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Julius Andrews - Auf seinem Weg in die Zaubererwelt von Thorsten Oberbossel

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"Schwestern, wir können sie nicht länger halten! Volle Konzentration!" Hörte er die Anführerin aus der Höhle rufen. Offenbar machten die da unten einen heftigen Zauber. Es krachte erneut, als ein weiterer Balken brach. Gleich würde der letzte Balken brechen, dann würde sich die Höhle wieder schließen, und Hallittis Macht würde die da unten alle vernichten, wer immer sie waren.

"Maneto!" Klang es plötzlich hinter ihm. Dann packte ihn auch schon der Erstarrungsbann und hielt ihn in der Körperhaltung, die er eben eingenommen hatte. Drei Hexen in Weiß liefen an Julius vorbei und postierten sich um seinen nackten, im Zauberschock betäubten Vater.

"Meine Güte, hat die den aber ausgezehrt", stöhnte eine der Hexen. Eine zweite Hexe, die wohl ein klein wenig älter war als die erste meinte:

"Das kommt, weil dieses Monster ihn nicht so schnell von den vielen Giften und Geschossen kurieren konnte, die er sich wohl in Las Vegas eingefangen hat. Wahrscheinlich verlor er jeden Tag ein Lebensjahr. Aber es ist unmöglich, ihn ohne ihn dieser Unheilstochter zu opfern zu erlösen. Kein erwachsener Mann, der dieser Bestie unterworfen wurde, konnte je befreit werden."

"Du sagst es. kein erwachsener Mann", frohlockte die dritte Hexe, die Julius wohl auf gerade auf etwas älter als zwanzig schätzte. Ihre Worte klangen so überzeugt, daß Julius das kalte Grauen erfaßte. Als es ihm dann wie eine Supernova so hell aufging, wie die das meinte, setzte sie auch schon an, eine Formel zu sprechen, die er zuerst von der Durmstrang-Schülerin Ilona Andropova und später, im Zuge eines Experimentes, von Professeur Faucon gehört hatte. Das war der Schlüssel. Kein erwachsener Mann konnte von dieser Bestie gelöst werden.

"Avada Kedavra", klang ein Chor gemeinsam ausgerufener Zauberflüche aus der Höhle, während die jüngere Hexe mit unheimlicher Betonung ihre Formel sang. Julius konnte nicht anders als hinsehen, wie sie mit ihrem Zauberstab auf seinen Vater zeigte. Dann schoss ein goldener Lichtstrahl heraus undtraf den uralten Mann auf dem Wüstenboden, breitete sich aus und löste ihn auf. Mit einem lauten Knall verschwand das Licht, und dort, wo eben noch ein Greis gelegen hatte, lag nun, mit der hellen Haut des gerade neugeborenen bedeckt, ein wimmernder Säugling mit großem Kopf und runden Pausbäckchen, der einen weichen Flaum blonden Haares besaß und unvermittelt wie am Spieß losschrie. Im genau selben Moment ertönte aus der Höhle ein unirdischer Schrei, der nicht menschlich und nicht tierisch war. Er war genauso langgezogen wie der schrille Schrei des Babys, das einst sein Vater gewesen war. Gerade als die Hexen in der Höhle erneut "Avada Kedavra!" riefen, erscholl ein überaus fröhlicher Trompetenchor und ließ die ganze Szene in der Wüste Kaliforniens innerhalb einer Sekunde in einem bunten Flimmern und Beben vergehen. Übrig blieb nur die Dunkelheit und sein laut wummerndes Herz, als Julius sich in dem großen, weichen Bett wiederfand. Er atmete mehrmals ein und aus. Das durfte er den Foresters wohl nicht erzählen, daß er in der ersten Nacht bei Ihnen einen Alptraum geträumt hatte. Das schlimme an diesem Traum war ja, daß das alles tatsächlich passiert war. Vor fast einem Jahr, nicht unbedingt so weit fort von hier war die Vernichtungsschlacht gegen Hallitti geschlagen worden. Dort, in der Mojavewüste, hatte er mit angesehen, wie sein Vater vom erschreckend schnell gealterten Mann zum Neugeborenen Zurückverwandelt worden war. Dort hatte er die zweifelhafte Bekanntschaft mit jener Hexe gemacht, die eine Wiederverkörperung einer alten Dunkelmagierin war. Sein Vater lebte seit dem anderswo unter anderem Namen, ohne Erinnerung daran, was er früher war und daß er über Monate der schwarzmagisch unterjochte Sklave einer Kreatur gewesen war, die eine vollkommene Verschmelzung zwischen Schönheit und Bestie war.

"Viva México!" Rief gerade irgendwo über Julius Kopf jemand. Zunächst glaubte dieser, im Jungenschlafsaal von Beauxbatons zu liegen. Doch dann kehrte die Erinnerung zurück. Er war Gast der Foresters, weil Brittany am fünfzehnten Juli ihr erstes Profi-Spiel betreiben wollte. Dennoch kamen dem Gast der Foresters die fröhlichen Trompeten, Fideln und Gitarren zu vertraut vor. Und der Rufer war ihm auch bekannt. Ja, und da zog sie auch durch ein Bild über seinem Bett, jene Mariachi-Truppe, die seit Februar allmorgentlich durch Beauxbatons zog und jeden weckte, von der Direktrice bis zum Erstklässler. Hatte Millie dieses Bild von den musizierenden Mexikanern von ihren Cousinen ausgeborgt?

"Gott schütze die Königin!" Rief Julius, als der Zugführer Mexiko erneut hochleben ließ. Das brachte die fröhlichen Musikanten dazu, stehenzubleiben und ein flottes Lied anzustimmen, aus dem Julius nur den Namen Conchita und die Wörter "Reina de mis Días" und "Luna de mis noches" heraushören konnte, weil sie so inbrünstig deutlich gesungen wurden.

"Huch, das Lied kenne ich ja noch gar nicht", hörte Julius Brittanys Stimme von unten klingen. Julius überlegte, ob er darauf was antworten sollte, als Millie bereits zurückrief:

"Das Ding haben die von meinen Cousinen schon mal gesungen!"

"Ruhe, ist erst sechs Uhr!" Polterte Mr. Forester darauf. "Britt, häng die wieder ab, wenn die wieder bei dir drin sind!"

"Buenos Días Señor!" Wünschte ein Fidelspieler und winkte mit dem großen, runden Hut. Julius grüßte zurück. Dann marschierten die gemalten Mariachis durch zwei weitere Bilder im Zimmer und verließen dieses dann fröhlich trompetend, fidelnd und zupfend.

"Ich dachte, Callie und Pennie hätten die nur", hörte Julius Millies Gedankenstimme zwischen seinen Ohren.

"Gibt's wohl auch mehrere Ausgaben von", schickte Julius zurück, während sich Vater und Tochter Forester darüber hatten, ob die gemalte Wanderkapelle nun offen ausgehängt bleiben sollte oder nicht.

"Die Mädels haben mir gestern erzählt, hier in der Nähe könnte man Frühsport machen", gedankensprach Millie. Julius fragte sie auf dieselbe Weise, wo das denn sei.

"südlich vom Uhrenturm ist ein Park, wo sie eine tolle Laufbahn hingebaut haben. Da hängen die Quodpotter morgens mal rum, um sich Morgenluft in die Lungen zu ziehen", antwortete Millie. "Können die Gemüsefee ja fragen, ob wir da auch mal hindürfen."

"Wenn die mit ihrem Daddy keinen festen Krach kriegt", schickte Julius zur Antwort zurück. Dann rief Gloria Porter:

"Wo hast du die Mexikaner denn her, Britt?"

"Bestimmt nicht aus Kanada", schnaubte Mr. Forester mißmutig.

"Die habe ich von Mels und meiner Schlafsaalkameradin Blanca Lolita!" Rief Brittany fröhlich. Melanie Redlief bestätigte das.

"Ist völlig schnurz. Die Truppe soll gefälligst nicht durch alle Bilder ziehen", grummelte es aus dem Elternschlafzimmer der Foresters. Inzwischen trompeteten die Mariachis weiter östlich, wo das Arbeitszimmer der Thorntails-Lehrerin lag. "Britt, sammel die wieder ein und lass uns schlafen! Verdammt noch mal!" Rief Mr. Forester noch. Doch Julius war jetzt viel zu wach. Die Sache mit dem Frühsport interessierte ihn. Er hatte seinen Schwermacher mitgenommen. Hier in Viento del Sol war die Luft zum trainieren hundertmal besser als in Paris. Er stand auf und griff sich die Anziehsachen für den Tag. Eingehüllt in einen Bademantel machte er sich dann zum Badezimmer auf. Er grinste, wenn er daran dachte, daß er das gerade für sich alleine hatte, während Gloria und ihre Cousinen sich um ein Badezimmer zanken müßten. Doch als er das ihm zugedachte Badezimmer erreichte, tauchte Brittany Forester in einem blauen Morgenrock mit dem Wappen der Viento del Sol Windriders auf. Ihr weizenblonder Haarschopf fiel wild und ungebändigt auf ihre Schultern. Einige Stränen hingen keck über ihrem Brustkorb herab.

"Ach, du wolltest schon aufstehen?" Fragte Brittany leise und grinste Julius aufmunternd an. "Bist du nicht so'n Morgenmuffel wie mein Daddy?"

"Ich dachte, ich könnte vielleicht ein paar Runden im Dorf herumlaufen. Wo geht sowas gut?" Fragte Julius, der nicht durchblicken lassen wollte, daß Millie und er sich was zumentiloquieren konnten.

"Achso, du warst ja gestern nicht mit. Südlich vom Uhrenturm liegt unser Trainingsgelände. Wollte da gleich mit Venus, Kore, Notus und Mitch hin. Wenn du Lust hast kann ich dich mitnehmen."

"Hmm, dann macht ihr das morgens immer?" Fragte Julius.

"Wie wir gerade aus dem Bett kommen", flüsterte Brittany. Ist Millie nicht auch eine Frühsportlerin?"

"Yep", erwiderte Julius bestätigend. Sein Blick hing förmlich an der athletischen wie schönen Junghexe, die das wohl bemerkte und sich behutsam bewegte, um die wilde Haarpracht etwas manierlicher hing. Dann fragte sie leise: "Läßt du mir den Vortritt oder brauchst du nicht so lange?" Julius fühlte seine Ohren wärmer werden, atmete tief durch, straffte sich und antwortete:

"Ich bin in zwei Minuten frühsporttauglich. Rasieren kann ich mich ja später noch." Brittany nickte ihm zu und sah, wie er das Badezimmer aufsuchte.

"Ich gehe mit Brittany zu diesem Park", mentiloquierte er Millie, als er Wasser ins Waschbecken einlaufen ließ.

"Soso, das wagst du mir direkt unter meinen Schopf zu setzen, Monju. Frag sie, ob ich auch mitkommen könnte!"

"Dann müßte ich ja rauslassen, daß wir miteinander meloen können. Die wissen vielleicht, woher das dann kommt."

"Hast verdammt recht", knurrte ihre Gedankenstimme unter seiner Schädeldecke. "Ich mach mich auch fertig. Die drei anderen Mädels wollen wohl noch schlafen. Da habe ich das Bad für mich."

So kam es, daß Mildrid gestriegelt und im Trainingsanzug aus dem zweiten Stock herunterkam, als Brittany das Bad verließ. Julius hatte sich schon in seinem Trainingsanzug eingefunden. So führte Brittany die beiden Hausgäste zum Frühsport, wobei Julius gut mit den durchtrainierten Quodpot-Spielern mithalten konnte. Millie stand dem jedoch auch in nichts nach. Julius bemerkte die rotbraunhaarige Linda Knowles, die in einer Linie mit dem Uhrenturm stand und mit ihren fast schwarzen Kulleraugen neugierig auf die sieben Frühsportler blickte. Er machte Brittany darauf aufmerksam. Diese lachte nur und winkte der nicht mehr ganz heimlichen Zuschauerin.

"Es ist ein herrlicher Tag heute, nicht wahr?" Grüßte die Reporterhexe sehr fröhlich und lächelte Julius und Millie an.

"Ja, und der morgen wird noch herrlicher", antwortete Mitch Tinroot, ein schwarzhaariger Mannschaftskamerad Brittanys.

"Hat Ms. Forester euch gefragt, ob ihr Frühsport machen wollt?" Wandte sich Linda Knowles an Julius. Dieser grinste überlegen und antwortete:

"Ich wollte nur wissen, wo man hier ungestört die eigene Form halten kann. Mehr nicht."

"Und Sie, junge Mädmoisell?" Fragte Lino.

"Ich bin das von meiner Schule her gewöhnt", antwortete Millie kühl. Dann verfiel sie in einen leichten, keineswegs fluchtartigen Trab, dem sich Julius nach einer Sekunde anschloß. Linda Knowles stand einige Sekunden da, während die beiden Jungen aus der Mannschaft mit ihr scherzten, Brittany hinter den beiden Hausgästen hertrabte und Venus Partridge gelassen mit den Händen in den Hüften dastand.

Als Millie, Brittany und Julius die weitere Runde auf der Laufbahn beendet hatten war die Zeitungshexe wieder fort.

"Die wollte wohl Exklusivbilder vom letzten Tag vor dem Spiel haben", meinte Notus Corner, der ältere der beiden am Training teilnehmenden Quodpotter, ein dunkelblonder Zauberer Mitte Zwanzig. Dann fragte er Julius, wie er sich so gut in Form hielt und betrachtete kurz den Schwermacher, den dieser damals von Barbara geschenkt bekommen hatte, als sie noch ihren Mädchennamen hatte.

"Das Ding taugt was?" Fragte Mitch Tinroot. Millie und Julius grinsten ihn überlegen an. Brittany meinte dann:

"Offenbar, Mitch. Aber wir können sowas ja nicht bei uns einführen, weil Lemonbroker die alten Handelsbeschränkungen nicht aufheben will."

"So'n Trottel aber auch", bemerkte Notus dazu. Dann meinte er:

"Na ja, wenn ich mit dem Quodpot nichts mehr anfangen kann gehe ich wohl ins Ministerium rein."

"Deiner Süßen könntest du nicht schnell genug vom Quodpot weg", feixte Mitch.

"Nur keinen Neid, weil ich eine Süße habe und du nicht vom Rockzipfel deiner Mom loslassen kannst."

"Öi", brach es aus Mitch heraus. Brittany zog Millie und Julius sanft bei Seite, während Venus demonstrativ gähnte und meinte:

"Bevor das wieder losgeht mache ich mich besser nach Hause. Man sieht sich dann heute noch mal auf dem Feld."

"Yo, bis dann, Venus!" Rief Notus der attraktiven Kameradin nach, bevor diese disapparierte.

"Wir gehen dann auch", sagte Brittany, winkte ihrer Kameradin Kore Blackberry noch einmal zu, die Millie und Julius kurz ansah und dann ebenfalls in leerer Luft verschwand. Zu Fuß ging es dann für Brittany, Millie und Julius wieder zurück ins Rotbuchenhaus.

"Ihr trainiert nachher noch?" Fragte Mrs. Forester beim Frühstück, während ihr Mann Daniel in einer gewöhnlichen Muggelzeitung blätterte. Brittany bestätigte das.

"Dürfen die beiden denn überhaupt mitspielen?" Fragte Mr. Forester argwöhnisch. "Kann mich nicht erinnern, daß seine und ihre Eltern uns sowas geschrieben hätten."

"Dad, das ist doch jetzt echt blöd", knurrte Brittany gereizt. "Die beiden haben um Ostern rum schon mit Venus, den Redliefs, Sharon und mir trainiert. Dann dürfen die das jetzt auch."

"Ich weiß, Brittany, daß du sehr gerne dieses Spiel spielst. Aber solange die beiden da unter unserem Dach wohnen haben deine Mutter und ich die Aufsichtspflicht und Verantwortung. Das gilt ja auch für Mel, ihre Schwester und ihre Cousine."

"Ich brauch wohl keinen zu fragen", warf Melanie Redlief ungefragt ein. Sie deutete auf Myrna, die überlegen zurückblickte. Gloria schüttelte den Kopf und sagte:

"Ich spiele ja nicht mit."

"Dan, Brittany hat Julius' Mutter geschrieben, daß sie gerne noch einmal mit ihm trainieren würde. Sie hat ihren Sohn herkommen lassen. Nimm das als Einwilligung", sagte Mrs. Forester.

"Meine Mutter hat mir nur gesagt, ich soll mich nicht vom Besen schubsen lassen", wandte Millie noch ein. "Für Julius gilt's ja wohl auch."

"Ich weiß, ich werde hier oft überstimmt. Aber in einigen Ländern der Welt gelten doch noch gewisse Umgangsformen", knurrte Mr. Forester. Dann blickte er Brittany an und sagte sehr ernst: "Brittany, wenn du der Meinung bist, daß die beiden sich mit dir und einigen anderen dieses haarsträubende Spiel antun mögen pass dann auch auf, daß es nicht zu arg läuft!"

"Dad", setzte Brittany genervt an und deutete mit einer flüchtigen Handbewegung auf Millie und Julius. "Die beiden da haben schon drei vier Jahre Besenpraxis und spielen beide in ihrer Schule Quidditch. Ist zwar nicht so schnell und spannend wie Quodpot, aber auch sehr brauchbar, um zu lernen, nicht vom Besen zu fallen."

"Krieg du mal 'nen Klatscher an den Kopf. Dann sagst du aber nicht mehr, daß Quidditch unspannend ist", grummelte Millie an Brittanys Adresse. Die Stimmung war durch Dan Foresters Einwände merklich unterkühlt. Dagegen konnte auch die Stimme des Westwindes nichts ausrichten, die vor allem im Westen der Staaten viel gelesene Zaubererzeitung. Julius durfte sich das Exemplar von Mrs. Forester ausleihen und las den Aufmacher, daß der geschäftsführende Zaubereiminister Cartridge zu einem Treffen mit dem britischen Zaubereiminister Scrimgeour reisen wollte, während seine Frau Godiva bei ihrer Verwandtschaft blieb. Es sollte bei dem Treffen um Maßnahmen zum Schutz der unbescholtenen Hexen und Zauberer gehen. Offenbar wollte Scrimgeour mehr Unterstützung aus den Staaten. Julius sah das magische Farbfoto des amtierenden Zaubereiministers und seiner Frau, die jetzt, wo sie das gemeinsame Kind zur Welt gebracht hatte, nicht mehr ganz so rundlich aussah wie um Ostern herum. Eine Seite weiter blickte ihn aus einem schwarz umrahmten Foto eine beinahe bleichgesichtige Hexe mit hohen Wangenknochen, langen, dunkelbraunen Haaren und tiefgrünen Augen an. Darunter stand der kurze Kommentar:

 

VERDIENTE ZAUBEREIGESCHICHTSEXPERTIN PANDORA STRATON WIRD HEUTE IM ENGSTEN FREUNDES- UND FAMILIENKREIS BEIGESETZT

 

"Pandora? Wer hat denn der den Namen gegeben?" Entschlüpfte es Julius unbedacht. Alle blickten ihn an und erkannten, welche Zeitungsseite er gerade aufgeklappt hatte.

"Was hast du gegen den Namen Pandora, Julius?" Fragte Mildrid. "In meiner väterlichen Ahnenlinie gab's auch mal eine Pandora, so vor vierhundert Jahren."

"Ach, die wird ja heute beerdigt", seufzte Lorena Forester. "Julius, die war eine ganz berühmte Expertin für Zaubereigeschichte und altertümliche Magie, vor allem präkolumbianische Riten und keltisches Druidentum. In dieser Eigenschaft ist sie wohl auch gestorben, vor einer Woche ungefähr."

"Ja, hatte Lino doch am achten so groß aufgemacht, daß sie irgendwo in Osteuropa mit dem Boss dieser Mörderbande aus England zusammengerasselt ist, als sie irgendwas über eine Vampirfamilie da nachgeprüft hat", sagte Melanie Redlief. Brittany sah ihre Schulfreundin verschwörerisch an und fügte hinzu:

"Das war die Mutter von Patricia. Weißt du noch, die Cerby Ryatt in einen Nachttopf verwandelt hat, weil der gemeint habe, auf ihre guten Noten könne man ... was fallen lassen." Die Eheleute Foresters hatten ihre Tochter warnend angesehen. Mrs. Forester räusperte sich und ergänzte den kurzen Bericht:

"Nun, Ryatt war wegen seiner Familie sehr hochnäsig und konnte es nicht vertragen, wenn andere Schüler, vor allem Hexen, bessere Noten hatten als er. Und die junge Dame, die damals - wie ihr, Britt und Melanie, sehr wohl mitbekommen habt - eine ordentliche Strafe von Prinzipalin Wright auferlegt bekommen hat, war nun einmal eine exzellente Schülerin in Verwandlung, Zauberkunst und Abwehr dunkler Künste. Auch bei mir hat sie ja einen guten UTZ hinbekommen. Prinzipalin Wright hatte eigentlich schon damit gerungen, sie wegen dieser unerlaubten Verwandlungsübung an Mr. Ryatt der Akademie zu verweisen. Allerdings - und das habt ihr nicht von mir! - hat es meine Vorgesetzte wohl als nötige Lektion für Mr. Ryatt angesehen, was ihm widerfahren ist. Was erwartet man auch von Durecores?"

"Dasselbe wie von Slytherins", antworteten Gloria und Julius in einem unabgesprochenen Duett. Offenbar hatten sie beide diese oder ähnliche Fragen schon oft genug beantworten dürfen.

"Na so ganz richtig ist das ja nicht", wandte Mrs. Forester ein, die nun merkte, wie unprofessionell sie sich verhalten hatte. "Es ist halt eben so, daß Leute, die in Durecore hineinkommen dort eher auf eigene Kräfte und Geistesleistungen bauen und sich nicht so häufig darüber sorgen, wie ihr Verhalten auf andere wirkt, wenn sie dadurch Erfolg und Ansehen erwerben können. Aber die junge Ms. Straton wird wohl nun eine gewisse Rückerstattung hinnehmen müssen und selbst nicht mehr so überlegen auftreten."

"Zumindest muß diese Pandora wichtig gewesen sein", bemerkte Julius mit dem Finger auf das Foto deutend. "Sonst hätte der Westwind es wohl nicht nötig gehabt, über sie zu schreiben."

"Da kannst du von ausgehen, daß der Herold auch was über sie gebracht hat", meinte Gloria. Ihre Cousinen nickten heftig. "Oma Jane meinte einmal, als ich was über sie gelesen habe, daß diese Hexe sich häufig mit dem damaligen Minister Pole und einigen aus dem Institut getroffen habe, wenn es um dunkle Artefakte oder irgendwelche Spukhäuser ging. War das nicht mal Mode, daß goldschwere Zauberer europäische Spukschlösser mit Gespenstern drin gekauft und über den Salzwassergraben geholt haben?"

"Ja, und die Gespenster mochten das gar nicht, wenn sie plötzlich für irgendwelche Galleonen verschachert wurden", warf Myrna feist grinsend ein. "Da haben die Pandora Straton für gebraucht, um zu klären, wer die Geister waren und warum die gespukt haben. Die Geisterbehörde hier hatte einiges an Arbeit, um die verärgerten Gewesenen zu beruhigen oder in ihre alte Heimat zurückzubringen. Einige Geister bestanden darauf, daß ihre Häuser und Schlösser gefälligst wieder da hingestellt zu werden hatten, wo sie standen. Andere hingen eher an dem Platz, wo die Häuser waren. Ich hörte mal was davon, daß in einem Kindergarten der Muggel eine Gespensterfrau umgeht, die wegen der Sorge um ihre fünfzehn Kinder nicht über die letzte Schwelle gehen wollte. Das stand doch bei euch mal im Propheten drin, hat Tante Di uns doch erzählt."

"Vor zwölf Jahren war das", bestätigte Gloria. Dieses Gespenst spukt immer noch da. Ist ja völlig harmlos und von Muggeln nicht zu sehen oder zu hören. Allerdings haben die durch die schon einige magisch begabte Muggelkinder entdeckt. Das war immer eine Arbeit, den Eltern der Kinder, die die freundliche Gespensterfrau in ihrem wallenden Kleid gesehen und gesprochen haben davon abzuhelfen, ihre Kinder für verrückt erklären zu lassen."

"Jedenfalls haben die dafür immer Mrs. Pandora Straton angeheuert, um den verkrachten Gespenstern zu helfen. So richtig ist das mit den Spukhäusern ja erst aus der Mode gekommen, als sie die Burg des schwarzen Henkers abmontiert und rübergeholt haben. Na ja, nach vier geköpften Zauberern kein Wunder", Erwiderte Melanie etwas beklommen.

"Hups, da gab's einen mordenden Geist?" Fragte Julius ebenfalls etwas bedrückt klingend.

"Ja, vor sieben Jahren war das", wandte Mrs. Forester ein. "Irgendso'n neureicher Zauberer hat eine zu recht verlassene Burg aus Böhmen gekauft, als er genug Dokumente dafür bekommen hatte, daß dort der Geist eines schwarzen Magiers spuken solle, der für seine Rituale halbwüchsige Jungen und Mädchen ermordet hat, bis ihn ein Decorporis-Fluch aus dem eigenen Körper gerissen hat und der Körper vor den Geisteraugen des Entleibten verbrannt worden ist. Die dachten damals wohl, das sei die gerechte Strafe für den schwarzen Henker. Um die Burg wurde ein Verdrängungszauber für Menschenwesen gelegt, der wohl zwei Jahrhunderte vorgehalten hat. Dann kam das halt mit diesem Zauberer, der davon gehört hatte. Der kaufte die Burg, ließ den Geist in einer Borrows-Slyders-Falle fangen, beides nach Montana schaffen und die Burg wieder aufbauen. Ein magisches Zeitschloß öffnete zwei Wochen nach Wiedererrichtung die Falle und ließ den Geist frei. Der war natürlich nicht besonders angetan, wie ihr euch denken könnt. Es stellte sich heraus, daß er nicht mehr auf seine Burg allein beschränkt war, als diese von ihrem Ursprungsort entfernt worden war. Es kam zu vier Toten und zu einer Geisterjagd durch vier Staaten, bis sie den Henker einfangen und in die Höhle für verdorbene Seelen schaffen konnten, wo andere verbrecherische Geister eingekerkert sind."

"Oha", erwiderte Julius. Er dachte daran, wie das sein mochte, auf Jahrhunderte in einer mit Geisterbannzaubern verriegelten Höhle herumzuspuken.

"Wollten die diese Gespensterfrau, die in dem Muggelkindergarten spukt nicht auch irgendwie umsiedeln?" Fragte Melanie. Mrs. Forester wußte darauf keine Antwort. Mr. Forester meinte dazu nur grummelig:

"Wenn die in New York auftaucht können sich die Ghost Busters drum kümmern."

Julius immitierte darauf hin die quäkige Sirene jenes Einsatzfahrzeuges, das jene berühmte Chaotentruppe aus der Gruselkomödie benutzt hatte. Mr. Forester mußte widerwillig grinsen, während die anderen ihn fragten, was das denn sein sollte. Millie meinte dann nur, daß das ja dann wohl eine reine Muggelgeschichte war. Mrs. Forester befand, daß sie nun genug Geistergeschichten besprochen hatten und verwickelte Millie und Julius in ein Gespräch über große Tierwesen wie Abraxas-Pferde und Latierre-Kühe. Das gefiel zwar Brittany nicht sonderlich. Doch weil die übrigen Gäste sehr begeistert zuhörten und mitdiskutierten schwieg sie. Irgendwann ging es aber auch um jenes Bild von der mexikanischen Wanderkapelle. Millie und Gloria erwähnten, daß eine solche Truppe auch in Beauxbatons einen meist unerwünschten Weckdienst betrieben hatte und dort vielleicht nicht mehr erwünscht wäre.

"Blancas Eltern kennen den, der die gemalt hat persönlich. Sie ist wegen ihres Vaters ja nicht in der Schule für lateinamerikanische Hexen und Zauberer gewesen, hat aber in Mexiko noch viele Verwandte", erläuterte Brittany.

"Da werden Callie und Pennie ihre Ausgabe wohl auch herhaben", warf Millie ein.

Nach dem Frühstück holten bis auf Gloria alle jugendlichen Hausbewohner und -gäste ihre Besen und flogen los, hinüber zum Quodpot-Stadion. Unterwegs fragte Millie Brittany, die zwischen ihr und Julius flog:

"Nix für ungut, Britt, aber ist dein Vater nur morgens so mies drauf oder ist das normal bei dem?"

"Mein Dad hat hier in VDS nich' viel zu tun, Millie. Das wurmt ihn etwas. Wo Mom und ich in Thorntails waren wohnte er dann immer alleine im Haus. Da konnte er pennen bis zum Mittagsläuten. Unsere Nachbarn versuchen ihn immer irgendwie einzubeziehen. Aber unsere Lebensweise und daß er nicht zaubern kann haben den bei vielen ungenießbar gemacht. Da Mom hier sehr geachtet ist lassen sie ihn in Ruhe. Die einzigen, die sich nicht haben abschrecken lassen sind die Swanns, beziehungsweise jetzt eben noch Peggy und Lino. Aber Lino sieht in ihm ja wohl doch eher ein interessantes Studienobjekt, über das sie vielleicht mal was schreiben kann. "Muggel allein unter Zauberern" oder so ähnlich."

"Meine Mutter wohnt auch mit zwei Hexen in einem Haus", warf Julius ein. "Aber sie hat den Anschluß zu der magielosen Welt noch. Könnte dein Dad sich nicht einen Fernseher oder ein Radio ins Haus holen?"

"Hat er mal versucht, als er von meinen Großeltern zurückkam. Mom hat's ihm aber irgendwie ausgeredet. Zumindest kriegt er jeden Tag eine Zeitung aus seiner Heimatstadt und ein Magazin über vegane Produkte und Lebensweisen."

"Dann wäre es wohl vielleicht für ihn doch besser gewesen, wenn wir nicht bei euch eingerückt wären, sondern im Sonnigen Gemüt gewohnt hätten", warf Millie ein.

"Ich weiß, daß deine Mom und deine übrige Verwandtschaft genug Klingelzeug haben, Millie. Aber ich habe das mit meinen Eltern geklärt, daß die, die ich einlade, bei uns schlafen und essen. Charlie is'n genialer Gastgeber, und die Zimmerchen sind alle toll, egal ob Eschenholz- oder Drachenhorn-Klasse. Aber meine Eltern und ich sehen es nicht ein, daß sich wer in Unkosten stürzen muß. Das mit Mel und Myrna war schon klar, und Mom wollte sich gerne noch mit dir und Julius über Beauxbatons und die ganzen europäischen Zaubertiere unterhalten. Dad findet es auch sehr schön, mal etwas mehr Leben im Haus zu haben, auch wenn das heute morgen nicht so rüberkam. Er freut sich doch selbst, wenn er nicht andauernd allein in dem großen Haus ist."-

"Hmm, dann hätten deine Eltern sich doch mehr Kinder zulegen können", erwiderte Millie auf ihre unbefangen direkte Art. Bei anderen hätte diese Bemerkung wohl für Ärger gesorgt. Brittany mußte jedoch grinsen und meinte dann:

"Vielleicht hätte Dad das auch gemacht, wenn ich nicht mit vier Jahren ein weißes Kaninchen durch bloßes Streicheln lila umgefärbt hätte. Von da an wollte er keine weiteren Kinder mehr haben. Der dachte daran, wie das bei seinen Eltern aussehen würde, die mehrere Kaninchen haben, wenn da auf einmal lila oder blaue Exemplare rumhüpfen, ohne daß die wer mit Farbe bepinselt hätte."

"Geht uns im Grunde ja auch nichts an", wandte Julius ein. "Ich bin ja auch ein Einzelkind. Und bei mir hätten meine Eltern ja bis zu diesem Brief aus Hogwarts nie geglaubt, daß ich übernatürliche Sachen drauf hätte."

"Wollen wir jetzt drüber reden, wie betrübt deine Maman geguckt hat, als ihr bei Tante Babs auf der Baby-Begrüßungsfeier wart?" Fragte Millie, wegen Brittany weiterhin Englisch sprechend.

