kommen wollte.

 

__________

 

Die Nacht verlief ruhig. Millie fühlte sich am Morgen nur besonders müde. Das lag daran, daß sie wegen der Bewegungen in ihrem Unterleib und leichten Schmerzen nicht richtig hatte schlafen können. Julius fühlte ihr Unbehagen und ihre Verärgerung. Offenbar wollte sie es jetzt hinter sich bringen, nachdem sie erst so wild darauf war. Andererseits war da eben diese Ungewißheit, ob alles auch richtig ablaufen würde.

Madame Rossignol sah die sichtlich erbleichte Saalsprecherin der Roten an und bestand darauf, noch einmal zu untersuchen, wie es ihrem Kind ging. Sie hörte die Herztöne von Mutter und Tochter ab und sah durch den Einblickspiegel in Millies Leib hinein. sie nahm auch in ihrem Sprechzimmer einen Abstrich von Millie und praktizierte diesen in eine Analyselösung. "Ich sehe, daß sie schon fast den Punkt erreicht hat, wo es kein Zurück mehr gibt, Millie. Außerdem ist der Schleimpfropfen schon so gut wie aufgelöst. Bitte ziehe dir das Innerttralisatus-Unterzeug an! Jede überheftige Bewegung könnte zu einer unkontrollierten Austreibung führen. Das wollen wir ja nicht, oder?" Millie nickte sehr wild. Sie bekam eine winzige Dosis eines Kreislaufförderungstrankes. "Zu viel davon will ich dir auch nicht geben, weil der Trank auch euer Kind betrifft. Nachher wird es so hibbelig, daß es dich noch verletzen kann, bevor es im Geburtskanal ist", sagte die Heilerin. Millie nickte erneut. Julius fühlte jetzt jede unangenehme Regung bei Millie als Schauer des Unwohlseins und der gewissen Beklemmung. Er fragte, ob der fünfte Mai jetzt endgültig als Geburtstermin erledigt sei.

"Wie ich die Ergebnisse einordnen darf kann euer Kind in den nächsten acht Stunden schon ankommen, aber auch erst in sechsundneunzig Stunden. Spätestens am dritten Mai ist die kleine Aurore bei uns auf der Welt. Zumindest ist sie schon ordentlich ausgetragen. Wenn sie sich mehr als vier Tage Zeit läßt komme ich wohl nicht drum herum, mit dem Partostimulus-Zauber die Geburt einzuleiten. Das Armband alarmiert mich zwar schon zuverlässig genug. Aber zur Sicherheit trägst du noch einen Wehenwarner, Millie." Millie nickte und ließ sich noch ein buntes Bauchband umlegen, das mit einem Anzeigegerät verbunden war, das aussah wie zwei Uhren übereinander. Das mit vier Zeigern versehene obere Zifferblatt zeigte die Heftigkeit einer Wehe. Das untere zeigte den Abstand in Sekunden, Minuten und Stunden. Julius geleitete seine Frau hinaus. Sie gingen nicht durch die Wände, sondern benutzten die für alle zugänglichen Laufwege. Julius überlegte schon, wie er es Pina erzählen sollte, daß er womöglich nicht mit ihr fliegen konnte. Sobald es bei Millie und Aurore richtig losgehen würde, war er sicher selbst ziemlich stark abgelenkt und betroffen, als sich auf die Walpurgisnachtspiele konzentrieren zu können. Selbst ohne Herzanhängerverbindung reagierten werdende Väter unter der Geburt ihrer Kinder oft übernervös. Zumindest hatte er das von allen so erzählt bekommen, die bereits eigene Kinder hinbekommen hatten, ob Florymont, Bruno oder Ferdinand. Millie schien seine Gedanken zu hören oder gerade selbst daran zu denken, in welche Bredullie sie ihren Mann bringen mochte, wenn sie ihrer Tochter nicht irgendwie klarmachte, erst nach der Feier anzukommen. Sie sagte:

"Ich denke nicht, daß Pina dir böse ist, wenn du dann, wenn es richtig losgeht, bei mir bist. Sie weiß ja, daß es jeden Moment losgehen kann."

"Na ja, wenn sie dann nicht eifersüchtig auf dich ist", erwiderte Julius nicht so scherzhaft, wie es klingen mochte. Millie erwiderte darauf: "Wenn sie gerne deine Kinder gehabt hätte, dann muß sie das verstehen, wie wichtig das für dich ist." Dem wollte Julius hier, wo jederzeit jemand entlanglaufen konnte, nicht widersprechen.

Das Millie und Julius jetzt schon in erhöhter Babyalarmbereitschaft waren bekam von den anderen keiner Mit. Lediglich, daß Millies nun tonnenförmiger Körper sich nicht mehr so frei und geschmeidig bewegen ließ, fiel vor allem den Mädchen auf. Auch langte Millie beim Frühstück nicht so zu wie vor zwei Tagen noch. Auf der einen Seite war das Julius sehr recht, weil er so selbst maßhalten konnte. Doch die nun häufig zu ihm überfließenden Wellen aus Unsicherheit und Verdrossenheit waren nicht so einfach niederzuhalten. Daß er es dennoch schaffte lag an seinem Training. An die neun Monate hatte er das jetzt gelernt und angewendet, mit Millies Stimmungen zurechtzukommen. Wenn er die drei Monate mit Madame Maximes Blut im Körper noch dazuzählte hatte er ein Jahr Erfahrungsgrundlage voll.

Gloria winkte Julius mit einer Ausgabe des Tagespropheten zu. Er nickte und stand auf. Madame Faucon beobachtete ihn, wie er sich die Zeitung holte. Er setzte sich wieder hin und sah auf Seite eins ein mit Vorhängen verhülltes Rechteck. Davor standen Professor Flitwick und Zaubereiminister Shacklebolt. Auf dem Bild huschten drei oder vier Schüler in schwarzen Umhängen vorbei. Gemessen an Shacklebolts Körperlänge mochte das Rechteck aus Vorhängen und einem Rahmen an die drei Meter hoch sein.

 

EHRENDENKMAL FÜR HELDEN VON HOGWARTS

 

 

FEIERLICHE ENTHÜLLUNG AM 2. MAI

 

Julius überflog kurz die Geschichte hinter den Schlagzeilen. Kevin linste von seinem Platz aus zu ihm hin, um mitzulesen. Deshalb las Julius den Artikel in einzelnen Sätzen durch und übersetzte:

"Nachdem es endlich gelungen ist, die in der Zeit des Unnennbaren angerichteten Schäden zumindest zu überblicken, haben sich Zaubereiminister Shacklebolt und der zeitweilige Schulleiter von Hogwarts, Professor Flitwick, mit den Schulräten der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei darauf verständigt, die lebenden wie gefallenen Helden der Schlacht von Hogwarts mit einem besonderen Denkmal zu ehren. War es bis vor kurzem noch eine einfache Steinwand, auf der die Namen der im Kampf um die Freiheit gefallenen Hexen und Zauberer verzeichnet waren, so wurde in den Osterferien sowohl auf dem Gelände der Hogwarts-Schule wie auch im Atrium des Zaubereiministeriums ein Monument errichtet, auf dem nicht nur die Namen, sondern auch Bilder und wichtige Errungenschaften der lebenden und gefallenen Hexen und Zauberer verewigt sein sollen. Minister Shacklebolt und Professor Flitwick haben unabhängig voneinander verlautbart, daß sie die Errichtung dieses Denkmals deshalb angeregt haben, weil mittlerweile die erste Generation von Schülern in Hogwarts lerne, die die Schlacht von Hogwarts nicht miterleben mußte. Außerdem, so Minister Shacklebolt, sei es für die Nachwelt wichtig, zu zeigen, daß Widerstand gegen ein ungerechtes Regime und der Kampf für eine gerechte Weltordnung nicht sinnlos seien. Professor McGonagall, die sich derzeit mit zwölf ausgewählten Schülerinnen und Schülern im Rahmen des trimagischen Turniers in der Beauxbatons-Akademie für französischsprachige Hexen und Zauberer aufhält, teilte per Eulenpost mit, wie wichtig es ihr sei, den künftigen Schülergenerationen vor Augen zu führen, daß es keine Selbstverständlichkeit sei, in einer angst- und unterdrückungsfreien Zaubererwelt zu leben und Hogwarts keine abgeschiedene Insel sei, auf der die Schrecken der restlichen Welt vergessen werden könnten. Dies, so Professor McGonagall weiter, müsse allen gerade in Hogwarts lernenden wie allen künftig dort aufzunehmenden Jahrgängen ständig vor Augen geführt werden. Nur in der gegenseitigen Anerkennung und dem Respekt vor dem Menschen an sich bestehe die Chance auf eine dauerhaft friedliche Zauberergemeinschaft. Minister Shacklebolt betonte weiterhin, daß es gälte, jenen Anfängen entgegenzuwirken, die damals zur Durchsetzung und Unterjochung des Zaubereiministeriums und damit der ganzen magischen Gemeinschaft geführt hätten. Für diese Ziele seien Hexen und Zauberer zwischen fünfzehn und hundert Jahren gestorben, hätten Hauselfen und Zentauren ihr Leben eingesetzt. Sie alle seien zu ehren. Professor Flitwick erwähnte, daß die als "Wand der Helden" bezeichnete Mauer mit den Namen der bei der Schlacht umgekommenen Schüler und deren Familienangehörigen weiterbestehenbleibe. Doch das Denkmal soll als unübersehbares Zeichen gegen eine neuerliche Ära der Dunkelheit für jeden frei zu sehen sein. Die feierliche Enthüllung beider Monumente soll am Morgen des zweiten Mai 2000 erfolgen, und zwar in jener Minute, als damals er, dessen Name immer noch mit Abscheu und Unbehagen zu nennen ist, über seinen überbordenden Größenwahn und Siegestaumel stürzte und von Harry Potter, dem Erfüller der Hoffnung, endgültig besiegt wurde."

"tja, dein Name steht da dann wohl nicht drauf", meinte Kevin, Julius provozieren zu müssen.