"Wie du meinst, Millie. Ich habe das mit meiner Mutter besprochen, daß sie sich da irgendwie komisch gefühlt hat, weil die meisten Frauen über achtzehn mit kleinen Plärrgeistern im Arm rumgelaufen sind. Da meine Mutter keine Hexe ist kam das dann noch zu ihrer sonstigen Abgrenzung zur Zaubererwelt hinzu", erwiderte Julius etwas verdrossen. "Im Moment ist meine Mutter nicht darauf aus, auch noch ein Baby zu kriegen. Mehr sage ich nicht dazu. Könnte ja sein, daß hier irgendwo jemand magische Ohren gespitzt hat."

"Glaubst du, Lino hätte das Mom nicht andauernd gefragt, ob sie damit glücklich ist, nur mich gekriegt zu haben?" Wandte Brittany ein und deutete auf die Stadionbegrenzung, die nun knapp fünfhundert Meter voraus lag. "Vor allem als Verdy - in Moms Hörweite natürlich Professor Verdant - im letzten Jahr noch einmal einen Jungen ausgebrütet hat waren Lino und ihre Wunderohren spitz darauf, ob sich Mom daran ein Beispiel nehmen wolle. Tja, und dann starb Madam Swann in einem Springschnapperfeld, und Ms. Swann bekam von irgendeinem Mr. Unbekannt eine Tochter, obwohl sie auch schon vierzig Jahre alt ist. Ich hab's selbst von versoffenen Zauberern gehört, daß die Dad wegen der veganen Lebensweise für einen Schlappschwanz halten, der da, wo andere Mannsbilder ihren Piephahn haben nur eine Karotte hat." Julius verzog verdrossen das Gesicht. Das war nicht wegen der unter der Gürtellinie liegenden Behauptungen irgendwelcher Zauberer, sondern wegen all dem, was für Brittany an dieser Frage dranhing, ob ihre Eltern sich nicht noch mehr Kinder hätten zulegen können. Doch Millie war unbekümmert und bemerkte dazu:

"Zauberer, die sich besaufen müssen, um so'n Spruch abzulassen haben an der besagten Stelle meistens auch nichts brauchbares. Also wegen denen würde ich mir echt keinen Rappelkopf machen." Brittany, die wohl noch darüber nachdachte, ob sie Millie für ihre Unverfrorenheit was anhexen sollte mußte jetzt laut loslachen. Als sie sich etwas davon erholt hatte sagte sie erheitert:

"Exakt das habe ich meinen Eltern mitgegeben, als Dad wegen eines Bengels aus der Nachbarschaft voll wütend war, der ihn doch echt mal gefragt hat, ob das was die erwachsenen Zauberer so herreden stimmt und er das mal sehen könnte."

Millie lachte ungeniert. Und auch Julius konnte sich ein gewisses Grinsen nicht mehr verkneifen. Dann meinte Melanie, die hinter ihnen flog:

"Deine Mom hat ja jedes Jahr mehrere hundert eitle Prinzen und überdrehte Hexenmädchen um die Ohren. Das ist wohl das beste Verhütungsmittel."

"Verdy hat das nicht abgehalten", schickte Brittany postwendend zurück. Die Redliefs mußten grinsen. Gloria, die als Sozia auf Melanies Besen mitflog wandte vorsichtig ein, daß es doch wohl nun genug sei und sich anständige Hexen nicht die Mäuler darüber zerreißen sollten. Mel meinte daraufhin:

"Sei nicht neidisch, nur weil Tante Di und Onkel Plinius dir keine Geschwister hingelegt haben."

"Habe ich keinen Grund, neidisch zu sein", knurrte Gloria. "Ich komme supergut damit klar, und meine Eltern auch."

"Weil ihr das eben nicht besser kennt, Britt, Julius und du", warf Myrna verächtlich ein.

"Als wenn deine große Schwester immer froh gewesen ist, daß tante Geri und Onkel Marcellus dich noch ... Ey, Mel!!" Melanie hatte sich ohne Vorankündigung mit dem Besen in die Tiefe gestürzt, und Gloria konnte sich gerade noch an ihr festklammern.

 

"Tja, das kommt davon, wenn man die Fliegerin ärgert", feixte Myrna. Als Mel mit einer sichtlich bleichen Gloria Porter hinter sich wieder auf die allgemeine Flughöhe zurückkehrte grinste sie nur. Dann zog Brittany mit ihrem Bronco Millennium davon, zischte verwegen über das Stadion hinweg, beschrieb eine sehr enge 180-Grad-Kurve und fegte tollkühn über ihre Hausgäste hinweg.

"Britt, gib nich' so an!" Rief Mel nach oben. Julius, der keinen Sozius hatte, nahm diese Angeberei als Herausforderung an und startete unvermittelt durch, zog erst sehr steil nach oben und fegte dann über das Stadion hinweg, doppelachserte so, daß er ohne große Kurve wendete und passierte die Redliefs und ihre Cousine auf der linken Seite. Setzte Brittany nach, die gerade wieder eine Wende flog, um nun wieder Sstadionwärts durch die Luft zu brausen wie ein abgeschossener Pfeil.

"Julius, das hatten wir schon, daß du mir mit deinem Besen nicht lange am Schweif hängen kannst", sagte Brittany, als sie über dem Stadion verharrte und Julius für zwei Sekunden aufschließen ließ. Millie hatte sich derweil in das Jagdspiel eingemengt und verfolgte Julius, der sie durch seine neuen Besentricks jedoch leicht aus seinem Windschatten schütteln konnte.

"Glaube es mir, Monju, daß ich dieses Manöver noch rechtzeitig genug lerne, um vor unserem Abgang von Beaux den Pokal küssen zu dürfen!" Rief Millie auf Französisch.

"Dann halt dich mal ran!" Rief Julius und krachte dabei fast in Brittany, die ohne Ansage auf ihn zukam. Mit einer relativen Geschwindigkeit von über sechshundert Stundenkilometern passierten sich Besenheldin und Besenheld im Abstand von nur einem Meter.

"Ups, da hätt's euch beide fast zusammengeklatscht!" Rief Melanie erschrocken. "Ihr habt doch noch keine Schutzklamotten an, ey!"

"Hast recht, Mel!" Rief Brittany, machte Kehrt und flog von rechts auf Julius zu, streckte den linken Arm aus und umfing ihn spielerisch, um ihn zu sich heranzuziehen, so daß die beiden Besen Schweif an Schweif durch die Luft glitten. Millie, die gerade wieder hinter Julius herpreschte, zog lässig nach links, flog genau neben ihren Freund, rückte von links heran und fing Julius mit dem rechten Arm ein.

"So, Julius. Runterfallen kannst du jetzt nicht mehr", meinte Millie, wobei sie versuchte, Brittany unter dem ausgestreckten Arm zu kitzeln. Julius nahm nun beide Hände vom Besen, balancierte sich mit Becken und Kopf gut genug aus und umfing Millie und Brittany. In dieser Formation segelten die drei zur Stadionmitte hinunter. Dabei lösten sie einen Meldezauber aus, der wie ein weithallendes Glockenspiel klang.

Auf den Zuschauerrängen saßen Venus Partridge und Notus Corner. Auch Peggy Swann saß auf einem der gepolsterten Stühle. In den Armen hielt sie ihre Tochter Larissa. Julius mußte sich sehr anstrengen, nicht zu zeigen, wie heftig ihn dieser Anblick traf. Was suchten die beiden hier? Waren sie hier, um ihm zuzusehen? Was sollte das?

"Und Landung!" Sagte Brittany, als die drei ineinander verhakten Besenflieger aufsetzten.

"Ob das jetzt der geniale Auftritt war?" Mentiloquierte Julius an Brittanys Adresse. "Nachher denken deine Kameraden, du wolltest angeben."

 

"Die meisten von denen kennen mich doch schon aus Thorny, Julius. Das eben war, um Mel zu zeigen, daß sie eben nur Cheerleaderin war. Zwischendurch braucht die das mal."

"Wenn du meinst", gedankensprach Julius zurück. Millie fragte leise, ob er mit Britt flirten würde. Er antwortete nur, daß er sich gewundert habe, wie viele Leute schon im Stadion wären. Mehr wollte er wegen vielleicht irgendwo lauschender Wunderohren nicht rauslassen. Den immerhin konnten Linos Lauscher auch Fremdsprachen übersetzen. Das war schon ziemlich fies von den Erfindern dieser Ersatzorgane, fand wohl nicht nur Julius.

"Ich habe meinem Vater gesagt, wir spielen gleich. Er macht den Überwacher", sagte Venus Partridge, als sie die TrainingsKameraden begrüßt hatte. Julius wußte, daß ein bei allen offiziellen Spielen vorgeschriebener Heiler war. Bei Übungsspielen mit Übungsquods waren derlei Vorkehrungen eigentlich nicht nötig. Doch weil Julius bei einer Quodpotübung mal vom Besen geflogen war und Tilia Verdant ihn mit ihrem Federleicht-Landezauber aufgefangen hatte fühlte er sich doch ungemein beruhigt.

Heiler Partridge besaß das gleiche blonde Haar wie seine Tochter, erkannte Julius. Ansonsten ähnelte er Venus jedoch nicht. Er war hochgewachsen und sehr schlank, sah nicht so aus, als habe er im Leben viel körperliche Arbeit oder Sport betrieben und blickte mit seinen dunkelblauen Augen eher besorgt als entschlossen umher. Doch er kannte Julius wohl aus Venus' Berichten.

"Silvester Partridge, Mr. Andrews. Meine Tochter Venus hat ja sehr lobend über sie gesprochen. Sie sind bekannt mit einer australischen Kollegin von mir, hörte ich auch und arbeiten in einer Truppe für magische Sanitätshelfer in Boabattong."

"Das stimmt alles, Sir", bestätigte Julius und entblößte kurz sein Pflegehelferarmband. Dann schüttelte er Venus' Vater die Hand.

"So, dann holt euch mal Marys Brautkleid ab!" Sagte Notus direkt heraus und deutete auf einen Stapel sonnengelber Kleidung. Julius erkannte sie als Übungsumhänge und Handschuhe für Quodpotspieler.

"Mußte das denn sein?" Schnaubte Mr. Partridge mit rot angelaufenen Ohren. "Seitdem Elmo dieses Wüstenwollwurmweibchen Mary genannt hat geht das nun rum."

"Oh, kommt dann anders rüber, wenn der Spender von Fleisch und Wolle einen Namen hatte", meinte Julius.

Brittany grinste ihn an und meinte dann:

"Ist ja dann auch einfacher, wenn man ein Stück von einem Schwein oder einer Kuh ißt, deren Namen man nicht kennt, nicht wahr?"

"Kein Kommentar", grummelte Julius, der jetzt keine Lust hatte, sich mit Brittany über richtig und falsch bestimmter Lebensweisen zu unterhalten. Millie jedoch meinte:

"Ich kenne aber genug Bauern, die keine Probleme damit hatten, zu sagen, daß das Schnitzel von der Sau Danielle oder Jacqueline stammte. Geht also auch nicht immer." Brittany verzog das Gesicht. Doch etwas dazu sagen wollte sie dann nicht.

Als sie alle die sich sofort den Körpern ihrer Träger anpassenden Schutzkleidung übergestreift hatten und ein Stadionaufseher namens Kestrel Jones den Schiedsrichterposten besetzt hatte teilten Brittany und Venus die Mannschaften ein. Auch Sharon Cotton war nun dazugekommen. Durch Wurf einer Sickel entschied Kestrel die Erstwahl. Venus gewann. Sofort deutete sie auf Julius Andrews, was diesem irgendwie merkwürdig vorkam. Doch er trat auf die gedachte Linie, die Venus mit einer leichten Armbewegung beschrieb und wartete. Brittany wählte dann Notus aus. Venus blickte abwechselnd auf Sharon und Millie und beschloß dann, Sharon in ihre Mannschaft zu nehmen. Brittany wählte daraufhin Millie als Mannschaftsmitglied. Venus nahm dann Melanie Redlief dazu, während Brittany Myrna in ihre Mannschaft holte.

"Na, ob die Einteilung fair ist?" Fragte Mr. Partridge, der neben dem drahtigen Kestrel Jones stand, der bewundert auf die bereits erwachsenen Junghexen Brittany, Melanie und Venus blickte. Julius erkannte nun, daß Melanie etwas schmächtiger wirkte, nun wo sie einige angeblich zu vielen Pfunde verloren hatte.

"Auswahl ist Auswahl, Mr. Partridge", sagte Kestrel Jones und kommandierte die zwei Mannschaften in die Feldmitte, während an den Schmalseiten des ovalen Feldes die beiden Pots, große bauchige Behälter, wie auf unsichtbaren Säulen gepflanzt zwanzig Meter in die Höhe stiegen und dort wie festgeschraubt verharrten. Venus teilte ihre Mannschaft ein. Julius sollte hinter ihr als Eintopferin Vorgeber spielen, aber auch als Vorblocker agieren, wenn einer gebraucht wurde. Melanie spielte Rückhalterin und Blockerin, während Sharon von Venus zur Blockerin bestimmt wurde. Ähnlich teilte Brittany ihre Mannschaft ein, wobei sie als Kapitänin Rückhalterin spielte, während Notus Eintopfer spielte, Millie auf der Vorgeberposition spielen sollte und Myrna vor Brittany blocken sollte.

"Jetzt lernen die beiden Gäste aus Frankreich unser Spiel erst richtig zu würdigen", sagte Brittany Forester, bevor sie zu ihrer Mannschaft hinüberging. Dann wurde der blaue Übungsquod herbeigeschafft. Kestrel zählte an und warf den blauen Ball über dem Mittelkreis senkrecht nach oben, worauf eine unsichtbare Fanfare loströtete.

"Das glaubst du aber auch nur, daß du an mir ..." Tönte Notus, als Julius sich auf den Quod stürzen wollte und dabei gleich einen Dawn'schen Doppelachser machte und mit der behandschuhten Linken die blaue Übungskugel aus der Luft fischte. Da rauschte Millie auf ihn zu und verlegte ihm die freie Wurfbahn zu Venus, die bereits weiter vorne in Stellung gegangen war. Julius warf sich flach auf den Besen, weil Millie in Übereinstimmung der Regeln einen Schubser probierte. So sauste er zwischen ihren leicht gespreizten Füßen hindurch und hatte freies Feld vor sich. Notus setzte ihm jedoch nach, bereit, den Quod beim Abwurf abzufangen oder Julius zu rempeln. Tatsächlich bekam der junge Beauxbatons-Schüler die volle Muskelmasse des Profis in die Linke Seite, biss jedoch die Zähne zusammen und bugsierte den Quod so, daß Notus ihn nicht zu fassen bekam. Venus sprang förmlich in die Flugbahn, ergatterte die blaue Kugel und startete durch zum Pot, vor dem Brittany jedoch bereits wie eine aufgeregte Glucke hin und her hüpfte. Da Julius im Moment ohne Ball war orientierte sich Notus wieder in Richtung Rückraum, um von Millie oder Myrna den Quod zu kriegen. Myrna hatte gegen die haushoch überlegene Venus keine Chance und versuchte lediglich, der Gegenspielerin die direkte Bahn zum Pot zu verlegen. Millie zischte an Julius vorbei, der sich etwas zurückfallen ließ, um nicht von einem Konter überrumpelt zu werden. Sharon winkte ihm zu, auf ihre Höhe zu kommen. Da krachten Brittany und Venus beinahe frontal zusammen. Julius sah, wie es zwischen ihnen silbrig aufblitzte. Offenbar hatten die Schutzumhänge mit ihren eingewirkten Abfederungszaubern überschüssige Anprallenergie zwischen sich verpuffen lassen. Doch Besen und Reiterinnen geschah dabei nichts weiteres.

"Die Murmel gehört da nicht rein!" Rief Brittany, als sie versuchte, Venus den Übungsquod abzujagen. Beide Hexen verzettelten sich in einer Mischung aus Tanz und Lanzenstechen. Venus rollte sich nach links herum weg, geriet in Rückenlage und drückte ihren Oberkörper fest an den Besen, wobei sie, immer noch den Quod führend, unter Brittany durchrutschte und aus der Rückenlage heraus den Quod in der eiskalten Flüssigkeit versenkte, die den bauchigen Pot ausfüllte. Die magische Fanfare bedachte diesen Punktgewinn mit dem entsprechenden Signal.

"Die spielen echt in derselben Mannschaft?" Fragte Sharon Julius während der zwanzig Sekunden dauernden Spielunterbrechung.

"Ich denke, die beiden sehen das als Lehrstunde an. Sonst wüßte ich nicht, was Venus daran reizt, mit uns Anfängern zusammen zu trainieren.

"Du bist bestimmt kein Anfänger was Besensport angeht, Julius", sagte Venus völlig unbeeindruckt von dem Kampf um die ersten elf Punkte und legte Julius eine Hand auf die Schulter. "Diese schnelle Richtungsänderung hast du bestimmt nicht erst vor einem Tag gelernt."

"Immerhin haben wir die ersten elf Punkte eingefahren. Könnte aber auch in die andere Richtung gehen", meinte Julius. Doch Venus schüttelte den Kopf und sagte:

"Nicht schwarzmalen, Julius. Das bringt Unglück!" Dabei grinste sie jedoch wie ein Schulmädchen.

"Noch fünf Sekunden!" Rief der Schiedsrichter und zählte Laut. Als er den abgekühlten Übungsquod wieder hochwarf erwischte Notus ihn zuerst und sauste auf Sharon zu, die sich eher instinktiv als geplant zurückfallen ließ. Julius gab den Rempler von eben zurück, bekam den Quod jedoch nicht, weil Millie gelauert hatte, die nun ihrerseits auf den gegnerischen Pot zupreschte. Den Regeln gemäß durfte sie nicht näher als zehn Besenlängen an den Pot heran, da sie keine Eintopferin war. Doch werfen konnte sie und tat dies auch. Doch Melanie pflückte die heransausende blaue Kugel fast spielerisch herunter und warf sie nach einer kurzen Antäuschbewegung auf Sharon ab, die gerade frei war und den Quod ohne umweg über Julius auf Venus abspielte. Diese hatte nur Myrna vor sich, weil Millie noch nicht in der eigenen Hälfte zurück war, umschwirrte diese einfach und stieß vor, um Brittany aus dem Potraum zu locken, die gerade über dem begehrten Kessel in der Luft herumzirkelte. Doch Brittany ließ ihre Gegenspielerin kommen, ohne sich aus dem Raum zu bewegen. Julius wurde das Gefühl nicht los ... Wusch! Beinahe hätte er vor lauter Blick auf Venus einen Zusammenstoß mit Glorias jüngerer Cousine gebaut. So passierte er reflexartig Myrnas linke Schulter und wendete auf herkömmliche Weise. Daran tat er gut, denn gerade kam der Übungsquod aus dem Potraum angesegelt. Brittany hatte ihre Gegenspielerin doch noch ausgetrickst. Julius ließ sich nach rechts herumrollen und schnappte den Quod, als er in Rückenlage flog. Wusch! Millie schoss zwischen seinen nach oben ragenden Beinen hindurch, bevor sie merkte, daß Julius gerade wieder den begehrten blauen Ball bei sich hatte. Doch sie wendete zu spät. Ihr Freund peilte Venus an. Doch Myrna warf sich tollkühn zwischen sie und ihn, so daß er nicht abwerfen konnte. Millie war schon fast an ihm dran, als er beschloß, einen Weitwurf zu riskieren und den Quod mit vollem Schwung auf den Potraum abwarf. Brittany lauerte auf Venus' Angriff und sah fast zu spät den Quod heranschießen. Sie dachte einen Sekundenbruchteil lang nach, ob der Ball den Pot verfehlen würde oder nicht und schlug einen Looping, der sie in die Flugbahn des Quods brachte, den sie mit dem von der Kapuze geschützten Kopf ins Feld zurückprellte. Offenbar hätte Julius' Weitwurf genau getroffen.

"Bis du jetzt warm genug?" Fragte Notus Corner überlegen grinsend, als Julius aufrückte. Dann sah er, wie Venus Partridge Myrna aus der Bahn rammte und den frei fliegenden Quod erwischte, den sie in einem blitzschnellen Vorstoß an Brittany vorbeitrug und im Pot untertunkte.

"Das gibt's nicht", knurrte Notus. "Hätte ich doch sehen müssen, daß die Murmel frei ist!"

Ist das bei euch in Frankreich üblich, zwischen den Beinen der Gegner durchzusausen?" Knurrte Sharon in der Unterbrechungspause. Julius grinste und meinte, daß die Quodpotregeln das nicht verböten. Sharon meinte darauf nur, daß es schon unanständig aussehe, wenn jemand einem beinahe den Unterleib streifte. Melanie bemerkte dazu nur, daß Sharon eine schmutzige Phantasie habe. Julius grinste darüber nur. Die beiden Junghexen warfen sich darauf giftige Blicke zu.

 

Nach der Unterbrechung stießen Millie, Myrna und Notus zugleich vor, verlegten Julius eine optimale Flugbahn zum Quodfang und blockierten Venus, die zu spät versuchte, sich zurückzuwerfen, um Julius zu entlasten. Sharon konnte den dampfhammerartig auf sie zusausenden Notus nicht aufhalten. Melanies todesmutiger Sprung in die Flugbahn brachte auch nichts mehr ein. Der Ball landete diesmal im anderen Pot. Das alles dauerte keine fünf Sekunden.

"Oha, wenn die die Taktik jetzt durchziehen machen die uns naß", unkte Sharon. Venus kniff ihr dafür in die Nase und knurrte:

"Ich hab's Julius schon gesagt und sag's dir auch ganz gerne, daß Schwarzmalerei nicht erwünscht ist." Dann dirigierte sie Julius so, daß er bei Fortsetzung des Spiels vor ihr fliegen solte. Tatsächlich gelang ihrer Mannschaft dadurch, daß Julius vor ihr flog der nächste Punktgewinn, weil er die Vorblocker auf sich zog und Venus den Pot zurückspielte, die dann unanfechtbar vorstoßen konnte. Myrna rief darauf:

"Mensch, seid ihr doof!"

"Ey, so redet keine mit mir", bellte Notus, während Millie ihr nur ein müdes Grinsen entbot. Brittany trommelte ihre Mannschaft zusammen und herrschte sie wohl an, sich nicht gegenseitig zu beleidigen, während Venus das Startmanöver für die nächste Spielphase beratschlagte.

Notus tat so, als wolle er den Quod erfliegen, passierte ihn aber, so daß Millie ihn erwischte und sofort durchstartete, um in die gegnerische Hälfte vorzustoßen. Julius verlegte ihr jedoch die Flugbahn, so daß ihr nur der Abwurf auf Notus blieb, der im Gegenzug auf Melanies Potraum zupreschen wollte. Doch diesmal kam er nicht an Sharon vorbei, die mit einer schnellen Pirouette auf dem Besen in Notuss Flugbahn stieß und sich wie ein Prellbock von ihm rammen ließ, wobei er den Quod loslassen mußte, um nicht nach hinten vom Besen geworfen zu werden. so trudelte der blaue Übungsball weiter. Julius passierte Notus uns Sharon. Er ahnte, daß Millie hinter ihm her war. Doch er nahm den freien Ball auf, doppelachserte so, daß er ohne abbremsen zu müssen eine volle Wende hinbekam und fegte Millie, die diesmal ihre Beine zusammenklappte und ihn fast noch festzuhalten schaffte. Dann war Julius frei. Myrna versuchte ihm noch den Weg zu verlegen, wurde jedoch von Venus umflogen. Der Quod wechselte zu ihr hinüber, und sie schloß den Konter mit einem schnellen Vorstoß und Eintopfen ab.

Mr. Partridge eilte in der Unterbrechung aufs Feld und untersuchte Sharon, die bei dem Aufprall Notuss doch etwas abbekommen hatte, obwol die Anprallkräfte in einem silbernen Lichtgewitter entladen worden waren.

"Mädchen, wer hat dir gesagt, dich so lebensmüde anzubieten?!" Schnaubte der Heiler und warf seiner Tochter, Sharons Mannschaftskapitänin, einen sehr vorwurfsvollen Blick zu. Diese machte ein unschuldiges Gesicht und trat näher heran.

"Zwar hat der Schutz neunundneunzig Prozent der Wucht abgefangen. Aber ein Prozent ist bei dieser Anprallstärke schon zu viel", sagte Mr. Partridge. Er untersuchte Sharons Rücken und Bauchdecke mit dem Zauberstab und befand dann, daß sie für die nötigen Heilzauber auf einer festen Unterlage liegen müsse, da der Schutzumhang ausgezogen werden müsse. Da das hier ein reines Übungsspiel war waren Venus und Brittany einverstanden, solange nicht weiterzuspielen, bis klar war, ob Sharon weiter mitspielen konnte.

"Also, das muß ich dir lassen, Kleiner! Mit diesem Zwei-Achsen-Drehding hast du mich ganz schön ausgetrickst", sagte Notus. "Von wem hast du das gelernt?"

"Von einer Heilerin, die nicht wollte, daß ich gleich mit jedem Klatscher oder Gegenspieler zusammenstoße, der mir in die Flugbahn kommt", sagte Julius, den die Anstrengung des hochkonzentrierten Fliegens und der schnellen Bewegungen doch gut zu schaffen machte. Währenddessen wurde Sharon in einem weißen Sanitätszelt vor unerwünschten Blicken sicher behandelt.

"Deshalb ist mein Erzeuger auch so überängstlich gewesen", meinte Brittany zu Millie und Julius. "Der hat solche Nummern wie die von Sharon schon ein paarmal mit angesehen."

"Ach, aber du darfst das spielen?" Fragte Millie herausfordernd.

"Ich habe die siebzehn schon seit einem Jahr voll, Mademoiselle. Ich brauch keinen mehr zu fragen, ob ich was machen darf oder nicht. Deine Mom wäre bestimmt nicht so begeistert, wenn du so drauf wärest wie Sharon. Aber eben das Ding mit Julius sah echt verboten aus."

"Nur wenn wir beide nackt gewesen wären, Miss Brittany", erwiderte Millie. Julius nickte beipflichtend.

"So, Venus, deine Kameradin wird die nächsten zwei Stunden nicht mehr fliegen", sagte Mr. Partridge nach fünf Minuten. "Der Anprall mit Mr. Corner hat ihr beinahe das Rückenmark zerquetscht. Das hätte dann eine mehrtägige stationäre Behandlung eingetragen. So konnte ich die Prellungen und Quetschungen noch beheben. Aber als dieser Übung zugeordneter Heiler untersage ich es ihr, in den nächsten zwei Stunden zu spielen. Soviel dazu. Ihr könnt weiterspielen, falls ihr wollt. Ich möchte jedoch ernsthaft anmerken, daß hier zwei Profis und eine gut eingeübte Spielerin gegen reine Hobbyspieler antreten."

"Wollt ihr weitermachen?" Fragte Kestrel. Venus und Brittany sahen ihre Mannschaften an. Brittany sah Myrna an und meinte:

"Wenn wir drei gegen drei spielen wäre es besser, wenn du, Myrna, auf der Auswechselbank sitzt."

"Eh, das ist jetzt Drachenmist, Britt", schnaubte Myrna. "Warum schmeißt du Mildrid nicht raus?"

"Weil die mehr Feuer und Biß hat", erwiderte Brittany unbeeindruckt. Myrna funkelte sie dafür wütend an. Melanie kam herüber und fragte, was los war. Myrna deutete auf Brittany und meinte:

"Die da meint, ich brächte es nicht und sollte besser auf der Bank rumsitzen, Mel!"

"Meint die das?" Fragte Melanie und sah Brittany an.

"Ich meinte, wenn wir drei gegen drei weiterspielen möchten, könnte Myrna auf die Bank, Mel."

"Weil du denkst, das die feurige Französin gegen ihren Freund besser aussieht als meine kleine Schwester?" Fragte Melanie herausfordernd. Myrna funkelte sie nun auch böse an.

"Das mit der kleinen Schwester war jetzt auch bescheuert", schnaubte Glorias jüngere Cousine ihre Schwester an.

"Britt, wir hatten's doch schon längst klar, daß wenn wir wollen, daß Myrna im nächsten Jahr in die Mannschaft nachrücken möchte, sie genug Praxis kriegen muß. Ehrlichkeit ist was tolles. Aber ob das jetzt so gut ist, sie vor allen hier für unfähig zu erklären ..."

"Ich habe nicht gesagt, sie sei unfähig, Mel. Ich habe nur im Vergleich zu Mildrid festgestellt, daß Myrna sich zu schnell auskontern läßt und wohl noch zu viel Scheu vor direkten Zweikämpfen hat", widersprach Brittany. "Bei voller Mannschaftsstärke hätte jeder Kapitän sie als Vorgeberin eingeteilt, weil da die wenigsten direkten Rangeleien passieren. Und du findest doch auch, daß bei einem Übungsspiel keine Überzahl gut ist."

"Ruf Kore her, damit die auf Sharons Platz geht!" Knurrte Myrna Brittany an. Melanie war offenbar auch noch nicht mit Brittany fertig.

"Kore muß auf ihren kleinen Bruder aufpassen bis ihre Mom nach Hause kommt. Die kann nicht weg, Myrna", schnaubte Brittany.

"Ich war noch nicht mit dir durch, Britt", knurrte Melanie. Julius erkannte, daß die Situation wohl nicht in einer Minute bereinigt sein würde und zog sich dezent zurück. Venus und Notus blieben bei den älteren Mädchen. Millie setzte sich auch von Brittany ab.

"Es gibt Leute, die können es nicht vertragen, wenn sie die Wahrheit hören", seufzte Millie und betrachtete Julius, der sich gerade einen Schweißtropfen von der Nasenspitze wischte.

"Manchmal kommt's drauf an, wie sie einem verkauft wird", sagte Julius. "Oder hättest du's geschluckt, wenn Brittany gesagt hätte, daß du bei drei gegen drei aus der Mannschaft gehen sollst."

"Nun, ich hätte sie gefragt, warum sie das meint und dann, wenn sie das so wie gerade eben begründet hätte zugestimmt, wenn Myrna besser gewesen wäre als ich. Du und ich wissen aber, daß sie nicht besser als ich gespielt hat. Britt hat es auch gesehen, daß wir beide uns als Gegenspieler nichts schenken, auch wenn wir sonst nicht so ruppig zueinander sind. Was meinst du, warum Bruno mich bis zu seinem Abgang immer nur als Reservejägerin gehalten hat, weil Brunhilde und er die besseren Jäger waren. Das kennst du garantiert auch."

"Sagen wir's so. In Hogwarts hätte ich wohl erst im fünften Jahr spielen dürfen. mein Klassenkamerad Kevin und ich waren als Nachwuchsspieler im Gespräch. Aber in meinem zweiten Jahr gab's das trimagische Turnier. Im Jahr danach haben sie Kevin nicht mal gegen die Hufflepuffs aufgestellt. Da habe ich für Jeanne und die anderen schon spielen dürfen."

"Ja, und offenbar muß Miss Myrna es noch lernen, daß es Leute gibt, die einschätzen können, wie gut jemand spielt oder nicht", meinte Millie unbeeindruckt.

Gloria kam von den Zuschauerrängen herunter, als die Auseinandersetzung zwischen Brittany, Melanie und Myrna unübersehbar war und jetzt auch Venus und Notus sich zurückzogen.

"Was haben die drei?" Fragte Gloria Julius.

"Zoff!" war die knappe Antwort ihres früheren Schulkameraden. Millie ergänzte dann noch:

"Brittany und Venus wollten drei gegen drei weitermachen. Brittany meinte dann knochentrocken zu deiner kleineren Cousine, daß die dann besser auf die Bank ginge, weil Notus und ich mehr Kampfbereitschaft hätten. Das hat Myrna nicht hingenommen. tja, und jetzt hat sich Melanie auch noch reingehängt. Myrna sieht nicht so aus, als hätte sie das gewollt, daß Mel die große Schwester rauskehrt."

"Oha!" Stöhnte Gloria. "Ich habe zwar nicht den überragenden Überblick, ob und wie Myrna in Thorntails spielt oder nicht. Aber Drei Sachen weiß ich. Myrna läßt sich nicht rumschubsen! Mel kuckt nicht zu, wenn sie ihre Schwester rumschubsen. Myrna kann es nicht vertragen, wenn Mel sich in alles einmischt, wo sie mit zu tun hat. Eigentlich dachte ich, daß Brittany das weiß."

"Es ging ganz einfach darum, wer bei einer Umstellung auf drei gegen drei aus der Mannschaft geht", meinte Millie. "Brittany hat Myrna nur gesagt, daß sie sie nicht für besser hält als Notus oder mich. Myrna meinte ja, Brittany hätte mich rauszuschicken."

"Und wenn sie das getan hätte, Mademoiselle Latierre?" Fragte Gloria über Millies überlegene Kaltschnäuzigkeit verärgert.

"Hätte ich jeden Grund geschluckt, bis auf den, daß ich nur eine Französin bin, Mademoiselle Porter", entgegnete Millie. Julius sah beide Mädchen leicht verdrossen an. Daß die beiden sich jetzt auch anfingen zu zanken wo er dabeistand schmeckte ihm nicht.

"Das glaube ich nicht, daß Brittany dich mit dem Argument abgeschoben hätte", knurrte Gloria.

"Tja, aber Myrna hat sie darauf festklopfen wollen. Ich kann gut einstecken, Gloria. Aber ich kann noch besser austeilen", erwiderte Millie überlegen lächelnd.

"Kann ich mir vorstellen", schnaubte Gloria. Dann meinte sie, daß sie Julius vorhin ja fast mit samt ihrem Besen zwischen die Beine geklemmt hätte.

"Du meinst, ich hätte die Beine weiter auseinanderbringen müssen, Gloria. Das hätte dann aber sehr abgelenkt", entgegnete Millie verrucht klingend.

"Öhm, das denkst du aber nur, daß ich das hätte sagen wollen, Mädchen", erwiderte Gloria sichtlich verlegen. Ihre Ohren und ihr Hals nahmen bereits einen rosaroten Farbton an, bevor auch ihre Wangen rosarot glühten.

"Na, was du jetzt wirklich denkst möchte ich nicht fragen", schnurrte Millie. Gloria sah Julius vorwurfsvoll an und fauchte:

"Mit Belisama wärest du wohl doch besser dran gewesen." Millie lächelte überlegen, während Julius zu Gloria sagte:

"Ich habe die beiden besser kennengelernt als du, Gloria. Lieber eine freizügig und offen redende Freundin, als eine, die säuselt und Hintergedanken hat. Fang jetzt bitte nicht auch noch an, dich mit wem zu zanken! Wir möchten doch noch ein paar Tage miteinander klarkommen."

"Stimmt wohl, Julius. Hast recht. Dich und Millie jetzt dumm anzufauchen macht die Sache da zwischen Britt und Mel nicht besser."

"Vielleicht hast du heute ein Einzelzimmer, wenn das zwischen den dreien jetzt so richtig heftig knallt", wandte Julius ein.

"Neh, allein bleibe ich nicht da", grummelte Gloria darauf. "Oder denkt ihr, ich wollte mir von den beiden anhören, daß ich mit Brittany problemlos unter demselben Dach schlafen kann?"

"Och, bis vor einigen Wochen konnten die das doch auch. Und Mel und Britt lagen sogar im selben Schlafsaal", fühlte sich Julius nun zu einer frechen Bemerkung veranlaßt. Gloria mußte wider ihre Stimmung grinsen, während Millie frei heraus lachte.

"Warum stehen die beiden Profis da eigentlich so dekorativ abseits?" Fragte Millie mit Blick auf Venus und Notus.

"Eben weil sie Profis sind", antwortete Julius verschmitzt grinsend. "Die wissen, daß die sich nicht in Zankereien zwischen gerade zu ende gewachsenen Frauen reinziehen lassen müssen."

"Da hätte sie auch selber drauf kommen können", bemerkte Gloria etwas herablassend klingend. Doch Mildrid war wirklich hart im nehmen. Sie nickte ihr beipflichtend zu und lächelte dabei. Julius blickte sich um, um vielleicht was zu finden, das ihn und die beiden Mädchen von dem doch sehr ausgiebigen Gezänk zwischen den Redliefs und Brittany abzulenken. Er sah Peggy Swann mit Larissa im Arm. Sie merkte wohl, daß er sie ansah und winkte ihm grüßend zu. Gloria folgte Julius Blick und fragte halblaut:

"Hat die in der Mannschaft hier verwandte?"

"Weiß nicht", erwiderte Julius. "Ich habe mich gestern mit ihr nur über Hogwarts, Dumbledores Beerdigung, thorntails und Larissa unterhalten."

"Das plärrende Baby, dessen Geschrei du nicht lange aushalten konntest?" Fragte Millie im Flüsterton und deutete spöttisch grinsend auf das kleine Geschöpf in Peggys Umarmung. Julius nickte. Da winkte Peggy Millie und ihm zu. Julius bemerkte dazu: "Offenbar möchte sie, daß ich dich ihr vorstelle." Ihm war dabei nicht sonderlich wohl. Wenn wirklich alles stimmte, was ihm Larissa, die erwachsene Hexe im Babykörper, alles erzählt hatte, gehörten Peggy und sie zu jener sehr fragwürdigen Hexenschwesternschaft, die Sardonias Zielen nicht so ganz abgeneigt war. Andererseits würde es Millie merkwürdig vorkommen, wenn er jetzt Bedenken anmeldete. So wandte er sich mit Millie zum Gehen. Er sah Gloria an und fragte, ob sie warten wolle.

"Mich interessiert die Dame da oben auch, Julius. Wenn sie mich nicht gleich wegscheucht gehe ich mit euch da hoch."

"Kein Problem", antwortete Julius darauf. So gingen sie zu dritt zur Zuschauertribüne hinauf und begrüßten Peggy Swann. Diese lächelte Millie und Gloria an, während Larissa die beiden Mädchen neugierig anguckte. Millie betrachtete das rotblonde Haar von Mutter und Tochter. Das fiel Peggy natürlich sofort auf.

"Ihr Haar ist ein wenig blonder als meins", meinte Millie nach der höflichen Begrüßungszeremonie. Peggy grinste.

"Das ist der skandinavische Anteil meiner Blutlinie, Ms. Latierre", antwortete Peggy lächelnd. "Aber Ihrr Haar wirkt wie ein kleines, lauerndes Feuer. Natürlich habe ich von Ihrer großen Familie gehört und gelesen. Jackie Corbeau ist ja über mehrere Ecken mit Ihnen verwandt, nicht wahr?"

"Oh, die kennen Sie auch?" Fragte Millie überrascht.

"Sagen wir's so: Junge Mütter die noch dazu alleine mit dem Nachwuchs zurechtkommen müssen, erfahren voneinander. Allerdings hat Ms. Corbeau es ja noch vor sich."

"Ich hörte davon", erwiderte Millie etwas verhaltener als gerade noch. Julius hörte förmlich die leisen Alarmglocken. Millie hatte einen ihm unerklärlichen Instinkt, wenn sie mit anderen Hexen und Zauberern sprach. Vielleicht konnte sie spüren, ob jemand was verbarg oder nicht gerade vertrauenswürdig war. Doch Peggy schien das nicht zu bemerken. Sie lächelte sachte. Larissa blickte derweilen auf Gloria Porter, die das Baby mit einem künstlichen Lächeln ansah. Glorias graugrüne Augen trafen den Blick der großen, blauen Augen Larissas. Julius wollte schon ansetzen, Gloria davor zu warnen, daß "Das Baby" sie locker legilimentieren könnte, als der Blick der wiedergeborenen Hexe von Glorias Augen zu ihrem Oberkörper hinunterreichte. Gloria trat unwillkürlich einen halben Schritt zurück. Julius sagte rasch:

"Hat Larissa noch keine anderen Frauen gesehen? Sie guckt Gloria so komisch an."

"Vielleicht hat sie Hunger", meinte Peggy dazu. "Aber sie hat schon andere Frauen und Mädchen gesehen. Irgendwann werde ich ihr auch erzählen, daß sie auch mal so drall aussehen wird."

"Im Moment bin ich nicht im Stande, einen Säugling zu versorgen", sagte Gloria kühl. "Aber spannend ist es schon, wie so'n kleiner Mensch die Welt entdeckt."

"Wie alt ist die Kleine?" Fragte Millie Peggy.

"Übermorgen werden es sieben Monate sein", sagte Peggy. "Wenn ich mir vorstelle, daß sie im Moment noch kürzer auf der Welt ist als ich sie getragen habe. Na ja, aber in fünf Monaten interessiert es sie wohl nicht mehr. Dann wird sie wohl zu laufen anfangen."

"Der Vater dieses Kindes, weiß er davon, und interessiert es ihn, was daraus wird?" Wollte Gloria wissen. Millie nickte ihr flüchtig zu.

"Ich habe damals beschlossen, über ihn kein Wort zu verlieren, Ms. Porter", erwiderte Peggy kühl. "Er und ich sind uns einig, daß Larissa ohne ihn besser auskommt. Wenn sie alt genug ist werde ich ihr erzählen, wer es ist, weil sie und nur sie das Recht hat, es zu wissen. Aber ich werde ihr dann auch raten, ihn nicht zu verteufeln oder zu vergöttern. Ich liebe meine Tochter genug, um ihr ein warmes Nest und sicheren Halt zu bieten. Aber mit diesem Thema müssen Sie sich ja noch nicht auseinandersetzen."

"Meine Mutter fände es schade, wenn ein Mann, der Vater wurde, nichts davon hat oder weiß", wandte Millie ein.

"Dafür ist Ihre Familie ja berühmt, für die Familienbezogenheit", erwiderte Peggy. Larissa lächelte Mildrid unschuldig an. Peggy fragte, ob Gloria oder Millie die Kleine mal auf den Arm nehmen wollten. Millie nickte, während Gloria behutsam den Kopf schüttelte. So nahm Mildrid Larissa behutsam und geübt aus Peggy Swanns Armen.

"Wenn jetzt wer ein Foto macht könnte man glauben, daß das dein Kind wäre", feixte Julius. Larissa glubschte ihn an. Millie erwiderte unerschüttert darauf:

"Dann stell dich mal neben mich hin, damit das auch jeder glaubt, daß wir beide schon ein Kind haben, Julius!" Dieser sah sie erst verdutzt an, trat dann aber neben seine Freundin, legte ihr den rechten Arm um den Oberkörper und strahlte kamerafreundlich, während Gloria ihr Gesicht verzog und Peggy grinste.

"Möchtest wohl deiner Mutter und deiner Oma nacheifern, wie, junge Miss?" Lachte Peggy, während Larissa leise zu quängeln begann. Millie grinste, schnitt Grimassen und sah dann Larissa tief in die Augen. Irgendwas im Blick des kleinen Wesens schien einen weiteren stillen Alarm ausgelöst zu haben. Denn die unbekümmerte, ja warmherzige Art, mit der Millie das Hexenbaby in den Armen wiegte wich einer gezwungenen Behutsamkeit ohne natürliche Wärme. Julius erkannte, daß es vielleicht angebracht war, Millie über Larissa aufzuklären, sobald er die Zeit hatte. Vielleicht hätte er sie gestern abend schon informieren sollen. Das konnte noch was geben! Doch im Moment schaukelte Millie das Baby noch in ihren Armen und fragte Peggy, ob Larissa schon festere Nahrung bekomme. In einer Minute holte sie so mit pflegehelferischer Routine alle nötigen Informationen über die Versorgung des kleinen Menschenwesens ein. Dann reichte sie das nun etwas quängelnde Bündel Menschenleben an Peggy zurück. Gloria schüttelte noch einmal den Kopf, als Peggy ihr anbot, Larissa zu halten. Doch Julius ging darauf ein. Er nahm Larissa und hielt sie behutsam aber sicher. Millie meinte dann zu ihm:

"Dafür, daß du noch kein Kind auf den Weg bringen willst bist du aber gut drauf vorbereitet."

"Bleibt ja nicht aus, wenn alle Bekannten kleine Kinder haben", erwiderte Julius gelassen. Leise flüsterte er: "Hast aber schon gut zugelegt, kleine Prinzessin."

"Ich will ja auch groß und stark werden", erklang die tiefe, freundliche Stimme einer älteren Frau in seinem Kopf. So klang also Larissa Swanns eigentliche Stimme. Besser, so empfing Julius ihre übermittelten Gedanken. Offenbar hatte sie ihm mentiloquiert, damit er sich auf sie einstimmen konnte. Doch hier und jetzt wollte er nicht versuchen, sie gedankensprachlich zu erreichen. Außerdem wollte er so wenig wie möglich mit ihr und ihrer Mutter und Tochter zu tun haben. Andererseits konnte sie ihn nun jederzeit anmentiloquieren, solange er nahe genug war. Er zögerte einen Moment. Dann warf er Larissa ungestüm in die Luft und fing sie laut lachend wieder auf. Sie gab ein protestierendes Krächzen von sich. Peggy sah ihn erschrocken an. Doch weil sowohl Larissa als auch Julius nun grinsten lächelte sie.

"Hat mein Vater gerne gemacht, als ich in Larissas Alter war", sagte Julius und gab das Baby an seine Ernährerin zurück.

"Scheint ihr irgendwie zu gefallen", grinste Peggy. Dann schnüffelte sie an Larissas Körper und befand, daß sie mit ihr wohl das Bad aufsuchen solle. Gloria sah Peggy gleichgültig nach, während Millie wohl arg um ihre Haltung kämpfte. Julius fühlte es beinahe körperlich, wie irgendwas in ihr brodelte. Mochte es Wut sein? War sie vielleicht auf ihn wütend? War es vielleicht eine unbestimmbare Angst, die bei Millie in Aggression umschlug? Doch weil seine ihm von der Himmelsschwester zuerkannte Gefährtin kein Wort verlor schwieg auch er, bis Gloria das Schweigen brach.

"Ist schon 'ne merkwürdige Frau. Überhaupt die Swanns. Oma Jane meinte mal zu mir, die hätten nichts für Ehemänner oder feste Freunde übrig. Würde mich nicht wundern, wenn sie die Kleine durch künstliche Befruchtung gekriegt hätte. Bei den Muggeln geht sowas ja auch schon."

"Wer will denn so ein Kind haben? Da fehlt doch der Spaß an der Herstellung", wandte Mildrid Latierre ein. "Abgesehen davon wär' das doch die volle Verlade für den Mann, von dem eine Frau ohne sein Wissen ein Kind ausbrütet."

"Kommt auf die Ziele an, ob ich so'n Typen unbedingt in mein Leben reinholen muß, nur weil ich ein Kind haben will oder ob ich ein Kind haben will, weil dessen Vater mir wichtig ist", warf Gloria ein. "Hattest du nicht was von einer Sängerin erzählt, die sich einen Mann als Deckhengst gemietet hat?"

"Hatte ich wohl mal", erwiderte Julius. Millie grinste. Ihr hatte er auch die Geschichte der für Aufregung und Skandale guten Madonna erzählt. Außerdem erinnerte er sich noch gut an Barbara Latierres Kritik an der künstlichen Besamung von Kühen. Das bewies, daß die Latierre-Familie trotz aller wahren oder übertriebenen Anschuldigungen noch gewisse Grenzen einhielt.

"Glo, Julius! Kommt wieder runter!" Rief Melanie Redlief vom Spielfeldrand her.

"Von mir will die offenbar nix", feixte Millie und stupste Julius in die Richtung, in die er gehen sollte. In einem gewissen Abstand folgte sie dann den beiden gerufenen hinunter. Dabei dachte sie, daß sie ihrem Freund bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit mentiloquieren würde, daß sie Larissa für ein falsches Baby hielt.

Auf dem Spielfeld trat Mel Redlief auf Gloria zu. Myrna stand mißmutig gelaunt zwei Schritte rechts hinter ihr. Beide hatten ihre Schutzumhänge und -handschuhe bereits abgestreift. "Myrna und ich räumen unsere Sachen ein und apparieren nach Hause, Glo. Wenn du willst, kannst du bei Britt bleiben. Ich komme morgen zwar noch einmal zum Spiel. Aber mehr ist dann auch nicht. Wenn du willst, kann ich dich danach mit zu uns nehmen, damit Tante Di dich dort abholen kann."

"Hat's jetzt richtig gescheppert?" Fragte Julius, während Gloria ihr Gesicht verzog und Brittany mit einem anklagenden Blick bedachte.

"Britts Offenheit in allen Ehren, Julius. Aber das mit Myrna hätte sie anders klären können und müssen. Sie hat ihr offen an den Kürbis geworfen, daß sie besser meinen Job bei den Cheerleadern machen soll. Dafür sei sie fit genug. Das ist eine glatte Unverschämtheit, und das von einer, die ich bisher als gute Freundin angesehen habe."

"Du denkst doch nicht, daß ich dann allein in dem Zimmer bleibe", knurrte Gloria. "Ist da echt nichts mehr zu regeln?"

"Ich muß erst mit Myrna klarkommen. Britt sollte dabei besser tausend Meilen weit weg sein."

"Der ganze Drachenmist ist doch nur hochgeblubbert, weil du meintest, dich da reinhängen zu müssen, große Schwester", schnaubte Myrna sehr zornig. "Ich hätte das mit Britt alleine ausgemacht, ob die das Recht hat, mich mal eben aus der Mannschaft zu schicken, nur weil die rotblonde Französin lebensmüder ist als ich."

"Vorsicht Mädel, du läufst gerade heftig an 'ner saftigen Backpfeife lang", schnarrte Millie und funkelte Myrna drohend an. Diese blickte sehr trotzig zurück, während Mel sich zwischen die beiden Junghexen aufbaute und dann Gloria ansah:

"Wie du merkst ist Myrna total durch den Wind wegen Britts Superkompetenz. Also machen wir uns jetzt weg. Wenn du mit willst, warte hier. Ich hol dich dann gleich ab."

"Echt, Mel, du machst den Abflug, weil wer sagt, daß deine Schwester nicht so gut für Quodpot ist? Das verstehe ich nicht", bemerkte Gloria, während Julius es für geboten hielt, etwas zurückzutreten, so daß er nun neben Millie stand, die ihn ohne groß zu überlegen den rechten Arm um den Körper legte und ihn zu sich heranzog.

"Glo, du kennst Brittany Forester gerade von unseren Ausflügen hier hin. Ich habe mit der sieben Jahre im selben Schlafsaal gewohnt. Ich habe es immer bewundert, wie unbeeindruckt sie mit anderen umgesprungen ist. Andererseits hat es sie auch nicht interessiert, wie das bei den anderen ankommt. Mir war das wohl auch egal."

"War?" Fragte Myrna. "Du hast doch gemeint, wir sollten bei der wohnen. Du meintest doch, das wäre doch mal schön, wenn wir einige Tage mit der, Glo und Julius im selben Haus wohnen würden. Mit Julius' seiner Freundin hatte ich ja bisher auch kein Problem. Aber wegen der hat deine Freundin mich jetzt vor allen hier blöd angemacht. Offenbar mußte die was machen, um sich bei ihren Kollegen hier nicht als unfähig zu verraten und ..."

"Myrna, das hatten wir gerade alles. Und wenn Glo das nicht mitgehört hat dann wohl, weil es sie nicht interessiert hat", schnarrte Melanie. Brittany stand Seelenruhig da und überließ es den Redliefs und Gloria, sich über die Auswirkungen dieses Zwischenfalls auszusprechen. Millie kuschelte sich in einer Mischung aus trotzigem Anspruch und willkommener Nähe an ihn. Impulsiv umschlang er sie mit seinem linken Arm und drückte sich an sie. Sie flüsterte ihm ins Ohr:

"Halt mich ja gut fest, damit ich dieser pummeligen Kratzbürste da nicht gleich alle Haare vom Kopf rupfe!"

"Bleib cool, Mamille!" Hauchte Julius ihr zurück. "Die beißt jetzt um sich, weil Brittany einen unknackbaren Panzer hat."

"Ja, aber die hat mich nicht zu beißen", schnaubte Millie gerade so laut, daß nur ihr Freund es hören konnte. Melanie meinte gerade:

"Myrna, ich weiß, was ich gesagt habe und habe das auch selbst toll gefunden. Aber Britt muß langsam lernen, daß sie nicht jedem so einfach vor den Kürbis hauen kann, auch wenn sie recht hat."

"Auch wenn sie recht hat?!" Schrillte Myrna. Melanie funkelte ihre Schwester an und schnaubte:

"Nicht noch mal, Myrna. Wir klären das in aller Ruhe bei uns zu Hause. Komm! Hol deinen Besen! Glo, wenn du willst, kannst du bei Miss Brittany bleiben. Tante Di weiß ja, wo du bist."

"Ihr seid Kindergartengören", knurrte Gloria. "Zankt euch rum, nur weil Myrna keine Kritik vertragen kann."

"Oh, du bist also auf Brittanys Seite?!" Blaffte Melanie. "Dann bleib schön bei ihr! Myrna, komm, wir zischen ab!"

"Das ist jetzt trolldoof von dir, Glo, daß du dieser Grünzeugmampferin da noch zustimmst. Mann eh, ihr könnt mich doch alle mal!"

"Nicht so laut. Das könnte wer hören, der das für'n Angebot hält", erwiderte Mel feixend und sah, wie Myrna ihren Besen aufhob und mit einem energischen Schwung aufsaß. "Glo, wie gesagt kannst du bei Britt bleiben. Ihr seid ja beide so unheimlich vernünftig." Sie griff ihren Besen. Julius winkte ihr mit dem freien Arm zu und wollte sich von Millie lösen, die ihn jedoch sehr entschlossen umklammert hielt.

"Tut mir leid, daß euch der Spaß verlorengegangen ist, Melanie!" Rief Julius. "Vielleicht ist es echt besser, wenn ihr ein paar Stunden Ruhe habt."

"Sage deiner Gastgeberin, ich wünsche ihr trotzdem einen guten Einstand morgen und ich käme allein zum Spiel!" Rief Melanie. Dann saß sie auf. Gloria winkte ihr zu und sagte:

"Eh, Mel, wenn ihr jetzt abschwirrt kriege ich den ganzen dummen Dreck ab, den ihr und Brittany aufgewühlt habt. Ich komme mit euch mit. Mum weiß dann noch besser, wo ich bin."

"Dann wirf dich hinten drauf!" Schnaubte Melanie. Gloria winkte Julius. Millie ließ jetzt erst von ihm ab und folgte ihm mit erhobenem Kopf, jeden ihrer bald einhundertachtzig Zentimeter Körperlänge gestrafft. Trotz Julius Zeitpakt-Blitzalterung im letzten Sommer überragte sie ihn nun doch schon sichtbar.

"Eigentlich wollte ich mir dir noch über Hogwarts reden, wie es da weitergeht. Aber im Moment ist das wohl nicht drin", sagte Gloria bedauernd.

"An meinem Geburtstag bist du ja hoffentlich da", sagte er. Sie nickte heftig. Dann meinte sie leise: "Vielleicht kriegen Mum, Onkel Marcellus und Tante Geri es hin, daß Millie und du vor eurem Rücksprung über den Salzwassergraben noch bei uns hindürft. Mum ist ja auch da."

"Dein Vater bleibt noch bis zum zweiundzwanzigsten in Mexiko?"

"Si Señor", erwiderte Gloria.

"Wird das heute noch was, Glo?!" Blaffte Melanie wütend. Gloria verabschiedete sich von Julius und Mildrid und eilte zu ihrer Cousine hinüber, hüpfte wie von einem Trampolin geschnellt auf den Besen, klammerte sich mehr als nötig an Mels nun etwas schlankerem Körper fest und nahm den katapultartigen Start hin. Keine Sekunde später waren die Redliefs und Gloria bereits mehr als zwanzig Besenlängen entfernt und stiegen in einem perfekten 45-Grad-Winkel in den blitzblankblauen Himmel hinauf.

"Reisende soll man nicht aufhalten", knurrte Brittany. Julius sah sie an und fragte behutsam, ob das die Sache wert gewesen sei.

"Ich hätte das Myrna in einem ruhigen Ton erklären können, warum sie bei einer Umstellung auf drei gegen drei besser auf die Bank gegangen wäre. Aber Mel meinte jetzt, die große Schwester markieren zu müssen und wurde ziemlich persönlich. Da ihr euch ja nicht dran beteiligen wolltet muß ich die Kiste nicht noch mal aufwärmen. Ich werde wohl gleich noch was von meiner Mutter zu hören kriegen."

"Und von deinem Vater", warf Julius tollkühn ein.

"Nix für ungut, Julius, aber du weißt genau, daß ich recht hatte."

"Du sagtest es. Du hättest es Myrna irgendwie schonend beibringen können", meinte Julius dazu. Millie sah beide verdrossen an.

"Das geht aber bei den Missies Redlief nicht. Wenn du was andeutest meinen sie, du meinst was anderes, und wenn du gar nichts sagst, stimmst du denen zu. Mel hat bisher immer gemeint, ich hätte schon die bessere Taktik drauf."

"Bis du ihre kleine Schwester runtergemacht hast", erwiderte Julius darauf.

"Ich habe sie nicht runtergemacht, sondern ihr nahegelegt, sich als Auswechselspielerin zur Verfügung zu halten. Aber ich habe jetzt keine Lust, wie auf einem Karussell immer die gleichen Wörter zu gebrauchen. Nur so viel noch: Die Redlief-Schwestern und ich waren uns gestern und heute morgen einig, daß wenn ich eine Übungsmannschaft als Kapitänin anführe, ohne großes Palaver hingenommen wird, was ich sage. Aber Myrna scheint das vergessen zu haben."

"Wäre alles nicht passiert, wenn Sharon nicht mit Notus zusammengekracht wäre", meinte Mildrid dazu nun.

"Vielleicht war es gut, daß es heute passiert ist. Wenn Myrna im nächsten Jahr in die Mannschaft will und der Kapitän sie nicht als Stammspielerin aufstellt würde sie noch heftiger runtergezogen. Aber insofern stimmt's auch, daß es eigentlich nicht mein Ding ist, Mels kleine Schwester zu motivieren oder zurechtzuweisen. Ich ging halt davon aus, daß sie es irgendwie verstehen würde."

"Was wäre, wenn du auf sie eingegangen wärest und Millie auf die Bank geschickt hättest?" Fragte Julius sehr herausfordernd.

"Das wäre Millie gegenüber unverschämt gewesen und Myrna gegenüber pure Heuchelei. Die hat noch mehrere Jahre Zeit, um sich in das Spiel reinzuarbeiten. Die muß das jetzt nicht supertoll können. Ich habe das im vierten Jahr auch gerade zur Ersatzspielerin geschafft und da auch nur als Vorgeberin."

"Ich hörte mal irgendwo so'n Spruch, das der Klügere nachgeben solle", seufzte Julius.

"Ja, und weil die meisten das auch machen regieren die Dümmeren die Welt", konterte Brittany seelenruhig. Millie sah sie bewundernd an und grinste. Dann fragte die hoffnungsvolle Nachwuchsspielerin noch: "Ist zwar jetzt 'ne komische Stimmung. Aber wie wär's mit noch mal einer halben Stunde Manövrier- und Zuspielübungen?"

"Wie lange habt ihr das Feld gebucht?" Fragte Julius und blickte auf seine Uhr.

"Da Venus und Notus mitspielen und ich ja auch offiziell in der Mannschaft bin können wir auch ohne unseren Kapitän und den Trainer so lange üben wie wir wollen", erwiderte Brittany.

"So wie bei einer Mannschaftsübung spielen?" Fragte Julius, der mit Venus und Notus fünf verbleibende Spieler zählte. Brittany winkte Venus, die wiederum Notus zunickte, daß sie wohl jetzt wieder herüberkommen konnten. Brittany sagte ihren Mannschaftskollegen nur, daß die Redlief-Schwestern mit ihrer Entscheidung nicht einverstanden gewesen seien und es vorgezogen hätten, schon mal wegzufliegen. Notus sah Brittany etwas pickiert an, während Venus ihrer Mannschaftskameradin zunickte. Dann beschlossen sie, eine Fünfer-Flugübung zu machen, wobei drei verteidigen und zwei angreifen sollten. Brittany überließ Venus die Einteilung.

"Britt, du setzt dich auf den Topf und läßt nichts rein, was da nicht schon drin ist!" Verfügte sie sehr derb und deutete auf einen der geduldig in Spielhöhe schwebenden Pots. Notus und Mademoiselle Mildrid, ihr passt auf, daß Brittany nicht zu viele Murmeln auf den Pot kriegt!" Millie grinste die goldblonde Quodpotterin verschwörerisch an. "Ich versuche, die blauen Murmeln einzutopfen. Julius, du hilfst mir dabei!"

"Der hat doch keine Chance gegen mich", prahlte Notus.

"Dich nehm ich mir vor", erwiderte Venus darauf. Dann bestiegen sie die Besen und flogen los, während Kestrel Jones an der Außenbegrenzung blieb und die Spielzüge beaufsichtigte. Julius konterte Millie locker aus, wenn er den Quod hatte und schaffte es sogar, Notus ziemlich blaß aussehen zu lassen. Doch weil Brittany wie eine Glucke über dem Pot trhonte, konnte er den Ball selten direkt einwerfen. So Warf er meistens auf Venus ab, die sich ohne Quod besser um Notus herummogeln konnte und überließ ihr den Abschluß. Doch Brittany war in einer vortrefflichen Form. Obwohl sie in der Stammauswahl eine der Vorgeberinnen sein sollte war sie als Rückhalterin auch nicht schlecht. Doch einige Male doppelachserte Julius sie aus und versenkte den Übungsquod. So zog sich die Übung so lange, bis zwölf tiefe Glockenschläge vom Uhrenturm herüberwehten.

"Okay, Leute! Wir haben uns alle gut fertiggemacht", bemerkte Venus mit vor Anstrengung rot und naß glänzendem Gesicht. "Danke euch beiden für die tolle Übungseinheit!" Dabei wies sie auf Millie und Julius. Die beiden sahen auch sehr angestrengt aus.

"Mom wird wohl um eins das Essen fertig haben. Duschen geht also locker", meinte Brittany. Julius und Notus zogen daraufhin in die Umkleidekabine für Männer ab, während Venus Brittany und Millie hinter sich her zur Frauenumkleide winkte

"Die Millie ist ja echt ein heißer Feger, Julius. Wenn die zwischen den Laken so gut mithält wie auf dem Besen hast du aber immer gut zu frühstücken."

"Ich halte mich mit dem Schwermacher gut in Form, Notus", meinte Julius, während er fünf scharfe Wasserstrahlen aus dem silbernen, entenförmigen Duschkopf auf sich einprasseln ließ.

"Deshalb meint die wohl auch, daß du nur ihr gehörst, wie? Aber ich denke, in eurem Strammsteherbunker kannst du noch nicht testen, wie gut ihr beide zusammenpaßt, oder?" Erwiderte Notus jungenhaft derb.

"Wir haben ja auch mal Ferien", erwiderte Julius im lässigen Tonfall eines Burschen, der weiß, wo es lang geht und weiß, was er will. Notus lachte.

"Klingst so, als hättest du das schon gebracht. Oder meinst du jetzt, den großen Mann raushängen zu lassen?"

"Such's dir aus!" Erwiderte Julius gekonnt, wo ihm doch zwei Möglichkeiten zur Auswahl standen. Notus überlegte, ob er jetzt noch eine Derbheit anbringen konnte. Zwar mochte er wissen, daß Julius erst knapp fünfzehn Jahre alt war. doch offenbar ließ er sich doch vom zwei Jahre älter aussehenden Äußeren ablenken. Er sagte dann noch:

"Wenn nur ein Viertel von dem stimmt, was wir hier im Land der unbegrenzten Möglichkeiten von dem Latierre-Klüngel gehört haben, dann wird die schon früh genug nachgucken, ob du ihr Leben gut ausfüllen kannst."

"Unbegrenzte Möglichkeiten?" Erwiderte Julius. "Dann sollte ich drauf hoffen, daß hier die große Gelegenheit kommt", sagte er dann noch verrucht klingend. Woher sollte Notus denn wissen, wie und auf welche Weise Millie und er sich schon zusammengetan hatten?

"Zumindest haben sie dich nicht dummgehalten", stellte Notus fest. Julius bemerkte locker dazu, daß seine Mutter sich freuen würde, das zu hören. Das trieb Notus erst eine gewisse Verwirrung und dann pure Verlegenheit ins gesicht. Julius ahnte, was den gerade noch machomäßig daherredenden Burschen aus dem Tritt gebracht hatte und sagte ganz ruhig:

"Ach, hast auch Linos Artikel über die Sache im letzten Sommer gelesen. Muß dir nicht leid tun, daß mein Vater nicht mehr da ist. Dem geht's jetzt bestimmt besser als mit dieser Höllentochter."