"wäre es dir lieber, dein Name stünde in der Reihe der gefallenen Helden da drauf?" erwiderte Julius lässig. Kevin überlegte. Offenbar wußte er nicht, ob es für ihn besser war, als toter Held ewig verehrt zu werden, als als lebender Flüchtling bemitleidet bis verachtet zu werden. Dann fiel ihm aber auf, daß gerade in diesem Jahr einiges passiert war, daß es wert war, dafür zu leben. Er schüttelte den Kopf und sagte schnell: "Wenn ich bei den ganzen Toten draufstehen würde könnte ich sicher nicht bei eurer Beltane-Feier mitmachen."

"Und noch so einiges mehr?" provozierte nun André den irischen Gastschüler. Kevin errötete leicht an den Ohren. Das brachte alle zum schmunzeln. Julius las dann noch vor, daß Minister Shacklebolt der Enthüllung in Hogwarts beiwohnen würde, während Tim Abrahams, der Leiter der Abteilung für die friedliche Koexistenz von Menschen mit und ohne Magie, die feierliche Enthüllung im Atrium des Zaubereiministeriums vollziehen würde. Das Denkmal in Hogwarts sei von Astronomen des Zaubereiministeriums exakt so positioniert worden, daß jedes Jahr am Morgen des zweiten Mais die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne einen großen Spiegel treffen, dessen Widerschein das Denkmal erleuchten sollte. Professor Flitwick hatte dem noch hinzugefügt, daß im Falle von Bewölkung oder gar Regen das Denkmal von sich aus aufleuchten würde, weil entsprechende Sonnenzauber darin verankert seien. Alle Gasthäuser in Hogsmeade seien bereits ausgebucht, ebenso hätten Einwohner des direkt bei Hogwarts gelegenen Zaubererdorfes freie Zimmer für Übernachtungsgäste angeboten, die das Ereignis vor Ort mitverfolgen wollten. Julius sah zu Gloria und dann zu Lea hinüber. Er mußte sich arg anstrengen, seine Gefühle nicht offen sichtbar zu zeigen. Leas Name würde auch nicht auf dem Denkmal stehen. Dabei hatte sie bei der Schlacht von Hogwarts mitgekämpft und ihm sowie Madame Maxime, Professeur Faucon, Madame Rossignol, Jane Porter, Millie und ihm gezeigt, was dort vorgegangen war. Was mochte jetzt in Lea vorgehen, wenn sie las, daß die namentlich bekannten Kämpfer von Hogwarts ein Denkmal bekamen, daß wohl in Jahrhunderten noch stehen würde, sofern niemand anderes mit dunklen Zielen es wieder umstürzen lassen wollte? Sollte er sie fragen, wie sie sich fühlte? Kevin hatte ja schon verraten, daß er sich etwas abseits gestellt vorkam. Doch jemand in Beauxbatons hatte sein kaputtes Selbstwertgefühl wohl gründlich genug repariert. Immerhin wußte Kevin jetzt wieder, für was es gut war, sich nicht gleich mit jedem anzulegen.

"Minister Grandchapeau wird zusammen mit seiner Frau am zweiten Mai wohl dabei sein", sagte Gérard, der gerade den Miroir Magique durchblätterte. "Hier steht was, daß der britische Zaubereiminister den zu dieser Einweihung eines Ehrenmals eingeladen hat. Da kommen dann wohl noch ein paar Europäische Zaubereiminister mit hin."

"Und wir dürfen hier nur lernen und ackern", grummelte Kevin. Robert grinste ihn an und meinte, er hätte ja in Hogwarts bleiben können, dann wäre er sicher mit dabei, wenn das Heldendenkmal ausgepackt würde. Kevin verzichtete auf seine früheren Abfälligkeiten. Offenbar wollte er nicht ausgerechnet heute zu viele strafpunkte einkassieren. Julius erkannte das und sagte zu Robert:

"Ich denke, Kevin ist froh, daß er das trimagische Turnier mitverfolgen darf, das ja länger dauert als nur ein paar Stunden. Außerdem denke ich, daß es gerade heute nicht nötig ist, sich gegenseitig runtermachen zu müssen. Oder hat Céline erzählt, sie könne auch ohne dich auf dem Besen fliegen, Robert?"

"Mist, ja, ich seh's ein, daß heute wohl nicht der Tag ist, um sich Blödsinnsstrafpunkte zu fangen", grummelte Robert, der die unterschwellige Drohung verstanden hatte. Kevin hätte jetzt eigentlich überlegen grinsen müssen. Doch er nickte nur. Also hatte Julius ihn gerade richtig eingeschätzt.

Madame Faucon las dann noch einmal die Artikel aus der Feenstimme aus Deutschland, dem Tagespropheten und dem Zauberspiegel vor. Dann war auch schon wieder Zeit für den Unterricht.

Im Zweiten Halbjahr begann der Freitagsunterricht mit Verwandlung.

"Millie und Sandrine, ihr sezt euch am besten in eine ruhige Ecke, während wir anderen uns die gegenständliche Selbstverwandlung vervollständigen", sagte Professeur Dirkson. Caroline grinste verächtlich. Deshalb fragte die Lehrerin, was daran so lustig sei.

"Die sehen doch jetzt schon komplett wie große Tonnen aus", sagte Caroline. Julius fühlte, wie Millie darüber erboste. Auch Sandrine zeigte eindeutig, daß ihr dieser Vergleich nicht gefiel. Professeur Dirkson fragte dann Caroline, ob sie sich selbst in eine große Tonne verwandeln könne, wenn sie fand, daß das so einfach aussehe.

"Ich hab doch kein Kind im Unterbau, daß ich so aussehen könnte", tönte Caroline Renard. Da traf sie ganz ohne Vorwarnung ein violetter Blitz. Keinen Augenblick später stand da, wo Caro gerade noch gesessen hatte, eine mannshohe, babyrosafarbene Regentonne mit Deckel. "Geht doch ganz einfach", erwiderte Professeur Dirkson. Sie füllte die Regentonne mit einem ungesagten "Aguamenti-Zauber" randvoll mit Wasser. Danach wartete sie zehn Sekunden, bevor sie das Wasser ebenso ungesagt wieder verschwinden ließ. Keine zwei Sekunden später krachte ein neuer violetter Blitz aus dem Zauberstab der Lehrerin und gab Caroline ihre menschliche, lebendige Erscheinungsform zurück. Caroline sprang auf und schüttelte sich so wild, als habe die kurze Zeit als rosarote Regentonne einen Bewegungsstau in ihr verursacht. "So, da du jetzt ein Gefühl dafür bekommen hast, wie sich das anfühlt, eine leere Regentonne zu sein, wiederholst du das jetzt bitte dreimal aus eigener Zauberkraft an dir selbst, Caroline."

"Hallo, das war fies", zeterte Caroline.

"Genau wie deine gehässige Bemerkung über Mildrid und Sandrine, junge Dame", entgegnete Professeur Dirkson. "Oder wäre es dir lieber gewesen, ich hätte dir für die Beleidigung zweier amtierender Saalsprecherinnen je hundert Strafpunkte gegeben? Zuzüglich hätte ich dann noch wegen ungebürlichen Betragens im Unterricht fünfzig Strafpunkte aussprechen können. Wenn du nicht tust, was ich gerade angewiesen habe, teile ich dir die erwähnten Strafpunkte zu. Das heißt nach den Regeln von Beauxbatons, daß du mindestens zwei Wochen lang an keiner Feier teilnehmen darfst. Willst du das?" Caroline schüttelte den Kopf. Offenbar ärgerte sie sich jetzt darüber, diese völlig unsinnigen Strafpunkte riskiert zu haben. So bemühte sie sich darum, die ihr vorher aufgezwungene Verwandlung selbsttätig durchzuführen. Professeur Dirkson bat die Mitschüler darum, die darzustellende Tonne zu beschreiben. Caroline schaffte es erst nach Sekunden, die Endform anzunehmen und noch genug Rückverwandlungsmagie in sich einzulagern, um ohne Zauberstabbewegung ihre ursprüngliche Erscheinungsform zurückzugewinnen. Als sie das dreimal geschafft hatte gab Professeur Dirkson ihr für jeden erfolgreichen Durchgang zehn Bonuspunkte. "Es hätten auch zwanzig sein können. Aber die Zeit für die Verwandlung dauerte mir für eine UTZ-Kandidatin kurz vor den Prüfungen zu lange. So, und die andern ziehen jetzt bitte Lose mit der an sich selbst zu vollführenden Verwandlungsaufgabe!"

Julius erwischte ein Los, auf dem Weidenkorb mit Henkel" stand. Er erstarrte. War das jetzt ein Trick der Lehrerin oder echter Zufall? Er wußte nicht, ob die frühere Verwandlungslehrerin ihr das erzählt hatte, daß sie damals in Millemerveilles an Julius genau diese Fremdverwandlung durchgeführt hatte. Als Céline ausstieß, daß es wohl nicht der Ernst der Lehrerin sei, daß sie einen niedrigen Tisch mit abwaschbarem Polsterüberzug darstellen sollte, stieß die Lehrerin nur ein leises "Schschsch" aus. die anderen schienen ähnlich kuriose Aufgaben zu haben.

"In Millemerveilles gibt es einen guten Möbelladen, in dem Sie das auch so kriegen können", grummelte Caroline.

"Ja, kenne ich. Habe ich mir bei der Quidditchweltmeisterschaft einmal angesehen", antwortete Professeur Dirkson darauf nur. Dann gebot sie, sich auf die Aufgaben zu konzentrieren, jeder in einem eigenen Kreis von zwei Metern Durchmesser. Julius erinnerte sich an damals und stellte sich jenen Weidenkorb vor, den er im Spiegel Madame Faucons gesehen hatte. Dann konzentrierte er sich auf die Zauberformeln, in die er als Mentalkomponente die Vorstellung von diesem Weidenkorb einfließen lassen mußte. Er fühlte, wie sein Körper unter der Magie erbebte, wie dann seine Körpermaterie in Fluß geriet und keinen erfaßbaren Augenblick später mit einem Ruck zur Ruhe kam. Gleichzeitig war alles um ihn herum auf das fünffache der ursprünglichen Größenverhältnisse angewachsen. Er hörte noch ein Zischen und ein Knallen. Es ploppte und fauchte. Dann knisterte es noch. "Mist, halb verhungert", grummelte Apollos Stimme, jedoch irgendwie, als käme sie aus einem Brunnenschacht. "Dann kehr erst mal die Verwandlung um", zischte Professeur Dirkson. Julius indes fühlte, daß er anders als damals seinen Körper bewegen konnte. Obwohl er keine Arme und Beine besaß, konnte er sich irgendwie über den Boden bewegen. Es knisterte und knarzte ein wenig, als er einen Meter zurücklegte. Da, wo er irgendwie seine Arme fühlte, mochte wohl der Henkel sein. er drehte sich leise knisternd um und sah einen weißen Wickeltisch, einen dunkelroten Wandschrank, eine blaue Trittleiter, einen Nachttopf, ein rotes Sofa und weitere Dinge, die es in einem Einrichtungsladen zu kaufen gab.

"In Ordnung, ihr habt das alles hinbekommen", hörte Julius Professeur Dirksons Stimme laut und weit hallend durch den gerade hallengroßen Klassenraum. "Dann verwandelt euch jetzt bitte alle zurück!" kommandierte sie. Die Schüler konzentrierten sich. Julius dachte mit aller Kraft an die eingewirkte Rückverwandlungsmagie. Es war wie eine in ihm stattfindende Explosion. Alles um ihn schrumpfte in einem einzigen Augenblick wieder auf Normalgröße zurück. Er fühlte starke Energiestöße durch den Körper und schüttelte Arme und Beine aus. Jetzt sah er, das Apollo das rote Sofa sein sollte, Caroline als Fußbank herumzustehen hatte und Leonie der Nachttopf gewesen war. Céline schaffte es nur mit Mühe, sich aus dem von ihr verkörperten Wickeltisch zurückzuverwandeln.

"Neue Auslosung!" wies Professeur Dirkson die nicht durch Schwangerschaft vom Unterricht befreiten an. Diesmal sollte Julius sich in einen Ledersessel verwandeln. Caroline stieß aus: "Ein rosa Schnuller, das können Sie getrost vergessen! Nachher kriege ich mich nicht mehr richtig hin, und Millies Kind kriegt mich zum Ruhigsein. Danke, ich verweigere diese Aufgabe."

"Dir ist klar, daß, so leid mir das tut, die Verweigerung einer lösbaren Aufgabe mindestens fünfzig Strafpunkte einträgt?" fragte Professeur Dirkson. Caroline nickte und sagte, daß sie lieber die Strafpunkte nehmen würde, als sich vorzustellen, für immer ein Schnuller zu bleiben. Leonie grummelte:

"Ich hätte es vorhin schlimmer getroffen, Caroline. Du kannst ja darum bitten, Sandrine zugeteilt zu werden, wenn du die Rückverwandlungsmagie nicht ausreichend vorkonzentrieren kannst."

"Leonie, zehn Strafpunkte für einen unerlaubten Wortbeitrag. Fünf sind zwar die normale Menge, aber bei Saalsprechern muß ich ja leider die Vorbildfunktion als erschwerenden Umstand einbeziehen. Und Caroline, wenn du dich nicht von dir aus zurückverwandeln kannst, kann ich dich locker mit dem Reversomutatus-Zauber auf deine zwei Beine zurückstellen. Sind dir das wirklich achtzig Strafpunkte wert?" wollte sie wissen.

"Sie haben eben was von fünfzig gesagt", protestierte Caro.

"Mindestens fünfzig, habe ich gesagt. Je nach Art und Auswirkung der Verweigerung kann ich die Punktezahl bis auf das vierfache anheben, und Unterrichtsverschleppung in Zusammenwirkung mit Anstachelung zur Aufgabenverweigerung und unterschwelliger Beleidigung von Mitschülern kann ich nicht so einfach ignorieren. Also, bestehst du auf der Verweigerung?" Caroline überlegte, ob das den Ausschluß von der Feier wirklich wert war. Dann schüttelte sie den Kopf. "Gut, dann belasse ich es nur bei zehn Strafpunkten für dich, Caroline Renard, wegen Verschleppung des Unterrichtes. So, und jetzt führe bitte deine Aufgabe aus!" Auch wenn Professeur Dirkson im ruhigen Ton und angenehm leise gesprochen hatte, war ihr deutlich der Unmut anzuhören. Sie war nicht so freigiebig mit Strafpunkten. Das hieß aber auch, daß ihr keiner nach belieben auf der Nase herumtanzen konnte. Immerhin hatte sie Caro die Alternativen angeboten. Eine Professeur Faucon oder auch eine Professor McGonagall hätte da gleich die maximalen Strafpunkte draufgehauen oder gleich eine Verwandlungsstrafe vollstreckt.

Julius schaffte die zweite Aufgabe des heutigen Tages nicht so locker wie die erste. Das lag wohl auch daran, daß er sich das Verwandlungsziel erst einmal vorstellen mußte. Doch er schaffte es. Auch Caroline schaffte ihre hin- und Rückverwandlung. Belisama, die ein Bücherregal hatte darstellen sollen, kehrte in weniger als einer Zehntelsekunde in ihre gewohnte Zustandsform zurück.

So ging es weiter, mindestens sieben verschiedene Aufgaben. Dann sagte die Lehrerin: "Gut, mit dieser Grundlage kann ich euch für die UTZ-Prüfung empfehlen. Wir feilen das in den nächsten Wochen aber noch ein wenig aus, wobei wir auch die Sachen der beiden UTZ-Jahre wiederholen. Mildrid und Sandrine, ihr könnt euch dabei ja in den Theorieeinheiten beteiligen, sofern eure familiären Verpflichtungen euch die Zeit und Einsatzmöglichkeiten gewähren." Julius war sich sicher, daß Millie und Sandrine die Zeit bis zu den Prüfungen sicher nicht am Unterricht teilnehmen würden.

Die nächste Stunde war Zauberkunst an der Reihe. Professeur Bellart sah es einigen an, daß die vorherige Doppelstunde wohl sehr ermüdend verlaufen war. Nur Julius und die beiden werdenden Mütter wirkten Munter genug, wenngleich Julius fühlte, daß Millie sich sehr anstrengen mußte, nicht loszustöhnen oder gequält dreinzuschauen. Jetzt fühlte sie die totale Beschwernis ihrer Schwangerschaft. Wie es Sandrine mit ihren Zwillingen ging wußte Julius nicht. Aber womöglich mußte sie sich noch stärker zusammennehmen, um nicht total verdrossen oder gequält dreinzuschauen.

"Bis zu den Prüfungen möchte ich bei Ihnen allen mindestens vier Simultane Zauber sehen. Da ich nicht bereit bin, jedem hier die von anderen zeitgleich hervorgerufenen Wirkungen mit anzurechnen wird jeder und Jede einzeln versuchen, mindestens vier magische Effekte simultan auszulösen. Den Damen, die gerade auf Nachwuchs hinarbeiten gestehe ich zu, daß ihr körperlicher Zustand eine volle Konzentration und körperliche Ausdauer für mehr als vier simultane Zauber erschweren mag. Daher werde ich diesen Erfolg, wenn Sie ihn erzielen, mit je zwanzig Bonuspunkten pro sichtbarer Auswirkung zuerkennen. Alle anderen können sich pro zeitgleich ablaufendem Zauber zehn Bonuspunkte verdienen, wobei ich bei Monsieur Latierre davon ausgehe, daß er mindestens fünf Zauber simultan aufrufen kann." Sie rief nun die UTZ-Schüler in der alphabetischen Reihenfolge der Nachnamen auf und gab jedem eine Minute Bedenkzeit und eine Minute für die Umsetzung.

Gérard Dumas brachte es durch zwei Feuerzauber, einen Schwebezauber auf einem Kissen und einen Rotationszauber auf einem Ball auf vier Zauber. Sandrine mußte erst einmal tief durchatmen. Dann rief sie ohne ein Wort zu sagen eine Wasserfontäne hervor, entfachte in einer Eisenpfanne ein blaues Feuer, brachte einen offenen Schrank dazu, von alleine zuzuschlagen und die Türen zu verschließen und alle im Zimmer stehenden Lampen im selben Augenblick zu entzünden.

Laurentine ließ einige im Raum verteilte Musikinstrumente von alleine spielen, sowie alle Vorhänge vor den Fenstern zuziehen, alle Lampen gleichzeitig entzünden, den Wandschrank durchsichtig werden, Wasser aus dem Zauberstab spritzen und zwei Kissen durch die Luft segeln. Alle staunten. Vor allem als Professeur Bellart sagte, daß die Instrumente auch noch verschiedenstimmig gespielt und fehlerfrei harmoniert hatten und sie deshalb pro Instrument einen eigenen Zaubereffekt zuerkennen mußte und Laurentine deshalb hundertfünfzig Punkte abräumte.

Als Julius an der Reihe war, ließ er nach Durchgang aller nötigen Zauberformeln einen Tisch schweben, die Illusion eines hin- und herfliegenden Tennisballs auftauchen, ein Regal unsichtbar werden, zwei Fenster rabenschwarz abdunkeln, eine Vase in goldenem Licht leuchten, Wasser in einem Kessel kochen, ein blaues Feuer in einer Kupferpfanne prasseln, zwei leere Tonkrüge auf einem Tisch tanzen und gerade soeben noch eine Wasserfontäne aus dem Boden schlagen. So heimste er neunzig Bonuspunkte ein. Seine Frau schaffte es mit dem Mansiordinifacta-Zauber, alle herumstehenden Stühle mit einem Ruck an ihre Tische zurückspringen, alle Tintenfässer zuklappen, die Tische und Regale staubfrei putzen, die lose Pergamente stapeln und alle Fenster von unsichtbaren Schwämmen sauberwischen zu lassen.