"Öhm, wenn du das meinst", grummelte Notus. Doch danach verlor er kein Wort mehr über Millie und Julius. Es ging nur noch um das Übungsspiel am Morgen.

"Ich habe das noch mitgekriegt, wie Britt und Mel in Thorny eingeschult wurden. Hatte eigentlich immer gedacht, zwischen die beiden kannst du kein Pergament schieben. Ich denke, jetzt lernen die beiden sich erst richtig kennen", sagte Notus, während er zwei große blaue Badetücher mit dem Windriders-Wappen von einer Haltestange pflückte und eines davon Julius Zuwarf.

"Gloria meinte, das wäre Kindergartenzeugs gewesen", erwähnte Julius.

"Obwohl Britt ihre Cousine runtergemacht hat?" Wollte Notus wissen und rubbelte sich den vom duschen nassen, dampfenden Körper trocken.

"Wohl gerade deswegen", vermutete Julius. "Na ja, war vielleicht ein wenig zu heftig, wie Brittany das gemacht hat."

"Die war Kapitänin unserer Mannschaft. Ich hab's doch mitgekriegt, daß Myrna sich schön weit vom Quod weggehalten hat, wenn deine Flamme und ich den auch kriegen konnten. Britt hätte von Venus und dir bestimmt nicht so viele Murmeln ins Wasser plumpsen lassen müssen, wenn Myrna sich voll reingehangen hätte, wie Sharon sich reingehangen hat."

"Genau deshalb hat's ja den Krach gegeben, weil Sharon für spielunfähig erklärt wurde und Brittany vorschlagen wollte, wir könnten drei gegen drei spielen."

"Das war ja auch echt dreist, wie die Schokoladenhexe mich geblockt hat. Ich dachte schon, mich knallt's vom Besen runter. Wußte gar nicht, wie grell so'n Kraftablenkungsblitz sein kann."

"Schon geniale Abfangzauber in den Schutzumhängen", meinte Julius.

"Irgendwie ist Marys Brautkleid besonders gut für die Abfangzauber geeignet. War wohl eine sehr alte Dame, bevor sie aus der Haut gefahren ist", tönte Notus.

"Na ja, ob eine Wollwürmin das gewollt hätte, daß wir aus ihrer Haut Umhänge machen, um uns dann gegenseitig anzurempeln?" Fragte Julius.

"Ach, hat Britt dich mit ihrer Ich-ess-Blumen-Religion angesteckt?" Fragte Notus nun wieder jungenhaft derb.

"Das nicht. Aber wenn du überlegst, wie jemand an diese Haut drankommt?"

"Du meinst, daß Mary vorher ein paar Hexen und Zauberer eingeworfen hat, um so'ne tolle straffe Haut zu kriegen?" Fragte Notus und schrak über seine eigenen Worte zusammen. Julius konnte nicht anders als schadenfroh grinsen. Dann fragte er grinsend:

"Wer kam eigentlich auf die Idee, diese Wüstenwollwürmin Mary zu nennen?"

"Unser Ausrüstungswart, nebenbei der Grund, warum ich jetzt komplett nackig vor dir rumstehen kann. Der hat letztes Weihnachten eine supergroße Wollwurmhaut geliefert bekommen. Da hat er die edle Spenderin halt Mary genannt. Daher kommt das."

"Gut, hätte ich vielleicht drauf kommen können", lachte Julius amüsiert. Dann kümmerte er sich darum, seinen vom Duschen auf Hochglanz gebrachten Körper wieder anständig zu verpacken. Er verließ mit Notus die Umkleide und trat auf das Spielfeld hinaus. Dort wartete eine zierliche Hexe mit pechschwarzen, schulterlangen Haaren und dunkelbraunen Augen. Sie lächelte Notus zu.

"Hi, Fred, hast du mich vermißt?" Fragte Notus selig lächelnd, als er die Hexe in die Arme schloß. Sie schmatzte ihm einen dicken Kuß auf den Mund und antwortete:

"Wollte nachsehen, ob Venus und Britt dich nicht doch noch unter sich aufgeteilt haben. Oder hat Britt den Burschen da für sich gebucht?"

"Julius, das ist meine Verlobte, Winnifred Jones, Kestrels kleine Schwester. Wenn ich die nicht in den nächsten drei Monaten heirate haut ihr Bruder mich wohl zusammen", sagte Notus und fing sich von der schwarzhaarigen Hexe einen Kniff in die Nase ein.

"Ich bin schon vergeben, Ms. Jones", erwiderte Julius lässig und blickte sich um. Da kam wie auf's Stichwort Millie heraus, kraftstrotzend mit glänzendem rotblonden Schopf. Winnifred Jones sah die sie um mindestens einen Kopf überragende Junghexe an und nickte dann.

"So, mon Cher, Brittany wollte mit Venus und dem Prachtburschen da noch über das letzte offizielle Training reden. Wir beide sollen schon mal nach Hause fliegen. Sie hat ihre Mutter angemelot, daß wir in fünf Minuten bei ihr landen. Also dann!"

"Millie, das ist Ms. Winnifred Jones, die Verlobte von Mr. Corner. Ms. Jones, das ist Mademoiselle Mildrid Latierre, eine sehr gute Schulfreundin von mir", stellte Julius die beiden Hexen einander vor. Winnifred grüßte höflich zurück, als Millie sie formvollendet begrüßte. Dann verabschiedeten sie und Julius sich und nahmen ihre Besen.

Auf dem Rückflug sagte Millie: "Das war wirklich eine Herausforderung, dieses Spiel heute. Bin ja mal gespannt, wie es morgen läuft."

"Wenn ich das eben richtig gehört habe haben wir heute nachmittag wohl zur freien Verfügung."

"Auch nicht verkehrt, nachdem ich gestern mit den Mädels unterwegs war. Aber schon ziemlich blöd von Melanie, aus einer einfachen Kritik so'n Drachenfurz zu machen. Na ja, hat wohl gewußt, daß sie gegen Brittany sonst nichts zu bestellen hat.

"Soll uns nicht jucken, Mamille", erwiderte Julius darauf nur. "Nur schade, daß Gloria mit den beiden abgerauscht ist."

"Würdest du auch machen, wenn Callie und Pennie wegen irgendwem die Schnauze voll haben und sich verdrücken wollen", unterstellte Julius seiner Freundin.

"Das käme echt drauf an, wer die beiden wegen was so angemacht hätte. Sonst habe ich keine Probleme damit, was anderes zu machen als Callie und Pennie", widersprach Millie Julius' Vermutung.

"Haben die beiden erwachsenen Hexen noch irgendwas wegen uns beiden gesagt?" Fragte Julius.

"Nur, daß Brittany es drauf hätte ankommen lassen, wenn du nicht zu mir gekommen wärest. Und was hat Notus so losgelassen?"

"Daß du ein heißer Feger wärest und ich immer gut frühstücken sollte, wenn ich dich richtig glücklich machen wollte." Millie lachte herzhaft. Julius hatte genau das erwartet. Deshalb legte er nach: "Offenbar meint er, wir beide hätten schon klar, wann es passiert."

"Und du hast ihn im dem Glauben gelassen oder ihm widersprochen?" Wollte Millie wissen.

"Natürlich habe ich ihn im Glauben gelassen. Der muß ja nicht alles wissen, wo der selbst jemanden zum ankuscheln hat."

"Das stimmt", setzte Millie den passenden Schlußpunkt.

Zwei Minuten vor Ende der Fünf-Minuten-Anmeldung näherten sich Millie und Julius dem Rotbuchenhaus. Mr. Forester stieg gerade auf ein Fahrrad, hinten drauf ein leerer Binsenkorb.

"Die blöden Gnome haben meine ganzen Gemüsebeete verwüstet", knurrte er, als Millie und Julius landeten. "Jetzt muß ich doch echt zu diesem Saatguthändler und mir neue Knollen, Zwiebeln und anderes holen. Da ich schon gegessen habe ist meine Frau einverstanden, wenn ich euch nicht beim Essen zusehen muß. Sie hat ungarisches Goulasch vorbereitet."

"Jamm", machte Mildrid. Das brachte den überzeugten Veganer dazu, das Gesicht zu verziehen. Doch er sagte nichts dazu außer "Bis nachher dann!". Er stieß sich mit dem linken Fuß nach vorne ab, trat kräftig das rechte Pedal durch und saß auf dem nun nach vorne rollenden Rad auf, das er nun mit kräftigen Tritten beschleunigte.

"Kann man ihm nicht helfen", meinte Millie als sie die Kraterlandschaft sah, die einmal ein Gemüsegarten gewesen war. "Naßspritzen reicht bei Gnomen nicht. Die sammeln sich dann und rücken dann noch wilder vor."

"Das weißt du und das weiß ich, und seine Frau weiß das so gut wie wir beide zusammen. Aber wer nicht will der hat schon."

"Der bräuchte doch nur ein paar Jungs ein paar Sickel in die Hand zu drücken, und die hätten den Garten in einer Viertelstunde entgnomt."

"Viertelstunde? Mach vor!" Erwiderte Julius keck.

"Hui, ihr seid ja wirklich pünktlich", begrüßte Mrs. Forester ihre beiden Gäste vor der Haustür, durch deren Öffnung es verheißungsvoll nach gebratenem Fleisch und Paprika duftete.

Julius sog sehr deutlich Luft in seine Nase ein und antwortete: "Wir haben ja auch Hunger, Mrs. Forester."

"Es ist jetzt auch genug da", knurrte Mrs. Forester. "Ich dachte eigentlich, daß meine Tochter und ihre Schulfreundin erwachsen genug seien. Aber lassen wir das! Ich möchte jetzt nicht mit euch über dieses Getue reden. Ich höre mir nachher noch Brittanys Version an und befinde dann, was ich davon zu halten habe."

"Das ist Ihr Recht", befand Julius dazu.

"Brittany kommt wohl später, weil sie noch mit den beiden Kameraden klären will, wie sie heute nachmittag trainieren", sagte Julius.

"Ich weiß das", erwiderte Mrs. Forester. "Ihr Essen habe ich warmgestellt. Ihr esst jetzt sofort. Es sei denn, Brittany und Dan hätten euch beide vom Fleischessen abgebracht."

"Ich habe da kein Problem mit", meinte Julius. Millie nickte. Es würde wohl auch schwerfallen, Julius von Steaks, Hühnercurry, Hamburgern und Würstchen abzubringen. So aßen Millie und Julius auf der Terrasse und unterhielten sich über das Übungsspiel, wobei sie den Krach zwischen Brittany und den Redliefs nicht mehr erwähnten. Millie fragte nur einmal, ob Mrs. Forester die kleine Larissa schon aus der Nähe gesehen hatte.

"Ich hatte die Kleine sogar mal hier, weil Mrs. Swann mit der seligen Pandora Straton zusammen nach Salem gereist war, um sich mit den Damen vom dortigen Hexeninstitut einen gelehrten Disput über Sinn und Wahnsinn der Zaubereiabscheu der Muggel zu unterhalten. Damals war sie gerade zwei Wochen auf der Welt. Der Bauchnabel war gerade richtig verheilt, und ich konnte sie ganz normal versorgen. Mrs. Swann hatte mir dafür auch genug hiergelassen, wenn ihr versteht ..." Die beiden Tischgäste nickten bestätigend. Millie sah sie dabei jedoch verwundert an. Julius meinte zu sehen, wie es hinter ihrer Stirn zu arbeiten begann. Mrs. Forester bemerkte das jedoch wohl deshalb nicht, weil sie Millie nicht gut genug kannte, um ihre Miene einzuschätzen. Sie sagte noch: "Ist schon ein ziemlich ruhiges kleines Mädchen, die Larissa. Sie schreit nur, wenn sie wirklich was hat und dann auch nur solange, bis jemand bei ihr ist und das Problem löst. So pflegeleicht war Brittany nicht."

"Hat meine Mutter auch gemeint, ich hätte mehr geschrien als meine große Schwester", bemerkte Millie dazu. Julius sagte dazu, daß seine Eltern ihm nie erzählt hatten, ob er ein ruhiges oder quängeliges Baby gewesen war. Eher aus Jux warf er dann ein, daß er ja irgendwann mal den Trank der mannigfaltigen Merkfähigkeit brauen könnte, um das rauszufinden. Millie blickte ihn leicht verdrossen an, während Mrs. Forester bemerkte:

"So weit zurückliegende Erinnerungen würde ich mit dem Trank nicht hervorholen, Julius. Du könntest dann nicht mehr in die Gegenwart zurückfinden, bis der Trank zu wirken aufhört. Da gibt es bessere Anwendungsmöglichkeiten für."

"Abgesehen davon ist das heute doch egal, wie du als Baby warst, Julius. Ich sagte das ja eben nur, weil Mrs. Forester erzählt hat, daß Larissa Swann so ruhig war." Dann nickte sie flüchtig, als habe sie gerade was bestätigt oder für richtig befunden. Julius sah sie erwartungsvoll an. Doch sie schwieg.

"ich habe mich gefragt, warum Ms. Swann uns zugesehen hat", wandte Julius noch ein.

"Das kann ich dir sagen. Sie war in ihrer Schulzeit auch Quodpotspielerin. Dann ist sie wohl für einige Jahre nach England rübergegangen und hat dem dortigen Ministerium geholfen, gegen Ihr-wißt-schon-wen zu kämpfen. Dabei hat sie recherchiert und beraten, während die dortigen Ministeriumszauberer an vorderster Front gekämpft haben. Jeder auf seinem Platz", erwiderte Mrs. Forester. "Jedenfalls ist Peggy Swann immer noch Quodpot-Fan und sieht gerne offiziellen Übungsspielen der Windriders zu. Na ja, morgen werden wir ja erleben, ob Brittany bei denen gut aufgehoben ist. Ein bißchen Sorgen mache ich mir immer noch, weil sie nicht was ungefährlicheres angefangen hat."

"Das ist Brittany wohl klar", sagte Mildrid ruhig. "Aber sie hat ja heute gut aufgepaßt, daß uns nichts passiert ist."

"Bis auf Sharon", schränkte Julius ein. Millie nickte.

"Die wußte doch, worauf die sich eingelassen hat", sagte Mrs. Forester. Da ploppte es leise aus der Richtung der Vordertür. Brittany war appariert und kam nun an den Tisch. Sie schnupperte, rümpfte die Nase, sah auf den Teller, bekam dabei einen angewiderten Gesichtsausdruck und fragte nur, ob sie noch was zu essen vorbereiten müsse.

"Dein Essen ist im Warmhaltetopf", sagte Mrs. Forester. Brittany nickte und ging ins Haus. Eine Minute später kam sie mit einem großen Kochtopf zurück, der wohl mit dem Gleichwarmhaltezauber behandelt worden war und schöpfte einen noch heftig dampfenden Gemüse-Getreide-Eintopf heraus. Sie fragte, wo ihr Vater sei und wurde auf den verwüsteten Garten verwiesen.

"Du hast recht, Mom, wir sollten echte Gnomverdränger sprühen lassen. Aber da sind Tierische Stoffe drin. Dad würde das voll ablehnen."

"Dann mach ich das, wenn er nicht zu Hause ist, Britt", erwiderte ihre Mutter.

"Ich habe nur anderthalb Stunden zeit, um zu essen und es weit genug zu verdauen, daß ich wieder auf den Besen kann", sagte Brittany. "Was macht ihr in der Zeit?"

"Ich wollte den jungen Herren fragen, ob er noch einmal gegen mich Schach spielt", sagte Britts Mutter und deutete auf Julius. Dieser wies jedoch auf Mildrid und meinte, daß er nun, wo Gloria und die anderen Mädchen sich ja bereits verabschiedet hatten Millie nicht alleine lassen dürfte, wenn sie das nicht ausdrücklich wollte. Sie bekräftigte, daß sie nicht alleine irgendwo rumhängen wollte. Mrs. Forester meinte dazu:

"Ihr könnt euch ja den Zaubertierpark ansehen."

"Stimmt, den haben wir uns noch nicht angesehen", sagte Millie. Julius nickte.

"Der Eintritt kostet zwei Sickel pro Nase, für Thorntails-Schüler eine Sickel", sagte Brittany dazu.

"Das Geld kriegen sie von mir", legte Mrs. Forester fest. "Vielleicht kommen sie auch so rein, wenn ich mal eben bei Mr. McFusty durchrufe."

Julius horchte auf. McFusty? Er fragte laut, ob der mit dem Clan der McFustys in Schottland verwandt sei.

"Es ist der urgroßneffe von Angus McFusty III. der gerade der Häuptling der hebridischen Drachenhüter ist", erläuterte Mrs. Forester erfreut dreinschauend. "Deshalb ist der Zaubertierpark von VDS auch der einzige in der Welt, der ein paar ausgewachsene Drachen beherbergt. Allerdings sind die mit Rückhalteringen um den Hals in vierfach überlagernde Bannkreise eingesperrt, weil kein materieller Käfig einen Drachen halten könnte, auch keiner aus magisch gehärtetem Stahl. Die würden sich mit ihrem Feuer da rausbrennen oder sich durch den Boden brennen und graben."

"Latierre-Kühe haben die aber nicht", wandte Millie grinsend ein.

"Da bin ich mit Mr. McFusty gerade in Kontakt mit deiner Tante Barbara, ob wir nicht eine Herde von vier Kühen und einem Bullen bekommen können. Allerdings ist unsere Tierwesenbehörde nicht sonderlich erbaut von der Idee, europäische Neukreuzungen solcher Größe zu importieren."

"Klar, die müßten ja irgendwie über den ganzen Kontinent rübergeflogen werden", warf Brittany leicht verächtlich ein. "Da wird's wohl dann klemmen", fügte sie mit einem schadenfrohen Grinsen hinzu.

"Könnte sein", meinte Mildrid. "Unsere Tierwesenbeamten haben meiner Tante auch sehr heftige Beschränkungen aufgeladen, wie und wohin sie unsere drallen Mädels und Prachtburschen transportieren kann. Was haben die im Tierpark denn sonst noch?"

"Zwei Brutpaare Donnervögel, auch in mehrfachen Ausbruchsbannen, und andere Groß- und Kleintiere. McFusty wollte sogar schon eine Hydra einführen. Aber da haben wir, die mit Tierwesen zu tun haben dann doch sehr energisch widersprochen."

"Na klar, weil Hydras Formwandler sind und sowieso schon ziemlich gefährlich", wandte Julius ein. "Nachher importiert er noch Dementoren, weil eine gefährliche Mehrkopfschlange nicht mehr genug Besucher ranholt."

"Das fehlt wirklich noch", knurrte Mrs. Forester. Brittany sah Julius neugierig an und fragte, ob er denn schon Dementoren gesehen habe und ob die Schauergeschichten um diese Kreaturen stimmen würden. Julius wandte ein, daß er schon zu viele von denen gesehen habe und die Geschichten nicht an die wirklichen Schrecken dieser schwebenden, Dunkelheit, Kälte und Verzweiflung verströmenden Monster heranreichten.

"Diesen Kreaturen willst du echt nicht begegnen, Brittany", meinte Millie noch. "In Millemerveilles sind letzten Sommer welche reingekommen. War schon ziemlich schlimm. Aber Julius kann diesen Patronus-Zauber, um die wegzujagen."

"Mit vierzehn schon?" Fragte Brittany anerkennend. Doch ihre Mutter sah sie durchdringend an und meinte:

"Junge Dame, ich denke, wir beide sprechen zunächst einmal über das, was da heute morgen passiert ist." Brittany verzog das Gesicht, straffte sich dann aber äußerst kampfeslustig.

"Öhm, wir gehen dann besser schon mal los", sagte Julius, nachdem Millie ihm auffordernd zugezwinkert hatte.

"Moment, ich mach das eben mit Glen McFusty aus, daß ihr kostenlos in den Park dürft", sagte Mrs. Forester. Dann verließ sie die Terrasse, um ins Haus zu gehen.

"Mom denkt wohl, ich ließe mich breitschlagen, mich bei Mel zu entschuldigen. Aber das kann sie vergessen", verkündete Brittany entschlossen. "Wenn meine werte Exmitschülerin meint, wegen ihrer überempfindlichen Schwester aus 'ner Kerzenflamme Drachenfeuer machen zu müssen ..."

"Ich seh das so wie du, Britt", pflichtete Millie der Quodpotspielerin bei. "Die hat sich doch immer schön aus der Flugbahn gehalten. So kannst du auch beim Quidditch nix reißen."

"Tja, aber für Melanie macht der Ton die Musik. Wenn du Myrna gefragt hättest, ob sie weitermachen oder rausgehen möchte wäre es wohl besser rübergekommen."

"Ich sagte es ja schon, daß ich mit Myrna wohl doch irgendwie klargekommen wäre. Immerhin habe ich die ja auch vier Jahre in Thorny miterlebt und meine schon, die besser zu kennen als ihre eigenen Eltern das tun. Das hing jetzt echt nur an Mel. Und ich werde das meiner Mom auch so klarmachen."

"Dann viel Glück!" wünschte Julius. Eine Minute später kehrte Mrs. Forester zurück und verkündete, daß Millie und Julius kostenlos den Park besuchen durften.

"Okay, dann los", meinte Millie. Julius fragte nach der Lage des Parkes und hörte sich an, wie er fliegen mußte. Der Tierpark sei ziemlich weitläufig, vor allem für das Drachengehege und die Donnervögel. Millie und er holten ihre Besen und flogen los. Mrs. Forester hatte ihnen gesagt, daß sie in zehn Minuten dort erwartet würden. Kaum waren sie außer Sicht des Rotbuchenhauses, schoss Mildrid viermal so schnell davon als für einen gemütlichen Besenflug zu einem nur drei Kilometer entfernten Park nötig war. Julius setzte ihr nach, holte sie aber erst ein, als sie ebenso abrupt abbremste, nach rechts ausbrach und dann im schnellen Landeanflug zwischen zwei haushohe graue Felsbrocken tauchte. Ihr Freund landete ebenfalls. Millie zog ihn in den Schatten des grau und bedrohlich überhängenden Gesteinsbrockens und zog ihren Herzanhänger hervor. Julius verstand, daß sie mit ihm mentiloquieren wollte und baute sich so vor ihr auf, daß keiner sehen konnte, wie sie sich hinsetzte und dann den Anhänger an ihre Stirn drückte.

 

"Eigentlich hätte ich mit dir noch im Haus über eine Sache reden müssen, Monju. Aber das wäre dann wohl aufgefallen", hörte er ihre Stimme in seinem Kopf, während sie sich mit dem Gesicht zum Fuß des Felsens umwandte. "Ist dir das gestern auch aufgefallen, daß dieses Baby Larissa kein normales Baby ist, Monju?"

"Ja, ist es", erwiderte Julius für alle Ohren unhörbar.

"Wer immer das ist, Monju, die hat mir etwas zu erkennend gekuckt. Als ich ihr in die Augen geguckt habe meinte sie wohl, neugierig und naiv kucken zu können und hat das Grinsen eines normalen Babys aufgelegt, allerdings etwas zu künstlich für ein natürliches Menschenkind. Ich dachte erst an diesen Infanticorpore-Fluch, von dem wir's im Unterricht mal hatten. Aber diese Peggy soll ja echt schwanger gewesen sein. Dann erzählt Brits Mutter was von einem gerade ordentlich verheilten Bauchnabel. Bei Infanticorpore ist der Nabel doch schon zugeheilt, oder?"

"Stimmt, ich hab's mal an mir selbst ausprobieren lassen", sagte Julius. Millie kannte das ja von ihm und Caroline, was im vorletzten Sommer im Nachhilfeunterricht gelaufen war.

"Dann hat diese Peggy mit einer Freundin, oder Verwandten Itera-Partio gemacht, ziemlich abgedrehter Zauber, Julius. Kennst du den?"

"Ich hörte nur, daß das so gelaufen sein soll", gab Julius für außenstehende schweigend zu.

"Meine Oma Line würde jeden, der diesen Zauber macht bedauern, weil dabei die wichtigsten Sachen wegfallen. Nachdem, was Martine mir mal drüber erzählt hat, als sie sich auf die UTZ-Sachen vorbereitet hat, geht der Zauber nur, wenn fünf Bedingungen erfüllt werden. Kennst du die?"

"Ich weiß nur, daß bei Itera-Partio zwei magische Menschen, von denen einer weiblich ist, zusammenwirken müssen. Die Hexe oder eine der Hexen legt fest, daß sie den Partner neu empfängt und zur Welt bringt, wie immer das gehen soll."

"Zum ersten müssen es zwei magisch ausgebildete Menschen sein, eine Hexe als Empfängerin, der zweite Mensch als zu bezaubern. Zum zweiten muß, wer immer meint, sich noch mal ausbrüten und in die Welt pressen zu lassen an einer tödlich verlaufenden, nicht ansteckenden, magischen Erkrankung leiden, einen auf diese eine Person gelegter Verlaufsfluch zum Beispiel. Zum dritten muß die Hexe, die als Empfängerin einspringen will auch ohne Magie fähig sein, gesunde Kinder zu kriegen. Viertens müssen sich beide Partner bedingungslos vertrauen und am besten noch sehr gut leiden. Fünftens muß die Hexe, die als Empfängerin einspringt, es absolut wollen, daß der Partner des Zaubers von ihr neu zur Welt gebracht wird. Sie muß ihn bereits während des Aufrufens als ihr Kind haben wollen. Wenn das nicht klappt, geht der Zauber schief. Tine hat mir nicht verraten, wie genau der gemacht wird. Sie meinte nur, daß es mit Zaubersprüchen allein nicht getan wäre. Zumindest müßte die Empfängerin gerade ihre fruchtbare Phase im Monat haben. Also hat diese Peggy Swann eine heftig verfluchte Hexe so doll gemocht, daß sie sie nicht sterben lassen wollte. ach ja, hatte ich schon gesagt, daß dieser Zauber von diversen Zaubereiämtern genehmigt werden muß?"

"Konnte ich mir denken", mentiloquierte Julius. Dabei wußte er genau, daß die Swanns es wohl ohne behördliche Genehmigung gemacht hatten.

"Wer ist diese Larissa wirklich?"

"Peggy Swanns von einem tödlichen Verratsunterdrückungsfluch getroffene Mutter", schickte Julius einen Gedanken kalt und dreinschlagend wie eine Schwertklinge zurück. Doch Millie zuckte nicht zusammen. Offenbar hatte sie eine Antwort wie diese erwartet.

"Zumindest keine Schwester von ihr. Dann rück mal mit einer Kurzfassung von dem raus, was dir die rollenvertauschten Hexen über sich erzählt haben und warum sie das gemacht haben. Es sei denn, du möchtest wieder warten, bis uns wer im Traum von Temmie oder wen anderen runterschlucken läßt."

"Larissa Swann gehörte, bevor sie sich von der eigenen Tochter noch mal austragen ließ zu einer geheimen Hexenschwesternschaft und hat wegen einer dort ablaufenden Rebellion diesen Fluch abgekriegt. Peggy Swann und sie haben dann diesen Zauber durchgezogen, um sie von dem Fluch zu lösen. Larissa ist aber nicht besonders glücklich im Babykörper."

"Wenn die beiden miteinander so meloen konnten wie wir jetzt, Monju möchte ich mir das nicht vorstellen, wie oft sich diese Larissa über die langweilige, wenn auch schützende Behausung beschwert hat. Ich habe Miriam mal zwei Stunden besucht. Auch wenn deren Mutter mich selbst mal so hatte wie Miriam damals war es schon nach zwei Stunden öde und unangenehm für mich. Ich konnte mich ja nicht bewegen, nicht gucken, was um mich herum passierte und hörte immer die ganzen Geräusche von meiner Mutter. Für so'n Itera-Partio-verzauberten, der neu rauskommen will ist das ja nach zwei Stunden nicht zu ende."

Julius dachte daran, daß seine Mutter nach den Erlebnissen in Laroches geheimem Labor einen vollen Tag die Wahrnehmung von Millies jüngsten Tanten geteilt hatte und dadurch von der erlittenen Platzangst weggekommen war. Doch das sollte Millie wirklich nicht wissen. So stimmte er nach einer halben Gedenkminute zu, daß er sich wohl nicht so leicht auf diesen Zauber einlassen würde.

"Wenn die Empfängerin nicht absolut dahintersteht ist das auch verdammt schwer. Sonst könnte sich ja jeder, der von einem Verlaufsfluch erwischt wurde so neuanfangen lassen", erwiderte Millie darauf. "Selbst ich, die weiß, daß ich dich sehr doll leiden mag, wüßte nicht, ob ich dich mir als mein Kind vorstellen könnte. Da würde es ja dann hängen. Ich müßte dich als mein Kind, meinen Sohn, haben wollen und nicht weil du der Zauberer bis, den ich liebe." Julius fühlte seine Ohren erhitzen und einen sehr warmen Schauer durch seinen Körper gehen. Sie hatte das Verb mit l gebraucht, zum ersten Mal in ihrer gemeinsamen Beziehung. Bisher hatten weder sie noch er sich das worthaft mitgeteilt, auch wenn es ihnen beiden doch so klar und unbestreitbar war. Er dachte zurück:

"Ich liebe dich auch anders als meine Mutter. Das heißt aber nicht, daß du für mich weniger wichtig bist."

"Das weiß ich doch, Monju", wehte ihre Gedankenstimme sanft und warm wie eine Sommerbrise durch seinen Geist. "Das wußte ich schon, bevor du das wußtest. Aber das weißt du ja auch schon." Dann schickte sie ihm noch zu: "Von dieser Geheimschwesternschaft habe ich natürlich im Zusammenhang mit Sardonia und meiner Familiengeschichte gehört. 'n paar von meinen Ururururgroßmüttern oder -tanten wurden von Sardonias Besenputzerinnen angequatscht, ob sie nicht mitmachen sollten, um der lieben Hexenheit Willen. Einige von meinen Vorfahren, Hexen und deren männliche Verwandte wurden deshalb von Sardonias Mägden umgebracht, weil die eben nicht bei denen mitmachen wollten. Deshalb sind mir die ganzen Geheimhexen so verdächtig, Monju. Pass bloß auf, daß die dich nicht für sich einspannen!"

"Da liegt mir nichts dran", erwiderte Julius. "Wenn die eine Hexe, die hinter mir hergeflogen ist, als mich Hallitti und Bokanowski einkassiert hatten, auch eine von denen ist, liegt mir nix daran, mit denen was anzufangen."

"Dann trink bloß nix von einer, von der du weißt, die gehört dazu oder mach dich schnell dünn, wenn die den Zauberstab auf dich richten!"

"Professeur Faucon trainiert mich ja während des Schuljahrs gegen den Imperius-Fluch", warf Julius ein. Doch er wußte ja, daß er ihn immer noch nicht so einfach abwehren konnte wie er wollte.

"Dann haben wir das jetzt. Fliegen wir jetzt zum Tierpark, bevor Britt und ihre Maman meinen, uns noch Verbindungsarmbänder anzubinden, wie Königin Blanche das mit Babette gemacht hat."

"Mit mir hat sie das vor drei Jahren auch gemacht", mentiloquierte Julius noch, bevor er seiner Freundin auf die Füße half. Diese nutzte die Gelegenheit, ihn innig zu umarmen. Er genoß für eine Minute diese herrliche Nähe. Dann flogen sie zu dem magischen Tierpark.

 

__________

 

"Da ist sie, Megan, unser feuriges Prachtmädel", sagte der Führer durch den Tierpark, dessen roter Haarschopf und Backenbart in der Nachmittagssonne glühte. Julius blickte durch das geliehene Fernrohr in die mehrere dutzend Meter tiefe Senke, die vor zwanzig Jahren magisch ausgehoben und mit Felsen und Bruchsteinen ausgelegt worden war. Einen Kilometer durchmaß der künstliche Krater. Ein mannshoher Metallzaun stand zehn Meter von einem vierfach ineinandergeschnörkelten, armdicken Bannkreis aus silberner Zaubertinte entfernt. Er sah das pechschwarze, geflügelte Ungetüm, wie es gerade über einen der Felsquader hinwegflog und genau auf sie zuhielt.