"Eh, das ist unfair, die kann den Zauber ja sicher schon so gut, weil die ein eigenes Haus hat", protestierte Jacques Lumière.

"Sie sind gleich an der Reihe, Monsieur Lumière. Dann dürfen sie zeigen, ob sie ebenfalls mehr als fünf simultane Zaubereffekte hervorrufen können", sagte Professeur Bellart streng. Dann bedachte sie Millie mit einem wohlwollenden Lächeln.

Jacques schaffte es aber gerade so, vier verschiedene Zauber simultan ablaufen zu lassen. ER war nie der Zauberstabschwinger gewesen. Wenn er in zehn Kesseln simultane Zaubertränke hätte brauen müssen wäre er sicher besser bedient gewesen. Alle anderen hatten mindestens fünf Zauber hinbekommen.

Noch einmal zu Mansiordinifacta, Mesdames, Messieurs et Mesdemoiselles", kam die Lehrerin auf Millies Rundum-Aufrräumzauber zu sprechen. "Wie bei allen im Raum wirksamen Zaubern erschwert sich der Zauber mit zunehmendem Raum gemäß der Pinkenbachformeln. Wer damit ein komplettes Haus innerhalb von wenigen Sekunden sauber und vorzeigbar zaubern möchte, braucht jahrelange Übung in kleineren Räumen und muß sich dabei langsam nach oben vorarbeiten. Deshalb wird er von den meisten Personen, die ihn erlernen, eher in einzelnen Räumen einzeln ausgeführt. Wenn aber jemand die Tür zu dem entsprechenden Raum offenläßt, entsteht ein Durchlass zu einem anderen Raum, in den die aufgerufene Magie dann mit einfließt. Also sollte dieser Zauber, der nicht nur von Hexen geschätzt wird, nur in verschließbaren Räumen ausgeführt werden. Der Großmeister in diesem Zauber war der irische Zauberer Tarry O'Mally, der seinen eigenen Turm von dreißig Metern Höhe mit einem Zauber staubfrei, aufgeräumt und mit gescheuerten Böden hinbekam. Die versierteste Hexe, die ich bei einem Wettbewerb in praktischer Zauberkunst vor vierzig Jahren einmal bewundern durfte, war die ehemalige Quidditchspielerin und Zaubereigeschichtsexpertin Regan Dawn, die ein Haus von mehreren hundert Quadratmetern blitzblank scheuern konnte, alle losen Bücher und Pergamente nach Themen oder Titeln sortieren lassen und sämtliche Fenster, Türen und Schrankinnenräume putzen und polieren lassen konnte. Außerdemhatte sie es heraus, herumliegende Wäschestücke je danach, ob sie noch zu gebrauchen waren oder schon zu waschen waren sortieren und falten zu lassen." Julius horchte auf. War diese Regan mit Aurora Dawn verwandt? Die Lehrerin erwähnte dazu nichts, weil er sie auch nicht fragte. "Insofern ist es schon schwierig, diesen Klassenraum in Ordnung zu bringen, die Damen und Herren. Die Aufgabenstellung war ja auch nicht, mehrere verschiedene Zauber hintereinanderzureihen und zum selben Zeitpunkt wirken zu lassen, sondern eben mehrere magische Vorgänge zeitgleich ablaufen zu lassen. Das kann mit einem Zauber gehen oder mit sieben oder fünfzehn, wie Mademoiselle Hellersdorf bewiesen hat, wobei ein Musikzauber, der vielstimmiges Erklingen von Instrumenten bewirkt, eine Menge auditives Vorstellungsvermögen voraussetzt, will sagen, daß jemand die Stimmen der einzelnen Instrumente gut erdenken oder aus bereits gehörten Werken erinnern kann. Jedenfalls darf ich Sie alle, auch Monsieur Lumière, als für die anstehende UTZ-Prüfung für geeignet befinden. Kommen wir noch einmal zu den theoretischen Grundlagen des Simultanen Zauberns ..."

Nach der Stunde brummten nicht wenigen die Köpfe.

"Den möchte ich aber auch noch können, diesen Hausaufräumzauber", wandte sich Sandrine an Millie. Die deutete auf Julius. Dieser holte aus seiner Centinimusbibliothek das Buch über praktische Zauberkunst und sagte zu Sandrine:

"Das darfst du mir nach der Geburt deiner Kinder wiedergeben."

"Oh, ein sehr weiter Zeitraum", lächelte Sandrine. "Nach der Geburt kann das ganze Leben sein, und das wird hoffentlich sehr lang sein."

"Okay, dann sagen wir mal, bevor wir aus Beauxbatons abreisen", legte sich Julius fest. Er hatte die relevanten Sachen eh schon alle in Stichpunkten zusammengeschrieben und konnte damit besser arbeiten, als die manchmal sehr ausschweifenden Texte in den Büchern zu lernen.

Der Unterricht in Kräuterkunde fand heute wieder einmal ohne Millie und Sandrine statt, weil es wichtig war, sich schnell bewegen zu können, um den Lauerbüschen auszuweichen. Dabei sah Julius eine Weißbuche, in deren Zweigen Skelette toter Vögel hingen. Er war froh, nicht in der Nacht durch diesen Parcours der fleischfressenden, blutdurstigen Zauberpflanzen laufen zu müssen. Denn dann enthüllte die scheinbar harmlose Weißbuche ihre wahre, mörderische Natur. Für Julius war der Wettlauf mit den Lauerbüschen ein gutes Training, auch wenn ihm einige mitleidsvoll nachsahen, weil er mit seinem stattlichen Bauch oft sehr weit auslenkende Bewegungen machte, um den peitschendenFangranken zu entgehen.

Am Nachmittag war dann noch die Zauberkunst-AG, die jedoch wegen der üblichen Vorbereitungszeiten für die Feier auf eine Stunde verkürzt war. Hier konnte Julius Sylvie und Celestine Rocher zusehen, wie die sich schon mit schnellen Schwebe- und Fernlenkzaubern zu überbieten versuchten.

Millie und Sandrine waren mürrisch, weil Madame Rossignol ihnen verboten hatte, bei den Tänzen mitzumachen. Wenn sie schon nicht fliegen durften, dann hätten sie zumindest gerne getanzt. Aber das erlaubte ihnen die Heilerin nicht. "Ich kann euch zwei auch in die Delurdesklinik einweisen, damit ihr da bis zur Niederkunft bleibt. Dann gelten aber die Regeln, daß eure Ehemänner nicht bei der Geburt anwesend sein dürfen", drohte die Heilerin von Beauxbatons. Millie sah es ein, Sandrine noch nicht ganz so. Millie sagte zu Julius:

"Ich freue mich, daß du eine Besenherrin hast und nicht am Boden rumhängen mußt, Julius. Ich merke zwar, daß mir Aurore langsam immer mehr nach unten rutscht. Falls sie unbedingt dann zu uns an die Luft will, während du mit Pina in der Luft bist, bleib mit ihr auf dem Besen! Du kannst dann immer noch früh genug zu uns hin." Julius versprach seiner Frau, den Abend zu genießen, damit sie beruhigt war, daß er sich nicht langweilte.

In seinem in den Ferien gekauften Walpurgisnachtumhang verließ Julius den Krankenflügel zusammen mit Millie, die das jadegrüne Festkleid trug, das sich tatsächlich ihrer nun sehr umfangreichen Statur so gut anpaßte, als sei es ihr auf den hochschwangeren Leib geschneidert worden. Auch Sandrine, die Gérard viel Spaß beim Fliegen mit Béatrice wünschte, trug ein solch dehnbares und trotzdem nicht gummiartig wirkendes Festkleid. Die beiden werdenden Mütter würden dann wohl einen Tisch für sich haben oder mit anderen frustrierten Junghexen zusammensein, die keinen Partner für den Flug abbekommen hatten.

In der großen eingangshalle tauchte Julius wie beim Weihnachtsball in ein großes Farbenmeer ein. Diesmal war die für den Abend ausgewählte Partnerin nicht so leicht zu finden, weil Pina nicht wie Millie, Waltraud oder Bärbel alle anderen überragte. Er sah Gloria in einen grün-silbernen Umhang. Sie hatte ihre blonde Lockenpracht wohl mit Leuchthaarlotion eingerieben. Sie winkte Plato Cousteau, der in einem blau-grünen Umhang erschien, auf dem bunte Fische aufgestickt waren. Julius sah sich weiter um, wer mit wem zusammenging. Ja, da war Kevin, der mit Patrice Duisenberg zusammenging. Er trug einen Festumhang, der einer grünen Wiese ähnelte und hatte sich einen Hut mit Kleeblättern aufgesetzt. Sie trug einen langen, grün-roten Festumhang mit goldenen Stickereien.

Zwischen den beiden Hollingsworths, die keinen Partner abbekommen hatten, fand Julius Pina Watermellon. Sie hatte sich per Eulenexpressversandt wohl noch in letzter Minute einen strahlendweißen Umhang mit silbernen Halbmonden darauf zugelegt. Julius fragte sich, welchen Leuchteffekt dieser Umhang bieten würde und ob sein farbiger Lichtfontänen-Umhang wirklich dazu passen würde. Zwar war ihm gesagt worden, daß der Umhang sich dem Umhang der Besenherrin farblich anpassen würde, wußte es aber nicht genau. Betty und Jenna sahen ihn auf sich und Pina zukommen und verzogen kurz die Gesichter, weil Julius sehr breit gebaut war. Doch dann lächelten sie und stubsten Pina an, die ohne Scheu vortrat und Julius umarmte, soweit sie das bei seiner Leibesfülle noch konnte. Gegen ihn war sie ja gertenschlank. Außerdem überragte er sie um etwas mehr als einen Kopf.

"Schöner Umhang", sagte Julius nach der Begrüßung.

"Mondkönigin heißt der. Gloria hat mir die Versandtadresse von Madame Esmeralda gegeben, als Ferien waren. Sie sagte sowas, daß ich sicher mit dir fliegen würde, falls Millie dich ließe. Deshalb habe ich mir was ausgesucht, was zu jeder Farbe geht." Julius betrachtete jetzt auch die goldene Spange in Form eines Halbmondes, die ihr langes, strohblondes Haar zusammenhielt.

Wie die Tradition es vorschrieb verließen erst die Hexen den Palast und begaben sich gefolggt von den Zauberern zu der Stelle, wo zwei übereinander gesetzte Riesenzahnräder standen. Von jedem der mit einem bequemen Sessel bestückten Zähne hing eine Strickleiter herab. Die obere Reihe war einen Meter über der unteren und besaß einen kleineren Durchmesser. Madame Faucon, angetan in einen goldenen Umhang mit roten Sonnensymbolen, in ihrem schwarzen Schopf ein silbernes Haarband, begrüßte alle Schüler von Beauxbatons, Greifennest und Hogwarts. Sie deutete auf ihre beiden Kolleginnen, Professor McGonagall und Gräfin Greifennest. Die Gräfin trug einen Umhang, der aus schwarz-blauem Stoff bestand. Professor McGonagall führte einen goldenen Umhang aus, der wie ein Weizenfeld im Sommer aussah. Sie trug ihr schwarzes Haar ganz offen, ohne den bei ihr bekannten Knoten im Nacken. Julius staunte, daß die sonst so gestreng wirkende Schulleiterin von Hogwarts so langes, fließendes Haar besaß.

"Es freut mich dieses Jahr außerordentlich, neben Ihnen, werte Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schüler der Beauxbatons-Akademie, die beiden Kolleginnen Gräfin Greifennest von der Zaubererschule Greifennest und Professor McGonagall von der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei mit den von ihnen ausgewählten Schülerinnen und Schülern an diesem großen Festtag begrüßen zu dürfen. Wie es die große Tradition unserer Lehranstalt gebietet werden wir Lehrerinnen und die weiblichen Schulbediensteten gleich das Walpurgisnacht-Auswahlroulette besteigen. Die Kollegen und männlichen Schulbediensteten besetzen dann die untere Reihe. Die in diesem Jahr älteste Schülerin unter unserem Dach wird dann das Roulette in Gang setzen und nach einer ihr beliebenden Zeit wieder anhalten. Dadurch werden die Paarungen der Kolleginnen und Kollegen ermittelt, die an diesem Abend den obligatorischen Flug der Hexen begleiten werden. Nach der Auswahl kommen bitte alle Hexen mit den ihren Einladungen folgenden Zauberern zu mir, um sich für den Abend miteinander verbinden zu lassen. Danach findet, wie Jedes Jahr, auf der großen Wiese das Abendessen statt. Danach wird das große Hexenfeuer entzündet. Ich werde dann die Besen der zum Einzel- oder Soziusflug berechtigten Hexen an ihre Besitzerinnen übergeben. Danach werden wir eine Stunde lang über dem Feuer und der wiese herumfliegen, wobei alle Manöver angewandt werden dürfen, die im Rahmen der eigenen Grenzen möglich sind. Ich persönlich werde die heute zum ersten Mal fliegenden Hexen auf der Höhe für Debütantinnen anführen, während meine Amtskollegin, Gräfin Greifennest sich erboten hat, die Fortgeschrittenen Fliegerinnen zu betreuen. So sei es dann: Auf zur Walpurgisnacht!"

"Auf zur Walpurgisnacht!" Riefen alle Hexen. Julius sah Laurentine in Mitten der anderen Hexen stehen. Hätte ihr wer vor vier Jahren gesagt, daß sie in ihrem Abschlußjahr einen Besenpartner haben und freiwillig bei der Walpurgisnacht mitfliegen würde, sie hätten den oder diejenige wohl für verrückt erklärt. doch Julius wußte es selbst am besten, wie heftig das Leben seine Purzelbäume schlagen konnte. Hätte ihm wer vor vier Jahren erzählt, daß er in Beauxbatons Mit Pina auf einem Besen sitzen würde, weil Claire Dusoleil nicht mehr da war und Millie, die er damals als nervig empfunden hatte, deshalb nicht fliegen konnte, weil sie kurz davorstand, sein erstes Kind zu bekommen, was hätte er da gesagt?

Die Lehrerinnen und die Schulbediensteten bestiegen die obere Reihe. Madame Rossignol hatte unter ihrer weißen Tracht wohl die beiden Empfänger für die Wehenmelder von Sandrine und Millie. Würde einer davon ausschlagen, mußte sie die Verbindung mit welchem Kollegen auch immer trennen. In dem Fall war dann noch zu klären, ob sie die Pflegehelfer von ihren Partnern abkoppeln ließ oder erst einmal alleine zurechtkam.

"Ich bitte nun Mademoiselle Astrid Kienspan, das Auswahlroulette in Gang zu setzen. Sie müssen nur mit dem Zauberstab in seine Richtung schwingen. Um es anzuhalten genügt eine erneute Schwenkbewegung", wandte sich Madame Faucon an die kleine, noch runder als Julius gestaltete Greifennestschülerin. Diese trat in ihrem erdbeerfarbenen Umhang vor und schwang ihren Eichenholzzauberstab. Die Auswahl begann. Die beiden Zahnräder drehten sich immer schneller in gegenläufige Richtung. Als das Roulette die eingearbeitete Höchstgeschwindigkeit erreichte ließ Astrid die Lehrerinnen und Lehrer mindestens eine Minute llang Karussell fahren. "Fehlen nur die blinkenden Lichter und die laute Musik", scherzte Marc Armand, der sich neben Julius postiert hatte. Julius nickte.

Astrid Kienspan winkte nach zwanzig weiteren Sekunden noch einmal mit dem Zauberstab. Julius erinnerte sich an die längste Laufzeit. Da hatte eine Schülerin vor hundert Jahren ihre Lehrerinnen und Lehrer ganze zwanzig Minuten lang gegeneinander kreisen lassen, bis ihre Mitschüler meinten, sie wollten doch auch mal auf den Besen fliegen und nicht ihren Lehrern beim herumgewirbelt werden zusehen. Jetzt liefen die beiden zahnradartigen Drehvorrichtungen langsamer und langsamer, bis sie stillstanden. Die Sitze drehten sich nun so, daß die einander zugelosten sich ansehen konnten. Wie üblich gab es erst einmal großes Gelächter, weil einmal mehr verrückte Paarungen entstanden waren. So hatte Madame Rossignol Professeur Paximus erwischt, Professeur Paralax sollte mit Professeur Bellart fliegen, während die Gräfin Greifennest den Wahrsagelehrer Theresias Cognito als Flugpartner abbekam. Professor McGonagall hatte Professeur Delamontagne als Besenpartner erwischt, während Madame Faucon Trifolio als Besenpartner abbekommen hatte. Professeur Fixus war dieses mal lehr ausgegangen, ebenso wie Professeur Fourmier und Professeur Dirkson. Madame Faucon trat nun mit ihrem für diesen Abend zugelosten Besenherren, der sich wohl freute, nicht auf der Höhe der wilden Hexen mitfliegen zu müssen, vor die versammelte Schülerschaft der trimagischen Lehranstalten. "So möchte ich nun, in meiner Eigenschaft als ranghöchste Hexe von Beauxbatons, alle Hexen mit den ihre Einladungen erhörenden Zauberern zu mir bitten, damit ich sie von jetzt bis Mitternacht miteinander verbinde!"

Julius peilte in Pinas Richtung, Marc in Patties Richtung. Julius hakte sich bei Pina unter und ließ sich von ihr nach vorne führen, wo die Schulleiterin von Beauxbatons bereits die große Rauminhaltsvergrößerungstruhe geöffnet hatte, um die Walpurgisnachtringe hervorzuholen. Julius erinnerte sich noch an die Walpurgisnacht vor zwei Jahren, wo er zusammen mit Madame Maxime den Abend verbracht hatte, weil er noch nicht ganz von ihrer Bluttransfusion erholt war. "Ihnen ist dieses Vorgehen schon erklärt worden, Mademoiselle Watermellon?" fragte Madame Faucon Pina. Diese nickte. Die Schulleiterin prüfte mit einem Blick den Umfang der Taillen von Pina und Julius. Es dauerte jedoch nur drei Sekunden, bis sie zwei Metallringe hervorgeholt hatte, die sich nicht zu eng um die Körpermitte der beiden Partnerinnen schlossen. Mit einem kurzen Zauberstabstubser wurden die Ringe aufeinander abgestimt und beim Schließen miteinander verbunden. Bis Mitternacht würden Pina und Julius nun zusammengekettet sein.

Als alle gebildeten Paare durch die Walpurgisnachtringe verbunden waren ging es auf die große Festwiese. Julius unterdrückte das Verlangen, zu seiner Frau hinüberzusehen. Heute hatte er nur für Pina dazusein. Sie strahlte ihn an. Für sie war er immer noch der, den sie im Hogwartsexpress kennengelernt hatte und mit dem sie zwei ganze Schuljahre und schöne Ferientage aber auch die bisher schrecklichste Nacht ihres Lebens verbracht hatte. Daß sie lebte verdankte sie ihm. Doch er legte keinen Wert darauf, das hervorzuheben. Sie wußte es auch so und freute sich, neben ihm an die großen Tische heranzutreten. Über allen wurde derweil eine magische Lichtkugel entzündet, die wie eine zweite Sonne erstrahlte. Pina fragte Gloria und Patrice, ob sie sich mit Julius zu ihnen setzen durfte. Gloria und Patrice nickten. Kevin freute sich auch, daß Julius noch eine Zeit lang mit ihm und den anderen plaudern konnte.

Während des Essens ging es nur um die anstehende Feier. Julius nutzte einmal die Gelegenheit, sich umzusehen. Pierre und Gabrielle saßen an einem Tisch mit Paaren aus ihrer Jahrgangsstufe. Gabrielle hatte sich ein fließendes, grün-goldenes Festkostüm angezogen. Pierre trug einen dunkelgrünen Umhang. Er konnte Millie und Sandrine zusammen mit den Latierre-Zwillingen und den Hollingsworths an einem Tisch sehen.