"Wie haben sie die rüberholen können?" Fragte Julius den Zauberer, der weit ab von Glasgow und Loch Ness einen Schottenrock trug. "Ich meine, die schwarzen Hebriden lassen sich nicht so einfach transportieren. Und die da ist doch mindestens hundert Jahre alt."

"Der junge Mann kennt sich aus", lachte Glen McFusty. "Mit dem fliegenden Holländer, Junger Mann. Wir haben eine Eisenkiste mit Luftlöchern gebaut, magisch aufgeblasen und Megan da reingepackt, nachdem wir die mit einem extrastarken Schlaftrank abgefüllt haben. Allein den zu brauen hat drei Monate gedauert, bis wir genug davon hatten. Tja, und jetzt wohnt sie seit zwanzig Jahren hier."

"Und die kann den Ring nicht loswerden?" Fragte Millie und deutete an ihrem Fernrohr entlang auf den nun heranbrausenden Drachen. Das Drachenweibchen trug um den wuchtigen Hals einen armdicken Metallring, ähnlich wie die Latierre-Kühe ihn trugen, wenn sie in der magischen Einfriedung des Bauernhofes bleiben sollten.

"Die Schuppen sind fast so hart wie Eisenblech. Da konnten wir dicke Nägel reintreiben. Die wird den Ring nicht los", erwiderte McFusty beruhigend. Julius sah es nun, wie Megan mit ihrem Ring um den Hals angeflogen kam, jedoch etliche Meter vor der vierfachen Bannlinie abstopte und ohrenbetäubend losbrüllte.

"wir bringen jeden Tag mindestens zwei Ordinärkühe da rein. Aber sie würde doch gerne Menschen fressen, wenn sie könnte", sagte McFusty. Wie zur Bestätigung riss das Drachenweibchen sein schuppiges Maul auf und blies fauchend eine lange Flammengarbe gegen die drei Zuschauer.

"Wieso halten Sie nur einen Drachen hier, wenn die Sicherheitsmaßnahmen doch klappen? In anderen Tierparks können die überhaupt keine Drachen halten", sagte Julius und spielte auf Millemerveilles an. Dort hatten sie ihm erzählt, daß einfache Bannlinien keinen Drachen halten konnten.

"Aus drei Gründen, Mr. Andrews. Zum einen beanspruchen Drachen sehr weitläufige Reviere für sich. Zum zweiten kann ein Vierfachbann gerade einmal einen Drachen wirkungsvoll zurückhalten. Wenn zwei oder mehr Drachen dort wären würden sie den Bann überlagern und könnten dann ausbrechen. Zum dritten liegen andere Zaubertierparks zu nahe an Siedlungen, wie der in Millemerveilles oder Hidden Groves in Australien. Mindestens zwei Minuten Vorwarnzeit für die Drachenbekämpfungstruppe verlangt die Tierwesenbehörde. Das heißt, der Drache muß so weit von der nächsten Ansiedlung weg sein, daß er mindestens zwei Minuten braucht, um dorthin zu fliegen. Das war auch eine der Bedingungen für die Sondergenehmigung, diesen und einzigen Drachen zu halten."

"Warum dann ein Weibchen, wo die doch wesentlich aggressiver sind?" Fragte Millie.

"Weil Megan damals noch kein eigenes Revier hatte. Männchen sind Streuner. Sie würden sich nicht auf ein Revier festlegen lassen, und bereits ein Revier besitzende Weibchen würden alles daran setzen, dort zu bleiben oder dorthin zurückzukehren. Zumindest gilt das für die Hebriden."

"Die Festlandsdrachen sind da nicht so eingeschränkt, Millie. Die nomadieren wie Büffelherden und Löwenrudel, steht in meinem Buch über Drachen drin", wußte Julius. "Deshalb haben die beim trimagischen Turnier auch nur Festlandsdrachen genommen."

"Das stimmt auch, Mr. Andrews", sagte Glen McFusty. Die Drachenkuh Megan brüllte schrill und baucherschütternd. Dann warf sich das feuerspeiende Ungetüm herum und trabte auf den mächtigen Pranken mit den handlangen Krallen daran zurück ins Innere des künstlichen Kraters. Die Zuschauer und ihr Führer wandten sich wieder ab und flogen auf ihren Besen weiter durch den Park.

Ein ähnlich großes Gehege wie für die schwarze Hebridin hatte der Tierpark vor fünfzig Jahren für ein Brutpaar nordamerikanischer Donnervögel angelegt. Diese verbargen sich zunächst zwischen turmhohen Felsquadern. Doch als die Besucher sich näherten flog einer der beiden Altvögel auf. Das dunkelblau-schwarze Gefieder lag glatt am Körper des gigantischen Vogels an, der von der Spitze des graublauen Schnabels bis zu den Enden der Schwanzfedern bestimmt fünfzehn Meter lang war. Die langen, kraftvollen Beine waren wie der Schnabel graublau gefärbt. Der Vogel hing zwischen zwei sehr weit auf und ab schlagenden Schwingen von einer Spannweite an die zwanzig Meter. Wolkengraue, kreisrunde Augen blickten auf die drei Besucher herab, bevor sich der Schnabel öffnete und ein weittragender Schrei wie von einem Chor langsam durch Metall fressender Kreissägen klang und Millie und Julius am ganzen Körper eine Gänsehaut verpasste, von den leichten Ohrenschmerzen ganz zu schweigen.

"Das ist Brooke, unsre Mutterhenne", verkündete Glen McFusty voller Stolz. "Vielleicht kommt Rudolph auch noch vom Nest runter."

"Rudolph?" Fragte Julius und sah die gigantische Donnervogelhenne an, wie sie sich mit schnellen Flügelschlägen immer weiter nach oben schraubte. Auch sie trug einen Rückhaltering um den Hals, der mit einer verschnörkelten Bannlinie verbunden war. Dann kam ein Getöse wie von zehn lärmenden Motorrädern zugleich, gefolgt von einem Schnarren wie eine zehn Meter Hohe, ungeölte Metalltür, und der zweite in diesem magischen Großraumgehege gehaltene Donnervogel stieg auf. Sein Federkleid war schwarz-blau-dunkelgrau mit leuchtend roten und gelben Schmuckfedern auf den Flügeln und am Kopf. Sein Schnabel leuchtete rot wie eine Verkehrsampel. Insgesamt war er nur zwei Drittel so lang und hoch, dafür jedoch gedrungener gebaut als das Weibchen. Julius schmunzelte, als der verkehrsampelrote Schnabel sich wie ein zum niederstoßen bereites Schwert auf sie ausrichtete, bevor der Donnervogelhahn von einem kräftigen Luftwirbel umtost die Begrenzung erreichte und von diesem Wirbel zurückgeworfen wurde. Laut sein Motorradlärmiges und knarrendes Reviergeschrei ausstoßend flog Rudolph erneut an, prallte wieder gegen die magische Begrenzung und fiel fast aus etwa fünfzig Metern Höhe herunter. Seine Brutpartnerin gab ihr Kreissägengeschrei von sich, so daß Millie und Julius sich impulsiv die Ohren zuhielten. Doch McFusty ertrug das Geschrei und deutete hinter sich.

"Wir haben einen Lärmschutzzauber um das Gehege gelegt. Allerdings dachte ich mir, daß ihr die beiden gerne mal richtig rufen hören wolltet", sagte der rothaarige Zaubertierpfleger. Millie und Julius folgten ihm, bis der Lärm der Donnervögel plötzlich wie durch meterdicke Wattewände abgeschwächt an ihre Ohren drang.

"Schon erhabene Tiere, nicht war. Nur die nahöstlichen Felsenvögel sind noch eine Spur größer", sagte Glen McFusty.

"Zumindest verstehe ich, warum die Donnervögel heißen", meinte Julius. "Wenn die richtig wütend werden können die ja eine ganze Stadt taub machen."

"Der Name kommt eigentlich daher, daß sie die Indianer immer vor einem Gewitter gewarnt haben, bis die Muggel ihnen mit ihren Maschinen zu sehr auf die Pelle rückten und wir wie für die Drachen Schutzgebiete einrichten mußten. Brooke legt jedes Jahr ein bis zwei Eier. Die Jungen lassen wir bis zum Flüggewerden bei den Eltern - Bleibt uns ja auch nichts anderes übrig. - Dann können wir sie in die Schutzgebiete bringen, wo sie den Bestand aufrecht erhalten. Vielleicht holen wir demnächst einen anderen Hahn herüber. Brooke kann noch dreißig Jahre gesunde Küken ausbrüten."

"Ich las vom Felsenvogel, daß da die Hähne anderthalb mal so groß sind wie die Hennen", warf Julius ein. Das mußte er so sagen, weil ja keiner außerhalb von Beauxbatons wissen mußte, daß er den legendären Riesenvogel aus den arabischen Märchen ja schon besichtigt hatte. "Wie kommt das, daß der Hahn des Donnervogels nur zwei Drittel so lang ist wie die Henne?"

"Ich glaube, so'n Muggel nannte das mal Evolution und Anpassung", sagte McFusty. "Da die Hennen das Revier besetzen kämpfen die Hähne um die Gunst der Weibchen. Dafür müssen sie schnell und wendig sein und imponieren durch die Gefiedermuster und ihren Ruf. Dadurch zehren sie sich ziemlich aus. Die Henne läßt sich dann von dem Sieger besteigen und trägt ihn zu ihrem Nest. Unterwegs findet die Begattung statt. Wenn die beiden dann am Nest angekommen sind legt die Henne das erste Ei ab. Die übrigen Hähne schwärmen nach einer gewissen Erholung aus und suchen sich neue Revierinhaberinnen, die nicht so laut geschrien haben."

"Beim Felsenvogel findet die Paarung am Boden Statt", warf Millie ein. "Hat meine große Schwester mir erzählt, als sie sich auf eine Besichtigungstour nach Algerien vorbereitet hat, wo sie den arabischen Piepmatz im Freiflug beobachten durfte." Sie zwinkerte Julius vielsagend zu.

"Deshalb sind unsere Donnerhennen größer als die Donnerhähne", beschloß McFusty diese kurze magizoologische Erläuterungsrunde. Dann winkte er den beiden Besuchern, hinter ihm weiter herzufliegen, um die etwas harmloseren Bewohner zu betrachten.

Julius war neben McFusty der einzige, der die skelettartigen Thestrale sehen konnte. Um Millie zu zeigen, daß sie dennoch da waren fütterte sie McFusty mit lastwagenradgroßen Fleischstücken.

"Oha, sollte ich wohl hoffen, daß ich die niemals zu sehen kriegen werde", meinte Mildrid, als die drei Hengste und fünfzehn Stuten die Futtergabe innerhalb einer Minute restlos vertilgt hatten.

"Ja, manche Knirpse und Gören kommen her und fragen, ob wir sie nicht veralbern wollen. Sie können die Tiere sehen. Wie kommt das? Öhm, ich meine, mußten Sie einen Verwandten bei seinem Dahinscheiden beobachten?""

"Das kommt von dieser Sache im letzten Sommer, wo Ms. Knowles drüber geschrieben hat", antwortete Julius. Mr. McFusty und Millie nickten. Immerhin hatte Julius ja auch dem Miroir Magique in Frankreich ein Interview gegeben.

"Mrs. Forester sagte uns, daß Sie mit meiner Tante über Latierre-Kühe verhandeln würden", griff Millie das Thema auf, daß sie besonders interessierte.

"Ja, wir möchten gerne eine kleine Herde ankaufen. Rüberbringen könnten wir die dann auf ähnliche Weise wie unseren Drachen, zumal die Kühe ja doch sehr umgänglich sind", sagte McFusty.

"Im Vergleich zu einem Drachenweibchen bestimmt", grinste Julius.

"Einen gewissen Respekt muß man bei den Latierre-Kühen auch bringen", sagte Millie. "Besonders die Bullen und tragenden Kühe können schnell wütend werden, wenn man sie nicht richtig behandelt. Haben Sie denn schon mal eine ausgewachsene Latierre-Kuh gesehen?"

"Das Vergnügen hatte ich noch nicht", erwiderte McFusty. Millie und Julius grinsten.

"Dann sollten Sie vielleicht mal bei Madame Barbara Latierre anfragen, ob Sie sie besuchen dürfen, um sich die netten Muhkühe anzusehen", sagte Julius vergnügt.

"Wenn Sie afrikanische Elefanten kennen stellen Sie sich die anderthalbmal so groß vor! Dann haben Sie's", legte Millie nach. McFusty nickte. Er hatte wohl die Abmessungen schon studiert.

"Vielleicht erhalten wir bald die Genehmigung unserer und Ihrer Tierwesenbehörde", sagte Mr. McFusty und führte die Besucher weiter herum.

Als die beiden Feriengäste aus Europa zum Haus der Foresters zurückflogen erwartete sie eine Überraschung. Auf der Terrasse saß Mrs. Forester und spielte mit einer anderen blonden Hexe Schach. Julius dachte zuerst, Gloria Porter wäre wieder zurückgekehrt. Doch als er näher herankam erkannte er Mrs. Dione Porter.

"Oh, hallo, Mrs. Porter!" Rief Julius. Millie starrte Glorias Mutter verblüfft an. Diese lächelte, gab ihren Schachmenschen noch ein Kommando und stand dann auf.

"Hi, ihr beiden. Wart ihr bei dieser Drachenlady?" Fragte sie Millie und Julius. Die beiden nickten. Dann umarmte sie erst Julius und gab Mildrid die Hand.

"Ich dachte, Sie wären in New Orleans", sagte Julius.

"Von da nach hier ist ja wirklich kein Weg mehr, wenn ich schon von England herübergekommen bin", erwiderte Glorias Mutter lächelnd. Dann erzählte sie, daß sie eigentlich Gloria hier besuchen wollte und bedauerlicherweise erfahren mußte, daß sie mit ihren Cousinen das Lager abgebrochen habe, weil Mel sich mit Brittany verkracht habe. Im Hintergrund arbeitete Mr. Forester mit Gartengeräten und begutachtete Gemüsepflanzen, die er jetzt schon einsetzen könnte.

"Und jetzt haben Sie sich mit Mrs. Forester zusammengesetzt?" Fragte Julius, der gerade die laufende Partie überblickte.

"Ich werde nachher noch zu meiner Schwägerin und ihrer Familie gehen und michmit Melanie über die Ausbildung unterhalten. Hat ja doch schon gut abgespeckt."

"Was spielen Sie denn gerade?" Fragte Julius.

"Das Spiel heißt Schach", sagte Mrs. Porter amüsiert grinsend. Millie verzog das Gesicht. Julius grinste und antwortete:

"Kenn' ich nicht. Kann ich nicht."

"Ganz bestimmt", erwiderte Glorias Mutter und deutete dann auf die weißen Figuren, die im Moment im Vorteil waren. Millie deutete auf Mr. Forester, der sichtlich ins Schwitzen geraten war. Denn die kalifornische Sommersonne hatte ihm gut eingeheizt.

"Ist Ihnen nicht zu heiß, Sir?" Fragte sie mitfühlend.

"Ich will heute noch ein paar Sachen einsetzen. Diese blöden Gnome haben mir die halbe Erde verschleppt."

"Jedem sein Sport", sagte Mildrid dann nicht mehr ganz so mitfühlend.

"Hahaha!" Blaffte Mr. Forester. Da schwirrte es in der Luft, und Brittany kam gut erschöpft aber zufrieden lächelnd herangeflogen.

"Hi, Dad! Hups, nicht bei dieser Hitze!" naserümpfte sie.

"Das muß ich heute noch hinkriegen und diese Gnome irgendwie ablenken", sagte ihr Vater. Dann meinte er: "Und wenn du mir jetzt einen Vortrag darüber halten möchtest, ich solle nicht albern sein fass dir bitte selbst an die Nase."

"Ich war nicht albern, als ich mich heute morgen mit Mel gehabt habe, Dad", wehrte Britt die versteckte Rüge ihres Vaters locker ab. Dann sah sie Mrs. Porter.

"Oh, guten Abend, Ma'am. Wollten Sie zu Glo?"

"Glo-ria? Ja, an und für sich schon", erwiderte Mrs. Porter und begrüßte Brittany ordentlich. "Aber eine streitlustige Hexe hat ihre Cousinen vergrault und sie dazu."

"Ich habe lediglich als Kapitänin der Übungsmannschaft gehandelt. Das haben mir übrigens alle meine Kameraden hoch angerechnet, daß ich mich nicht von Freundschaften oder falscher Rücksichtnahme habe hemmen lassen. Aber Gloria hat dabei ja nichts angestellt oder abgekriegt."

"Das hat Ihre Mutter mir erzählt, Ms. Brittany. Ich mache Ihnen auch keine Vorwürfe. Das steht mir eh nicht zu. Ich bin nur bei Ihrer Frau Mutter hängen geblieben, weil sie jemanden zum Schach suchte und ein erwünschter Kandidat gerade den Tierpark besucht hat."

"Mit dem Spiel hab' ich's nicht", erwiderte Britt. Millie nickte ihr beipflichtend zu. "Du läßt Dad so einfach schwitzen, Mom?" Wollte Britt noch von ihrer Mutter wissen.

"Du kennst die Vereinbarung. Der Garten ist sein Revier."

"Nur, daß der Garten ihn und mich ernähren soll, Mom", entgegnete Brittany. "Ich helf ihm mal eben."

"Das verbiete ich dir", knurrte Mr. Forester energisch und drohte mit einer erdverkrusteten Schaufel. "Oder findest du das etwa toll, daß ich hier nix anderes als rumsitzen kann?"

"Wer nicht will, der hat schon", knurrte Brittany und stürzte sich dann ohne Vorwarnung auf Julius.

"Na, hast du Megan gesehen, Julius?" Fragte sie, während sie ihn in einer sehr engen Umarmung hielt und seinen Kopf dabei an ihre rechte Schulter drückte, was Millie erst stutzen und dann überlegen grinsen ließ.

"Yupp, habe ich", brachte er hervor, wobei ein Großteil seiner Worte förmlich im Umhang der Quodpotspielerin eingesogen wurde. Er roch jedoch nur Kräuteressenz und Blumenduft. Sie ließ nun ab von ihm und umarmte Mildrid. Einige Sekunden lang hielten sich die beiden hochgewachsenen Junghexen wie sich liebende Schwestern in den Armen. Millie meinte:

"In spätestens zwei Jahren spucke ich dir auf den Kopf, Gemüsefee."

"Huch, dann braucht dein Herzensmagier aber eine Trittleiter", erwiderte Britt. Julius grinste. Die beiden Hexen hatten irgendwie einen Draht zueinander, und er hing manchmal daran wie eine Seilbahnkabine.

"Dan, Britt will doch ein Schwesterchen haben!" Rief Lorena Forester amüsiert.

"Dann adoptier die da doch", erwiderte Daniel Forester und deutete mit der Schaufel auf Mildrid.

"Da hätten meine Eltern was gegen. Außerdem habe ich schon 'ne große Schwester", erwiderte Millie. Brittany lachte. Dann deutete sie von der Terrasse weg und dann auf Julius.

"Ich habe Jackie Corbeau getroffen, als ich aus der Umkleide kam. Ui, die sieht jetzt richtig rund aus. Ich soll dich und Millie schön von ihr grüßen." Millie und Julius bedankten sich.

"Britt, ich habe für dich und deinen Vater schon eine Menge Salat und Kartoffelecken vorbereitet. Wir anderen essen noch was von dem Goulasch. Mrs. Porter, wenn Sie möchten, können Sie mit uns essen", sagte die Hausherrin. Glorias Mutter nahm die Einladung an.

Bevor Mr. Forester zum Essen kommen durfte beorderte seine Frau ihn zum Duschen und Umziehen. Während er im Haus war brachte Brittany einige Dosen Gnomverdrängungslösung im halb umgegrabenen Garten aus und bügelte mit Erdumwälzungszaubern und einem Regen frischer Erde aus dem Zauberstab die noch nicht behobenen Beete glatt.

"Also wenn ich wirklich albern sein sollte habe ich das bestimmt von ihm", knurrte sie, als sie sich dann zu den anderen setzte.

Während des Essens verwickelte Brittany Glorias Mutter in eine anregende Diskussion über magische Kosmetikartikel ohne tierische Bestandteile. Dione Porter holte sogar ein Notizbuch hervor und schrieb sich einige Tipps auf, die Brittany geben konnte, die wegen ihrer Ablehnung konventioneller Kosmetik eigene Sachen ausprobiert hatte. Dan Forester meinte dazu einmal, daß Britt an den Umsätzen beteiligt werden müsse, wenn mit veganer Hexenkosmetik Geld gemacht werden könne.

"Einige Produkte würden tierliebende Hexen bestimmt ansprechen", befand Mrs. Porter und versprach, mit Brittany über einen Honorarvertrag zu sprechen. Brittany meinte dazu, daß sie schon dadurch belohnt würde, wenn magische Verschönerungsmittel ohne Tieranteile Anklang fänden. Ihr Vater sah sie zwar etwas verdutzt an, nickte dann aber widerwillig.

Nach dem Abendessen spielten Mrs. Porter, Julius und Mrs. Forester gegeneinander Schach, während Mildrid und Brittany über die wichtigen Themen junger Hexen sprachen und Mr. Forester verknirscht auf die geglätteten Beete blickte und sich dann mit einem dicken Buch in eine stille Ecke des Gartens zurückzog. So gegen elf kam Mildrid noch einmal heraus und sah gerade, wie Julius Glorias Mutter besiegte.

"Ich geh schlafen, Monju. Bis morgen früh dann", sagte sie und gab ihrem festen Freund einen Kuß auf jede Wange. Julius erwiderte den Gutenachtgruß auf dieselbe Weise. Dann widmete er sich wieder dem Schach und spielte mit Mrs. Forester noch eine Partie. Danach verabschiedete er sich von Mutter und Tochter Forester, wünschte Glorias Mutter noch einen angenehmen Heimweg und suchte sein Zimmer auf.

 

__________

 

Auch am nächsten Morgen wurden die Bewohner des Rotbuchenhauses vom fröhlichen Spiel der gemalten Mariachis aus dem Schlummer geweckt. Julius rekelte sich noch einmal, rieb sich den Schlaf aus den Augen und warf einen Blick aus dem Fenster. Er bedauerte es, daß er nur abends was von der Sonne haben würde. Warum konnte dieses Zimmer nicht im Osten liegen?

Jemand klopfte an seine Tür. Er rief: "Ja, bitte!"

"Ich hänge dir einen passenden Umhang draußen hin", antwortete Britt und hantierte an der Tür. Julius verstand, daß sie wollte, daß sie alle in Windriders-Fan-Umhängen zum Spiel gingen und erwiderte scherzhaft:

"Ich ziehe meinen blauen Ravenclaw-Umhang an, Britt. Danke!"

"Ganz bestimmt nicht", hörte er Brittany hinter der verschlossenen Tür grinsen. Dann entfernte sie sich auch schon wieder.

"Monju, hat sie dir auch so'n blauen Umhang mit dieser Wolkenreiterin gegeben?" mentiloquierte ihm Millie. Er schickte ihr ein belustigt mitschwingendes "Ja, hat sie", zurück.

"Dann sehen wir uns gleich im Esszimmer", antwortete Mildrid Latierre.

Tatsächlich aber hatte Mrs. Forester auf der Terrasse gedeckt. Julius hatte sich den geliehenen Fan-Umhang schon angezogen, während Britts Eltern noch in schlichten Alttagssachen herumliefen.

"Mel hat mir eine Grußbotschaft geschickt, daß sie mit Gloria alleine kommen will. Myrna ist noch eingeschnappt", berichtete Brittany. Ihr Vater sah sie vorwurfsvoll an. Ihre Mutter nickte nur schwerfällig. Millie und Julius nahmen diese Mitteilung ohne sichtbare Regung hin.

"Gehen wir alle zusammen zum Stadion?" Fragte Julius und sah dabei besonders auf Mr. Forester.

"Ich muß 'ne halbe Stunde vor dem offiziellen Spielbeginn bei meinen Leuten sein", sagte Brittany. Ich disappariere dann so um halb neun von hier weg."

"Wir gehen dann alle zu Fuß zum Stadion", sagte Mrs. Forester mit einer alle anderen am Tisch überstreichenden Handbewegung. Julius nickte.

"Sitzen wir heute auch wieder ganz oben?" fragte Millie und zwinkerte Brittany zu. Diese blickte ihre Mutter an, die antwortete:

"Natürlich sitzen alle Familien der Spieler wie die Mannschaftsfunktionäre und alle ihre Gäste oben. Wird nur jetzt ein Platz freibleiben, weil Myrna nicht kommt."

"Ich sage es immer wieder, Lorena und Brittany, daß dieses Spiel brandgefährlich ist", wandte Mr. Forester ein. Brittany machte ein angenervtes Gesicht und nickte mechanisch.

"Was steht denn in der Zeitung?" Fragte Julius, um eine drohende Mißstimmung zu vertreiben.

"Das der Zaubereiminister wohlbehalten in England angekommen ist, sein Gegenkandidat Wishbone sich für strengere Einreisekontrollen stark macht, daß eine gewisse Donata Archstone irgendwelche Zaubererfamilien überprüfen lassen will, die Verbindung mit einem englischen Schwarzkünstler namens Voldemort hätten, ein Interview mit einem gewissen Mr. Gildfork und seiner Frau über einen Hyperflugbesen namens Parsec und noch eine moralinsaure Tirade von einer A. G. M. Pabblenut", faßte Mr. Forester die ihm wichtig erscheinenden Sachen zusammen. Seine Frau verzog das Gesicht, als er den Namen Pabblenut erwähnte. Millie und Julius erinnerten sich, daß so die Leiterin der reinen Hexenschule Broomswood hieß. Doch ob diese A. G. M. Pabblenut diese war oder eine Verwandte, ging aus Mr. Foresters Zusammenfassung nicht hervor.

"Ist das die, die die Brave-Mädchen-Schule Broomswood leitet?" Nahm Millie ihm die klärende Frage ab.

"Genau die ist es. Alexandra Gladia Monica Pabblenut, Leiterin der Broomswood-Schule für junge Hexen", bestätigte Mrs. Forester. Julius ließ sich die Stimme des Westwindes geben, lobte Brittany für die erhabene Aufstellung auf dem Mannschaftsfoto, las kurz einige Absätze aus dem Interview vor und amüsierte sich dann mit Mildrid und Brittany über das, was in der Kolumne stand, die rechts neben dem Ganzkörperfoto einer Hexe mit hellgrauem Haar abgedruckt war. Die fotografierte Hexe besaß hellgraues Lockenhaar, ein streng dreinschauendes, fast bleiches Gesicht mit hohen Wangen, kurzer Nase und spitzem Kinn. Sie trug eine silberne Brille mit runden Gläsern, durch die dunkelgraugrüne Augen sehr tadelnd zum Betrachter emporblickten. Auf dem Foto trug sie ein dunkelblaues, knöchellanges Rüschenkleid und schneeweiße Handschuhe. Auf ihrem hellgrauen Haar ritt ein glockenförmiger, schneeweißer Hexenhut, aus dessen Spitze blaue Blumen sprossen.

"... Wohin führt uns der Weg der unbegrenzten Freiheit?" las Julius eine Frage vor, die in der Kolumne stand. "Hexen, die nicht als altmodisch gelten wollen verweigern die ihnen zugeordnete Rolle in der magischen Gesellschaft. Einflüsse aus obskuren Sororitäten, die in vergangenen Jahrhunderten die Welt an einen unendlich tiefen Abgrund gedrängt haben, aber auch die Auffassung, daß Hexen und Zauberer gleiche Rechte, Ansprüche und Ränge besäßen, verderben unsere Töchter und Enkeltöchter und fördern schädliche Neigungen und machen sie unerreichbar für feste Anstandsregeln und eine förderliche Lebensweise. Auch wenn ich weiß, daß mein Bestreben, die mir zur Erziehung anvertrauten Junghexen im Sinne einer wohlgeordneten Welt mit Werten wie Hingabe, Gehorsam, Fürsorge und Fleiß vertraut zu machen, ein nicht enden wollender Kampf gegen den Strudel des Verderbens ist, darf und will ich nicht müde werden, meine Stimme weiterhin zu erheben, gerade deshalb, weil jener Zauberer, dessen Auftrag die Wahrung unserer gesellschaftlichen Ordnung und Sicherheit ist, dieses Bollwerk züchtiger Hexen einzureißen trachtet und ihm dabei eine meiner eigenen Schülerinnen das Wort redet, ja die von mir vermittelten Werte von Treue und Hingabe an ihre Familie gegen mich auszulegen wagt. Ich rufe es allen Hexen in diesem unserem Lande zu: Leistet Widerstand gegen Cartridges sogenannte Schulreform! Bekundet, daß ihr nicht hinnehmen wollt, daß eure Töchter, Enkeltöchter, Nichten und Großnichten in den Pfuhl der Versuchung geworfen werden, den Cartridge und seine Spießgesellen als vernünftig und notwendig maskieren! Wehrt euch gegen die Bestrebungen, nur noch das sogenannte koedukative Schulwesen als einzig richtig anzuerkennen! Ruft es dem Minister und seiner vom Wege abkommenden Gattin zu: "Wir wollen Broomswood!" Wir wollen eine Schule, in der unsere Töchter behütet und gesittet erzogen werden! Wir verweigern es, sie mit adoleszenten Zauberern unter einem Dach leben zu lassen, deren Streben nach körperlichen Vergnügungen wie vergifteter Honig in die Herzen unserer Töchter sickert!" All den Hexen, die der Irrlehre anhängen, sie hätten nicht nur gleiche sondern auch den Zauberern überlegene Vorrechte schreie ich es ins Gesicht: Ihr seid verdorben!"

"Damit gibt sie zu, daß sie weiß, daß sie allein auf weiter Flur steht", stellte Brittany fest, als Julius diese Schlußtirade mit aller ernsthaften Inbrunst vorgelesen hatte, was ihm von seiner Freundin ein amüsiertes Grinsen eintrug.

"Sie schreibt, daß sie schreit", sagte Julius dazu. "Ich habe mal gelernt, daß wer schreit meistens unrecht hat."

"Ja, oder volle Hosen", meinte Millie dazu und grinste verächtlich, während Mr. Forester das Gesicht verzog.

"Wieviele Töchter hat die hier?" Fragte Julius und klopfte mit dem rechten Zeigefinger auf den züchtig verhüllten Körper der fotografierten Hexe, die ihn darauf sehr entrüstet anfunkelte und ihre Hände vorstieß, als wolle sie aus dem Bild heraus nach ihm schlagen.

"Keine einzige, nicht mal 'n Sohn", meinte Britt. "Dann müßte sie ihrer eigenen Auffassung nach ja auch eine Mrs. Sonstwer sein. Aber ich denke mal, die hat keinen Zauberer gefunden, der sich was von Anstand und Familienehre anhören wollte."

"Ach, deshalb meint die, daß die anderen Hexen sich dafür reinhängen sollen, daß deren Töchter schön weiter nach Broomswood gehen", bemerkte Millie dazu. "Stimmt das denn, daß euer Minister die Schule zumachen will?"

"Ja, Cartridge will echt die kleineren Schulen wie Dragon Breath und eben Broomswood zumachen, weil die meisten Zaubererkinder und die Muggelgeborenen nach Thorntails gehen", antwortete Brittany.

"Dann war das taktisch verkehrt, was die da schreibt", knurrte Julius und ließ seinen zeigefinger provozierend vom Hals bis unter die gut verhüllte Taille von Ms. Pabblenut gleiten, was das Motiv dazu trieb, in unhörbares Wutgeschrei auszubrechen und mit wilden Fuchtelbewegungen vor ihrem Gesicht und Körper ihr Gesamtbild zu verwischen. "Die greift den Minister an und alle Hexen, die ihre Auffassung nicht teilen. Damit macht sie sich aber auch lächerlich. Anstatt rumzukeifen hätte sie lieber schreiben sollen, daß sie für ein breitgefaßtes Schulsystem steht, wo die magisch begabten Kinder mehr als eine Ausbildungsmöglichkeit beanspruchen dürfen. Ich hoffe mal, die kriegt kein Geld für diese Werbeanzeige für ihr Nonnenkloster."

"Ich denke mal, die vom Westwind wollten zum einen alle Meinungen bringen, die es zu Cartridges Vorhaben gibt und zum andren mal wieder was von Ms. Pabblenut in der Zeitung haben, um die Verkaufszahlen anzukurbeln", meinte Brittany.

"Du hast vergessen zu erwähnen, daß das was sie da von sich gibt blanke Heuchelei ist, Julius", sagte Mrs. Forester. "Ich erzählte dir doch, daß ich mich damals deshalb konkret für Thorntails entschieden habe, weil die werte Autorin dieser von dir mit beachtlicher Empathie vorgetragenen Kolumne nur unverheiratete und kinderlose Hexen als Lehrkräfte beschäftigt. Sie will dadurch jede männliche Mitbestimmung ausschließen. Also hält sie nichts von Ehepartnern oder Familien. Sie predigt ihren Schülerinnen, sich gehorsam und verantwortlich um ihre Familien zu kümmern und verachtet genau diese gesellschaftlich so wichtige Institution."

"Wasser predigen, Wein trinken", kommentierte Julius und stupste noch einmal die Fotografie, die ihm gerade angewidert den Rücken zuwandte. Millie fragte Mrs. Forester:

"Darf ich diese Ausgabe mit nach Hause nehmen. Ich denke, meine Oma Line würde sich köstlich amüsieren."

"Na, nachher lacht die sich noch tot, Millie. Dann kriegst du aber Ärger mit deinen Onkeln und Tanten, wohl auch mit deiner Mutter", warf Julius sarkastisch ein.

"Nun, Brittany möchte wohl gerne das Interview behalten", sagte Mrs. Forester. Aber wenn du Ms. Pabblenuts Kolumne haben möchtest ..." Millie nickte. Mrs. Forester nahm Julius die Zeitung aus der Hand, zog ihren Zauberstab hervor, strich damit über den Seitenrand und murmelte "Persectum!" Leise ratschend wurde die Seite wie mit einem unsichtbaren Skalpell aus der Zeitung herausgelöst. Millie nahm den Bogen, auf dem sich gerade die zweidimensionale Widergabe der Broomswood-Schulleiterin lautlos empörte, trommelte dreimal mit ihrem rechten Zeigefinger dahin, wo der unhörbares Gezeter ausstoßende Mund klaffte und faltete den herausgetrennten Bogen genüßlich zusammen, um ihn dann griffbereit neben sich auf den Tisch zu legen. Dan Forester sah seine Frau verdutzt an, weil sie schadenfroh beobachtete, wie Millie diesen Abschnitt aus der Zeitung behandelte.

"Eßt noch was, Leute", sagte Brittany und deutete auf die getoasteten Weißbrotscheiben, die Margarine und die Marmelade. Julius wischte sich an der Serviette die Druckerfarbe ab, griff zu der Gabel, mit der die leckeren Eierkuchen von ihrem großen Teller gepflückt werden konnten. Mrs. Forester lächelte ihn wohlwollend an.

Wie Britt es angekündigt hatte disapparierte sie um genau halb neun morgens von der Terrasse. Nun trugen auch ihre Eltern die Fan-Umhänge. Mr. Forester fand es zwar etwas albern. Doch seine Frau erinnerte ihn daran, daß sie es Brittany zu Liebe anziehen möchten. Dann verließen sie das Grundstück des Rotbuchenhauses.

Unterwegs flogen Besen über sie hinweg. Darunter waren auch viele Familienbesen, auf denen Elternpaare mit den kleineren Kindern saßen, während die größeren Kinder auf eigenen Besen folgten. Als sich die Foresters und ihre Gäste dem Stadion auf einhundert Meter genähert hatten hörten sie schon den Lärm, den viele tausend aufgeregte Stimmen machten. Julius fühlte das Adrenalin in sich ansteigen, als er die Fanfaren, Rassen und Pfeifen hörte, mit denen die Fans ihre Mannschaften anheizten.

"Könnte man meinen, wir gingen zur Superschüssel", meinte Mr. Forester, der zwar noch etwas besorgt dreinschaute, weil seine Tochter gleich dieses mörderische Spiel spielen sollte, aber doch schon wesentlich fröhlicher aussah als am Vortag.

"Die Superschüssel?" Fragte Millie.

"So heißt das bei den nicht magischen Leuten, wenn die hier in den Staaten ihre Fußballversion spielen und die besten Mannschaften das Endspiel um die Ligameisterschaft spielen", sagte Julius. Mr. Forester nickte zustimmend und sagte:

"Das ist immer eine große Schau, die weltweit im Fernsehen läuft, falls du weißt, was das ist, Mildrid."

"Bei Julius' Mutter steht so'n Fernseherding rum", erwiderte Millie grinsend. Julius nickte. Mr. Forester nickte auch. Er wußte doch, daß Julius' Eltern keine Zauberer waren und er deshalb ja in derselben technischen Welt wie er groß geworden war.

"Gebt mir ein W!" Rief gerade eine magisch verstärkte Männerstimme. Und ein tausendfaches "W!!" klang aus dem Stadion zur Antwort. "Gebt mir ein I!" Forderte die verstärkte Stimme, und der Chor der tausend tat ihm den Gefallen, bis alle Buchstaben von "Windriders" aufgerufen waren und die Anhänger der Windriders den Namen ihrer Mannschaft rhythmisch wiederholten.

"Oha, wir sind offenbar spät dran", meinte Julius leicht verlegen.

"Das Spiel läuft immer so ab", sagte Mrs. Forester. "Wir haben noch zehn Minuten bis zum offiziellen Beginn."

"Slingshots! Slingshots! Slingshots!" Brüllte ein anderer Fan-Chor dagegen an.

"Was spielen die heute aus?" Fragte Julius grinsend.

"Die erste Runde Grünwurzbier, Julius", lachte Mrs. Forester. "Britt und die anderen prüfen nur ihre aktuelle Form und Harmonie. Freundschaftsspiel nennt man sowas glaube ich anderswo."

"Wo sind diese Slingshots denn in der letzten Saison gelandet?" Fragte Millie.

"Knapp vor ganz unten", erwiderte Britts Mutter.

"Die Windriders haben die Meisterschaft gewonnen?" Fragte Julius überflüssigerweise.

"Ja, haben sie", erwiderte Mrs. Forester. Dann erreichten sie den in ihrer Richtung nächstgelegenen Stadioneingang, wo eine junge Hexe im blauen Windridersumhang stand, die mindestens einen indianischen Elternteil hatte.

"Ah, Prof... Mrs. Forester. Ich sollte hier warten, hat Brittany gesagt", sprach die junge Hexe mit einem melodischen spanischen Akzent.

"Hat sie Ihnen auch erzählt, daß Ihr Geschenk uns gestern und heute morgen früh aus dem Schlaf geholt hat?" Fragte Mrs. Forester.

"Ja, hat sie", erwiderte die junge Hexe breit grinsend. "Estupendo. Sie wissen, wo Sie sitzen dürfen?"

"Ganz oben", erwiderte Mrs. Forester und hielt der jungen Hexe vier golden glitzernde Pergamentschnipsel hin.

"Das ist richtig, Mrs. Forester. Melanie Redlief und ihre Prima Gloria sind schon oben. Sie apparierten vor zehn Minuten seit an Seit.

"Dann möchten wir sie nicht länger warten lassen", sagte Mrs. Forester und winkte ihrem Mann und ihren Gästen, ihr zu folgen.

Sie erstiegen über mehrere frei schwebende Treppen die hohe Tribüne, passierten dabei einen großen Fanblock unter blauen Fahnen und erklommen die oberste Plattform, wo die überdachte Ehrenloge angebracht war. Von dort aus winkten ihnen bereits mehrere Hände zu. Julius sah zunächst Melanie und Gloria. Melanie trug einen Fan-Umhang der Rossfield Ravens, während Gloria sich wohl für die heutige Heimmannschaft entschieden hatte. Dann sah Julius noch eine Hexe im blauen Fan-Umhang, die Venus Partridge ähnelte und von einem zehnjährigen Mädchen und einem wohl gerade sieben Jahre alten Jungen flankiert wurde. Er erkannte Notus' Eltern und auch die von Kore Blackberry. Dann waren da noch die Hexen und Zauberer, die hier offenbar den Dorfrat bildeten. Daneben saßen noch Angehörige der gegnerischen Mannschaft mit einigen Gästen. Julius fiel eine vierköpfige Familie im feuerroten Umhang mit einem Goldenen Stock, an dem eine Schlinge befestigt war auf. Der Vater besaß ziegelrotes Lockenhaar. Die Mutter sah sehr schön aus und besaß hellblondes Haar, das auf Nackenhöhe mit einer sonnengelben Schleife zusammengehalten wurde. Dann war da noch ein etwa achtjähriger Junge, der seines Vaters rote Lockenpracht und Mutters hellblaue Augen geerbt hatte, und ein Kleinkind, wohl auch ein Junge, dem dunkelblauen Umhang nach. Doch was war mit dessen Haren los? Als Julius ihn zum ersten Mal angesehen hatte, hatte der hellblonde Locken ähnlich wie Gloria. Doch jetzt hatte er dunkelblaue Zottelhaare. Julius sah noch einmal hin. Da wurden die Haare gerade rotblond und wuchsen zu einer wilden Mähne, bis sie ähnlich den Haaren von Millie aussahen.

"Öhm, ich will ja nicht blöd gucken", meinte Julius zu Mrs. Forester, die sah, wo er hinguckte. Der Vater des Jungen mit der Chamäleonfrisur sah Julius freundlich lächelnd an und stand kurz auf.

"Schönen guten Morgen, junger Mann. Du wunderst dich, wie mein kleiner Prinz das mit seinen Haaren macht, richtig?"

"Ja, schon richtig, Sir. Ich wollte nicht dumm kucken", sagte Julius entschuldigend.

"Da wärest du nicht der erste. Otto hat seine besondere Begabung noch nicht im Griff. Manchmal sieht er vom Gesicht her wie ein kleiner Hund aus. Manchmal könnte ich meinen, er sei ein Mädchen. das, was er ist nennt man einen Metamorphmagus."

"Das sind Hexen und Zauberer, die ohne es gelernt zu haben und ohne Zauberstab ihre Erscheinungsform verändern können", wisperte Gloria Julius zu. "Im englischen Aurorenkorps läuft auch eine Hexe mit dieser Gabe rum."

"Öhm, ich war unhöflich, Sir", sagte Julius noch einmal. "Mein Name ist Julius Andrews.""

"Freut mich, Mr. Julius Andrews. Mein Name ist Curtis Newton. Das hier ist meine Frau Joan", erwiderte der rothaarige zauberer und deutete auf die blonde Hexe an seiner Seite. "Der größere ist mein Stammhalter Simon", wobei er auf den älteren Jungen deutete. "Ja, und der kleine Wandlungskünstler hier ist Otto. Er kam vor zehn Monaten an und hatte da quietschgrüne Haare", beschloß Mr. Newton die Vorstellung. Julius stellte noch Mildrid Latierre vor, deren Haar der kleine Otto gerade perfekt immitierte. Sie meinte deshalb zu ihm: "Hast du jetzt von deiner Maman und deinem Papa alles hingekriegt? Ja, ne?" Der kleine Junge strahlte sie lachend an und bekam dabei kugelrunde rote Bäckchen wie ein Apfel.

"Du bist der Julius Andrews, der vor zwei Jahren das Schachturnier in Millemerveilles gewonnen hat und die geniale Zauberlaterne gebaut hat", sprach Simon zu Julius. "Du hattest im letzten Sommer Probleme mit einem Monster, das deinen Vater mit schwarzer Magie kontrolliert hat und bist ein Ruster-Simonowsky, richtig?"

"Schuldig im Sinne der Anklage", grummelte Julius, weil Simon ihm nicht wie ein achtjähriger Knirps vorkam und ihn an seine schlimmsten Erlebnisse erinnern mußte, ohne verschüchtert dreinzuschauen.

"Simon, mußte das sein?" Fragte Mr. Newton seinen Erstgeborenen etwas ungehalten. Dann sagte er zu Julius:

"Seit dem mein Sohn lesen kann lernt er sämtliche Artikel aus unseren Zeitungen auswendig und liest auch Fachpublikationen, die mein Bruder und mein Schwager ihm einmal zu lesen gaben. Leider fehlt es ihm manchmal an emotionalem Überblick, wann er sein Wissen preisgeben kann und wann nicht."

"Ich erkenne da keinen Fehler, Dad. Ich wollte ihm nur zeigen, daß ich schon von ihm gelesen habe", erwiderte Simon. Julius fühlte sich auf eine nicht ganz so angenehme Weise mit seiner eigenen Art konfrontiert. Daß er schon ziemlich jung Sachen verstehen und lernen konnte, die für andere Kinder unverständlich und daher uninteressant waren hatte ihm früher so manche Feindseligkeit eingebracht. Deshalb testete er das Wissen des Jungen genau:

"Du sagtest was von einem Monster, Simon. Dann weißt du auch, was für ein Monster das war."

"Ein humanoides, weibliches Zauberwesen, das ziemlich schön aussah und sehr starke Zauberkräfte hatte. Sie gehörte zu den sogenannten Töchtern des Abgrundes, wurde auch als Succubus bezeichnet, weil diese Art Zauberwesen durch Beischlaf mit gewöhnlichen Männern seine Kraft bezieht. Irgendwelche ominösen Hexen, vielleicht Angehörige einer geheimen Schwesternschaft, haben sie aufgespürt, bevor sie dich selbst mit ihrer Magie unterwerfen konnte", ratterte Simon die Einzelheiten herunter, ohne zu überlegen, ob Julius sich dabei gut oder schlecht fühlen mochte. Doch dieser nickte und meinte dann:

"Ich habe es damals Ms. Knowles vom Westwind erzählt, weil da, wo ich wohne in der Zaubererzeitung stand, ich hätte meinen Vater umgebracht, und sei es in Notwehr."

"Laut Phoebus Delamontagne und Professeur Tourrecandide ist ab einem bestimmten Punkt der Tod die einzige Loslösungsmöglichkeit für ein einer solchen Abgrundstochter unterworfenes Individuum", rezitierte Simon wieder ohne jede Regung in der Stimme. Julius dachte an den Androiden Data. Der hatte es auch drauf, Sachen widerzugeben, ohne sich um die daran hängenden Gefühle zu scheren.

"Wann gehst du nach Thorntails?" Fragte Julius den Jungen noch:

"Gemäß dem bei mir bereits wahrnehmbaren Zauberkraftpotential und meiner Vorbildung könnte ich bereits im nächsten Jahr dort hingehen. Aber gemäß der Ausbildungsgesetze werde ich dort erst in drei Jahren aufgenommen werden", antwortete Simon. Millie sah den rotgelockten Jungen merkwürdig an, grinste dann Julius an und schenkte dem kleinen Otto, der im Moment noch ihre Haartracht angenommen hatte ein sehr warmes Lächeln.

"Schon 'ne abgedrehte Kiste", mentiloquierte Melanie Julius, als er sich zwischen Millie und Gloria hinsetzte. "Curtis Newton ist in irgendeiner Geheimabteilung des Ministeriums. Vielleicht hat der da mit irgendwelchen Zauberkraftverdrehern zu tun und davon was abbekommen, daß sein großer Sohn kaum aus dem Mutterleib raus seine eigene Geburtsanzeige in der Zeitung lesen konnte und der Kleine andauernd anders aussieht."

"Bei den Muggeln heißen Leute wie die und ich Mutanten", schickte Julius an Mel zurück. "Da heißt es, daß Erbgut verändernde Stoffe oder Strahlen sowas hinbiegen können. Deshalb ist mir das ja auch peinlich, den Kleinen so angegafft zu haben. Bin ja selbst 'n Mutant mit dem großen Zauberkraftanteil."

"Nur für die Muggel. Aber weil deine Eltern ja eingeschlafene Zauberkraft in dir zusammengebracht und damit neu geweckt haben ist das keine Erbgutverdrehung."

"Melost du mit wem?" Flüsterte Millie. Julius nickte behutsam. und wisperte nur "Mel" zurück.

"Ich muß das noch lernen, wie das ordentlich geht", knurrte sie dann. "Ich glaube, ich quängel wen aus meiner Familie dazu, mir das noch beizubringen."

"Ist nicht immer toll", sagte Julius und führte ihre Hand an seine vom Gedankensprechen gut erwärmte Stirn. Millie nickte ihm verhalten zu.

Hinter Julius stand Kestrel Jones im goldenen Umhang mit einem blauen Hut auf dem Kopf, der die auf einer langen Wolke thronende Frauengestalt trug. Offenbar hatte er die ganze Zeit den Anheizer gemacht und würde wohl auch das Spiel kommentieren. "Meine Damen und Herren, liebe Mädels und Jungs, jetzt laßt uns die Hymne der nordamerikanischen Zauberergemeinschaft singen.!" Dröhnte seine vom Sonorus-Zauber weit hallende Stimme. Julius, Millie und Gloria lauschten andächtig dem Lied. Dann stellte Kestrel die Mannschaft der Slingshots vor, die in jenen feuerroten Umhängen mit dem goldenen Stock mit der Schlinge daran spielten. Darunter war eine junge schwarzhaarige Hexe mit rehbraunen Augen, die stolz in die Reihen der Zuschauer hineinwinkte, als Kestrel "MmmmmmmcDuffy!" Rief.

"Mit der steht und fällt die ganze Mannschaft", kommentierte Melanie. "Patricia McDuffy ist Vorblockerin, kann aber auch weite Pässe zu den Eintopfern spielen. Gegen die solltest du mal deine Doppelachsentechnik testen." Julius nickte, als er sah, wie Patricia McDuffy eine Dreifachrolle machte und dann in der Feldmitte landete.

"Nnnnnnnnnnewton!" Rief Kestrel den vorletzten Spieler aus der Kabine der Gastmannschaft. Julius sah einen schlachsigen Zauberer mit jener ziegelroten Lockenpracht, die Curtis Newton besaß.

"Maxwell Newton ist deren bester Eintopfer", erläuterte Mel den Gästen aus Europa, wer da gerade aufgerufen worden war. "Aber wenn Britt recht hat und sie Notus als Vorblocker bringen kann der gleich gegen 'ne Granitwand anfliegen."

"Vielleicht hat der gut trainiert", warf Gloria ein.

"Mit den Bronco Centennial kommt der gegen Brittany wohl auch nicht durch", sagte Mildrid. Doch Mel verwies sie darauf, daß sie alle mit den gleichen Besen flogen, wie es in den Regeln stand.

"Booooooooowie!" Rief Kestrel den letzten Spieler auf, den zweiten Eintopfer nach Newton, einen drahtigen Zauberer mit silberblondem Haar und spitzem Gesicht. Irgendwie fühlte sich Julius an Draco Malfoy erinnert, was auch von der sehr von sich überzeugten Körperhaltung des Spielers bestärkt wurde. Gloria stupste ihn an und sagte ihm:

"Astracus Bowie ist über zwanzig Ecken mit den arroganten Malfoys verwandt, Julius." Er nickte. also ähnelte er Draco Malfoy nicht rein zufällig. Er fragte Gloria, ob die Bowies denn ordentlich reinblütig seien, weil die Malfoys da schließlich Wert drauf legten.

"Bowie soll von einem gewissen Shadelake abstammen, der damals in Australien Redrock mitbegründet hat", wartete Gloria mit der passenden Antwort auf. Julius nickte erneut. Dann rief Kestrel wesentlich begeisterter die Namen der Heimmannschaft auf, beginnend bei dem Rückhalter "Dara Flllllllllanigan!" Noch ein Rotschopf, diesmal mit glattem Haar und im blauen Windrider-Umhang, flog aus der Luke auf der anderen Seite des Spielfeldes und sauste zweimal über die Zuschauerränge hinweg. "Heute wird Flanigans Dara zum ersten Mal den Pot bewachen. Wollen sehen, was er für die nächste Saison verspricht. Und hier kommen seine direkten Helferinnen, Dawn, Hope und Eve Frrrrrrriday."

Julius sah drei athletische, sehr groß gewachsene Hexen mit ebenholzfarbener Haut und blonder Haarkrause, die wie eine Mischung sagenhafter Amazonen und afrikanischer Stammeskrieger wirkten. Ostern herum waren sie noch nicht als Stammspielerinnen aufgelaufen.

"Das müssen wir in Beauxbatons erst mal bringen, Drillinge in derselben Mannschaft", bemerkte Millie begeistert über diese vollkommene Verschmelzung zwischen Kraft und Weiblichkeit. "Dagegen ist Sharon ja richtig blaß", legte sie noch nach. Julius suchte daraufhin die Cottons, die es nicht in die Ehrenloge gebracht hatten. Mit seinem Superomniglas fand er sie und ihre Familie etwa zehn Reihen weiter unten in der Menge der Zuschauer. Er mußte Millie rechtgeben. Gegen die Friday-Schwestern wirkte Sharon wesentlich heller getönt.

"Dann stimmt das doch, daß die Friday-Schwestern endlich in die Stammauswahl reingerutscht sind. Britt wollte mir das nicht sagen, als es im Quodpot-Boten erwähnt wurde."

"Weitere Spieler wurden aufgerufen, darunter auch "Notus Coooooooorrrrrrner!", der Vorblocker vor den Fridays spielte. Dann kamen die Vorgeber.

"Frisch von Thorntails eingehandelt, hat noch nicht mal raus, welche UTZs sie gekriegt hat und will heute schon mal zeigen, daß sie es drauf hat. Ms. Brrrrrrrrrittany Foresterrrr!" Rief Kestrel. Alle jubelten. Mrs. Forester wandte sich um und sah Kestrel tadelnd an. Doch dieser wartete, bis Brittany unter Jubel ihre zwei Begrüßungsrunden über dem Stadion geflogen war und rief ihre Mannschaftskollegen auf. Dann kamen noch "Venus Paaaaaaaaartridge" und "Milooooooooo Brrrrrroadjaw, der im Vergleich zu Venus ein Kleiderschrank mit Armen und Beinen war. Als dann alle Spieler auf dem Feld waren holte Millie ihr Superomniglas hervor, daß ihre Eltern ihr zum Geburtstag besorgt hatten. Sie fragte Julius noch mal, ob damit wirklich auch Quodpotspiele kommentiert werden konnten. Er nickte. Dann ging das Spiel auch schon los, und in den ersten Sekunden wollten die Slingshots die Brechstange rausholen, dachte Julius. Maxwell Newton versuchte, sich zwischen Notus und seinem Kameraden auf der Vorblockerposition durchzuschlängeln. Doch Notus verlegte ihm so schnell den Weg, daß Newton nur der Rückpass zu seinen Vorgeberkollegen blieb, die dann einen Weitwurf ansetzten, der Jedoch von Brittany abgefangen und zu Venus umgeleitet wurde. Diese startete durch und verwickelte Patricia McDuffy in einen wilden Besentanz, bis ihr nur das Abspiel auf Broadjaw blieb. Doch McDuffy war wendig. Sie ließ von Venus ab und ging Milo Broadjaw an, der auf Brittany zurückwarf, die dann gerade noch soeben den Quod auf Venus zurückspielte, die gerade freie Bahn hatte und durch die Reihen der Blocker hindurch zum Pot vorstieß, wo sie den Ball nach nur fünfzehn gespielten Sekunden versenkte.

"Hoffentlich spielt Britt nicht nur auf Venus ab. Sonst wird sie sofort abgedeckt", wandte Julius ein, als eine einnminütige Spielunterbrechung lief, in der ein neuer Pot und ein neuer Quod vorbereitet wurden. Wie schon oft bei solchen Veranstaltungen gesehen huschten bunte Werbeanzeigen über die schwarze Anzeigetafel, darunter auch die Bilderfolge mit dem leuchtenden Besen, der "Bronco Parsec" über die Tafel schrieb.

"Na, wie lange wird's dauern?" Fragte Mel.

"Bis es fertig ist", erwiderte Millie. Julius nickte. Dann ging es auch schon weiter.

Im zweiten Durchgang dauerte es eine Minute mit vielen Rempeleien und Ballstaffetten längs und quer, bis Brittany von Kore Blackberry den Quod zugespielt bekam, ihn auf Broadjaw umleitete, der dann durchstartete. Doch er kam nicht an Patricia McDuffy vorbei. Diese entwand ihm den Quod, warf aber nicht zu einem ihrer eigenen Kameraden ab, sondern auf Venus. Diese zuckte erst vor, ließ den Ball aber durchlaufen. Notus Corner warf sich in die Flugbahn, packte zu ... Peng! In einem weißblauen Blitz explodierte der Quod und schleuderte Notus fast vom Besen. Eine traurig klingende Fanfare unterstrich das Mißgeschick der Heimmannschaft. Notus war rausgeknallt worden. Das brachte den Slingshots zehn Punkte ein. Nun mußten die Windriders mit einem Vorblocker weniger spielen.

"Mann, das konnte doch echt jeder sehen, daß die MCDuffy einen rausknallen wollte", schrillte die Stimme von Venus' kleiner Schwester.

"Ey, sprich nicht so blöd über meine Cousine! die ist voll super!" Antwortete ein dreizehnjähriger Junge, der bei Patricia McDuffys Eltern saß. Weiter unten sprangen mehrere Hexen in Rot und Orange auf und warfen sich gegenseitig hoch. Das waren die Shooters, die Cheerleader der Slingshots. Der Cousin der raffinierten Vorblockerin McDuffy trällerte:

"Slingshots schießt sie alle raus! Dann fliegt ihr den Sieg nach Haus."

"Bist du'n Mädchen oder was. Willst wohl zu den Shooter-Schnäpfen, wie?" Maulte Venus' Schwester.

"Kein Zank Callisto!" Zischte Mrs. Partridge ihrer Tochter zu. Ihr Sohn jedoch brüllte:

"Windriders zum Sturm! Windriders zum Sturm!"

"Ehrenloge hat schon was familiäres", feixte Melanie. Millie meinte dazu:

"Sagt meine Mutter auch immer, wenn sie da reingelassen wird."

"Ruhe bewahren, liebe Freunde unserer blauen Helden!" Rief Kestrel über die tosenden Wogen aus Unmutsrufen von der einen und Spottgesängen von der anderen Seite her. "Das Spiel ist noch lang nicht vorbei!"

Nach zwei Minuten war ein frischer Quod eingeworfen, und die Partie ging weiter. Zwar versuchten es die Slingshots nun auf der Seite, die vorher von Notus besetzt worden war, wurden aber von den Friday-Schwestern am Durchflug gehindert. Sie warfen immer sehr weit ab, das der Quod immer wieder bei den Vorgebern landete, die sofort auf ihre Eintopferkameraden abspielten. McDuffy war jedoch eine rasante Abwehrspielerin, die sich innerhalb von Sekundenbruchteilen auf den Gegenspieler umstellte, der den Quod bekam. Dann schaffte sie es, den Pass zu ihrem Eintopferkollegen Newton zu verlängern, der zwischen den Füßen einer der Friday-Schwestern durchzischte, den Rückhalter verlud und den Ball im Pot versenkte. Jetzt hatten die Gäste zehn Punkte Vorsprung.

"Weil Notus nicht mehr im Spiel ist. Die blöden Drillinge sind eben nur auf Würfe getrimmt", quängelte jemand aus den Reihen der Angehörigen. Millie und Julius saßen nur mit einander berührenden Armen da und warteten auf den nächsten Durchgang.

"An Britt hängt's nicht", meinte Millie während der Unterbrechung. "Die würde am liebsten Vorblockerin oder sowas spielen."

"Auf der Position ist die gut besetzt, Millie. Nur diese McDuffy ist zu wendig. Wenn die den Doppelachser bringen würde wäre die ihren Gegnern haushoch überlegen."

"Glaubst du, die Windriders drehen die Kiste wieder um?" Fragte Mildrid.

"Bei dem Spiel sind zehn Punkte Vorsprung so gut wie nix. Hast du ja eben gesehen, wie schnell die aufgeholt werden können."

"Wenn Onkel Max im nächsten Durchgang die Tincup-Parabel bringt kann er die Friday-Schwestern und den Rückhalter leicht auskontern", bemerkte Simon Newton. "So haben es die Ravens 1974 im Spiel gegen die Bayoo Bugbears geschafft, einhundert Punkte zu holen, bevor Eintopfer Beewing sich selbst mit dem Besen in das Spielfeld gerammt hat."

"Den letzten Teilsatz hättest du echt weglassen können", knurrte Mel Simon an. "Dann weißt du auch, daß er sich dabei das Genick gebrochen hat und jede Hilfe zu spät kam."

"Ja, ein ziemlich bedauernswerter Unfall", meinte Simon unbeeindruckt dazu.

"Dann sollte Onkel Max das doch besser lassen", sagte Joan Newton mit einer Stimme wie eine kleine Bronzeglocke.

"Das ist auch das Selbstmordmanöver schlechthin", klärte Mrs. Forester die europäischen Gäste auf. Die Tincup-Parabel ist ähnlich wie ein Wronsky-Bluff beim Quidditch, wo ein Sucher sich wie lebensmüde in die Tiefe stürzt, um den gegnerischen Sucher zum übereilten Sturzflug zu verleiten. Nur daß der Flieger am tiefsten Punkt der Sturzbahn umschwenken und in einer ähnlich steilen Kurve wieder aufsteigen muß. Weil sich nur wenige Spieler so ein Manöver trauen kann der, der das riskiert auf die gegnerische Seite und hinter dem Rückhalter auftauchen und eintopfen."

"Probier das bloß nicht aus, Monju", knurrte Millie. Julius schüttelte den Kopf. Er hatte ja schon einmal mit dem Besenstiel voran den Boden berührt, war dabei aber doch noch langsam genug gewesen.

"Noch zehn Sekunden!" Rief Kestrel magisch verstärkt. Die Zuschauer zählten die Sekunden bis zum nächsten Durchgang herunter. Dieser dauerte dann jedoch nur fünf Sekunden, weil Brittany den Quod bekam, auf Venus umlegte, die nach oben schoss, dabei über die verblüfften Gegenspieler hinwegstieß und dann fast genauso steil wieder hinunterstürzte, und an McDuffys Position vorbeiflog, die von ihrem eigenen Hinterspieler blockiert wurde. Venus topfte unangefochten ein.

"Quäk! Jetzt haben Britts Leute wieder einen Punkt vorsprung", feixte Julius. Millie meinte dazu nur, daß die das aber nur einmal in diesem Spiel machen könnte.

"Das ist regelwidrig", tönte Simon Newton. "Die war mit der Besenspitze bereits über der zulässigen Maximalhöhe."

"Besenspitze reicht nicht, Mr. Überschlau. Der Quod und ein Körperteil des ihn führenden Spielers müssen die Maximalhöhe überschreiten. Dann erst gilt das als Foul", erwiderte Melanie hämisch grinsend.

"Steht nicht in den Quodpotregeln von Abraham Peasegood", erwiderte Simon.

"Ja, aber das wurde auf der Ligakonferenz 1990 zu Gunsten einer höheren Spielattraktivität so geändert, wie die junge Dame gesagt hat", wußte Mr. Newton. Julius sah den kleinen Otto, dessen Haar gerade die blaue Windrider-Farbe angenommen hatte.

"Otto, das ist die verkehrte Farbe", maßregelte Simon seinen Bruder. Doch Otto Newton behielt erst einmal die blaue Farbe.

"Oh, die sind ja richtig wütend", feixte Millie, als sich nach der Unterbrechung alle Feldspieler der Slingshots Richtung Windrider-Pot warfen und dabei mit und ohne Ball rempelten und schubsten. So verkeilten sich die Spieler in der Mitte, schwangen im ganzen vor und zurück, bis Brittany sich freispielen konnte und einen Weitwurf hinlegte. Der gegnerische Rückhalter überschlug schnell Flugbahn und Zielpunkt und pflanzte sich schnell über seinen Pot. Doch als er den Ball mit einem wuchtigen Faustschlag ins Feld zurückprellen wollte, zerbarst dieser in einem weißblauen Blitz. Da dies genau in dem Augenblick passiert war, als der Rückhalter ihn berührte, hatte er ihn geführt und war damit rausgeknallt, was von der Signalfanfare mit einem meckernden Lachen quittiert wurde. Das aus tausenden von Mündern schadenfroh schallende Lachen der Windriders-Fans übertönte den vielhundertstimmigen, kollektiven Klageruf der Slingshot-Bewunderer. Lautes Händeklatschen und begeistertes Gestampfe donnerte der glücklichen Vorgeberin entgegen, die den Rückhalter so unvermittelt aus dem Spiel geworfen hatte. Mißfallendes Pfeifen und Buhen erklang, als die Fans der Gastmannschaft sich von dem Schock erholt hatten.