"Ich dachte schon, Millie würde dir das nicht erlauben, mitzufliegen", sprach Gloria nun etwas an, was ihr wohl auf den Nägeln brannte. Julius sah sie ruhig an und erwiderte:

"Für sie war wichtig, daß unser Kind sich ohne Probleme entwickeln kann. Sie hat dem alles andere unterstellt. Außerdem kennt sie das ja von der leidigen Sache von vor zwei Jahren schon, von der ich bei der Gerichtsverhandlung gegen Umbridge erzählt habe." Pina wandte sich an Julius und fragte ihn, ob er das mitbekäme, wenn es bei seiner Frau so weit sei. Sie sagte das Wort "Frau" ohne jede Ironie oder Verärgerung, bemerkte Julius. Er zeigte noch einmal das Pflegehelferarmband und erwähnte auch, daß Madame Rossignol zwei Empfangsgeräte für die Wehenwarnbauchbänder von Sandrine und Millie dabei hatte. Kevin fragte nun doch etwas verächtlicher:

"Und wenn das Kleine aus deiner Angekuppelten rauskrabbeln will, während ihr beiden fliegt, was dann?"

"Kriege ich das von Madame Rossignol dann mitgeteilt, wenn wir wieder gelandet sind", sagte Julius, während Pina leicht verstört ddreinschaute. "Die entscheidet dann, ob ich deshalb die Feier abbrechen soll oder zumindest bis Mitternacht noch Zeit habe. Oder bist du deiner Mutter wie ein kräftiger Pups entfahren, Kevin?" Die Junghexen starrten ihn verdattert an, während Plato Cousteau grinsen mußte. Kevin verzog das Gesicht und schüttelte den Kopf. "Neun Stunden hat die an mir drücken müssen, hat sie mir mal erzählt, als ich wissen wollte, ob das bei mir schnell ging. Offenbar wollte ich nicht aus der raus. Hat ja auch immer gut für mich mitgefuttert."

"Siehst du, deshalb habe ich sicher noch genug Zeit, zu ihr hinzugehen, bevor unser Baby ganz auf der Welt ist", sagte Julius. Gloria bemerkte dazu:

"So oder so wird die Kleine viel zu früh ankommen. Selbst mit dem Apfelhaus als Wohnung habt ihr zwei doch noch erst selbst zu gucken, was ihr im Leben macht."

"Gloria, das ist jetzt blöd", knurrte Pina. Patrice nickte ihr zu. "Solange haben deine Eltern auch nicht gewartet, um dich hinzukriegen. Gleich nach Hogwarts geheiratet, und knapp ein Jahr später warst du schon da. Julius und Millie wollten eben schon ein Baby. Ob das für die beiden zu früh oder schon rechtzeitig ist, soll dir doch egal sein."

"Als wenn dir das egal wäre", schnaubte Gloria, die sich auf einmal in der Rolle der Bösen wähnte. "Wer hat denn damals, wo die beiden so überschnell geheiratet haben gesagt, daß das noch zu früh ist? Wer hat komisch geguckt, als rumging, daß Millie von Julius schon ein Kind unter dem Herzen trägt?" Die Jungen außer Julius mußten über die Formulierung lachen.

"Ja, natürlich, wirf mir das jetzt alles an den Kopf, Gloria. Natürlich ist mir das nicht egal, was einem guten Freund gerade passiert. Sicher interessiert mich das, ob es ihm gut geht oder nicht. Ja, und es ist mir auch erst ein wenig aufgestoßen, mir vorzustellen, daß Julius keine Zeit hat, sich erst mal richtig umzusehen, was er machen kann, weil er ja schon für eine Familie sorgen muß", fauchte Pina. Gloria verzog auch das Gesicht. Sie meinte dann:

"Ich wollte Julius gegenüber nicht als Heuchlerin erscheinen, die so tut, als fände sie das so toll, daß sie ihn schon derartig eingespannt haben."

"Ach neh, Gloria. Aber mir eine runterhauen, weil ich ihm das immer schon gesagt habe", fing nun Kevin an, sich reinzuhängen. Julius fragte genervt:

"Leute, welchen Film dreht ihr hier gerade. Ich halte Pina weder für eine Heuchlerin, noch habe ich mich von irgendwem einspannen lassen, sondern mir das ausgesucht, Gloria und Kevin. Ich werde hier jetzt keine Sachen aufwärmen, die außer Plato eh alle kennen und die Plato wohl kaum interessieren dürften. " Glorias Besenpartner nickteverhalten. Gloria wollte sich damit aber noch nicht ganz zufriedengeben:

"Was du dir geleistet hast war Undankbarkeit, Kevin. Was ich angebracht habe war ehrliche Besorgnis. Das ist ein Unterschied."

"Okay, bevor das hier noch den Abend versaut so viel: Ich liebe Millie. Sie liebt mich. Wir freuen uns beide auf unser Kind und werden so gut wir das jetzt schon können für es da sein und auch was finden, um beides hinzukriegen, eine Familie und einen Beruf. Ich habe auch konkrete Vorstellungen, was ich nach Beauxbatons machen möchte, auch wenn mir - mein Freund Kevin - sehr viele Leute vor allem aus der Heilerzunft in den Ohren liegen, daß ich bei denen anzufangen habe oder es auch Leute gibt, die mich als Lehrer hier in Beaux oder in Hogwarts sehen. Ich habe lernen müssen, daß man nicht immer alles kriegt, was einem gerade gefällt. Deshalb genieße ich das, etwas zu haben, was mir gefällt und meine Interessen weiter auszubauen. Und so wie ich das gerade sehe, Kevin, hast du jetzt den ganzen Abend zeit, zu fühlen, wie wichtig partnerschaftliche Harmonie ist. Vielleicht gefällt dir das sogar. Dann können wir gerne noch mal drüber reden. Falls es dir nicht gefallen sollte - und der Abend hat ja gerade erst angefangen -, dann kannst du dich ja gerne in dem Gefühl suhlen, daß eine Beziehung oder auch nur eine gute Beziehung zu den Arbeitskollegen nicht dein Ding ist." Kevin verzog das Gesicht, während Patrice überlegen grinste. Gloria erkannte, daß sie da wohl gerade was angestoßen hatte, was ihr übler aufstieß als Julius. Pina meinte dazu nur noch:

"Ich finde das schön, diesen Abend zu feiern. Ich will nichts mehr davon hören, wer wann aus welchem Grund zu früh oder nicht zu früh geheiratet hat." Damit war das Thema wohl erledigt. Es ging dann nur noch um die Spiele. Doch Julius wußte nicht, welche heute Abend drankamen.

Als es dann endlich zur Ausgabe der Besen ging war Pina sichtlich erleichtert. Sie wandte sich Julius zu und flüsterte: "'tschuldigung, Julius. Aber Gloria kann zu weilen mit ihrer alles überblickenden Tour nerven, und Kevin will es trotz Ravenclaw-Zuteilung nicht kapieren, daß Leute einen anderen Weg im Leben nehmen. Holen wir meinen Besen ab und sehen zu, wo wir uns einsortieren!" Julius nickte und ließ sich von ihr zur Ausgabe der Besen führen. Pinas Besen war ein schuleigener Ganymed 8, so einen, wie Claire ihn vor vier Jahren geflogen hatte. Ein wenig wehmütig dachte er für einen winzigen Moment an diese unbeschwerte Zeit zurück, die Zeit vor Hallitti, den Morgensternbrüdern und Voldemort.

Okay, ich steuere? Dann besser von vorne", sagte Pina und balancierte den Besen so aus, daß ihr geringeres Körpergewicht weiter vorne auflag. Als dann das große Feuer entzündet wurde und Madame Faucon rief: "auf, auf, ihr Hexen!" stießen sich alle Hexen mit oder ohne Partner vom Boden ab. Pina mußte ein wenig korrigieren, um den Besen gut auszurichten. Sie flog daher erst ein wenig zaghafter los als die anderen. Doch sobald sie vom Boden fort waren begannen ihre Kostüme ihre Leuchteffekte zu zeigen. Julius Umhang blitzte erst in verschiedenen Lichtkaskaden auf. Doch als Pina von einem großen, sie beide umkreisenden und dabei durch alle Phasen wandernden Silbermond umkreist wurde, entfaltete sich um sie beide herum ein heller, bunt gepunkteter Sternenhimmel. Julius sah mit der Begeisterung für Astronomie, daß die obere Hälfte den nördlichen Sternenhimmel mit dem Polarstern im Scheitelpunkt und die untere Hälfte den südlichen Sternenhimmel mit dem Kreuz des Südens im unteren Scheitelpunkt nachbildete. Pina war hellauf begeistert. Denn auch sie interessierte sich seit Anbeginn ihrer Zauberschulzeit für den Sternenhimmel. Sie rief nach hinten, woher Julius den Umhang hatte. Er erwiderte:

"Den habe ich mir auch in Paris bei Madame Esmeralda bestellt. Mußte dafür nur meinen größeren Umfang ausmessen lassen. Vielleicht kann ich den auch wieder anziehen, wenn ich weniger auf den Hüften habe. Das Ding ist voll genial."

Die künstliche Himmelssphäre um sie herum drehte sich und wurde dabei immer vom sie durchkreisenden Mond überstrahlt. Je schneller der Besen flog, desto weiter spannte sich die nichtstoffliche Schale mit den bunten Lichtern.

Pina sortierte sich auf der Debütantinnenhöhe ein, während Patrice mit Kevin schon auf die Höhe der wilden Hexen stieg. Gloria, die auch schon einmal eine Walpurgisnacht in Beauxbatons mitgefeiert hatte, wählte eine mittlere Höhe, um nicht zu langsam fliegen zu müssen. Madame Faucon kam mit dem sie um mehr als Haupteslänge überragenden Professeur Trifolio links an dem Gespann Pina und Julius vorbeigesaust. Das Kostüm der Schulleiterin wirkte wie eine Wolke aus goldenen Feuerbällen, die gegeneinanderstießen und dabei immer wieder Abkömmlinge erzeugte, die wuchsen und im weiten Bogen herumschwirrten.