"Den einen Punkt hätte der Britt doch gönnen können", spottete Julius und grinste breit wie der Kühlergrill eines Autos.

"Oh, das war offenkundig ein Basiliskenei", bemerkte Simon Newton so trocken wie Wüstensand. Seine Mutter sah ihn etwas verstört an, während sein Vater nur nickte. Julius ließ sich gerade die Quodexplosion in vielfacher Zeitverzögerung wiederholen und drückte die Kommentartaste, worauf er eingeblendet bekam: "Basiliskenei: Explodierender Quod bei versuchter Abwehr aus dem Potraum."

"Häh?" Machte Millie. "Was redet der jetzt?"

"Damit ist gemeint, daß beim Abfangen eines zielgenauen Weitwurfes, der sonst nur einen Punkt für die Gegnerische Mannschaft einbringt, der Quod detoniert", klärte Mrs. Forester Millie und Julius mit einem schadenfrohen Grinsen auf. "Auf diese Weise hat Britt nicht nur einen, sondern zehn Punkte erzielt."

"Weißt du auch, warum man sowas ausgerechnet Basiliskenei nennt?" Fragte Julius den Jungen Simon herausfordernd.

"Das bezieht sich darauf, daß das Ei eines Basilisken zunächst harmlos aussieht, diesem aber dann eines der gefährlichsten Monster entschlüpft, eine etwa sieben Meter lange, grüne Schlange mit rotem Federkranz auf dem Kopf, deren direkter Anblick den sofortigen Tod herbeiführt und falls nicht der Anblick tötet, dann die gleichförmigen, giftgefüllten Reißzähne. Basilisken werden daher als Tierwesen der Klasse XXXXX, also der obersten Gefahrenstufe erwähnt. Gegen ihren Blick hilft nur die eigenen Augen abzuschirmen oder einen Mondsteinsilberbedampften Spiegel aus unzerbrechlichem Glas hochzuhalten, um den Basilisken durch den eigenen Anblick unschädlich zu machen. Gegen das Gift der Reißzähne gibt es nur ein wirksames Antidot, nämlich frisch vergossene Phönixtränen. Außerdem ist das Gift eine der zerstörerischsten Substanzen der magischen Welt gemäß Bourage und Golpallot."

"Simon, ist gut jetzt", schnaubte sein Vater sichtlich genervt. Julius sah ihn nur bedauernd an. Wenn der nach Thorntails kam und derartig heftig auftrumpfte sollte der vorher besser Kampfsport lernen, um nicht von den wesentlich ungebildeteren Mitschülern aufgemischt zu werden, dachte er. Denn er wußte ja, wie das gehen konnte, wenn einer mehr wußte als die anderen vertragen konnten.

"Gegen den bist du ja wirklich umgänglich", meinte Millie auf Französisch. "Der überlegt nicht mal, was jetzt wirklich wichtig ist und was nicht." Julius mußte ihr beipflichten. Offenbar hatte Simon Newton zu viel Zeit mit Büchern und Zeitschriften verbracht. Gab es für Thorntails eigentlich Klassen für Superintelligente?

"Ey, kuck mal, da kommt der Sandwich-Zauberer!" Rief Venus' Partridges kleiner Bruder.

"Oh, dann ist das eine der längeren Unterbrechungen", befand Julius und fragte Millie, was sie gerne essen wollte. Doch als er sein Geld hervorholen wollte schüttelte Mrs. Forester energisch den Kopf und förderte einen kleinen, pelzigen Geldbeutel aus ihrer Handtasche. Millie bat um ein Hühner-Sandwich. Julius nahm das gleiche. Mr. Forester schüttelte den Kopf, als er sah, daß nur Geflügel- Fisch- und Rindfleischsandwiches angeboten wurden. Er schien wohl heftig mit seiner Entrüstung zu kämpfen und beschloß dann, nicht zuzusehen, wie die anderen die Zwischenmahlzeiten genossen.

Nach fünf Minuten ging das Spiel weiter. Einer der Blocker der Slingshots spielte nun Rückhalter, wie es die Regeln bestimmten. Durch die Sache mit dem Basiliskenei waren Millie und er nun dazu übergegangen, den Quodpot-Kommentar-Assistenz-Zauber ihrer Omnigläser zu benutzen, so daß sie die Scaldon-Schraube, den Grimmstein-Pass und die Dickson-Diagonale erklärt bekamen. Bei der Schraube handelte es sich um ein spiralförmiges umfliegen des gegnerischen Vorblockers, beim Grimmstein-Pass handelte es sich um einen direkten Wurf vom Blocker zum Eintopfer in gerader Linie und bei der Dickson-Diagonale handelte es sich um einen schnellen Stellungswechsel von Spielern der gleichen Position schräg über die Spielfeld-Schmalseite. Wodurch McDuffy einmal abgeschüttelt werden konnte. Dennoch wurde der Quod nicht eingetopft. Nach fünf wilden Minuten zerplatzte er ungeführt auf halber Strecke zum Pot der Slingshots. Dafür bekamen beide Mannschaften je fünf Glückspunkte, weil keine von beiden dadurch einen Spieler verlor. Danach war noch einmal eine mehrminütige Unterbrechung. Dann folgten drei schnelle Durchgänge. Zwei entschied Britts Mannschaft durch Eintopfen. Der dritte endete mit einem Foul an Venus Partridge. Das führte dazu, daß der foulende Spieler aus dem Spiel genommen wurde, dessen Mannschaft zehn erspielte Punkte verlor und die Windriders sich ihren rausgeknallten Notus Corner zurückholen durften.

"Jetzt werden die aber giftig", meinte Millie, als die Slingshots ohne Rücksicht auf eigene Verluste anstürmten, die Windriders mit Quodwürfen an die Köpfe beharkten und wie zerlegbare Rammböcke durch die Reihen der Heimmannschaft brachen, nur um gegen Corner und die Fridays wie gegen eine sehr zähe und elastische Gummiwand zu knallen. Offenbar ging es ihnen nicht mehr um Punkte durch Pottreffer, sondern um das Rausknallen der Windrider-Abwehrspieler und deren Rückhalter. Doch als nach zwei Minuten heftigen Quodwechsels die blaue Zauberkugel mit einem Blitz ihr Dasein aushauchte, erwischte es Bowie, einen Eintopfer der Slingshots, der gerade versuchen wollte, auf einen der Friday-Drillinge zu werfen. Wieder erscholl schadenfrohes Lachen und tosender Beifall aus den Reihen der Windrider-Unterstützer.

"So spricht der Hase: Wer anderen eine Grube gräbt fällt selbst hinein", spottete Julius. Millie grinste ebenfalls. Auch Melanie, die offenbar bei diesem Spiel zu Britt und ihrer Mannschaft halten wollte, obwohl sie nicht deren Farben und Wappen präsentierte, strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Die Fans von Brittanys Mannschaft feuerten blaue Funkenfontänen aus erhobenen Zauberstäben in den Himmel, während die in knappen blauen Kostümen steckenden Cheerleaders den Schriftzug "Eve" tanzten und dabei immer wieder synchron in die Luft sprangen.

"Also wenn das ein Freundschaftsspiel ist will ich nicht wissen, wie die beiden gegeneinander spielen, wenn's um was geht", bemerkte Millie.

"Offenkundig zielen Onkel Maxwells Mannschaftskameraden auf schnelle Dezimierung der gegnerischen Mannschaft ab", befand Simon Newton kühl, als handele es sich dabei nur um eine akademische Theorie.

"Dann sollten die jetzt ratzfatz die Taktik umstellen", knurrte Curtis Newton. Sein jüngster Sohn bekam gerade blondes Haar und ein Gesicht, das Venus Partridge ähnelte. "Otto, die spielt für die anderen", knurrte Mr. Newton seinen wandlungsfreudigen Sohn an. Offenbar war er über den bisherigen Verlauf der Partie absolut nicht zufrieden.

"Onkel Maxwell hat ein Gespür für brisante Quods, Dad", bemerkte Simon. "Immerhin hat er in der letzten Saison siebzehn Gegner herausgeknallt", sagte Simon ruhig. Das sollte seinen Vater wohl aufmuntern. Doch es klang wie von einem Radio-Nachrichtensprecher vorgelesen.

"Bis er in Foggy seinen Meister fand, Mr. Lexikon", erwiderte Melanie gehässig. "Der hat deinen Onkel nämlich rausgeknallt, als dieser ihn mit dem knapp vorm krachen stehenden Quod anspielen wollte."

"Was erst in einer zeitverzögerten Bildwiederholung eindeutig geklärt werden konnte", setzte Simon einen Drauf. Seine Mutter seufzte trübselig.

"Das war doch, wo es fast Streit gegeben hatte, weil Newton und Foggerty sich gegenseitig als aus dem Spiel geworfen bezeichnet hatten, Mel", wandte Gloria ein. Melanie nickte.

"Sehr geehrte Zuschauerinnen und Zuschauer. Wir haben noch genug Quods", sagte Kestrel Jones erheitert. Wieder erscholl lautes Lachen aus mehr als tausend Kehlen.

"Da bin ich ja mal gespannt, ob das noch einmal spannend wird", sagte Julius. Mrs. Forester war merkwürdig ruhig geworden. Zwar sah man ihr die Freude über den neuen Punktgewinn der Windriders an. Doch sie wirkte irgendwie so, als müsse sie gründlich über etwas nachdenken.

"Ist das irgendwie festgelegt, wielange die Unterbrechungen dauern?" Fragte Julius Kestrel. Dieser hob den Stimmverstärkerzauber auf und sagte:

"Da gibt's so'ne Vereinbarung mit den Werbepartnern, daß bei explodierten Quods die Unterbrechungen nicht so lange dauern, wenn die Heimmannschaft die Rausknallpunkte gewinnt. In dem Fall haben wir jetzt noch eine Minute. Ansonsten gilt, daß die Erste Pause zwischen Durchgängen um die Mittagszeit zum ausgiebigen Essen und Trinken genutzt wird." Dann tippte er sich mit dem Zauberstab wieder an den Kehlkopf und murmelte "Sonorus!"

Im nächsten Durchgang schirmten alle Vorblocker der Windriders Maxwell Newton ab. Der auf der freigewordenen Eintopferposition spielende Vorgeber war nicht fähig, an den Friday-Schwestern vorbeizukommen. Pfeilschnell wechselten die drei gleich aussehenden Hexen ihre Positionen, verwirrten den Nachrücker derart, daß kein Angriff auf den Windrider-Pot zu Stande kam. Dagegen fuhren die Hexen und Zauberer aus Brittanys und Venus' Mannschaft einen Konter, der innerhalb von fünf Sekunden von ihrem eigenen zum gegnerischen Potraum hinüberschwappte, und mit hochspritzenden Tropfen der Erholungslösung der Quod ordentlich eingetopft wurde.

"Plitsch Plitsch Platsch!! Die Slingshots sind bloß Quatsch!" Spotteten die Windrider-Fans.

"Das ist wie gegen einen Sandsack zu boxen", sagte Julius. "Wenn die nicht bald was finden, um regelgerecht zu punkten fallen die immer mehr zurück."

"Im ersten Spiel der sechzehn Besten im Februar 1988 gerieten die Slingshots zweihundertvierunddreißig Punkte in Rückstand, holten diesen jedoch durch schnelle Vorstöße und Herausknallen wieder auf und gewannen mit fünfzig Punkten Vorsprung gegen die Canyon Climbers. Danach hielten sie bis zur Runde der vier Besten durch und gewannen mit nur zwei Blockern, ihrem Rückhalter und einem Eintopfer mit zehn Punkten Vorsprung die Serie der Besten", gab Simon eine weitere Probe als wandelndes Quodpot-Archiv. Seine Mutter blickte ihn leicht entmutigt an und wandte schnell ihr Gesicht ab, weil Mrs. Forester erst den Achtjährigen Jungen und dann sie fragend anblickte.

"Das war aber auch das letzte Mal, wo die Slingshots die gewonnen haben", wußte Melanie und grinste schadenfroh. "Dann haben nämlich die Ravens viermal die Serie gewonnen, wobei die Slingshots zweimal gar nicht erst dabei mitmachen durften."

"Was interessiert dich außer Quodpot noch?" fragte Julius Simon zugewandt. Mrs. Forester sah ihn ernst an, nickte dann aber.

"Eigentlich interessiert mich Quotpot nur wegen Onkel Max, Julius. Eher interessiere ich mich für Zauberkunst und Zauberwesen. Aber ich denke, ich werde in Thorntails auch Pflege magischer Geschöpfe und Studium der magielosen Welt belegen, weil die Magieersatzgeräte der Muggel sehr vielfältig sind", sagte Simon. Julius nickte und fragte, ob Simon auch Schach spiele. "Ist zwar eine gute Übung für's taktische und strategische Denken, würde ich aber nicht meine ganze Zeit für freihalten. Läuft ja eh immer auf das gleiche raus: Alle Figuren zu schlagen, am besten den König. Deshalb ist Schach langweilig."

Millie mußte laut loslachen. Und auch Julius mußte grinsen, obwohl da gerade jemand eines seiner Lieblingsspiele runtergemacht hatte. Mr. Newton sagte:

"Mein älterer Sohn begeistert sich, sofern man Zeit und Geduld hat, ihm das ansehen zu lernen, für alle Sachen, die nicht auf ein vorbestimmtes Ziel hinauslaufen. Zumindest gilt das für Spiele."

"Zauberwesen sind schon interessant, wenn es nicht gerade Abgrundstöchter sind", meinte Julius zu Simon. Dieser nickte und ließ einen Hauch von ehrlichem Lächeln um seine Mundwinkel und Augen spielen. Offenbar war dieser Junge doch kein Androide.

"Es geht weiter!" Rief Kestrel Jones und deutete auf den Schiedsrichter, der gerade den Quod hochwarf.

"Die Quods der Windriders sind unterdurchschnittlich langlebig", bemerkte Simon kühl, als der Durchgang wieder lief. "Bisher ist nur ein Quod im Rahmen der Peasegood-Baddows-Prognose geblieben."

"Ach, gibt's echt Leute, die echte Mathematik auf das Ausrechnen der Lebensdauer eines Quods anwenden?" Fragte Julius sehr interessiert.

"Nur solche, die selbst nicht auf den Besen wollen und die Birne einziehen, wenn der Quod näher als zwei Meter vor ihnen ist, Julius", erwiderte Melanie verächtlich. "Das war der Enkel des Erfinders von Quodpot, der zusammen mitAlwood Baddows, einem Zauberkunsttheoretiker, so'ne Rechnerei veranstaltet hat. Dabei geht's um die Bewegungsänderungen eines gerade gespielten Quods in Abhängigkeit zur Wucht der Bewegungsänderung, Häufigkeit und Pausen zwischen den Bewegungsänderungen, aus denen jemand ausrechnen kann, wie lange ein Quod ungefähr hält, bis er explodiert. Das ist aber jedem, der auf dem Besen sitzt zu umständlich, so zu spielen. Das geht dann über Erfahrungen."

"Aber Sie kennen diese Prognose auch, Ms. Redlief", wandte Simon unbeeindruckt von Melanies Abfälligkeit ein.

"Weil mein Opa in der Sportredaktion vom Herold sitzt und daher auch mit so Eierköpfen zu tun hat, die ein Spiel mit diesen Rechensachen zerschnipseln, Mr. Newton Junior", knurrte Mel. Gloria stupste ihre Cousine an und zog sie sanft zu sich hin, um ihr was ins Ohr zu raunen. Simon beachtete es nicht. Er sah gerade, wie Maxwell Newton es geschafft hatte, an Notus Corner vorbeizufliegen und auf dem Weg zum Potraumeine Serie waghalsiger Manöver flog. Er krachte seitlich gegen zwei ihn bedrängende Friday-Schwestern, warf diese dabei aus der Flugbahn und tanzte zwei Sekunden vor dem Pot. Doch der Rückhalter blieb ruhig über seinem Kessel und blockierte so den freien Zugang.

"Na, ob der sich gleich durchsetzt?" Fragte Julius. Newton gab den Vorstoß auf, als er nach dreimaligem Anprallen fast selbst vom Besen geflogen wäre und stieß nach oben, um aufs Geratewohl einzuwerfen. Doch der Rückhalter der Windriders fing die blaue Kugel sicher auf und warf sie keine Zehntelsekunde später ins Feld zurück, wo sie bei Brittany landete, die auf Venus deutete, die sofort nach vorne ging, um einen Pass anzunehmen. Sofort stürzten sich mehrere Gegenspieler auf sie, darunter auch Patricia McDuffy. Brittany warf jedoch nicht auf Venus ab, sondern auf Milo Broadjaw. Dieser startete wie aus einer Kanone geschossen durch zum Pot. Doch McDuffy drehte sich so schnell, daß ihr Besenschweif sich im Flugwind durchbog, querte Broadjaws Flugbahn und rempelte ihn in die Seite. Dieser geriet einige Grad aus seiner Idealflugbahn, wechselte den Quod in die andere Hand und tauchte unter McDuffy durch. Doch diese folgte ihm gleichschnell, krachte seitlich gegen den kleiderschrankgleichen Spieler, der den Quod nicht festhalten konnte. McDuffy ließ von ihm ab und pflückte mit einer blitzschnellen Handbewegung den Quod aus der Luft. Mit einer weiten Bewegung holte sie aus. Peng! Im gleißenden weißblauen Blitz barst der Quod. Seine Explosionswucht versetzte Patricia McDuffy in eine Doppeldrehung, bevor sie unter hämischem Lachen der gegnerischen Fans und dem ebenso schadenfreudigen Quäken der Stadionsignalfanfare von ihrer Flughöhe herabstieg. Sie war rausgeknallt.

"So, eure Leute haben jetzt ihren Potraum wie eine Scheune so weit offen", feixte Mr. Partridge an die Adresse der Newtons. Curtis Newton nickte wütend.

"Tollest Testspiel", feixte Julius anschließend.

"Falkner wird gleich wie ein Quod in die Luft fliegen", legte Mel Redlief noch nach. "Was wird der Herold da wohl draus machen?"

"Ist mir drachenscheißegal", knurrte Mr. Newton ohne Rücksicht auf die Spracherziehung seiner Kinder. Seine Frau räusperte sich.

"Porters preisgekrönte Leuchthaarlotion", flimmerte ein rosaroter Werbetext über die Anzeigetafel. "Die erhellende Idee für jede Freiluftparty kommt jetzt auch zu uns in die Staaten", las Julius weiter. Gloria grinste, als sie Patricia McDuffys Bild unter der Schrift sah, wie die soeben rausgeknallte Spielerin mit einem Hauch mondlichtsilbernem Leuchten in ihrem nachtschwarzen Haar auf die Zuschauer herablächelte. Das löste auch unter den anderen Freunden der Windriders großes Gelächter aus.

"Das ist doch jetzt kein Zufall, oder?" Fragte Julius verschmitzt grinsend. Doch Kestrel erwiderte nichts darauf.

"Die habt ihr als Werbeträgerin eingekauft?" Fragte Julius Melanie.

"Tante Di hat gemeint, daß für dieses Produkt mindestens drei verschiedenhaarige Hexen Werbung machen könnten. Tja, und McDuffy hat nun mal so schön schwarze Haare."

Vier weitere Durchgänge später, in denen sich der Verlust McDuffys wahrhaft schmerzhaft für die Slingshots auswirkte, kam die große Mittagspause. Julius verließ zusammen mit den Mädchen den Zuschauerrang. Die Newtons zogen in die andere Richtung davon.

"Kuck mal bitte, ob die hier rein vegetarische Sachen haben!" Wandte sich Mr. Forester an seine Frau und Melanie.

"Also, wenn die Slingshots in der kommenden Saison so spielen halten die am Ende die rote Eulenschwanzfeder", hörte Julius einen frustrierten Jungen im Slingshot-Fanumhang, der mit seinen Freunden die Imbißtheke ansteuerte, die nicht so aussah, als habe hier jemand an reine Pflanzenkostliebhaber gedacht. Fleischbällchen, Hot Dogs von Mini- bis Monstergroß, kleine und große Steaks und Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Speck, Pizza und Spaghetti, Blätterteigtaschen mit verschiedenen Füllungen, ja sogar verschiedene Sorten Curry wurden angeboten. Natürlich gab es auch Folienkartoffeln und verschiedene Salate mit Soßen nach Wahl. Julius kaufte sich für sieben Sickel eine große, essbare Schale mit Hühnercurry mit Reis. Das Leichtholzbesteck konnte er für eine Sickel wieder zurückgeben, wenn er fertig war. Er setzte sich an einen kleinen Tisch und blickte sich um, wo Millie war. Er sah ihren rotblonden Schopf in der Nähe einer rosaroten Toilettenkabine. Er überlegte ob er auf sie warten sollte. Doch das Curry duftete und dampfte so verlockend, daß er schon zu essen anfangen mußte.

"Wie heißt das?" Fragte ein kleiner Junge seinen Vater, als sie an Julius' Tisch vorbeikamen und deutete auf die Curryschale.

"Is' so'n scharfes, indisches Zeug, ernie", sagte der Zauberer lächelnd.

"Wie schmeckt sowas?" Fragte der Junge, der wohl gerade vier Jahre alt sein mochte.

"Mit viel Pfeffer und Paprika", sagte dessen Vater und zog ihn rasch weiter in Richtung eines badewannengroßen Kessels, in dem wohl ein Gemüse-Fleisch-Eintopf vor sich hindampfte. Julius grinste und aß weiter. Doch als nach zehn Minuten schon fast nichts mehr in der Schale war wunderte er sich etwas. Warum mußten Mädchen immer solange auf's Klo? Abgesehen davon war Millie nicht mit Gloria und Melanie zusammen dorthin gegangen. Die beiden hingen schwatzend mit Sharon und anderen älteren Thorntails-Mädchen zusammen. Mr. Newton saß mit seinen Söhnen an einem Tisch etwa fünfzig Meter weiter weg. Der chamäleonhaarige Otto saß in einem blitzeblauen Sportwagen, dessen Farbton er gerade in seinen gerade einmal lockigen Schopf einbrachte.

"Gut, daß ich nicht so'n Formwandelmutant geworden bin", dachte Julius und fragte sich, ob Otto nicht bald auch mit heftigeren Selbstverwandlungen anfangen mochte, als Millies Gedankenstimme in seinem Kopf ertönte.

"Monju, kennst du so'n Trank von einem Bicranius?"

"Hups, du nicht?" Fragte Julius zurück. "'tschuldigung, die Fixus hat ja nur Bernadette und mir diese Zusatzaufgabe aufgedrückt", schickte er noch nach. Dann erinnerte er sie daran, daß sie ja schon darüber gesprochen hatten und beschrieb im Telegrammstil Zweck und Wirkung des Tranks.

"Dann gibt's einen Sinn", melote Millie nach einer halben Minute. "Ich komm gleich raus, wenn Britts Mutter und die von diesem Gehirnriesen hier raus sind. Die waren so gut am quatschen. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen."

"Millie, belauscht man erwachsene Leute?" Mentiloquierte Julius eher amüsiert als tadelnd zurück.

"Man nicht, aber ich schon, wenn's echt interessant wird und nicht um mich geht", schickte Millie zurück. "Schön, daß die Kabinen nach unten richtig zu sind."

"Was war denn, Mamille?"

"Wenn man nicht lauschen darf, darf man auch nicht wissen, was wer geredet hat", schickte Millie ihm eine passende Retourkutsche. Dann sah Julius, wie Mrs. Forester und Mrs. Newton aus dem Toilettenhäuschen kamen und sich einen freien Tisch suchten. Eine Minute später tauchte auch Millie auf, überblickte die Tische und steuerte dann Julius an, der gerade die letzten Reiskörner aus der Schale geporkelt hatte.

"Hmm, roch gut, was du da hattest, Monju", meinte Millie.

"Stimmt, könnte ich noch 'ne Ladung von einwerfen", erwiderte Julius und lud seine Freundin ein, sich was von der heißen Theke zu besorgen, während er noch eine Ladung Hühnercurry orderte. Mr. Newton bekam gerade einen der Monster-Hot-Dogs überreicht, der mindestens ein Pfund schwer war und das Würstchen an jeder Seite des großen Brötchens zehn Zentimeter herausragte.

"Sechs Sickel für eine Wurst in einem Brötchen?" Empörte sich Curtis Newton. "Da kriege ich aber im Slingshot-Stadion zwei von der Sorte."

"Ligapreis, Sir", sagte der Verkäufer. "Ich will mich ja nicht in den Ruin treiben."

"Ja, aber mich", knurrte Mr. Newton, bevor er Millie und Julius sah, die gerade große Curryschalen und zwei Flaschen Butterbier übernahmen und Julius eine Galleone über die Theke schliddern ließ. "Stimmt so", sagte Julius großzügig. Mr. Newton blickte ihn verdutzt an. Millie lächelte. Simon fragte

"Wie teuer ist so'n Curry?"

"Sieben Sickel", erwiderte der Verkäufer.

"Das ist ja im Verhältnis billiger als dieses Wurstbrötchen hier", versetzte Curtis Newton.

"Die Masse macht's, Sir. Würstchen können wir nicht in so rauhen Mengen machen wie Curry", erwiderte der Verkäufer und schenkte den beiden Jungen eine essbare Schale mit besenstielförmigen Pommes mit Ketchup und Majonese. Julius nickte Millie zu, die das Tablett nahm und zu ihrem Tisch trug.

"Sag du mir noch einmal, daß meine Familie abgedreht sei, Monju", sagte Mildrid auf Französisch. Julius verstand, daß sie ihm jetzt zum Curry das Toilettengeheimnis von Mrs. Forester und Mrs. Newton servieren wollte. So erwiderte er in ihrer Muttersprache:

"Was ist denn mit denen und dem Mannigfaltigen Merkfähigkeitstrank, Mamille? Hat Mrs. Newton behauptet, sie hätte ihren Erstgeborenen damit so klug gemacht?""

"Huch, wie kommst du darauf? Welche Wirkungen hat der denn noch, außer einem ein Super-Erinnerungsvermögen zu geben, solange er wirkt?"

"Nebenwirkungen: Der Trank betäubt alle Gefühle, solange er wirkt und führt damit dazu, daß jemand die Gefühle seiner Umwelt nicht einschätzt, beziehungsweise macht sich überhaupt keine Gedanken darum, wie sich wer fühlt. Denn so ähnlich ist Simon Newton ja drauf, viel wissen, klug reden, aber dabei total kühl bleiben, egal wie das ankommt, was er erzählt."

"Öhm, hast du bei der Sonderaufgabe für Fixie auch gelernt, ob schwangere Frauen den trinken dürfen oder besser lassen sollten?" Fragte Millie.

"Da stand nur, daß Frauen in der Schwangerschaft nur kleine Dosen trinken dürfen, weil nicht erwisen sei, ob die Leibesfrucht davon betroffen wird oder nicht."

"Hui, dann ist der arme Junge der Beweis dafür, daß das Zeug was mit ungeborenen Kindern macht", raunte Millie so leise, daß Julius sich über den kleinen Tisch beugen mußte und dabei fast mit seinem geliehenen Umhang im Curry landete.

"Britts Maman hat die blonde Mutantenmutter mit in das Klohaus gebracht. Ich war gerade mit meinen Sachen fertig und wollte mir noch mal die Wimpern aufpolieren, als die reinkamen", begann Millie. "Ich blieb in der Kabine, weil sie deinen und Simons Namen sagten." Sie sprach den Namen von Simon Newton in der französischen Form aus, um nicht doch irgendwelche Ohren zum klingeln zu bringen. "Jedenfalls hatten sie sich darüber, daß du für gerade vierzehn Jahren ja wohl auch gehirnmäßig weit voraus wärest. Britts Maman meinte dann noch, daß läge bei dir doch eher an den Erbanlagen. Zwar wären Simons Eltern nicht dumm, hätten aber in Thorntails heftiger für die Prüfungen ranklotzen müssen, weil es schwer bei ihnen ins Gedächtnis reinging. Ich weiß, das ist fies, sowas mitzuhören und dann weiterzutratschen, Monju. Aber ich mach das, weil jetzt nämlich der Knüller kommt. Britts Maman sagte ihr nämlich, daß sie als Lehrerin von Thorntails sehr besorgt sei, daß Simon wohl egal wo er hinkäme ziemlich heftig anecken würde und seinem Alter zu weit voraussei und sie klären müsse, ob das ein Erbspringer war wie bei dem Chamäeleon-Jungen. Die hat die blonde Madame so lange beharkt, bis die fast am Heulen dran war und gestanden hat, daß sie, als sie schon mit Simon unterm Umhang rumlief, mehrere Tage allein in ihrem Haus war und meinte, sie könne da noch ein paar Bücher über zeitgenössische Zauberkunst und drei Kochbücher auswendig lernen, um sich als Haushexe nicht allzu blöd anzustellen. Dafür hat die, als Simon gerade fünf Monate im Backofen war, jeden Tag eine große Ladung von Bicranius' Trank geschluckt, um diese Bücher im Vorbeirennen auswendig lernen zu können. Das hat ja auch geklappt. Als der Kleine aber dann zur Vordertür rausgepurzelt war und nach einem Monat schon die ersten Wörter brabbeln konnte, waren seine Eltern schon etwas beunruhigt. Der Bursche sei dann schon mit sieben Monaten trocken gewesen und habe mit neun Monaten schon richtige Sätze gesprochen. Mit eins fing er dann auch zu lesen an. Die Heiler stellten fest, daß sein Gehirn bereits doppelt so viel könnte wie bei anderen Kleinkindern und haben sich das von dem Trank erzählen lassen. Ich weiß nicht, von wann das Buch ist, aus dem du für Fixie lernen mußtest. Aber wenn das älter als acht Jahre ist steht das da natürlich nicht drin."

"Moment, Mamille. Die hat den Trank mehrere Tage hintereinander geschluckt, um eine halbe Bibliothek auswendig zu lernen?" Fragte Julius gerade noch leise genug, um nicht unbeherrscht zu klingend.

"Ja, und als sie dann feststellten, daß der Junge selten lacht und weint war's amtlich, daß das wohl von dem Trank kam. Offenbar muß Maman Newton ihre Lernerei gerade in einem Zeitraum gemacht haben, wo bei dem Jungen wichtige Sachen im Gehirn angeschoben wurden. Würde mich nicht wundern, wenn der Bursche sich noch dran erinnert, wie er selbst geboren wurde", sagte Millie.

"So, und Mrs. Forester hat das aus Joan Newton rausgekitzelt, weil sie ihr damit kam, daß der Junge in Thorntails Probleme kriegen könnte, weil der alles besser weiß als die anderen Ströpps, mit denen er eingeschult wird?" Fragte Julius, der unvermittelt das bild eines dicken, muskelbeladenen Galliers in blau-weiß längsgestreiftem Hosenanzug und mit langer Nase und roten Zöpfen vor dem geistigen Auge hatte. Er mußte grinsen und fragte Millie:

"Hab' ich dir nicht mal was von Asterix und Obelix erzählt, Millie?"

"Ja, hast du mal. Das war doch die Sache mit den beiden alten Galliern, von denen der eine sehr schlau und der andere superstark aber dafür ziemlich beschränkt und verfressen war", antwortete Mildrid.

"Obelix war ein Raufbold, Millie. In der Geschichte, wo der mitspielt, kommt ein Druide vor, der einen Trank ähnlich wie den Herakles-Trank gebraut hat. Da ist Obelix als kleiner Junge, wohl als Baby, reingeplumpst und hat so viel davon getrunken, daß das sein Leben lang vorhielt. Sowas ähnliches haben wir jetzt wohl bei Simon Newton."

"Weil der mehrere Tage im Mutterleib von diesem Zeug was abbekommen hat? Oha! Schreib das am besten noch in deine Sonderarbeit für Fixie rein!"

"Das aber bestimmt nicht, Millie", knurrte Julius leicht erzürnt. "Wenn die geahnt hätten, daß ihnen wer zuhört, hätten Mrs. Forester und Mrs. Newton bestimmt anderswo gesprochen. Ich gebe Britts Mutter recht, daß Simon argen Zoff mit den im Vergleich zu ihm dümmeren kriegen kann. Da muß das echt nicht breitgetreten werden, was seine Mutter angestellt hat, daß er so ist. Ähm, aber als der ganz kleine unterwegs war hat sie nicht zufällig Vielsaft-Trank genascht?" Stieß er etwas ungehörig nach.

"Den kenne ich auch, Monju und weiß, daß der bei schwangeren Hexen nicht wirkt, weil er nur eine Person zur Zeit umwandeln kann", erwiderte Millie grinsend. Dann fragte sie, ob ihr Freund fand, daß das bei Simon bis zum offiziellen Thorntails-Anfang vielleicht nachlassen könnte.

"Da müßtest du den Heiler fragen, der die Beziehung erkannt hat, Mamille. Und der wird dir nix erzählen", entgegnete Julius. "Ich Hoffe nur, daß Simon und Otto nicht in einer Fachzeitung für Heiler und Zaubertrankbrauer erwähnt werden. Dann hätten die ähnlichen Rummel wie Harry Potter."

"Oder du?" Fragte Millie schnippisch.

"Das was mich in die Zeitung gebracht hat ist schon heftig genug, Mamille. Aber an Harry Potter komme ich zum Glück ja doch noch nicht ran."

"Solange keiner rausläßt, was du sonst noch so erlebt hast", flüsterte Millie ihm verschwörerisch zu. Er nickte. Dann aßen sie in Ruhe.

Julius nutzte das Angebot an Toiletten auch noch einmal, bevor er mit Millie zur Ehrenloge zurückkletterte, wo Mrs. Forester im Moment alleine saß.

"Oh, wo ist denn ihr Mann?" Fragte Julius.

"Er unterhält sich mit Mrs. Cotton über die Lasten und Freuden eines Muggel-Ehepartners in einer Zauberersiedlung. Hat Britt dir irgendwas mitgeteilt?"

"Ich habe sie nicht getroffen", erwiderte Julius.

"Ich dachte auch eher mentiloquistisch. Ich weiß doch, daß du mit ihr meloen kannst", sagte Mrs. Forester.

"Die ist wohl zu gut erschöpft von dem Spiel", meinte Julius dazu. Mrs. Forester nickte. Mit keinem Wort erwähnte Millie, daß sie wußte, worüber sie mit Mrs. Newton gesprochen hatte.

als alle Plätze wieder besetzt waren und die Mannschaften sich den Quod zuspielten oder abjagten dachte Julius daran, wie er zuerst in seiner Grundschule und manchmal auch in Hogwarts auf Unverständnis gestoßen war, weil er sich vorab auf so viele Sachen vorbereitet hatte. Ja, und dann war da noch die Ruster-Simonowsky-Begabung, die ihn zu einer Art Überzauberer gestempelt hatte. Es war schwergefallen, sich daran zu gewöhnen und das beste daraus zu machen, ohne als Angeber und Streber zu gelten. Mochte es Simon Newton auch gelingen, mit seiner Lage klarzukommen? Er war nicht völlig emotionslos, wie es jemand war, der den Trank von Bicranius geschluckt hatte. Vielleicht war er eine Art Mr. Spock, nur mit dem Untershied, daß er dann als Halbvulkanier unter Erdenmenschen leben mußte. Sollte er Simon auf sein logisches Denken prüfen. Nein! Dazu hatte er nicht das recht. Gerade er, mit dem immer mehr als mit Gleichaltrigen angestellt wurde und wohl noch würde, sollte es respektieren, wie schwer es jemand hatte, dem etwas überragendes sprichwörtlich in die Wiege gelegt worden war. Ein Superkluger Junge mit einem Vater, über dessen Beruf niemand was rausließ, einer Mutter, die Gedächtnistränke nötig hatte, um eine gute Köchin zu werden und ein kleiner Bruder, der alle zwei Minuten seine Haarfarbe änderte, wenn er nicht irgendwann noch mehr von seinem Körper änderte. Was Simon vielleicht zu wenig an Gefühlen hatte war bei dem kleinen Otto wohl doppelt mitgeliefert worden. Denn offenbar veränderte der Junge sich instinktiv immer so, daß er dem entsprach, was ihn beeindruckte oder auch begeisterte. Dabei fiel ihm ein, daß er bei der ersten Begegnung vorhin Millies rotblonde Haartracht angenommen hatte. Ja, Millie hatte schon schönes Haar, leuchtend und fließend. Er lächelte warmherzig. Millie nahm seine Hand und drückte sie sanft. er antwortete auf dieselbe Weise. Dann erscholl erneuter Jubel der Windriders, als Venus den Quod eintopfte.

Fünf Durchgänge weiter knallte es Broadjaw aus der Partie, und Brittany rückte als Eintopferin nach. Alle Fans der Windriders erschraken, als sie im darauf folgenden Durchgang vom verbliebenen Vorblocker einen Ellenbogenstoß gegen die Brust bekam. Der Schiedsrichter pfiff eine Unterbrechung, nahm den Quod und rief die Medimagier aufs Feld. Doch Brittany konnte weiterspielen. Allerdings konnte Broadjaw durch das Foul wieder in die Partie zurückkehren und Britt auf ihre Startposition zurück. Von da an war es das reinste Platschkonzert. Denn ohne den zweiten Vorblocker kamen Venus und Milo ungestört bis zu den Blockern durch, gedeckt von den nachrückenden Vorgebern, die nur aufpassen mußten, nicht in den Potraum zu geraten. Zwar wurde drei Durchgänge später einer von den Windriders rausgeknallt, was aber nichts an der erdrückenden Überlegenheit der Heimmannschaft änderte. Simon blieb die ganze Zeit still. Offenbar hatte sein Vater ihm irgendwie beigebracht, nicht mehr mit seinen überragenden Quodpot-kenntnissen zu wuchern. Zumindest dachte Julius es solange, bis die Slingshots es durch einen wilden Ballwechsel schafften, den Rückhalter der Windriders rauszuknallen. Alle Fans der dem Untergang geweiht scheinenden Mannschaft jubelten, und Simon riß den Mund auf, als wolle er mitjubeln. Doch kein einziger Ton entschlüpfte ihm. Da erkannte Julius, daß seine Eltern ihm den Silencius-Zauber angehext hatten. Das machte ihn etwas wütend. Doch er beherrschte sich gerade noch gut genug, daß nur Millie, die seine körperlichen Signale wie mit einer hochempfindlichen Antenne auffing es merkte und seine Hand fest mit ihrer warmen, weichen Hand umschloß, bis er ihre langen Fingernägel in seiner Haut fühlte.

"Noch zwanzig Quods", sagte Kestrel Jones sachlich, als nach dem X-ten Direkteintopfen der Punktevorsprung der Windriders dramatischer wurde als der Vorsprung von Millies Mannschaft vor der von Julius im direkten Aufeinandertreffen. sieben auf der Slingshots-Seite und drei auf der Windriders-Seite eingetopfte Quods später knallte es wieder Broadjaw heraus, und Brittany ging wieder in die vorderste Angriffsreihe. Tatsächlich schaffte sie zweimal das Eintopfen. Venus schaffte vier direkte Eintopfer. Dann knallte einer der Blocker raus, dann der letzte. Damit waren von der Startaufstellung her der Rückhalter und alle Blocker der Slingshots aus dem Spiel, was hieß, daß der allerletzte Quod nicht mehr benötigt wurde. Das Spiel war entschieden. Die Windriders gewannen turmhoch. Ohrenbetäubender Jubel und Applaus erschütterte die Tribüne. Das enthusiastische Stampfen der Fans ließ die Sitzreihen auf ihrem Gerüst wie unter einem mittelschweren Erdbeben erzittern. Die Fans der Gäste hingegen klatschten nur höflichen Beifall. Wahrscheinlich würden sie nachher lautstark über den Trainer und die Aufstellung herziehen. Doch im Moment waren sie wohl nur froh, daß die Blamage ihrer Mannschaft nicht noch höher ausfallen würde.

"Nun, das war es dann also", seufzte Curtis Newton. Sein Bruder flog noch eine Ehrenrunde über das Stadion. Immerhin hatte er es geschafft, bis zum unsäglichen Schluß im Spiel zu bleiben. "Joan, wir gehen runter und beglückwünschen Max zu seinem Durchhaltevermögen. Immerhin können er und Ms. McDuffy in der nächsten Saison ohne schlechtes Gewissen aufspielen."

"Besser eine verfehlte Generalprobe als eine katastrophale Premiere", wandte Mrs. Newton ein und hob ihren jüngsten Sohn hoch, dessen Haare soeben wieder rotblond und lang herabhingen. Seine Augen nahmen den rehbraunen Farbton Millies an. Julius mußte unwillkürlich loslachen, als er das Kleinkind sah, daß aus einem nur diesem bekannten Grund Millies Haar- und Augenfarbe angenommen hatte. Simon sah seinen Vater mit einer gewissen Spur Flehen an. Doch dieser winkte ihm nur, ihm und seiner Mutter mit dem Chamäleon-Kind zu folgen. Joan wandte sich jedoch um, sah ihren Mann an und deutete dann auf die Foresters, Gloria Porter, Mel Redlief und die beiden Gäste aus Frankreich.

"Nun, das Spiel ist für die Windriders mehr als hervorragend abgelaufen, und Ihre Tochter hat sich auf ihrer Position sehr empfohlen, Mrs. Forester. Ms. Redlief, Ms. Porter, grüßen Sie bitte Mrs. Geraldine Redlief von mir! Mädmoasell Latierre, Mr. Andrews, es hat mich gefreut Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben."

"Nun, ich denke, mein Bruder möchte uns gleich sehen, damit wir zusammen nach Hause können. Auf Wiedersehen", sagte Mr. Newton. Er gab Millie, Julius und den beiden anderen Mädchen die Hand. Dabei fiel Julius auf, wie Mrs. Newton hinter ihrem jüngsten Sohn einen knapp fünf Zoll messenden Zauberstab auf Simon richtete und ihn kurz vor und dann zurück bewegte, die Geste für den Gegenzauber zum Silencius-Zauber. Da war sich Julius sicher. Tatsächlich sagte Simon dann mit einer Spur Erleichterung in Gesichtsausdruck und Stimme:

"Ich wünsche euch allen noch schöne Ferien und eine sichere Rückkehr." Julius gab Simon die Hand und sagte leise:

"Mach's gut und lass dich nicht fertigmachen!" Simon sah ihn etwas verwundert an, nickte dann aber, als habe er den kurzen aber lebenswichtigen Rat voll verstanden. Er wandte sich seinen Eltern zu und folgte ihnen. Das letzte, was Julius von den Newtons noch sah, waren die roten Schöpfe von Vater und Erstgeborenem, sowie das lange, rotblonde Haar am Kopf des Kleinkindes.

"Da hast du einen kleinen Verehrer, Millie. Ich hoffe mal nicht, daß ich eifersüchtig sein muß."

"Ich steh nicht auf Jungs, die so aussehen wie ich", erwiderte Millie schalkhaft grinsend. "Aber ist schon süß, daß der Kleine meine Haare so toll findet."

"Die Wechselwirkung zwischen Erscheinungsbild und Emotionen läßt mit zunehmendem Alter nach, Millie und Julius", schlaumeierte nun Gloria. Julius sah sie fragend an. "Ich habe mich über Sonderfälle magischer Menschen schlau gelesen, seitdem ich das mit deiner Ruster-Simonowsky-Sache wußte, Julius. Metamorphmagi lernen mit zunehmendem Alter, ihr Erscheinungsbild gezielt zu wählen und behalten es solange bei, bis sie es von sich aus wieder ändern wollen. Das ist ähnlich dem Harndrang. Erst kannst du ihn nicht kontrollieren, dann lernst du, nur noch da hinzumachen, wo's dir nicht peinlich ist."

"Was du nicht sagst", meinte Melanie und knuddelte ihre Cousine.

"Wenn ich mir vorstelle, daß der Knirps irgendwann mal ohne Zauberstab so aussehen kann wie ich ..." Meinte Julius.

"Oder wie ich", sponn Millie den Faden weiter. Alle lachten, bis auf Mrs. Forester. Diese hing irgendwelchen Gedanken nach, die sie von der ausgelassenen Stimmung fernhielten, in die die Windriders-Fans sich immer weiter hineinjubelten, klatschten, stampften und tröteten.

"Da unten ist Autogrammstunde", stellte Mel fest, als die beiden Mannschaften auf den Schmalseiten des Feldes aufmarschiert waren. "Ich leiere Britt ein Autogramm aus dem Umhang", beschloß sie und lief los, gefolgt von Gloria, Millie und Julius.

"Ja, neben dem von Venus Partridge paßt ihr's wunderbar hin", sagte Julius laut, was die Partridges veranlaßte, ihnen hinterherzulaufen.

"Das war eine geniale Premiere", lobte Mel ihre frühere Schulkameradin sehr überschwenglich. Brittany freute sich, vor allem, weil Melanie ehrlich lächelte und sich sichtlich freute. Die beiden jungen Hexen umarmten sich und klopften sich auf die Schultern wie Jungen, die sich drüber freuten, sich zu treffen. Julius fragte, ob Millie und er von Brittany ein Autogramm haben könnten. Sie strahlte beide an und zückte eine Falkenfeder aus einem blauen Drachenhaut-Etui und schrieb mit runden Buchstaben auf einen Pergamentschnipsel:

"Für Julius Andrews, einen ehrlichen Bewunderer und gelehrigen Schüler des Quodpots mit besten Wünschen für eine Zukunft voller Spaß, Gesundheit und Kurzweile
                    Brittany Dorothy Forester"

Millie schrieb sie auf eine Pergamentseite ihres Notizheftes:

"Für Mademoiselle Mildrid Ursuline Latierre, eine vielversprechende Junghexe in allen Flug- und Lebenslagen
                    Brittany Dorothy Forester"

Julius begrüßte kurz noch die drei Fridays, die aus der Nähe betrachtet noch imposanter waren. Sie waren leicht untersetzt und sehr athletisch gebaut und waren bestimmt so groß wie Millies Mutter und ihre ältere Schwester. Er fragte die, welche Dawn mit Vornamen hieß, ob sie denn auch am Morgen zur Welt gekommen sei. Diese grinste zahnpastaweiß und sagte:

"Genau die Kiste ist passiert, Julius. Ich war die erste auf der Rutschbahn ins Leben. Hope kam Mittags, und Eve konnte sich erst am Abend durchringen, an die Luft zu kommen", sagte sie mit einer dunklen, samtweichen Stimme. "Du kamst bestimmt darauf, weil du eine kennst, die Dawn mit Nachnamen heißt, nicht wahr?" Julius nickte. "Habe das von Britt und Venus gehört, daß du diesen legendären Doppelachser fliegen kannst, den Ms. Aurora Dawn erfunden hat. Eigentlich müßtest du den mir zumindest noch beibringen. Dann hätte ich was, was ich mit meinem Vornamen verbinden kann."

"Ich bin mit Millie noch ein paar Tage hier. wenn du's nicht breittrittst fliege ich den für dich, Britt und deine kleineren Schwestern vor und ... Ahaauutsch! Millie!" Millie hatte ihm kräftig mit ihren spitzen Fingernägeln ins rechte Ohr gezwickt.

"Mir will der den nicht beibringen, aber ihr dunklen Schönheiten kriegt das für umsonst geboten", knurrte sie. Die drei Schwestern lachten belustigt. Julius straffte sich und atmete kurz durch. Was sollte s!

"Okay, mein kleiner Floh, damit ich mich im nächsten Jahr von meinen Mannschaftskameraden zur Schnecke machen lassen darf, weil du den fliegen kannst und das wohl dann nicht alleine machst", stöhnte Julius. "Sei es in Dreiteufels Namen. Aber ich habe den von der Erfinderin in einem besonderen Intensivtraining gelernt, das ich selbst nicht anbieten kann. Also kann ich nicht garantieren, daß dieses Manöver bei euch locker sitzt, wenn ich hier wieder abreise.""

"Wir sind große Mädchen", sagte Brittany. "Wir lernen vom Zugucken." Millie zwinkerte ihr zustimmend zu und strahlte sie an. Wieder einmal hatten sich die beiden Hexenmädchen auf einer Wellenlänge getroffen. Die Fridays nickten und bedankten sich. Dann zogen Julius und Millie wieder ab, vorbei an den nachdrängenden Fans. Millie bugsierte Julius sachte aber unausweichlich vom Spielfeldrand weg unter die Treppe zur Tribüne, stellte klar, daß niemand ihnen zusah und zog Julius in eine innige Umarmung. Er drückte sie gleichfalls an sich und sah erwartungsvoll, wie sich ihre Lippen seinem Mund näherten. Er entspannte sich und genoß zwanzig Sekunden Verbundenheit. Dann meinte Mildrid:

"Das ist sehr sehr nett von dir, mir zu helfen, besser zu spielen, auch wenn du Angst hast, daß deine Leute dich dafür blöd anmachen könnten. Aber der Pokal wird im Nächsten Jahr sowieso rot. Grün ist eine komische Farbe für einen großen Trinkbecher. Könnte man ja an Grünspan denken."

"Ja, und bei Rot an Blut oder Rost", konterte Julius, dessen Lippen immer noch heiß und feucht vom langen Kuß waren.

"Blut ist der Saft des Lebens, und der Pokal ist der Grund, Spaß am Leben zu haben, Monju", wußte Mildrid die passende Antwort darauf. Dann traten sie unter der Tribüne hervor und eilten zu Mrs. Forester hinüber, die Melanie winkte, die gerade eine kleine Practicus-Handtasche öffnete und den Rossfield-Ravens-Umhang darin versenkte. Gloria sah sie an, als sie im knappen Sommerkostüm dastand, das doch viel von ihrer erblühten Weiblichkeit zeigte.

"Du kannst auch so rumlaufen, Gloria. Aber nicht wenn Tante Di dabei ist", sagte Melanie aufmunternd und verschwörerisch zugleich. Millie meinte, daß sie nur aufpassen müsse, sich keinen Sonnenbrand an empfindlichen Stellen zu holen. Mrs. Forester kam herbei, sah Melanie an und meinte, daß sie doch bitte etwas dezenter bekleidet herumlaufen möge, wenn sie schon meinte, ohne ihre Schwester Myrna zu ihnen zu kommen und mit Gloria bei ihnen zu übernachten. Julius vermeinte, sich verhört zu haben. Doch Millie hatte es wohl genauso gehört und fragte, ob die beiden Streithexen sich wieder vertragen hätten.

"Das liegt an Onkel Marcellus, Julius. Der hat nach dem ganzen Gezeter von Mel und Myrna auf den Tisch gehauen und befunden, daß Britt ja doch recht gehabt hätte und Mel sich nicht wie ein elfjähriges Mädchen benehmen solle." mel trat ihrer Cousine dafür mit dem rechten Absatz auf den linken großen Zeh. Doch Gloria nahm es ohne Aufschrei hin und fuhr fort: "Am Ende vom Lied hatten wir einen Tag Froststimmung, bis Mel meinte, sie wolle sich mit Britt wieder vertragen und wie vereinbart noch zwei Tage in VDS bleiben. Myrna hat dann gesagt .... Ja, Mel, du hast schöne Schuhe an." Melanie hatte ihr schon wieder auf den Zeh getreten. " ... hat also Myrna gesagt, daß sie mit der Zitat "Blöden Kuh Brittany" Zitat Ende nicht mehr reden wolle, wo die doch jetzt nicht mehr in Thorny sei."

"Ich hänge dir auch noch den Schweigezauber an, Glo, wenn du dein Schandmaul nicht hältst", knurrte Mel. "Dann darfst du auch drei Stunden lang stumm wie'n Fisch rumsitzen wie das wandelnde Quodpot-Archiv von den Newtons. Ich hoffe mal, der wird noch normal. Nicht, daß die den mit irgendeinem Gedächtnis-Elixir abgefüllt haben, das nicht so schnell abgebaut wird." Mrs. Forester deutete mürrisch auf Mels dünnes Trägeroberhemd. Darauf griff Glorias Cousine noch einmal in ihre Handtasche und zog einen dunkelgrünen Umhang hervor, den sie sich sorg- und sittsam um den Körper hängte, in die kurzen Ärmel schlüpfte und ihn mit seinen vier Schließen sicherte. Mrs. Forester nickte schwerfällig und winkte den Mädchen und dem Jungen, ihr zu folgen.

"Gehen wir zu Fuß?" Fragte Millie."

"Dan trifft sich mit den Cottons in der Stadion-Kantine. Sie werden zum Abendessen zurückkommen. Wir können also flohpulvern", sagte Mrs. Forester und wies auf das Verwaltungsgebäude des Stadions. Dort angekommen betraten sie eine große, fünfeckige Halle mit Bildern unzähliger Windrider-Veteranen, die innerhalb ihrer Galerie umherflogen und jubelten, weil ihre Mannschaft das Spiel so überragend gewonnen hatte. In einer der fünf Ecken loderte ein munteres Feuer in einem breiten Kamin aus Mosaiksteinen in verschiedenen Blautönen. Mrs. Forester warf eine Sickel in einen Schlitz an einem Metallkasten und zog nach einem leisen Klackern eine Schublade auf, der sie eine kleine Tüte entnahm. Sie ging an den Kamin, riss die Tüte auf und schüttete das glitzernde Flohpulber in die Flammen, die unverzüglich zu einer laut brausenden, smaragdgrünen Feuerwand aufloderten. Sie schickte Julius zuerst, der sich in das verzauberte Feuer stellte und locker rief: "Rotbuchenhaus!" Laut rauschend verschwand er in einem Wirbel grüner Flammen. Sie warteten einige Sekunden. Dann folgte Melanie, dann Gloria, dann Mildrid und zum Schluß Mrs. Forester.

Als sie alle im geräumigen Kamin in der ländlich eingerichteten Wohnküche der Foresters angekommen waren meinte Mrs. Forester:

"Bin ich froh, daß Britt nichts passiert ist. Dieses Spiel ist doch sehr brutal. Aber womit ich mein Geld verdiene ist ja auch nicht ungefährlich."

"Nur solange Sie vergessen, worauf sie aufpassen müssen, Madame", erwiderte Millie darauf. "Meine Mutter hat auch sehr lange Quidditch gespielt. Ist auch ziemlich gefährlich, wegen der Klatscher. Aber sie wäre bestimmt sehr traurig gewesen, wenn sie es nicht hätte spielen dürfen."

"Im Grunde bin ich auch froh, daß ihr beiden, Julius und du, Millie, so diszipliniert fliegen könnt. Sonst müßte ich mir das sehr sehr gründlich überlegen, ob ich euch beide auch nur zur Übung spielen lasse."

"Mrs. Forester, Sie kennen das doch schon von Brittany in Thorntails", wandte Melanie ein. Britts Mutter nickte. Dann ploppte es draußen vor der Tür, und Brittany rief:

"Juuhuu! Schon wer zu Hause?!"

"Komm rein, Britt!" Rief ihre Mutter. Wieder ploppte es, doch diesmal zweimal. Einmal leise draußen und dann etwas lauter im Wohnraum.

"Das war also mein erstes offizielles Spiel", sagte Brittany und atmete hörbar ein und aus. "So leicht wie heute wird das gegen die Slingshots in der nächsten Saison nicht mehr."

"Die werden die Mannschaft komplett umkrempeln", vermutete Millie.

"Neh, die werfen nur den Trainer raus und lassen die Truppe wie sie ist", wandte Julius ein. "So läuft das ja doch immer."

"Mag sein, daß Falkner morgen schon arbeitslos ist. Aber dann nimmt der mindestens zwei von denen mit", erwiderte Brittany. "Werden wir ja sehen."

"War Lino noch mal bei euch in der Kabine?" Fragte Melanie Redlief. "Ich hatte die doch noch in der Presseloge gesehen, wie die sich Notizen gemacht hat." Mrs. Forester wirkte auf einmal so, als sei ihr etwas ganz wichtiges siedendheiß eingefallen. Sie wandte sich von den anderen ab. Doch Julius konnte die tomatenrote Farbe ihrer Ohren nicht übersehen.

"Oh, habe ich vergessen zu erzählen, daß die nachher noch mal kommt um mich als jungfräuliche Quodpot-Hexe nach meinen Empfindungen zu befragen", erwähnte Brittany etwas schuldbewußt dreinschauend. Ihre Mutter nickte jedoch verstehend.

"Dann sollten wir anderen uns irgendwo hintun, wohin ihre Ohren nicht ausgerichtet sind", meinte Julius.

"Die wollte nur was von mir, nicht von euch, Julius", erwiderte die Tochter des Rotbuchenhauses lässig. "Solange du nicht noch mal mit einer dieser Abgrundstöchter ein Rendezvous hast bist du für die im Moment keine Schlagzeilen wert." Mrs. Forester fuhr herum, knallrot im Gesicht, und Julius wußte nicht, ob es die Schamröte oder Zornesröte war.

"Brittany Dorothy Forester, das ist jetzt absolut ungehörig", maßregelte ihre Mutter sie sehr zornig. Doch Julius schüttelte den Kopf. Britt hatte ja recht, auch wenn die Art, wie sie das rüberbrachte schon heftig dreinschlug.

"Wann ist Ms. Knowles denn hier?" Fragte Gloria.

"Hmm, weiß ich jetzt nicht. Als ich sie zuletzt gesehen habe war sie bei dem rothaarigen Maxwell Newton von den Slingshots und seiner Familie. Der Rotschopf sah nicht so aus, als behage ihm das. Sein Bruder ist ja Ministerialbeamter. Hoffentlich zieht Lino nicht zu heftig über Maxwells ganz kleinen Neffen her. Ihr habt ja mit dem oben gesessen. Schon abgedreht, was der kann."

"Maya Unittamo muß sich für eine Selbstverwandlung in einen Farbenwirbel auflösen", meinte Julius. "Und der Dreikäsehoch macht das durch pures Tollfinden."

"Soll uns eigentlich nicht kümmern", meinte Mrs. Forester. "Mich geht der kleine Junge erst in zehn oder elf Jahren was an, sollte ich da noch in Thorntails unterrichten." Julius erkannte, daß ihr das Thema nicht behagte. Er hatte keinen Grund, Millie nicht zu glauben. Daher war er sich sicher, daß Mrs. Forester nicht weiter an die Newtons denken oder über sie reden wollte. Sie wirkte sehr verdrossen, ja irgendwie nicht so ganz in Balance. Sie bedeutete Gloria und Mel, ihr Gepäck in das Zimmer zu bringen, in dem sie vor zwei Nächten geschlafen hatten. Brittany half den beiden beim Einräumen, während Millie und Julius auf ihre Zimmer gingen und die geliehenen Umhänge gegen ihre Alttagsumhänge tauschten.

Julius wollte gerade seine Hälfte des magischen Anhängers hervorholen, um mit Millie zu mentiloquieren, als mit lautem Getöse Curtis Newtons Stimme wie eine Mischung aus Wirbelsturm und Erdbeben das ganze Haus erzittern lies:

"Was fällt Ihnen eigentlich ein, meine Frau derartig indiskret auszuhorchen, was mit unserem Sohn los ist?! Was bilden Sie sich ein, wer Sie sind?! mein Sohn Simon ist weder eine gefährliche Kreatur noch irgendein Anschauungsobjekt für irgendwelche pseudopädagogischen oder heilerischen Kompetenzkrämer! meine Frau und ich kommen sehr gut mit ihm zurecht und werden dafür sorgen, daß er ohne irgendwelche Probleme nach Thorntails eingeschult werden kann! Sie haben hier und heute gar nichts damit zu tun, Professor Forester! Ich behalte mir vor, Ihrer Vorgesetzten mein Mißfallen über diese Ihre Anmaßung, Indiskretion und Rücksichtslosigkeit mitzuteilen! Sollten Sie noch einmal derartig über Ihre eigenen Kompetenzen hinaus tätig werden, werde ich dafür sorgen, daß Sie weder Simon noch andere magisch begabten Kinder je wieder unterrichten dürfen!!"

Es knisterte leise, weil die durch die dröhnende Stimme aneinander geriebenen Balken einige Holzspäne herausrieseln ließen. Julius hörte das ganz sachte Ohrenklingeln, daß dieser Lärmattacke folgte. Doch nach etwa einer Minute hatte sein Gehör sich wieder erholt. Er drückte seinen Herzanhänger an die Stirn und dachte:

"Lino muß die beiden im Klohaus belauscht haben. Da haben wir zwei auch nicht dran gedacht. Jetzt weiß die, daß wir wissen, was Mrs. Newton ohne es zu wollen angestellt hat."

"Stimmt, da haben wir nicht dran gedacht. Man war der Laut. So'n lauten Heuler habe ich in Beaux noch nicht erlebt."

"Das können wir ändern. Ich behaupte einfach nach den Ferien, ich hätte dich satt. Dann kriege ich mindestens zwei Heuler, die genauso laut sind."

"Wenn du meinst, du kriegtest dann so Ohren wie diese Lino eingesetzt", schickte Millie zurück, während Brittany mit ihrer Mutter diskutierte, was sie denn sooo schlimmes angestellt habe, daß jemand ihr, einer Lehrerin, einen Heuler zuschickte, der bestimmt drei Häuser weiter noch klar verstanden werden konnte.

"Vielleicht will Lino nachher doch noch mit uns sprechen", gedankensprach Millie.

"Dann sagen wir: Kein Kommentar."

"Na ja, wenn die sich davon abhalten läßt."

"Wäre natürlich ein gefundenes Fressen für die, einen Ministerialbeamten durch den Kakao zu ziehen", schickte Julius zur Antwort. Millie befand, daß da was dransein mochte.

Während der nächsten zwanzig Minuten wollten Melanie und Gloria wissen, weshalb ihnen fast die Trommelfelle geplatzt wären. Doch Mrs. Forester schloß sich in ihr Arbeitszimmer ein und blieb da. Julius meinte mit Blick auf den Garten, daß der Heuler jetzt bestimmt alle Gnome verjagt hatte.

"Du witzbold, wo wir die Gnomverdränger ausgebracht haben", lachte Brittany.

Linda Knowles apparierte fünf Minuten vor acht Uhr vor der Grundstücksgrenze. Brittany hatte von ihrer Mutter die klare Anweisung, alleine mit ihr zu reden. Tatsächlich verlor Linda Knowles kein Wort über das, was Mrs. Forester mit Mrs. Newton besprochen hatte. Mochte es sein, daß Curtis Newton ihr mit rechtlichen Folgen gedroht hatte oder sie den Knüller schon wasserdicht verpackt hatte. Als sie jedoch noch einmal mit Julius sprechen wollte, wiegelte dieser ab und sagte:

"Ich bin hier nur Gast, Ms. Knowles. Es hat mir sehr gefallen, wie Ms. Forester gespielt hat. Das dürfen Sie schreiben."

"Das ist nett von dir", sagte Linda Knowles mit jenem honigsüßen Lächeln, das an einigen Stellen der Zaubererwelt bestimmt schon als Geheimwaffe eingestuft war. Doch Julius lächelte ebenso zurück, wenngleich sein sprießender Schnauzer das Lächeln nicht so perfekt spiegelte. Die Reporterin erkannte, daß sie hier im Moment nichts weiteres erfahren würde und verabschiedete sich höflich.

Als Mr. Forester wiederkam, aßen sie alle ruhig zu Abend. Den Heuler und was da alles dranhing erwähnte niemand. Abends gab es dann noch zwei Stunden Hausmusik, wobei Dan Forester auf einem betagten, aber doch noch gut gestimmten Klavier spielte. Gegen Mitternacht zogen sich alle in ihre Zimmer zurück und legten sich schlafen. Julius dachte nur noch einmal kurz an Brittanys Premiere, sah die wilden Flugmanöver im Geiste vor sich und dachte daran, daß er ihr und ihren Kameraden versprochen hatte, den Dawn'schen Doppelachser zu zeigen. Millie würde ihn dann also auch lernen. Das konnte im nächsten Jahr noch etwas geben! Doch was dachte er da? Wenn es das einzige War, was ihn im nächsten Schuljahr sorgen machen sollte, dann sollte er sich glücklich schätzen, sich und alle anderen, an denen ihm viel gelegen war.

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