"Haben Sie noch Balanceprobleme, Mademoiselle Watermellon?" fragte die Schulleiterin. "Sie müssen sich wirklich in der Besenmitte zusammensetzen. Dann legen sie die Steuerungshand nach vorne, und die Lagehand fast auf Schritthöhe. Monsieur Latierre, sie können den Gewichtsunterschied dadurch verringern, wenn Sie Ihre rechte Hand, mit der Sie ja sonst die Richtung und Längsachsenausrichtung steuern so legen, daß sie bei einzelfliegern als Lagehand anliegt. Ihre Linke Hand legen sie dann genau eine Viertelhandbreit vor der Lageausrichtungshand Ihrer Besenherrin!" instruierte Madame Faucon die beiden und führte es ihnen vor. Dabei gerieten sie voll in einen Regen aus leuchtenden Goldstücken, die jedoch nur Lichterspiel waren. Pina und Julius machten es so, wie die Schulleiterin es vorgab und schafften es wirklich, den Besen jetzt richtig zu zentrieren. Dann konnten sie die Flugmanöver Madame Faucons nachfliegen, wobei diese schon etwas ausgreifendere Manöver flog. Trifolio schwankte dabei mehrmals bedenklich auf dem hinteren Platz. Langsam bekam Pina das richtige Gefühl für den Besen. "Ich hätte vielleicht mit William Deering üben sollen, statt mit Gloria", grummelte Pina zwar einmal. Doch dann genoß sie den Flug. Julius fühlte sich im Moment wieder frei und unbeschwert. Das war wie am Jahresendfest, wo er bei denen mitfliegen durfte, die die bösen Geister des alten Jahres vertreiben wollten. Wann, so fragte er, würde er wieder auf einem Besen sitzen können? Er fühlte Pina, die sich jetzt in seinen Armen hielt und doch die Steuerung des Besens behielt. Ihr Haar wehte im Wind. Zwar war er jetzt viel größer als sie. Doch das Gefühl der Verbundenheit tastete sich an ihn heran und umfing ihn sanft. Er dachte daran, daß sie sich nicht hatte abschrecken lassen, nicht von der Ehe mit Millie, die noch dazu gerade ein Kind erwartete, nicht durch den Größenzuwachs von ihm wegen Madame/Mademoiselle Maximes Bluttransfusion und auch nicht durch die mit angefutterten Kilogramm, weil er Millies Heißhungerattacken unabgewehrt über sich hatte ergehen lassen. Das alles hatte dieses Mädchen nicht abgeschreckt. Einen Moment lang sah er wieder die Traumbilder, wie sie statt Millie die Mutter seiner Kinder wurde, sie, nicht Gloria. Pina hatte es auf den Punkt gebracht. Gloria hatte immer schon Wert auf überlegtes, um nicht zu sagen, überlegenes Vorgehen gelegt. Daß sie Kevin einmal zwei Ohrfeigen gegeben hatte lag daran, daß sie sich davon angenervt gefühlt hatte, wie undankbar Kevin sich benommen hatte. Pina war zwar still, ja für sich sehr ruhig, anders als Claire oder Millie. Doch ihre Ruhe strahlte eine unbändige Kraft aus, der er, Julius, sich garantiert längst anvertraut hätte. Ja, sie beide wären wohl nach Hogwarts zusammen durchs Leben gegangen. Er fühlte jetzt, wo sie ihren Kopf für ein Steigflugmanöver an seinen dicken Bauch drückte, ihre heißen, feuchten Lippen auf seinen und hörte sie noch sagen, das Millie ihr das sicher durchgehen ließe. Sie hatte es hingenommen, daß er einer anderen sein Leben und seine Liebe anvertraut hatte. Sie hatte ihn losgelassen. Hatte sie ihn denn einmal festgehalten?

"Wer sind die denn da?" wollte Pina wissen, als fast in ihrer Flugbahn ein Besengespann aus der Fortgeschrittenenhöhe herabstieß und mit wildem Lichtspektakel fast in die hoch auflodernden Flammen geriet. Er erkannte Louis, der hinter Sylvie Rocher saß. Er erwähnte es. Pina grummelte, daß die beiden sie fast vom Himmel geputzt hätten.

"Sofort zurück auf die Fortgeschrittenenhöhe!" blaffte Madame Faucon. Sylvie hatte es noch geschafft, aus dem Erfassungsbereich des meterhohen Hexenfeuers auszubrechen und in einer eleganten Kurve nach oben zu steigen.

"Die sollen sich da oben austoben!" knurrte Pina verärgert. Julius konnte ihr da nur beipflichten.

Mit der Zeit bekam Pina mehr Vertrauen in ihre Flugkünste. Madame Faucon genoß es offenbar, ihr nicht zu langsame, aber auch nicht zu haarsträubende Manöver vorzufliegen. Der Flugwind zauste Pina und Julius das Haar und rüttelte an ihren Umhängen. Um sie herum kreiste die Himmelssphäre und in ihr der Mond. Julius erkannte, daß er immer dort ganz voll war, wo ihr hinterer Sektor, also die Richtungen vier bis acht Uhr angesiedelt waren. So ging es durch das bunte Treiben über dem Feuer. Über sich hörten sie das wilde Johlen der anderen Hexen und Zauberer. Julius fühlte sich unbeschwert. Im Moment war da nur dieser Flug, sonst nichts.

Als die wilde Besenflugstunde vorbei war landeten sie alle. Außer Trifolio, dem fast das Abendessen aus dem Gesicht gefallen war, hatten es alle andern gut überstanden. Auch Professor McGonagall schien diesen Ritt durch die Luft sichtlich genossen zu haben. Sie strahlte alle und jeden an. Offenbar fühlte sie sich wieder wie eine Schülerin, die auf dem Besen herumtoben durfte.

Nun kamen die Partnerspiele dran, bei denen Geschicklichkeit, Mannschaftsgeist und Gewandtheit gefordert wurden. Diesmal waren es vier Parcours, bei denen die Teilnehmer einmal alle möglichen Fortbewegungsarten wie Hüpfen, Kriechen, laufen über Baumstämme springen und Klettern ausnutzen mußten. Dann ging es darum, Eisenkugeln doppelt so groß wie Klatscher möglichst schnell ohne sie mit den Händen zu greifen oder mit Bewegungszaubern zu beeinflussen mit langen Eisenstangen durch ein unebenes Gebiet zu transportieren und in einer Kiste einzusammeln. Dann galt es noch, durch Betätigung zweier Pumpen, die gerade so nah zueinander standen, daß die Abstandsbeschränkung der Walpurgisnachtringe nicht strapaziert wurde, mehrere Kolben unterschiedlich voll mit Wasser zu füllen. Dabei galt es auch, die Wasserzuteilung durch das Öffnen und Schließen von Ventilen zu regeln. Das war für Julius wieder ein Heimspiel an vorausberechnung. Pina erwies sich dafür im vierten und letzten Spiel als bessere Bewegungskoordinatorin. Denn hier galt es, durch gezielte Gewichtsverteilung zwölf farbige Kugeln so zu lenken, daß alle in kleinen Mulden lagen, die so gefärbt waren wie die Kugeln. Diese Art Tanzroulette zeigte Julius, daß er durch die Gewichtszunahme doch einiges an Feinmotorik in den Beinen eingebüßt hatte. Pina konnte ihm aber gut helfen, indem sie ihm sagte, wie er seine Füße zu setzen hatte, daß die in der Mitte liegenden Kugeln so über die auf einer starken Feder gelagerten Scheibe gelenkt wurden, daß sie in den ihrer Farbe entsprechenden Mulden landeten. Das war nicht so leicht, weil die bereits platzierten Kugeln bei jeder Lageänderung aus den bereits besetzten Mulden wieder herausrollen konnten. Julius erkannte, daß es wirklich noch sehr interessante Spiele gab, die mehr verlangten als nur Intelligenz oder nur Ausdauer. Immerhin schafften sie es in der zweitschnellsten Zeit, die zwölf Kugeln in die entsprechend gefärbten Mulden zu bugsieren. Die schnellsten waren Sylvie und Louis. Kevin und Patrice kamen als drittschnellste aus dieser letzten Runde heraus. Zwei Paare hatten zu schummeln versucht. Deshalb würden sie beide die Ringe bis zum Abend des ersten Mais tragenmüssen. Dabei würden die dann von Stunde zu Stunde schwerer.

Kurz vor Mitternacht tanzten die Paare noch einmal zusammen, um in den neuen Tag und neuen Monat hinüberzugleiten. Julius fühlte jetzt wieder was von Millie. Sie fühlte sich angespannt und ein wenig mißgelaunt. Er konzentrierte sich mit seiner Selbstbeherrschungsformel und beruhigte sich und damit auch sie. Später würde er sie fragen, was sie hatte.

Als um Punkt zwölf Uhr die Ringe von allen abfielen, die sich ohne mit Magie zu schummeln in den Spielen behauptet hatten, wollte Julius Gloria zum Tanz führen. Doch diese hielt sich an Plato Cousteau. Julius gönnte daher seiner Schwiegertante Patricia noch einen Tanz, bevor er mit Pina den letzten Tanz dieses Abends erlebte.

"Das war richtig schön, wie wir zwei das mit den Spielen hingekriegt haben", sagte Pina. "Sowas könnten sie in Hogwarts auch einführen."

Bei der Walpurgisnacht außerhalb von Beauxbatons soll es noch wildere Sachen geben. Aber die sind dann echt wohl nur für Erwachsene mit wenig Zwang zu festen Regeln geeignet, habe ich mir sagen lassen."

"Davon hörte ich auch, daß da Kennenlernspiele mit Anfassen im Dunkeln gespielt werden. Na ja, das heute war mir schon lieber." Julius konnte ihr da nur beipflichten.

Zum Abschluß gab Pina ihm zwei lange Wangenküsse und bat ihn darum, Millie einen Gutenachtkuß von ihr mitzugeben.

Als er mit Millie allein im gemeinsamen Ehegattenzimmer stand küßte er sie leidenschaftlich auf den Mund. Sie strahlte ihn an und erwiderte den Kuß. "Ich soll dich schön von Pina grüßen. Sie bedankt sich, daß du mich ihr ausgeliehen hast."

"Also, wenn ich es nicht immer darauf angelegt hätte, hätte ich den ganzen Abend so schmollen können wie damals Connie Dornier. Sandrine sah nur trotzig zu, wie die ganzen Schnattergänse, die uns beiden keine eigenen Kinder gönnen wollen mit ihren Partnern rumgeturtelt haben, als wollten sie mit denen die wahre Walpurgisnacht feiern. Dann konnte ich nicht mehr gescheit essen, mußte dauernd in eine der Klokabinen rein und habe mich andauernd schwindelig gefühlt. Ma hat mal behauptet, mit Tine hätte sie drei Tage hintereinander gedacht, über jeden kleinen Hubbel im Boden fallen zu müssen. Zwischendurch habe ich gedacht: Jetzt geht's los. Jetzt muß sie raus. Aber dann war mir wieder so, als sei ich gar nicht schwanger. Da mußte ich echt in den Spiegel kucken, um zu sehen, daß ich noch so rund bin wie vor Aurores Einzug bei mir. Jedenfalls habt ihr beide einen schönen Abend gehabt."

"Ähm, so kurz vor Mitternacht, war da was?"

"Endora Bellart war da, Julius. Sie meinte, Sylvie hätte sich entschieden den falschen Besenpartner ausgesucht, und ich möchte ihr doch bitte demnächst sagen, daß sie die Finger und sonst noch was von "ihrem Louis" zu lassen hätte. Ich habe ihr da gesagt, daß Walpurgis nicht ausschließlich für gebildete Parre sei und ich ja das beste Beispiel dafür sei, daß ich meinen ganz offiziell angetrauten Zauberer mit einer Hexe fliegen lasse, die sofort meinen Platz übernommen hätte, wenn ich nichts mehr von ihm hätte wissen wollen. Da ist die abgezogen. Der muß der zumindest mal an die kleine Vordertür gelangt haben, daß die meint, der gehört ihr. Dann soll die zu ihrem langen Saalvorsteher hinrennen, wenn der sich von Madame Faucons Flugkünsten erholt hat!"

"Ähm, du hast Endora gesagt, Pina hätte sofort deinen Platz eingenommen?" wollte Julius wissen.

"Komm, die kleine Ablegerin von Professeur Bellart hat mich schon genug geärgert. Versuch jetzt nicht, mich auch noch für blöd zu verkaufen", grummelte Millie. "Du weißt, daß ich weiß, daß wenn du in Hogwarts geblieben wärest oder hier echt kein Bein auf den Boden bekommen hättest und sie dich doch zurückgeschickt hätten, du mit Pina und nur mit Pina zusammengekommen wärest. Sie ist zwar nicht so frei heraus wie Caro oder ich. Aber sie weiß genau, was sie will. Ich habe es immer gesehen, wenn ihr über uns weggeflogen seid. Sie hat sich sehr gefreut, daß sie dich einen Abend lang mal ganz für sich haben konnte, oder fast ganz für sich. Ich habe deinen Frust ja mitbekommen, als du mit ihr bei Gloria und Kevin mit Anhängen gesessen hast. Hat Kevin mal wieder rumgetönt, daß du dich von mir zu früh hast festlegen lassen?"

"Das mit zu früh hat Gloria gesagt. Und Pina hat ihr widersprochen. Sie meinte, es sei ihr zwar nicht egal, was ein Freund erlebt. Aber es wäre ihr auch wichtig, daß es ihm gut ginge. Ich habe dann klar angesagt, daß wir uns beide lieben und unser Kind auch haben wollen."

"Da siehst du's. Gloria will dich immer noch irgendwie kultivieren oder wie immer das gesagt wird. Kevin sieht in dir den Typen, der er nicht sein wollte aber zu dem er doch irgendwie aufblickt, weil da immer wieder was spannendes von rüberkommt. Die einzige, die dir das gönnt, was du an guten Sachen hast ist Pina. Dreimal darfst du raten, warum."

"Da rate ich nicht, weil mir das klar ist, Millie", erwiderte Julius leise. Denn sie lagen noch nicht in ihrem Bett. Millie nickte ihm zu. Julius sagte dann: "Ich glaube, Pina hat das damals gelernt, als ich mit Claire zusammen war, daß es nichts bringt, darüber zu motzen und sich darüber aufzuregen. Womöglich hat sie längst mit dir Frieden geschlossen."

"Ich habe nie Streit oder gar einen Krieg mit der angefangen. Für mich war und ist sie sehr wichtig, weil sie für dich wichtig ist. Aber wenn du meinst, sie hätte ihren Frieden mit mir, dann wohl eher mit sich selbst. Und ich habe das sehr wohl genossen, daß es dir beim Flug in die Walpurgisnacht sehr gefallen hat. Womöglich hatte ich deshalb im Moment keine Umstandsprobleme, weil ich zu heftig von deinen Glücksgefühlen vollgepumpt wurde. Aber spätestens am dritten Mai fängt für uns beide und die da in mir drin ein neues Leben an." Sie tätschelte behutsam ihren scheinbar bis zum zerreißen aufgewölbten Bauch. Dann sagte sie noch was über den Abend: "Der Abend war für uns alle sehr wichtig. Denn jetzt wissen wir, warum wir so zueinander stehen wie wir es tun."

Als sie beide endlich im Bett lagen dachte Julius noch einmal über den Abend nach. Ja, Millie hatte wohl recht. Pina war die heimliche Verehrerin, die zusehen mußte, wie andere Mädchen wegen nicht vorhersehbarer Umstände die Chancen vermasselt hatten. Doch anstatt in Liebeskummer zu ersaufen oder Rachepläne gegen ihre Konkurrentinnen zu schmieden, hatte sie nur daran gedacht, wie es ihm ging. Jetzt hatte er es ihr, gloria und Kevin angesagt, daß er Mildrid Ursuline Latierre liebte. vor vier Jahren hätte er das total zurückgewiesen. Aber in den vier Jahren war viel passiert. Er fühlte, wie die Gedanken immer träger wurden und er in den erholsamen Schlaf hinüberglitt.

Wie üblich fanden am ersten Mai keine schulischen Aktivitäten statt. Selbst die Freizeitkurse wurden nicht erteilt. Zwar wäre an diesem Samstag auch eine Saalsprecherkonferenz fällig gewesen, doch diese fand auch nicht statt. So nutzten die Schülerinnen und Schüler es aus, daß sie strahlenden Sonnenschein hatten. Julius trainierte wieder, um überschüssiges Gewicht abzuspecken. Dabei hielt er sich an die Vorgaben seiner Schwiegergroßmutter, um nur die Ausdauer und die Gewandtheit in Form zu halten. Zwar hatte er durch das Übergewicht und das dagegen auferlegte Körpertraining eine stärkere Arm- und Beinmuskulatur entwickelt, konnte jedoch durch die entsprechenden Bewegungsübungen die Geschmeidigkeit seiner Arm- und Beinbewegungen erhalten.

Millie und Julius verbrachten bis zur Mittagsstunde noch die Zeit mit Spaziergängen durch die Parks und dem Aufenthalt im Ostpark.

Beim Mittagessen langte Millie nicht mehr so heftig zu wie in den letzten Monaten. Offenbar wollte ihr Magen nichts mehr aufnehmen, weil er von unten her so zusammengestaucht wurde.

Am Nachmittag gingen sie wieder in den Ostpark. Julius freute sich über diesen schönen, sonnigen Nachmittag.

Millie und er setzten sich in den Pavillon im Ostpark hin und sprachen über die vergangenen vierzig Wochen, was da so alles geschehen war. Darüber verging die Zeit. Als Julius erstmals wieder auf seine Armbanduhr sah, war es schon halb sechs Abends.

"Die kleine ist ganz ruhig geworden. Ich hoffe mal, die hat noch genug Platz", sagte Millie mit sorgenvoller Miene. Julius betrachtete sie, die Hexe, die die Mutter seines ersten Kindes werden würde. Sie war im Verlauf der Schwangerschaft sichtlich in die Breite gegangen. Vor allem ihr mit neuem Leben beladener Bauch ragte rund und prall hervor. Julius fühlte die Besorgnis und die aufflackernde Ungeduld seiner Frau. Sollte es wirklich noch bis zum dritten Mai dauern? Er nahm einen Satz Mithörmuscheln, den Madame Rossignol ihm und Millie gegeben hatte und legte die schwarze an Millies prallen Unterleib. Mit der weißen Muschel am rechten Ohr lauschte er. Er hörte das Wummern von Millies Herzen, das Rumpeln und Gluckern in ihrem Magen-Darm-Trakt. Ja, und er hörte die schnellen wummernden Herzschläge seiner Tochter. Sie lebte noch. Seine Erleichterung darüber floß auf Millie über. sie strahlte ihn an. Er hörte über die Mithörmuschel an seinem Ohr ihre Stimme dumpf nachklingen, als sie sagte:

"Sie hat wohl Angst, jede Bewegung würde sie ..." Weiter kam sie nicht. Julius fühlte es beinahe körperlich, wie eine Welle aus Schmerz und Beklommenheit über ihn hereinbrach. Millie stieß einen kurzen Aufschrei aus und hielt sich den Bauch. Julius hörte etwas wie ein kurzes heftiges Rumoren. Millie erblaßte und sog zischend Luft ein. Noch einmal überkam sie wohl ein Krampf. Ihr Gesicht verzog sich stärker. Doch dann entspannte es sich wieder, und Millie konnte lächeln. Julius fühlte Erleichterung und Freude aus ihr zu ihm überfließen.

"Monju, ich denke, jetzt geht's los."

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